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E_1935_Zeitung_Nr.089

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1935 - N° 89 Torsionsstangenfederung zum nachträglichen Einbau. Es kann heute nicht mehr bestritten werden, dass durch die Einzelradfederung sich die Fahreigenschaften gegenüber der Starrachsfederung in mancher Hinsicht verbessern lassen. Ein englischer Techniker hat nun ein System herausgebracht, das auch den Umbau von Stanachswagen in Wagen mit Einzelradfederung ohne grosse Kosten ermöglicht. Die Vorderräder werden d~bei, wie aus der Skizze ersichtlich, parallelogrammartig durch Gelenkstützen mit dem Chassis verbunden. Der untere Paral- Eine Torsionsstangen-Einzelradfederung, die sich auch nachträglich an Stelle von Starrachsfederungen einbauen lässt. Was man aus alten Autos machen kann. Eine amüsante Statistik, die aus Washington stammt, lässt erkennen, wie verwendungsfähig das Automobil selbst dann noch ist, wenn es den Weg auf einen der zahllosen Autofriedhöfe gefunden hat, die man auf der Fahrt über amerikanische Landstrassen häufig zu Gesicht bekommt. Nicht nur alte Kleider, die aus Europa und Amerika stammen, finden in der übrigen Welt dankbare Abnehmer, auch alte Automobile sind begehrt. Am verwendungsfähigsten und begehrtesten sind alte Gummireifen, die überall als Schwimmgürtel gebraucht werden. Die Bauern in Rumänien und in der Türkei haben in ihnen ein vortreffliches Rohmaterial für Schuhzeug entdeckt; die ebenso geschickten wie sparsamen Franzosen verfertigen daraus Hosenträger und Strumpfbänder. Ein beliebter Handelsartikel sind sie vor allem aber in Portugal; dort werden sie in Massen auf den Jahrmärkten feilgeboten und finden immer Abnahme bei den Hirten, die sich damit Arme und Beine schützen. In England legen die Hausfrauen kunstvoll zu Fussmatten verarbeitete alte Autoreifen vor die Haustür. Alte Automobilmotoren dagegen haben ihr Hauptabsatzgebiet in China; dort finden sie als Bootsmotoren Verwendung. In Kanada wiederum dienen sie zum Antrieb von Sägemühlen. In Frankreich schläft mancher Arbeiter auf einer Matratze, deren Füllung einst die Sitze einer eleganten Limousine hat schwellen lassen. Dass alte Autobusse und andere geräumigere Wagen heute oft zu Notwohnungen umgebaut werden, ist bekannt. Kleinere Autos* enden als Strandkörbe oder Badehäuschen. Immer Verwendung hat man für alte Benzin- und Oelbehälter; sie verwandeln sich je nach Bedarf in Mülleimer, Kochtöpfe, Bratpfannen, tragbare Oefchen, regenfeste Dächer usw. Früher warf man in Amerika ein altes Auto achtlos auf das Gerumpel eines Autofriedhofs; heute zwingt die Krise zur Ausnutzung auch des letzten Bestandteiles und, wie man sieht, findet fast alles Verwendung. Praktische Winke Man ärgert sich über den Scheibenwischer. Alle Scheibenwischer scheinen durchs Band weg schlecht zu sein. Sie arbeiten träge, wenn man von ihnen Rekordarbeit erwartet, versagen in den dringendsten Fällen überhaupt den Dienst, wischen, auch wenn sie einmal funktionieren, die Scheibe nur halbwegs rein und haben alle möglichen andern Untugenden dazu. Alle die Scheibenwischer nämlich, die vom Wagenbesitzer so schlecht unterhalten werden, wie sie bei ihm im Ansehen stehen. Nicht 5 % aller Automobilisten haben sich jemals über den Unterhalt dieses kleinen Gehilfen Gedanken gemacht. Wer von den Lesern hat sich schon einmal überlegt, ob er (der Wischer natürlich !) nicht vielleicht gelegentlich geschmiert werden müsste? Sowohl einige elektrische wie lelogrammhebel hat als Drehachse ein Stahlrohr, das die Auf- und Abwärtsbewegungen des Rades in eine Drehbewegung umwandelt und diese auf die in ihm befindliche Stange aus Federstahl überträgt. Das vordere Ende der Torsionsstange ist unverdrehbar am Chassisrahmen gelagert. Das hintere Ende der Torsionsstange steht mit dem Rohr durch eine Nutenverzahnung in Verbindung. Als Führungsrohr für das Lager dienen einesteils die Torsionsstange selbst, andernteils ist dafür noch eine besondere Stütze in der Nähe des untern Parallelogrammhebels vorgesehen. Um ein zu leichtes Schwingen der Federung zu vermeiden, ist die hintere Lagerung des Rohres mit Reibscheiben kombiniert, die ähnlich wie die bekannten Friktionsstossdämpfer wirken. -thpneumatische Systeme sind empfänglich dafür. Mindestens sollte durch etwas Fett dafür gesorgt werden, dass nicht Regenwasser in die Lager eindringt. Mindestens sollten hie und da