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E_1935_Zeitung_Nr.092

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BERN, Freitag, 15. November 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N° 92 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-FR EISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, tährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Untallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausftabf C(mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 ACtctsetscfitiauagen. am Automobil Blumenhölle am Jacinto. Urwalderlebnis. Von Ernst F. Löhndorff. (9. Fortsetzung.) Carmella greift mit den Fingern in die rauschenden Saiten der Gitarre. Wie mich die Pantheraugen Juans anstarren! Was will er nur? Da fallen wir Uno, Dos und Tres ein. Taumelnd erhebe ich mich, wanke auf die Veranda. Eine Handbreit über dem Strom steht der rote Feuerball der Sonne. Die Luft ist drückend und wie mit Elektrizität geladen. Urumuha, der böse Geist der Amazonasindianer, der sausend durch das Sertao fährt, Bäume entwurzelt, dass sie hellkrachend zersplittern; Blitze spuckt, dass die Urwaldnacht in blaues bengalisches Licht getaucht ist, und der aus seiner gigantischen Brust Donnerschläge hervorrollen lässt! Urumuha, das furchtbare, unbeschreibliche Gewitter der Dschungelwildnis, brütet sicher dort hinter den Baumreihen. Ob es kommt? An der schlüpfrigen Landungstreppe schwankt unser Palmettokanu. Stumm sitzen die drei Indianer darin und rauchen. Dos Erseheint jeden ulenstap and Freitag Wöchentliche Beilage .Autler-Felprabend". Monatlich 1 mal „Gelbe Ustv REDAKTION U.ADMINISTRATION: Brettenrainstr. 97, Bern Telephon 2S.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse'Sl, Telephon 39.743 Beim Automobil treten früher oder später die Alterseinflüsse in Erscheinung, die seinem Besitzer so viel Sorgen und Kopfzerbrechen bereiten. In dem gleichen Masse, wie die Gute der einzelnen Teile abnimmt, bleibt die Wirtschaftlichkeit und die Leistungsfähigkeit zurück. Meistens dauert es zwar einige Zeit, bis der Fahrer an verschiedenen Einzelheiten merkt, dass sein Wagen zu altern beginnt: er muss öfters als bisher Betriebsstoff nachfüllen oder bei einer gewissen Steigung zu oft schalten usf. Der Prozess des Alterns schreitet langsam, aber stetig fort, und je später er dem Fahrer bemerkbar wird, um so schwerer ist er aufzuhalten. Beim Altern des Wagens sind zwei Faktoren besonders zu beachten: der Leistungsnachlass im Motor und die Leistungsverluste in der Uebertragung. Im Vergleich mit den anderen Automobilteilen weist der Motor trotz seiner hohen Arbeitsbeanspruchung eine kolossale Dauerhaftigkeit auf, was wohl einzig und allein nur an der besseren Schmierung liegt. Bis die Kurbelwellen- und Nockenwellenlager Spuren von'Alter" aufweisen, vergehe^ immer Zehntausende von .Fahrkilometern, und dann haben diese Mängel meist keine besondere Bedeutung, da sie lediglich Schönheitsfehler darstellen, indem der Motor unruhig zu arbeiten beginnt. Sind aber die Kolben so weit abgenützt, dass die'Verbrennungsgase an ihnen vorbei entweichen können, so macht sich sofort ein spürbarer Leistungsnachlass bemerkbar, welcher gleichzeitig eine Vergrösserung des Brennstoffverbrauches nach sich zieht, da der Fahrer, um den Lei- ~stungsnachlass einigermassen auszugleichen, viel mehr Gas geben muss. Durch die undichten Kolben entstehen beim Komprimieren des Gasgemisches ebenfalls Gasverluste, welche eine grössere Düse im Vergaser notwendig machen, die natürlich viel mehr Brennstoff verbraucht. Durch den Einbau neuer Kolbenringe lassen sich zwar diese Verluste noch einige Zeit hintanhalten; hat jedoch der Zwischenraum von Zylinderwand und Kolben eine gewisse