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E_1935_Zeitung_Nr.087

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1935 — Von der Olympia-Schau. in *) Kleinigkeiten von Belang. London, 24. Oktober 1935. Jeder Automobilist weiss, dass erlittene Pannen nicht selten von Kleinigkeiten herrühren. Leider finden die Stände, auf denen diese Kleinigkeiten präsentiert werden, nur wenig Beachtung. Sehr zu Unrecht! Um mit dem Kleinsten zu beginnen, fand sich auf der Olympia ein neuer Benzinhahn dem man wegen seiner genialen Bauart die weiteste Verbreitung wünschen möchte. E ist dies eine Armatur, bei welcher der Wasser- oder Brennstoffdurchlass durch eine gehärtete Kugel reguliert wird. Eine kleine Feder, die die Kugel auf ihren Sitz aufdrückt, wird je nach Wunsch durch eine •Rändelschraube zusammengepresst oder entlastet. Auf diesem Wege ergibt sich ein Abschluss, der nach menschlicher Voraussicht seine Funktion ohne Oelung und Nachschleifen jahrelang verrichten wird. Ist dies nicht ein Fortschritt gegen unsere bisherigen Hähne, die sovieles, Ja selbst zahlreiche Brände auf ihrem Schuldkonto haben? Von unseren Bremsen wissen wir, dass sie häufiger Pflege bedürfen, zumindest wenn sie bei voller Leistungsfähigkeit gehalten werden sollen. Hier hat sich ein findiger Geist zur Aufgabe gestellt, Wandel zu schaffen. Die von einer Firma in Handel gebrachten Bremstrommeln sind aus Schleuderguss hergestellt und behalten auch bei starker Erhitzung ihre gute Wirkung. Sie können auch nachträglich, unter Beibehaltung der ursprünglichen Bremstrommelansätze, aufgeschrumpft werden, wodurch die mehr oder weniger kostspielige Anpassung an die jeweilige Konstruktion hinfällig wird. Ueberhaupt wird auf dem Bremsgebiet viel und erfolgreich gearbeitet. Eine andere Unternehmung, deren Bremsenprüfer auch in der Schweiz vertrieben werden, hat einen ständig von Menschenmassen bewunderten Mi- abschnitt sicherstellen. Anscheinend handelt es sich hier um eine Sonderkonstruktion von Austin. Es lohnt sich auch, auf dessen eingebaute hydraulische Stossdämpfer hinzuweisen, die zentral vom Führersitz betätigt werden können und die, ihre richtige Funktion vorausgesetzt, die Arbeit des Reifenwechsels, aber auch die des Wagenwaschens sehr erheblich erleichtern. Auf anderen Wagen, so z. B. bei Standard, finden sich sehr flache mechanische Heber, meist drei an der Zahl, die zwar nicht ganz so mühelos funktionieren, aber dafür weniger tief bauen und die Bodenfreiheit weniger beeinträchtigen. Morris, der seinerseits den hydraulischen Heber übernahm, hat die Rückenlehne seiner besseren Typen «och mit einem speziellen Luftkissen ausgerüstet, das in die Rükkenhöhlung passt und nach Wunsch aufgepumpt werden kann. Der Komfort ist, wie man sieht, heutigentags ein Punkt, dem ungemein grosse Bedeutung beigemessen wird. In die gleiche Richtung weisen jene Bemühungen, die zur Ablösung des Speichenrades durch das gepresste Blechrad den Anlass gaben. Die Wagenwäscher werden frohlocken, denn die ihnen' zugemutete Arbeit des Speichenwaschens zählte zu den unangenehmsten der Fahrzeugpflege. Bedenkt man, was dem Kunden Jahr für Jahr an neuen Annehmlich«- keiten geboten wird, so ist dieser Wandel in der Räderfrage nur zu begrüssen. Die Sorge um den Automobilisten und sein Wohlergehen wird dadurch nicht geschmälert. Da hat eine findige Karosserieanstalt den Klapptisch in der Rückenlehne erfunden. Viele haben diesen guten Einfall sogleich der serienmässigen Produktion