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E_1935_Zeitung_Nr.081

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1935 — No 81 Hallwag-Führer u. Hallwag-Karten Diese unentbehrlichen Begleiter auf genussreichen Fahrten sind das willkommenste GESCHENK, das Sie Ihren Freunden u. - sich selbst - machen können 1. Führer. Europa Touring, Automobilführer von Europa, herausgegeben vom Touring-Club der Schweiz. Redaktion O. R. Wagner, Bern. Patronat: Alliance Internationale de Tourisme. Die 12. Ausgabe enthält 62 Hauptkarten, umfassend ganz Europa vom nördlichen Eismeer bis nach Gibraltar und die Grenzen von europäisch Russland, 26 Länderkarten, 90 Stadtpläne, 400 Seiten Gebiets- und Ortsbeschreibungen. Preis Fr. 12.—%. Automobil-Atlas von Europa, Format 25x40 cm, umfassend 53 Hauptkarten und eine Uebersichtskarte, Einreise- und Fahrvorschriften für sämtliche Länder Europas, Ortsregister. Preis Fr. 30.—. CH Touring, Führer für Automobilfahrer, herausgegeben v. Touring-Club der Schweiz. Redaktion O. R. Wagner, Bern. 19. Auflage, enthaltend 36 Hauptkarten 1:250,000,5 Panoramen, 26 Stadtpläne, 240 Seiten Routenbeschreibungen und Ortsregister, 31 Kunstdruckbilder. Preis Fr. 10.—. CH Touring, kleine Ausgabe, eine konzentrierte Zusammenfassung des obigen Werkes auf Grund von Karten im Maßstab 1:350,000, herausgegeben vom Touring-Club der Schweiz. Redakt. O.R.Wagner. Preis Fr.6.-. Die Alpen, Automobilführer durch das gesamte Alpengebiet vom Mittelmeer bis an die Donau, enthaltend 50 Karten im Maßstab 1:500,000, 300 Alpenpassbeschreibungen mit zahlreichen Illustrationen. Preis Fr. 8.—. Automobilführer von Frankreich, 25 Karten im Maßstab 1:1,000,000, 175 Seiten Text über bevorzugte Touren, landschaftliche Schönheiten und historische Sehenswürdigkeiten, Ortsregister, 40 Kunstdruckbilder, eine Gesamtkarte von Frankreich. Preis Fr.6.—. Automobilführer von Italien, 10 Karten im Maßstab 1:1,000,000,12 Karten im Maßstab 1:500,000, 170 Seiten Text, der durch hervorragende Sachkenntnis den touristischen, sowie den kulturellen Wünschen des Automobilfahrers entspricht. In knapper Form sind die verschiedenen touristischen Gebiete Italiens behandelt. Preis Fr.6.—. Automobilführer von Deutschland. Enthaltend 14 Karten un Maßstab 1:1,000,000, 160 Seiten Text, die wichtigsten Landschaften und Städte des Reiches behandelnd, 40 prächtige Kunstdruckbüder. Preis Fr. 6.—. Automobilführer von Spanien und Portugal. 12 Kartenim Maßstab 1:1,000,000, ca. 120 Seiten Text über Spanien und Portugal. Preis Fr. 6.—. Zentral-Europa (Europa Touring). Maßstab 1:1,300,000. Pap. Fr.6.—. Lw. Fr. 8.—. Europa ( Europa Touring). Maßstab 1:3,000,000. Pap. Fr. 6.—. Lw. Fr. 8.—, A VERLAG uebersichtskarten. 2. Landerkarten. Wir besitzen Automobilkarten sämtlicher Länder Europas. Klarheit, Uebersichtlichkeit, leichte Lesbarkeit, praktisches Format und einfache Falzung sind ihre Vorzüge. 6-Farbendruck. a) Ausgaben mit Text. Deutschland: 1:1,000,000, doppelseitig Fr. 4.— Frankreich: 1:1,000,000, doppelseitig . „ 4.— Italien: 1:1,000,000, doppelseitig . . . „ 4.— Oesterreich-Ungarn-Tschechoslowakei: 1:1,000,000, doppelseitig 4.— Holland-Belgien: 1:650,000 „ 4.— Spanien: 1:1,500,000 4.— Grossbritannien: 1:1,800,000. . . . . „ 4.— Nordländer: 1:1,500,000 „ 4.— Finnland: 1:1,800,000 , 4.— Baltische Staaten: 1:1,500,000 . . . . „ 4.— Polen: 1:1,800,000 4.— Rumänien: 1:1,500,000 . „ 4.