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E_1935_Zeitung_Nr.095

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 26. NOVEMBER 1935 — N r 95 Ppük« Die Handbremse ist bei den meisten modernen Wagen nur noch als Parkierbremse gedacht und sollte deshalb, auf der Fahrt nur ausnahmsweise gebraucht werden, beispielsweise zur Ablösung der Fussbrerrise an langen Gefällen. Solche ausgesprochenen Feststellbremsen werden fast immer sehr bald heiss und nützen sich rasch ab. -s Ein praktischer Werkzeughalter kann aus einem aufgeschnittenen alten Luftschlauch hergestellt werden. An einem Brett oder an der Wand über der Werkbank nagelt man den Schlauch in Abständen von etwa 3—5 cm fest, so dass man dann die Werkzeuge in die entstehenden Taschen hineinstecken kann. Damit die Nagellöcher nicht ausreissen, wird über jeden Nagel vor dem Einschlagen eine breite Uhterlagsscheibe gesteckt, -at- Grössere Risse in den Schläuchen dürfen nicht einfach geflickt werden, denn sie würden meist unter den aufgeklebten Flicken weiter reissen. Man bohre an jedem Ende des Risses ein Loch. Das geschieht am besten, indem man einen Draht heiss macht und damit das Loch in den Schlauch brennt. Ist man unterwegs, so kann der Draht in der Azetylenflamme erhitzt werden oder auch in einem kleinen Feuerchen, das man sich, genügend weit von der Maschine entfernt, mit einigen benzingetränkten Lappen angemacht hat Die beiden Löcher an den Enden des Risses verhindern das Weiterreissen des Schlauches mit Sicherheit. th. Alte Luftschläuche, die zur Bereifung nicht mehr brauchbar sind, lassen sich noch zu den verschiedensten Zwecken verwenden. Dass man Abschnitte davon zum Schlauchflicken verwenden kann, ist eine altbekannte Tatsache. Weniger bekannt ist aber, dass man ausgezeichnete Gummibänder erhält, mit denen man Werkzeug- oder Ersatzteilschachteln usw. verschliessen kann, wenn man der Quere nach fingerbreite Stücke vom Schlauch abschneidet. Fängt man an einem Schlauch-Ende an und schneidet um denselben Spiralen, so erhält man einen Gummistreifen von grosser Länge, der beispielsweise zum Zusammenbinden von Gegenständen benützt werden kann x Einen weniger langen, aber breiteren Streifen erhält man durch Aufschneiden des Schlauches in der Längsrichtung. Werden in diesen Streifen eine Anzahl kurzer, paralleler Längsschnitte gemacht und in die entstehenden Schlaufen die Werkzeuge gesteckt, wird das Ganze dann zusammengerollt und durch das oben beschriebene Gummiband zusammengehalten, so hat man ein geräuschsicheres Werkzeugetui. -s. « Hurnigelnde Finger ». Jeder Automobilist kennt das wenig liebliche Gefühl, das eintritt, wenn man die beim Fahren in der Kälte erstarrten Finger an einem Ofen « auftauen » will. Nicht jeder weiss aber, dass man es ganz gut vermeiden, aber trotzdem in kurzer Zeit warme Hände haben kann. Man tauche dazu die Hände nur in kaltes Wasser und reibe die Finger gegeneinander etwa eine Minute lang. Die Blutzirkulation setzt dabei sofort aber glelchmässig wieder ein, ohne dass man die Wände hinaufzuspringen braucht. at. Wie reinigt man dünne Rohrleitungen ? Eine verstopfte Benzinleitung wird meist einfach durch Durchblasen gereinigt. Wer es ganz genau nehmen will, stochert noch etwas mit einem Draht drin herum, ohne aber nachher sicher zu sein, dass auch wirklich aller Schmutz entfernt wurde. Ein weitaus zuverlässigeres Reinigungsinstrument stellt eine der Drahtspiralen dar, wie sie bei Bowdenkabeln die äussere Hülle bilden. Eine solche Bowdenkabelhülle hat meist gerade den richtigen Durchmesser und ist biegsam genug, um auch Krümmungen in der Rohrleitung folgen zu können, ma. Ted *dh«» Winke *f» '«&dh Frage 9662. Alkohol als Betriebsstoff. Lassen sich bei einer Sportmaschine grössere Geschwindigkeiten erreichen, wenn man anstatt Benzin Alkohol als Betriebstoff verwendet? Mit «inem wie grossen Gewinn an. Kilometern ist zu rechnen?