die Anschlüsse nachgesehen werden. Mindestens müsste auch der Gummistreifen des Wischerarmes etwa alle 1—2 Jahre ersetzt werden, wenn man vom Wischer saubere Arbeit verlangen will. Der. beste Gummi wird in so dünner Blattform durch die Sonne, Hitze, Staub und Kälte mit der Zeit hart und verbiegt sich, so dass er sich dann der Scheibenfläche gar nicht mehr richtig anpassen kann. Seine Auswechslung, oder die des ganzen Wischers, ist gewöhnlich nur eine Angelegenheit von Sekunden, cind die Ersatzkosten sind so minim, dass sich statt ihrer auch wirklich nicht der geringste Aerger lohnt. -s. Kennzeichnung von Reserverädern. Nicht allzu selten gehen Reserveräder auf irgendeine mysteriöse Art verloren, obschon jeder Automobilist beschwören wird, dass das bei seinem Wagen und seiner Befestigungsart des Reserverades nicht vorkommen könne. Die einzige Chance, den Ausreisser wieder zu finden, bleibt dann für den Besitzer gewöhnlich die, dass ein ehrlicher Finder das Rad in der Fachzeitung inseriert. Warum sich noch von Anfang an gegen solche Verluste vorsehen ? Jeder vorsorgliche Automobilist sollte seine Reserveräder mit der Polizei-Erkennungsnummer seines Wagens kennzeichnen. Findet jemand ein so gekennzeichnetes Rad, so braucht er es nur der Polizei abzugeben, um es seinem Besitzer wieder zuzuführen. -at- DekorJeren Ihre Stossdämpfer gut? Nein, Stossdämpfer werden vom Wagenkonstrukteur gewiss nicht zur Dekoration eingebaut. Praktisch haben sie aber doch an manchem Wagen nur dekorativen Wert, «nur noch» ! Ihre urprüngliche Bremswirkung auf die Aufbauschwingungen ist längst von einem dolce far niente abgelöst, weil sich entweder — bei den trockenwirkenden Dämpfern —die Scheiben abgenützt haben, oder — bei den hydraulischen Systemen — die Füllung verflüchtigt hat. Kein Wunder, wenn dann der Wagen «die Strasse nicht mehr hält» oder wenn plötzlich alle Strassen schlechter geworden sind und die Federung alle Augenblicke durchschlägt. Hat man die Dämpfer als unwirksam im< Verdacht, so braucht man nur einen ihrer Anschlüsse zu lösen. Nicht selten zeigt es sich dann, dass sich ihre Hebel fast widerstandslos beliebig hin- und herbewegen lassen, während bei ihrem richtigen Unterhalt die Ueberwindung dieser Widerstände doch schon beträchtliche Muskelkräfte erfordern sollte. Wie gross die Dämpfungswirkung sein soll, lässt sich allerdings nur von Fall zu Fall festlegen. Starke Dämpfung verbessert die Strassenhaltung bei hohen Fahrgeschwindigkeiten, starker Wagenbelastung und auf schlechten Strassen, lässt aber die Wagenfederung bei niedrigen Geschwindigkeiten und geringer Wagenbelastung leicht unangenehm «hart» erscheinen. Bei zu schwacher Dämpfung fährt sich der Wagen wohl bei niedrigen Tempi angenehm weich, ist aber bei hohen Geschwindigkeiten schwablig und unsicher. Bei den trockenwirkenden Stossdämpfern lässt sich der Dämpfungsgrad meist leicht durch mehr oder weniger starkes Anziehen einer Mutter regeln. Bei hydraulischen Dämpfern müssten dazu meist Düsen oder Durchlässe verändert werden. Hier genügt aber in den meisten Fällen schon die Erneuerung der Flüssigkeitsfüllung, die man nur in der Originalzusammensetzung verwenden und beim Zubehörhändler oder Garagisten beziehen soll. Gewöhnliches Schmieröl ist als Füllung ungeeignet, da seine Viskosität viel zu temperaturabhängig ist. -at- Besitzen Sie eine Reiseapotheke? Dass im Motorfahrzeugverkehr sich Unfälle ergeben, dass diese trotz aller gesetzlichen Massnahmen, die man zu ihrer Bekämpfung trifft, mit dem Zunehmen der Motorfahrzeuge und überhaupt mit der stärker werdenden Verkehrsdichte immer zahlreicher werden, das ist bekannt. Kann man sie also nicht verhüten, so soll man ihre Folgen nach Möglichkeit abschwächen. Schnelle Hilfe ist stets doppelte Hilfe, kann und wird sogar häufig von ausschlaggebender Bedeutung sein für den Verlauf der Heilung. Diese Ueberlegung hat in der Tschechoslowakei zu der Vorschrift geführt, dass jeder einheimische Motorfahrer eine Reiseapotheke bei sich führen muss. Eine sehr lobenswerte Massnahme! Bei uns gibt es eine solche Vorschrift noch nicht, sie sollte auch nicht nötig sein, denn man kann nur hoffen, dass jeder verantwortungsbewusste Fahrer — wenigstens, wenn er über Land fährt — von sich aus einen gut zusammengestellten Verbandskasten im Wagen hat. Nur zu leicht kann man auf der Landstrasse, fern von jeder Ortschaft, Gelegenheit haben, einem Verunglückten