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E_1935_Zeitung_Nr.091

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Die bunte Seite Sklaven

Die bunte Seite Sklaven in Amerika Im hochzivilisierten Amerika gibt es noch heute einen geheimen Sklavenhandel. Das «Neue Wiener Journal» weiss darüber nachstehende Zeilen zu berichten : Es sind nicht weisse Menschen, die dort das Los der Sklaverei erdulden, sondern ein Teil jener chinesischen Einwanderer, die sich, allen Gefahren zum Trotz, immer wieder auf verbotenen Wegen ins Land zu schmuggeln suchen. Sie greifen zu den verzweifeltsten Mitteln, um dem Hunger und dem Elend ihrer Heimat zu entfliehen. Da sie oft nicht einmal so viel Geld besitzen, um die hohen Kosten der Ueberfahrt zu bezahlen, werden sie eine willkommene Beute der Seelenverkäufer. Menschenschmuggler zwängen sie zu Dutzenden in alte, abbruchreife Dampfer. Sobald die amerikanische Küste in Sicht kommt, beginnt für die Insassen des Schiffes die Hölle. Die Patrouillenboote der Küstenpolizei machen erbarmungslos Jagd auf die Menschenschmuggler und ihre < Schützlinge ». Taucht eine solche Kontrolle auf, so müssen die bedauernswerten Passagiere in , Säcke und Kisten kriechen und im Lagerraum so lange bewegungslos verharren, bis die Polizei wieder den Dampfer verlassen lebt eine grosse Anzahl Chinesen, die geihrer Angst die Säcke mit der lebenden Fracht über Bord. Auf dem Festland wickelt sich dann ein regelrechter Sklavenhandel ab. In Amerika lebt eine grosse Anzahl Chinesen, die gewisse Gewerbe, wie z. B. die Wäschereien, fast ganz beherrschen. Sie arbeiten mit billigsten Hilfskräften und weder die Kunden noch die Behörden wissen, dass die Angestellten des ehrenwerten gelben Herrn oft richtiggehende Sklaven sind. Er hat sie von den Schmugglern um einen Betrag von 1000 bis 1500 Dollar erworben. Die Sklaven hatten sich schon vor der Ueberfuhr verpflichtet, so lange Eigentum der Menschenschmuggler zu bleiben, bis sie ihre Schuld abgearbeitet haben. Und das bedeutet fünf oder sechs Jahre Sklaverei. Sie müssen 16 bis 18 Stunden im Tag arbeiten, schlafen in einem engen Verschlag, bekommen schlechtes Essen und wagen sich kaum jemals auf die Strasse, da sie in ständiger Furcht vor der Einwanderungsbehörde leben. Ihr Sklavenhalter hat sie auf diese Weise vollständig in der Hand. Trotz der amerikanischen Krise blüht die illegale Einwanderung in den Staaten nicht weniger denn je. Die Alkoholhändler haben, seitdem die Hauptquelle ihres Einkommens versiegt ist, auf den Menschenschmuggel umgesattelt. Und sie finden immer wieder Opfer, die bereit sind, für den Eintritt nach den Vereinigten Staaten einige Jahre ihrer Freiheit zu opfern... ZtaäWlädchen fezwittaeHdie Satiata Eine der abenteuerlichsten sportlichen Leistungen der letzten Jahre haben soeben zwei junge Engländerinnen, Florence Blenkiron und Theresa Wallace, vollbracht. Die beiden haben auf einem Beiwagenmotorrad die ungeheure Strecke von London über Frankreich nach Kapstadt zurückgelegt und bereiten sich jetzt zur Rückkehr nach England vor. Die zwei jungen Damen waren gegen Ende des vorigen Jahres in London gestartet. In Marseille schifften sie sich ein. Von Algier ging die Motorradtour dann weiter. Volle drei Monate nahm die Ueberquerung der Sahara in Anspruch. Auf ihrer Fahrt hatten die Mädchen zahllose Abenteuer zu bestehen. Fünfhundert Kilometer vom Rande