— Balkan: 1:1,780,000 . „ 4.— b) Ausgaben ohne Text. Deutschland: 1:1,000,000, doppelseitig Fr. 2.80 Frankreich: 1:1,000,000, doppelseitig „ 2.80 Italien: 1:1,000,000, doppelseitig . . . » 2.80 Oesterreich-Ungarn-Tschechoslowakei: v 1:1,000,000, doppelseitig 2.80 Nordafrika: 1:3,000,000, einseitig. . . M 1.25 3. Spezialkarten. Sehr sorgfältig gezeichnete und auf zähem Papier gedruckte Blätter der bevorzugten Ausflugsgebiete Zentraleuropas. Schweiz: 8-Farbendruck . 1:300,000 Fr. 3.80 Schweiz und Grenzgebiete 1:500,000 „ 4.— Schweiz-Riviera 1:800.000 ,, 2.80 Bodensee 1:300,000 „ 2.80 Genfersee 1:300,000 „ 2.80 Oberitalienischa Seen . . . 1:300,000 „ 2.80 Schwarzwald 1:250,000 „ 2.80 Vogesen 1:250,000 2.80 Rhein und Mosel 1:500,000 „ 2.80 Oberbayern 1:280,000 „ 2.80 Dolomiten 1:280,000 „ 2.80 Burgund 1:300,000 „ 2.80 Alle diese Blätter in 6-Farbendruck. 4. Alpina-Karten 1:500,000 6-Farbendruck, praktische Faltung, grosse Uebersichtlichkeit, vorbildliche Strassenführung. Blatt I : Zentralalpen: München—Grenoble, Venedig—Dij on. Blatt n : Ostalpen: Wien—Dolomiten, Fiume — München. Blatt IQ: Meeralpen: Riviera—Grenoble, Rhonetal—Adria. Preis pro Blatt Fr. 4.—. Die Hallwag-Führer und -Karten sind in allen guten Buchhandlungen des In- u. Auslandes erhältl., sowie beim HALLWAG BERN Abteilung Autotouristik Telephon 28.222 a ^ Ä Xus dcsara L«> Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion. Der automatische Verkehrspolizist. Abends 6.00 Uhr. Aus den Geschäftshäusern der City ergiesst sich ein schwarzer Strom von Menschen ins Freie. Noch haftet deutlich merkbar das Geschäftstempo den .eilenden Leuten an. Die Trottoirs vermögen kaum die Fluten des Fussgängerverkehrs aufzunehmen. Von den Parkplätzen der Autos ertönt das heisere, kreischende Geräusch der Anlasser. Wagen um Wagen verlässt den Parkplatz und reiht sich in die Fahrzeugkolonnen der Strasse ein. Bei der Kreuzung Urania-/Bahnhofstrasse, bei welcher der Verkehr durch einen Automaten geregelt wird, stauen sich die Motorfahrzeuge. Vor den Fussgängerstreifen harren Passanten und beobachten das wechselnde Lichtspiel des automatischen Verkehrspolizisten. Erscheint das rote_ Lichtsignal, so treten sie die Ueberquerung der Fahrbahn an. Doch kaum haben sie deren Mitte erreicht, müssen sie, trotz des schützenden Rotlichtes, die Fahrbahn fluchtartig verlassen; um einem Fahrzeug, dessen Fahrt in der 'Querrichtung mit Grünlicht freigegeben wird und nun in die mit Rotlicht gesperrte Strasse einbiegt, die Strasse freigeben. Es ergibt sich daraus, dass infolge des Einbiegeverkehrs immer eine Fahrbahnhälfte für den Passanten gefährdet ist. Verkehrsautomat und Fussgänger. Warum haben die Fussgänger beim Ueberschreiten einer von einem Verkehrsautomaten geregelten Strassenkreuzung besonders vorsichtig zu sein? — Weil der Maschinenpolizist mit dem Fussgänger in keiner direkten Verbindung steht und demzufolge auf ihn auch keine Rücksicht nehmen kann. Als Maschine erkennt er nur seinesgleichen. Die Empfindungsnerven, welche die Funktionen in seinem mechanischen Gehirn auslösen, reagieren nur auf das Rad oder den Bügel eines Strassenbahnwagens. Obwohl er über vier Augenpaare verfügt, lenkt er den Fahrzeugverkehr nur in zwei Richtungen. Letzterer Umstand tritt besonders deutlich hervor wenn der Motorfahrzeugführer von der Bahnhofstrasse aus nach links abbiegt. Vor dem Abbiegen hat sich der