- F.K.inT. Antwort: Die Verwendung von Alkohol würde nur einen geringen Gewinn an Geschwindigkeit ergeben,'wenn Sie nicht'gleichzeitig die Kompression des Motors erhöhen. Der Vorteil des, Alkohols als Brennstoff ist gerade der, dass er die Anwendung höherer Kompressionsverhältnisse gestattet, ohne dass die Gefahr von Selbstzündungen eintritt. Erst durch die erhöhte Kompression wird dann der beträchtliche Geschwindigkeitsgewinn erzielt. Für Alkoholbetrieb muss die Düse etwas grösser gewählt werden. Frage 9663. Akkumulatoren Im Winter. Besteht eine Gefahr, dass die Schwefelsäurelösung der Akkumulatoren im Winter einfriert? S. H. in N. Antwort: Diese Gefähr besteht praktisch nur, wenn die Batterie nicht aufgeladen ist. In diesem Zustand ist nämlich die Säuredichte geringer und sinkt bis auf ein spezifisches Gewicht von 1,10, wobei ein Gefrieren schon bei 5 Grad G. unter Null eintreten kann. Schwefelsäure mit einer Dichte von 1,19 gefriert dagegen erst bei —28 Grad C. und bei —55 Grad C, wenn sie eine Dichte von 1,4 aufweist. Akkumulatoren sind deshalb im Winter immer in geladenem Zustand zu halten. Man prüfe auch des öftern im Winter die Löcher der Verschlußstöpsel nach, da diese leicht zugefroren sein können, so dass beim Laden durch die Gase ein Druckanstieg in den Zellen eintritt, der die Behälter sprengen kann. Muss man im Winter destilliertes Wasser nachfüllen, so ist die Batterie kurze Zeit nachher aufzuladen, damit sich das Wasser mit der Schwefelsäure mischt und nicht über der Säure stehen bleibt und einfriert. Frage 9664. Glührohrzündung. Was versteht man unter Glührohrzündung, wie sie ganz früher angewendet worden sein soll, und wie arbeitet diese? P. A. in S. Antwort: Bei den alten Motoren mit dieser Zündungsart ragte ins Innere des Verbrennungsraumes ein" von aussen mit einer Flamme erhitztes Röhrchen hinein. Während des Kompressionstaktes wurden frische Gase in den Hohlraum dieses Röhrchens hineingedrückt, wo sie sich an den glühenden Wandungen entzündeten und hierauf die Entflammung der übrigen Gasladung einleiteten. Eine Erhitzung des Glührohres von aussen war nur so lange notwendig, bis der Motor anlief; von da an geschah sie automatisch durch die Explosionen. Ein ähnliches Zündungssystem findet heute wieder bei Rohölmotoren Anwendung, die sogenannte Glühkopfzündunsr. -at- Frage S665. Wechsel der Akkumulatorensäure. Die elektrische Licht- und Anlasseranlage meines Autos hat nun fast vier Jahre lang ohne die geringste Störung gearbeitet und dabei wurde nur zeitweise destilliertes Wasser in die Akkumulatoren nachgefüllt. Nun will ich aber auf den Rat eines Freundes hin die Schwefelsäure wechseln. Kann ich dabei so verfahren: die Kabelanschlüsse lösen, die alte Säure entleeren und neue einfüllen, dann die Anschlüsse wieder herstellen und zur Wiederaufladung des Akkumulators eine grosse Strecke abfahren? E. H. in F. Antwort- Durch das Entleeren der alten- Säure wird der Akkumulator nicht entladen. Sie können also die alte Säure durch frische ersetzen, ohne nachher wieder aufladen zu müssen, wenn der Akkumulator in geladenem Zustand entleert wurde. Je nach dem Ladungszustand des Akkumulators muss mit verschieden konzentrierter Säure frisch aufgefüllt werden. Nehmen Sie den Säurewechsel bei geladener Batterie vor, so muss die frische Säure ein spezifisches Gewicht von 1,24 oder eine Dichte von" 28 Grad Beaume aufweisen. -at- I—»i«t S.» Anfrage 358. Schadenersatz. Mit massiger Geschwindigkeit wollte ich eine Kreuzung passieren. Genau in der Mitte derselben bemerkte ich einen von links kommenden Motorradfahrer. Durch den Zusammenstpss erlitt der Motorradfahrer leichte Verletzungen, wobei auch das Motorrad jeitjht b$s schädigt wurde. .,•-•" In der Folge wurde ich vom Bezirksgericht zu Fr. 24.