Grenze erreicht, so ist diese Reparatur auch umsonst. Die Kolben schlagen dann im Zylinder hin und her, und es ist daher unmöglich, dass die Ringe noch dicht anliegen können. Ferner erweitern sich die Führungsnuten der Ringe derartig, dass sie nicht mehr dicht schliessen, wodurch noch mehr Gas entweichen kann und auch Oel zwischen den Ringen durch in den Verbrennungsraum eintritt, welches verbrennt und somit unverbraucht verloren geht. Einen merklichen Leistungsverlust ziehen auch undichte Ventile nach sich. Kommen hierzu noch undichte Ventilführungen, so gerät in das angesaugte Gemisch sog. falsche Luft, wodurch der regelmässige Lauf des Motors sehr gestört wird, besonders bei niederen Tourenzahlen, wo der Motor unter Umständen sogar ganz aussetzt. Durch das sachgemässe Ausschleifen der Zylinder und durch den Einbau neuer Kolben kann diesen Uebelständen abgeholfen werden. Lässt' man die Ventilführungen und Ventile erneuern, die Ventilsitze neu ausfräsen und einschleifen, so wird der Motor wieder in der Lage sein, so ziemlich allen seinen Anforderungen, die man noch von ihm erwarten kann, gerecht zu werden. Vom eigentlichen Altern des Wagens lässt sich jedoch erst dann sprechen, wenn an den einzelnen Teilen des Chassis Mängel festzustellen sind, deren Behebung naturgemäss nicht so leicht möglich ist wie beim Motor. Allerdings treten diese in den meisten Fällen erst dann auf, wenn, der Motor schon einige Male in oben angeführter Weise durchrepariert wurde. Zuerst treten diese Mängel im Kardangelenk ein. Durch die mit der Zeit immer stärker zutage tretenden Abnützungen entsteht Spiel in den Rädern des Ausgleichgetriebes, in den Antriebskegelrädern und im Kardangelenk. Dieses Spiel verursacht ein geradezu verheerendes Klappern der Räder, so dass ein langsames Fahren des Wagens nahezu unmöglich geworden ist. Parallel zu diesen Erscheinungen entsteht eine bedeutend grössere Reibung in diesen Teilen, welche bei einem alten Wagen sehr leicht 20% der Motorleistung in Anspruch nimmt; abgesehen noch von dem entsprechenden Mehrverbrauch an Betriebsstoff. Als weitere Folge kommen dann noch die ausgelaufenen Lager hinzu. Bei unsachgemässer Pflege sammelt sich in diesen Schmutz an, welcher sich mit dem Schmieröl vermischt und so zu feinem Schmirgel wird, so dass durch die steten Umdrehungen der betreffenden Welle die Lager immer mehr ausgeschmirgelt werden und so ein gleichmässiges ruhiges Laufen ausgeschlossen ist. (Fortsetzung Seite 2.) schaut auf, sein leerer Blick wandert sekundenlang zwischen mir und dem bleifarbenen Himmel hin und her. Nun hebt er die braune Hand, zeigt in die Runde, und alle drei dieser merkwürdigen Geschöpfe, die in acht Tagen kaum ein Wort fallen lassen, grunzen: «Urumuha, Senhor! » Wieder sitzen sie da und schlucken den Rauch ihrer Maishülsenzigaretten. Silbern rieseln Gitarrenklänge aus der Tür, ersticken im leisen Murmeln- des müden Stromes. Benito tritt neben mich. Hörbar schnauft er die Luft ein, ruft dann laut: « Ohe, Amigos, diese Nacht gibt's was! » Auf seinen Warnruf hin scharren drinnen Stühle, und mehrere Männer, mit dem Neger an der Spitze trampeln heraus. Prüfend schauen sie sich um. Rasch ziehen sie ihre zwischen dem Pfahlwerk des Hauses angebundenen Curiarias hervor, klettern einer nach dem andern an Bord. Heftig tauchen die Paddel ein, und die aus fünf Fahrzeugen bestehende Flotille schiesst stromab. Rauhes Lachen, ein schwacher Ruf: « Adios, Gringo, auf Wiedersehen! » Dann fegen sie um die spitze Landzunge und sind verschwunden. Fleckiges Gold schüttet der sinkende Sonnenball auf die Wasserfläche, und mit einmal ist er untergetaucht. Noch lodert im Westen grelles Feuer, als schon die Nacht aus dem Schweizerische Rundschau Auf