Fahrzeuglenker zu vergewissern, ob sich von hinten kein Tramzug nähert. In der Vollziehungsverordnung zum Bundesgesetz über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr, Art. 61, ist festgelegt, dass die Motorfahrzeuge beim Herannahen der Strassenbahn das Geleise freigeben. Weiter erwächst dem Fahrzeugführer die Pflicht, einem gleichzeitig entgegenkommenden Fahrzeug den Vortritt zu lassen (Art. 47 des zit. Gesetzes). Ist der entgegenkommende Verkehrsstrom durchkreuzt, so gelangt der Automobilist vor den Fussgängerstreifen. Dieser ist dann meistens nfolge des roten Sperrlichtes von Fussgängern besetzt. Art. 45 des zitierten Gesetzes bestimmt, dass die Motorfahrzeugführer vor Fussgängerstreifen die Geschwindigkeit zu massigen und nötigenfalls anzuhalten haben, um den Fussgängern die ungehinderte Ueberquerung der Fahrbahn zu ermöglichen. Diese drei Punkte muss der Fahrzeugführer ns Auge fassen und sie berücksichtigen. Verursacht er unter Missachtung der genannten Vorschriften einen Unfall, so hat er keinen Anspruch auf rechtlichen Schutz. Nachteile der automatischen Verkehrsregelung. Als weiterer Umstand, welcher die Verkehrsregelung an der genannten Strassenkreuzung erschwert, ist noch zu nennen, dass der automatische Verkehrspolizist die Gattungen der Fahrzeuge nicht zu unterscheiden vermag.' Der Radfahrer, der durch das Ueberfahren der Kontaktschiene auf der Uraniastrasse das grüne Licht auslöst, zwingt einen Tramzug auf der Bahnhofstrasse anzuhalten. Mit Bezug auf diesen Vorgang verliert die Strassenbahn das ihr sonst eingeräumte Vortrittsrecht. Schwere Pferdefuhrwerke und Handwagen benötigen wiederum zuviel Zeit beim Ueberfahren der Kreuzung. Deshalb ist es nötig, dass die Strassenbenützer die fehlende Denkarbeit des Maschinenpolizisten ergänzen und mithelfen an der Verkehrsregelung. Es ist zu sagen, dass durch die automatische Signalanlage, verstärkt infolge der unmittelbar darangelegenen Haltestelle der städtischen Strassenbahn, der Fahrzeugverkehr wellenförmig durch die Hauptverkehrsader unserer Stadt fliesst. Derselbe macht sich auf dem Paradeplatz bemerkbar, weil der genannte Platz mit seinen Inseltrottoirbauten Durchgangsverkehr gestattet. Die Tätigkeit des dortigen Stationspolizisten, den oftmals gestauten Fahrzeugstrom zu regulieren, den Passanten die Ueberquerung der Fahrbahn zwecks Erreichung der Strassenbahn zu ermöglichen, ist während den Stosszeiten äusserst schwierig. Trotz den Bemühungen des Stationspolfc zisten kommt es ab und zu vor, dass die Passanten das gewünschte Tram nicht mehr erreichen können, weil sich die Motorfahrzeuge wieder in Bewegungw?esetzt haben. Die «Heuer»-Verkehrsampel, benannt nach dem Namen ihres Erfinders, die über der Strassenkreuzung Bleicherweg - Talstrasse aufgehängt, ist, regelt den Verkehr nicht individuell wie in der vorgängig geschilderten Signalanlage. Gemäss der errechneten Fre-" quenznorm jener Strassenkreuzung wird die Tram- und Ausfallstrasse gegenüber der verkehrsärmeren Talstrasse auf der Signalscheibe mit einem entsprechend grösseren grünen Feld versehen, während das rote Feld nur einen schmalen Sektor des Kreises einnimmt. — An der Talstrasse ist die Einteilung der Sektoren in umgekehrtem Sinne vorgenommen. Vier Zeiger, die synchronisiert drehen, zeigen jeweils an, ob die Strasse frei ist. Das langsame gleichmässige Drehen der Zeiger erlaubt dem Fahrzeuglenker, von