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E_1935_Zeitung_Nr.084

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los, während so viel

los, während so viel Zwilch und Werg im eigenen Laden herumliegt, dass Jeder leidtragende Steuerzahler mit vollem Recht die Forderung des zuerst vor der eigenen Türe Wischens erheben darf. Haben die Herren Ver- •waltungsräte desjenigen Unternehmens, das seinerzeit nur wegen dem Kampfruf: «Die Schweizer Bahnen dem Schweizer Volke» überhaupt gegründet werden konnte* Kenntnis von der bitterbösen Stimmung im Lände •• •wegen der praktizierten Verschleppungstaktik der S. B. B.-Sanierung? Warum werden immer breitere. Keile ins Volk hineingetrieben? Soll das Gefälle zwischen Privat- und Staatswirtschaft- zu einer unüberbrückbaren' Kluft erweitert werden, denn man kann • dem Heiri nicht ein nach der Decke sich strecken'befehlen, nur damit der Hans im bisherigerr Gemütstempo weiterwursteln kann ! Ist man in letzter Zeit auch einmal zu jenem, y-6lke. her- : •untergestiegen, dessen Meinung man angeblich gepachtet zu haben glaubte, um die bit-- tern Klagen wegen Privilegierung einer zu Lasten..der übrigen Steuerzahler lebenden Sonderklasse ?u Vernehmen? Industrie, Handwerk und Gewerbe, drei Grundpfeiler unserer Volkswirtschaft, ringen einen harten Kampf um ihre Existenz. Die sekundären Zweige werden wie beim Automobil hingegen zusehends mehr abgewürgt, während die stolzen Bundesbahnen apathisch von Woche zu Woche der Schuldenwirtschaft immer stärker verfallen. Solange von Baar nach Basel der Bahntransport von 12 Kubikmeter Erde auf 155 Fr., für Zu- und Abfuhr auf je 48 Fr. zu stehen kommt, während der Automobiltransport vom Verlader zum Empfänger 170 Fr. beträgt, dann begreift man den Ausspruch: «Es hat gar keinen Wert, nur noch einen Zehner fürs Telephon zu opfern, um sich bei der S. B. B. über einen konkurrenzmässigen Tarif zu erkundigen» — ein kleines Beispiel, wie es in unserer Wirtschaft täglich vorkommt» Was die Konkurrenz des Automobils mit den Bahnen anbetrifft, so sei stets wieder darauf hingewiesen, dass die missliche finanzielle Lage der S.B.B., wie auch vieler schweizerischer Privatbahnen, nicht erst durch die Automobilkonkurrenz entstanden ist Von 1903 bis 1909, in einem Zeitpunkt also, wo man bei uns überhaupt nicht von einem gewerbs- oder ' werkmässigen Strassenverkehr sprechen konnte, hatten die S.B.B. während 5 Jahren verlustbringende Geschäftsjahre zu verzeichnen. Schon damals dürfte diese Entwicklung grösstenteils auf das Missverhältnis zwischen dem vorhandenen Verkehr und der Grosse der investierten Kapitalien zurückzuführen sein. Von 1913 bis 1931 wurde dessen ungeachtet das Bundeskapital verdoppelt und auch dann noch um 80 bis 90 Mill. Fr. jährlich erhöht, als man bereits von Bahnseite her die Automobilkonkurrenz für die Ausfälle verantwortlich machte. Die unhaltbare Entwicklung der finanziellen Betriebsverhältnisse bei den Schweizerbahnen muss um so nachdenklicher stimmen, als mancher Eisenbahngewaltige warnend die Stimme vor einem weitern Ausbau des Strassennetzes mit der Begründung erhebt, die in den Strassenbau i hineingesteckten Gelder könnten im Hinblick auf das vor der Türe stehende Flugwesen verloren sein, während sie selbst aber Millionen und nochmals Millionen in die Schienenwege hineinsteckten, ungeachtet der Tatsache, dass das Automobil nicht erst vor der Türe, sondern bereits schon mitten im'Landesinnern stand! tung. Bilder jener köstlichen Wildnis, die mich schon besass und immer wieder ruft. Wie ein förmlicher Schrei durchtobt ein Verlangen mein Inneres. Wie stumpfsinnig doch eigentlich diese Mädel dahocken. Pepita auch! Aber dein Mund ist ja wie jene rote, feuchtglänzende Blüte, die der Monsun auf die weissumhüllte Schulter der Balinesin wehte! Deine Hände gleichen