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E_1935_Zeitung_Nr.081

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M AUTOMOBIL-REVUE

M AUTOMOBIL-REVUE 1935 — No 81 Paviiev Salon 1935 &$8gm& „,.„j*&M Wie in einem Ameisenhaufen wimmelt es auf den generös bemessenen Ständen der grossen franzqpsischen Firmen. Das Bild zeigt einen Teil des Peugeot-Standes mit dem neuesten Stromlinientyp im Vordergrund. Ein Blick in das Mittelschiff des grossen Ausstellungspalastes, in den Champs ElysiSes. Wie schon immer in den letzten Jahren hat die Halle einen künstlichen Himmel erhalten, dessen diffuses strahlendes Licht abends die Ausstellungsobjekte besonders prachtvoll in Erscheinung treten lässt Der schon vom Berliner Salon her bekannte Maybach-Stromlinien-Wagen erregte als einer der konsequentesten Vertreter des Stromlinienprinzips auch in Paris grosse Aufmerksamkeit. dort ist eine Verladerampe über die Freitreppe erbaut; aber es sind grosse Skulpturen aus Marmor, Der Pariser Salon wird traditionsgemäss durch einen Rundgang • des Staatspräsidenten eröffnet • -;< Das Bild zeigt Herrn Lebrun (rechts) mit Spitzen Vertretern der Behörden bei der Besichtigung eines neuen Chassis« Um den Pariser Salon. (Kleine Plauderei eines Berichterstatters.) Paris, ja noch mehr; Frankreich und die gesamte automobilistische "Welt stehen derzeit im Zeichen des «Pariser Salons>, der am 3. Oktober seine Tore geöffnet hat. Sollte man da nicht— entgegen aller Gepflogenheiten — einmal mit dem Wagen die herrliche Seinestadt besuchen? Zwar warnen manche Bekannte, die schon einmal mit dem Wagen in Paris waren: Die Taxifahrer hätten es auf die Herrenfahrer abgesehen und würden diese häufig rammen, — so sagt mir der eine; der andere rät, den Wagen an der Stadtgrenze einzustellen, und dann mit einem Taxi zum Hotel zu fahren; wieder ein anderer empfiehlt, an der Stadtgrenze einen Lotsen zu nehmen, denn niemals sei es möglich, sich als Fremder durch das Gewirr der Strassen und Verkehrszeichen richtig durchzufinden. Aber alle diese Warnungen stellen nur einen besonderen Anreiz dar, den Versuch doch zu wagen. Die Strecke Bern—Paris wird in knappen 10 Stunden geschafft, trotz Regen und nicht immer sehr guten Strassen. Es ist schon finster, als wir an der Pariser Stadtgrenze eintreffen.. Eine Tankstelle reiht sich an die andere; jede mit einem halben Dutzend verschiedener Säulen. Wir tanken. Man fragt uns, wohin wir wollen; wir nennen unser Ziel. Man schlägt die Hände über den Kopf zusammen: der Verkehr in Paris sei schwierig, es sei für einen Fremden fast unmöglich, durchzukommen, mit heilem Wagen und ohne Strafen. 'Als wir bei unserem Entschluss verharren, bewundert man unsere «Courage>. Eine' kerzengerade Strasse von imponierender Breite und' einem kolossalen, Verkehr-bringt uns-; in das •Säusermeer. Von der Place d'Italie an wird die Sache e'twasT schwieriger. Auto reiht sich an Auto, . ad das Abbiegen macht bedeutende Schwierigkeiten. Aber es handelt sich eigentlich nur um einen Trick: man muss sich rechtzeitig in jene Kolonne von Fahrzugen einfügen, welche auf der der Abzweigung nächstliegenden Seite fahren. Wenn man dies tut, kann man kaum karambolieren. Bald landen wir, nachdem uns «Sens unique» noch zu einem kleinen Umweg gezwungen hat, wohlbehalten beim Hotel. Und wir sagen uns: es war eigentlich nichts dabei. Nach diesen günstigen Erfahrungen benützen wir auch in den nächsten Tagen den eigenen Wagen und ersparen so viel Zeit und Geld. Die Taxis sind zwar billig, aber mehr als die Benzinspesen kosten sie immerhin. Und schliesslich werden wir frecher und fahren auch zwischen 12 und. 2 Uhr mittags über die Hauptstrassen. Da