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E_1935_Zeitung_Nr.087

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Die bunte Seite

Die bunte Seite Ahnenkult von Leo Kipfer , < Seele vergiss sie nicht, Seele versiss nicht der Toten» sagt der Dichter und bringt damit eine geistige Haltung zum Ausdruck, die unsere Kultur durchdringt «Lass die Toten ihre Toten begraben» lesen wir schon in der Bibel und finden hier eine Einstellung, die den entgegengesetzten Pol des Lebensgefühls bezeichnet Zwischen Ahnenkult und Lebenswillen schwingt das Pendel weltanschaulicher Verbundenheit hin und her in der Geschichte der Menschheit, zwischen Traditionsgebundenheit und Suchen nach neuen Formen führt der Weg der Völker und Generationen. In den Pyramiden hat das altägyptische Volk Denkmäler eines Ahnenkults geschaffen, der alle Unsterblichkeitssehnsucht auf den einen Menschen, den Pharao, konzentriert, der schon zu seinen Lebzeiten ein Gott ist und nach dem Tode als erhöhter Gott die Schicksale des Landes weiter beeinflusst Jahrtausendelang eingefangen in erstarrte Wirtschaftsformen, die von der ererbten Kenntnis der Nilregulierung abhängen und das soziale Leben in strenge Abgrenzungen gepresst haben, lebte dieses Volk mit rückwärtsgewandtem Gesicht und diente den Ahnen. Ganz im Schatten der Tradition dämmerte auch das soziale und geistige Leben Chinas dahin in Jahrtausenden, bis der europäische Eingriff die alte Kultur zerbrach. Hier war der Ackerbau in kleinen Parzellen die Le- die mit einem Stein verschlossen ist. Sie bensgrundlage der Bauernfamilien und die wird geöffnet» Der Tote wird nun begraben, nach einer bestimmten Zeit jedoch holt Verehrung der Familienahnen wuchs zusammen mit der Erhaltung der Lehren, die sie man den Schädel, reinigt ihn, bemalt ihn mit übermittelt, mit der Verehrung des Bodens, roter Farbe und dann wird er nach freundlicher Bewirtung mit Korn und Bier an dessen Fruchtbarkeit sie erhalten und gefördert hatten durch eine bis ins Kleinste gehende Beobachtung der Natur, der Einflüsse einem besondern Orte den Kranien anderer von Erde, Regen und Wind. Immer zählt der herausgebildet, um ihn unschädlich zu machen, zu verhindern, dass er als Gespenst zurückkehrt. «Schon dem Sterbenden wird das Haupt verhüllt, werden die Oeffnungen des Körpers verstopft — damit jedes Unheimliche, das in ihm bestehen könnte, in ihm verschlossen gehalten werde; der Leiche werden das Rückgrat oder die Schenkel gebrochen, werden Schlingen und ein fesselnder Fellpanzer umgelegt — damit die Rückkehr des Fürchterlichen unmöglich werde; die Leiche wird den Tieren zum Frasse vorgeworfen, damit Sede Bewegungsfreiheit unterbunden werde; und in übergrosser Vorsicht wird die Leiche auch noch durch eine neugebrochene, hinterher schnell zu reparierende, Bresche in der Wand hinausgebracht — damit das etwa doch noch heimkehrende Gespenst auf seinem Rückwege vor eine geschlossene Wand komme.» Bei einer solchen Einstellung ist natürlich für einen ausgeprägten Ahnenkult kein Platz. Hier lebt man für den Tag und in den Tag. Ganz anders bei den Aethiopiern. Geben wir nochmals dem Forscher das Wort: « Wenn ein Alter der Sippe gestorben ist, erfüllt alsbald der Ausdruck der Freude die Luft. Es hebt ein Gelage an, in dessen Verlauf die Männer und Frauen sich über die Eigenschaften des Entschlafenen unterhalten, Anekdoten aus