der Sahara entfernt, erlitt der Motor ihres Fahrzeuges eine so schwere Panne, dass sie Zeit! Gewiss, einmal musste er einen Beruf wählen, aber was für einen? Wusste er, was ein Schlosser,- ein Schreiner, ein Maler zu tun hatte und was von ihm verlangt wurde? Er kannte die einzelnen Berufe, er wusste, dass die Bäcker das Brot und die Metzger die Würste machten, aber das genügt doch sicher nicht. Er wusste von ihrer Beschäftigung auch nicht mehr als von den Menschen, denen er jeden, Tag auf der Strasse begegnete. Konnte er denn einfach zu so einem Menschen gehen und sagen: «Hier bin ich! Ich möchte deinen Beruf erlernen, mache aus mir, was du selbst bist! » Musste man denn nicht zuvor diesen Menschen erst kennenlernen; musste man nicht erst wissen, was so ein Beruf ist? Aber die Erwachsenen drängten alle, als gehöre kein Besinnen und kein Wissen dazu. Einmal behaupteten sie: diese Frage sei entscheidend für das ganze Leben, und auf der andern Seite taten sie, als sei das Leben nur dazu da, an den Entschluss eines Augenblickes fortgeworfen zu werden. Sie meinten es in ihrer Art sicher gut, aber helfen konnte ihm das nichts. «Was du werden sollst, Florenzel? Kannst du denn etwas anderes werden als ein Bücherwurm?» sagte eines Tages Erika zu ihm. Er schaute sie erst unwillig an. Ein Buchhändler? War es denn ein unwürdiges Gewerbe? war es für ihn nicht das beste? Buchhändler! Freude schoss in ihm hoch. Ja, das konnte er werden. Er hatte die Bücher gern, und der Alte würde ihn sicher als Lehrling annehmen. Erika hatte wieder einmal in ihrer schlagfertigen Frechheit das Richtige getroffen. Dem Triebe seiner Freude nachgebend, zog er sie an sich und küsste sie auf den Mund. Er hatte sie schon oft geküsst, sie waren ja gute Freunde, warum hätte er sie da nicht küssen sollen? Doch jetzt stiess ihn das Mädchen fast rauh von sich fort und sagte heftig: «Was willst du, Florenzel?» Auch er war erschrocken. Er hatte die leichte Wölbung ihres Busens gespürt und ahnte zum erstenmal dunkel, dass die Geschlechter mehr verbindet als Spiel und Arbeit, dass es zwischen ihnen noch andere Bindungen gibt als die Freundschaft. Wie ein Schatten hatte sich dieses Erkennen auf seine Freude gelegt, zog aber rasch wieder — wie eine Wolke vor der Sonne — vorbei. Gross war die Freude des Alten, als ihm der Knabe seinen Wunsch vortrug, und da auch die Mutter nichts dagegen hatte, war die Angelegenheit bald erledigt. Jetzt konnte Franz Florenz noch einige Wochen zu Erika und zum Spiele zurückkehren, ehe der erste ' Teil seines Lebens für immer seinen Abschluss fand. Aber auch diese letzte Freude seiner Kinderzeit wurde dem Jungen vergiftet. Eines Tages war wieder der Schorsch da. Unangemeldet, wie das erstemal, war er gekommen; als Florenz von der Schule kommend eintrat, sass er am Tische bei der alten Magdalena und Erika. Bis jetzt hatte er ihn noch nicht gesehen, trotzdem wusste er gleich, wen er vor sich hatte. Der alte Hass und die Eifersucht loderten wieder in ihm auf und schnürten ihm die Kehle zu, dass sein Gruss rauh klang. Aber durch Erikas Spötteleien vorsichtig geworden, zwang er sich zu einem krampfhaften Lächeln. Dann sass er schweigend am Tisch und hörte der Unterhaltung zu. Es wurde nur über Familiendinge gesprochen, so dass sein Schweigen keinem auffiel. Später schickte die Alte die Kinder hinaus in den Hof. Franz Florenz, befangen in seinem Hass, setzte sich auf die Kellertreppe. Er, der sonst immer voll Gedanken war, wenn es galt, Abwechslung in das Spiel zu bringen, sagte heute kein Wort. Am liebsten hätte er sich fortgeschlichen in eine Ecke wie ein wundes 8 Uhr, Sonntag nachmittags 3 Uhr. DL abend 12.NOV. En asteckedi Gsundheit, Dialektkomödie von J. Stehler (Dramat. Verein, Zürich). Mi abend 13 Nov. 7^ nr: Don U Juan er von > °P W. A. Mozart (A-Ab. 6). 