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E_1935_Zeitung_Nr.093

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Die bunte Seite 0te

Die bunte Seite 0te {Botschaft des Waides Der Wald hat den Winterstürm zu Gaste geladen. «Komm, die Zeit ist da! Es ist jetzt für einmal wieder genug geträumelt und gescherzt, es ist genug geliebkoset und gesungen. Wir wollen,wissen, wer Stand hat und wer trotzen kann.» Es ist ein starkes, tiefes Rauschen, das von den tannendunkeln Höhen ins Talgelände herabdringt, macht- und geheimnisvoll, feindlich. Es zwingt die Menschen, die da ihre Sorgenwerklein tun, zum Aulhorchen. Sie breiten auf den kahlgeweideten, vom Spätfrost gebräunten Wiesen Dünger aus; sie graben Gartenbeete um, sie sägen Dürrholz von den Obstbäumen. Nur wenige sind es, die das Lied des Waldes verstehen, und diese wenigen wagen nicht, es den andern zu deuten, man würde über sie lächeln. Denn das Sturmlied des Waldes ist ernst, es sagt den Menschen Kampf an. Der Wald ist zu stolz, als dass er mit den Menschen über sein gutes Recht streiten könnte. Sein Recht vermag niemand zu bestreiten. «Ich bin der Anfang gewesen und ich werde das Ende sein. Der Wald und das Meer. Wer hat mich aus der Niederung zurückgedrängt auf die unwirtlichen Höhen? T)as Qescheuk des JCOWQS Von Gunnar Qunnarsson In seinem neuen Roman «Der Weisse K r i s t» schildert der grosse isländische Dichter Gunnar Gunnarsson die leidenschaftlichen Kämpfe der Isländer um die Abkehr von den alten Göttern und die Annahme des christlichen Glaubens. Mit Genehmigung des Albert Langen/Georg Müller-Verlages in München bringen wir aus diesem kraftvollen Buche, das, den alten Sagas ähnlich, von dem ungebrochenen Heldentum der nordischen Bauern und Könige berichtet, den folgenden Abschnitt. Eines Morgens — wir waren auf unsern Schiffen soeben wach geworden — sehen wir eine Schar Männer wie im Spiel zum Strand heruntergelaufen kommen, die Kleider abwerfen, ins Wasser springen, wie übermütige Jungen plantschen und dann um die Wette schwimmen. Sonne lag zu dieser Morgenstunde über dem Fjord, der Wind hatte sich gelegt. Wir redeten gerade von der Möglichkeit, dass er bald wieder aufkommen könne — und dann aus günstiger Richtung. Anfangs dachten wir uns bei dem Anblick der Schwimmer nichts weiter, als dass es Leute aus der Stadt wären, und dass sie gut schwimmen könnten. So gut, dass es fast unglaublich anzusehen war und Neid und Streitlust bei jedem wecken musste, der sich selbst auf diesem Gebiet etwas zutraute. Und wie alle wussten, das war bei Kjartan der Fall. Er stand denn auch stumm da und schaute verloren dem Spiel der kräftigen Männer im Wasser des Fjordes zu. Ich hatte schon früher beobachtet, dass er es nicht gut vertragen kann, andere rühmen zu hören. Darum wäre es mir lieber gewesen, wenn meine Landsleute etwas weniger von den Schwimmern und ihren Leistungen geredet hätten. Ebenso war mir schon früher aufgefallen, dass sich sein Freund Bolli zuweilen merkwürdig benahm — sehr merkwürdig für einen Freund. Oder ist er etwa eifersüchtig auf Leute, die seinen Keine Flucht war es, um jeden Zoll breit hob' ich mich gewehrt. Wo ein Siedler lässig war, hob' ich in unermüdlichem Ringen zurückgeholt, was er mir mit Schweiss und List weggenommen. Erst