seinem Leben erzählen und mit' Bedauern über die Beschwerden des Alters, denen er'in den letzten Jahren unterworfen war, sprechen. Irgendwo in der Nähe — besonders gern in einem schattigen Hain — ist eine Höhle in die Erde gegraben, Verwandter zugesellt, c Von nun an vergeht kein Frühling, ohne dass er teil hätte an den Opferspenden der Saatperiode, kein Herbst, an dem nicht seiner gedacht und ihm nicht ein Anteil am Dankopfer der Erntezeit dargebracht würde. Und zwar- stets ehe die Saat begonnen und' ehe der Erntereichtüm zum Genuss der Lebenden verwandt wird. • Aber auch im übrigen ist der stille Geselle an allen Vorkommnissen des Lebens im Sippengehöft beteiligt... stets wird in verbindender Weise der Reliquie zuerst gedacht. Bricht Feuer aus, so ist sie es, die zuerst gerettet wird; wird die Reife einer Jugendgruppe zeremoniell begangen, empfängt sie den ersten Anteil von Festbier und Breifrucht. Heiratet ein junges Weib in die Sippe, so führt der Aelteste sie zu der Urne oder dem Gestell, in der oder auf dem dieser Erdenrest vergangenen . Sippenlebens liegt und heisst sie, von diesem Haupt eines Bauer zur traditionsgebundensten Schicht der Bevölkerung, er ist der Erde und denen, die vor ihm waren, am nächsten verwandt. Je weiter zurück wir greifen in der menschlichen Kultur, eine um so grössere und eindeutigere Rolle spielt das Verhältnis der Lebenden zu denen, die gestern waren, zu den Ahnen, in der Gestaltung der Weltanschauung und der Religion. Schauen wir hinüber nach Afrika, dessen eingeborene Völker noch so manche Züge und Auffassungen bewahrt haben, die früher der gesamten Menschheit eigen waren. In der hamitischen und äthiopischen Kultur sehen wir zwei völlig entgegengesetzte Haltungen zu den Verstorbenen. Die Hamiten sind überwiegend nomadisierende Wüstenstämme, die Aethiopier Ackerbauer. Wie Leo Frobenius, der bekannte Afrikaforscher sagt, wird die Kultur der einen, der .Ahnen weg einige Körner heiligen Getrei- zu gemessen.» Hamiten, bestimmt durch das Tier, die derdes Aethiopier durch die Pflanze. Wir sehen Das Leben der Generationen ist eine fortlaufende Kette, in der jedes Glied mit dem nun bei den Hamiten ein durchaus materialistisch-realistisches Lebensgefühl, das alles andern verbunden ist. Und doch wird jede erfahrungsmässig Unbekannte und Unbekämpfbare ablehnt. Das Körperliche wird der Gegenwart», das Verhaeren in seinen Generation erfüllt sein von jenem «Gefühl körperlich behandelt. Die Einstellung zu den Worten an die Toten und die Lebenden Verstorbenen und selbst zu den Sterbenden empfand : wird bestimmt durch die Furcht. Denn wenn Denn sie, sie woHen nicht, dass unfruchtbare die Hamiten auch nicht gläubig sind, abergläubisch sind sie im höchsten Grade. Der Tränend hinrauschen über ihrer stummen Gruft, Klagen Abgeschiedene ist ihnen unheimlich und so Sie wissen wohl, dass unsrer Werte stolzres haben sich die verschiedensten Methoden Ragen Auch unsre Lust und Freude höher stuft. AUTOMOBIL-REVUE 1935 — N° 87 ZioiUsaium und Jitdtwt, d&t £appen Das Nomadenleben der Lappen in Nordschweden ist modernisiert worden, aber noch leben nach den neuesten Berichten aus Stockholm ihr Brauchtum, ihre Ueberlieferungen und ihre Sprache. Die alte Art, im Akja, einem bootähnlichen Schlitten, mit vorgespannten Renntieren zu reisen, ist besonders in Gegenden, wo Autobuslinien eingeführt sind, im