ziemlicher Distanz zu erkennen, ob die Durchfahrt noch möglich ist und dementsprechend die Geschwindigkeit zu regulieren. Diese schablohnenhafte Verkehrsregelung ist zn normalen Zeiten recht gut. Bei den Hauptverkehrszeiten jedoch stellen sich auch hier Mängel ein, da sich die Extrawagen der Strassenbahn nicht mehr in die Schablone einfügen lassen. Die Starrheit dieses Systems zeigt sich auch heute, wo infolge der teilweisen Absperrung der Bahnhofstrasse die Talstrasse deren Verkehr zu übernehmen hat und trotz des vergrösserten Verkehrsvolumens das proportionale Zeitverhältnis der Talstrasse zum Bleicherweg wie früher belassen wurde. Der Automat an der Strassenkreuzung Talstrasse/Pelikanstrasse arbeitet wie sein Kollege an der Bahnhofstrasse. Die Aenderung der Signalabgabe zeigt er jedoch mit Gelblicht an. Dieses Vorbereitungssignal ist zeitsparend, ein wichtiger Faktor in der Verkehrsregelung. Dank seines günstigen Standortes (keine Strassenbahn) beherrscht der Automat diese Strassenkreuzung gut. Zweifellos wird in der mechanisierten Verkehrsregelung noch manche Verbesserung vorgenommen werden. Die Automaten werden ihre Rekrutenzeit auch hinter sich bringen und Ordnung im Strassenbild schaffen. £. G., Stadtpolizist Cti»onzvei'l«€&hi> Italien schafft den Internat. Führerschein und den Internat. Zulassungsschein ab. Seit 1. Oktober dürfen ausländische private Motorfahrzeuge nach Vorzeigung der auf das Fahrzeug und seinen Fahrer bezüglichen, von den zuständigen Behörden des Ursprungslandes ausgestellten Papiere ohne weiteres in Italien fahren. Diese Erleichterung gilt ausdrücklich nicht für Taxis, Mietwagen, Lastwagen, Autobusse, Gesellschaftswagen, Lieferwagen usw. Die Strassenpolizeistellen an der Grenze und in den Häfen haben die Gütigkeit der erwähnten Papiere und die Identität des Wagens und des Führers festzustellen und dann auf der Bescheinigung für die zeitweilige Einfuhr des Wagens (Triptyk, Carnet de passage en douane usw.) den Vermerk anzubringen : « Ermächtigt zur Fahrt innerhalb des Königreiches auf l Jahr mit den nationalen Papieren.» Touvasmus Autoverlad durch die Alpentunnets. Soeben haben die S. B. B. den Fahrplan herausgegeben, der für den Transport von Automobilen durch den Gotthard-, Simplon-, Lötschberg- und Albulatunnel ab 6. Oktober gültig ist. Daraus ist ersichtlich, dass von Göschenen nach Airolo und umgekehrt je 12 Züge für den Autotransport zur Verfügung stehen. Beim Simplon sind es von Brig nach Domodossola und umgekehrt je 8 Züge; beim Lötsohberg von Kandersteg nach Brig 10 und in umgekehrter Richtung 9 und beim Albula sind es ab Tiefenkastei nach St. Moritz 6 und in umgekehrter Richtung 4 Züge. Dabei handelt es sich um den Werktagsverkehr, dem gegenüber % der Sonntagsverkehr nur ganz kleine Abweichungen zeigt. Ebenso handelt es sich bei den obigen Angaben um diejenigen Züge, die für die Aufgabe der Autos als Gepäck in Frage kommen, wobei zu bemerken ist, dass praktisch wohl meistens nur dies» Transportart gewählt wird. Bei all diesen Tunneltransporten ist folgendes zu beachten: Die Beförderung von Personenautomobilen mit höchstens 8 Sitzplätzen und von Motorfahrrädern mit Seitenwagen erfolgt mit dem nächsten fahrplanmässigen Zug, sofern 1 Stunde vor dessen Abfahrt der Verlad und am Simplon auch die Zollbehandlung besorgt worden sind. Eine kürzere Veriadefrist kann nur dann bewilligt werden, wenn daraus keine Zugsverspätung entsteht. Gesellschaftswagen werden, wenn es die Betriebsverhältnisse erlauben, sobald als möglich, frühestens eine Stunde nach vollendetem Verlad und gegebenenfalls erfolgter Zollbehandlung befördert. Es ist besonders noch darauf hinzuweisen, dass aus zolltechnischen Gründen die Aufnahme von Motorfahrzeugen nach und ab Iselle di Trasquera, Varzo und Preglia an der Simplonroute nicht zugelassen ist. Es ist daher mindestens für die Strecke Brig-Domodossola aufzugeben.