ein paar dürftige Wurzeltriebe, dann da und dort schon ein mutiger Sämling weit im Land. Der Wind ist mit mir verschworen, der Vogel in der Luft. Meine Zeit wird wieder kommen. Ich blicke auf eure Wohnnester, auf eure Strässlein und Ackerzeigen herab, wie ihr einen Ameisenhaufen betrachtet. Wo wären ohne mich eure Hütten, in die ihr euch verkriecht und darinnen ihr euer halbes Leben verschlaft und verdämmert? Wie könntet ihr ohne mich euere gestohlenen Aecker bebauen? Wie könntet ihr verzärtelten Geschöpfe euch der Kälte erwehren? Allen, die mich lieben, geb' ich Schirm und Schutz, und du, Mesnch, warst auch in mir daheim. Wer bist du, dass du dich erkühnst, deine Kindheimat anzutasten und meiner Lieblinge Schrecken zu sein? Mit deinem Blitzrohr legst du das schöne Reh nieder. Den Vogel holst du vom Baum, um ihn als tote Stubenzier zu begaffen. Mit deinem Ueberverstand wirst du dich selber vernichten. Meine Zeit wird wieder kommen. Ich bin der Anfang gewesen und werde das Ende sein. Der Wald und das Meer.» Alfred Huggenberger. Eidbruder auszustechen scheinen? Auch solche Freundschaft hat man schon erlebt Jetzt sass er auf der Reling, baumelte mit den Beinen und lächelte ganz sonderbar. Da war unter den Schwimmern besonders einer, der alle andern in den Künsten und Spielen übertraf, die zu einem guten Schwimmer gehören. Als er sich einige Zeit im Wasser getummelt hatte, bemerkte Bolli, ihm sei es ja nichts Neues, einen Menschen sich aufspielen zu sehen, als gäbe es nicht seinesgleichen zu Wasser und zu Lande — neu sei an diesem morgendlichen Anblick bloss, dass es diesmal ein Fremder wäre. «Bekommst du nicht Lust, mit dem. Seehund dort Fangen zu spielen?» fragte er Kjartan. Der antwortete, er sei bereitsdangezogen und wolle sich nicht die Mühe machen, sich wieder auszuziehen. «Dann soll doch wenigstens einer den Versuch machen, die Ehre der Seefahrer zu retten und sich nicht von einer offenbaren Landratte herumplantschen lassen», sagte Bolli und tat, als wolle er sich ausziehen. Im nächsten Augenblick sprang Kjartan splitternackt über die Reling, war mit ein paar Stössen drüben bei dem tüchtigen Schwimmer, ging ohne Umschweife auf ihn los und tauchte ihn einmal tüchtig unter. Unsere Landsleute jubelten. Aber als die Beiden Schwimmhelden wieder auftauchten, kam die Reihe an den Fremden. Kjartan wurde getaucht — einmal lange — dann noch einmal länger — und ein drittes Mal so lange, dass wir glaubten, er werde nicht wieder lebendig heraufkommen. Er war denn auch sehr matt, versuchte nicht einmal, zum Schiff zurückzuschwimmen, sondern ging mit den andern an Land — wir auf den Schiffen sahen stumm zu, wie zwei ihn stützen mussten. Aber als sie richtig an Land waren, legte ihm der Meisterschwimmer einen Man r tel um die Schultern, einen roten Mantel, worauf sich Kjartan mit einem Gruss entfernte, am Strand entlang zu den Schiffen schlenderte und über die Landungsbrücke AUTQMOBIL-REVUE DIENSTAG, 19. NOVEMBER 1935 — N° 93 wieder an Bord kam. Als wir ihn wieder unter uns hatten, sahen wir, dass es ein seidener Mantel war — und so kostbar, dass man nicht seinesgleichen leicht finden wird. Kjartan setzte sich stumm bei uns nieder, in den Mantel gehüllt. Er war tief in Gedanken, schien jedoch von dem Geschehnis nicht bedrückt zu sein. « Willst du nicht wieder in deine eigenen Kleider ?