— Busse und den Kosten verurteilt, wegen Schneiden der Kurve. Der Motorradfahrer wurde freigesprochen und seine Forderung, zirka 60 Fr. 1 , auf den Zivilweg verwiesen. Ich sandte ihm meine Rechnung im Betrage von Fr, 200.— mit dem Ersuchen, dieselbe an seine Versiche'rüng weiterzüleiten. Sie kam "aber von der Generalagentur zurück mit dem Vermerk: Da H. von dem Gericht nicht verurteilt wurde, sei er nicht haftpflichtig und die Versicherung lehne daher die Forderung ab. Ist die Versicherungsgesellschaft ersatzpflichtig und wie kann ich gegen dieselbe vorgehen? J V. in L. Antwort: Bei der Beurteilung der Schuld oder Nichtschuld ist der Richter an die Bestimmungen über die strafrechtliche Zurechnungsfähigkeit oder an eine Freisprechung durch das Strafgericht nicht gebunden. Ebenso ist das strafgerichtliche Erkenntnis mit Bezug auf die Beurteilung der Schuld und die Bestimmung des Schadens für den Zivilrichter nicht verbindlich. Der Zivilrichter hat somit die Frage, ob ein Verschulden vorliegt, das zu Schadenersatz verpflichtet, stets unabhängig vom strafgerichtlichen Urteil zu prüfen. Es scheint uns, dass den Motorradfahrer zum mindesten zivilrechtlich ein Verschulden trifft, indem er Ihnen den Vortritt von rechts zu lassen hatte, vorausgesetzt, dass die Kollision in einer Ortschaft erfolgt ist, wo immer das Vortrittsrecht von rechts gilt, oder vorausgesetzt, dass sich der Motorradfahrer nicht auf einer Hauptstrasse befand, für die ausserorts das Vortrittsrecht von rechts aufgehoben ist. Zweifellos hat der Motorradfahrer sein Fahrzeug nicht beherrscht, denn er hätte Ihnen den Vortritt lassen sollen. Dass aber auch das Schneiden der Kurve mit zur Kollision beigetragen hat, scheint ausser Zweifel zu stehen. Jedenfalls trifft Sie ein Mitverschulden, so dass Ihnen von der Gegenseite nur ein Teil Ihres Schadens zu vergüten ist, d. h. es wird entsprechend dem Prozentsatz Ihres Verschuldens die Schadenersatzpflicht des andern reduziert. Wenn die Versicherung des Motorradfahrers jede Zahlung verweigert, müssen Sie den Motorradfahrer oder die Versicherungsgesellschaft direkt auf Schadenersatz einklagen, wobei nur derjenige Schadenersatzbetrag einzuklagen wäre, der nach Abzug des eigenen Mitverschuldens übrig bleibt. * Luftfahrt Vom Luftverkehr über den Nord-Atlantik. Eigentlich ist das Problem eines regelmässigen Luftverkehrs über den Nordatlantik so alt wie die Fliegerei. Aber was einst Traum war, was noch phantasievolles Projekt blieb, als ein Lindbergh und andere das Meer überflogen hatten, das Europa von Nordamerika trennt, das ist heute Realität. Es kann kein Zweifel bestehen, dass die Eröffnung eines regelmässigen Luftverkehrs zwischen Europa und Nordamerika bevorsteht. Zweifellos wird der neue LZ 129, das grosse Zeppelinluft- Die Deutsche Versuchsanstalt für Luftschiffahrt in Adlershof bei Berlin hat in der letzten Zeit einen Ausbau erfahren, der sie zu den leistungsfähigsten aerodynamischen Forschungsstätten der Gegenwart stempelt. Neu errichtet wurde u. a. der oben dargestellte grosse Windkanal, bei dem in einem elliptischen Luftstrom von 5X? m Aphsenlänge und 65 m/sek. Maximalgeschwindigkeit Flugzeugrümpfa von normaler Grosse und Flugmotoren auf ihre aerodynamischen Eigenschaften hin geprüft werden können. Der