erschlossen. Alvis, Standard und andere gehören zu diesen für den Komfort besorgten Unternehmen. Ein Aussteller bringt einen kleinen, durch Unterdruck betriebenen Ventilator auf den Markt, der an die Steuersäule befestigt wird und das Beschlagen der Fenster vermeiden soll. Ausserdem wird diesem kleinen Apparat nachgerühmt, dass er eine, angenehme Luft- niatur-Prüfstand aufgebaut, auf dem einzirkulation hervorruft, die den bekannten Autokrankheiten entgegenwirkt. Doch damit Weiner Wagen mit der Wirklichkeit nachgebildeten Bremsen den verschiedenen Verzögerungen, die im Motorfahrzeugbetrieb ein- nicht genug. Dem verwöhnten Autofahrer war die stabile Steuersäule stets ein Dorn im treten, unterworfen wird. Auf dem Dach des Auge. Wie er seinen Massanzug nur widerstrebend der Konfektion opfern würde, so Modells befindet sich ein Bremsen-Indikator, auf dem die Qualität der Bremsung ohne wünscht er^sich nichts lieber als eine individuell nach Länge und Neigung verstellbare weiteres abgelesen werden kann. Der Apparat ist für den praktischen Gebrauch des Au- Steuersäule. Dieser Wunsch ist ihm durch, die Teleskoplenkung erfüllt. Angesichts "fdieser tomobilisten entworfen und als Kontrolle für vielen kleinen Vervollkommnungen bleibt, so den jeweiligen Zustand seiner Bremsen gedacht. Er ist in England sehr populär. verbessern übrig. Dies ist leider nicht der sollte man meinen, nichts mehr am Wagen zu Für die Reparaturwerkstätten und Fabriken wurde ein grosser stationärer Bremsen- fleissig laboriert. Davon zeugen zwei recht Fall. An manch grösserem Problem wird noch prüfer entwickelt, bei dem erstmalig die Gewichtsverlagerung des Wagens während des stellten Karosserien befanden. typische Beispiele, die sich unter den ausge- Bremsvorganges auf der Strasse in Rechnung gezogen sind. Der Apparat gibt somit Die eine bezieht sich auf eine neuartige Tür, die zweite auf eine Kombinationskarosserie, die exakten Fahrverhältnisse wieder und die Limousine und offenen Wagen in einem Fahrzeug vereinigt. Die Tür einer Karosseriefabrik ist speziell für Cabriolets entworfen, bei denen bekanntlich der Zugang zu den Hintersitzen recht beschwerlich ist. Abweichend von der üblichen Konstruktion ist daher in diesem Falle die Tür mit einer kleinen Hilfskonstruktion verbunden, die mit Drehung des Griffes ihre seitliche Verschiebung veranlasst. Der Platzgewinn ist sehr erheblich, ausserdem wird der Zugang wesentlich erleichtert. (Illustration siehe A. R. No. 85). Bei der Kombinationskarosserie wird das stählerne Dach der Limousine auf Wunsch des Führers durch eine Handkurbel auf das Wagenheck aufgelegt. Die Gestalt des Wagens wird hierdurch in keiner Weise beeinträchtigt. Im Gegenteil kann diesem Wagen unterscheidet sich hierdurch von den bekannten Konstruktionen, die in diesem Punkt noch mit einer Fehlerquelle behaftet waren. Von der gleichen Firma stammen auch Rüttelmaschinen, auf denen die Erschütterungen der Strasse künstlich nachgebildet werden. Die zu beobachtenden Fahrzeuge fahren mit eigener Kraft über eine ungleichmässig geformte Walze und werden somit ständigen Erschütterungen ausgesetzt. Da das Tempo beliebig gewählt werden kann, ergibt sich die Möglichkeit, alle Fahrgeschwindigkeiten am Stand nachzubilden und damit Geräuschquellen nachzugehen, die auf anderem Wege nur sehr mühsam zu verfolgen sind. Ein weiterer Apparat, der sich mit den Fahreigenschaften befasst, ist ein Stabilisator, wie er von Malcolm Campbell "mit Erfolg in seinem Blue Bird