Aufrufe
vor 9 Monaten

E_1935_Zeitung_Nr.093

E_1935_Zeitung_Nr.093

10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 19. NOVEMBER 1935 — N ü 93 •Wie man beim Auffüllen der Akkumulatorenzellen einen Briefumschlag als Trichter verwenden kann. Batterie steht. Mari sollte deshalb bei Auswahl der Lampen und anderer elektrischer Geräte immer die Kapazität der Batterie berücksichtigen. Glaubt jemand, dass diese Ausrüstungsgegenstände zu dem notwendigen Komfort gehören, dann sollte er auch dafür sorgen, dass eine genügend starke Batterie vorhanden ist, oder gegebenenfalls eine zweite Batterie zur Unterstützung heranziehen. Wie überhaupt sparsamster Umgang mit dem elektrischen Zubehör im Interesse einer sinngemässen Batteriepflege liegt. Schliesslich sei noch auf die Batterie im eingewinterten Fahrzeug hingewiesen, die ebenfalls überwacht werden muss. Es empfiehlt sich, sie einem Motorfaihrzeugelektriker zur Pflege zu übergeben. Wer die Batterie nicht zum Veilchen werden lässt, das im Verborgenen blüht, und sie als ein lebenswichtiges Element seines Fahrzeuges anerkennt, der wird auch nie Grund haben, sich über sie beklagen zu müssen. Gehören stärker abgenützte Reifen auf die Vorder- oder die Hinterräder? Manche Fahrer sind atnmer noch der Meinung, die stärker abgenützten Reifen würden besser auf den Vorderrädern ausgefahren, da sie hier nicht auch noch die Antriebskräfte auszuhalten hätten. In Wirklichkeit empfiehlt sich aber gerade das umgekehrte Verfahren. Vor allem gilt es zu vermeiden, dass die Vorderräder ins Rutschen kommen* können. Während ein Schleudern des Hinterwagens immer noch mit der Lenkung pariert werden kann, ist ein Schwimmen oder Rutschen des Vorderwagens in der Kurve, wie es mit schlecht greifenden Vorderradreifen nur allzuleicht eintritt, immer eine sehr unheimliche Angelegenheit. Man mache sich deshalb zur Regel, neuangeschaffte Reifen immer auf die Vorderräder aufzuziehen. Die schon auf den Vorderrädern benützten Reifen werden auf den Hinterrädern aufgezogen und die Reifen der Hinterräder ausser Dienst gestellt. Die Bereifung der Vorderräder mit zuverlässigen Pneus ist auch deshalb ratsam, weil man sich so weniger der Gefähr aussetzt, dass ein plötzlicher Reifendefekt die Lenkbarkeit des Wagens stark beeinträchtigt. Platzt nämlich ein Hinterradreifen, so merkt der Fahrer nicht allzuviel davon. Platzt aber der Reifen eines Vorderrades, so wird einem nicht geistesgegenwärtigen Fahrer eventuell die Lenkung aus der Hand gerissen. -at- Vorsicht beim Messen des Kurbelgehäuseölvorrates. Nicht selten hat der zum Messen des Kurbelgehäuse-Oelvorrates dienende Tauchstab eine Anzahl roh eingeschlagener Markierungskerben mit ungebrochenen Kanten. Wischt man dann vor der Messung den Stab mit einem Lappen oder Putzfäden ab, so bleiben gerne einzelne Baumwollfasern an ihm hängen, geraten dadurch ins Kurbelgehäuse und in das Oel und können so zu gefährlichen Verstopfungen von Oelleitungen oder Oelfiltern führen. Vor dem Einsetzen des Tauchstabes achte man deshalb streng darauf, dass keine Fremdkörper an ihm hängen. Die Flächen des Stabes werden am besten poliert und alle Kanten so gut wie möglich abgerundet. Der Anlasser als Motor. Besonders Anfängern, gelegentlich aber auch älteren Fahrern, passiert es einmal, dass der Motor aus irgend einem Grunde vielleicht gerade mitten auf einer belebten Strassenkreuzung, einem Bahnübergang oder sonst einer recht unpassenden oder gar gefährlichen Stelle stehen bleibt und nicht sofort wieder anspringen will. Derartige Ereignisse kann man fast täglich beobachten, und