7 DO. abend 14.NOV. Uhr: Vorstellung für Mittelschulen. Fr abend 15 NOV Madame Pompadour, Operette ' ' von Leo Fall (A-Ab. 6). Sa. abend 16.NOV. Zum erstenmal: Eugen Onegin, Oper von P. TschaikowsVy". Mi. abend 13. Nov. Do. abend 14. Nov. Fr. abend 15. Nov. Sa. abend 16. Rar. So. nachm. 17. Nov. So. abend 17. Nov. Mo. abend 18. Nov. 8 Uhr: Othello, von William Shakespeare. Das Geheimnis des Sir Anthony, Komödie von H. G. Tennyson Holme. Uraufführung: Cäsar In Rübllkon, Komödie aus der Gegenwart von Walter Lesen. Das Geheimnis des Sir Anthony. AUTOMOBIL-REVUE BERN, 12. NOVEMBER 1935 N« 91 in einem kleinen arabischen Dorf vier Wochen verbringen mussten, bis die nötigen Bestandteile eingetroffen waren. In eine besonders gefährliche Situation gerieten sie, als ihre Maschine, etwa 30 Kilometer von der nächsten menschlichen Ansiedlung entfernt, plötzlich den Dienst versagte. Sie mussten nun das Motorrad 36 'Stunden hindurch in der glühenden Hitze vor sich herschieben, bis sie endlich halb ohnmächtig und verdurstet eine Militärstation erreichten. Im belgischen Kongo hatten sie einigemal unangenehme Begegnungen mit Elefantenherden. Die zwei mutigen Damen erklärten, dass sie ihre Tour trotz allen Gefahren und Strapazen herrlich fänden und sich auf die Rückfahrt freuten. JUUejptastiken 200 m tuUec dee £tdc Im Kochendorfer Salzbergwerk im Neckartal haben die Bergleute in jahrelanger mühevoller Arbeit in einer Tiefe von mehr als 180 Meter einen riesigen Kuppelsaal aus dem Salzgestein ausgesprengt, der kürzlich vollendet wurde und für festliche Veranstaltungen und Konzerte unter der Erde benutzt werden wird. Vierundzwanzig Meter hoch wölbt sich der kreisrunde, unterirdische Festsaal, in dessen Wand auch eine Musikempore eingesprengt ist Umgeben ist der Saal von sechs gewölbten Nischen, die jetzt von zwei jungen Stuttgarter Bildhauern mit riesigen Reliefplastiken ausgeschmückt wurden. Eine dieser Plastiken, in einer Höhe von 4 Meter und einer Breite von J5 Meter, zeigt ein Bild aus dem Leben der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergarbeiter. Besonders interessant ist die Tatsache, dass bei dieser schwierigen Ausarbeitung der Plastiken aus dem Salzgestein nur die üblichen Werkzeuge der Bergleute, Bohrmaschine, Brechstange und Spitzhacke, verwendet wurden und die Bildhauer bei ihrer Tätigkeit weitestgehend von ganz gewöhnlichen Bergarbeitern unterstützt wurden, von denen einige aussergewöhnlich künstlerisches Verständnis und grosse Begabung für Steinmetzarbeiten zeigten. Zürcher Unterhaltungsstätten hea So. nachm. 