Schwinden. Aber noch ziehen die Lappen mit ihren Renntierherden von einem Weideplatz zum anderen. Nur pflegen sie heute ihre Remitiere zu einer grossen Herde zu vereinigen, obwohl jede Familie noch immer ihre eigene Herde hält. Es gibt heute in Schweden rund 8000 Lappen, von denen etwa ein Drittel von der Renntierzucht lebt, der Rest aber ist schon zur Landwirtschaft und anderen Erwerbszweigen übergegangen. Die Schulen und nicht zum mindesten die ambulante Nomadenschule sowie die verbesserten Verkehrsmittel haben einen fühlbaren Einbruch in die alte originelle Kultur der Lappen gemacht. In den Heimen und den Renntierwäldern wird noch Lappisch gesprochen. Die Lappen haben auch ihre eigene Zeitung, die ihre Leser immerfort ermutigt, ihre Erfahrungen, Ueberlieferungen und Geschichten in lappischer Sprache aufzuschreiben. In den nördlichen Wildnissen leben die Lapen meistens noch das traditionelle und romantische Nomadenleben ihrer Vorfahren. Die Lappen im Sorsele-Distrikt z. B. ziehen mit ihren Herden noch jedes Jahr auf einer Strecke von 400 km von Weideplatz zu Weideplatz. Das Nordische Museum in Stockholm sammelt die altin lappischen Geräte und andere Gegenstände, um in seinen Sammlungen so viel wie möglich von der Lappenkultur zu bewahren, tia. äCofatätlung. und Jle&sung. in, Tlotdscfa&eden. Das Organ der Allgemeinen Schwedischen Exportvereinigung « Swedish Export» enthält einen interessanten Artikel über die Holzflössung in den nordschwedischen Flüssen. Eine vortreffliche Organisation in allen schwedischen Holzindustriegebieten hat es ermöglicht, die führende Stellung Schwedens trotz der scharfen internationalen Konkurrenz beizubehalten. Schweden war das erste Land in der Welt, das seine Holzvorräte auf moderne Weise auszubeuten begann. Das Flössen der Baumstämme längs den Flüssen und Kanälen bildet das Rückgrat dieser Industrie. Die Flössungswege Schwedens sind wirklich einzig in ihrer Art. Die Gesamtlänge der Wasserwege auf den Flüssen und Kanälen, die zum Holzflössen benutzt werden, beträgt rund 30,000 km. In einem normalen Jahr, wie z. B. 1930, wurden nicht weniger als 180 Millionen Bäumstämme, die zusammen 71 Millionen Kubikmeter Holz ausmachen, auf diesen Wasserwegen geflösst Wenn man diese Baumstämme Ende an Ende zusammenfügen wollte, so würde diese Kette zwanzigmal um die Erde gewickelt werden können. Im Winter arbeiten die Holzarbeiter hart in den Wäldern, wo sie selbst und ihre Pferde in temporären Baracken hausen. Sie hauen eine Strasse durch den Wald bis an den Fluss und begiessen sie mit Wasser, bis sie eine eisbedeckte Oberfläche hat. Kleine, zähe Ponnys ziehen gewaltige Ladungen von Baumstämmen über die Eisstrasse auf das Eis des gefrorenen Flusses, wo die Stämme aufgestapelt werden. Wenn das Eis im Frühling schmilzt, fallen die Stämme ins Wasser und treiben mit der FrüÄlingsflut rapid seewärts. Da beginnt die gefährliche und abenteuerliche Arbeit der Holzflösser. Tausende von ihnen arbeiten längs dem Ufer oder in Booten oder laufend über die wirbelnde Masse der Baumstämme, um sie in Gang zu halten und eine Stauung zu vermeiden. Nichtsdestoweniger kommen diese Stauungen vor und sind schon von so ernster Art gewesen, dass ganze Gebiete infolge der Blockierung des Flusslaufes überschwemmt worden sind. Es werden besondere Stosstruppen für die gefährliche Lösung der Stauungen gebraucht, die