leider ereignen sich dadurch nicht selten böse; Unfälle. Was kann man als Fahrer in solch einer Situation tun, wie kommt man am schnellsten weg? — Nun, es gibt einen Kniff, dessen Anwendung in neun- von zehn Fällen sofort hilft: Man schaltet den kleinsten Gang ein und drückt den Anlasserknopf. Meist wird der Anlasser kräftig genug sein, den Wagen von der kritischen Stelle wegzuziehen. Dann kann man in aller Ruhe nachsehen, warum der sonst so zuverlässige Motor gerade diesmal streikte. Fast immer wird man dann entdecken, dass der Fehler diesmal nicht am Motor, sondern an der Nervosität des Fahrers lag. Tedin. Rundsdiau Dauerbeleuchtung der Verfcehrsstrassen. Einer der Vorzüge des Automobils, hohe Reisegeschwindigkeit,' kann bei Nachtfahrten nicht in dem Masse ausgenützt werden, wie es oft wünschenswert wäre. Trotz aller Verbesserungen ist es bisher nicht gelungen, die Blendwirkung der Scheinwerfer in einer Weise zu mildern, die gefahrloses Einhalten der Geschwindigkeiten ermöglicht. Man hat daher, nach dem alten Vorbild der Städte, auch die Dauerbeleuchtung von Landstrassen als Mittel erkannt, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und den Anfang damit auf den Autostraden gemacht. Als erste Strasse, die mit permanenter elektrischer Beleuchtung versehen wurde, ist die vor mehreren Jahren eröffnete Autostrada «Via del Mare > zu nennen, die Rom in einer Länge von 21 Kilometern mit der Hafenstadt Ostia verbindet. Es folgte dann vor zwei Jahren ungefähr die-56 Kilometer lange Rivierastrasse Cannes-Nizza-Monte Carlo-Menton, deren ausserordentlich dichter Automobilverkehr eine solche Massregel unbedingt notwendig machte. Die überaus kurvenreiche, am Meer entlangziehende und stellenweise schmale Strasse mit ihrem dichten Autobus verkehr kann nunmehr nachts vollkommen gefahrlos in gutem Tempo befahren werden, die Unfallziffern haben sich stark vermindert. Zum gleichen Zeitpunkt -wurde die vielbefahrene Strasse von Paris nach Versailles, etwa acht Kilometer lang, mit elektrischer Beleuchtung versehen, und jüngst wurden auf dem Teilstück der sogenannten «Route Bleue», die von Paris nach Antibes an der Cöte d'Azur führt, zwischen Pougues und Nevers Beleuchtungsversuche angestellt, die sowohl mit gewöhnlichen 300-Watt-Glühlampen wie mit Natriumdampfröhren durchgeführt werden. Das Prinzip hierbei ist, zwischen dem Hintergrund und dem verkehrshemmenden Objekt (Wagen, Radfahrer usw.) einen möglichst starken Kontrast zu schaffen. Es sollen dann die Scheinwerfer nur mehr die Rolle von Stadtlampen spielen, praktisch also entbehrlich werden. Ein lobenswertes Ziel, das allerdings noch in weiter Ferne liegt, nicht technischer Schwierigkeiten wegen, sondern des leidigen Geldes zufolge. Einer interessanten Neuerung, auf diesem Gebiete sei noch Erwähnung getan. Bei den neuen grossen Unterführungen, die an mehreren Punkten starken Verkehrs in Paris jüngst der Benützung übergeben wurden, erfolgt die Regulierung der Beleuchtungsintensität automatisch. Sie wird dem jeweilig aussen herrschenden Grad der Tageslichthelligkeit so angepasst, dass der Fahrer bei Verlassen der Untertunnelung keinen Unterschied be^. merkt und keiner Blendung ausgesetzt ist. Die Einrichtung hat sich vortrefflich bewährt. L. J. Tedh Si» fenlösung in heissem Zustand schüttelt und diese Frage 9650. Warmhaltung des Motors in der Emulsion zum obigen Seifenbad setzt. Auch etwas Garage. Welches System ist am praktischsten, um den Motor des in einer Garage eingestellten Wagens warm zu halten, wobei besonders zu berücksichtigen ist, dass der Wagen