17. Nov So. abend 17. NOV. Drei Aida. Walzer. Schauspielhaus Ah Di. abend 12. Nov. Cinema Cäsar in Rüblikon. ApollO Stauffacherstrasse 41. Der buntt Schleier, mit Greta Garbo. StlldlO Nord-SÜd Schiffländeplatz La Nuit du Carrefour, Beipr. Ch. Chaplin. ich gehe still in herbstlichen Gedanken. Ein Jahr ist überreif, bereit zu sterben. So ist, was Leben heisst, in seine Schranken gebunden und mass eines Tags verderben. Ein Jeder Kreislauf fängt sich selber ein, das Ende will sich stets dem Anfang neigen. Was gestern Traube war, ist heute Wein, ein neuer Lenz spielt auf zum neuen Reigen. Wir gehen eines Tages still dahin, um einer neuen Jugend Platz zu machen. Wächst ihr aus unserem Kreislauf ein Gewinn, kann sie auf ihre Weise weitermachen. So bringt der Herbst noch Feaer,LustundKraft, wenn er zur neuen Ernte Vorrat schafft Jerar* Der Pariser Kunstsammler Andre 1 GBchy hat festgestellt, dass das teuerste Taschentuch der Welt die Königin Elena von Italien ihr eigen nennt Das Tüchlein, an dem drei Künstler nicht weniger als zwanzig Jahre gearbeitet haben, ist hauchdünn und federleicht, und wenn man es zusammenrollt, kann man dieses ausserordentlich seltene Kunstwerk in einen kleinen goldenen Behälter, der nicht grösser ist als eine Haselnuss, unterbringen. Der Wert des Taschentuchs soll siebzigtausend Lire betragen. Es bilde! das schönste Stück der Sammlung der italienischen Königin. Die wertvollste Taschentuchsammlung der Welt ist jedoch, wie der französische Kunstsammler ausführt, nicht jene der italienischen Königin, sondern sie gehört dem Papst Ihr kommt an Wert die Sammlung der Königin Viktoria von England und die des Prinzen of Wales nahe. Tier, doch das ging jetzt nicht gut Er wusste menpressen, um das Schimpfwort, das ihnen selbst nicht, warum er den Schorsch hasste. entschlüpfen wollte, zurückzudrängen; musste sich festhalten am Geländer, um nichi Das war ein Aufbäumen in ihm, das in den Händen zuckte und ihn drängte, irgend etwas hinzuspringen und ihm das Mädchen zu en*- zu tun, irgend etwas zu zerbrechen, ein Gefühl, das ihm bis dahin fremd war. Da war Weh in ihm, dem er keinen Namen zn geben reissen. Und neben dem allem brannte das auch ein Schmerz in ihm, ein Druck auf der wusste, das aber da war und schmerzte wie Brust, der den Atem einengte und die Stimme ein Feuer. verschlug. Unterdessen jagten der Schorsch Da sprang das wilderregte Mädchen atd und die Erika durch den Hof, jauchzten und ihn zu. «Hailoh, Bücherwurm» — janchzta lachten, fingen sich ein und flohen sich wieder, waren so gar nicht fremd und taten ganz Wie ein Messer schnitt dieser Ruf dem sie — «wach doch auf!» so, als hätten sie jeden Tag miteinander Knaben in die Brust, und als ihn der Schorsch gespielt. Jedes Auflachen des Mädchens dann auch noch wiederholte, da kochte der schmerzte ihn, so dass er am liebsten auf- Zorn in ihm auf. Alle -Ueberlegung aber ver- geschrien hätte, wie in tiefem Weh. Undsank, als das Mädchen höhnisch rief: «Recht jedesmal, wenn der Schorsch sie eingefangen so! Recht so! » Wie ein gereiztes Tier, das hatte, wenn er sie im Taumel des Spiels in im Augenblick der Wut alle Sehen vergisst, den Armen hielt musste er die Lippen zusam- sprang er los. Kein Ruf, keine Warnung kam Sie schnell etwas im Autoparkplatz - off. bis 24 Uhr - Nüschelerstr. 