> fragte ihn Bolli. c Ich bin noch in keinem anderen gewesen », entgegnete Kjartan kurz. Wir fanden alle für eine Weile keine Worte. Dann fragte Bolli: < Wer war der freigebige Spender ? » « Der König... > Torarin Nefjulsson bat die Götter, es möchte — wie er sich ausdrückte — an der kurzen Rippe nicht zu viel Fleisch sitzen — ein Ausdruck der Besorgnis, dem vermutlich jeder von uns in seiner Weise beistimmen konnte. Einige äusserten sogar, es sei eine Sache für sich, Geschenke von Olav Tryggvason anzunehmen. Man könne nie wissen, auf was für Gegenforderungen er verfallen werde. Die lochtet du Stockhotmu Solteei Die letzte Nummer des Stockholmer Polizeijournals, des Organs des Polizeivereins in der schwedischen Hauptstadt, enthält einen warmen Dankesbrief von Fräulein Maria Olofsson für alle Liebe, Güte und die guten Gaben, die ihr von dem Polizeikorps zuteil teworden sind. Dieser Brief ruft eine rührende Geschichte, die die Kameradschaft und Freundschaft der Mitglieder des Polizeikorps beweist, in die Erinnerung zurück. Im Jahre 1914 wurde Marias Vater während der Ausübung seiner Dienstpflichten von einem Kraftwagen getötet. Am Tage der Bestattung kam Maria zur Welt. Das Polizeikorps des betreffenden Distrikts beschloss, die gesamte Sorge für die Tochter des toten Kameraden zu übernehmen und ihren Unterhalt und ihre Erziehung zu bestreiten. Maria wurde so «zur Tochter der Polizei». Vier Jahre später starb ihre Mutter, aber Maria war nichtsdestoweniger gut aufgehoben. Ihre sorgsamen Paten fanden für sie ein gutes Heim und gaben ihr eine erstklassige Erziehung. Als sie die Schule beendet hatte, erhielt sie Arbeit im Hauptquartier der Polizei und hat neulich einen Posten im Amt des Gouverneurs; von Stockholm erhalten. - Die .Polizisten-sind sehr stolz auf ihre Pflegetochter, die jetzt erwachsen ist und sich selbst ernähren kann. Ihr Dankesbrief hat wieder die Polizisten an ihre gute Tat erinnert, als sie freiwillig die väterlichen Pflichten übernahmen. tia. 3)ie künstliche Zunge. In einem Buch, das 1561 erschienen ist, wird von einem Mann erzählt, der durch einen Unfall einen grösseren Teil seiner Zunge verlor. Mehrere Jahre lang brachte er keinen artikulierten Laut hervor, bis er auf die geniale Idee kam, mit einem Stückchen Holz, das er in den Mund nahm, das verlorene Zungenstück zu ersetzen. Fürderhin konnte er — so berichtet der Verfasser des Buches — ebenso gut sprechen wie früher, ohne dass man seinen Fehler bemerkte. Prof. Panconcelli-Calzia, der Entdecker dieses Berichtes aus dem 16. Jahrhundert, hält ihn für unbedingt glaubwürdig. Die Zunge bedürfe zum Sprechen des Widerstandes an der vorderen Zahnreihe. Durch eine zweckmässig geformte Vorrichtung sei es ganz gut möglich, der verkürzten Zunge diesen Widerstand weiter hinten in der Mundhöhle zu verschaffen und so das Sprechen zu ermöglichen. &ec £eset hat das lüoct < Schön ist das Leben, wenn man es täglich in der offenen Hand trägt» Es sind Worte aus der «Blumenhölle am Jacinto », die jeder Automobilist auch schon als wahr erlebt hat und aus ganzer Seele nachempfindet. Es ist eine Erfahrung, die der Mensch sucht, die besonders die Jugend sucht, wenn sie in umhegten