verwendet worden ist. Die Funktion dieses Schwingungsdämpfers ist sehr interessant. Er hat etwa die Form eines üblichen Reibungsstossdämpfers und wird auf der Vorderachse montiert und durch einen Hebel mit der Spurstange verbunden. Im Innern des Gehäuses befindet sich eine Geradführung mit einem beweglichen Stein, der mit 'dem Haupthebel angelenkt ist. Im Betrieb ergibt das folgende Erscheinung: Während der Apparat langsamen organischen Bewegungen, wie sie vom Steuerrad ausgehen, fast keinen Widerstand entgegensetzt, wirkt er gegenüber Strassenstössen, die Hammerschlägen vergleichbar sind, wie eine wirksame Sperre. Mit anderen Worten übernimmt der Stabilisator die Aufgabe eines mechanischen Filters, indem er die unerwünschten Kräfte verschluckt, während er die harmonischen Bewegungen ungehindert durchgehen lässt. Wir kommen nun auf das Fahrgestell zu sprechen, das manche interessante Wandlung durchgemacht hat. Bei den Federn finden wir auf einigen der" grösseren Wagen kleine runde Einlagen aus graphitierter Bronze. Ihre Aufgabe ist ohne weiteres einleuchtend. Sie sollen den- Reibungskoeffizienten des Federpaketes konstant halten und damit die gute Federung, die alle neuen Wagen äuszeichnet, auch über einen längeren Zeit- *} Siehe auch «A.-R.» No. 85 und 86, eine selten gelungene Silhouette nachgerühmt werden. Fr. Tedhn. Run«! ;chaa Getriebesohaltung über Bowdenkabel. Als eine der bemerkenswertesten Tendenzen im modernen Automobilbau ist diejenige der Befreiung des Führerabteils vom störenden Handbrems- und Schalthebel zu verzeichnen. Sie wurde seinerzeit mit dem ersten praktisch handelsfähigen Vorderradantriebswagen, dem Auburn-Cord, wachgerufen und fand im D.K.W. ihre Fortentwicklung. Heute haben schon eine ganze Anzahl Konstrukteure wenigstens den Handbremshebel so angeordnet, dass er beim Platzwechsel auf dem Vordersitz nicht mehr störend wirkt. Seine endgültige Anordnung wird wohl allgemein, die am Instrumentenbrett sein. Aber auch der aus dem Boden heraufragende Schalthebel wird nach und nach verschwinden, so dass man durch ihn nicht mehr behindert ist, wenn man bei einem Wagen mit Linkslenkung rechts ein- oder aussteigen möchte, wie es ja in Ländern mit Rechtsahrtordnung das Gegebene wäre. Man kann zwar, was auch schon vor vielen Jahren geschah, den Schalthebel nur so kurz ausbilden, dass man mit den Knien leicht über ihn hinwegkommt. Nachteilig ist dann jedoch der grosse Weg, den die Hand vom Die Schaltung vom Gerätebrett aus. Ersatz jiea Schalthebels durch Sine Bowtlenzug - Vorrichtung; ebenso wird die Handbremse durch Bowdenzug betätigt Lenkrad zum Schalthebel zurücklegen muss. Man kann auch durch entsprechende Abkröpfung eines langen Hebels die gewünschte Durchgangsfreiheit für die Beine zu schaffen suchen, ist aber auch hierdurch wieder an Grenzen gebunden. Die Getriebeund Schaltmechanismen, die einen Handschalthebel ganz überflüssig machen, werden vorerst noch auf eine kleinere Zahl von Wagen beschränkt bleiben. Als aussichtsreiche neue Lösung dürfte deshalb die Anordnung des Schalthebels auch bei Hinterradantriebswagen am Instrumentenbrett sein. Am Pariser Salon wurde durch Peugeot eine der konstruktiven Möglichkeiten zur praktischen Durchführung dieser Idee vorgeführt. Wie man aus der beistehenden Skizze ersieht, hat Peugeot den Schalthebel mit dem gewöhnlichen Dreiganggetriebe, d.h. dessen Schaltstangen, lediglich durch Bowdenzüge verbunden. Der Schalthebel Hess sich so leicht greifbar am Instrumentenbrett