nur gelegentlich verwendet wird und eine Heizung dann häufig nicht not--, wendig sein -wird. P. B. in B." Frage 9655. Der Motor läuft in heissem Zustand nicht an. Unser Amerikaner Wagen, Modell 1934, mit Batteriezündung, hat sehon von Anfang an zeitweise zu folgender Störung beim Starten Anlass gegeben: Im kalten Zustand springt der Motor gewöhnlich sofort nach dem ersten oder zweiten kurzen Betätigen des Starters an. Selbst bei mehrstündigem Stehen in einer Temperatur von +1—2 Grad Cels. bietet das Wiederanlassen absolut keine Schwierigkeiten. Hat der Motor dagegen gearbeitet und ist er warm geworden, so ist er nach kurzzeitigem Abstellen der Zündung manchmal nur mit der grössten Schwierigkeit wieder anzulassen. Es ist schon einige Male vorgekommen, dass die Batterie fast bis zur Erschöpfung zum Anlassen benützt wurde, ohne dass der Anlassvorgang geglückt wäre. Bei diesen erfolglosen Versuchen haben wir folgende Feststellungen gemacht: 1. Die Zündspule führt normal Strom. 2. Die Zündung selbst ist bei allen Zylindern normal und regelmässig. (Prüfung mit Glimm-,, lampe). 3. Die Kerzen sind trocken und weisen keinerlei Zeichen von Verbrennung auf. 4. Das kleine Benzingefäss am Vergaser ist richtig gefüllt. 5. Bei raschem Betätigen des Gaspedals wird Brennstoff in feinem Strahl in den Luftweg eingespritzt 6. Die Zündung ist erfolglos, sowohl bei ausgeschaltetem Ghoke wie bei Betätigung desselben. Die Rettung ist dann nur dadurch möglich, dass der Wagen in der einen oder andern Richtung etwas geschoben wird, wobei die Kupplung bei in Bewegung befindlichem Fahrzeug langsam eingeschaltet wird und so den Motor zum Anwerfen bringt. Bei diesem Manöver, bei welchem allerdings mindestens zwei Mann notwendig sind, tritt der Motor gewöhnlich rasch wieder in Funktion. Er läuft hierauf im Leerlauf selbst bei kleinster Tourenzahl durchaus' normal, geräuschlos und regelmässig. Es ist uns ein Rätsel, aus welchem Grunde der Motor zeitweise beim Anlassen derartige Schwierigkeiten bereitet. Bis heute konnten uns auch verschiedene Automechaniker, welche den Wagen untersucht haben, keine plausiblen Ratschläge für dauernde Beseitigung der genannten Schwierigkeit bekanntgeben. H. S. in A. Antwort: Es handelt sich bei diesem Wagen um ein Modell mit einem Fallstromvergaser. Wenn der Motor warm ist und abgestellt wird, so bleibt im letzten Aasaugtakt Benzingemisch im Ansaug- Frage 9654. Wärmeempfindlichkeit des Magneten. Hat die Wärme auf den Zündmagneten einen Einfluss? Welche Wärme resp. Hitze kann seine Funktion beeinträchtigen, eventuell ganz stören? Macht «handwarm» auch schon etwas? W. W. in K. Antwort: Wärme kann für den Magneten dann gefährlich werden, wenn sie genügend gross ist, um die Isolation der einzelnen stromleitenden Teile zu verändern. «Handwärme» soll jedoch nicht im geringsten störend wirken können, es sei denn, der Magnet fühle sich nur aussen handwarm an und erhitze sich von innen heraus. Dann müsste untersucht werden, wie hoch die Ueberhitze in den innersten Windungen steigt. Wird der Magnet nur von aussen, z. B. durch abfliessende Kühlluft, bis auf Handwärme erwärmt, so soll eine Beschädigung ausgeschlossen sein, "wenn sonst alles in Ordnung ist. -atrohr liegen. Wird nun nach kurzer Zeit, bevor das Gemisch verdunstet ist, der Motor wieder angelassen, so muss das Handgas zur Hälfte herausgezogen werden, damit der Motor viel Luft ansaugen kann. Wenn das Handgas nicht gezogen wird, dann ist das Gemisch zu benzinreich und der Motor läuft nicht an («ersäuft»). Das Gaspedal darf nicht, wie dies öfters geschieht, ab