Verhältnissen aufwächst. Aber brauchen wir diese Erfahrung überhaupt zu suchen? Ist nicht tatsächlich unsere Sicherheit, mit der wir über das Morgen, das Uebermorgen, über Wochen, Monate, über Jahre hinaus verfügen, nichts als eine Selbsttäuschung, so morsch wie die Pfahlbauhütten über dem Jacinto? Unter uns lauern ja die Krokodille, uns zu verschlingen, wimmeln die Piranhas, uns zu skelettieren, wenn wir fallen sollten. Ist das zuviel gesagt? Was widerfährt dir anders, wenn dein bischen wirtschaftliche Sicherheit zusammenkracht? Und das ist nun gerade das Merkwürdige, dass das Wanken und Beben aller Sicherheiten, das Auge in Auge sein mit Abgründen, das tatsächliche Tragen des Lebens in der offenen Hand ihm eine vorher nicht gekannte Genugtuung, Befriedigung gibt, die das Leben schön macht, deshalb schön macht, weil es eben das Leben ist, wie es ist und nicht wie es scHfeint: Leben in der Gefahr, nicht Leben in der Sicherheit Sicherheit, ein immer mehr entschwindender Begriff. Was wissen wir denn, wir Erdballbewohner, ob unser Ball nicht sekündlich hinschleudert an der Gefahr zn explodieren und nur durch einen Zufall, wie man es zu nennen beliebt an der haarscharfen Kante der Katastrophe läuft durch die Jahrmillionen ? Die «Blumenhölle am Jacinto» öffnet einen Blick in das Dasein, das ganz anderes enthüllt, als wir an ihm gewohnt sind. Aber es ist ein Dasein, das vergrössert, ins Groteske, ins Dämonische verzogen doch unverkennbar die Züge des Daseins trägt in dem wir selbst sind, in eine Welt, um die Teufel und Engel streiten und nicht fertig werden, eine Welt, die alles andere ist, als das, was sie uns vortäuscht, eine Welt, die alles andere ist als harmlos, eine Welt in der es gilt. Oder meinst du, es gäbe bei uns zu Lande keine Indianer, die dich mit giftigen Pfeflchen aus Blasrohren beschiessen? Du meinst, du seiest gefeit vor dem Schicksal des fellow Willis, hinzutaumeln über und über besteckt mit vergifteten Pfeilen, die aussehen wie bunte Schmetterlinge. O, es ist alles viel harmloser bei uns zu Lande, aber es ist eben doch so auch unser Dasein, wie es sich uns enthüllt in der «Blumenhölle am Jacinto» und es ist schön, weil man es täglich in der offenen Hand trägt täglich sich neu schenken lässt S. IVacuHi decken echitete TUetaUe? Beim Erhitzen der meisten Metalle in bestimmten Gasen lässt sich ein unangenehmer Brandgeruch feststellen. Der Geruch entsteht durch die Zersetzung winziger Teil- "chen, die die Metalle aus der Luft aufgenommen haben. Es handelt sich um Staubteilchen, Mikroorganismen und andere Verunreinigungen, die in so geringer Menge vorhanden sein können, dass sie auf anderem Wege nicht nachweisbar sind. Die Entstehung des Brandgeruches kann also zum Nachweis dieser Verunreinigungen dienen. Erhältlich in allen Apotheken 10er Packung Fr. 4.50 - 4er Packung Fr. 2.—. Oratis-Prospekt diskret durch EROVAQ A.O., Zürich 25, Bachtobeistrasse 59 Lesen Sie die aufklarende Broschüre von Dr. R. Engler, Zu beziehen gegen Einsendung von Fr. 1.20 In Briefmarken oder auf Postscheck VII1/1819, EROVAQ A.Q. macht alt und beschwert das Leben. Also rechtzei« tig beseitigen, und zwar fürimmer. Machen Sieeine Kur mit Dr. WeinreichSj Schlankheitstee LEOBAL AuchdieFilmstarsinHolly. wood nehmen diesen Tee. 