einbauen und der Uebertragungsmechanismus ist die Einfachheit selbst. Die Zukunft wird lehren, ob damit auf diesem Gebiet schon das letzte Wort gesprochen ist oder ob nicht vielleicht doch durch Zuhilfenahme von Stangen /und Hebeln unter Verzicht auf die grösste Einfachheit eine starrere Verbindung geschaffen werden muss. Wie es die Skizze zeigt, ist hl dem Schalthebel B übrigens auch der Handbremshebel A am Instrumentenbrett angeordnet. Auch von ihm aus geht die Übertragung zuerst durch ein Bowdenkabel vor sich. T«*ck SRB II. Antwort 9597. Erfahrungen mli Vertex-Maffnet. Zuschrift weitergeleitet. Red. Frage 9604. Erneuerung von Zündkerzen. Wel- :he Schweizer Firma befasst sich mit' der Erneuerung von Zündkerzen für Automobile? Z. H. in Z. Frage 9615. Instruktionenbacher alter Wagenmodelle. Wer ist in der Lage, mir Instruktionenbücher der ältesten Automodelle zu verschaffen oder anzugeben, wo ich solche Instruktionenbücher erhalten kann? E. W. in Z. Frage 9622. Benzin- oder Rohölmotor? Ich bitte um Auskunft, welche, Wagen, vorzuziehen sind, ob Benzin oder Rohöl.'Ich beabsichtige nämlich einen solchen Lastwagen zu kaufen. Welcher ist der bessere, welcher gibt mehr Reparaturen, und welcher kostet mehr in den Reparaturen? W. R. in S. Frage 9623. Erhitzung von Oel. Ich habe die Gewohnheit, das Oel vor dem Einfüllen in das Kurbelgehäuse auf der Gasflamme zu erwärmen, um es dünnflüssig zu machen, weil es so rascher filtriert werden kann. Wäre es nun denkbar, dass das Oel durch die Erhitzung Schaden nehmen könnte? R. 0. in S. Antwort: Eine Schädigung des Oels ist bei den verhältnismässig niedrigen Temperaturen, die Sie vernünftigerweise anwenden werden, nicht zu befürchten. —at— Frage 9624. Hydraulische Wagenheber. Wie arbeiten die hydraulischen Wagenheber? Aus welchen innern Organen bestehen sie? A. S. in Z. Antwort: Schnittzeichnungen, aus denen die konstruktive Durchbildung von hydraulischen Wagenhebern genau hervorgeht, sind leider nicht erhältlich. Im Prinzip sind aber alle diese Wagenheber gleich aurgebaut. Durch eine kleine vom Handhebel betätigte Kolbenpumpe wird die Oelfüllung am Kugelrückschlagventil vorbei unter dem Hubkolben in den Hubzylinder gepresst, so dass der Hubkolben, der einen im Verhältnis zum Pumpenkolben bedeutend grösseren Durchmesser hat. langsam gehoben wird. Will man die angehobene Last wieder absenken, so öffnet man lediglich ein Verbindungsventil zwischen dem Oelbehälter und dem Hubzylinder, so dass das Oel langsam entweichen kann. -at- Frage 9625. Insekten-Friedhof. An den Innenseiten der Kühlerhaube bleiben jeweils die durch den Kühler gezogenen und sonst unter die Kühlerhaube eindringenden Insekten, etc. kleben, was N«87 mit der Zeit sehr unansehnlich aussieht. Wie bringt'man diesen Schmutz von diesen Innenwänden ohne Beschädigung der Farbe gut weg? Habe es schon mit Benzin probiert, was aber keinen Erfolg hatte. E. F. in B. Antwort: Wenn die Insekten oder anderweitigen Verunreinigungen nicht durch Seifenwasser oder Benzin abzulösen sind, ist anzunehmen, dass sie in der durch die Hitze weich gewordenen Farbe eingebettet liegen. Ohne wenigstens oberflächliche Auflösung der Farbe sind sie dann auch nicht mehr wegzubringen. Eine definitive Abhilfe dürfte hier nur die sein, den betreffenden Farbanstrich durch Abkratzen oder Auflösen ganz zu beseitigen und durch einen neuen Anstrich zu ersetzen, der durch Hitze nicht klebrig wird. Solcha hitzefeste Lackarten kann man Ihnen in jedem Farbwarengeschäft angeben. -at- Frage 9626. Erneuerung des Motoröls. Nach wieviel km wird an einem Ghryslerwagen. 