den Luftstrom erzeugende Elektromotor leistet bis 2700 PS, sein 8flügliger Propeller hat 8,5 m- Durchmesser, a == abnehmbare Mündung, b = Messkammer, c = Diffusor, d = Umlenkschaufeln, e = Motor, f = Propeller, g = Gleichrichterschaufeln, h = Regulierschlitzte, i = Gleichrichter, k — Hauptdüse, 1 = Bureau, m = 'Pumpenkammer, n = Schältraum. schiff, dem Flugbetrieb « schwefer als Luft» die Ehre der Eröffnung vorwegnehmen. Aber ; das Flugzeug wird folgen. Wahrscheinlich wird das schön.;, sehr bald der Fall sein. Interesse daran besteht sowohl von amerikanischer Seite (obschori die Vereinigten Staaten gegenwärtig rnit der Verwirklichung ihrer Luftverkehrspläne über den Pazifischen Ozean beschäftigt; sind) wie von europäischer Seite, wo ganz besonders England und Deutschland, aber auch Frankreich, sich stark für den Nordatlantik interessieren. Die Diskussionen über dieses Thema im laufenden Jahr haben sogar ab und zu zu einigen Aufregungen in 'Schiffahrtskreisen geführt Es. sind Studien für Wasserflugzeughäfen aufgenommen worden, und zeitweise; bestand ein richtiger Wettbewerb zwischen den interessierten und von eirierri projektierten Ozean-Luftverkehr wahrscheinlich berührten Hafenstädten. Zunächst ist es dann wieder ruhiger geworden, als man* vernahm, dass die Imperial Airways, welche eine umfangreichere -Elugbootflotte-im Bau habeo,,erst im Jahre 1937 bereit sein werden und dass diese grosse englische Gesellschaft ausserdem beabsichtige, dieses neue Material in erster Linie auf ihren grossen Strecken nach dem Kap und nach Australien und China einzusetzen. In letzter Zeit vernahm man dann aber von deutschen Plänen, welche bereits vor naher Verwirklichung stehen sollen. Und zwar plant Deutschland Versuche' zur Ueberquerung des Nordatlantik mit den neuen, mit Schwerölmotoren ausgerüsteten Dornier-Wal- Booten unter Zuhilfenahme derselben Hilfsmittel, wie sie bei dem bereits regelmässig durchgeführten Flugdienst über den Südatlantik benützt werden: den Katapultsehiffen. Es darf bereits mit aller Wahrscheinlichkeit damit gerechnet werden, dass im kommenden Jahr die deutsche Luftpost nicht nur mit dem neuen Zeppelin, sondern auch mit Flugbooten über den nordatlantischen Ozean befördert werden wird, zunächst natürlich, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Die Luftlinie zwischen Nordamerika und Europa zeichnet sich in erster Linie durch das Fehlen geeigneter Stützpunkte für Zwischenlandungen aus. Die südliche Route über die Azoren und Bermuda hat zunächst lange im Vordergrund des Interesses gestanden, besonders auch, weil sie viel günstigere meteorologische Verhältnisse aufweist. Aber obschon die Frage eines ausbaufähigen Stützpunktes auf den Bermudas sowohl von englischer wie von amerikanischer Seite in gemeinsamer Arbeit studiert wird und die Durchführung des Projektes wahrscheinlich ist, scheint sich die Aufmerksamkeit der Fachkreise doch wieder stärker der Nordroute zuzuwenden. Sie führt von England über Neufundland zum nordamerikanischen Kontinent. Auch in Neufundland, das ebenfalls keine Basis aufweist, sind Studien im Gange. Denn die Nordroute ist vor allem kürzer, wenn sie auch sonst allerhand Nachteile aufweist. Das sind vor allem die unbeständigen, meistschlechten meteorologischen Konditionen. Es lässt deshalb auf den hohen Stand der Technik schliessen, dass trotzdem die Verwirklichung des Nordatlantikprojektes über die Nordroute zur Ausführung kommen wird. Hinsichtlich des zu verwendenden Flugzeugmaterials gingen die Meinungen lange auseinander. Es ist zuzugeben, dass heute schnelle Landflugzeuge vorhanden sind, welche die Strecke London—New York im