beizustehen, ihn zu verbinden. Wer viel im Auto unterwegs ist. wird das bestätigen. Tedi Sg»»«»dh. Antwort 9616. Touring-Zerstäuber. Adresse mitgeteilt und Zuschrift •weitergeleitet Red. Frage 9604. Erneuerung von Zündkerzin. Welche Schweizer Firma hefasst sich mit der Erneuerung von. Zündkerzen für Automobile? Z. H. in Z. Frage 9615. Instruktionenbücher alter Wagenmodelle. Wer ist in der Lage, mir Instruktionenbücher der ältesten Automodelle zu verschaffen oder anzugeben, wo ich solche Instruktionenbücher erhalten kann? E. W. in Z. Frage 9617. «Economiseur !e Castrl». Kann mir vielleicht einer der Leser der Automobil-Revue mitteilen, wer in der Schweiz die Vertretung des «Economiseur le Castri> führt. J. N. in C. Frage 9622. Benzin- oder Rohölmotor? Ich bitte um Auskunft, welche Wagen vorzuziehen sind, ob Benzin oder Rohöl. Ich beabsichtige nämlich einen solchen Lastwagen zu kaufen. Welcher ist der bessere, welcher gibt mehr Reparaturen, und welcher kostet mehr in den Reparaturen? W. R. in S. Frage 9633. Titanic-Obenschmleröl. Kann der Brennstoffzusatz «Titanic» als durchaus unschädlich empfohlen werden? F. K. in B. Frage 9634. M. T.-Obenschmlertabletten. Was ist von diesem Produkt zu halten? F. K. in B. Frage 9635. Was tun, wenn ein Pneu platzt? Ich habe mit einem Kameraden eine Meinungsverschiedenheit darüber, was eu tun sei, wenn ein Pneu platzt oder sonst rasch luftleer wird. Darf in einem solchen Fall gebremst werden oder nicht? Oder muss man sogar bremsen? R. 0. in S. Antwort: Beim Platzen eines Reifens ist es das Verkehrteste, den Wagen durch scharfes Bremsen möglichst rasch zum Stillstand bringen zu wollen. Man lasse vielmehr das Fahrzeug ausrollen, bis es von selbst steht. Im andern Fall wird mit ziemlicher Sicherheit der Schlauch zerrissen, da ein luftleerer Mantel sich beim Bremsen auf der Felge verschiebt und man läuft zudem Gefahr, dass einem das Lenkrad aus der Hand gerissen wird, weil der Zug, den ein luftleerer Reifen auf die Lenkung ausübt, sehr gross ist und durch das Bremsen noch um ein Vielfaches gesteigert wird. -at- Frage 9636. Ouietsehende MetallrSder. Woher kommt es, dass die Räder meines Wagens manchmal quietschen und knarren, trotzdem sie aus Metall sind und deshalb nicht einfach Schwunderscheinungen aufweisen können, wie Holzräder. Die Geräusche treten dann immer regelmässig im Rhythmus der Radumdrehungen auf. W. H. in F. Antwort: Wenn Metallräder quietschen, so kommen dafür hauptsächlich zwei Ursachen in Frage: entweder ist das Rad auf seiner Nabe nicht ganz fest aufgezogen oder die abnehmbare Felge sitzt nicht genügend fest. Im ersten Fall darf man sich nicht täuschen lassen, wenn bei der Prüfung die Befestigungsmuttern anscheinend ganz angezogen sind. Der Widerstand, den sie einem weiteren Anziehen entgegensetzen, rührt oft nur von Rost oder Schmutz her, die sich im Gewinde festgesetzt haben. Man nehme also bei einem solchen verdächtigen Quietschen das Rad ganz von der Nabe, reinige diese und die Gewinde sorgfältig mit Petrol und einer Mischung von Graphit und Konsistenzfett ein und versuche erst dann das Rad stramm anzuziehen. Bei abnehmbaren Felgen ist dagegen die nachträgliche Anwendung von Rostschutzmitteln meist nicht notwendig, da die Metalle schon von der Fabrik aus einen rostsicheren Zündüberzug erhalten haben sollen. -at- Frage 9637. Schmierung der Radnaben. Mein Wagen ist mit Zentral-Chassisschmierung versehen. Werden durch dieses Schmiersystem die Radnaben, ebenfalls mit Schmiermittel versorgt? Oder muss hier vielmehr von Hand nachgeschmiert werden? Wenn ja, wie oft. E. H. in W. Antwort: Die Schmierung, der Naben ist von der Zentral-Chassisschmierung unabhängig. Die Naben müssen deshalb etwa alle 15.000 km neu mit Fett versorgt werden, was meist sehr einfach geschehen kann, indem man .ihre Deckel abschraubt, mit Fett auffüllt und dann -wieder an Ort und Stelle bringt. Konsultieren Sie aber in erster Linie das Instruktionenbuch Ihres Wagens. Es kann sein, dass die Schmierung der Naben nach besonderer Vorschrift durchgeführt werden muss. Abgesehen von der Schmierung empfiehlt es sich, die Räder mit den Naben jede Saison mindestens einmal aihzünehmen, damit der Zustand der Lager nachkontrolliert werden kann. Auch die Dichtungen (meist Filzringe), die das Eindringen von Wasser in die Lager zu verhindern haben, sind dabei auf ihre weitere Brauchbarkeit hin zu untersuchen. Wasser, das in