8 Zyl., Mod. 31, das Motorenöl erneuert? Nach wieviel km wird das neu eingefüllte Oel schwarz? Ist es möglich, dass ein Motor während der Fahrt auf einmal schlechter zieht, weil das Oel vielleicht schon mehr als 3000 km lang im Motor war? G. D. in 0. Antwort: Für das fragliche Chrysler-Modell wird im Sommer der Oelwechsel alle 2000 km und im Winter alle 1500 km vorgeschrieben. Bei langen Fahrten, d. h. wenn der Motor nicht immer wieder abgekühlt wird, kann im Sommer bis 3000 km gewartet werden. Bekanntlich leidet das Oel im Winter bedeutend mehr, da sich ja immer Kondenswasser im Kurbelgehäuse bildet und bei Betätigung der Luftdrossel («Ghoke») auch Benzin ins Oel gelangen kann. Wenn das Oel nach einigen 100 km bereits schwarz wird, so ist das anormal. In erster Linie ist dann zu kontrollieren, ob nicht der Oelfilter ersetzt werden sollte, was ca. alle 15 000 bis 17 000 km gemacht werden muss. Es ist auch möglich, das» in diesem Falle die Kolbenringe nicht mehr dicht sind, was zum Teil auf Verwendung von schlechtem Oel zurückgeführt werden kann. Vor allem ist immer darauf zu sehen, dass ein ganz erstklassiges Markenöl verwendet wird- Eine bedeutende Rolle spielt ferner die Behandlung des Wagens, speziell in der kalten Winterszeit, wenn sich der Fahrer nicht die Mühe nimmt, den Motor anzuwärmen, bevor er vom Platze wegfährt. Diese dafür zu verwendende Zeit ist ja speziell beim Chrysler mit eingebautem automatischem Thermostat verhältnismässig gering. Es ist selbstverständlich, dass ein Motor, der ein bereits verunreinigtes und verdünntes Oel mehr als 3000 km im Gehäuse hat, schlechter zieht ala bei Verwendung eines neuen Qualitäts-Oeles. Frage 9627. «Kritische Tourenzahl?» Ich kaufte dieses Frühjahr einen neuen Amerikaner-Wagen. Er hat das üebel, dass das Differential bei ca. 30 Kilometern stark singt. Im weitern kann man bei einer Geschwindigkeit von 40—50 km eine starke Vibration des Steuerrades feststellen. Es handelt sich nicht etwa um Shimmy, sondern um ein Schwingen des Steuerrades. Währenddem man anfangs meinte, diese Schwingungen rührten von den Pneus her, konnte ich nun feststellen, dass sie mit dem Motor in Zusammenhang stehen. Der Vertreter erklärte mir, man könne sowohl gegen das Singen des Differential als auch gegen das Schwingen und Vibrieren des Steuerrades nichts machen, es handle sich hier um die kritische Tourenzahl, die jeder Motor habe. Ich wäre Ihnen recht dankbar, wenn Sie mir mitteilen könnten, ob die Sache behoben werden kann. W. W. in K. Antwort: Ohne nähere Untersuchung des Wagens ist ein sicheres Urteil über den Ursprung der gerügten Mängel unmöglich. Immerhin erscheint es uns eher unwahrscheinlich, dass eine «kritische Tourenzahl> des Motors die Ursache darstellt Stärkere Torsionsschwingungen der Kurbelwelle, die einzig vielleicht ein Nebengeräusch in der Uebertragung auslösen könnten, sind gewöhnlich erst bei höheren Tourenzahlen zu beobachten, und auch dann wirken sie sich höchst selten am Schwungradende der Kurbelwelle aus. Ein allgemeines stärkeres Vibrieren des Motors dagegen kann niemals die Hinterachse irgendwie beeinflussen, denn diese ist 1 ja durch die Kardangelenke und die Elastizität der Kardanwelle weitgehend von solchen Motorvibrationen isoliert. Viel wahrscheinlicher kommt es uns vor, dass das Singen der Hinterachszahnräder, wenn es wirklich übermässig stark ist, von einer