jenen der schmalen safrangelben Tochter Kippons in dem traurigen J3ämbuskäfig„ der, den lieblichen Na'men «Ampel des Mondes» führte. Blauer Qualm umwogt mich. Öläser ras-, sein, und Benitos gesundes Auge schraubt sich stechend durch den Raum. Maskenhaft grinst Blatternarbenjesus, der grösste Taugenichts dieser verrückten Urwaldsiedelung. Cachassa her! Brrr, das brennt! Grölend lachen zerlumpte Gummisucher über einen guten Witz. Draussen paddeln zwei Kanus vorbei, in ihnen hocken fiebergelbe Kinder der Ansiedler, ihre Augen sind bläulich unterschattet. Fern auf dem Lande, wo die Peone des Dom Xaime dem Sumpfe ein Maisfeld abrangen, trompetet ein herumwandernder Esel so laut, dass es bis hierher in den von Stimmen hallenden Raum peitscht. f Schwere feuchte Düfte überall. In fauligsüssen Schwaden dringt die Luft des Amazonas durch die Tür. Grellviolette Schlaglichter liegen auf dem Boden. Pepita klimpert. Hinter dem Schanktisch, über der Raubvogelfratze des schnapssaugenden Santiago, über dem Rattengesicht des Bürgermeisters und den narbigen Wangen des Blättern] esus, bewegt sich der schöne Kopf Ballenhas vor der Prof. Saitzew hat in seiner wohl dokumentierten Arbeit über die -wirtschaftlichen Aufgaben und wirtschaftspolitische Behandlung der Eisenbahnen die Kapitalbelastung auf den Kilometer auf 1,005,600 Fr. oder unter Abzug der Elektrifikationskosten auf 854,000 Fr. berechnet, während sie auf der deutschen Reichsbahn 621,000 Fr., und auf den französischen Hauptbahnen nur 273,100 Fr. beträgt. Um das Missverhältnis von Kapitalinvestition und Verkehrsleistung noch deutlicher unter den schweizerischen, deutschen und französischen Bahnen hervortreten zu lassen, sei darauf hingewiesen, dass in der Schweiz über den Kilometer Bundesbahnen 705,000 t, in Deutschland 1,375,000 t, und in Frankreich 1,065,000 t rollten. .1 Im Sanierungsbericht der S.B.B, vom Jahre 1932 wird sogar selbst darauf hinge- ,wiesen, dass die Unterdrückung der Automobilkonkurrenz nicht ein Mittel sei, den Bahnen zu helfen, denn das Verkehrsproblem sei nicht ein einseitiges Problem der Bah- ,nen, sondern ein solches der Wirtschaft. Die I Lösung könne daher nur in einer rationellen Verkehrsteilung liegen. Wenn wir an das verworfene Gesetz erinnern, so möchten wir darauf hinweisen, dass eine befriedigende Regelung des brennenden Schiene-Strassenproblems niemals im Sinne einer weitern Ausdehnung monopolistischer Tendenzen auf den Strassenverkehr erfolgen kann, sondern dass eine diesbezügliche Ordnung vorerst eine finanzielle Sanierung der Bundesbahnen zur Voraussetzung hat, wobei auch eine weitgehende technische Umstellung einhergehen muss, Wenn die S.B.B., resp. deren Verwaltungsrat wiederum gegen den Automobilismus anstürmt, so sei daran erinnert, dass durch den Automobilismus, wie durch jeden technischen Fortschritt, bisherige Verkehrseinrichtungen zum Teil entwertet werden müssen, wie dies seinerzeit auch hinsichtlich des Einflusses der Schienenwege auf die Landstrasse der Fall war, eine Erscheinung, die nicht vermieden werden kann, sofern man auf den verkehrstechnischen Fortschritt nicht verzichten will. Diese Umstellung und Verschiebung wird jedoch durch anderweitige wirtschaftliche Vorteile ausgeglichen und eine weitsichtige Verkehrspolitik hat lediglich dafür zu sorgen, dass bei der Umstellung die Entwertung auf ein Mindestmass beschränkt werden kann. Niemals abßr lassen sich dann für ein Volk die grössten Vorteile 1 ! äus ' der technischen Entwicklung herausholen, wenn man diese' gewaltsam 1 unterdrückt und abdrosselt, wie dies mit 1 Hilfe der dringlichen Bundesbeschlüsse bei uns Mode geworden ist, während man sich selbst nur zaghaft an die finanzielle und technische Säuberung der eigenen Bahnbetriebe heranwagt. Wy. Aus der Mappe des Technikers Automobilreparaturen. Fortsetzung