Aufrufe
vor 9 Monaten

E_1935_Zeitung_Nr.090

E_1935_Zeitung_Nr.090

BERN, Freitag, 8. November 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N» 90 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jahrlieh Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mil Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 10— Erseheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage ,Aütler-Feierabend". Monatlich 1 mal ..Gelbe Liste'" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Ädresse^Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zlrleb: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif Inseratenschluss 4 Tage vor Enchelnen der Nummern tDie notwendige Steuevteuiswn Unter dem Druck der Verhältnisse mehren sich die Stimmen sehr rasch, welche eine grundlegende Aenderung in der Veranlagung der Motorfahrzeugsteuern verlangen. Wir haben in unserem Blatt schon vor vielen Monaten die Frage aufgeworfen, ob- das so veraltete System der Besteuerung nach der motorischen Leistung eines Fahrzeuges nicht durch eine direkte Verbrauchssteuer ersetzt werden sollte, wobei die schweren Wagen und solche, die mit anderen Betriebsstoffen als Benzin gespiesen werden, besonders zu behandeln wären. Die Meinungen gingen, soweit sie überhaupt schon gebildet waren, zuerst weit auseinander, aber unter dem Druck erneuter steuerlicher Belastungen und auf Grund der im Ausland gemachten Erfahrungen wendet *ich die Aufmerksamkeit doch immer mehr den Lösungen in der Richtung der direkten Besteuerung zu, welche im Zusammenhang mit der Intensität der Fahrzeugbenützung steht. Einen beachtenswerten Beitrag in dieser Richtung stellt die Eingabe der Sektion Aargau des A.C.S. an den Regierungsrat dar, welche vom T.C.S., der Aspa und weiteren kantonalen Organisationen unterstützt wird. Die darin gemachten Vorschläge sind in unseren Spalten einzeln schon wiederholt behandelt und auf ihre Berechtigung hin näher gewürdigt worden. Ihre Zusammenfassung in der Eingabe gibt eine orientierende Uebersicht von den dringendsten Wünschen der Motorfahrzeughalter, wie sie sich nicht nur auf den Kanton Aargau beschränken, sondern überall auf dem Gebiet der Schweiz die nämliche Geltung haben. Wir geben daher nachstehend die hauptsächlichsten Gedanken dieses Memorials wieder: Wenn in einer Eingabe an die kantonale Regierung auch die Benzinzollfrage zur Sprache gebracht wird, so geschieht dies deshalb, um auf die für den kantonalen Finanzhaushalt unliebsamen Folgen der Benzinzollerhöhung aufmerksam zu machen. Denn der Bundesrat hat sich über die Tragweite seiner Finanzpolitik insofern im Irrtum befunden, als er glaubte, den Ertrag des erhöhten Benzinzolles auf der bisherigen Einfuhr berechnen zu dürfen. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass diese Zollerhöhung für den Benzinkonsumenten nicht allgemein tragbar ist. Bei Motorfahrzeugen, die im Dienste von Handel, Gewerbe und Industrie stehen, wird eine rationellere Benützung dieser Fahrzeuge angestrebt Werden. Aber auch der heute verschwindend kleine Teil von Bürgern, die ihr Fahrzeug weniger für geschäftliche Zwecke denn zum Sport und Vergnügen halten, wird der allgemeinen Spartendenz entsprechend die jährliche Kilometerzahl zu vermindern suchen. Der Erfolg der bundesrätlichen Massnahme besteht also in einem Rückgang des Benzinkonsums, womit der Benzinzollertrag hinter den Erwartungen zurückbleiben wird. Für die kantonalen Finanzen wird sich die Folge solcher Einsparungen im Benzinkonsum vielleicht vorerst nur indirekt auswirken, etwa durch Rückgang der Steuerkraft der im Automobilgewerbe tätigen Personen oder durch Erhöhung der Zahl der Arbeitslosen. Wir glauben jedoch in der Annahme nicht fehl zu gehen, dass sich auch schon direkte Auswirkungen bemerkbar