Ungenauigkeit der Zahnrad- oder Lagereinstellung herrührt. Durch einen auf die Marke gut eingearbeiteten Mechaniker wäre es dann jedenfalls unschwer zu beheben. Die Vibrationen des Lenkrades können dagegen wohl Resonanzschwingungen einer bestimmten Motorschwingung darstellen. Sie sind technisch bedeutungslos und stellen wohl mehr nur einen «Schönheitsfehler» dar, was aber natürlich nicht ausschliesst, dass sie Ihnen unangenehm sein können und beseitigt werden sollten. Ueber die beste Art ihrer Beseitigung kann auch nur wieder eine nähere Untersuchung Aufschluss geben. Vielleicht hilft eine bessere Abstützung der Lenksäule, vielleicht aber auch eine lockerere Lagerung des oberen Lenksäulenteils, vielleicht in Gummikissen, -at-

BERN, DIENSTAG, 29. OKTOBER 1935 III. BLATT DER „AUTOMOBIL-REVUE" No87 Tlauem&vt Von E. Hügll Er ist der Friedhofsgärtner "der Natur. Wenn die Bäume und Sträucher in Feld und Garten ihre Blätter verlieren oder bereits verloren haben, wenn die mächtigen Pulse der Vegetation erlahmen und bald einmal gänzlich stocken, dann geht in seinem weiten grauen Mantel, die Nebelmütze auf dem ergrauten Haupte, der November durch das Land. Nicht umsonst beginnt er seine Wirkungszeit mit Tagen, an denen das Gedenken der Welt der Vergänglichkeit des irdischen Lebens gewidmet ist, wo die Stätten des Todes, die Friedhöfe mit ihren unzähligen Gräbern, von den Menschen voller Wehmut betreten werden. Aber selbst der Totengräber der Natur hat noch dem Leben zu dienen; er hat neues Werden vorzubereiten und das schlummernde zu schützen. Und da der November Totengräber und Friedhofsgärtner in einer Person ist, so hat er viel zu tun, um all seine Erdbeete mit dürrem Laube oder mit Tannenreisern zu bedecken, damit die schlummernden Samenkörner und Keime nicht erfrieren. Hochstämmige Rosenstöcke beugt er nieder, hält sie mit Holzgabeln am Boden fest und deckt die Jirone, die ja im Sommer des nächsten Jahres 'wieder duftende, leuchtende Rosen tragen soll, mit schützender Erde sorglich zu. Und wie mit den Rosenstöcken macht er es auch mit den Reben; denn der gefürchtete Winter steht vor der Tür und kann vielleicht schon morgen seine Flockenheere ins Land senden, die dann rück' sichtslos Wälder, Felder und Gärten zu besetzen pflegen, gleich einer lnvasions- oder Okkupationsarmee, die über nacht eingebrochen ist. Kein Wunder, dass der November, den eine stete Bangigkeit vor dem frühen Einbruch des Winters erfüllt, meist mit tiefernster Miene und traurig-trüben Blicken in die Welt schaut. Denn wenn er auch einmal einen heiteren Tag hat und die Sonne vom Himmel leuchtet, so überglänzt sie doch eine Welt, die nur noch den einen Wunsch zu hegen scheint: «Ich -möchte schlafen gehen — ich bin so müde! » Alle andern Wünsche sind mit den letzten Blättern niedergefallen auf Strossen und Wege ...in den Sand. An besonders kühlen Abenden zündet sich der November am Waldesrande ein Feuer an, das er mit dürrem Reisig und abgefallenem Laube nährt. Daran wärmt er sich die rissigen, bereits von Frostbeulen geröteten Hände und raucht dazu aus einer grossen hölzernen Pfeife, deren Nebel bald einmal die ganze Landschaft in graue Schleier einhüllen. Dann mag es wohl geschehen, dass die Tiere des Waldes zwischen den dunklen Tannenstämmen hervortreten und sich dem schwelenden Feuer nähern, als wollten sie sich auch an demselben erwärmen. Stumm, still und traurig schaut ihnen der November zu und raucht aus seiner Pfeife — immerfort, immerfort, bis ihn