Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1935_Zeitung_Nr.093

E_1935_Zeitung_Nr.093

LUFTFAH Tendenzen der

LUFTFAH Tendenzen der englischen Zivilfliegerei. Die Organisation des englischen Luftverkehrsnetzes erfolgte von Anfang an unter Berücksichtigung einer Verbindung der verschiedenen Teile des Empires. Im Jahre 1924 wurden mit staatlicher Unterstützung die Imperial Airways gegründet. Das Kapital der Gesellschaft beläuft sich auf 649,086 Pfund Sterling. Im Besitz der Regierung befinden sich «deferred»-Anteile in Höhe von 25,000 Pfund Sterling. Für 1935/36 belaufen sich die Regierungsbeihilfen für das private Luftwesen auf insgesamt 595,000 Pfund Sterling. Der grösste Teil dieses Betrages entfällt auf die Imperial Airways. Dafür ist die Gesellschaft verpflichtet, einen Passagier-, Fracht- und Postdienst zwischen den verschiedenen Teilen des Reiches zu unterhalten. Die Regierung zieht dabei den gemischten Passagier- und Frachtverkehr vor, ohne sich durch den Einwand, dass die Geschwindigkeit darunter leiden müsse, beirren zu lassen. Tatsache ist, dass die Imperial Airways zur Zeit nicht über besonders schnelle Flugzeuge verfügen. Die Gesellschaft bevorzugt vielmehr Komfort und Bequemlichkeit für die Passagiere und grosses Ladevermögen. Massgebend für die gemeinsame Post-, Fracht- und Passagierbeförderung waren in erster Linie wirtschaftliche Erwägungen. Diese Politik führte insofern zum Erfolge, als die Imperial Airways sich zu zwei Dritteln aus eigenen Mitteln erhalten können, so dass ihre Subventionierung geringer ist als die der meisten anderen Luftfahrtgesellschaften in europäischen Ländern. Von 1933 bis 1934 stieg der Reingewinn (einschliesslich Subventionen) von 52,894 auf 191,335 Pfund Sterling. Die Dividende erhöhte sich von 5 auf 6 Prozent. Der Postdienst nach Südafrika, Britisch-Indien und Australien geht wöchentlich zweimal ab, während der Postdienst nach Aegypten, Palästina, Syrien und Transjordanien vier Abflüge wöchentlich durchführt. Die Flugdauer beträgt nach Aegypten 2Vt Tage, nach Südafrika 10 Tage, nach Britisch-Indien 7 Tage und nach Australien 14 Tage. In Zusammenarbeit von Imperial Airways, Postverwaltung und Regierung soll eine weitere Verkürzung der Flugdauer erreicht werden. Der Dienst nach Australien und Südafrika soll dabei durch Flugboote an Stelle der heute benutzten Landflugzeuge betrieben werden. Um die Reorganisation zu erleichtern, haben die Imperial Airways eine Anzahl von Tochtergesellschaften Betrieb der einzelnen Linien übernommen haben. Die Politik der Imperial Airways hat ganz offensichtlich die Tendenz einer Dezentralisation. Der britisch-indische Luftverkehr wird seit einiger Zeit durch die Indian Trans- Continental Airways geregelt, der Dienst zwischen Singapore und Australien von der Chiantas Empire Airways. Gemeinschaftlich mit der Pan American Airways arbeiten die Imperial Airways zur Zeit an der Erschliessung der Route Bermudas—New York. In England selbst bestehen zur Zeit 19 Gesellschaften, die 110 Flugzeuge einsetzen. Ausser der Imperial Airways sind nur noch die Hillmann Airways und die United Airways sowie die Railway Air Services von Bedeutung. Die anderen Gesellschaften unterhalten mehr eine Art Luft-Taxidienst. Der verstellbare Tragflügel, dem hauptsächlich die « Pou du ciel > ihre besonderen Flugeigenschaften verdankt, findet immer mehr auch in einem grösseren