gemacht haben und dass weitere unliebsame Folgen unausbleiblich sein werden. Hierher gehört vor allem der Rückgang hoch- und mittelpferdiger Motorfahrzeuge und ihr Ersatz durch niedrigpferdige Motoren. Die kantonale Motorfahrzeugkontrolle wird ihrer vorgesetzten Behörde die Richtigkeit dieser Feststellung bestätigen können. Wenn diese Tendenz auch schon vor der letzten Benzinzollerhöhung eingesetzt hat, mithin zum Teil auf andere Faktoren zurückzuführen ist, so wird doch die untragbare Belastung des Benzins den Kauf kleiner Wagen noch mehr fördern. Der Automobilist wird jedoch nicht nur darnach trachten, seine Betriebskosten durch Haltung eines kleinen Wagens herabzusetzen, wodurch der Staat im Ertrag seiner Verkehrseinnahmen geschmälert wird, sondern er wird, sofern ihm sein Fahrzeug ganz oder doch zeitweise entbehrlich ist, dieses auch aus dem Verkehr zurückziehen. Schon in den letzten zwei Jahren ist festgestellt worden, dass viele Motorfahrzeughalter von der Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, ihr Fahrzeug gegen entsprechend» Ermässigung der Verkehrstaxe erst am 1. April oder gar erst am 1. Juni zu lösen. Wir sind davon überzeugt, dass- -die -zeitweise oder- .gänzliche Rückgabe der Kontrollschilder auf Neujahr 1936 in erheblich grösserem Umfang erfolgen wird. Die finanzielle Belastung des Motorfahrzeugbesitzers, die mit der bundesrätlichen Massnahme vom Juni dieses Jahres ihren Sättigungsgrad erreicht hat, beschränkt sich nun nicht nur auf die Abgabe auf dem Benzin. Neben die indirekte Steuer des Bundes tritt die 'direkte kantonale Steuer und die Prämie für die obligatorische Haftpflichtversicherung. Diese ausserordentliche Belastung soll hier am Beispiel eines Personenwagens der mittleren Steuerklasse von 15 PS bei einer durchschnittlichen jährlichen Kilometerzahl von 20,000 km veranschaulicht werden : Benzinzoll bei einem Verbrauch von 15 1 pro 100 kirn zu 23^ Rp. Fr. 705.— Automobilsteuer > 350.— Haftpflichtprämie nach Normaltarif > 270.— Zusammen Fr. 1325.— In dieser Aufstellung sind nicht enthalten der Einfuhrzoll, sofern es sich um ein Motorfahrzeug ausländischer Herkunft handelt und die jährliche Abschreibung, mit der ein sorgfältiger Kaufmann zu rechnen hat Hiervon abgesehen ist die Belastung auf dem Benzin, mit der Verkehrssteuer und der vom Staate geforderten Haftpflichtversicherung schon derart, dass sie in den gegenwärtigen durch Kapital- und Einkommensrückgang gekennzeichneten Zeiten für die Mehrheit der Motorfahrzeughalter schlechterdings nicht mehr tragbar ist. Ein Vergleich mit den umliegenden Staaten zeigt, dass das Automobilfahren in der Schweiz erheblich teurer zu stehen kommt als in den umliegenden Staaten. Wenn dabei auf den noch etwas höhern Benzinpreis in Frankreich, Italien usw. hingewiesen wird, so wird übersehen, dass diese Staaten die Verkehrssteuer ganz oder teilweise in der Form einer Benzinsteuer erheben, die im Benzinpreis inbegriffen ist. Die Verkehrsverbände haben seit geraumer Zeit die Möglichkeit einer andern, gerechteren Steuerbemessungsgrundlage geprüft, bei der die Anzahl der gefahrenen Kilometer, das Gewicht des Fahrzeuges und dessen Schnelligkeit als Maßstab für die Steuer gilt, wobei aber der Fiskus trotzdem auf seine Rechnung kommen soll. Denn bei der geltenden Steuerbemessung, die bei ihrer Einführung in den Anfängen des Autotourismus das Motorfahrzeug als Luxusgegenstand erfassen wollte und daher lediglich auf die Motorstärke abstellt, wird gerade der spezifischen Bestimmung des Motorfahrzeuges nicht Rechnung getragen, indem die Anzahl der gefahrenen Kilometer bei der Steuerbemessung nicht berücksichtigt werden. Die Benzinsteuer, also die Erhebung der Verkehrsgebühr in der Form eines Zuschlages auf dem Benzin ist das Steuersystem, das