ist der Verkehr allerdings unvorstellbar dicht Kaum eine halbe Wagenlänge Abstand besteht zwischen den einzelnen Motorfahrzeugen. Ausserdem wird in Paris nur an wenigen Stellen der Verkehr nach amerikanischem Muster gestoppt. Vielmehr windet man sich auch bei den Kreuzungen zwischen querfahrenden Wagen hindurch und nur grösste Achtsamkeit und blitzschnelles Reagieren ermöglichen es, sich unberührt hindurchzuschlängeln. Aber es geht, und geht eigentlich nicht schwer. Die zahlreich herumstehenden Verkehrspolizisten dienen mehr der Verkehrsüberwachung als der Verkehrsregelung. Und doch sind sie ununterbrochen tätig. Sie geben mit ihrem weissen' Holzstab dem einen ein Zeichen, etwas rascher zu fahren, damit er noch vor dem anderen iasch vorbeiflitzen kann. Und dann greifen sie wieder zur Schrillpfeife, halten einige Fahrzeuge auf und lassen rasch die Fussgänger die Strasse überqueren, die sonst überhaupt niemals auf die andere Seite gelangen könnten. Im Grand Palais arbeitet man eifrig an den Vorbereitungen für den Salon, Schon in der Umgebung sehen wir verschiedene Fahrzeuge, die offenkundig für den Salon bestimmt sind. Hier schleppt ein Traktor ein nacktes Chassis eines schweren Lastwagens; alles ist feinst lackiert und verchromt. Dort wieder sieht man einen Schnelllastwagen, der ein prächtiges Personenauto auf seinem Rücken trägt. Dann wieder begegnet man Sattelschleppern mit eigens konstruierten Plattformwagen, auf welchen.' j gleich zwei und drei Auto Platz finden. Gar manche sind durch grosse Piachen gegen Witterungseinflüsse und zudringliche Blicke geschützt. Vor dem Palais selbst herrscht ein reges Treiben. Ueber die Haupttreppe ist aus Holz eine Plattform erbaut, die dem Ausladen der Plattformwagen dient Je zwei Lastwagen können stets gleichzeitig vorfahren. Aber trotzdem geht es oft zu langsam, mehrere andere Wagen müssen warten. Eine grosse Anzahl von Arbeitern ist ständig damit beschäftigt die Wagen in die riesige Halle des Grand Palais zu schaffen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse, beim Petit Palais, sehen wir etwas ähnliches: auch die hier im Zusammenbang mit einer Ausstellung verladen werden. • - •Im Mittelschiff des Grand Palais fällt vor allem die wunderbare Deckenkonstruktion auf. Von der eigentlichen Dachkonstruktion ist nichts zu sehen. Die Decke ist in unzählige Felder unterteilt, die verschieden hoch angebracht sind. Dazwischen ist die indirekte Beleuchtung eingebaut. Durch den Stoff. der Bespannung dringt das Tageslicht ein. Der Stoff, ist in 'fein abgestufter' Tönung gelb und orangefarben gespritzt, so dass sich eine überaus sonnige Wirkung ergibt. Von dieser Decke herab hängen die' riesigen, einheitlich gefertigten ] Markenschilder. Das Bild in der Halle selbst ist überaus abwechslungsreich. Einige wenige Stände sind bereits fix und fertig. Andere sind vollkommen leer, als ob noch eine Woche, und nicht nur ein Tag, bis zur Eröffnung der Ausstellung zur Verfügung stünde. Dies gilt vor allem von den französischen Ständen. In der Halle fahren ununterbrochen Traktoren und, Lastwagen, die die Ausstellungsobjekte an ihre Stände bringen. Dort wieder ist man eifrig beschäftigt, unter reichlicher Verwendung vpn Poliermitteln alles «auf Glanz» zu bringen. Beim Skodastand montiert man eben eine maschinelle Vorrichtung, die das Chassis des kleinen Modells freischwebend rotieren lässt. Auf dem Stand der Auto-Union stehen alle Wagen bereits an ihrem Platz; In unmittelbarer Nähe wird der Stand Hanomag aufgebaut. Etwas weiter im Hintergrund sieht man einen Lastwagen, an dem die Führerkabine abgenommen wird. Dazu werden die beiden Stützen seitlich der