Aufrufe
vor 8 Monaten

E_1935_Zeitung_Nr.091

E_1935_Zeitung_Nr.091

16 AUTOMOBIL-REVUE BERN,

16 AUTOMOBIL-REVUE BERN, lä. NOVEMBER 1935 — N° 91, ü&üekexüsch Elisabeth — die seltsame Frau. Von Egon Cesar Conte Corti. Verlag Anton Pustet. Salzburg. — 542 Seiten mit 62 Bildtafeln. — Biographien bedeutender Menschen erfreuen sich in unserer alles nivellierenden, persönlichkeitsfeindlichen Zeit einer erstaunlichen Sympathie. Das Einmalige und Ueberragende einer grossen Gestalt, die einmalige Licht- und Schattenverteilung auf dem wechselvollen Schicksalsbild, das wird gerade von einer Generation geliebt, die selber kaum mehr die Möglichkeit hat, das eigene Geschick in kühner Linie über den Durchschnitt hinauszuführen. «Die seltsame Frau> Elisabeth, Kaiserin von Oesterreich und Mensch yon seltenen inneren und äusseren Gaben darf auch heute als ein Vorbild gelten, als das Idealbild einer lebendigen, edlen Persönlichkeit, deren Schicksal im Strahlpunkt der Oeffentlichkeit stand. Eine der Hofdamen urteilte einmal über Elisabeth: «Wie sie wirklich war und was an ihr so anziehend und bezaubernd wirkte, das kann kein Meissel und kein Pinsel wiedergeben, das war nur ihr eigen. Sie wird in der Legende fortleben, nicht in der Geschichte ... Egon Cesar Conte Corti bemühte sich, das Leben dieser Frau aus der verfälschenden Legende in das strahlende Licht der Geschichte herauszuheben und musste sich bei dieser grossen Aufgabe immer von dem einen Prinzip, dem der strengsten Wahrheit, leiten lassen. Unzählige bis jetzt verborgene Aktenschränke, Archive in aller Welt, wurden geöffnet, um das Leben dieser Flau nochmals zu beschwören, die in Genf durch Mörderhand verblutete. Das ganze phantastisch reiche Leben zieht in einem schillernden Bogen vorüber, in dem noch einmal die untergehende Zeit vor dem Krieg aufersteht. Die ^grossen politischen, geistigen und künstlerischen Gestalten des letzten Jahrhunderts werden in einer privaten und deshalb sehr reizvollen Perspektive gesehen. Corti hat sich bemüht, die Dinge seibor sprechen zu lassen und tritt ganz hinter die Darstellung zurück, ganz im Gegensatz zu den romantisierenden Biographen der neueren Zeit, in denen mehr geflunkert als erzählt wird. Dass teilweise privater Hofklatsch und familiäre Dinge der Kaiserfamilie mehr als für den Leser notwendig, ausgebreitet werden, hängt mit diesem spröden Stoff zusammen. Das WeTk ist jedenfalls erschöpfend, von unglaublicher Sorgfältigkeit und getragen von der geheimen Achtung des Verfassers zu der Heldin seiner Biographie. x. Abschied von Sowjetrussland. Tatsachenroman von A. Rudolf. Schweizer Spiegel-Verlag, Zürich. 380 Seiten. Fr. 7.80 geb., Fr. 6.— brosch. Die Literatur über das neue Russland ist durch die Herausgabe des vorstehenden Buches sehr wertvoll ergänzt worden. Das Thema Sowjetruss- BASEL Hotel Baslerhof Nähe Zentralbahnhof. Aeschenvorstadfc 55. - Behagliches Familienhotel. Moderner Komfort. Appartements mit Bad und Staatstelephon. - Zimmer von Fr. 4.— bis 6.—. — Alkoholfreie Restauration — ]*nd iit ja in dieser verworrenen Zeh immer interessanter und zugleich aktueller. Wenn dann die Materie — wie in diesem Werke, grundehrlich und, was die Hauptsache ist, bei aller Lebendigkeit der Sprache ausserordentlich sachlich und leidenschaftslos behandelt' wird, so ist das ganz besonders erfreulich. Der Weg nach Russland öffnet sich Rudolf, wie er vor vier Jahren als illegal arbeitender Kommunist von Frankreich ausgewiesen wird. Nun ist es ihm möglich, das Lehen der russischen Arbeiter und Bauern, die, wie den Propagandaberichten der «.Freunde der Sowjetunion» entnommen werden kann, ein durchwegs angenehmes Leben fristen, eingehend zu studieren. Infolge seines organisatorischen und sprachlichen Könnens wird er bald in höchste Aemter eingesetzt. Er hat Gelegenheit, nacheinander als Moskauer Korrespondent des «Appel des Sowjets», dann als Funktionär der Komintern, schliesslich als Beamter der Roten Gewerksohafts-Internalkmalen und als stellvertretender Chefredaktor der Leningrader :«Ja, aber...