von Seite 1. Zugegeben soll werden, dass das europäische System der Lagerhaltung von Ersatzteilen noch nicht so entwickelt ist wie das amerikanische, bei dem in jedem Werk eine ständig auf dem laufenden gehaltene Uebersichtsliste aller Ersatzteile vorhanden ist, die in den einzelnen Werkstätten und bei den Vertretern lagern, so dass diese sich stets dunkeln Holztäfelung hin und her. Wo sah ich nur Gleiches? Wo? Ach, könnte mir das jemand sagen? Höhepunkt allen Uebels. Die Siedlung heisst Remate de Males — zu deutsch Höhepunkt allen Uebels ! Ich bin hier wie am Ende der Welt, wo menschliche Teufel, Urwalddämonen und beider Verbündeter, das tödliche Amazonasfieber, um die Wette rasen. Etwa, zwei Dutzend ruppiger Holzhäuser stehen auf hohen Pfählen. Diese lehnen, meist wie trunken vornüber, dass es aussieht, als ob die Gebäude von ihren Bambusplattformen schräg hinab in das stillstehende: Wasser rutschen wollen. Zwischen-den Häusern, überall in der hitzeflimmernden Runde, glänzt gelbe Flut Aus Brasilianern, Mulatten, einer Anzahl Dirnen gemischten' Blutes und verschiedenen Dutzenden von Abenteurern und Auswürflingen aller Nationen, ewig wechselnd und fortwährend neuen Ankömmlingen Platz machend, besteht die ein echtes Pfahlbauerdasein lebende Bevölkerung. Fast neun Monate im Jahr hockt die bunt zusammengewürfelte Gesellschaft derart über dem Wasser. Abfälle, wie Unrat werfen wir aus den Löchern, die* man Fenster nennt, oder wir lassen sie gleich durch die weiten Fugen der bei jedem Schritte heftig wippenden und federnden Bambusfussböden fallen. In der Tiefe hausen merkwürdige und schreckliche Geschöpfe! Der schleimige Hundskopf, der ÄÜTOMOBlL-REVÜE 1935 - N° 84 gegenseitig aushelfen können. Aber auch das wird in Europa und bei uns kommen, sobald unsere Fabriken nun erst einmal zu Standardmodellen mit Karosserieerzeugung gekommen sind, wozu sie ja durchwegs inzwischen bereits einen hoffnungsvollen Anlauf genommen haben. Verrechnung von Reparaturen. Aehnliche Preisunterschiede wie in der Nachlieferung von Ersatzteilen finden wir aber auch in den Lohnsätzen für Arbeiten ganz gleicher Art bei verschiedenen Fahrzeugmodellen und -typen. Der Lohnanteil bei Reparaturrechnungen muss, da es sich stets um Einzelarbeiten handelt, nach der Zahl der aufgewendeten Lohnstunden ganz verschieden sein, und die Anzahl der aufgewendeten Montagelohnstunden hängt ganz von dem Umfang der auszuführenden Arbeit und von der Zugänglichkeit der zu demontierenden oder zu montierenden Teile ab. Diese Zugänglichkeit ist bei älteren Modellen durchwegs geringer, bei modernen Fahrzeugen grösser, woraus sich bei gleich geschickten Arbeitern eine erhebliche Differenz in der Lohnberechnung ergibt. ,, Aus diesen Gründen ist es leider vorläufig auch den meisten Reparaturwerkstätten nicht möglich, Einheitspreise für Reparaturen bestimmter Art und begrenzten Umfanges, z. B. für das Einschliefen von Ventilen, für das Auswechseln eines Kurbelwellen- oder Kolbenstangenlagers, für die Reparatur eines Kühlers u. a., festzusetzen, obgleich damit die Ursache zu mancher Differenz aus dem Wege geräumt und dem Reparateur wie dem Kunden gleichermassen gedient würde. Der Dienst am Kunden. In dankenswerter Weise haben im Lauf der letzten Jahre sowohl von Seiten der Fabriken wie auch in Händlerkreisen Bestrebungen eingesetzt, die die grosse Anzahl von technisch wenig versierten Selbstfahrern in der Pflege und Unterhaltung ihres Fahrzeuges unterstützen. Der Dienst am Kunden bezieht sich auf periodische Untersuchung der im Betrieb befindlichen Fahrzeuge auf Reparaturbedürftigkeit und Verbrauch, auf überschlagsmässige - Schätzung der Reparaturkosten und Prüfung von Reparaturrechnungen. Diese Kontrolle von im Betrieb befindlichen Fahrzeugen erleichtert dem nicht sachverständigen Besitzer