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E_1935_Zeitung_Nr.086

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BERN, Freitag, 25. Oktober 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N° 86 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG ZentraSbSatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Verschleppung der Alpenstrassen-Initiative Im strassenbauenden Oesterreich eine Fremdenverkehrs-Saison wie noch nie — und in der Schweiz verschleppt der Bundesrat die Abstimmung über die Alpenstrassen-Initiativc. Die Schweizerische Strassenverkehrsliga protestiert! Die Schweizerische Strassenverkehrsliga übermittelt uns den folgenden Protest: Mitte Mai 1934 ist der Bundeskanzlei die Alpenstrassen-lnitiative mit 147 830 Unterschriften eingereicht worden. Als Gegenvorschlag des Bundesrates wurde von der Bundesversammlung am 4. April 1935 der «Bundesbeschluss über den Ausbau der Strassen und des Strassennetzes im Alpengebiet» gefasst, der insbesondere die Deckung der Kosten durch einen besonderen Zuschlag auf dem Benzinzoll vorsieht. Am 9. Juli 1935 beschloss das Initiativkomitee, an der Initiative festzuhalten, und diese Haltung wurde nach einer im «Bund» erschienenen Mitteilung im Bundeshaus als «Zwängerei» und gewissermassen als ein Racheakt gegen die Benzinzollerhöhung aufgefasst. Trotz wiederholten Vorstellungen warten die Initianten immer noch vergeblich auf die Ansetzung der Volksabstimmung, was um so mehr befremden muss, als zwei später eingereichte Initiativen bereits dem Volk vorgelegt worden sind. Am 4. September 1935 sprach daher eine Delegation bei Herrn Bundesrat Meyer.als Stellvertreter des Bundespräsidenten vor, um nachdrücklich zu verlangen,, dass der Bundesrat die Alpenstrassen-Initiative raschestens zur Abstimmung bringe. Zehn Tage später war in der Tagespresse zu lesen, das Departement des Innern sei mit der Behandlung dieses Wunsches eventuell unter,Antragstellung an den Bundesrat beauftragt. In den letzten Tagen endlich, nachdem am 5. Oktober die Initianten nochmals brieflich moniert hatten, kam die folgende ausweichende Antwort: Eidgenössisches Departement des Innern. Bern, den 16. Oktober 1935. Herrn Nationalrat Stadler, Präsident des Initiativkomitees für den Ausbau der Alpenstrassen in Uster. A'pensfrassenfnitfative- Abstimmung. Sehr geehrter Herr Nationalrat! Das Komitee für die Alpenstrasseninitiative hat den Wunsch geäussert, die Abstimmung für die Initiative möchte möglichst bald angeordnet werden. Der Bundesrat hat diese Frage geprüft, und wir sind beauftragt, Ihnen mitzuteilen, dass nun, nachdem die eidgenössischen Räte noch keinen Beschluss über die Vorlage betreffend Zollzuschläge auf Zukker und Benzin gefasst haben, die genannte Abstimmung verschoben werden muss. Sobald die Bundesversammlung Ober die Vorlage endgültig entscheidet, wird der Bundesrat die gewünschte Abstimmung mit Beförderung anordnen. Mit vorzQgl. Hochachtung Das eidg. Departement des Innern. Glaubt etwa der Bundesrat wirklich, durch diese Taktik die Gegner der Benzinzollerhöhung mürbe zu machen, ihnen die Schlagkraft zu rauben und i O.- Erscheint jeden Dienstag ond Ffeitag Wöchentliche Beilage .Autler-Felerahend". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION U.ADMINISTRATION: Breitenralnslr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck'III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Gesehiftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 nachträglich dann für die Durchführung des Bundesbeschlusses über den Ausbau der Strassen und des Strassennetzes im Alpervgebiet noch einen besonderen Zuschlag auf dem Benzinzoll erheben zu dürfen? Die Schweizerische Strassenverkehrsliga protestiert mit aller Energie gegen die Art und Weise, wie hier entgegen allem Brauch und Recht die Abstimmung über eine machtvoll zustande gekommene Volksinitiative verschleppt wird. Sie verweist auf ihre Eingabe vom 12. September 1935 an die eidgenössischen Räte, in der gezeigt wurde, dass Vom Strassenverkehr heute ebenso viele Menschen leben, wie z. B. vom Betrieb der Bundesbahnen, und dass die Benzinzollerhöhung einen der wichtigsten Zweige unserer nationalen Wirtschaft, der sich bis heute schlecht und recht noch zu halten vermochte, zur Schrumpfung zwingt und Tausende in ihrer Existenz bedroht. Das wird der Erfolg sein, wenn der Bundesrat mit seiner Kalkulation Recht behalten sollte, und dagegen wird sich die Schweizerische Strassenverkehrsliga weiterhin mit allen Kräften zur Wehr setzen. 24. Oktober 1935. Schweizerische Strassenverkehrsliga. Der Präsident: Der Sekretär: Dr. E. Stadler. F. X. Marzohl. Soweit der Protest der Schweizerischen Strassenverkehrsliga, der an Entschiedenheit nichts zu wünschen übrig lässt. Die von uns bereits in letzter Nummer gebrachte Nachricht über die Verschleppungstaktik des Bundesrates hat mittlerweile in den Kreisen der Strassenbenützer zu Kommentaren Anlass gegeben, in denen ein nicht minder entschiedener, aber erheblich schärferer -Ton angeschlagen wird. Im Jahre 1928 hat der Bundesrat die damalige Strassenverkehrsinitiative, die den ganzen Benzinzoll auf die Strasse bringen wollte, durch seine gelbe Presseorganisation bekämpft, deren Kosten natürlich die Allgemeinheit zu tragen hatte, sofern dafür nicht ein Reptilienfonds herangezogen wurde. Wir haben damals die rechtliche Zulässigkeit dieses Vorgehens gegenüber den Initianten bezweifelt. Ferner hatten nahezu alle Nationalund Ständeräte einen Aufruf für Verwerfung unterschrieben, und mit Ausnahme von etwa 6 Blättern wurde den Initianten die gesamte schweizerische Tagespresse gesperrt. Trotzdem fand sich in der Volksabstimmung eine Viertelmillion von Jasagern zusammen. (Fortsetzung Seite 2.) Zur Schweizerwoche 1935. Seitdem Wilhelm Teil dasVolk seiner Heimat von der 'Tyrannenfaust erlöste, ist die Teil-Armbrust das Symbol der Befreiung. Auch der Schweizerwoche-Bewegung wohnt befreiende Kraft inne. Jahrzehntelang hat ein reger Güteraustausch mit dem Ausland unsere Volkswohlfahrt wohltuend 1 befruchtet und den schweizerischen Wohlstand gehoben. Die Weltkrise hat für diesen Warenverkehr gefährliche Barrieren aufgerichtet und die Folgen davon sind Ueber Produktion und Arbeitslosigkeit in unserm Lande. Hier will die Schweizerwoche helfend eingreifen und die Fesseln, die unsere Wirtschaft einschnüren, lockern.. Ihr Bestreben ist, die Aufmerksamkeit des Schweizervolkes auf die Qualitätsprodukte inländischer Herkunft hinzulenken und zum Ankauf aufzumuntern. Hierin liegt ein Appell an unsere Solidarität. Wer Schweizerwaren den Vorzug gibt, fördert die Produktion und schafft dadurch Arbeits- und Verdienstgelegenheit im eigenen Lande. Nie war dies nötiger, als in der heutigen schweren Krisenzeit. «Ehret einheimisches Schaffen-», so lautet der Ruf der Schweizerwoche. Diesem Rufe Folge zu leisten, ist für jeden rechten Schweizer eine patriotische Pflicht, .„..