> «Ich hab' doch die grosse Pauke geschlagen und konnte nicht mehr bis in die Mitte reichen.» « Also wer von Ihnen beiden sass am Lenkrad? > « Ich natürlich! Mein Mann versteht vom Autofahren ja rein nichts! » Herr Professor Neunmalklug wachte auf — und sah zu seinem grössten Erstaunen, dass um ihn alles dunkel war. Er machte sofort Licht, guckte nach der Uhr, und es war dass «oben» noch eine Schicht existiert, die, unbekümmert um die sozialen Mängel, unter denen sich der Grossteil der «Genossen» und «Genossinnen» durchkämpft, in Saus und Braus zu leben Der Herr Professor setzte sich auf und sieben. versteht. Rudolfs Tatsachenbericht liest sich wie ein spannender Roman, der weiteste Verbreitung dachte nach: «Entweder ist es Spätnachmittag, und die Uhr ist sieben — dann muss verdient, weil er dazu angetan ist, all denjenigen eindringlich die Augen zu öffnen, die noch immer eine Naturkatastrophe in Verbindung mit einer Sonnenfinsternis eingetreten sein. Oder an das Märchen vom «Kommunismus» im Sowjetstaat glauben. A. Fy. es ist Morgen—dann gibt es gleichfalls keine andere Erklärung als eine plötzliche Umwälzung durch unbekannte Kräfte. JdeUte Ihüzett Vielleicht gibt es aber noch eine dritte Möglichkeit, die ich übersehen habe. In diesem Falle wären wir alle gerettet. Nämlich: Ziehungstermin. Wie wir Yernehmen, ist der Ziehungstermin der II. Seva-Lotterie auf den wenn ich vergessen hätte, die Uhr aufzuziehen — .* 20. Dezemher angesetzt worden, nachdem mehr als % aller verfügbaren Lose bereits ihre Käufer gefunden haben. c Hast Du nun bald auf der Karte herausgefunden, ob der Weg nach links oder rechts •weiterfährt? » « Was lachst du ? » fragte der Vater, «Ich finde hier nichts zu lachen- » — «Ja Vater >, sagte des Söhnchen, « du weisst eben nicht, dass du auf deinem Hut sitzst!» «Meine Frau verwöhnt mich geradezu, sie zieht mir selbst die Stiefel aus!» — «Wenn du abends nach Hause kommst?» — .«Nein, wenn ich abends ausgehen will.». «Vorsicht, Herr Ober! Ihr Frack hängt ra meine Suppe!» «Das macht fast gar nichts, der Frack ist schon sehr alt.» Lehrer: « Also von den Tieren Issf maö das Fleisch — und was geschieht mit den Knochen ? » Schüler: «Die legt man auf den Tefle*- rand.» •>, 10er Packung Fr. 4.50, 4er Packung Fr. 2.—. Gratis-Prospekt diskret durch EROVAQ A.-Q., Zürich 25; Bachtobelstr. 59. Lesen Sie die Broschüre „Aiipt vor Empfängnis f von Dr. E. Engler, zu beziehen gegen Einsendung von Fr. 1.20 in Briefmarken oder auf Postscheck Vm/i819 Erovag A.-G. Schweltet WektmocU Herausgegeben von Oberst i. Gst. Feldmann unter Mitarbeit von Major i. Gst Därüker und Major Schafroth. Ein Buch, das sich jeder Schweizer erwerben sollte« ungeachtet, ob Sie unserer Armee angehören oder ihr fern stehen, bedeutet dieses prächtig ausgestattete Werk die Erfüllung eines alten Wunsches : nämlich über die Entwicklung und die Einrichtungen unseres Wehrwesens aufgeklärt zu werden. Dieser Aufgabe haben sich 3 kompetente Militär-Fachleute unterzogen, wobei ein Werk entstanden ist, das nicht nur textlich, sondern vor allem auch durch seinen künstlerisch hochwertigen Bilderschmuck die Zierde einer jeden Hausbibliothek bilden wird. Format des Bandes: 24x32 cm, 260 Seiten, üeber 50 Illustrationen, 13 Farbendrucke. Preis: in Ganzleinen Fr. 34.—, in Halbleder Fr. 44.—. Alles Nähere ist aus unserem Prospekt mit Illustrationsproben ersichtlich, den Sie durch untenstehenden Bücherzettel von uns oder von Ihrem Buchhändler kostenlos einfordern wollen: BÜCHERZETTEL : (Als Drucksache 5 Rp. Porto). Unterzeichneter ersucht um unverbindliche Zustellung des Graus-Prospektes über „Hundert Jahre Schweizer Wehrmacht" VERLAG HALLWAG - BERN Adresse: Druck, Cliches und Verlag: HALLWAG A.-G., HaUerscbe Buchdruckerei und Wagnersche Verlagsanstalt, Bern.