Windschutzscheibe abgesägt, desgleichen die Karossenträger unterhalb der beiden Türen. Fast mutet das barbarisch an; aber auf diese Weise wird das Chassis besser freigelegt, und darüber freut sich der: technisch interessierte Besucher, denn gerade beim Pariser Salon wird im allgemeinen allzuviel an technischen Details von den herrlichen Kardsserien verdeckt. Von der grossen Halle, in der die Personenwagen und am Rande die Lastwagen stehen, führen Treppen hinauf zu dem Balkonrundgang, auf welchem die Zubehörstände errichtet werden. Hier ergibt sich eigentlich im Baustadium das interessanteste Bild. Das Ganze ist noch im Werden. Man kann sich kaum vorstellen, dass bis zum Eröffnungstag Ordnung in das chaostische Getriebe gebracht werden kann. Schon versichert auch einer der Aussteller, dass dies ohnehin kaum der Fall sein werde, weshalb der Präsident" der Republik auch niemals am Eröffnungstag, sondern erst an einem der folgenden Tage dem Salon einen Besuch abstatte. Was bei den Zubehörständen an architektonischem Reklameaufwand geleistet wird, ist kaum zu beschreiben. Mit den einfachsten Mitteln werden in den kojenartigen Ständen Aufbauten gemacht, verklebt lackiert, poliert, mit Stanniolpapier beklebt, dort wieder werden riesige Buchstaben einer letzten Polierung unterzogen, hier werden Tische und Fächer seltsamer Formgebung eingepasst, dort das laufende Band ausprobiert, auf welchem die betreffende Firma zahlreiche Erzeugnisse zeigt, Tischler, Lackierer und vor allem Tapezierer drängen sich um die Stände, dazwischen Leute, die anhand der Pläne Anweisungen treffen — und alles eigentlich ganz ohne Hast, als ob die Arbeit erst in einer Woche vollbracht sein müsste. Die verschiedensten Sprachen kann man hier hören, und,man wird kaum seltener auf Deutsch oder Englisch angesprochen als auf Französisch. Ueber allem herrscht offenkundige Kameradschaft der Arbeit In der Halle der Motorräder interessiert uns in erster Linie der unsere heimische Marke «Motosacocne» repräsentierende Stand. Leider ist derselbe noch nicht ganz aufgebaut, wie auch die Stände von Saurer und Scintilla das-gleiche Bild zeigen. Bei unserm nächsten Besuch werden wir aber zweifellos schon mustergültige, der Qualität der Schweizer Erzeugnisse entsprechende Ausstellungen vorfinden. Hoch in der Luft schwebt an eignem Seil ein Elektriker, der an der Lichtanlage noch etwas zu reparieren hat. Durch die Gänge fahren kleine Sprengwagen. Und immer neue Wagen rollen durch die Pforte und werden in Position gebracht. So sieht man nicht nur ein hochinteressantes Getriebe, das Werden einer grossen, internationalen Ausstellung innerhalb von zwei Tagen und drei Nächten, sondern es enthüllen sich da und dort auch bereits manche Neukonstruktionen, die in den technischen Berichten ausführlich besprochen werden. Im Gegensatz zu den Automobilausstellungen anderer Länder, vor allem jener in Berlin, ist der Pariser Salon traditionsgemäß mit keinen offiziellen. Anlässen verbunden. An der Seine konzentriert sich alles auf die eigentliche Schaustellung der Objekte. Die Eröffnung erfolgt vollkommen formlos. Es gibt keinerlei Ansprachen; es werden einfach die Tore, und vor allem die Kassen, geöffnet. Auch der Besuch durch den Präsidenten der Republik geht in einfacher Form vor sich. Zwar steht die Garde vor dem Palais, doch ist dies auch das Einzige, wodurch der Besuch der Ausstellung durch den höchsten Würdenträger des, Staates zum Ausdruck kommt. (Tl

81 II. Blatt BERN, 8. Oktober 1935 Automobil-Revue 81 II. Blatt BERN, 8. Oktober 1935 «hnp Handhabung des MFG. Aus dem Bwtdesgerichti Ein Motorfahrzeugführer, der am 27. September 1934 dm Dorfe Birsfelden einen 7