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N° 93 — DIENSTAG, 19. NOVEMBER 1935 AUTOMOBIL-REVUE 15 Die Seite der Frau „TUUHC QefiawH dem löind..." Mitten im heiteren Scherz der «Idylle vom Bodensee» von Eduard Mörike steht ein Wort, das nachdenklich stimmt: :«... voller Röselein hängt der Kirschbaum, Neune gehören dem Wind, Das zehnte glücket zur Frucht nur.» Leicht und sorglos klingt es, wie eine Selbstverständlichkeit fast; jedes Jahr freuen wir uns an den blühenden Bäumen, schauen den fallenden zarten, weissen Blättern nach, die dem Frühlingswind gehören. Und denken nichts dabei, denn so war es ja schon immer and wird es immer sein. «Neune gehören dem Wind...* Wehmütig gefasst klingt es, gefasst, wie alles in der Natur das Walten des Schöpfers hinnimmt ohne zu fragen, ohne zu klagen, alles — nur der Mensch nicht. Uns Menschen, so glauben wir, müsse alles gelingen. Unfassbar erscheint es uns meist, wenn der Zufall (oder wie wir sonst jene Macht nennen wollen, die wir wohl immer wieder fühlen, aber nie begreifen können) unsere Pläne, unser Streben durchkreuzt, wenn wir neu beginnen müssen aus der Erkenntnis Tlüsseßnacken von Vreni Wasmuth Nein, ich meine es diesmal gar nicht symbolisch. Ich meine es so real wie möglich: Ein Teller voll Nüsse, Walnüsse, braun, runzlig, jede ein Ding aus zwei zusammengewachsenen Hälften, undurchdringlich und — wie es scheint — auch unlösbar; Nüsse, wie sie St. Nikolaus den Kindern bringt oder wie sie, vergoldet, am Weihnachtsbaum hängen; Nüsse, um die wir in unserer Jugend am Familientisch solch aufregende Spiele spielten und die wir zum frischen Most lieben; Nüsse, rund und rauh, die leise klappern, wenn sie aneinandergestossen werden. Da sind sie, holzig und ein wenig warm anzufühlen wie altes Holz, um und um verschlossen. Sie verraten nicht, was in ihrem Innern vorgeht, ob sie einen süssen, frischen Kern beherbergen oder nur faulige Leere. — Die Redensart vom «Nüsseknacken», «eine schwere, Nuss zu knacken haben», wenn man ein Problem zu lösen, einen Entschluss zu fassen, eine eingebrockte Suppe auszulöffeln hat, ist sicher schon sehr alt. Denn heute ist ja das Nüsseknacken nicht mehr gar so schwierig — sofern man einen Nussknacker bei der Hand hat. Wenn man doch nur zum symbolischen Nüsseknacken auch einen so kleinen, einfachen und praktischen Mechanismus hätte! Man hält ihn nur zwischen den Händen, drückt ein wenig, schon macht es «knacks!» und die Nuss ist offen. Es gibt so viele Arten von Nussknackern, wie es Arten von Nüssen gibt, nein, es gibt deren mehr, denn nicht nur die Vorrichtung wandelt sich nach der Form der Nuss, sondern auch die künstlerische Gestalt des Werkzeuges und das Material verändert sich. Es gibt holzgeschnitzte hungrige Wölfe oder Bären oder Hunde, denen man die Nüsse vertrauensvoll ins Maul legt, es gibt buntbemalte grinsende Mannsbilder mit einem dann verlangen Sie unsere neue, reich illustrierte Broschüre. Sie finden darin wertvolle Auskünfte über die schnellen, rationalisierten Baumethoden der ältesten und bedeutendsten Holzbauspezialfirma der Schweiz. Wl M t WERKE L E R FRIBOURG heraus, dass Kampf und Opfer vergebens waren, dass unser Wissen nur Stückwerk ist. Und immer wieder lehnen wir uns gegen dieses Schicksal auf, verlieren Mut