BERN, DIENSTAG, 8. OKTOBER 1935 III. BLATT DER „AUTOMOBIL-REVUE" No81 tötet iwiqe A&ettteuiet V^cit sich von Eduard H. Steenken Der Bodensee liegt unendlich unter der «Aber ich denke, wir sind einmal ernst und leicht verdeckten Sonne des Frühlings, wie lassen alle Verulkungen, schimpfen uns'nicht eine grosse, milchige, mattglänzende Perl- gegenseitig sentimental oder weibisch, sonmutterplatte. Von Konstanz herüber schlagen dern werden redlich versuchen, in allen diedie alten Kirchuhren. Weisse Blütenbüschel sen privaten Glücksmomenten des Lebens lugen über altem Gemäuer. das jeweilig Persönliche und nicht zuletzt Es ist ein Nachmittag, als besänne sich der Einmalige zu sehen. Frühling in ihm. Alle Töne, Schreie, Hupen- Wir müssen dabei bedenken, dass alle die Signale klingen gedämpfter. Geräuschlos und zauberhaften glückseligen Augenblicke des unverständlich erhaben gleiten die weissen Lebens nie so geschildert werden können, und gelben Dampfer vorüber. Kein Luftzug wie sie sind oder waren. Es wirkt ja so manbewegt die schwerwirkende Seefläche, ja, das dies mit hinein, was wir kaum erwähnen, Wasser scheint sogar langsamer von den Ru- * dern zu tropfen, und die Menschen in ihren Wasservehikeln ermüden bald und lassen sich wohlig tragen von der sanften, breiten und kaum sichtbaren Dünung. In einem der Boote, dessen Ruder eingezogen sind und das, weit entfernt von den pittoresken Uferplätzen, schier im Wasser verankert zu sein scheint, sitzen drei junge Männer. Das wilde Schicksal hat sie hier in seiner Laune zusammengetrieben und dass sie sich fanden, lag in Blick und Gebärde jedes einzelnen. Es sind drei richtige Kerle, die sich schwer tmd ein wenig unbeholfen in den weichen Sitzen des gemieteten Bootes räkeln. Fremde Sonne, eisige Kälte, Regen und Monsum haben wohl keine Spuren in ihren normannisch kühnen Gesichtern hinterlassen, aber an ihren Physiognomien hat doch sichtbar das grosse Leben gearbeitet. Ihre Blicke haben jene schöne bewegende Weite, in der A&endkuMe ü&ex JeCdew Von Heinz Günther kleine Aeckerchen, sauber eingefasst und gepflegt, vorüberfliegen sah. Gebundene Sonnenblumenbüsche, grüne Gartentore. Schwarze Starhäuschen zwischen den braunen Aesten. Ich stand und schaute und hatte alles vergessen. Dies alles nur, diese kleinen Dinge, war Europa, war Heimat, war Kindheitsparadäes. Diese kleinen Bilderchen und Säuberlichkeiten, diese zierlichen bunten Hecken brachten mich starken Menschen aus der Fassung. Gott, ich mag nicht weiter von diesen lächerlichen Rückfällen erzählen. Jeden- sich edle Leidenschaft und kritische Inbezie- Und Nacht, der Erde feucht-gestillten Augen, Schimmer nimmt.