«. R- Minger, •- ' -. , Bundespräsident. Wirtschaftliche Solidarität ist bei der gegenwärtigen Lage auf dem Weltmarkt und den bestehenden sehr beschränkten interstaatlichen Handelsbeziehungen zu einer absoluten Notwendigkeit geworden. Es ist daher ein Gebot der Stunde sich der Schweizerwoche zu erinnern und sich ihre Leitgedanken zu eigen zu machen. Eigentlich sollte Handel und Wandel das ganze Jahr hindurch im Zeichen der Schweizerwoche stehen, denn wenn wir uns nicht auf die Volkswirtschaft unseres ganzen Landes besinnen und nur gerade bestrebt sind, einen uns scheinbar winkenden. Vorteil ohne Rücksicht auf die nationalen Interessen auszunützen, dann werden sich die bereits bestehenden Schwierigkeiten nur noch mehr zuspitzen. Wir wollen und können uns nicht hermetisch gegen das Ausland abschliessen, denn wer exportieren will, der muss auch als Gegenleistung den Import aus den eigenen INSERTIONS-PREIS: . Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarit. . Inseratensehluss 4 Tane vor Erseheinen der Nummern Wir berichten heute über: Verkekrspolitik der Tat Rückblick auf die internat. Sportsaison 1935. Londoner Olympia-Schau. Das Reifenproblem bei Weltrekordfahrten. Vom Bau des neuen Luftschiffes «LZ 129». Bilder: Seite 8. Kundenländern zulassen. Zudem wäre es durchaus ungesund, wenn durch allzu weit> gehenden Produktionsschutz und Ausschaltung jeglichen Wettbewerbes sich eine Fabrikation breit machen würde, die ihre bevorzugte Stellung nur mit Mittelmässigkeit in der Leistung, dafür aber mit um so grösseren Ansprüchen in der Preisgestaltung quittieren möchte. Gesunder Wettbewerb muss sein, und eine PreisreguRerung durch den Weltmarkt ist ebenso nützlich. Aber wo das schweizerischrProdukt dent' ausländischen durchaus gleichwertig, ja in der Qualität vielleicht sogar Überlegen ist, da soll und muss es heute bedingungslos den Vorzug gemessen. Dies gilt vor allem in Branchen, die, gerade wie das Motorfahrzeugwesen, dem Ausland infolge der besonderen Umstände schon an und für sich in sehr weitgehendem Masse tributpflichtig sind. Vielfach ist diese Abhängigkeit vom Ausland so zur Gewohnheit geworden, dass man es darob ganz unterlässt, sich umzusehen, ob nicht schweizerische Initiative und heimischer Gewerbefleiss einen vollgültigen und ebenbürtigen Ersatz geschaffen haben, der schon deshalb weitgehende Berücksichtigung verdient, weil seine Herstellung so und so vielen fleissigen Händen das tägliche Brot vermittelt. Leider rafft man sich bei uns vielfach erst unter dem Druck des Zwanges zu einer mehr national eingestellten Wirtschaftsauffassung auf. In dieser Hinsicht hat das viel- F E U I L L E T O N Blumenhölle am Jaclnto. Urwalderlebnis. Von Ernst F. Löhndorff. Copyiight by Garl Schünemann-Verlag, Bremen. (3. Fortsetzung.) Wir paddeln ! Zeitweilig schaut der Vordermann über die Schulter und stiert den Hintensitzenden voll unterdrückten Zornes an. Gelbgefleckt vom Fieber wurden unsere bösblickenden Augen. Die Backenmuskeln sind krampfartig angespannt, und unsere zusammengekniffenen Lippen bilden schmale Linien, die sich oft urplötzlich öffnen, um einen Strom toller Lästerungen loszulassen. Schweiss fliesst in Bächen an uns hinab, die Achselhöhlen wurden durch die mechanisch scheuernde Bewegung des Ruderns wund und schmerzen, als ob man mit Reibeisen darüber hinstreicht. Ueber uns schwelt als riesengrosser, rötlicher Kreis die Sonne der Tropen. Ihre Strahlen bohren sich gleich Lanzenspitzen in unser Hirn, legen sich als pressende Schlangen um die Schläfen, beengen die atemringende Brust, strömen gleich Flammen in die stechenden Lungen und verwandeln das Kanu, in dem wir hocken, in eine wahre Feuerhölle. Hinter Inseln, Sandbänken und Waldstreifen, die dem Wasser dort entsteigen, wo der Hauptstrom seine Bahn fliesst, rauscht es gedämpft hervor. In nächster Nähe um uns ist's ruhig. Bleiern wuchtet die Luft tiher stehenden, blasenwerfenden Fluten. Widerlich giftgrün sind die gerandeten Tellerblätter der Victoria regia. Ihre kopfgrossen Blüten schimmern unwirklich weiss, und die Stelzbeine der Vögel, die darüber hinlaufen, sind flammend rot gleich