T»JO 91 _ BERN. 12. NOVEMBER 1935 AUTOMOBIL-REVUE 11 "^«••««•»•C^cl «&««©« Der gebrandmarkte Fahrer. Wie seinerzeit gemeldet, hat der Berliner Polizeipräsident die Weisung erlassen, dass die Motorfahrzeuge von Personen, welche sich schwerer und wiederholter Uebertretungen der Verkehrsvorschriften schuldig gemacht haben, mit einem Gelbkreuz an der Windschutzscheibe und ,auf der Rückwand gekennzeichnet werden. Ein Berichterstatter der «B.Z. am Mittag» fuhr nun während einiger Stunden mit solch einem gebrandmarkten Wagen in der Hauptstadt herum. Ueber seine Eindrücke bei dieser Fahrt äussert er sich in seinem Blatt wie folgt: Der Polizei-Inspektor legt gewichtig die funkelnagelneue Messingschablone auf die Windschutzscheibe und schwingt den dicken gelben Pinsel. — Es ist geschehen! — Leuchtend springt das gelbe Kreuz aus der spiegelnden Scheibe. Unauffällig •will ich durch die Wagenreihen vom Hofe rollen, aber das wachsame Auge eines Droschkenkutschers hat das 'gelbe auffällige Ding erspäht. Unter dem schadenfrohen Gelächter der Umstehenden gewinne ich die Strasse. — Lachen, dieser im allgemeinen herzerfrischende Ausbruch der Freude, kann sehr schmerzlich sein, wenn es mit dem Schaden zusammenhängt, den man selbst z.u tragen hat. Ich steuere geradewegs zum Potsdamer Platz. Vielmehr noch als in der Blücherstrasse sind hier die Passanten auf Verkehr eingestellt und vielmehr noch als dort häuft sich Spott und Hohn auf mein Haupt. Den erstaunten, schadenfrohen, misstrauischen oder zornigen Blicken kann ich zwar ausweichen, aber die nicht minder treffenden Worte und Ausrufe lassen sich schlecht überhören. Auf die Badfahrer übe ich eine ganz merkwürdige Wirkung aus. Ihnen, die sonst vielfach der Schrecken der Autos sind,, bin ich zum Schrecken geworden. Vorsichtig schlagen .sie ihre Bogen um meine Kotflügel und selbst wenn sie mich schon hinter sich" gelassen haben, trifft mich noch manch misstrauisch über die Schulter geworfener Blick. Auch die anderen Verkehrsbeteiligten tragen eine misstrauische Vorsicht zur Schau. Die Autos halten Abstand, Fussgänger stoppen ihren eiligen Schritt, ja eine ältere Frau, die vor mir ruhig hätte die Strasse passieren können, bleibt stehen, als, sie das magische Zeichen sieht, rennt auf den Bürgersteig zurück und schüttelt drohend ihre magere Faust. Die Blicke der Verkehrsposten empfinde ich als körperlichen Schmerz, die der Passanten als Giftpfeile. Meine Ohren sind überwach geworden und registrieren jedes Wort mit peinlicher Deutlichkeit. Was ich auch tue — alles — es ist einer unerbittlichen Kritik ausgesetzt. Wenn ich bremse, und es quietscht ein bisschen — schon schreit es um mich herum. Wenn ich Gas gebe und der Motor brummt ein bisschen —schon werde-ich an mein «Kreuz» erinnert. Das Wort Gelb habe ich in den letzten zwei Stunden so oft und in soviel Verbindungen und Modulationen gehört, dass ich bereits gelb sehe — vor Wut natürlich. Ein Redaktionskollege folgte dem Gelbkreuz-Wagen auf kurze Distanz und machte dabei die nachstehenden Beobachtungen, die er ebenfalls in einem kurzweiligen Bericht zusammenfasste : Die Chauffeure auf dem Platz des Kraftverkehrsamt nehmen die Tatsache des ersten gebrandmarkten Verkehrssünders mit einer scheinbaren Gleichgültigkeit hin. Manche lächeln auch, aber süss-sauer. Wenn der graue Wagen an ihnen vorbeihuscht, dann schauen sie ihm nach, lange