— hungzusichsetzen aufs glücklichste paaren. ^ «Ho, ho», ruft der eine plötzlich und lacht ; *~ 4 ••• " e dröhnend auf. Er weist dabei nach einem ~""~~""——•———»—•——————————————«——^—— ßieTtlutte* vorübertreibenden Boot, in welchem sich eine nocj! andeuten und was doch im Grunde von falls noch, als ich auf einem Umsteigebahnschon jüngferlich angilbende Dame erregt eminentem Einfluss ist: die Atmosphäre hof ein helles Glas Pilsener Bieres in der Nachdruck verboten. und krampfhaft bemüht, einem kleinen entge- meine ich, nämlich Luft, Wind, Blütendüfte, Hand hielt, da rannen mir die Tränen über Sie ist ein altes Weibchen, die Witwe genkommenden Paddler auszuweichen. ach, so vieles. die Backen; ich stand aufgelöst wie einSteinmüller, das schon manchen Packen Was ist das Leben wert? Und worin er- Wenn ich einmal ganz ehrlich sein darf, Schneemann in der Märzsonne, und beim Elend durch das Leben schleppte. Not, Sorgen, die Last der Arbeit und des Alters schöpft sich der tiefste Sinn dieses Erden- so finde ich solche gleichsam ausgewognen Kosten des bittrig-süsslichen Nasses stiegen wallens? erhabenen Minuten nicht in meinem Fahr- mir die Bilder versunkener und verschollener Zechgelage auf. Haar gebleicht und tiefe Runen in das Ge- haben ihr den Rücken krumm gebogen, das Ach Gott, wir werden es nie wissen, und tenleben, weder unter dem zauberischen diese Frage ist die müssigste aller Fragen. Kreuz des Südens, noch in den paradiesi- Das war mein Erlebnis Europa. Und es ist sicht geschnitten. Aber noch immer arbeitet Leben wir das Leben nur ganz und gänzlich sehen Nächten des Mittelmeeres, sondern an so : diese kleinen Dinge stossen dunkel die sie. Jeden Tag trägt sie Zeitungen aus, eilt •wie der ©ine dieser drei Insassen, schon mit einem ganz bäurischen Sommerabend an der grossen an, und ich ahnte einmal wieder in dem schwerwiegenden Namen « Weissrusse » Elbe. ganz tiefem Erfassen, was mir dieses Land von den andern bedacht. Wir hatten tagsüber in der Mahd geholfen. bedeutete, dieses Land, das man verleugnen, In Wirklichkeit war er Tscheche, leitete Braun und gestählt zogen wir in der Damals junger Angestellter ein Filialunternehmen merung an den grossen Strom. Zimbeln, Flöterliche Bezirke aber'man immer wieder zu- hassen und verachten kann, in dessen müteiner grossen tschechischen Gesellschaft im ten und Gitarren und helle Stimmen, wir sanpolnischen Russland, kämpfte unter der gen und sangen, und im Gesang stand gross Schwarzblau, wie von tiefen rückkehrt. » samtenen weissgardistischen Generalität, wird gefangengenommen, Todesstrafe. Es gelingt ihm, Schönheit zitterte darin. Wir sangen von der die Andacht und die Ehrfurcht auf, die sich in letzter Minute durch eine waghalsige grossen göttlichen Liebe, die überall wirkt, Flucht zu retten, geht nach Wladiwostok, vom Segen und alles war gut Unten aber wird heimlicher Eier- und Lebensmittelhändler, erhält durch einen Zufall eine englische Der Bodensee schimmert jetzt in allen floss der Strom.» , Odysee-Ausgabe und entdeckt bei sich eine Farben. Die Sonne hat im Verlöschen noch bislang verborgene, aber sehr rasch steigernde Leidenschaft für alte Literaturen. durchbrochen und legt breite Farbbänder über einmal das dünne Netz der Schleierwolken Folgt eine fortwährende Belästigung durch das Wasser, das eine zarte Abendbrise kräuselt Blauopalisierend glüht es, grün, blau, eine politische femeartige Geheimorganisation, der er sich durch Auswanderung ins grau, und nach dem Westen zu immer heller ins Rot und Rosa hineinspiegelnd. Land der ewig lächelnden Menschen entzieht An Bord des dreckigen griechischen Dampfers deklamiert er die