falscher Fährte. Als im Anschluss an die am 25. Juni erfolgte Benzinzollerhöhung der Bundesrat für die ausländischen Automobilisten eine Vorzugsbehandlung beschloss, machten sich starke Bedenken gegen eine derartige undemokratische Politik geltend. Zweifellos waren es rein taktische Erwägungen, die unsere oberste Landesbehörde zu diesem Vorgehen bestimmten, nämlich das Bestreben, die schweizerische Hotellerie aus der Front der gegen die erneute Benzinzollerhöhung opponierenden Automobilisten herauszusprengen. Ohne weiteres geben wir zu, dass es nicht gerade leicht ist, politisch derart verschiedene Ansichten wie sie in der schweizerischen Automobilwirtschäft vorherrschend sind, unter einen Hut zu bringen, beliebt doch gerade in der Schweiz möglichst jeder ein Sonderzüglein zu bilden. Dass Hotellerie und Bundesrat mit dem Lockvogel «Billiger Benzinpreis für ausländische Automobilisten» sich den falschen Finger verbunden haben, geht schlagend aus den bisherigen' Monatsergebnissen des laufenden Jahres hervor. Einzig in den Monaten Januar und Juni sind, im Vergleich zur vorjährigen Parallelperiode, mehr ausländische Automobilisten zu uns gekommen, dagegen verzeichnen alle übrigen 8 monatlichen Betriebsergebnisse ©ine rückläufige Tendenz. Wie stark sich die Schrumpfung des internationalen Autotourismus hinsichtlich der schweizerischen Verhältnisse entwickelt hat, illustriert neben dem Septemberergebnis neuerdings das Oktoberresultät. Wenn auch die schlechten Witterungsverhältnisse unzweifelhaft dem herbstlichen Autotourismus einen empfindlichen Dämpfer aufsetzten, so ist immerhin der diesjährige Rückgang um mehr als 210 Grenzübertritte unter das Ergebnis vom Oktober 1932 kaum allein mit dieser Tatsache zu entschuldigen. Der Mindergrenzverkehr gegenüber dem Monat Oktober 1934 beträgt nicht weniger als 3548 Motorfahrfahrzeuge, eine Ziffer, die mit aller Deutlichkeit beweist, dass sich unsere schweizerische Verkehrspolitik gesamrthaft auf falscher Fährte befindet. Allein im Oktober stellt sich der Ausfall an Logiernächten auf rund 32,000. Im Vergleich zu den ersten 10 Monaten des Vorjahres können wir heute mit einem Verlust von 165,900 Logiernächten aufwarten, was bei einer Tagesausgabe von durchschnittlich 25 Franken einem indirekten Exportausfall von 4,14 Mail. Fr. entspricht. Selbstverständlich wird sich niemand ob dieser bescheidenen Ziffer irgendwelche Ge- Sertao kriecht und bläuliche dampfende Schwaden den Fluten entschweben. Klirrend schlagen meine Zähne aufeinander, und der erste krampfhafte Ruck des nahenden Fieberanfall durchzuckt mpinen Leib. Benito drängt mich in die Bar, wo Lampen goldenes Licht verströmen. Henderson sitzt allein am Tisch, eine tiefe Zornfalte zwischen den Augen. Die beiden Kerle sind fort Schätze, dass sie nicht gut pokern können, aber der Urubu versteht's. Ist 'n purer Gauner wie selten einer, kalkuliere ich! » brummt er ärgerlich. Der Raum ist ziemlich leer. Es sind nur noch die Mädchen da und jene Männer, acht an der Zahl, die sich vorhin auf meine Seite schlugen. Urubu poliert Gläser. Der vierschrötige Brasilianer wendet sich an uns. «Ich habe einen halben Pistolenschuss von hier zwei leere Pfahlhäuser stehen. Sie sind zu Ihrer Verfügung, Senhor es! Wenn Sie nicht» — geringschätzig schaut er Urubu an — « wenn Sie nicht im Grand Hotel bleiben wollen! » Sara und Carmella, durch ein Nicken Urubus aufgefordert, trippeln heran, die erste lächelt: « O Senhores, ihr lieben kleinen Gringos, ihr bleibt doch bei uns? Unsere Hängematten sind bereit! » Erwartungsvolle Stille, die durch ein leises INSERTIONS- PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp, Grössere Inserate nach Spezialtarit Inseratenschlnss 4 Tane vor Erscheinen