Müdigkeit übermannt und er neben den letzten Gluten einschläft... Wenn dann aber am folgenden Morgen die Menschen erwachen, so steht ein dichter, grauer Nebel vor den Fenstern, der nichts mehr erkennen lässt als ein eintöniges Grau — ein kalter Nebel, der bald wie Regen von den kahlen, schwarzen Aesten der Bäume und Sträucher tropft. Und dieses Tropfen des Nebels und das Gekrächze der hungrigen Raben zeigen an, dass wahrhaftig der Tod umgeht... Wenn dann vom Norden her die Späiherbststürme brausen, so legt der November seine Grabschaufel und seine Nebelpfeife hin und zieht die graue Nebelmütze tief über Stirne und Ohren, um nach dem Walde zu schleichen und sich dort auf einem Lager von dürrem Laube niederzulegen und sich selber zuzudecken mit einem Berg von grünen Tannenzweigen, unter denen er schläft, bis seine Zeit wieder gekommen ist. • Von Cecile Lauber Nach einem Chor von Sophokles. Niemals geboren sein, wäre das beste; Auch in der Kindheit zu sterben ist gut; Wächst du zum Jüngling, dich lockt ins .Verderben Ueppige Torheit und wallendes Blut. Reifst du zum Manne, gibt allen Gefahren, Mühen und Kämpfen das Schicksal dich preis; Aber entkräftet, vereinsamt, verachtet/ Freudlos erduldet das Herbste der Greis. Spät im Jahr ging ich auf den Friedhof. Tauwetter, braune Matten, entblösste, unbewegte Wälder. Die Schneeberge dunkel und sehr nahe und trotz alledem ist es froste.ig kalt. Ich stand am Grabe meiner Mutter und fühlte: Seit du nicht mehr bist, b:n ich für niemand ein Kind mehr. Ich habe selbst Kinder, bin ihnen Mutter. Ich habe einen Gatten, auch eiien Varer, aber ich bin trotzdem für niemand ein Kind mehr. Und dann: Als meine Mutter starb, läuteten die Glocken wunderbar! — Ich lese die Namen auf dem Stein: Sophie K... 1841—1920. Sophie K ... 1872—1889. Das ist mein Schwesterchen, das ich nicht gekannt habe, mein Schwesterchen, das lahm geboren wurde und mit siebzehn Jahren in der Fremde verlassen starb. Alle Tage schrieb es an die Mutter: «Komm her zu mir, ich sehne mich so» — und dann: «Es geht besser.» Alle Tage schrieb die Mutter: «Jetzt komm' ich bald! Nur — die Kleine hat noch Halsentzündung. — Geht es wirklich besser?» — Allerseelenstimmung in Morcote. Rings auf dem Meere des Lebens umdrohn dich Brandung und Klippen; es treibe dein Kiel West- oder ostwärts, stets bleibst du den Sorgen, Wogen und Winden ein sicheres Ziell Heinrich Leüthold. Die Kleine war ich, das jüngste von acht Kindern, damals zwei Jahre alt. Ich befahl im Hause. Ich wollte nicht, dass Mutter wegging, zum Schwesterchen ging, das ich nicht kannte. Ich schrie nachts, ich schrie am Tage. Mein Schwesterchen schrieb: «Komm her zu ulr, ich sehne mich so» — und dann: «Es geht besser.» Ich hielt die Muttar in der Schürze fest. Noch sechs andere Kinder hielten sie fest, aber keines so sehr wie ich. Und Mutter schrieb: «Jetzt komme ich bald, wenn nur die Kleine — geht es aber gewiss auch besser?» Mein Schwesterchen sass schmal und aufrecht im Bettchen, hielt Mutters Brief in der Hand. Es las: « — jetzt komme ich bald — Die Zimmerfrau warf ihm das frische Hemdchen über. Das frische Hemdchen war so kühl. Mein Schwesterchen schaute erschrocken auf, sagte: «Oh!» — und legte sich sterbend zurück. Es war eine leise Blume, die sich welk umbog und hinlegte. Es war ein seidenes Blatt, das zart zur Erde flatterte. Es dachte wohl: «— jetzt komm'ich bald—» und dann: «Oh!» und legte sich sterbend zurück. Es behielt im Tode rosige Wangen. Mein Schwesterchen