30 Apollotheater Cafe-Rest Stauffachersirasse 41. Das CafShaus mit den bescheidenen Preisen. Rendez-vous vor und nach dem Kino. Diätrestaurant A. Gleich, vegetarisch-alkoholfrei, Holbelnstrasse 25- Eeke Seefeldstrasse 19. — Telephon 23.185. Ge Caba Attraktionen. gegenüber Kautjeuten Stampfenbachplatz Waldhaus Slhlbrugg (Station) Täglich gediegene Kabarett-Einlagen) Musik, Gesang, Tanz, komische Einlagen, Sketches! Wolf Llmmatqual 132, b. Ctntrai F. Winisdörfer Erstklassige Menüs 1.70. Kuchenspezialitäten. Orchester Leindecker. Zeughau ke am Paradeplatz Eine Sehenswürdigkeit. Küche und Keller berühmt Familie Biedermann-Sutter, Besitzer des Hotel Engel in Baden, b. Turm. JOidsCauf Das teueesle Zaschentuch dec Weit von seinen Lippen. Gepeitscht von seinem Hass stürzte er auf den Schorsch, hörte nichts mehr, sah nur noch den Gegner, de ihm Schmerz bereitet hatte, dessen Anblicfc schon genügte, alle wilden Instinkte in ihm zu entfesseln. Im ersten Anlauf riss er ihn zu Boden und schlug dann wie ein Wahnsinniger auf ihn ein. Jeden Fausthieb, den er dem betäubten Gegner versetzte, begleitete er mit einem wilden Schrei, packte ihn darm am Halse und würgte ihn, nichts anderes empfindend als eine satanische Freude. Er fühlte nicht, dass das Mädchen ihn zurückreissen wollte, und erst der herbeieilenden Magdalena gelang es, ihn zurückzustossen. Betäubt und an allen Gliedern zitternd stand er da, wusste von nichts, fühlte nur eine Erleichterung, die ihm erlaubte, wieder Atem zu schöpfen. Er empfand eine Mattigkeit die schwer und doch angenehm auf allen Gliedern lastete. Wie lange dieser Zustand dauerte, das wusste er nicht. Wieder war es die alte Magdalena, deren Schrei ihn aus seiner Lethargie riss: «Himmel, er ist tot! Er rührt sich nicht mehr! » Er hörte diesen Schrei wie aus weiter Ferne. Als er sich umschaute, sah er Erika, die in tiefem Erschrecken vor ihm zurückwich. Erst erstaunt erfasste er den Sinn der Worte und drohte, unter ihrer Wucht zusammenzubrechen. Dann packte ihn wildes Entsetzen, das ihn forttrieb, das seine Beine zum Laufen zwang. Er wollte nicht laufen, aber er konnte auch nicht stehen bleiben. Plötzlich sah er sich mitten im Verkehr der Strasse, wusste, dass er zwischen Strassenbahnen und Autos rannte — wollte stehen bleiben und konnte nicht — wollte rufen und brachte keinen Laut heraus — sah plötzlich wieder den Schorsch, wie er dalag und sich nicht mehr rührte — hörte wieder den Schrei der alten Magdalena — fühlte ein tiefes Grauen vor sich selbst — stolperte und stürzte nieder — fühlte den Bruchteil einer Sekunde einen heftigen Schmerz im Kopfe... Die Strassenbahn, die ihn überfuhr, sah er nicht mehr.

JN« 91 — BERN, 12. NOVEMBER 1936 Die Seite der Frau Qe* Aäexsautexschied in de* £he Wer mit ungetrübtem Blick die heutigen Eheverhältnisse überprüft, wird mit einigem Bedenken die Zunahme der Verbindungen feststellen, in denen ein oft recht erheblicher Altersunterschied zwischen den Partnern herrscht. Einerseits sieht man gereifte Männer sich ganz junge Mädchen zu Gattinnen erwählen, auf der andern Seite stehen aber auch Frauen, die an Jahren ihrem Gatten nicht unbeträchtlich voraus sind. Diese Tatsache findet nur zum Teil ihre Begründung to den Zeitverhältnissen, da es von jeher ältere Herren gab, die eine Verbindung mit jungen Frauen suchten und gereifte Frauen, die nach einem jungen Eheliebsten Umschau hielten. In früheren Zeiten fielen die Befürworter dieser ungleichen Ehen meist dem öffentlichen Spott anheim. Man denke an die Spielopern Rossinis, Aubers, Lortzings XL a., in denen der verliebte Vormund oder Önkel, die heiratslustige Wirtschafterin ständige stets belachte Figuren sind. Heute sieht man die ungleichen Ehen mit anderen Augen an. Es gibt viele Männer, die in jungen Jahren von ihrem Beruf oder auch ihrem vielseitigem Erleben so in Anspruch genommen waren, dass sie zur