Nonstopflug (zirka 3600 km) zurücklegen können. Aber mit Rücksicht auf die immerhin vorhandene Möglichkeit einer erzwungenen Landung haben sich die streitenden Parteien gefunden, und heute herrscht so ziemliche Einstimmigkeit über die Sache: Es sollen Flugboote verwendet werden, weil sie im Falle einer Notlandung auch dem stürmisch bewegten Ozean eher standzuhalten imstande sind. Ueber die zu verwendenden Typen.bestanden verschiedene Wünsche. Die einen davon tendierten immer wieder zu jenem Riesenflugboot, das imstande sein sollte, eine Nutzlast, von rund 500 Tonnen zu transportieren. Aber, diese Projekte scheinen zunächst noch an ifinanziellen Schwierigkeiten zu .scheitern. Denn die Kosten gehen in die Millionen*. Die andern Pläne gehen auf eine sehr -schnelle Wassermaschine, deren Zuladung so hoch als möglich, jedenfalls höher als diejenige irgendeines andern Verkehrsflugzeuges geschraubt werden- soll, weil man annimmt, dass die Maschine nach 2000 Meilen Flug in der Regel rein durch den Brennstoffverbrauch leicht genug geworden sei, um eine absolut sichere Wasserung im Hafen ausführen, zu können. Diese Projekte werden zunächst nun ausgeprobt, und zwar von den Imperial Airways, welche eine entsprechende Type im Bau haben, obschon es noch Fachleute gibt, welche der Ansicht sind, dass auch dieser Versuch keine ausbeutefähigen praktischen Erfahrungen für den Nordatlantik-Luftverkehr bringen werde. Derweilen sind allerdings die Amerikaner bereits einen Schritt weitergekommen. Der Aufmerksamkeit der alten Welt stärker entrückt, haben sie ihr Versuchsfeld auf den für sie wichtigeren Pazifischen Ozean verlegt Dort haben die Amerikaner zunächst die Jarvis- und Bakerinseln mit Beschlag belegt Es handelt sich um drei bisher herrenlose Felseninseln, welche lediglich hie und da von Koprajägern besucht werden. Da diese Inseln den Vorzug haben, auf relativ günstige Distanzen eine wenn auch etwas lose Brücke von den United States hinüber nach Japan und China zu bilden, sollen sie zu Sprungbrettern — lies Zwischenlandebasen — für den transpazifischen Luftverkehr ausgebaut werden. Jarvis liegt 1400 Meilen südlich von Honolulu, die Baker- und die Howlandihseln befinden sich etwa 1600 Meilen südwestlich von der Hauptstadt Hawais. Zwischen diesen beiden letztern liegen nur etwa 60 Meilen Wasser. Die Probeflüge sind bereits im Gange. Gelingt das Experiment, so rücken die Philippinen erheblich näher an die Staaten heran, und auch Kanton ist nicht mehr unerreichbar. Die Flüge gehen zwar ein wenig Zickzack von den Midwayinseln zur Wakeinsel hinüber und von hier scharf nach Süden zu den neu gewonnenen Inseln. Von dort werden sie nach Guam und Manila fortgesetzt, welche den Weg nach China öffnen und wo sich die Route nach Hongkong und Kanton teilt. Mögen auch die amerikanischen Versuche mehrheitlich andere als. nur Luftverkehrszwecke verfolgen, sie sind immerhin eine weitere Studienstufe für den Ozeanverkehr. Jedenfalls ist die Zeit nicht mehr allzu weit, bis die siegreiche Fliegerei die Ozeane der Welt überspannt haben wird, die bis vor kurj zem sich scheinbar unzugänglich ^gezeigt ha- 1 ben. vfp.