und auf bewegt werden, sonst spritzt jeweils auch die Zusatzpumpe Benzin in das Ansaugrohr und dann wird das Gemisch noch benzinreicher und das Anlassen noch schwieriger. Es ist auch denkbar, dass die Schwimmernadel infolge Unreinigkeiten nicht »'dicht schliesst; dann kann das Benzin, das im Rohr zwischen der Benzinpumpe und dem Vergaser liegt, in den Vergaser gelangen. Dieses Benzin ist noch unter Druck, da die Pumpe bis zur letzten Bewegung des Motors arbeitet. Die Bemerkung unter 6. können wir nicht verstehen. Sicher ist, dass bei ein- oder ausgeschaltetem «Choke» keine Zündung da ist, wenn die letztere nicht eingeschaltet ist. Im allgemeinen wird wohl die Zündung bei dem fraglichen Wagen in Ordnung sein; immerhin^ würde das Kontrollieren von allen Anschlüssen, des Elektroden-Abstandes der Kerzen, das Reinigen des Vergasers, das Prüfen der Schwimmernadel auf Dichtigkeit nichts schaden. Auch ist es möglich, dass das Ventilspiel zu klein ist, da ja der Wagen in kaltem Zustand anspringt. Wenn die Kompression ungenügend ist, müssten auch die Ventile eingeschliffen werden. Am besten ist es selbstverständlich, wenn der Wagen zu einem autorisierten Vertreter gebracht wird, wo er ganz genau untersucht werden kann. Frage 9656. Imprägnieren von Kleidungsstücken. In einer Ihrer letzten. Nummern las ich im Sprechsaal, wie man Combinaisons wieder imprägnieren kann. Da ich leider die betreffende Nummer nicht mehr besitze, bitte ich Sie höflich, das Verfahren nochmals zu publizieren. Für Ihr Entgegenkommen zum voraus meinen besten Dank. P. F. in F. Antwort: Man bereitet sich zwei lauwarme Lösungen, die man getrennt hält. Die eine aus 200 g guter Kernseife oder noch besser Marseiller- oder Oelseife in etwa 10 Liter Wasser, die andere aus 200 g gewonnenem Alaun wieder in 10 Liter warmem Wasser, bringt das Kleidungsstück erst in das Seifenbad, knetet es unter der Flüssigkeit gut durch, Uta eingeschlossene Luftblasen zu entfernen, und drückt die überschüssige Lösung leicht aus. Darauf gibt man das Stück in die Alaunflüssigkeit, lässt es unter Durchkneten einige Minuten darin verweilen, drückt gut aus und hängt zum Trocknen auf. So lassen sich so viel Stücke behandeln, als noch Seifenbrühe vorhanden ist. Das imprägnierte Gewebe ist damit derart wasserdicht oder richtiger wasserabstossend, dass daraufgeschüttetes Wasser in Form einer ganzen Kaskade von Wasserperlen abrinnt. Diese wasserabstossende Wirkung, welche der Porosität keinen Eintrag tut, hält längere Zeit an. Noch besser wird der Effekt, wenn man Fette, Oele oder Wachse in geringer Menge mit etwas Sei- Leinölfirnis, mit Seifenlösung geschüttelt und zugegeben, arbeitet in gleicher Richtung. Zu viel Oel, Fett oder Wachs ist unzweckmässig, weil sonst der Griff klebrig wird. Eine vollständig dichte, nicht mehr poröse Imprägnierung weist der Gummimantel auf. Ist in einem solchen ein Riss entstanden, so bestreicht man die Stelle auf der Rückseite mit Gummilösung, S P '

BERN, DIENSTAG, 19. NOVEMBER 1935 III. BLATT DER „AUTOMOBIL-REVUE" No93 Von Heinrich Lämmlin. Die Kerze loht, umspielt vom Wind, Es kommt die Nacht, die Nacht verrinnt; Ich sitz und träum und sinne. Von fern her trägt der Wind ein Lied, Das leis durch meine Träume zieht, Ein Ued von Mai und Minne. Die Kerze loht, erlischt im Wind, Es kam die Nacht, die Nacht verrinnt, Und Lied und Mai und Minne. ZCexAstÜcPies von Alfred Gräber Leise und gleiehmässig strömt der Regen auf die Landstrasse, leise und gleichmütig arbeitet der Motor. Kaum ein Mensch ist zu sehen. Und wenn ich die Scheibe des Wagens etwas