die Wälzlager eindringen kann, bringt diese nach kurzer Zeit zum Rosten und macht sie so bald unbrauchbar. Beim Wiederaufsetzen der Nahe ist streng auf die richtige Einstellung des Lagers zu achten. Die Nabe darf weder Spiel haben noch beim Drehen ein Klemmen fühlbar werden lassen. -at- Frage 9638. Lebensdauer einer Akkumulatorenbatterie. Wie gross ist durchschnittlich die Lebensdauer einer Automobilbatterie? Ich habe meinen Wagen nun vier Jahre und sehe mich schon zum Auswechseln aller positiven Platten veranlasst. Deutet das nicht darauf hin, dass die Batterie schlecht gepflegt wurde? H. H. in M. Antwort: Je nachdem, wie eine Autobatterie gepflegt und beansprucht wird, beträgt ihre Lebensdauer 3—5 Jahre. Der Grad der Beanspruchung hängt hauptsächlich vom Verhältnis der Batteriekapazität zu der verlangten Leistung ab, wobei (für die Leistung wieder häuptsächlich die Häufigkeit der Benützung des Anlassers massgebend ist Hat z. B. ein Wagen eine Batterie von verhältnismässig kleiner Kapazität und wird dahei die Batterie durch häufige Benützung des Anlassers noch ungewöhnlich stark beansprucht, so beträgt ihre Lebensdauer auch bei guter Pflege kaum mehr als drei Jahre. Anderseits kann auch eine reichlich bemessene Batterie durch schlechte Pflege oder Ladungen mit zu grosser Stromstärke in weniger als drei Jahren zugrunde gehen. Mit dem uns gemeldeten Resultat können Sie sich wohl zufrieden geben. Es kommt zwar in besonders günstigen Fällen vor, dass selbst die positiven Platten länger als fünf Jahre halten. Durchschnittlich kann man jedoch nicht damit rechnen. -at- Frage 9639. Die Entrussung durch Kampfer. Sie haben in Ihrer geschätzten «Automobil-Revue» in letzter Zeit zu wiederholten Malen Kampfer als Entrussungsmittel für Motoren angegeben. Es interessiert mich nun, zu erfahren, ob Kampfer wirklich die Eigenschaft besitzt, Russ aufzulösen und zu entfernen und* auf was diese Eigenschaft beruht. Wird der Russ nur weich gemacht, so dass er in Stückchen mit den Auspuffgasen entweicht oder findet ein chemischer Prozess statt, der den Russ vollständig auflöst, so dass er als Gas entweichen kann? Hat man einwandfreie Resultate erzielt? W. N in B. Antwort: Kampfer besteht aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff; es gibt verschiedene Abarten mit folgenden chemischen Formeln: CioHnO, GioHisO, CioHaoO; CigHseO. Bei Erhitzung spalten «ich diese Kampfer unter Bildung von Wasser HsO und reinen Kohlenwasserstoffen, also von mehT oder weniger guten Brennstoffen. Gerade diese Wasserbildung ist es, die die günstige Wirkung des Kampfers im Motor hervorruft. Auch bei Verwendung von anderen Brennstoffen, die einen Gehalt von chemisch gebundenem Sauerstoff aufweisen, wie z. B. Alkohol, Aether, Ester. Phenole usw., macht man die Beobachtung, dass man eine sauberere Verbrennung erhält; gleichzeitig wird ein sanfterer Verbrennungsveriauf erreicht, d. h. eine etwas verbesserte Kraftleistung des Motors. Den gleichen Zweck verfolgen die mit etwas Wasser emulgierten Brennstoffe (Hydrol-Kraftstoffe) sowie die direkte Wassereinspritzung beim Banki-Motor. Uebrigens werden Sie selbst schon wahrgenommen haben, dass bei feuchter Witterung, wo also die vom Motor angesaugte Luft Wasserdampf enthält, der Motor viel ruhiger und weicher läuft. Versuche mit_ Alkohol-Benzin-Gemischen und mit Wassereinspritzung haben ergeben, dass die bereits vorhandene Russschicht im Verbrennungsraume allmählich verschwindet und dass sich kein neuer Russ ansetzt. In der Verbrennungsflamme in Gegenwart von Wasser kommt der Kohlenstoff nicht mehr zur Ausscheidung in Russform, sondern verbrennt direkt gasförmig zum Kohlenmonoxyd oder Kohlendioxyd, ohne den Umweg über den Zustand des glühenden festen Kohlenstoffes zu machen. Bei der Explosion verbrennt zuerst der Wasserstoff unter sehr hoher Hitzeentwicklung; diese Hitze bringt den Kohlenstoff zum Glühen und somit zur besseren Verbrennung. (Sie können mit einem Zündholz auch nidt die Kohle Ihres Ofens in Brand stecken, sondern zuerst durch Holzfeuerung die Kohlen zum Gaühen bringen.) Alkohol ist aber zu teuer, um als Entrussungsmittel gebraucht zu werden; auch greift er den Karosserielack an, falls er verschüttet wird. Kampfer ist bedeutend billiger und löst sich in Benzin und Benzol gut auf; die Wirkung ist dabei eine ähnliche; der Russ wird aufgelöst und verlässt den Verhrennungsraum gasförmig. Im .