Ilias, wandert 2 Jahre ches Gold über der unendlichen Skala. Wie ein Geheimnis liegt aber ein undeutli- lang kimonorauschend durch die Zedernwälder, begleitet und umsorgt von einer aus- seligsten Augenblicke des Lebens gewesen», «Bei mir sind wohl dies die schönsten und gestossenen Japanerin aristokratischer Herkunft. Uebersetzt hervorragende Gedichte ei- bläst wie ein alter Brasilianer dicke Rauch- hebt der Zweite, Brassi genannt, an. — Brassi nes unbekannten Mönchsdichters, findet keinen Verlag und pfeift ein Liedchen, setzt sich sterglocke aus der Stadt hell ihr eifriges wolken in den Abend, und während die Klo- in ein Wrack von Kahn und sucht auf verlas- ßimbim über den See läutet, erzählt er: senen Inseln nach Scherben und alten Mün- «j^ kam von dreijährigen wilden Fahrten zen, wird dabei Fremdenführer und entdeckt j n p er sien und Belutschistan nach Europa auf seinen Exkursionen einen uralten versan- zurück. Schon der regelmässige Fahrtendienst in Russland war mir irgendwie deten Brunnen. eine Wird sterbenskrank zum Schluss, schifft Wohltat, und als ich gar in der ersten polnisich als Trimmer nach einem mittelländi- sehen Grenzstadt einen dicken Beamten ansehen Hafen ein, übersteigt im Winter die traf, überkam mich eine eigenartige Rührung. Alpenpässe und bläst jetzt hier auf dem See Der Mann hatte ein breites, wulstiges Gesicht, einen schiefen Blick, eine breite, schlecht vor Konstanz Langeweile in die Luft. «Also», sagt er nun langsam und dabei gäh- geputzte Uhrkette baumelte ihm auf seiner nend, «ich erinnere euch daran, dass jeder karierten Sonntagsweste, und gerade diesen die glücklichsten und schönsten Minuten sei- Typus, den ich sonst als das Standbild des nes bisherigen fragwürdigen Lebens hervor- Spiessers gehasst hatte; ich sank ihm fast kramen und erzählen wollte. Los! Allons!» aufweinend an die Brust. «Also gut», sagt der eine der Insassen, ein Heute schäme ich mich fast darüber, aber mittelgrosser magerer Mensch, dem diewir haben uns ja allergrösste Ehrlichkeit zum schwer benagelten Schuhe wie seltsame Ge- Gelöbnis gemacht. Meine Rührung steigerte wächse an den Beinen hängen. sich jedoch noch, als ich im rasenden Vorbei Oh, wenn des Dämmerns müde Musik die Felder betört Und kein Lärm mehr des treibenden Tages die Stille dort stört, Nur flackerndes Grillengezirpe die zitternde Stunde durchdringt Und glasige Kühle die rauchenden Pflanzen umringt, Dann rauscht es auf, wie Schwingen schwer-wallender Fahnen im Wind, Da die Gänge der Glocken des läutenden Abends hörbar sind. Es fliesst die Luft wie silberweisses Wasser in das Land Und füllt die grosse Felder schale bis zum Rand Mit Himmelstrank, in weitgebrachtem Tau gehaucht, Den selig-trunken jede Pflanze in sich saugt. — Da war auch ich, bis hier der letzte Schein verglimmt Falten durchzogen, liegt nun der See. Oben flimmert gross das Sternenheer, golden, silbern, bläulich, rötlich. Von den Alpen her geht ein erfrischender Wind über die Bucht, und während der Weissrusse langsam die Ruder hebt und das Boot seinen spitzen Bugschnabel nach dem Lande wendet, beginnt er, ein wenig heiser und leise : «Ich weiss nicht, ich habe vorhin scharf nachgedacht, aber -es geht mir so wie euch: In meinem wilden 8jährigen Fahrtenleben finde ich nicht diese Nirwana-Minuten, nicht einmal in meiner tollen, seligen und an süssen Erinnerungen nicht dürftigen Pennälerzeit Ein Erlebnis