noch, lecken die Hälse und tuscheln hinterher eifrigst über die Möglichkeiten, die dem Fahrer wohl diese wenig angenehme Auszeichnung eingebracht hat. Am Potsdamer Platz hält der Gezeichnete. Bremst vorsichtig. Ein anderer Wagen kommt schnelle]; hinterher. Will in eine kleine Spalte hinein, die »zwischen dem grauen Wagen und einer Droschke frei bleibt. Doch plötzlich kreischen seine Bremsen. Er sieht das kleine gelbe Kreuz, das auch hinten am Nummerschild angebracht worden ist. Aha, der Erste! Ein eifriges Gucken. Der Verkehrssünder fährt an. Der andere nun ganz langsam hinterher, immer im vorsichtigen Abstand, so als wenn man in die Nähe eines wilden Tieres kommt. Dann fährt er noch langsam um die Ecke... Die Verordnung des Berliner Polizeipräsidenten hat gewirkt. Wer plötzlich das gelbe Kreuz aus dem .Verkehrsgewimmel herausleuohten sieht, bleibt stehen. Damen genieren sich nicht, lange dem Fahrer nachzusehen. Man zeigt immer wieder mit dem Finger nach. Die Köpfe der Menschen folgen den Bewegungen des gezeichneten Wagens. Das Auto mit dem gelben Kreuz fährt unter dauernder Kontrolle der Öffentlichkeit. Es ist so, als wenn alles aufpasst, dass der als unzuverlässig gekennzeichnete Fahrer nicht wieder irgendwelche Verkehrsfehler macht. Wie unter tausend Argusaugen muss der Gebrandmarkte (seinen Weg suchen. In der Potsdamer Strasse folgen längere Zeit zwei Motorradfahrer dem Gelbkreuzauto. Ein kleiner Lastwagen fährt mal vor dem Verkehrssünder, dann wieder einige Zeit hinterher. Nun ist er neben uns. Erfreut zeigt der Fahrer auf den grauen Wagen •Passen Se auf den da uff, det ia'n Gelbkreuzler!» Er ruft von seinem Führersitz herüber. Und dann geht es auf einmal über sein Gesicht, wie ein seliges Aufleuchten. Wieder ruft er herüber. «Den Strolch, den kenn ick: Der fährt immer so scharf! Der hats verdient!» Und dann beruhigt, fast selig lächelnd: «...schadet ihm gar nichts!» Immer das gleiche Bild. Wer den Wagen als gebrandmarkt erkennt, lächelt erst schadenfroh, wird dann erst und vermeidet es, dem Gelbkreuzler zu nahe zu kommen. Wie ein rohes Ei wird er umfahren. Man will mit ihm nichts zu tun haben. Man geht ihm aus dem Wege. Man denk an seine eigene Sicherheit und nimmt sich die Mah nung zu Herzen, die da leibhaftig und abschreckend herumfährt. Und tut das, was mit der Verordnung des Berliner Polizeipräsidenten beabsichtigt wurde; benimmt sich anständig und rücksichtsvoll im Verkehr.» Le Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion. VortrIHsrecht von rechts, ohne Signal geben. Der von rechts Kommende hat den Vortritt. Am 26. März 1934 hat der Bundesrat die Hauptstrassen bezeichnet, die das Vortrittsrecht besitzen, es sind 195 solcher Strassen. Damit sind nun zweierlei Rechte beim Befahren ein und derselben Strassen zu beobachten. Innerhalb der Ortschaften und Städte verliert auch die Hauptverkehrsstrasse das Vortrittsrecht und es tritt das Recht des von rechts Kommenden an dessen Stelle. Durch die in den Städten durchgeführten Verkehrswochen darf oder soll nun auch nicht mehr gehupt werden. Da wo die Polizei den Verkehr regelt, da ist sicher ohne hupen durchzukommen. Wenn sich aber die Fussgänger noch nicht an die Verkehrsstreifen gewöhnt haben, da darf der Autofahrer nicht ohne Warnsignal zufahren, er ist nach dem Gesetz Art. 20 dazu verpflichtet, solches zu gebrauchen, wenn es die Sicherheit