übrigen ist Kampfer oft auch den Obenschmierölen beigemengt, was Sie leicht erkennen können, wenn Sie einige Tropfen eines solchen Obenschmieröles zwischen den Fingern verreiben und dann daran riechen. C. P. in B. luvisff. Spredii Anfrage . Mängelrüge. Vor ca. zwei Monaten kaufte ich einen neueren Occasionswagen mit dem schriftlichen Vertragsvermerk: einwandfrei. Schon nach 3—4 Tagen stellte sich heraus dass die Batterie als nicht mehr reparaturfähig durch eine neue ersetzt werden musste. Weiter zeigte sich in der Folge, dass die hinteren Stossdämpfer ^ T W Vernachlässigung der Wartung derselben (Nachfüllen von Stossdämpferöl), zwecks Ersetzen der total ausgefressenen Achsen, in die Fabrik gesandt werden mussten. Ich frage nun an, ob ich den Verkäufer für diese beiden Kostenbeträge von ca. Fr. 200.— behaften oder ob event. bei Ablehnung der Forderung der Kauf gejnäss 0. R. unter angemessener Anrechnung der bereits gefahrenen Kilometer rückgängig gemacht werden kann, da der tatsächliche Zustand des Wagens der vertraglichen Voraussetzung «einwandfrei» zuwiderläuft. G. in W. Antwort: Nach 0. R. 201 soll der Käufer, sobald tunlich, die Beschaffenheit der empfangenen Sache prüfen und bei Auftreten von Mängeln, für die der Verkäufer Gewähr zu leisten hat. diesem sofort Anzeige machen. Sie hätten daher sofort nach Erkennen der Mängel diese rügen, d. h. den Verkäufer schriftlich davon in Kenntnis setzen müssen. Durch das Unterlassen ist der Kauf durch Sie genehmigt worden, und der Verkäufer ist daher weder für Wandelung des Kaufes noch für den Ersatz des Minderwertes (der den Reparaturkosten gleichkommt) verpflichtet. Eine andere Frage ist allerdings, ob der Verkäufer die Mängel gekannt und sie Ihnen arglistig verschwiegen hat. In diesem Falle könnte die Mängelrüge immer noch erhoben werden. Die Arglist müsste aber von Ihnen bewiesen werden, und dieser Beweis wäre schwer zu erbringen. * Höfliche Bitte an Fragesteller! Tagtäglich erhalten wir Dutzende von Anfragen, was halten Sie vom Automobil X, was vom Motorrad Y, empfehlen Sie den Vergaser A oder gefällt Ihnen das Fabrikat B besser? Vorliegende Zeilen sind ein neuer dringender Notschrei der Redaktion, sie mit derartigen Anfragen zu verschonen. Wir können beim besten Willen solche Auskünfte nicht erteilen. Gewiss sind wir über die einzelnen Fabrikate genau orientiert, allein unsere Objektivität würde angezweifelt, wenn die Redaktion von sich aus die Beurteilung einzelner Fabrikate übernehmen würde. Wir geben auch dann keine Auskunft, wenn uns Diskretion auf Ehrenwort zugesichert wird oder wenn uns für derlei Auskünfte Geldbeträge angeboten werden. Der «Sprechsaal» unseres Blattes soll vor allem dem freien Meinungs- und Erfahrungsaustausch unserer Leser dienen. Die Redaktion gibt darin nur über Fragen allgemeiner Natur Auskunft. Antworten geschäftlichen oder reklamehaften Charakters und solche, die sich anderweitig nicht zur Veröffentlichung eignen, pflegen wir, ohne dabei unsere Stellungnahme irgendwie zu präjudizieren, kommentarlos an den Fragesteller weiterzubefördern. Damit glauben wir allen billigen Interessen unseres grossen Leserkreises gerecht zu werden; ihr Urteil über die Fabrikate müssen sich unsere Leser schon selbst bilden. Wird dem umfassenden Text- und Inseratenteil der «A.-R.» das nötige Interesse gewidmet, so kann sich jeder Leser über den gesamten Handel und die Erzeugung auf dem Gebiete des Autotnobilwesens ein ziemlich klares Bild machen. Die Red.

BERN, DIENSTAG, 5. NOVEMBER 1935 III. BLATT DER „AUTOMOBIL-REVUE" No 89 Ein Jbudeaschicksal Eine Erzählung von Heinrich Lämmlin Luzern Schiller Hotel Garni Alle Zimmer mit (Hess. Wasser o.Bad u.Tel. Zimmer v. Fr. 4.50 an. Pens. Fr. 12.- Autoboxen. Ed. Lelmgrubar, Bes. Franz Florenz Flöry hatte das Licht der Welt in einer der engen Mietskasernen der Stadt erblickt. Von hoch oben unter dem Dache, wo die Tauben und Sperlinge sich ihre mehr oder weniger lärmenden Stelldichein geben, klang seine Stimme hinab in die düsteren Höfe, allen, die es hören wollten, kündend, dass ein neuer Erdenbürger sein Recht auf den ihm zustehenden Platz in der Welt erhob. Von dort oben sah er diese Welt zuerst, die für ihn vorerst nur aus rauchenden Schornsteinen und russigen Dächern bestand. Aber auch diese Welt hatte für den verträumten Knaben ihre Wunder — und da, wo die Erwachsenen nur das Armselige und Düstere erblickten, da wo sie den Blick in die Tiefe