wesentlich die Uebersicht über die Betriebskosten, erhöht die Betriebssicherheit der kontrollierten Fahrzeuge durch rechtzeitige Vornahme von kleineren Reparaturen, welche das Vorbeugungsmittel für die grösseren bilden, und schützt den Besitzer vor etwaiger Uebervorteilung bei Einkauf von Betriebsstoffen und Reparaturen. Diese Art der periodischen Fahrzeugüberwachung ist in Amerika bei allen Fabriken, welche Fahrzeuge mittlerer und hoher Preislagen erzeugen, eingeführt und hat sich ausserordentlich bewährt. Sie hält den Kontakt zwischen Ursprungsfabrik, bzw. Vertreter und Konsument dauernd aufrecht und macht sich dadurch bezahlt, dass sie den einmal gewonnenen Kunden bei der Stange, d. h. der von ihm gefahrenen Marke hält. Hoffen wir, dass diese Einrichtung auch von europäischen Fabriken, bzw. deren Verkaufsorganisationen ständig weiter ausgebaut wird. den Körper vom Aal und den fast nur aus Rachen bestehenden Kopf dem Wolfe entlehnte. Das gewaltige, stumpfnasige Amazonaskrokodil, das gerne die ihm zugeworfenen Ueberbleibsel in Empfang nimmt und dafür aus furchtbarer Anhänglichkeit als greuliches Haustier unter ein und derselben Hütte wohnen bleibt. Und winzige, durchsichtige Stachelflosser, die dem Badenden in den After schlüpfen, nicht mehr zurückkönnen und ,so bösartige Entzündungen, auch selbst, den Tod herbeiführen. Niemand ausser Neulingen ist allerdings wahnsinnig genug, in brasilianischen Flüssen zu baden. 1 Zuletzt, aber not least bewohnt der hübsche Piranha in Scharen die feuchte Tiefe. Manchmal sitze ich auf der Plattform und sehe das Wasser blitzen von heringsgrossen, silberschlanken Fischen, dass es mich dünkt, als ob die müde, fliessendem Golde gleichende Strömung von Silberpfeilen durchzuckt wird. Das sind die schönen, zierlichen Piranhas, deren unglaubliche Gefrässigkeit, ihre wimmelnde Zahl und ein dreieckiges, der Schere ähnelndes Gebiss sie befähigt, Pferd, Ochse; Mensch und Wasserschwein in fünf Minuten buchstäblich zu skelettieren. Brasilien, das Land, um das sich Teufel und Engel hartnäckig streiten, ist reich an Schreckenswesen, und König der Wasser ist der Piranha ! Hier in Remate de Males, diesem lächerlichen, spukhaften Zerrbilde Venedigs, haust dieser Fisch zu Tausenden und aber Tausenden unter den Pfahlbauten. •stischer Deutscher Strassenbau beschäftigt 440,000 Mann. Die Zahl der bei der Reichsautobahn beschäftigten Arbeiter hat sich in einem Jahr mehr als verdoppelt. Unmittelbar finden dort 120 000 Mann Beschäftigung, und 150 000 Mann finden mittelbar Beschäftigung in Steinbrüchen und der Zubringeindustrie. Weitere 170 000 Mann arbeiten beim Ausbau der Reichs- und Landstrassen, so dass der deutsche Strassenbau zur Zeit 440 000 Mann Ar~ beit gibt. Weshalb quietschen Bremsen ? Im deutschen Heinrich-Hertz-Institut für Schwingungsforschung wurden Versuche angestellt, um den Grund für das ausserordentlich lästige Quietschgeräusch zu ermitteln. Die Bremstrommel gerät bei unregelmassigem Packen der Bremsbacken in Schwingungen, die in ihrer Art den Schwingungen einer Glocke gleichen. Sie entstehen etwa auf die gleiche Art, wie die Schwingungen eines Weinglases, das dadurch zum Tönen gebracht werden kann, dass man mit dem befeuchteten Finger auf dem Rand entlang streicht. Das Quietschgeräusch lässt sich durch schalldämpfende Mittel nicht unterdrücken. Ganz reine Bremsbeläge führten niemals zum Quietschen — nur wenn Feuchtigkeit oder Verunreinigungen vorhanden waren, konnte man im Laboratorium dit Bremsen zum Tönen bringen. Kartellpläne der französischen Automobil. Industrie. Der Absatzrückgang im Personen- und Lastwagengeschäft, der zur ungenügenden Ausnutzung aller Werkanlagen der französischen Automobilindustrie geführt hat, lässt in Finanz- und Industriekreisen den Gedanken aufkommen, ob es nicht richtig und zweckmässig