des Verkehrs erfordert. Verschiedene Verkehrsunfälle zeigen, dass das «Nichthupen» nicht einfach durchwegs Regel sein darf. . B. bei Strassenkreuzungen, die unübersichtlich sind, muss nach dem Sinn des Gesetzes gehupt werden, sofern nicht die optischen Lichtsignale wirksam sind (bei Tag). Bei schmalen Verkehrsstrassen ohne Trottoir in Villenquartieren, wo gewöhnlich noch an jeder Strassenkreuzung hohe Strauchhäge oder hohe Mauern stehen, da muss zur Sicherheit gehupt werden, und wo es unterlassen wird, muss dies bei einem Verkehrsunfall als ein Verschuldungsfaktor angerechnet werden. Es liegt sicher nicht im Sinne des Gesetzgebers, dass jedes Fahrzeug vor jeder Kreuzung anzuhalten hat, um sich zu überzeugen, dass kein Fahrzeug von rechts kommt, aber eine Orientierung ist absolut notwendig und deshalb ist die Fahrgeschwindigkeit entsprechend zu regulieren. Auch da, wo man annehmen könnte, dass kaum ein anderes Fahrzeug kommen wird, gebietet die Vorsicht anzunehmen, s komme eines, und entsprechend muss sich der Führer orientieren. Das Signalgeben allein gibt nicht das Recht zuzufahren, der Fahrer muss bis zur Stelle, wo er die Uebersicht gewinnt, so fahren, dass er eben zu keiner Verkehrsstörung Anlass gibt. Die Uebersicht erhält der Fahrer eines modernen Wagens, der fast lautlos daher kommt, erst dann, wenn er schon mit dem Fahrzeug mitten auf der Kreuzung steht. Wenn ich nun die Frage stelle, muss der Führer zuerst nach links oder muss er nun zuerst nach rechts schauen, so bin ich überzeugt, dass auch langjährige versierte Fahrer unsicher sind! Für Fussgänger auf der Kreuzungsstrasse, die von links kommen, ist mein Fahrzeug direkt gefährlich, und Fahrzeuge von rechts bringen mich in Gefahr. Wäre es bei dieser sehr wichtigen Ueberlegung vielleicht nicht besser gewesen, es wäre die Bestimmung aufgestellt worden, dass der von links Kommende den Vortritt habe? Dies würde bedingen, dass man in allen Fällen sich zuerst nach links orientieren muss. Wäre nicht diese »Vorschrift die richtige? Bei Aufstellung der Vorschrift wurde offenbar diese Ueberlegung nicht gemacht Bei weiteren Ueberlegungen muss man aber erkennen, dafs es ,d^ch richtig ist, wenn, der »von rechts-den VorS tritt erhält. Es spielt nämlich" die rechte Fahrbahn eine entscheidende Rolle. Der von rechts Kommende hat von dem die Fahrbahn kreuzend e'n Fahrzeug eine grössere Distanz, bietet also eine bessere Sicht als ein von links kommendes Fahrzeug, was hier von allergrösster Wichtigkeit ist. Es bietet sich mir beim Kreuzen mit vorsichtigem Fahren im Sinne von Art. 25 und 27 eher die Möglichkeit, mein Fahrzeug zum Stillstand zu bringen. Käme aber das Vortrittsrecht dem von links zu, so wäre ein Ansichtigwerden erst im Moment da, wo beide Fahrzeuge schon aufeinander wären. Wir finden bei vielen Automobilisten die Ansicht vertreten, dass man ruhig die Strassenmitte t nützen dürfe, und sogar soll, bis ein Fahrzeug entgegenkommt, erst dann gelte Art. 26 vom Rechtsfahren. Dies ist aber nur bedingt richtig und angängig, wenn keine Kreuzung da ist. Bei Kreuzungen ist aber dieser Art. 26 vom Rechtsfahren unbedingt und streng einzuhalten, wegen der.Sichtmöglichkeit. Die aufgeworfene Frage, ob man sich zuerst nach links oder nach, rechts orientieren soll, ist nun nach Obigem besser zu lösen. Für mich als Führer bildet der von rechts Kommende die Gefahr, während