BERN, DIENSTAG, 26. NOVEMBER 1935 III. BLATT DER „AUTOMOBIL-REVUE" No9 5 Vxuiquaq Saqa OCH einem Vloedec* Dicht an der reissenden Strömung des Kazanflusses, nur einige Stunden Wegs von unserem Zelt entfernt, liegt ein einsames Grab, welches im letzten Winter ein Liebesdrama nicht alltäglicher Art abschloss. Uanguaq hiess ein junger und mutiger Renntierjäger, der an der Südküste des Hikoligjuaq wohnte. Jedes Jahr erlegte er viele Renntiere, aber er war einsam und hatte niemand, welcher sein Zeltfeuer brennend und seinen Topf kochend erhalten konnte, bis er müde und hungrig von seinen langen Jagden heimkehrte. Er musste ebenso wie andere ohne Sippe an den zufälligen Mahlzeiten des Lagers teilnehmen, ohne je die Freude zu fühlen, ins eigene Zelt treten und sich auf die weichen Bankfelle werfen zu können, während ein freundliches Weib dampfende Fleischstücke in geräumiger, fettduftender Holzschüssel aufträgt. Es hatte nicht den Anschein, dass Uanguaq je ein Ehemann werden sollte, denn im Lager war kein gleichaltriges Weib, um das er freien konnte, und er konnte auch zu keinem fremden Stamm wandern, um sein Glück zu finden; denn wie konnte er erwarten, dass Eltern ihre Tochter einem Elternlosen geben würden ? Und dies gerade war Uanguaqs Unglück; er hatte keine Sippe, keine Brüder, welche ihm Ansehen gaben in der kleinen Gemeinschaft, in der er lebte; was konnte es denn nützen, dass er in allen männlichen Leibesübungen tüchtiger war als die meisten ? Auf demselben Wohnplatz wohnten zwei Brüder, die beide verheiratet waren. Der jüngere hatte ein junges und schönes Weib, welches mit Uanguaq aufgewachsen war. Wenn es zufällig geschah, dass sie einander trafen, sprachen sie lange miteinander, länger vielleicht, als der gute Ton beim Wohnplatz es zuliess, und wenn sie sich trennten, fühlte Uanguaq doppelt schwer die Einsamkeit, die auf seinem jungen Leben lag. Ihn plagten Gedanken, vor denen er selber, erschrak. Wenn die Unruhe über ihn kam, griff er oft zu seinem Gewehr und wanderte, wenn andere zur Ruhe gingen, ins Land hinaus. Auf diesen Gängen spähte er nicht viel nach Wild aus, es war mehr ein Zufall, dass er sein Gewehr mitnahm; denn er ging dahin, ohne etwas zu suchen, schnell und ruhelos, wie. um Luft für etwas zu schaffen, das ihn drückte. So eilte er dahin, bis er in der Sonnenhitze des nächsten Tages im Schutz eines Steines umsank und in Schlaf fiel. Die meisten Renntiereskimos können in einem primitiven Zeichensystem schreiben, welches über die Küstenbewohner weither von Baffinland zu ihnen gekommen ist. Dort hat ein Missionar diese sehr einfachen Zeichen erfunden, die ein Alphabet darstellen und leicht erlernbar sind. Diese Hieroglyphen sind dann von Durchreisenden von Stamm zu Stamm gebracht worden. Ins Innere des Landes kamen sie von der Bevölkerung am Bakersee, welche in der Walfängerzeit zusammen mit den Küstenbewohnern in der Gegend der Chesterfildförde überwinterte. Es währte nicht lange und die übrigen Renntiereskimos erlernten diese Kunst ebenfalls, wenn sie während ihrer Handelsreisen zum Bakersee kamen. Man fand es wundervoll, dass man auf diese Weise sein Wort hören lassen konnte, ohne selbst zur Stelle zu sein, und dieses Gefühl von etwas Wunderbarem machte das Briefschreiben ausserordentlich populär bei diesen Leuten, die nur Gesang und Tanz haben, um sich ihre Freizeit zu vertreiben. Es geschah nun, dass Uanguaq eines Tages in seinem Fausthandschuh einen Brief fand; als er ihn aufriss und las, war er von dem jüngeren der beiden Brüder, die seine Lagergenossen waren. Der Brief war ganz kurz und meldete ihm, dass er getötet werden würde, wenn er nicht sofort aus der Gegend verschwände. Die Renntiereskimos haben einen sehr ein- Wir entnehmen dieses Kapitel dem in Nummer 87 des «Autler-Feierabend» besprochenen Buches «Rasmussens Thulefahrt». Am Parktor. fachen Sinn, der nicht auf viele Ueberlegungen eingestellt ist; wenn etwas Wichtiges geschehen soll, explodieren die Gedanken ruckartig, und dann geschieht etwas, was nicht lange vorbedacht ist. Uanguaq nahm deswegen die Herausforderung sofort an. Er verstand, dass das, was er tun musste, eine einfache Folge