richten mussten, um das Leben zu erkennen, da erschlossen sich ihm tausend verborgene Schönheiten, die der nüchterne Verstand der Grossen nie entdeckt hätte. Er war von frühester Kindheit an viel allein. Seine Mutter war eine jener stillen Frauen, die tagein und -aus ihrem schweren Tagewerk bei fremden Leuten nachgehen. Stundenlang sass da der kleine Franz Florenz auf der Fensterbank und schaute hinauf eum Himmel, dem er so nahe war, dass er Jifangs glaubte, ihn mit den Händen greifen zu können; sah die Wolken und die schwatzenden, eilenden Schwalben. Die Zeit verging ihm wie im Fluge. Später, als er älter war und zur Schule ging, verlor dieses Spiel für ihn seinen Reiz. Jetzt traten die Bücher in den Vordergrund seines Interesses. Bald hatte er eine stattliche Anzahl Bücher, die er für wenig Geld — das ihm die Mutter am Ende jeder Woche gab — aus dem Antiquariat des alten Buchhändlers erstanden, der an der Ecke der Strasse sein Geschäft hatte, in der die Mietskaserne stand. Da waren solche, die von fernen Ländern erzählten und Sehnsucht weckten nach der Weite, und solche, die ganz ausserhalb des Alltags standen und voll stiller Schönheit waren, dass beim Lesen das eigene Sein versank. Der Junge las sie alle, las ohne Wahl jede freie Stunde, die ihm die Schule Hess. Er spann sich ein in einen bunten Kranz von ^räumen, die ihm das Ferne nah, das Schöne noch schöner erscheinen Hessen. Dabei ahnte er nicht, dass er dem buntesten Leben so nahe war, dass er es fast mit Händen greifen konnte. Kameraden hatte er nicht. Wohl drängte sein reiches Innenleben dazu, sich andern zu offenbaren, aber eine tiefe Scheu hielt ihn immer wieder davon zurück. Selbst seiner Mutter verbarg er die reiche Seele unter einer herben Liebe, zu der meist gerade diese stillen Menschen fähig sind. Die Weichheit seines Charakters, verbunden mit der Scheu erzeugten in ihm einen Zwiespalt, aus dem heraus sich so manches in seinem späteren Leben erklären Hess. Eines Tages eilte er nach der Schule wieder in den verstaubten Laden, wo, hinter Bücherstapeln verborgen, das vertrocknete Männchen sass, das ihm bis dahin die Dinge vermittelt hatte, die den Inhalt seines jungen Lebens ausmachten. Doch heute war etwas anders als gewöhnlich. Er bemerkte es sofort, ohne gleich zu wissen, was es war. Die Glocke bimmelte in melancholischem Dreiklang, der kahle Kopf tauchte hinter den Büchern auf und dann — ja, dann stand ein kleines, weissgekleidetes Mädchen mitten im Laden und schaute ihn neugierig an. Da vergass er zu grüssen, vergass, was ihn hergeführt hatte, sah nur das Mädchen, das wie eine Märchengestalt in dem düsteren Laden stand. Und dann war da ein leises Lachen und hinterher wehte eine helle Kinderstimme an seine Ohren: « Was wünschen Sie? » Da zerriss das Wunder. Das Blut schoss ihm in den Kopf, und das immer noch lachende Mädchen anstaunend, sagte er : e Sie sollten nicht «Sie» zu mir sagen, ich gehe noch zur Schule !» — Und wieder sprang das Lachen vor ihm auf in den Raum, und wieder klang die Stimme des Kindes hinterher : «Ich gehe auch noch zur Schule, ich bin ja erst elf Jahre alt! Erika heisse ich, du brauchst mir auch nicht «Sie» zu sagen. Hast du keinen Namen ? » « Natürlich, hat er ! Zwei Vornamen sogar und einen Familiennamen dazu. Der Franz Florenz ist es, der Witwe Flöry ihr Sohn. Ein guter v Junge, ja, ein guter Junge, der schon viele Bücher gelesen hat und sicher mehr weiss als du!» sagte der alte Buchhändler und stellte sich neben den Knaben. Da errötete der Knabe noch mehr. Das Mädchen aber klatschte in ausgelassener Freude in die Hände und rief: «Ach, Grossvater, ich kann die Bücher nicht leiden! In denen stehen nur Dinge, mit denen die Lehrer uns plagen. Und dann diese Bücher hier: die möchte ich nicht anfassen, die sind mir viel zu staubig. — Aber spielen soll er mit mir; er hat so einen komischen Namen, das gefällt mir! » — Dann fasste sie den Knaben Der Tag versinkt; Still kommt die Nacht. Die Glocke klingt: Habt acht — habt acht! O Menschenkind, Lass Sorgen sein! Dein Weh verrinnt —> Schlaf ein —schlaf ein. an der Hand und zog ihn zur Hintertür hinaus auf den Hof. « So », sagte sie ••• dort, « hier ist es besser, als beim Grossvater in dem staubigen Laden ! » — Und dann fragte Franz Florenz, nur um etwas zu sagen : « So, ist das dein Grossvater ? » — Die Kleine schaute ihn verwundert an und sagte : « Ha, ja, du hast es ja gehört. Hast du