der von links nach dem Gesetz sich nach mir richten muss. Einen Fussgänger von links müsste ich aber schon sehen, wenn er in die Fahrbahn links von mir eintritt, also wenn ich auf gleicher Höhe mit ihm bin. Dann wird er mir freie Bahn lassen. Ich habe mich tatsächlich im Sinne des Gesetzes zuerst nach rechts zu orientieren. Es ist aber total falsch, wenn man sagen würde: Ich habe mich nur nach rechts zu orientieren. Als vorsichtiger Fahrermussichmichauchnachlinks orientieren, und zwar direkt unmittelbar nach meiner Orientierung nach rechts. Wenn mir im Sinne von Art. 25 bei einer Nichtachtung meines Vortrittrechtes durch den Fahrer von links die Möglichkeit gegeben ist, eine Verkehrsstörung zu verhindern, so bin ich dazu verpflichtet, auch wenn ein anderer das Gesetz übertreten hat. Die Erfahrungen sind die besten Lehrmeister. Wenn ich meine Erfahrungen einer 35jährigen Fahrpraxis und diejenigen einer 20jährigen Expertenpraxis zusammenfassen will, dann geschieht die, etwa nach folgenden Hauptfahrregeln: 1. Fahre vorsichtig, d. h. wo eine Gefahr Dir drohen kann, nehme an, sie würde kommen und verlasse Dich nicht darauf, sie werde nicht kommen. 2. Fahre immer rechts, schneide nie die Kurven. 3. Bei Kreuzungen zuerst nach rechts und dann sofort nach links schauen. 4. Lass Dich nie dazu verleiten, die Strassen fürWettrennen zu benützen. 5. In Ortschaften, bei Kindern, um fahre die Gefahr in weitem Bogen. 6. Schenke der Fahrbahn Deine ganze Aufmerksamkeit und nicht den Mitfahrern. 7.' Auf der Fahrt lieber fünfmal essen als dreimal trinken. Tust Du das, dann fährst Du gut. Paul Landis, Ing., Automobil-Experte, Zürich T. C. S. Autosektion Glarus Unterhaltungsabend. Wir halten es entschieden mit den Glarnern: Man soll die Feste feiern wie sie fallen! Ohne dieses probate Rezept hätte man ob der Teilnahme vielleicht wegen der Zeitläufe Bedenken gehabt, vielleicht auch gefunden, es sei für derartige Anlässe noch reichlich früh. Kurzum, weder Organisatoren noch Clubmitglieder Hessen offenbar derartige Ueberlegungen aufkommen, sondern beantworteten prompt den Appell. So fand sich in dem für solche Anlässe besonders geeigneten und überaus ansprechenden Gesellschaftshaus in Ennenda eine frohe, festgestimmte Gesellschaft zusammen, die entschieden nach der Weisung des Conferenciers in «Optimismus» feierte. Wer etwas Tüchtiges leisten will oder für geistige Genüsse richtig vorbereitet sein soll, der, muss auch zweckentsprechend genährt sein. Diese Erfahrung machte man sich ebenfalls vorteilhaft zunutze und eröffnete das Programm daher mit einem gepflegten Nachtessen. Beim «Schwarzen» zeigte es sich dann gleich, wie richtig es gewesen war, sich gebührend vorzubereiten, denn schon Herr Dr. med. Büchi. der rührige Präsident der Sektion, ritt in>- seiner launigen Begrüssung eine rste humorvolle Attacke. Sein Ratschlag, wie die. notwendigen Einsparungen im Automobilbetrieb mit Rücksicht auf die hohe Benzinsteuer mit einer gesundheitsfördernden Lebensweise kombiniert werden möchten, verdiente eigentlich zur Erbauung der Zoll- und anderen hohen Kommisdonen in der kommenden Session der eidg. Räte lekanntgemacht zu werden. Sedlmayr, der Unverwüstliche oder vielmehr Unverbesserliche, zeigte mit all seinen Spässen und Schnurren, dass er tatsächlich der Conferencier on Format ist, als welcher er schon gedruckt im Programm