Kreis von Konstrukteuren und Wissenschaftern Beachtung. U. a. ist er schon deshalb sehr interessant, weil er ein sicheres Herausnehmen des Flugzeuges aus dem überzogenen Zustand ermöglicht. Wird ein Flugzeug vom Normaltyp überzogen, d.h. zu steil angestellt, so besteht die Gefahr eines so starken Geschwindigkeitsabfalles, dass zuletzt der Auftrieb der Höhensteuerflächen nicht mehr genügt, um die Maschine wieder waagrecht zu stellen. Gewöhnlich zeigt sie dann starke Neigung, über einen Flügel zu kippen und « abzuschmieren », was immer dann äusserst gefährlich ist, wenn noch nicht genügend Höhe zum Abfangen dieser Bewegung zur Verfügung steht. Im Gegensatz dazu ist auch bei schon stark abgefallener Geschwindigkeit das Flugzeug mit verstellbarem Tragflügel sofort wieder in die Normallage zu bringen, indem man eben den Anstellwinkel und damit den Auftrieb des Tragflügels vermindert Zum Zurückgehen in die Normallage muss ja nicht unter ungünstigen Umständen der Schwanz angehoben,, sondern der Vorderteil der Maschine gesenkt werden, was natürlich schon grundsätzlich viel richtiger ist. Im Hinblick auf dieses Prinzip wurden im Laufe der Zeit auch schon die verschiedenen Ententypen gebaut, die sich dann jedoch aus-anderen Gründen nicht -ab-s. AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 19. NOVEMBER 1935 — N° 93 solut bewährten. Fraglich erscheint gegenwärtig nur, wie man bei grösseren Flugzeugbauten aus der « Pou du Ciel» die Verstellbarkeit des Tragflügels verwirklichen sollte. Konstruktiv und mechanisch gäbe es hier be- noch einige harte Nüsse zu gegründet, die denstimmt knacken, würde doch die Verstellung des Tragflügels unter Umständen Kräfte erfordern, die man dem Piloten nicht gut zumuten kann. Ein Jagdflugzeug mit 720 km/St. Maximalgeschwindlgkeit. Wie der « New York Herald» mitteilt, unternimmt die amerikanische Marine gegenwärtig. Versuche mit einem neuen Northrop-Jagdflugzeug. das eine Geschwindigkeit von 720 km/St, erreichen soll. Leider wird nicht angegeben, in welchem Zustand, ob im Sturzflug oder im Geradeausflug, diese Geschwindigkeit zustande kommt. Für den Geradeausflug wäre sie fast unglaublich hoch. Die italienische Regierung bestellt Stippa- Flugzeuge. Vor längerer Zeit beschrieben wir das Flugzeug des Italieners Stippa, bei welchem der Propeller im Innern des rohrförmig ausgebildeten Rumpfes arbeitet, wodurch sein Wirkungsgrad grösser und die Stabilität verbessert sein sollen. Die italienische Regierung hat nun 10 solcher Stippa- Flugzeuge zu Versuchszwecken in Auftrag gegeben. Der italienische Konstrukteur steht auch in Unterhandlungen mit französischen Firmen, nach deren Abschluss der Bau für französische Stippa-Maschinen in Angriff genommen wird. Die Luftflotte der Deutschen Lufthansa setzt sich gegenwärtig aus 183 Flugzeugen zusammen und zwar 88 Junkers Ju 52, 13 Heinke] He 70, 11 Junkers Ju 160. 11 B.F.W. M 20, 10 Dornier Do F, 10 Junkers F 13, 8 Junkers F 24, 5 Junkers Q 31, 5 Dornier Oeltzschners Segelflug-Streckenrekord an« erkannt Der internationale Luftfahrtverband hat den letzten Fernflug Rudolf Oeltzschners, den dieser am 29. Juli im Rahmen des Rhönwettbewerbes von der Wasserkuppe zum Flugplatz Brunn in der Tschechoslowakei mit dem Segelflugzeug « D-Leuna » ausführte, mit einer Entfernung von 504,2 km als internationalen Rekord anerkannt Diese Anerkennung ehrt einen Toten, denn Rudolf Oeltzschner stürzte am 1. August beim Rückflug von Brunn zur Wasserkuppe im Schlepp eines Motorflugzeuges bei Selb in Bayern ab und fand den Fliegertod. 