manchmel mit Dynamit gesprengt werden müssen. Diese Elitetruppe eilt zur kritischen Stelle und muss sehr hart drangehen, manchmal auch unter Gefährdung des Lebens. Dafür werden diese Arbeiter auch sehr hoch bezahlt Der Umfang der Flössungsarbeiten äst schon aus der Tatsache zu erkennen, dass an einem einzigen Flusse, dem Umeflusse, in der Hochsaison gegen 3000 Flösser angestellt sind. Bei der Sortiersperre im Flusse, wo die Baumstämme der einzelnen Besitzer voneinander geschieden werden, sind gegen 600 Mann damit beschäftigt, alle 24 Stunden 250,000 Stämme zu sortieren. Die Flössung ist das denkbar billigste Transportmittel. So z. B. kostet das Flössen eines Baumstammes auf der ganzen Strecke des Umeflusses, 320 km, durchschnittlich 20 Oere oder nach dem heutigen Kurs 15 Rappen. Die Holzflösser wohnen gewöhnlich im Walde in der Nähe des Flusses, wo sie sich einen Windschutz errichten und ein grosses Feuer unterhalten, an dem sie ihre triefend nassen Kleider trocknen. Die Flösser sind ein dreistes, starkes und frohes Volk, das auf seine schwere und gefährliche Arbeit stolz ist, die von lebenswichtiger Bedeutung für die Schlüsselindustrie Schwedens ist. tia. Am&ukas iünqsteK CUtfaeche* Ein Passant hörte in der Nacht aus einem grossen Schuhgeschäft in Newark dumpfe Klopflaute. Er verständigte einen Wachmann, der einen organisierten Einbruch einer Gangsterbande vermutete. Ein kurze ~ telephonisches Gespräch und schon rasten sechs Radioautos der Polizei zum Schuhgeschäft Der ganze Häuserblock wurde von der Polizei umstellt und da man befürchtete, dass die Gangsterbande einen erbitterten Kampf liefern werde, drangen die hundert Wachleute mit vorgehaltenen Revolvern und teilweise mit Maschinenpistolen bewaffnet in das Geschäft ein. Totenstille umfing sie und schon glaubte man, dass der Passant einer akustischen Täuschung zum Opfer fiel. Da bemerkte einer der Polizisten im Schein seiner Taschenlampe in einer dunklen Ecke einen kleinen Negerjungen, der sich ängstlich zu verbergen trachtete. Gross war das Erstaunen der Polizei, als sich zeigte, dass der Junge mit modernem Einbruchswerkzeug ausgestattet war und tatsächlich bereits mit seiner Arbeit an der Panzerkasse begonnen hatte. Die Polizei konnte feststellen, dass der junge Einbrecher der elfjährig?. James Jones ist, der sich schon einmal wv. gen Taschendiebstahl vor dem Jugendrichter verantworten musste. Diesmal wird aber der Richter mit dem kleinen James besonders schweren Stand haben, da er nicht die geringsten Zeichen der Reue zeigt, sondern sogar über den Titel < Amerikas jüngster Einbrecher», der ihm von einer Zeitung zugelegt wurde, sehr erfreut ist ist. Sprichwörter. Der Erfahrene versteht, was ein Gelehrter Der Aengstliche ist sogar besorgt, weil dem Reiter die Füsse herabhängen. Die Dame am Steuer Ist mit meinem sportlichen, sehr warmen Winter-Mantel gut bedient. Schöne, reichhaltige Auswahl zu vorteilhaften Preisen. Spezialhaus für Damen-Konfektion und Mass ZUM LEONHARDSECK ZÜRICH ßerö^oArte Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich in O. R. Wagners CH Tourlng, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C. S. Schwyz Gasthof Hirschen KLOTEN Gasthof zum Wildenmann Route Ibergeregg und Mythen Gut bürgerlich geführt, schöne GeielUchaftsräume, Zimmer zu mäss Preisen. Höflich empfiehlt Tel. 276 Karl Kappeier Werben Sie um die 70,000 schweizer. Automobi I isten Kleine und grosse säie für Vereine. Das Beste aus Küche und Keller Mit höfl Emnfehluns Qebr Wehrli. durch die Automobil -Revue Romanshorn Hotel Falken - Gute Küche und Keller. - Bescheidene Preise. — Schone Zimmer. — Zentralheizung. — Garage gratis. — Höflich empfiehlt sich Frau Wwe. Burg er früher Hotel Schäfte Amriawil. Im Auto erkältet? Bewährte Hilfe bei Rheuma, Ischias,