ist lahm zur Welt gekommen und musste allein in der Fremde sterben. Ich hielt meine Mutter an der Schürze fest. Ich wusste nichts von meinem Schwesterchen. Noch sechs andere Kinder zogen an der Mutter, aber keines hielt sie so fest wie ich. Ich war ihr kleines, ihr allerkleinstes Kind. Ich schief in ihrem grossen Bett, in der Wölbung unter ihrem linken Arm, schlief aufgerollt, die Wange an ihre Brust geschmiegt Ich hielt mich wach, bis sie schlafen kam, oft dauerte es fast bis zwei Uhr morgens. Ich tat nur so, als ob ich schliefe; aber mein Herz klopfte und klopfte in der Dunkelheit und schmerzte vor Sehnsucht nach ihrem Kommen. Und dann wartete ich — und dann rollte ich mich sachte und selig in die Wölbung unter ihrem linken Arm und legte die Wange an ihre Brust. Ich war ihr Kind, ihr allerkleinstes Kind —• aber jetzt bin ich für niemand ein Kind mehr. Vom Grabe meiner Mutter weg ging ich zum Grabe meiner zweiten Schwester. Es liegt ganz hinten, abseits vom Wege; man verliert mindestens zwanzig Minuten, um hinzukommen. Es ist das einsame Grab meiner einsamen Schwester, die mit neunzehn Jahren starb. Die Blumen frieren darauf. Einzig vor dem Tode, in ihrer kurzen zermarternden Krankheit, zerbrach meine Schwester ihre Einsamkeit, umklammerte den Arm meiner Mutter und schluchzte: «Oh, dass du da bist! — dass ich bei dir bin! — dass ich dich habe, du Liebe, du Einzige! — und nicht irgendwer — und nicht irgendwo — «Ich gehe nicht von dir,» sagte meine Mutter. Meine Schwester hatte brennende, flehende, heisse Augen, meine Schwester hatte ein trauriges Herz. Und dann am fünften Tage der anstrengendsten Pflege, drangen alle in die Mutter, eine Aushilfe zu nehmen. «Nur über diese eine Nacht», erlaubte sie widerstrebend. Die Pflegerin kam gegen Abend, es war Üunkel im Zimmer. Ihr schokoladebrauner Mantel löste sich kaum vom Umriss des Kastens. Sie war selbst ein kleiner, wandelnder Kasten, ein Turm, der lautlos wie auf Rädern heranrollte. Aus dem Turm entwich eine hohe, sanfte, sehr süsse Stimme. Und meine Schwester sah hin auf diesen Kasten, der lautlos wie auf Rädern heranrollte, sah.hin wie auf ein Gespenst, wie auf etwas Furchtbares, Entsetzliches, auf ein Verhängnis vielleicht. Und sie schrie gemartert auf. Und sie bäumte sich im Kissen steil empor, aber ihr armer Widerstand, ihr hilfloser Schmerz zerbrach an den Mauern dieses sanften, unerbittlichen Turmes. Und dann rief meine Schwester hinter den Gittern dieses Turmes. Sie rief: «Oh. nicht irgendwer — nicht irgendwo — nur dich, du Liebe — du Einzige!», Und dann weinte meine Schwester. Sie bekam eine Einspritzung. Da schlössen sich die eisernen Türen des Schlafes über ihr; sie sank hinab in ihn wie in einen Sarg, sie schlief hinüber. Die Pflegerin kam lautlos aus dem Krankenzimmer und meldete den Tod mit süsser, sanfter Stimme. Meine Mutter konnte um mein einsames Schwesterchen nicht mehr so weinen, sie hatte allzuviel um mein lahmes Schwesterchen geweint. Sie konnte auch keine Trauer mehr anlegen, weil sie nie mehr aufgehört hatte, Trauer zu tragen. — Das Grab liegt weit hinten und ist abseits vom Wege und ist einsam. Die Blumen frieren darauf. Aber in einem Jahr wird mein Schwesterchen ausgegraben und in die Familiengruft gelegt. Dann ist es nicht mehr irgendwo — bei irgendwem, ist bei dir — du Liebe — du Einzige! ' Dl* elektrisch« HeltwUm» de» SOLIS- Huzklssem Ist «In bewahrtes Mittel gegen alle Erkältungen. Achten Sie aber «uf die Harke SO US mit den 4 WBrmeitufen.