wäre, die Werke zu einem Kartell zusammenzuschließen, um günstigere Fabrikations- und Absatzverhältnisse zu schaffen. Bereits wird die Fusion von Delage und Delahaye gemeldet, derzufolge die letztere Fabrik die kommende Fabrikation der Delagewagen übernehmen würde. Durch die Uebernahme des gesamten technischen Stabes sei die Gewähr geboten, dass das von L. Delage begonnene Werk auch in seinem Sinn und Geist fortgesetzt werde und die Wagen dieser Marke ihren eigenen Stempel und ihre besondere Charakteristik bewahren werden. Das gelbe Kreuz. Das Berliner Polizeipräsidium kündete auf den 15. Oktober 1935 verschärfte Strafen gegen Verkehrssünder an. Automobilisten, die sich häufiger und schwerer Verkehrsunfälle schuldig machen, erhalten auf ihr Fahrzeug ein gelbes Kreuz als Kennzeichen aufgemalt. Motorfahrzeuge, die in nichtbetriebssicherem Zustand im Verkehr getroffen werden, sollen durch einen gelben Ring kenntlich gemacht werden. Die derart der besonderen Aufmerksamkeit der Verkehrspolizei « empfohlenen » Fahrzeuge werden in gewissen Zeitabständen den Behörden zur Nachkontrolle vorgeführt. Daneben beabsichtigt die Berliner Polizei, in Zukunft mit grösserer Schärfe gegen entbehrliches Signalgeben vorzugehen. Neun Monate lang der heissen, fieberschwangera, moskitoschwirrenden Jahreszeit besuchen sich hier die fragwürdigen menschlichen Existenzen gegenseitig in ihren Kanus. Neun Monate von zwölfen stinkt die trag' wallende, undurchsichtige Flut zwischen den Ritzen der Bambusböden zu den in Hängematten faulenzenden Besuchern empor. Neunmal dreissig Tage plätschert sie um grün bealgte Hauspfähle und hüllt manchen Gummisucher, Diamantengräber und Abenteurer, den ein Messer stumm machte, in ihr nasses Leichentuch ein. Die andern drei Monate, wenn der schreckliche und doch so unbeschreiblich schöne Strom seinen Machtbereich etwas verengerte, trocknen die Gassen, durch die eben noch Kanus fuhren, zu hartbackenen oder schlammigen Lehmrinnen ein.. Und dann staunen die Leute, wenn wieder einmal Teile eines menschlichen Gerippes unter Aasgeier Santiagos Pfahlbauspielhölle zum Vorschein-kommen. Denn nicht jede Hütte hat ein Krokodil zum Polizisten, und wo der Piranha wohnt der nichts ausser seinesgleichen duldet, da bleiben die Spuren des Dramas dem sie nun enthüllenden Sonnenlichte vorbehalten. Die Männer schütteln die struppigen Köpfe und tun, wie wenn sie sehr entrüstet sind. ; Ob es wohl der schwarzlockige Estevan war? Estevan, der so trefflich auf der Gitarre klimperte und unklugerweise zuviel Waschgold sehen Hess? Aber vielleicht war es auch der verrückte Amerikaner, der Gringo, den Gott verdamme. Ave Maria Purisima ! Sind nicht alle Gringos verruchte Ketzer ? (Fortsetzung Seite 7.)

N 1 84 — 1935 Sportnachrichten Der internationale Sportkalender 1936. Wie vorauszusehen war, hat der Terminkalender, wie ihn die internationale Sportkommission zusammengestellt hat, nachträglich nur noch wenige Aenderungen erfahren, die sich fast durchwegs auf Datumsverschiebungen beschränkten. Neu hinzugekommen ist einzig die internationale Alpenfahrt durch, die österreichischen Alpen, die von Oesterreich durchgeführt wird und für welche die Tage vom 20. und 21. Juni vorgemerkt wurden, obwohl der 21. Juni bereits mit drei Rennen mehr als reichlich dotiert ist. Was die Datenverschiebungen anbetrifft, so ist die Schweiz an diesen mitinteressiert, indem die internationale Automobilwoche in St. Moritz um zwei Wochen, nämlich auf den 9.