keinen? » — Da schüttelte der Junge den Kopf und erzählte, dass er nur eine Mutter habe, die den ganzen Tag fort sein müsse um zu arbeiten. Ja, dass er keinen Menschen sonst habe, als die Mutter. Aber das habe ihm bis jetzt nichts ausgemacht, er habe ja die Bücher und wenn er nicht lesen wolle, dann könne er spazieren schauen. Ihm sei der Tag noch nicht lange geworden, ausser in der Schule! Das Mädchen hörte ihm aufmerksam zu und erzählte dann, dass auch sie einmal eine Mutter gehabt habe, aber die sei gestorben und jetzt habe sie niemand mehr als den Grossvater, der immer über seinen Büchern sitze, und dann noch die alte Magdalena, die seine Haushälterin sei. Die alte Magdalena sei eine Hexe, sie habe viele Runzeln im Gesicht und gessen war alles, was bis jetzt sein Leben ausgefüllt hatte. Nur eines kannte er noch: Erika ! Die Lehrer schüttelten den Kopf und konnten nicht verstehen, dass der bis dahin so aufmerksame Schüler so zerstreut war. Der Antiquar aber brummte immer öfter: «So sind sie alle ! > — während die Witwe Flöry jeden Tag mehr über das veränderte Wesen ihres Jungen staunte. Nur Franz Florenz selbst merkte davon nichts, spielte mit dem Mädchen, oder half ihr bei der Erledigung ihrer Schularbeiten, während er die eigenen immer mehr vernachlässigte. Sie waren gute Kameraden und die Wochen und Monate flogen nur so dahin. Dann kam ein Tag, an dem der erste Schatten in ihr harmloses Glück fiel. Unversehens — fast über Nacht — war es Winter geworden. Schnee rieselte zwischen den grauen Häuserzeilen der Stadt nieder und bald sahen alle Strassen wie überzuckert aus. Jubelnd balgten sich Franz Florenz' Kameraden in den Gassen, nur er hatte kaum einen Blick für ihre Spiele übrig. Ein Gedanke erfüllte ihn, dessen Ausführung ihm so herrlich schien, dass er eilig fortstürmte-und sich über jedes Hindernis ärgerte, das seine Eile hemmte. Im Mittelpunkt des zu erwartenden Glückes stand Erika. Ohne Erika gab es für A&wdÜed : I Werft ab die Last, Lasst ruhn das Leid Und haltet Rast Zur Abendzeit. einen richtigen Schnurrbart. Ja, das habe sie; ob er sie noch nicht gesehen habe. Sie sage immer armes Hühnchen zu ihr und habe sie sehr gerne. Eine Hexe sei sie auch gar nicht, aber einen Schnurrbart, einen ganz echten Schnurrbart aus schwarzen und grauen Haaren habe sie aber doch. — So plauderten sie lange und als sie sich endlich trennten, waren sie gute Freunde. Franz Florenz musste jetzt eilen, um noch rechtzeitig nach Hause zu kommen. An diesem Tag vergass er zum erstenmal seine Bücher. — Schweigsam löffelte er seine Suppe aus und setzte sich dann auf die Fensterbank. Dort blieb er sitzen, bis die Mutter ihn ins Bett schickte. In der Nacht träumte er von dem kleinen Mädchen und der Hexe. Die Hexe hatte einen richtigen Schnurrbart, nannte das Mädchen Hühnchen und wollte es schlachten. «Erika!» schrie er da und erwachte. Die Sonne lachte durch das Fenster, die Spatzen zankten auf dem Dache und die Mutter rumorte in der Küche. Verwirrt schaute er sich um: Die Hexe war ja gar keine Hexe und das Mädchen wollte er nach der Schule wiedersehen. Da freute er sich und begann zu singen, dass die Mutter in der Küche erstaunt aufhorchte. Jetzt kamen Tage, die voll waren des Neuen. Vergessen waren die Bücher, verihn keine Freude mehr. Heute wollte er ihr eine Schneehütte bauen, genau so wie es die Eskimo taten. In dieser Hütte wollte er. mit ihr wohnen den ganzen langen Winter über, so oft sie nur Zeit hatten. Darin sollte auch Erika auf ihrem Puppenherd kochen. O, sie würden ein herrliches Leben führen! Seine Augen glänzten; die Eile und die Kälte hatten seine Wangen rot gefärbt, als er endlich in die Küche der alten Magdalena platzte. « Guten Tag, Magdalena! » jauchzte er. «Ist die Erika beim Grossva'ter? Wir wollen eine Schneehütte bauen, wie sie die Eskimo haben, in der wir wohnen können! » — Die Alte, die den Jungen schon lange in ihr Herz geschlossen hatte, schaute auf. « Tag auch, Franz Florenzel! » sagte sie in ihrer bedächtigen Art. « Bist gesprungen bei der Kälte, hast ja gan£ rote Backen! Ja, nicht wahr, jetzt ist es Winter geworden — und mit einemmal. Komm her, setz' dich an den Herd und wärm' dich. Ich will dir eine Tasse Kaffee geben, das wärmt.» — Ja, sie war bedächtig geworden, die Alte, und Franz Florenz konnte nur mühsam seine Ungeduld unterdrücken. Dann fragte er noch einmal: «Aber, Magdalena, du hörst gar nicht! Wo ist denn