eine radikale Lösung der bestehenden Schwierigkeiten ermöglicht. Von den zahlreichen Vorteilen dieser Besteuerungsart seien erwähnt: a) Wagen älterer Konstruktion, deren Handelsiwert in keinem Verhältnis steht zu der dem Staate schuldigen Autotnobilsteuer werden nicht durch vorzeitigen Rückzug aus dem Verkehr entwertet, weil nicht mehr die Pferdestärke, sondern der gefahrene Kilometer bzw. der hierfür benötigte Benzinverbrauch die Grundlage der Steuerbemessung bildet. b) Die Steuer wird fällig und zwangsweise bezahlt, sobald der Wagen in Verkehr gesetzt wird. Der Automobilist, der während der schlechten Jahreszeit oder aus persönlichen Gründen wie Krankheit, Auslandsabwesenheit usw. seinen Wagen vorübergehend aus dem Verkehr zurücknimmt, hat während dieser Zeit keine Verkehrssteuer zu entrichten. c) Der Besitzer mehrerer Motorfahrzeuge trägt die Steuerlast jeweils nur für den Wagen, den er in Verkehr setzt. Wir berichten heute Ober: Steuerermässigung für Motorfahrzeuge inländischer Herkunft. Lurani fährt 4 neue internat Rekorde. M. Campbell über seine Rekordfahrten. Ein Schweiz. Personenwagen- Dieselmotor. New Yorker Autoschau. Bilder: Seite 6. d) Der ausländische Automobilist, der heute während drei Monaten steuerfrei unsere teuren Strassen benützt, wird mit dem Grenzübertritt nach Massgabe der gefahrenen Kilometer ebenfalls steuerpflichtig. " ' Die Benzinsteuer ist jedoch nicht nur ein Steuersystem, das den Wünschen des Motorfahrzeughalters Rechnung trägt, sondern sie ist auch aus fiskalischen Gründen die einträglichere Steuer, indem sie zu einer Belebung des Automobilmarktes beiträgt und sich daher zum Vorteil des Staates auswirkt. Wir sind uns bewusst, dass wir hier eine Idee verfechten, deren Verwirklichung namentlich mit Rücksicht auf die kantonale Steuerhoheit grosse Schwierigkeiten, vorab auf verfassungsrechtlichem Gebiete bereiten wird. Es ist auch nicht in erster Linie Aufgabe eines kantonalen Verbandes, hier einen Vorstoss zu wagen, denn das Problem kann nur auf eidgenössischem Boden gelöst werden. Wenn wir uns trotzdem erlaubt haben, der gegenwärtigen Besitzessteuer die Benzinsteuer als das gerechtere, wirtschaftlichere und zugleich finanzpolitisch richtigere System gegenüberzustellen, so geschah es zur Veranschaulichung der Untragbarkeit der gegenwärtigen Steuerbemessung. Weil eine Aenderung des kantonalen Steuerrechts durch Revision der Bundesverfassung in der nächsten Zukunft nicht zu erwarten ist, der derzeitige Zustand jedoch für den Automobilisten untragbar und den Fiskus verhängnisvoll ist, so ist für die Zwischenzeit eine fortschrittliche Abänderung und Ergänzung der kantonalen Steuerbedingungen geboten. Es handelt sich um folgende Vorschläge: Es sei für den Halter von zwei oder mehreren Motorfahrzeugen, die nur abwechslungsweise in. Blumenhölle am Jacinto. Urwalderlebnis. Von Ernst F. Löhndorff. (7. Fortsetzung.) Wenn es entzweigeht und uns nicht dabei gerade Piranhas oder Krokodile holen, so baut man einfach im Laufe einer Stunde ein neues. Heil dem Palmetto! Wir steigen ein, finden nach einigen Umstauungen des Gepäcks die richtige Ausbalancierung und rudern mit den rasch aus Rattan und Schilf zusammengeflochtenen Paddeln durch die Baumgruppen dem offenen Wasser zu. Krokodile glotzen uns an, eines macht Miene, das seltsame Kanu anzugreifen, aber ich lehne mich stark nach Backbord, indes Henderson von steuerbord dem Tiere mit dem Gewehr auf die Schnauze schlägt, dass es halb betäubt zurückbleibt. Nun ist noch eine Baumgrotte zu durchfahren. Zu beiden Seiten schiessen die rebenbewachsenen Stämme schräg aus dem Wasser, vereinen hoch über uns ihre grünen Kronen, von denen geringelte Lianen herabbaumeln. Hier ist das Wasser schon tief, und im Flimmern der sich in schwarzer