N° 87 - 1935 AUTOMOBIL-REVUE 15 Die Seite der Frau Jlaesie auf, de* Speisekarte. von Vreni Wasmuth Heute gibt es « arme Ritter» bei uns. —» Ritter ? — Nein, keine reinen Toren wie Parzival, dn schlichtem Harnisch und geschlossenem Visier, mit Schild und Speer, sondern um und um gebackene, in einem Teig von Milch, Eiern und Mehl gewälzte, mit Zucker und Zimt bestreute Weissbrotschnitten. Wie wohl diese unschuldige süsse Speise zu ihrem seltsamen Namen gekommen ist ? Nun, Phantasie, Poesie und Symbolik spielen auf der Speisekarte eine grosse Rolle. Ich glaube, dass man « armer Ritter » sagt, weil man dabei denkt, dass eigentlich nur die Rüstung, also die Umhüllung dieses Desserts wertvoll ist, das Innere, das Weissbrot jedoch nur ein «armer Ritter». Aehnlich geht es mit einer Fülle von Gerichten, die wir im Kochbuch oder auf der Menükarte finden und die dem kochunkundigen Laien sehr drollig erscheinen. Er wird es meist gar nicht für etwas Essbares halten, wenn es nicht gerade ein «Mohrenkopf » ist oder ein «Ochsenauge >. Man stelle sich aber vor, ein Eingeborener aus Melanesien studiere unsere Speisekarte. Würde er nicht entsetzensvoll glauben, wir seien zu kannibalischen Sitten zurückgekehrt und Hessen uns neben Kalbsköpfen auch Negerköpfe servieren, schwarze, kraushaarige Wuschelköpfe mit schwulstigen Lippen und weissen Zähnen ? Oder die Augen von Ochsen seien bei uns besondere Leckerbissen, ähnliche wie die Ochsenschwänze ? Wenn er aber gar einen ganzen « Mohr im Hemd» offeriert bekäme, würde er bestimmt die Flucht ergreifen, ehe er noch erfahren hätte, dass es sich um eine wundervolle, mit Schlagsahne verzierte Schokoladenspeise handelt. Von den « Aepfeln im Schlafrock > wird man jedenfalls von vornherein eine gemütlichere Vorstellung haben. Mit schlafrockbekleideten Geschöpfen lässt sich schliesslich besser fertig werden als mit kriegerisch gerüstetem Allerdings ist die Ankündigung, dass zum Dessert ein «Französischer Igel» serviert wird, immer hin besorgniserregend, und das unangenehm stachlige, spitze Gefühl, auf das sich der Gaumen unwillkürlich einstellen wird, weicht erst erleichtert, wenn der mandelbespickte, buttercreme-glänzende «Igel» auf dem Tische steht und lukullische Genüsse verheisst. Bei all diesen Speisen hat der Konditor den Namen der Form, dem Aussehen anderer Gerichte oder Dinge entlehnt. Auch beim t Fliegenpilz > ist das der Fall, den wir doch sonst als abscheulich giftig kennen. Aber die hübschen Farben der Giftknolle haben die Phantasie der Hausfrau angeregt, einen essbaren «künstlichen» Fliegenpilz zu schaffen mit hartgesottenen Eiern und halben Tomaten. Also keine Furcht vor Vergiftung! Einen etwas gespenstischen Namen haben auch die knusperigen, mandelstrotzenden «Totenbeinli». Aber dieser Name ist, obzwar die Gespensterfurcht unbegründet ist, recht treffend : hart wie ein Knochen, klappernd und trocken wie ein Gerippe ist so ein Totenbeinli. Lächelnd wird auch die Hausfrau