öffne, um unverbrauchte Luft einzulassen, dann kommt mit ihr eine feuchte Kälte und der Geruch eines müden Herbstes, der nichts mehr weiss von einer goldenen schweren Reifezeit, von dunstigen Abenden voller Ferne und von einem hohen Himmel in allen Farben des Spektrums. Der leichte Nebe!., der über den Boden hinschleicht, hat die fernen Dinge eingehüllt und den Blicken entzogen, er begrenzt das Bild einer trosttosen Welt. Sie ist nur noch: ein nassglitzerndes schwarzes Strassenband, ein paar feuchte Wiesen und hie und da ein Baum oder ein Haus, die wie gespenstische Wesen auftauchen und wieder untergehen. Sie hat keine Höhen und keine Tiefen mehr. Rastlos fährt mein Wagen in den stillen Abend hinein, eines der wenigen Dinge, die sich bewegen, die noch Leben besitzen. Nirgends mehr, soweit man zu schauen und zu denken vermag, scheint eine Heimat zu warten, auf die man sich freuen könnte, gerade jetzt, da man sich doch so sehr nach irgend einer Geborgenheit sehnt, nach klaren Umrissen und nach Wärme. > Und doch Hebe ich die einsame Fahrt dieses Abends, die ihr Erlebnis hat in der grossen Eintönigkeit, die alles zum Ereignis stempelt, was sie zufällig belebt: der Mensch, das Fuhrwerk, das Automobil. Die Minuten reihen sich langsam zu Stunden. Der späte Abend dunkelt hin, und in ihm verschmelzen die Dinge mit der nachtenden Welt, die so fragend und so ungeheuerlich fremd wird, als sei sie von einem andern Stern. Es ist gut, neben all diesem Unvertrauten etwas Vertrautes zu wissen, den Motor unter sich, das Steuerrad in der Hand, den Gashebel am rechten Fuss. Diese kleinen Wirklichkeiten geben eine Richtung durch die richtungslose Welt. Trotz mancher merkwürdiger Erfahrung mit aufgelesener Kumpanei der Landstrasse halte ich den Wagen an, als ein älterer Mann auftaucht, dem man mit seinem schweren Sack auf dem Rücken die Mühseligkeiten der Landstrasse vom Gesicht ablesen kann. Gemeinsam verstauen wir seine Habe auf den Hintersitzen. Er bedankt sich recht höflich und setzt sich neben mich. Weiter geht die Fahrt durch diese Stunde, die weder Tag ist noch Nacht, in der das Licht der Scheinwerfer noch nicht zu helfen vermag und in der es ohne Lichtschein doch schon fast zu dunkel ist Zu Anfang ist mein Nachbar, der sichtbarlich einmal bessere Tage erlebt hat, recht schweigsam. Er ist ein von Dorf zu Dorf ziehender Hausierer, wie es deren tausende gibt. Er bietet feil was seine Kollegen alle auch feilbieten und er verkauft wahrscheinlich ebensoviel und ebensowenig wie alle andern auch. «Sie können sich wohl denken, was in dem Sack da alles drin ist», beginnt der Mann schliesslich, «ich will nicht sagen, dass man seinen Unterhalt damit nicht ver- Luzern Schiller Hotel Garni Wie Alie Zimmer mit (Hess Wasser o. Bad u.Tel. Zimmer v. Fr. 4.50 an. Pens. Fr. 12.-. Autoboxen. Ed. Leimnrubar, Bes. wmwsmmmmmmzm Die elegante Autlerln mit Ihrem Hund. dienen könne, nur werm man eine so zahlreiche Familie durchbissen muss wie ich, können. Man braucht sie überall, sie ist eine gar mcht etwa sagen, dass wir sie entbehren dann geht es oft doch recht knapp aus. Aber Lebensnotwendigkeit, schon weil man sich an reden wir nicht weiter davon, das sind ja sie gewöhnt hat. Aber man wird so. schnell meine Sorgen.» und so flüchtig mit ihr. Man verliert d}e Zeit, Plötzlich stecken wir mitten im dichten etwas gründlich zu tun, etwas zu sehen und Herbstnebel. Die Scheinwerfer haben alle liebzugewinnen, an etwas zu glauben. Denn Mühe, ihren Weg durch die weissen Schleier schon wird man dran vorbeigedrängt. Und zu finden. Oft bin ich nicht mehr