rechtzeitigen Wahl einer Ehegefährtin keine Zeit fanden und keine Lust verspürten. Sie schreiten dann in oft recht späten Jahren zu einer Heirat, die ihre Umgebung überrascht — ein ganz junges Mädchen reicht ihnen, geblendet durch ihre angebotene Stellung oder das zur Verfügung gestellte-Vermögen die Hand zu einem Lebensbund, der aller Voraussetzungen für eine naturgewollte Ehe entbehrt und die junge Frau erst zum Spielzeug, später zur Alterspflegerin ihres Gatten werden lässt und ihr fast immer den Verzicht auf die Mutterschaft auferlegt. Solche Verbindungen finden sich zumeist in gesellschaftlich höher stehenden Kreisen, sie verlaufen äusserlich meist tadellos. Man besitzt ja Haltung und Erziehung. Was sich jedoch hinter den Kulissen abspielt, lässt sich nur ahnen; nur selten bringt es ein Eheskandal, eine Scheidung an den Tag. Auf der andern Seite steht die gereifte Frau, die einen jüngeren Mann erwählt. Oft sind hier — namentlich im Mittelstand — praktische Erwägungen massgebend, so z.B. wenn eine Witwe den jüngeren Prokuristen ihres ererbten Geschäftes heiratet, um diesem eine zuverlässige Leitung zu sichern und ihren Kindern einen Vater zu geben, dessen Charakter sie erprobt hat. Diese Ehen laufen zumeist glücklich ab. Gemeinsame Interessen verbinden die Partner, nehmen sie ganz in Anspruch und schliessen « Seitensprünge » des Gatten aus, oder wenn solche vorkommen, wird die Frau klug genug sein, sie, wenn irgend möglich, zu übersehen. Auch in Künstlerkreisen trifft man derartige Zweckverbindungen, etwa, wenn eine bereits auf der Höhe ihrer Erfolge angelangte Künstlerin sich einen jungen Gatten wählt, der für sie die geschäftlichen Seiten ihres Berufes erledigt, sie auf ihren Kunstreisen begleitet und alles Störende von ihr fernhält. In diesem Falle ist der Gatte ein Impresario auf Lebenszeit, er nimmt eine Stellung ein, die, •wie zahlreiche Beobachtungen bestätigen, meist beide Teile voll befriedigt. Auch im Gastwirtschaftsgewerbe, im Modengewerbe und manchen anderen Berufen findet man diese Arbeitsteilung, bei der der geschäftstüchtige jüngere Mann sich durch « Einheirat » frühzeitig eine Position erringt, die ihm im gewöhnlichen Ablauf der Dinge erst später zugänglich wäre. Anders ist es jedoch in den vielen, gar zu vielen Ehen, in denen junge Männer, die aus der Bahn geworfen oder in'ihren Berufen gescheitert sind, Versorgung durch eine ältere Frau suchen. Hier ist und bleibt die Frau die allein Gebende, die Opfernde, deren Liebe mit Mütterlichkeit gepart sein muss, um den Haltlosen zu stützen, ihm Führerin zu sein und die guten Charaktereigenschaften in ihm zu wecken. Das wird mancher Frau eine schöne und hohe Aufgabe erscheinen, der sie sich freudig unterzieht, bis auch die stattliche ältere Frau gleichfalls der Zeit ihr Opfer bringen muss, sich allmählich nach Ruhe sehnt, während der jüngere Mann noch im Vollbesitz seiner Kräfte ist, nach Erlebnissen verlangt,- die ihm die Alternde, deren Empfinden sich in Kameradschaft und Freundschaft wandelte, nicht mehr zu geben vermag. Sie wird darunter um so mehr leiden, wenn es ihr nicht gelang, eine seelische und geistige Uebereinstimmung mit ihrem Gatten zu erreichen ; sie sucht dann die schwindende Jugend krampfhaft, bis ins Lächerliche hinein, aufrechtzuerhalten und erntet dafür nur Spott — nicht nur von Seiten ihres Mannes. Wenn Kinder vorhanden sind, lassen sich