des Zwanges zur Notwehr war. Er wollte nicht flüchten, aber er wollte eine Frau haben, und die konnte er nur bekommen, wenn er den Männern, die ihm drohten, zuvorkam. Dann konnte er ja später zusammen mit der Frau, die fr gern hatte, immer noch flüchten. Die Brüder wohnten in zwei dicht aneinanderliegenden Zelten. Schon am nächsten Morgen, während sie noch schliefen, ging Uanguaq hin und erschoss sie. Das war sein Recht laut den alten Satzungen des Stammes. Hier ist der Tod nur der Tod, gleichgültig unter welchen Formen er kommt. Keiner- verlangt offenen Kampf, nur rasche Exekution. Der kleine Wohnplatz wurde durch die Schüsse und die Notschreie der zwei erschrockenen Weiber aus seinem Morgenschlaf geweckt. Als die schlaftrunkenen Männer aus ihren Zelten stürzten, um zu sehen, was geschehen sei, stand Uanguaq mit dem rauchenden Gewehr in der Hand unten am Ufer des grossen Sees. Sein Gesicht war weiss wie das Eis des Sees; ohne die Fragen, die an ihn gerichtet wurden, zu beantworten, rief er ununterbrochen und mit einer Stimme, die man durch das ganze « Heute habe ich Grossfang gehabt. Es ist frisches Fleisch im Lager, zwei Stück Wild mit zwei Schüssen ! » Die Frauen und Kinder des Lagers sahen mit Entsetzen auf den schreienden Mann unten am See; seine Augen starrten verwirrt in den Horizont, wie wenn sie nach einem Punkt weit, weit ferne suchten; und doch war sein Rücken gebeugt und die Schultern hingen schlaff und ohne Willen herab. Keiner im Lager dachte daran. Uanguaq für seine Tat verantwortlich zu machen. Er hatte selber gerichtet, und da die beiden Brüder keinerlei Anhang hatten, ging die Sache niemand etwas an. Uanguaq hatte eine Herausforderung erhalten, war aber seinen Feinden, die doppelt so stark waren, wie er selber, zuvorgekommen. Das war geschehen, ohne dass die Satzungen des Stammes für die Entscheidung zwischen Männern in irgend einer Weise verlezt worden waren. Aber dann geschah das Merkwürdige, dass Ratlosigkeit über Uanguaqs Sinn kam. Alles das, was hinter seinem Beschluss gelegen hatte, entglitt ihm in einen Nebel hinein. Er war nicht sentimental und er bereute nicht, was er getan hatte, denn er war sich klar darüber, dass er nur für sein Leben gekämpft hatte. Aber das, was ihm wertvoller als sein eigenes Leben erschienen war, versank nun in der Lähmung über den Mord an zwei Menschen. Uanguaq war nicht schlecht und er hatte gar nicht daran gedacht, dass nach jedem Mord ein Rückschlag erfolgt. Er konnte dem Gefühl nicht entrinnen, dass es nicht so leicht sei, zwei Jagdkameraden totzuschlagen, auch wenn ein Weib dazwischen steht. Seine Rastlosigkeit wuchs und er kam gar nicht dazu, seine Pläne auszuführen. Die Lagergenossen sahen ihn schief an, Weiber und Kinder gingen ihm aus dem Wege. Das Land ringsum hatte andere Farben bekommen, selbst das Licht der Sonne tat weh, und als der Tag vergangen war und das Zeltlager wiederum in Ruhe versank, ergriff er sein Gewehr und wanderte ins Land hinaus. Er war entschlossen, auf die Frau zu verzichten, die hinter seinem ganzen Unglück stand und die die einzige war, die ihn wieder hätte fröhlich machen können. Aber während er über die Felsen ,gihg und sich zwischen den wilden Höhenzügen der Einöden verlor, verstand er auch, dass alles ganz anders gekommen war, als er es sich gedacht hatte... Im Laufe des nächsten Herbstes erhielt die « Reitende Polizei» in Chesterfield Mitteilung von dem Doppelmord. Sobald die Schneeverhältnisse es erlaubten, wurde eine Patrouille ausgesandt, den Mörder zu fangen. Uanguaq lebte damals in einer Siedlung nahe dem Kazanflusse. Er Hess sich ruhig von seinem Onkel Igjugarjuk ergreifen, der