sicher, ob dann muss man auch kräftig arbeiten für die ich noch auf der Strasse oder schon auf Maschine, weil auch sie leben muss. Glauben freiem Felde bin. Da heisst es, höllisch aufpassenquemlichkeit durch Mehrarbeit erkämpft! » Sie mir, es ist ein Kreislauf ohne Ende: Be- « Wenn es so weitergeht, streckt sich der Er lächelt. cWir haben es alle nicht leicht Weg für Sie noch gehörig in die Länge! mit Maschinen und Motoren, Sie nicht und Haben Sie grosse Eile ? » ich nicht... Aber da bin ich ja schon zu « Keine besondere.» Hause. Es ist schnell gegangen. Würden Sie «Das ist auch besser. Ich frage nur, weil bitte anhalten. Ich lade Sie nicht ein, bei mir die meisten Automobilisten stets Eile haben, einzutreten, es ist zu ärmlich. Aber ich will ich kenne mich da aus. Wenn sie nicht ausnahmsweise zum Vergnügen fahren, sehen terer Kollege sicherlich getan hätte, noch Ihnen auch nicht, wie es ein geschäftsgewand- sie weder Landschaften noch Menschen, nur rasch etwas von meinen Waren andrehen, ein schmales Strassenband mit einer gewissen Anzahl von Hindernissen befrachtet.» was kaufen, was Sie doch gar nicht gebrau- denn Sie würden aus lauter Verlegenheit et- « Sie sind wohl nicht gut auf uns zu sprechen ? » Er reicht mir die Hand und ist schon verchen können. Ich bin ein guter Psychologe ». « Warum denn nicht ? Besonders wenn schwunden, bevor ich mich für die erstaunliche Unterhaltung bedanken kann. mich einer mitnimmt Aber auch, wenn man an meiner erhobenen Hand vorbeifährt, Wieder ist da Einsamkeit, Nacht und Stille. fluche ich nicht. Wer weiss, ob ich anhielte, wenn ich mich selbst auf der Strasse sehen könnte! > Der Mann sagt das nicht ohne eine leichte Selbstironie. Eine Katze rennt quer über den Weg. Ihre Augen funkeln durch die Dunkelheit. Ich drücke auf die Bremse. «Sie stoppen den Wagen immerhin vor einer Katze ab», meint mein Nachbar anerkennend. « Aber warum nicht», antworte ich erstaunt, « wieso....» «Nun, ich freue mich darüber. Es tun's nämlich längst nicht alle. Das ist ihnen abhanden gekommen, wie manches andere dazu. Der Respekt vor dem Leben...» «Automobilisten sind nicht anders als andere Menschen », werfe ich ein, « nicht besser und nicht schlechter». «Das schon», meint er bedächtig, «ich habe mich vielleicht falsch ausgedrückt. Ich denke auch gar nicht an die Automobilisten im besonderen, sondern an uns Menschen alle heutzutage. Meine Ansicht ist eben, dass der Umgang mit Maschinen niemandem gut tut. Ein Stück Menschlichkeit und Nächstenliebe hat die Maschine uns allen weggenommen, weil sie Macht über uns hat. Dabei will ich Wieder schleicht der Wagen über die vernebelte Strasse und sucht sich mühsam seinen Weg. Hat er nicht recht, der alte Hausierer? Man müsste wieder ein bisschen mehr Zeit finden, um sich freuen zu können am Leben. Wir haben es fast verlernt, nicht zuletzt, weil wir uns von den vielen Maschinen knechten lassen, die doch keine selbstherrlichen Götter sind, sondern nur eine simple Schöpfung des Menschen und hoffentlich lange nicht seine beste. Jetzt tauchen die ersten Lichter der Stadt auf. Wie in einen unentrinnbaren Strudel werden die Automobile nach der Stadtmitte gezogen. Eines drängt von rechts, eines von links, grüne und rote Lichtzeichen flammen auf. Die leisen Versprechungen der ersten Lichter erfüllen sich nicht; die Stadt, die an ihrer Peripherie so traumhaft heimatlich schien, ist harte, nüchterne Wirklichkeit geworden. Draussen zurückgelassen ist die Stille, die Nässe und der Nebel, die alles umhüllen und alles trennen, Dinge und Menschen. Von den Bäumen