-16. Februar vorverlegt wurde, während andererseits die Internationale Alpenfahrt, deren Organisation nächstes Jahr zum 2. Male der Schweiz übertragen ist, einige Tage später angesetzt ist und am Mittwoch, den 19. August beginnen soll. Die Gründe für diese Korrektur sind uns nicht bekannt, doch hätte die Beendigung der Alpenfahrt am 21. August den Vorteil gehabt, den Teilnehmern den Besuch des Grossen Preises der Schweiz zu ermöglichen, insbesondere wenn das Endziel nach Bern oder in dessen Nähe verlegt worden wäre. Es handelt sich hier offenbar um eine verpasste Gelegenheit. Der Grosse Preis von Ungarn musste das anfänglich gewählte Datum des 10. Mai aufgeben und gegen den 21. Juni vertauschen, weil Italien den ersteren Zeitpunkt mit Erfolg für den Grossen Preis von Tripolis beanspruchte. Erfreulicherweise für die Schweiz ist das irische Phönix-Park- Rennen vom 22. August auf den 26. September verlegt worden. Die Austragung einen Tag vor dem Grossen Preis der Schweiz hätte nämlich die englische Beteiligung im Kleinwagenrennen von Bern beeinträchtigen kön- zn. Das Avus-Rennen fällt kommendes Jahr also doch endgültig aus. Die für den 30. Juli eingeschriebene Veranstaltung ist keineswegs ein Ersatz für diesen als das schnellste Rennen der Welt bekanntgewordenen Anlass, indem es sich dabei überhaupt nicht um eine Geschwindigkeitskonkurrenz, sondern um eine grossangelegte Ziel- und Sternfahrt handelt, die den Zweck hat, möglichst viele Besucher zur Olympiade zu bringen. Das Avusrennen fällt nach deutschen Berichten deshalb aus, weil zufolge einer grossen Strassenbaute die Avus-Nordschleife angeschnitten wird und deshalb vollkommen umgebaut werden muss. Nach der uns vorliegenden bereinigten Liste würde endlich noch die für den 18. und 19. Juli vorgesehene Lüttich-Chamonix-Lüttich-Fahrt ausfallen. Da bisher nichts über Absichten bekannt wurde, diese Veranstaltung fallen zu lassen, geben wir diese Feststellung mit Vorbehalt wieder, bis die Bestätigung von Seiten er belgischen Sportinstanzen vorliegt. Rein zahlenmässig betrachtet ist der nächstjährige Kalender stärker mit Veranstaltungen belegt, als der von 1935. Dabei ist aber z^i berücksichtigen, dass eine Reihe von Rennen nunmehr im internationalen Sportkalender Aufnahme gefunden haben, deren Bedeutung kaum über ihren bisherigen nationalen Rahmen hinausgeht. Dies gilt z. B. auch von den aufgeführten schweizerischen Bergrennen. Dazu werden im Laufe der Saison wiederum eine Reihe von Abmeldungen kommen, wie dies heuer in recht beachtlichem Masse der Fall war, sind doch nicht weniger als zehn Termine in Wegfall gekommen. Da es sich jedoch bei den wichtigsten Rennen nicht um Erstausschreibungen handelt, sondern einfach um die so und so vielte Wiederholung eines zur besten Tradition gewordenen Wettbewerbes, so kann heute schon gesagt werden, dass die nächste Saison bestimmt ebenso abwechslungsvoll und reichhaltig sein wird, wie die eben beendete. Wenn zudem bis dahin die von Bugatti aufgelegten neuen Rennwagen marschbereit sind und die neuen Alfas, welche erstmals in Monza eingesetzt wurden, ihren letzten Schliff erhalten haben, dann stehen uns noch interessantere und sportlich wertvollere Rennen bevor, als dies 1935 der Fall war, da die deutsche Ueberlegenheit kaum je ins Wanken geriet und die Lorbeeren bei den meisten Rennen fast schon zum voraus verteilt werden konnten. Internationaler Sportkalender 1936 Januar. 1. Südafrika: Grosser Preis von Südafrika. 25.—30. Monaco: XV. Int. Sternfahrt nach Monte Carlo. Februar. 9.—16. Schweiz: Internat. Sternfahrt nach St. Moritz (internat. Automobilwoche). 23. Schweden: Grosser Winterpreis von Schweden. März. 1. Frankreich: Grosser Preis von Pau. 4.-8. Frankreich: Paris-Vichy-St: Raphael-Fahrt. 20.—29. Schweiz: Genfer Sporttage (Grand- Saconnex). April. 4. England: Rennen um die britische Kaisertrophäe (British Empire Trophy Race). 4.-9. Frankreich: XV. Int. Zuverlässigkeitsfahrt Paris-Nizza. 5. Italien: X. Mille Miglia. 9. Frankreich: XXII. Int. Turbie-Bergrennen. 11. Monaco: Grosser Preis des Prinzen Rainier von Monaco. 13. Monaco: Grosser Preis von Monaco. 13. England: Rennen in Brooklands. 