ihn darauf der Polizei auslieferte. Das Recht des weissen Mannes ging nun seinen Gang. Mit Staunen begriff Uanguaq plötzlich, dass er Rechenschaft ablegen sollte vor Leuten, die bisher mit seinem Leben gar nichts zu tun gehabt hatten. Diese grossen, starken Soldaten waren in keiner Weise mit den Getöteten verwandt, und doch teilten sie ihm mit, dass säe ihn für sein Verbrechen verantwortlich machen würden. Die weissen Männer fragten nicht nach dem Warum und Wozu, wenn von Mord die Rede war; aber obwohl sie niemals versucht hatten, die umherstreifenden Renntiereskimos zu lehren, was Recht und Unrecht ist, behaupteten sie doch wie etwas ganz Feststehendes, dass die eskimoischen Gesetze und Satzungen zwar im täglichen Leben gälten, dass sie aber aufgehoben seien, sobald etwas mehr als Alltägliches geschehe. Uanguaq wurde nach den Polizeibaracken in Chesterfield gebracht, sobald der Sommer •die Hudsonbai öffnete, wurde er über den Nelsonfluss nach Winnipeg geschafft, wo er vor ein Gericht gestellt wurde. Uanguaq konnte kein Englisch, und deshalb verstand er nicht viel von dem, was die vielen ernsthaften Männer zu ihm sagten. Indessen waren verschiedene Formalitäten bei seiner Verhaftung zu ordnen, unter anderem verlangt das Gesetz des weissen Mannes eine Zeugenvernehmung, wenn der Mann, der verurteilt werden solle, auch nur ein Eskimo aus den äussersten Barren Grounds war. Man hatte aber ganz vergessen, sich Zeugen zu sichern. Uanguaq hatte nicht einen Augenblick versucht, seine Tat zu leugnen, denn nach der Auffassung seines Stammes hatte er ja kein Verbrechen-begangen. Er fand es deshalb ganz natürlich, als ihm mitgeteilt wurde,: dass er wieder nach Chesterfield zurückkehren dürfe, freilich als Gefangener der Polizei. Die Polizeileute Waren nette und anstellige Männer, mit denen Uanguaq gern zusammenlebte; dass er ein Gefangener war, war ihm bis jetzt überhaupt noch nicht bewusst geworden. Uanguaq war Polizeigefangener, aber da es kein Gefängnis in der kleinen Siedelung gab, durfte er frei umhergehen, wenn er sich nur zu den Mahlzeiten einstellte und abends zusammen mit seinen Wächtern zur Ruhe ging. Der Chef der Polizeibaracken war ein humaner und verständiger Mann, welcher begriff, dass man einen wilden Mann aus den Einöden des Binnenlandes nicht in eine Reihe mit den gewöhnlichen Verbrechern stellen konnte. Er hatte ihm deswegen jede erdenkliche Freiheit gegeben, ihm aber auch gleichzeitig mitgeteilt, dass ihm, falls er versuchen würde, das Ver-' trauen der Polizei zu missbrauchen, sofort Handschellen angelegt und er streng bewacht werden würde. Rapid-Heizkissen Uanguaq fürchtete sich nicht vor dem Tod, aber er liebte seine Freiheit Wenn er auch an einen bestimmten Platz gebunden war, so hatte er doch bisher in dem gegebenen Rahmen seine Freiheit genossen. Mehr als der Galgen, der möglicherweise einmal das Resultat der weisen Versuche der weissen Männer sein würde, quälte und peinigte ihn der Gedanke an die Handschellen. Er hatte sie bei der Polizei gesehen, und es erschien ihm, als die tiefste Erniedrigung eines Mannes, jemals mit Hilfe von Bisenketten und Stahlfedern die ums Handgelenk zuammenklappen, wehrlos gemacht zu werden. Und nun geschah das Merkwürdige, dass Uanguaq, der niemals vorher daran gedacht hatte, sich der Gerechtigkeit zu entziehen, nun im Ernst eine Flucht zu planen begann. Lieber friedlos umkommen als wie ein Fuchs in der Falle gefangen wergrosse Neuheit, wird in wenigen Minuten heiss; viel] rascher als bisherige Heiz-I kissen, dazu 4 Wärmestufen | mit ganz schwacher Stufe Vi für Dauergebrauch. Erhältlich in Elektrizität«- und.Sanitätsgeschäften