tragische Verwicklungen wohl eher vermeiden oder abschwächen, andernfalls wird die Frau gut tun, sich eine Binde vor die Augen zu legen und geduldig zu warten, bis der Mann von seinen Abenteuern wieder zu ihr zurückkehrt. Es hängt bei solchen Ehen von dem Charakter, der Erziehung und dem Entwicklungsgang der beiden Partner ausserordentlich viel ab. Viel seelisches Feingefühl wird auf beiden Seiten nötig sein, um ein dauernd befriedigendes Zusammenleben zu gewährleisten, denn es bleibt immer der Stachel, dass der Mann der Empfangende, seine Frau die Energischere und Lebensklügere ist, während es eigentlich doch umgekehrt sein sollte, dass die Frau bei ihrem Gatten Schutz und Versorgung findet. Immerhin, so verständlich viele der ungleichen Ehen auch sind, sollten sie doch nicht zur Gewohnheit werden, vielmehr als Ausnahmeerscheinung gelten. Auch die Kinderfrage ist hier von Wichtigseit. Kinder eines älternn Mannes können unmöglich die gleiche Lebenskraft besitzen, wie solche aus normalen Ehen Geborene, anderseits umschliessen Schwangerschaft und Geburt bei Frauen, die um die Vierzig alt sind Gefahren, denen sie oftmals körperlich nicht mehr gewachsen sind. Schon aus diesen Gründen ist es nicht ratsam, Ehen, die einen grossen Altersunterschied der beiden Partner aufweisen, ohne Befragung eines Arztes einzugehen. Ja, im allgemeinen muss also vor dem Eingehen von Ehen zwischen Partnern mit grossen Altersunterschieden gewarnt werden. lüodtenendMeidung. fivc kaltes Wette* AUTOMOBIL-REVUE Die moderne Frau weiss genau, was sie der Ausstattung erreicht werde. Ganz im Ge- weiss jeder kultivierte Mensch 'die sich und ihrer Gesundheit schuldig ist undgenteil weiss demnach die Wichtigkeit, einmal in der « Eleganz der vornehmen Reserve » wohl einzuschätzen und hat das gesunde Verständnis, Woche völlig auszuspannen, entsprechend zu würdigen, hat es schätzen gelernt, sich vom hier Spreu von Weizen zu scheiden... Alltag loszulösen und sich einmal in der Woche in völliger Freiheit für den kommenden riment, bei dieser Art der Kleidung zu sehr Auch wäre es ganz entschieden ein Expe- Arbeitskampf zu rüsten! ins Modische zu verfallen, weil man dann Sie weiss aber ebensogut, dass riehtiges Gefahr läuft, der Mode zu viele Konzessionen Ausspannen mindestens einen ganzen Tag der zu machen und zu der betrüblichen Erkenntnis gelangen zu müssen, dass ein solches Klei- Ruhe erfordere, um den Alltag wenigstens für diese kleine Weile ganz hinter sich zu dungsstück eigentlich als Strapazaufmachung lassen. völlig ungeeignet sei, weil es viel zu rasch Und schliesslich ist eine Frau immer davon aus der Mode kommt, anstatt — wie es bei durchdrungen, dass eine Wochenend- oder derlei Dingen sein sollte — jahrelang aktuell Sonntagsfahrt nur dann das Wahre sein zu bleiben! könne, wenn sich nicht einen Moment lang Um nun die Richtlinien zu weisen, nach Bedenken geltend machen, ob sie auch mo- denen die «Wochenendausstattung » — wie disch auf der Höhe und nicht etwa in ihrer Ausrüstung als «unzulänglich» zu bezeichnen sei. (Nichts ist nämlich für eine Frau bitterer, als die Erkenntnis, den andern gegenüber ins Hintertreffen zu ge'raten, mit andern Worten: der « Konkurrenz » nicht standhalten zu können. Dies ist gewiss keine kleinliche, sondern eine durchaus begreifliche Auffassung, die so sehr in der weiblichen Einstellung verwurzelt ist, dass man ihr unbedingt