vorgestellt wurde. Er vermag aus seiner vielseitigen künstlerischen Tätigkeit aus dem Vollen zu schöpfen und die vielen Tagesereignisse, welche direkt nach einem witzigen Kommentar rufen, sind ihm willkommene Beute zu entsprechender Glossierung. Kurzum er hatte, trotz der nicht unbeträchtlichen räumlichen Distanz, die ihn, den Rampenlichtbestrahlten, von seinen Zuhörern trennte, alsbald den persönlichen Kontakt mit der Festgemeinde gefunden und rasch war die Stimmung auf hoher Tourenzahl. Durch zwei Darbietungen bewies der Damen-Turnclub Ennenda, dass die elegante Kunst der Rhythmik überall zu Hause igt und picht das Vorrecht eines Berufsballetjes oder einer weitgereisten Girltruppe zu sein; braucht Diese Feststellung bezieht sich übrigens nicht nur auf die Bühne, denn auch auf dem allgemeinen Tanzparkett erwies sich die anwesende Damenwelt als sehr gewandt und wie zu Hause. Lolo, mit seinem musikalischen Auto, war wirkich eine Nummer für sich und man konnte ihm selbst seine kecksten Scherze nicht wohl nachtragen, als er so quasi zur Entschuldigung auf dem Auspuff» eine, nette Melodie dudelte, die jedeiv Konzertoboe gut angestanden hätte, oder wenn Lolo gar den Kotflügeln schmelzende Weisen entlockte. Recht «griffig» war sein abschliessendes Hupenkonzert, das übrigens auch in bezug auf die nxebung gewiss^nie unter die Anülärmverordngen fallen würde. "Dazu zwei Kapellen grundverschiedener Observanz. Auf der einen Seite der mondäne Jazz, verwaltet und wiedergegeben von den «Red Stars», die zwar keineswegs aus dem schwärzesten Afrika, sondern irgendwo vom Zürichsee herkamen und auch ohne den fremdländischen Namen gut gefallen hätten. Daneben die grundsolidtn lind urohigen. Kleintaler, deren Klarinette und Trompete die Ländler munter in die Welt hinausbliesen. So konnte man die gesamte Skala der Tänze aus {•trössmutters Zeiten (über den Walzer geht doch nichts!) bis hinauf zum modernsten Step gemessen, und diese Möglichkeit, aus dem tänzerischen Vollen zu schöpfen, wäre kaum je unterbrochen worden, wenn nicht beide Gruppen gelegentlich ausgerechnet zusammen Pause geübt hätten. Dazwischen Polonaisen mit und ohne Lampions, Tanzwettbewerbe mit und ohne Preise, mit einem Wort, ein Ausflug in die Geselligkeit ohne Pannen und Aussetzer (um doch noch etwas beim Fach zu bleiben!). Und um eines werden die Delegierten der befreundeten grossen Sektionen die Glarner Kollegen beneidet haben: um den heimeligen intimen Rahmen, der dem Abend das Gepräge gab und der je länger je mehr das Vorrecht der Veranstaltungen kleinerer Sektionen bleiben wird. Hoffentlich fährt nächstes Jahr nicht schon alles im Kanton Glarus Auto und möchte Mitglied beim "T.'G. S. werden: es wäre schade um die jetzige Form der Jahresfeier! b. Autosektion Waldstätte Familienabend. Samstag, den 16. November 1935, 20.15 Uhr, trifft sich die ganze T. G. S.-Familie im «Hotel Union» zum traditionellen Familienabend. Dieser segelt unter der Parole: « Durch Tanz und Kabarett zur Stimmung ». Auf Sonntag, den ,17. November, ist ein Katerbummel angesetzt, und zwar ab 15 Uhr im Hotel «Eisenbahn» in Sursee. Für den Samstag-Anlass steht der polizeilich bewachte Autopark auf dem Löwenplatz in der Hof-Weih und Löwenstrasse zur Verfügung. A- C. S. SEKTION BERN. Hochbetrieb im Vorwinter. Das Tätigkeitsprogramm für die nächsten paar Wochen sieht drei verschiedene Veranstaltungen