Erika? » — Und die Alte sagte, wie in" Staunen, dass er es noch nicht wusste: « Ja, die Erika! Die ist fort mit dem Schorsch, dem Lümmel vom Onkel August. Der hat mich alte Schrulle und den Herrn einen dürren Hering genannt. Ist ein richtiger Gassenbub, der Schorsch. Jetzt werden sie Schlittenfahren, denk' ich! » Und während die Alte noch eine Weile weiterplapperte, zerrann des Knaben Traum von der Schneehütte. Kam da ein fremder Knabe, den er noch nie gesehen hatte, und entführte ihm die Freundin, an die er bis jetzt allein ein Anrecht hatte. In der stillen Knabenseele loderte ein Bcand auf, dessen Flammen mit jeder Viertelstunde, die er sass und wartete, höher flammten, bis sie zum hellen Hass wurden. Lange sass er so. Das Feuer krachte im Herd, die Alte wirtschaftete und erzählte. Allmählich ebbte der Hass ab, und nur eine tiefe, schmerzliche Enttäuschung blieb zurück — ein Weh, das die Brust einengte und das Wasser in die Augen trieb. Aus den Winkeln der Küche krochen langsam die Schatten des Abends hervor; die Alte setzte sich an das Fenster und begann zu stricken. Unbeobachtet von ihr weinte der Knabe still vor sich hin. Endlich erhob er sich, sagte leise « Gute Nacht! » und ging vor in den Laden.. Hier war er in letzter Zeit ein seltener Gast So hob der Buchhändler erstaunt den Kopf und sagte: « Du auch einmal wieder? » — Aber St. Gallen, Theaterplatz. Franz Florenz gab keine Antwort; trat rasch vor die Regale hin, die alle die Schätze bargen die ihm einst als das Schönste und Beste erschienen waren. Lange wählte er, las alle Buchtitel, von denen jeder eine Welt verbarg, las sie von oben nach unten, von links nach rechts und konnte doch nicht fertig werden. Die Titel waren ja nur Worte, waren leerer Schall. Seine Gedanken waren nicht hier, sie waren fort, er konnte sie nicht halten. Erika! Jeder Buchtitel fing so an und endete so. Tausend Fragen verbarg dieser Name, der. bis jetzt klar und eindeutig in ihm gelebt hatte —• tausend Fragen, auf die es keine Antwort gab< Die ganze Zeit hatte der Alte ihn beobachtet, jetzt schob er die Brille in die Stirn und rief: «Na, nichts dabei? » Er fragte nur so obenhin, er ahnte, warum der Knabe nichts finden konnte. « Ja, Junge, so sind sie alle! » sagte er und trat dann hinter dem Ladentisch hervor. — «Aber ich habe ein Buch für dich, das dir Freude machen wird. Ich habe es extra für dich aufgehoben; denn ich dachte mir wohl, dass du eines Tages wieder kommen wirst! » Der Knabe achtete kaum auf den Alten, von seiner Rede hörte er kein Wort. Er zog seine Rappen aus der Tasche und bot sie dem Buchhändler hin, und als dieser abwehrte und sagte, dass er ihm das Buch schenken wolle, steckte er sie ebenso gleichgültig in die Tasche. Er wunderte sich nicht über das Geschenk des Alten, der sonst die Rappen so genau zu zählen verstand. Er hätte sich kaum gewundert, wenn er ihm alle andern Bücher auch noch gegeben hätte; dankte nur kurz und ging dann fort. In den Strassen brannten schon die Lichter, und der Schnee lag fusshoch. Langsam, sich überall nach Erika umsehend, schlenderte er nach Hause. Vor dem Laden eines Bäckers blieb er stehen. Da waren allerlei Leckerbissen ausgestellt, die alle an das nahe Weihnachtsfest erinnerten. Für einen Augenblick vergass er alles andere und vertiefte sich in den Gedanken, ob er nicht da etwas für sein Geld kaufen solle. Dann sah er ein Knusperhäuschen, vor dem eine Hexe mit Hansel und Gretel stand. Glich die Hexe nicht der alten Magdalena? — Damit war der Gedanke an Erika wieder da und mit ihm das Weh der ersten grossen Enttäuschung. Alles andere versank. Er ging weiter und vergass sein Buch, das er auf den Fenstersims gelegt hatte. Erst zu Hause bemerkte er es, aber er ging nicht mehr zurück, es war ja nur ein Buch. Die Mutter, die bemerkte, dass etwas nicht in Ordnung war, quälte ihn mit Fragen, auf die er keine Antwort gab. Was hätte er auch sagen sollen? Sie verstand ihn sicher nicht, ja, er verstand sich selbst nicht mehr. Kein Mensch konnte ihn verstehen! Zerquält ging er ins Bett, müde und übernächtigt stand er am Morgen wieder auf und ging zur Schule. Sein erster Gedanke war Erika, ja er hatte die ganze Nacht nur an sie gedacht. Heute musste er sie treffen. Dl« «lakMKh« Hellwim» das SOLIS- Htltklsnn» tot «In bawUhrtes Mittel g«8«n alle Erkältung»!). Achten Sl« •bar auf dl« Mark« SOLIS mit den 4 WUmwstufen. (Fortsetzung folgt.) SOLIS HEIZKISSEN