Rechnung tragen muss. Die Anschaffung einer besonderen Ausflugs- und Wochenendkleidung aber wäre in der heutigen Zeit ein Luxus, den sich nur ganz Wenige gestatten dürfen. Es wird sich also darum handeln, diese Ausflugskleidung und die für Strapazzwecke fn der Stadt bestimmte Aufmachung zu einer Einheit zu verschmelzen. wir sie nennen wollen —.. aufgebaut sein sollte, machen wir mit unseren Bildern einige beachtenswerte Vorschläge und zeigen als erste Skizze: ein flauschiges Wollkleid mit rückwärts verschlossenem Passengürtel; unterhalb des reizvollen Rollkragens ist eine farbige Wollstickerei — fallendes Herbstlaub darstellend — zu sehen. Die gleiche Stickerei wiederholt sich auch auf den mit Wollquasten beschwerten Taschen. Zu einem solchen Kleide, das in Grün, Rostbraun oder Weinrot die richtige Basis für die nette Stickerei darstellt, für die man heuer so viel übrig hat, schlagen wir einen flauschigen Dreiviertelmantel mit hohen Stulpen und breiten Aufschlägen vor, der — um genügend warm zu halten und windundurchlässig zu sein — der neuesten Modeanregung zufolge mit einem Wildlederfutter zu versehen wäre. Daraus geht hervor, dass diese Kleidungsstücke weder zu « sportlich » noch auch zu ist.nett und überaus flott. Der kleine Hut mit der kecken Kielfeder « städtisch » wirken dürfen, um sich in jeden Ein anderer Vorschlag wäre der, ein Stra- zu arbeiten, dessen geschweifte Rahmen zu fügen. Gerade eine so oft undpazkostüm vielseitig zu verwendende Kleidung zu wählen aber erfordert gutgeschulten Geschmack und modisches Verständnis, so dass sich jene, die sich auf diesem Gebiete nicht -ganz sicher fühlen, unbedingt beraten lassen sollten. Zu den grössten Fehlern, die man hier begehen könnte, zählt der, etwas Auffälliges wählen zu wollen, da es zu den grundlegenden Irrtümern gehört, anzunehmen, dass die vorteilhafte Wirkung einer Frau durch markante Farben und hypermodische Machart « Russenjacke » mit sogenannten « Stegen » verschlossen erscheint und die mit einem mit Fell belegten Umlegkragen in sogenannte* « Militärform » versehen sein könnte. Als Ergänzung ist der kleine «Tonnenmuff» und die niedere Bosniakenmütze aus gleichem Fell gewiss geschmackvoll (zweites Bild). Immer erfolgreicher setzt sich die Mode der Ledermäntel und Lederpaletots durch, die mit Fellkragen und übereinstimmendem Pelzfutter versehen werden. Ein alter, schon unverwendbar gewordener Pelzmantel wird hier erfolgreich und nutzbringend zu verwerten sein (vorletzte Skizze). Das sowohl für sportliche Zwecke als auch für die Stadt bestimmte Jackenkleid hat nicht wie ehemals den streng traditionellen Schnitt, sondern wird durch allerlei nette Einfälle bereichert. So zum Beispiel sind die sogenannten « Weidmannstaschen », die (wie in unserer letzten Figur) in Fell dargestellt werden, eine fesselnde Modeneuheit, die unseren Damen viel Freude bereiten wird, wie jede Anregung, die flotten Stil hat, ohne aber im geringsten übertrieben zu sein! Uebertriebenheit ist und war immer der frühe Tod jeder Mode. Modische Sicherheit und Vornehmheit aber wurden stets zu einem vollen und dauernden Erfolge! Automobilisten l Mechaniker ! Kein Äerger, kein Zeitverlust, kein Schrauben im Dunkeln mehr. Mit TRIX, dem leuchtenden Schraubenzieher, nur ein Druck am Griff und schon liegt der Angriffspunkt scharf beleuchtet vor Ihnen. 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