der entrüsteten Rede des Gastes zuhören, der versichert, dass er das Verspeisen von Singvögeln als Kulturschande empfinde und daher ihren angekündigten «Lebervögeln» keine Ehre antun könne. Aber die Fleisch-, Leber- oder falschen Vögel kann er getrost und mit gutem Gewissen essen, da dieses Gericht nicht aus unseren gefiederten Sängern, sondern — ähnlich wie die Rindsrouladen — aus in Fleisch gerollten Speck-, Schinken-, Leber- und Gurkenlagen besteht, bei denen ein Zahnstocher oder ein Streichholz die Beine ersetzt und ein Zwirnfaden « Leib und Seele» zusammenhält. Jedenfalls ist aber dieser Singvogelersatz gerade aus jenem Lande gekommen, das immer noch die Jagd auf Singvögel zulässt: Italien. Da man ihrer in nördlicheren Breiten nicht immer habhaft werden konnte, schuf die geniale Hausfrau « falsche Vögel» — vielleicht auch mit erzieherischen Absichten. Es gibt gewiss historische, authentischere Erklärungen für die Entstehung all der seltsamen Namen. Dennoch ist es schön, sich — unbeschwert von solchem Wissen — die Entstehungsgeschichte selbst auszudenken. Wie die «verlorenen Eier» zu ihrem Namen kamen, der stets die unangenehme Vorstellung erweckt, man könne die Eier bei dieser Mahlzeit vergeblich suchen, weil sie doch angeblich verlorengegangen sind, das- denke ich mir so: Da hatte die Köchin vor, Spiegeleier zu backen; die Bratpfanne stand schon bereit, aber vor der Pfanne kochte zufällig in einem Topfe Essigwasser. Beim Aufschlagen der Eier fiel nun — o Schreck! — das Ei ins Essigwasser, und siehe da: statt sich in Wohlgefallen aufzulösen, legte sich das Eiweiss brav,' als hätte es dies gelernt, um das Eidotter: das «verlorene Ei» war kreiert. Es gibt Namen, deren Entstehungsgeschichte mir schlechthin unerklärlich er-, scheint, so z. B. die «kalte Ente», die mit deni kompakten Entenbraten aber auch gar nichts zu tun hat, vielmehr der Name einer sehr beliebten «Herren»-Bowle ist, oder der «Windbeutel», dessen aufgelockerter Inhalt wenigstens eine Spur von Erklärung gibt. Manche Namen sind erst drollig bei näherem Zusehen. «Luftgebäck» kommt uns immerhin verständlich vor, weil es ein sehr «luftiges» Gebäck ist. Aber es ist weder aus Luft gebacken und zu den Speisen gehörig, die jenem ganz seltsamen Vegetarier, der «von Luft und Liebe» lebt, zur Nahrung dienen, noch ist es nach dem Rezept hergestellt: Man nehme ein Loch aus Luft und giesse darum herum einen so und so beschaffenen Teig... Einen ganz besonders lyrischen und symbolischen Namen hat jene einfache, aus Kartoffeln und Aepfeln bereitete Speise erhalten: «Himmel und Erde«, wobei die Aepfel, die auf (nie in den Himmel wachsenden) Bäumen gedeihen, den Himmel, die Erdäpfel aber die Erde symbolisieren. — Unbestreitbar treffend ist auch die Bezeichnung « Baiser », zu deutsch « Kuss »> für das bekannte süsse Kunstwerk. Der glatte, gewölbte Meringuenteig stellt gewiss ein Lippenpaar dar und die Schlagsahne dazwischen ohne Zweifel das Imaginäre, Unfassbare, Köstliche, den Kuss. — Um die «Schillerlocke» ist ein ganzer Garten von Witzen schon entstanden — und jedenfalls sind das einmal Haare, die man sehr gern im Essen findet. Einen sehr alarmierenden Namen hat der «Brennende Kapuziner». Da sieht man förmlich den in Brand geratenen Mönch mit fliegender Kutte von dannen eilen. Aber so schlimm ist die Sache wieder nicht. Er brennt zwar wirklich, da der