indes aus der frühen Kindheit liegt hell wie ein Kristall in meiner Erinnerung, aber dieses ist schon kaum zu erzählen, es geschieht nichts — absolut nichts. Und trotzdem liegt ein märchenhafter Hauch über ihm, der seinen hellen Glanz, sein Wunder, sein geheimnisvolles Rätselwirken bis in diese wilden, so ganz anders gearteten Jahre sendet. Ich weiss nur noch, dass ich als kleiner Bub mit meiner Mutter zu einer mir fremden Bekannten fuhr. Es war ein Garten da, duftend und blühend und einsam gelegen, für mich Großstadtknaben schon ein Gegenstand, ein Wunderhain des Staunens und minütlichen Erstaunens. Ich verkroch mich in den flammenden Syringenbüschen, tanzte über Beete wie besessen, Schmetterlinge berührten meine kleinen bebenden Schultern. Später geriet ich in einen fremden Garten, der noch grösser und geheimnisvoller war, und traf dort, in hohem Sterngras sitzend, ein kleines Mädchen, in dessen feuchten, glänzenden Augen ebenso das grosse Wundern gestanden haben muss. Und nun fassten wir uns an den Händen, Der Stockalperpalast im Städtchen Brio. durchstreiften und entdeckten in seligem ' Tollen neue Bezirke, und das alles war gut, war gänzlich, war ohne Makel, ohne bohrende Gedanken. Seht: daran denke ich gern zurück, und es ist als schöpfe ich schmerzlich Kraft und Glauben aus diesem paradiesischen Kindheitsidyll. — Sie schweigen nun, die Drei. Leise "gluckst das Wasser am Bug. Dann knirscht es und das Boot fährt weich am Strande auf. Unter der gestirnten Nachtkuppel schütteln sie sich die Hände, dann verhallen ihre festen Schritte nach drei Richtungen. treppauf-treppab und hat für alle Leute einen freundlichen Gruss und ein Lächeln. Wenn sie so lächelt, kommen alle die Falten und Fältchen ihres Gesichtes in Bewegung und geben ihm einen so gütigen und zugleich hilflos-rührenden Ausdruck, dass sich jeder hingezogen fühlt zu der armseligen alten Frau. Am meisten Freunde hat sie aber unter den Kindern. Kaum kommt sie mit ihrem Wägelchen, dessen Räder von- der Last der vielen Zeitungspakete ganz schief stehen, die Strasse herauf, da kommen auch schon die Kinder herbei und rufen : « Dürfen wir helfen, Mutter Steinmüller ? > — Dann zuckt jedesmal das gute Lächeln über der Alten Gesicht, und jedem der Kinder teilt sie Arbeit zu. Die jungen Füsse sind rascher als die alten, und so wird der Wagen bald leer. Dankend reicht sie den Helfern die Hand, zupft da eine Schürze glatt, fährt dort mit den zerarbeiteten Händen über einen- Lockenkopf, und fröhlich eilen die Kinder fort, um sich am nächsten Tag wieder ein-; zustellen. Montags aber eilt sie noch rascher als gewöhnlich und kann nicht schnell genug fertig werden. Ist sie zu Hause, so setzt sie sich an das Fenster der kleinen Stube und wartet, bis sie den Schritt des Briefträgers auf dem Hofe hört. Dann steht sie rasch auf und geht zur Treppe. Wenn der Briefträger heraufkommt, fragt sie : « Haben Sie etwas für mich ? » und immer reicht er ihr ein Schreiben hin : « Ja, Mutter Steinmüller, ein Brief von Fritz ! > «Danke ! » sagt die Alte und geht, das Schreiben in den zittrigen Händen, in das Zimmer. Seit Jahren ist das schon so : das Eilen am Montag, das Warten; die Frage und die Antwort. Es ist etwas Selbstverständliches Luzern Schiller Hotel Garni Alle Zimmer mit fliess. Wasser o. Bad u.Tel. Zimmer v. Fr. 4.50 an. Pens. Fr. 12.-. 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