und Zuversicht über dem verzweifelten, Antwort heischenden und doch nie ergründeten «Warum?» «Voller Röselein hänget der Kirschbaum, Neune gehören dem Wind...» Immer gehören «neune», und oft die schönsten Blüten (und Träume) dem Wind, und doch trägt jedes Jahr der Blütenbaum wieder sein überreiches weisses Kleid, denn: das zehnte glücket zur Frucht, die in der Reife um so schöner sein wird. Sollten wir uns nicht auch hier ein Beispiel an der Natur nehmen? — Wie nur wenige Bäume einen überreichen Früchtesegen zu tragen vermögen, so können nur wenige Menschen, auserwählte, das dauernde «Glück des Erfolges» ertragen, ohne irgendwie Schaden zu nehmen, ohne nicht doch einmal zusammenzubrechen wie der Baum, von dessen Blüten nicht «neune dem Wind gehörten». Darum gilt das Mörike-Wort auch für uns: Erhalten wir uns, trotz Fehlschlägen im Leben, im Beruf, in unseren Plänen, unserem Hoffen den Glauben an das «zehnte», das gelingen wird. Auch — wenn dieser Glaube viel Mut und Opfer kostet, Ursula Ott. Mund von einem Ohr zum andern und beneidenswerten Gebissen, es gibt — die einfachste Form — zwei glatte glänzende Metallhebel mit kleinen Riefen an den obern Innenseiten, aber auch schwere, silberne, getriebene oder gar goldene, die man ebenso nach der anderen Seite wenden und damit kleinere Nüsse, Haselnüsse und Mandeln, öffnen kann. Nüsseknacken aber an sich ist ein Sport. Geübte Sportler setzen ihre Ehre darein, keinen Nussknacker zu verwenden. Es gibt viele Methoden: Die eine (weniger geachtete) ist nur wirksam, wenn zwei Nüsse vorhanden sind, die man — je nach Uebung — mit ein oder zwei Händen solange aneinanderpresst, bis die Hülle der einen platzt; auf einerandere Weise kann man bis zum Kern vordringen,, wenn man nur eine Nuss in der Faust zusatnmenpresst; ein drittes Rezept verwendet ein Messer, dessen Klinge solange in die Naht der Nuss, da, wo sie zusammengewachsen ist, bohrt, bis die Hälften sich lösen. Eine recht verblüffende Art, die allerdings ziemlich viel Muskelkraft der Finger erfordert, ist folgende: Man lege die Nuss vor sich auf den Tisch, den Zeigefinger der rechten Hand auf die Rille der Nuss und schlage mit der Faust der linken Hand auf den besagten Zeigefinger. StadttheatCr Abends 8 ühr, Sonntat nachmittags 3 Uhr. Di. abend 19. NOV. Ballettpremiere: «Rekrutierung», von W. A. Mozart, und Prometheus, T. L. van Beethoven. Mi. abend 20. NOV. Eugen Onegin (B-Ab. 6). Do. abend 21. Nov. Volksvorst: Madame Pompadour. Fr. abend 22. NOV. Eugen Onegin (B-Ab. 6). Sa. abend 23. Nov. Drei Walzer. So. nachm. 24. NOV. Eugen Onegin. So. abend 24. NOV. Drei Walzer. So. nachm. 24. Nov. 3* Uhr: Cäsar In Rüblikon. So. abend 24. NOV. Cäsar in Röblikon. Mo. abend 25. Nov. Cäsar in Rüblikon. StUdiO Nord-SÜd Schiffländeplate La Nuit du Carrefour, Ch. Chaplin, Urmensch. Die Wirkung ist erstaunlich. Noch eine sehr erfolgreiche, aber von allen Hausfrauen gefürchtete Methode ist die, die Nuss zwischen Türe und Angel zu legen und dann die Türe kräftig ins Schloss zu werfen. Die Nuss wird kaum widerstehen. Für die Haselnuss oder für Nüsse, die im Freien gegessen werden, gibt es Steine genug, um uns zur Erfüllung unserer Wünsche zu führen, zum Kern. ' Der Kern ist unser Ziel. Zu ihm wollen wir immer vordringen, zum «eigentlichen» Kern, wie .wir zu sagen pflegen, zur Wahrheit Etwas in der Nuss — «in nuce» — haben, das ist, die Wahrheit zu besitzen in einer so kleinen Hülle, so konzentriert und geschlossen wie der Kern in der Schale. Aber nun gibt es ja leider auch die berüchtigte «taube» oder «hohle» Nuss. Wenn du mit vielem Kraftaufwand die Schale gesprengt hast, gähnt dir — wie ein Grabgewölbe — nur ein Gerippe oder etwas Undefinierbares entgegen, das die Mühe nicht lohnte — eine zerstörte Illusion. Nüsseknacken ist unbedingt eine philosophische Beschäftigung. Da gibt es dünnschalige, die von ihrem reichen Kern fast gesprengt werden, da gibt es höchst verschlossene, dickwandige Exemplare, die sich nicht so leicht preisgeben, und da sind «oberflächliche», leicht zu erobernde, die das Sprengen der Hülle kaum rechtfertigen, und dann gibt es solche, bei denen man noch nicht weit gekommen ist, selbst wenn die Schale in zwei Stükken zerbrochen vor einem liegt. Denn die Frucht ist in die Windungen und Krümmungen des Holzes eingeschmiegt wie ein Embryo im Mutterleib, und es kostet Mühe und Kunstfertigkeit, sie aus den klammernden Umarmungen der Schale zu lösen. Mit der frischen Nuss hat es noch seine eigene Bewandtnis. Da ist es mit dem Sprengen der Hülle noch nicht getan. Da gibt es noch die Häute abzuziehen: die rauhe, hellbraune, bittere und die feine, weisse, letzte. Es ist eine besondere Kunst, beide unzerrissen über alle Krümmungen und Klippen hinweg abzuziehen. Dafür aber ist der 'Geschmack einer frischen Nuss unvergleichlich und köstlich. Ueberhaupt der Nussgeschmack! Ist es nicht, als ob man die Säfte der Erde selber kostete? Wenn man nicht so sicher wüsste, dass «Genuss» von gemessen kommt, man könnte denken, von «Nuss». Und durch wie viele unserer Speisen zieht sich, wie eine feine Melodie, der Nussgeschmack: Milch, Pilze, Haferflocken, Olivenöl, «nur echt, nur gut mit Nussgeschmack». — Die Haselnüsse haben noch besondere Liebhaber. Sie sind dasselbe unter den. Nüssen, was die Walderdbeeren unter »den ^Erdbeeren sind: klein, aber fein, wildgewächsen und mit dem gewissen Etwas der Naturkinder. Es gibt Menschen, die Nüsse nicht gern essen. Es gibt ja auch Leute, die kein Interesse daran haben, die Wahrheit zu suchen, die zu bequem dazu sind oder zu blind. Menschen, die Nüsse nicht gern essen, tun auoh dies nur aus Bequemlichkeit: Es braucht nicht nur Muskelkraft und Geschicklichkeit, man bekommt auch braune Wd grässliche Finger da- Zürcher Unterhaltungsstätten Schauspielhaus AbeDd9 8 " r taf nachm Di. abend 19. Noi. 8 Uhr: Volksvorstellung: M* n " sehen in Weiss. Mi. abend 20. Mo». Caesar in Röblikon, Komödie aus der Gegenwärt von Walter Lesch; in Schweizer Mundart gespielt. 00. abend 21. NOT. Premiere : Die erste Legion, Schauspiel von Emmet Lavery. Deutsch v. Friedr. Schreyvogel. Fr. abend 22.NOV. Caesar in Rüblikon. Sa. abend 23. NOV. Die erste Lagion. nema Uhr Apollo Stauffacherilras*e 41. Der bunte Schleier, mit Greta Garbo, prol. Einen guten KAFFEEtrinken Sie im ruhigen Autoparkplatz - off. bis 24 Uhr - Niischelerstr. 