19. Italien: Rundrennen von Genua (Circuit della Superba). 26. Italien: XXVII. Targa Florio. Mai. 2. England: Int. Brooklands-Trophäe (International Trophy Race). 3. Italien: IX. Rundrennen von Sizilien. 6. Italien: Sternfahrt nach Tripolis. 10. Italien: Grosser Preis von Tripolis. 17. Frankreich: VII. Grosser Preis von Tunis. 21.—24. Italien: III. Intern. Sternfahrt nach San Remo. 24. Tschechoslowakei: VI. Masaryk-Rundrennen. 27.—29. England: Mannin-Beg- und Mannin-Moar- Rennen. 30. Amerika: Grosser Preis von Indianapolis. 31. Schweiz: Grosser Preis von Genf. • l 31. Belgien: Grosser Grenznreis. 31. Frankreich: XV. Bol d'Or. Juni. 1. England: Rennen in Brooklands. 6. England: Shelsley-Walsh-Bergrennen. 7. Spanien: VII. Grosser Preis von Penya Rhin. 7. Brasilien: Grosser Preis von Rio de Janeiro. 7. Frankreich: XIV. Vogesen-Rundfahrt. 14. Deutschland: Int. Eifelrennen. 13.—14. Frankreich: 24 - Stundenrennen von Le Mans. 14. Frankreich: VI. Grosser Preis von Algier. 20. Irland: Trophäe der Grafschaft Donn. 20./21. Oesterreich: 4. Internat, österreichische Alpenfahrt. 21. Italien: III. Rundrennen von Biella. 21. * Frankreich: XI. Rundrennen von Peronne. 21. Ungarn: Grosser Preis von Ungarn. 27. Schweiz ; Bergrennen Rheineck-Walzenhausen. 28. Frankreich: Grosser Preis von Frankreich für Sportwagen. Juli. 4. England: Nuffield-Trophäe (Donington-Park). 4. Amerika: Rundrennen in Long Island. 5. Italien: XIV. Susa-Moncenisio-Bergrennen. 5. Frankreich: XI. Grosser Preis der Marne. 12. Belgien: Grosser Preis von Belgien. 12. Frankreich: III. Rundrennen von Albigeois. 19. Oesterreich: II. Grossglockner-Bergrennen. 19. Schweiz: Develier-LesRangiers-Bergrennen. 26. Deutschland: Grosser Preis von Deutschland. 30. Deutschland: Int. Sternfahrt zur Olympiade. AUTOMOBIL-REVUE August 2. Frankreich: Grosser Preis von Nizza. 2. Italien: XVI. Coppa Ciano. 3. Irland: Rundrennen von Limerick. 3. England: Rennen in Brooklands. 4—9. Belgien: LüHich-Rom-Lüttich-Fahrt. 9. Frankreich: XII. Grosser Preis von Comminges. 9. Italien: 24-Stundenrennen in Pescara (Targa Abruzzo). 15. Italien: XII. Coppa Acerbo. 16. Schweden: Grosser Sommerpreis von Schweden. 19.—26. Schweiz: Internationale Alpenfahrt 23. Schweiz • Grosser Preis der Schweiz. 29. England: 200-Meilen-Rennen im Donington- Park. 30. Deutschland: Grosser Bergpreis von Deutschland. 30. Italien: V. Internat. Stilfserjoch-Rennen. September. 5. England: Tourist-Trophy. 6. Frankreich: Mont Ventoux-Bergrennen. 9.-22. Frankreich: Zuverlässigkeitsfahrt der F. N. C. A. F. 12. England: Shelsley-Walsh-Bergrennen. 13. Italien: Grosser Preis von Italien. 19. England: 500-Meilen-Rennen in Brooklands. 26. Irland: Rundrennen im Phönix-Park. 27. Spanien: Grosser Preis von Spanien. 27. Schweiz: Monte-Cenerl-Bergrennen. Oktober. 3. England: Rennen in Brooklands. 4. Rumänien: Feleac-Bergrennen. 10.—11. Italien: Rundrennen in Neapel (Coppa Principe di Piemonte). 12. Amerika: Grosser Preis von Amerika (Wlineola). 17. England: Rennen in Brooklands. 18. Oesterreich: Grosser Preis von Oesterreich. Sweepstake-Lotterlen zur Finanzierung von Rennen. Nach Tripolis und Gen! wird nun auch Monaco seine Rennlotterie haben. Das Beispiel von Tripolis macht rasch Schule. Diese Veranstaltung in der italienischen Kolonie Tripolis ist dank der damit verbundenen Lotterie als das mit Geldpreisen bestdotierte Rennen bekannt geworden. In der Tat kommen dort jeweilen rund 1,5 Mill. Lire an Prämien und 'Preisgeldern zur internationalen Automobilsport dar. Verteilung, ganz abgesehen von den beträchtlichen Millionengewinnen der glücklichen Losgewinner. Aber über diese Beträge hinaus floss den Veranstaltern eine grosse Summe als Nettoeinnahme aus der Lotterie zu, welche wenigstens teilweise zum grosszügigen Ausbau des Grossen Preises verwendet werden