Stäben aus lebendigem Feuer. Ab und zu wirft mir Willis ein paar knurrende Worte zu, und Henderson stösst sein scheussliches, prasselndes Lachen aus, wenn der schlammbewucherte, stinkende Leib eines Krokodils mit jähem.Satze im goldgelben Wasser verschwindet. «Ist 'ne wahrhaft teuflische Fahrt! » brummt der Engländer und schmettert die breite Schaufel der Paddel heftig nieder, dass warme Tropfen mein Genick nässen. « Wünschte fabelhaft gerne, wir hätten etliche eiskalte Cocktails oder sonst was Trinkbares, was es in diesem gottverlassenen Lande nicht gibt! > Tief presst der Amerikaner zwischen einzelnen Ruderschlägen hervor : « Kalkuliere, du hast recht. Kalkuliere, dass der Böse dieses Leben holen soll. Schätze, dass es besser wäre, wenn die Burschen in London drüben, die so heidnisch viel Geld haben, dass sie vor Langeweile Orchideen züchten und seltenes Blut davon gleich Rubensschen Gemälden für tausend Pfund ersteigern — kalkuliere und schätze, dass die Kerle doch mal selber hinter ihren Blumen herkriechen sollen. Werde zurückgehen, in die Vereinigten Staaten, heim in Gottes Land. Weiss 'n hübsches Cottage bei Pasadena und werde wohl auch 'n tüchtiges Girl dazu finden. Blond muss sie sein. Ah, Boys, es geht nichts über unsere kalifornischen Frauen !» Ich rudere schweigend. — Ein grosser Schmetterling mit dukatenroten Schwingen umflattert mich nervös, schwebt dann königlich und stolz zum Ufer zurück, wo die Blumen in so trunkenem Farbenrausche durcheinanderleuchten und brennen, dass das Auge irre wird. « Redest wie ein Buch heute, Yank! » krächzt des Briten höllisches Gelächter. Plötzlich erhalte ich einen Ruck, meine Beine fliegen hoch, schmerzhaft schlägt der Ellbogen gegen die Bordkante, und dann liege ich mit lautem Aufklatsch im warmen Wasser. Instinkt reisst mich sofort hoch, die Flut umspült meine Knie, und Willis- brüllt wie besessen aus dem Fahrzeug, das durch den Stöss von mir fortschoss: «Spring, Herzchen, bis Henderson die Flinte parat hat! Dort die luftige Wurzel hoch ! Klimmzug, Bauchaufschwung, mein Engel, oder du erwachst ohne Beine im Paradiese ! » Ich sprang, schon ehe er den Mund auftat ! Mit mir selber unbekannter Kraft schnelle ich die Füsse aus dem Schlamm, der sie wie mit tausend zähen Fingern umklammert, und rase durch das flache Wasser der angedeuteten Wurzel zu. Dort ragt sie! Einem Klumpen fauligen Aestegewirrs entsprossen, bildet sie etwa einen und einen halben Meter über der Oberfläche des Wassers eine Art Bogen. «'rauf! » brüllt der Engländer. Ob ich's noch kann ? durchzuckt es mein Hirn. Und hinter mir hält es gleichen Abstand mit meinen verzweifelten Sätzen ! Nein, die Entfernung verkürzt sich ! Drohend rauscht das Wasser. «Bravo ! » heult Willis. Dann : «Die Flinte, die verdammte Flinte an die Backe, Mann ! > Meine Hände saugen sich um den Wurzelbogen. Ein Schwung, und Beine nebst Oberkörper schrauben sich hoch, drehen sich um den Halt der Finger. Wenn jetzt das morsche Holz nachgibt, dann bin ich verloren, denn unter mir im sämigen Wasser braust und rauscht der nahe Tod. Nun schwinge ich herum. Einen Augenblick hängt mein Gesicht nach unten, das Wasser spritzt hoch auf, ein riesiger, gähnender Rachen mit gelben Dolchzähnen in rosa Gaumenplatten faucht mich heiss und stinkend an, handbreit vor meiner .Nasenspitze klappt er schmetternd zusammen. Dann sitze ich erstaunt oben, und unter mir tobt und wütet der Grossvater aller Krokodile. Ein Tier von gut sechs Meter Länge, das rasend vor Zorn braunen Schaum und schwarzen Morast zu mir heraufschleudert. Ein blauer Schmetterling sinkt aus der Luft und wippt sekundenlang auf meiner besudelten Schulter. Schnarchende Tierstim-