30 Apollotheater Cafe-Rest. Stauffacherstrasse 41. Das Cafehaus mit den bescheidenen Preisen. Rendez-vous vor und nach dem Kino. Diätrestaurant A. Gleich, vegetarisch-alkoholfrei, Holbeinstrasse 25- Ecke Seefeldstrasse 19. — Telephon 23.185. Ce Caba Attraktionen. Stampfenbachpiatz Waldhaus Slhlbrugg (Station) Täglich gediegene Kabarett-Einlagen! Musik, Gesang, Tanz, komische Einlagen, Sketches! Wolf Llmmatqual 132, b. Central , F, Winisdörfer Erstklassige Menüs 1.70. Kuchenspezialitäten. Orchester Leindecker. Zeughau ke am Paradeplatz Eine Sehenswürdigkeit. Küche und Keller berühmt Familie Biedermann-Sutter, Besitzer des Hotel Engel in Baden, b. Turm. 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Aber wenn leidenschaftliche Nüsse-Esser diese Leidenschaftslosigkeit nicht verstehen, haben sie auch andere Ginwände zur Hand: «Sie bleiben so in den Zähnen stecken!», «Sie kratzen so im Hals, und mit Rücksicht auf meine Stimme...» Unverbesserliche Nüsse-Esser aber essen sich heiser ohne Bedenken. Es geht wie stets im Leben: Grosse Genüsse werden nur mit grossen Mühen erkauft JUla and Aula Nein, es ist durchaus nicht gleichgültig, was Sie ins Auto anziehen. Sehr oft hört man die Bemerkung: « Fürs Auto ist das gut genug.» Nun Ja, wenn es sich um einen vorsintflutlichen Ford handelt oder eine ausgediente Rennmaschine, die um die Jahrhundertwende einen Preis davontrug, dann dürfen Sie meinetwegen sich in Grossmutters wattiertem Rock und ihrer von den Motten zerfressenen Pelzjacke darin vor Kälte schützen. Sind Sie aber die glückliche Besitzerin eines Strom« ünien-Modells oder sonst eines rassigen Wagens, dann heisst es eben «Noblesse oblige», womit ich nicht etwa meine, der Kragen Ihrer Jacke oder die Linie Ihres Mantels müssten nun unbedingt auch die Stromlinie aufweisen. Gott bewahre, Eintönigkeit ist unter allen Umständen zu vermeiden. Und was die Pelzart betrifft, so meine ich ebenfalls nicht eine Zobelpelerine; überhaupt keine Pelerine, mögen sie sonst noch so entzückend sein, am Volant würde sie Ihnen entschieden hinderlich sein, denn Capes beeinträchtigen bekanntlich die Ellbogenfreiheit. Auch einen modisch angeschlossenen langen Pelzmantel würde ich nicht wählen, sondern mich ohne Zögern zu einem rassigen, dreiviertellangen Paletot entsohliessen, der elegant ist und doch sportlich wirkt. Das Fell soll selbstverständlich kurzhaarig sein, denn wir wollen doch keineswegs einem Nordpolfahrer ähneln. Wenn Sie eine schlanke Brünette sind, würde ich Ihnen entschieden zu Ozelot raten, das wird Ihnen durchaus nicht etwas iRaubtierhaftes verleihen, wie viele meinen, sondern nur Ihren südlichen Typus betonen. Wenn Ihr Gatte darin etwas Katzenhaftes sieht, um so schlimmer für ihn. — Sehr elegant werden Sie übrigens auch in einem der hochmodernen Russenpaletots aussehen, etwa aus grauem Lamm. Der breite Ledergürtel, der dazu gehört, gibt ihm etwas ausgesprochen Sportliches, das zum Wagen passt. Wenn Sie sich dazu noch eine hohe Kosakenmütze aus demselben Fell auf Ihre Locken setzen — denn natürlich sind Sie entweder natur- oder dauergelockt — so werden Sie so interessant russisch aussehen, dass «die Drei von der Tankstelle» bei Ihrem Anblick unwillkürlich das Wolgalied pfeifen und nach dessen etwas langsamem Rhythmus das zollbesteuerte Nass in den Magen Ihres Wagens pumpen. Marianne. Göschenen BAHNHOF BÜFFET Umladestelle für die Autos nach und von Airolo. 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