tropft der sanfte Regen weich ins feuchte Gras. Der leise Nachtwind aber, der durch die Wälder singt, weiss von der herbstlichen Traurigkeit der Erde. man es nicht machen soU Sie möchten gern, dass Ihr Gatte Ihnen immer, immer die reine Wahrheit sagt. Befolgen Sie meine kleinen Anweisungen, die ich Ihnen hier gebe, und Sie werden nie, niemals von Ihrem Mann angeschwindelt werden. Der Grundsatz, nach dem Sie vorgehen müssen, ist: Fragen Sie Ihren Mann aus, so viel Sie nur können, gründlich und nach allen Seiten. Kommt er spät nachts aus einer Gesellschaft heim, sind die folgenden, ganz unverfänglich gestellten Fragen, in harmlosem Plauderton vorgebracht, sehr zweckmässig: « Habt ihr Wein und Sekt getrunken ? » — «Waren hübsche, junge Frauen da ?» — « Hast du viel getanzt ? » — « War es amüsant ? > — « War Fräulein P. da ? » — « Sah man viel elegante Toiletten ? » • Präzis und lakonisch, wie vor dem Untersuchungsrichter, wird Ihr Gemahl zu Protokoll geben: « Nur Selters und Bier.» — « Lauter olle Tanten.» — « Nur ein Pflichttanz mit der grässlichen Frau Professor X.» — « Grauenhaft langweilig.» — « Nein. War nicht da.» — « Ausschliesslich unmoderne, billige Fahnen.» Sehen Sie, so erziehen Sie Ihren Mann zur — Wahrheit. Ueberdies wird er immer gesprächiger werden, je mehr Fragen Sie sich ausdenken. Sie möchten gern, dass Ihr Mann sich daheim wohl fühle und die Häuslichkeit liebe. Befolgen Sie meinen Rat, und er wird die Stunde nicht erwarten können, nach Hause zu eilen. Kaum, dass er seinen Mantel abgelegt hat, erfreuen Sie ihn durch einen Redeschwall häuslicher Misshelligkeiten: dass die Waschfrau die Wäsche nicht ordentlich gebrüht hat, dass das Dienstmädchen frech war, die Aufwartefrau Lohnzulage verlangt, Bubi sich furchtbar geschnitten und Mädi sich eine soo grosse Beule geschlagen hat. Legen Sie ihm alle wirtschaftlichen Details vor, damit er einen Einblick in Ihr Schaffen und Respekt davor bekomme. Am besten, Sie lassen ihn praktisch am Grossreinemachen teilnehmen; denn bevor ein Mann das nicht am eigenen Leib verspürt hat, nimmt er diese Dinge nur zu gern auf die leichte Achsel. Wenn ein Mann, nach Hause kommend, seine Frau in voller Tätigkeit findet, oben auf einer Leiter Gardinen aufsteckend oder herunterholend, den Teppich zusammengerollt, die Stühle übereinandergestellt und auf den Tisch gekippt, wie im Kaffeehaus nach Polizeistunde, dann wird schon diese Ideenverbindung genügen, den Wunsch, ins Gasthaus zu gehen, im Keime zu ersticken... Sie möchten gern, dass Ihr Mann Ihnen immer treu sei. Ich will Ihnen ein paar unfehlbare Winke geben: Durchsuchen Sie stets sämtliche Taschen in den Anzügen Ihres Mannes. Vielleicht werden Sie doch noch mal etwas Verdächtiges finden, dann dürfen Sie beruhigt sein: Ihr Mann ist Ihnen treu. Wenn Ihr Mann einen Brief in hundert kleine Stückchen zerreisst, müssen Sie sich sofort daraufstürzen und versuchen, die Papierschnitzel wieder zusammenzustellen. Wenn Sie aus den zusammengesetzten Teilen nicht klug werden, dann ist Ihnen Ihr Mann treu. Ueberhaupt müssen Sie sich sehr viele detektivistische Fähigkeiten aneignen; darauf kommt es mehr an, "als ihn durch frauliche Eigenschaften zu fesseln. Mit Scharfsinn, Ausdauer und Beobachtungsgabe werden Sie bestimmt zum gewünschten Ziel kommen. Wie denken Sie über meine Ratschläge? Wollen Sie es wirklich so machen ? H. E. Rapid - Heizkissen in 2 Minuten warm, viel viel rascher als ein gewöhnliches Heizkissen. Schweizerfabrikat I Preis Fr. 24.-I28.- Achten Sie genau auf die Marke SOUS mit der modernen 4-fachen Wärmeregulierung