vor. Am kommenden Samstag, 16. November, führt die Sportkommission zum dritten Male die Autofuchsjagd in der weiteren Umgebung Berns durch, ein Wettbewerb, der dank seiner leichtfasslichen Reglementierung bei sportlustigen Mitgliedern stets Anklang findet. Die bereits eingegangenen Anmeldungen lassen wiederum eine stattliche Beteiligung erhoffen. Meldeschluss: Freitag, den 15. November 1935, 12 Uhr; spätere Anmeldungen sind zahlpflichtig. SEKTION ZÜRICH. Auiomobftmeisterschaft. Die diesjährige Sektionsmeisterschaft, welche die vier Konkurrenzen Autavia, Hindernisfahren in Dübendorf, Gymkhana in Zürich und Schnitzeljagd in sich schloss, hat einen sehr erfreulichen Verlau: genommen und wies eine ziemlich starke Beteiligung auf. Für die Schlussklassierung kamen die drei besten Resultate der genannten vier Veranstal tUHgen in Betracht, wobei bei der Autavia ein sepa "rates Klassement für die zwei Kontrollposten und bei den drei/andern ein solches für Amateure»und Experten gemacht wurde. Erstmals wurden daher dieses Jahr je eine Meisterschaft für diese beiden Fahrerkategorien ausgetragen. Für die Klassierung massgebend war die Punktzahl des Ranges der vier Wettbewerbe, doch fielen hiebei nur die an der Meisterschaft teilnehmenden Konkurrenten in Betracht. Nachdem sich anfänglich 19 Amateure und 15 Experten, somit total 34 Konkurrenten am Meisterschaftswettbewerb beteiligt hatten, schieden nach und nach verschiedene Konkurrenten aus, so dass chliesslich nach dem letzten Lauf, der Schnitzeljagd, nur noch 5 Amateure und 7 Experten übrig blieben. Die nachfolgende Schlussklassieruag zeigt, dass der Kampf ein sehr heisser war und nur einzelne Punkte die Erstplacierten voneinander rennten: Amateure: 1. M. Locher, Kilchberg, 5 Pkte.; 2. M. Fiedler, Zollikerberg, 6 P.; 3. A. May, Zürich, 8 P.; 4. Ch. Zimmermann, Zürich, 10 P.; 5. J. Kuhn jun., Dieledorf, 11 P. Experten: 1. H. Kessler, Zürich, 5 Punkte; 2..W. Jenny, Zürich, 6 P. ; 3. H. Gübelin, Zürich, 7 P.; 4. A. Corrodi, Zürich, 10 P.; 5. A. Bosshardt, Zürich und P. Sibold, Zürich, je 12 P.; 6. H. Baumgartner, Zollikon, 14 P. Bereits liegen 300 Anmeldungen für das Herrenmartinimah! vom 14. November vor, worunter erfreulicher Weise auch von verschiedenen Vertretern der kantonalen und städtischen Behörden sowie befreundeten Verbänden und der Nachbarsekionen des AGS. Auch Herr Zentralpräsident Dr. Mende, Bern, wird am traditionellen Martinimahl unter den Zürcher Clubkollegen weilen. An der Revue wirken die bekannten Zürcher Akteure Gyr und Stump sowie die Sing-Vreneli mit, es wird eine sehr fröhliche Sache mit dieser Reise nach Afrika, die ein Zwischenspiel in Marseille vorsieht, werden. Die Damen treffen sich am 14. November zum Damenmartinimahl und im Dezember zum üblichen Nachmittagstee. 2^u« dc^n Rottschaft der Aero-Amateure der Schweiz Sekretariat: 85, Servette, Genf Die «Poux» in der Schweiz. Von allen Seiten her erfahren wir, dass die Flügel der «Poux» wachsen. Die Liebhaber sind von einem freudigen Drang erfüllt und berichten uns über Bemühungen, Konstruktionen und Erfolge. Wir nehmen mit Vergnügen von all dem Notiz. Herr O. Isler in Baulmes ist mit der Bauarbeit seines «Pou» fertig und wind ihn nun sehr bald mit Tuch überspannen. Der Apparat ist mit einer Spezial-Landungs-Vorrichtung mit teleskopischen Stützen versehen -worden. Herr Isler hat sich einen AVA-