konnte. "' Die,Organisatoren des nächstes Jahr erstmals'jjurn Austrag kommenden «Grossen Preises von Genf haben sich die in Tripolis gemachten günstigen Erfahrungen zu nutze gemacht und Hessen sich vom Genfer Staatsrat die Bewilligung zu einem Sweepstake geben, um aus dessen Einnahmen den ganzen Anlass zu finanzieren. Auf diese Weise wird es den Genfer Veranstaltern mühelos möglich sein, das Rennen finanziell sicherzustellen und sind sie damit auch der grossen Sorge um ein mögliches Defizit enthoben. Der Organisationsausschuss des Grossen Preises der Schweiz hat rechtzeitig Schritte bei der Berner Regierung unternommen, um die Erlaubnis zu einer solchen Lotterie erhältlich zu machen. Wie erinnerlich konnte das erste Rennen im Jahre 1934 trotz grösster Sparsamkeit und der unentgeltlichen Mitarbeit fast aller an der Organisation beteiligten Personen gerade ohne Verlust abgeschlossen werden, während die Rechnung dieses Jahr bereits ein gewisses Defizit aufweisen wird, indem der Besuch durch das ungünstige Wetter nicht unerheblich beeinträchtigt wurde. Da aber sowohl die Sektion Bern des A.C.S. wie auch der Gesamtclub nur in beschränktem Masse Kredite aus eigenem Vermögen bewilligen können und dürfen, so wird die weitere Durchführung die- Rudolf Caracciola..—Europameister 1935. Mercedes-Benz errang im Jahre 1935 neun Siege, darunter vier Doppelsiege und einen dreifachen Sieg in den schwersten internationalen Rennen. Rudolf Caracciola siegte dabei in den sechs folgenden Hennen: Grogser Preis von Tripolis, Internationales Eifelrennen, Grosser Preis von Frankreich, Grosser Preis von Belgien, Grosser Preis der Schweiz, Grosser Preis von Spanien. Zweiter wurde er beim Mercedes-Benz-Doppelsieg im Grossen Preis von Barcelona und Dritter im Grossen Preis von Deutschland. Mit dieser Siegesserie ist R. Caracciola, der schon den Titel «Deutscher Strassenmeister 1935» erhielt, der erfolgreichste Rennfahrer des Jahres. Am grossen Bankett des Automobil-Clubs von Frankreich am Samstag, den 12. Oktober, wurde Caracciola mit der Goldenen Medaille der A. I. A. G. R. feierlich der Titel « Europameister 1935» verliehen. Diese von der Vereinigung der international anerkannten Automobil-Clubs neugeschaffene Medaille stellt die höchste Auszeichnung im ses grössten autosportlichen Anlasses der Schweiz ganz wesentlich von der kommenden Sicherstellung des Budgets abhängig werden. Schon die erste Wiederholung des Rennens hat mit aller Deutlichkeit gezeigt, dass die Ausgaben von Jahr zu Jahr nicht etwa geringer werden, sondern vielmehr zunehmen. Einmal steigern sich die Leistungen an die beteiligten Fahrer und Fabrikmannschaften, dann sind immer wieder neue Aufwendungen für den Ausbau der Organisation und hauptsächlich auch für die Verbesserung der Zuschauerplätze und der Sicherungsanlagen zu gewärtigen, die nicht umgangen werden können, Wenn das Rennen seinen guten Ruf beibehalten soll. Mit den normalen Einnahmen aus den Eintrittsgeldern sind selbst bei einem noch stärkeren Massenaufmarsch des Publikums die künftig zu erwartenden Ausgaben nicht zu decken, dies um so mehr, als eher mit einem gewissen Abbau der Eintrittspreise gerechnet werden soll. Die Lotterie müsste hier den Ausgleich schaffen und es ist zu erwarten, dass sich Bern- nicht wegen dieser Finanzquelle den Rang von Genf ablaufen lässt. Dass nach neuen Einnahmequellen gesucht werden muss, zeigt nun mit aller Deutlichkeit das Beispiel von Monaco. Obwohl der dortige .Grosse Preis der .erste in der Rennsaison ist und daher sowohl von Seiten der Fahrer, als hauptsächlich. auch von Seiten des Publikums eine weitgehende Unterstützung erfährt (zählen doch die Zuschauermassen nach vielen Zehntausenden), sehen sich die Organisatoren nach anderen und si- Aktiengesellsc Arbon Basel halt ADOLPH SAURER Morges Zürich ssss^r^-—•