Arrak, mit dem man ihn tränkt, tatsächlich in Brand gesteckt wird, doch braucht man darum kein Feuerschlucker zu sein: Um verzehrt zu werden, hält er, nach gelöschtem Brand, geduldig still. Wer möchte, nach all diesem, noch behaupten, dass Kochen eine prosaische Angelegenheit sei? Um den 9tals qewscht... Wir lernen hier ein wichtiges Merkmal des neuen Gesellschaftskleides kennen, womit ein Stil in den Vordergrund rückt, der durchaus an jenen erinnert, den unsere Grossmütter trugen..., so dass sich die Uebereinstimmung der damaligen und heutigen Mode an Hand alter Bilder ganz deutlich feststellen lässt. Natürlich kommt für diese Zwecke nur einfarbiges Sddenmaterial in Betracht, das die Feinheiten und Kleinarbeiten dieser neuen Form am allerbesten zur Geltung bringt, während sie in gemusterten Geweben ihre Wirkung ganz und gar verfehlen würde. Abgesehen von der neuen, gerüschten Halspartie fällt uns an den neuen Gesellschaftskleidern auch der durch eine enge Manschette «aufgefangene» Bauschärmel und die miederartige Passe auf, in die der Oberteil leicht blusig eingearbeitet erscheint. Die so entstandene neue Modeform erregt in Mode- und Gesellschaftskreisen berechtigtes Aufsehen. Linst Von Heinrich Limmlln Einst wand ich Dir Rosen in das Haar, Heckenrosen, rot wie Blut — Deine Augen strählten tief und klar, Und alles war gut. Einst trank ich Küsse von Deinem Mund, Küsse, wie feuriger Wein ; Die Vögel sangen im Waldesrund, Und alles war rein. Einst sass ich bei Dir in langer Nacht, In einer Nacht voll Graus ; Der Tod zerriss, was wir uns erdacht, Und alles war aus. #os „HunihJCasak 4t sJCieid Nur wer die allmählichen Veränderungen der Mode, die sich meist in kaum merklichen Feinheiten offenbaren, zu verfolgen gewohnt ist, kann sich über die verschiedenen Uebergänge, die hin und wieder zu einer vollständigen Umstellung der Linie führen \ können, Rechenschaft geben. Die neuesten Entwürfe bringen uns denn auch so richtig zu Bewusstsein, wie sehr sich die neuen Modelle von allem bisher gebräuchlich Gewesenen unterscheiden. Die weiten Kimonoärmel, der Verschnürungsverschluss, der sich auch an den Aermeln wiederholt und die tunikartige Kasak fassen vor unseren Augen ein fesselndes Gesamtbild erstehen, das als neueste Besuchskleidung massgebend werden soll I Tomaten in Essig einlegen. Vollreife Tomaten lassen sich nicht konservieren. Ganz unreife Tomaten, sie dürfen nur einen rosa Schimmer haben, werden gut gewaschen und getrocknet in Gläser gefüllt, mit demselben gekochten Gewürzessig, den man für die Pilze verwendet, übergössen, mit Oel fingerhoch abgeschlossen und verbunden. Die grösste Gefahr für den Autofahrer... • Ist besonders die .. .Fettleibigkeit mit all ihren Nebengefahren, Bekämpft sie rechtzeitig durch eine Kur mit HORMONYL aus der Apotheke des Bergues, Genf Auf Verlangen erhalten Sie unter Bezugnahme auf diese Zeitung eine kürze Beschreibung.. DOMEN - SOHLEN PR. «.3O HERREN-SOHLEN Ffl.4.50 BAHMENSCHUHE WERDEN CENXHT OHNE ZUXHIAC Zürcher Unterhaltungsstätten Stadttheater Abends Sa. abend 2. NOV. Zum erstenmal: Madame Pompadour, Operette von Leo Fall. SO. nachm. 3. NOV. VA Uhr: Don Juan. So. abend 3. NOV. Madame Pompadour. Oi. abend 29. Okt. Jurisien. Mi. abend 30. Okt. Ich ktnne dich nicht mehr, Komödie von Aldo de Benedetti. DO. abend 31. Okt. 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