Flnt brechenden Lichtstrahlen zucken und schnellen die Silberleiber vieler Piranhas hin und her. Wir haben noch eine Affenkeule bei uns, die schon arg stinkt und daher ungeniessbar ist. Henderson packt sie am Knochen und hält sie über den Bootsrand. Im Nu quirlt und rauscht das Wasser an kreisrunder Stelle, als ob ein gigantischer Schaumschläger am Werke ist. Hin und wieder sehe ich schlanke Fischleiber blitzen. Henderson schaut auf die in dickem Schutzgehäuse gepanzerte Armbanduhr, die vorläufig noch geht. Lange aber sicher nicht mehr, denn sie wird innen total verrostet sein! «Allright. Eine Minute ist vorbei!» sagt er und zieht die Keule hoch. Schimmernd fallen sich windende Leiber zurück in ihr Element. Und die Keule ist nur noch ein Knochen. Fleisch und Sehnen frassen die Piranhas mit ihren dreieckigen Scherengebissen in dieser unglaublich kurzen Zeit ab. Ja, einst sah ich einen Ochsen nach langem Zögern durch einen Nebenfluss des Rio Xingu im Sertao waten. Das Wasser ging ihm bis an die Schultern und war vielleicht 30 Meter breit. In der Mitte angekommen, fing das Tier furchtbar an zu brüllen, verdoppelte seinen Lauf, und ringsherum kochte und quirlte Schaum, geschmeidige Fische schnellten im Bogen an die Oberfläche. Der Ochse erreichte das Ufer. Entsetzlich blutend sank er nieder und starb. Denn die Piranhas, die ihn überfielen, hatten ihn schon halb skelettiert. Es gibt eine Sage in der nordischen Edda von Thors Riesenfahrt nach Jötunheim zu König Utgardloki. Es werden Wettkämpfe zwischen den Riesen und Thor mit seinen Begleitern ausgefochten. Zwischen einem Diener des Riesenkönigs und dem listigen Loge wird ein gewaltiger Holztrog voll Fleisch aufgestellt. Beide setzen sich daran, und auf ein Zeichen essen sie drauflos. Wie sie in der Mitte des Troges anlangen, hat Loge das Fleisch verzehrt. Es stellt sich aber heraus, dass König Utgardlokis Mann nicht nur das Fleisch, sondern auch die Knochen und die Hälfte des hölzernen Backtroges mit aufgegessen hat. Die alten Skalden wussten nichts von Brasilien, denn sonst hätte Asathor statt des vielgewandten, ränkevollen Loge sicher den König der Sertaogewässer, den schlanken, silbernen Piranha genommen, um gegen König Utgardloki siegreich zu bestehen! Das Palmettokanu schwankt und rollt hin und her, als Henderson vorsichtig aufsteht und hinauf zeigt. In langen Schnüren, stellenweise richtige Netee bildend, hängen Lianen herab. Ganz oben, dicht unter dem Blätterdach, glüht es wie zwei violette Lichter. Orchideen ! «Dacht' ich's doch! Die sind selten, wollen wir holen!» murmelt er. Und mit einmal, ich weiss selber nicht wie, bin ich aus dem Kanu, hänge schon mannshoch über Hendersons schmunzelndem Gesicht, in den Lianen. Ein fabelhafter Reiz liegt in der höllischen Kletterfahrt. Mein Blut prickelt und singt Einmal bleibt mir aber das Herz stehen. Ohne vorherige Warnung sackt das ganze Lianengewebe, an dem ich wie die Spinne im Netz hänge, ruckweise ein paar Fuss tiefer. Noch im letzten Moment finde ich das Gleichgewicht. Gerne möchte ich nun umkehren. Aber das geht nicht, es wäre feige! Weiter also. Zwanzig Meter hinauf, die Höhe eines vierstöckigen Hauses, klimme ich langsam und mit wachsender Vorsicht. Und als ich endlich bei den, zwei Blüten anlange, bin ich entzückt von ihrer violetten, goldgelb umsäumten Schönheit!' Ich schneide das ganze Bündel ab, diesen Klumpen verfaulter Schlingpflanzen und Schösslinge, dem sie entsprossen, und stopfe sie zwischen Hemd und Brust. Wieder gleite und steige ich langsam hinab, lande tief aufatmend im Kanu, wo Henderson die Beute in Empfang nimmt. «Herrliche Pflanzen! Schade, dass Willis nicht da ist!» sagt er und fügt hinzu: «Habe damals schon in der Bucht des Vierundzwanzigstundentodes kalkuliert, dass ein