1000 Fallschirmabsprünge auf einmal. Die Russen betreiben die Fallschirmabspringerei, mit wahrem Fanatismus. In' mehreren Städten Sowietrusslands werden bekanntlich ständig volkstümliche Kurse im Fallschirmabspringen durchgeführt, wobei nach dem Vorbild einer Rummelplatz-Attraktion Moskaus manchenorts besondere Türme errichtet wurden, von denen aus Anfänger, durch ein Drahtseil gesichert, ihre ersten Sprünge ins Leere tun können. Anlässlich kürzlich stattgehabter Manöver wurde ein Massenabsprung von bisher nie dagewesener Beteiligung in Szene gesetzt Aus 32 Bombenflugzeugen stürzten sich 1000 Fallschirmabspringer fast gleichzeitig in die Tiefe, um dann, auf der Erde angelangt, als Verstärkung der Infanterietruppen zu fungieren. Es handelte sich dabei weniger um ein blosses Experiment, als um eine militärische Uebung, von der sich Eowietrussland auch in einem eventuellen Krieg wertvolle Anwendungsmöglichkeiten verspricht. -s. Der Flugplatz Bern im Oktober. Die erste Oktoberwoche war nicht nur die letzte Betriebswoche für die Luftverkehrsstrecken, sondern zugleich auch J 11 Wal, 5 Rohrbach-Roland, 3 Junkers J •46, 3 Dornier Merkur, 2 Junkers W 33, 2 die letzte längere Schönwetterperiode. Auf den Fluglinien wurden bei 100 Prozent Regelmäßigkeit Junkers W34, 2 Fokke-Wulff Möve, 1 Junkers Ju 60, 1 Junkers Q 38, 1 Douglas D.C. transportierten die Flugzeuge 1408 kg Post. 382 kg in 70 Kursflügen 166 Passagiere befördert, zudem 2, 1 Boeing 247, 1 Dornier Do 18 A. -th- Fracht und 613 kg Gepäck. Im weitem hat di» Alpar 6 Sonderfliige mit 12 Passagieren ausgeführt. Gefahrlos reisen — im Flugzeug. In der Die Rand- und Alpenflüge waren durch das TJ»-. «Time and Tide» (London) wird die Gefahrlosigkeit der Flugzeuge der Gegenwart auf Grund des Berichtes der British Civil Aviation festgestellt, wonach in den letzten Jahren 2,500,000 Meilen auf einen Todesunfall entfielen, und im Jahre 1934 nur 9 von den 135,000 Flugreisenden getötet wurden auf Flugstrecken, die insgesamt 4,557,000 Meilen betrugen. günstige Wetter stark gehemmt. Immerhin sind von der Alpar 31 Flüge über die Stadt und das Oberland mit 104 Passagieren unternommen worden. Hierbei konnte auch das neue zweimotorige Flugzeug «Koolhoven> auf seine Eignung für Alpenflüge weiter erprobt werden. Die Privatflieger und die Sportflieger des Berner Aero-Clubs haben 175 Trainingsflüge zu verzeichnen. Von diesen Piloten sind TTeberlandflüg» nach den andern schweizerischen Flugplätzen in grösserer Zahl unternommen worden. ap. Auto kühler ecken auf Wunsch mih Motorhauben-Decken. Verdruss und Schaden auf Ihren Autotouren und Bergfahrten bleiben Ihnen erspart, wenn Sie Ihrem Kühler die nötige Pflege zukommen lassen, IN vielen Fallen genügt eine gründlich« Reinigung, um die frühere Kühlwirkung wieder zu erlangen. Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihre Garage oder an meine Firma. Beratungen kostenlos und unverbindlich I AUTO - SATTLEREI MIIAER&MARTI Eigerplatz 13 B E R N Tel. 28.299 Bei Anfragen bitten wir um Angabe der Wagenfype Karosserie Waönerei Schlosseref Sanierei Z0R/CH, rSL£PHOM 2Ö7/6 CHYRO KUHLER BERN-Oster mundigen VERCHROMEN STADELMANN & MANTEL A. G. Tel. 41.128 I. STÖCKLI • BERN I Verkauf'Und Reparaturen von sämtlichen Autopneus u. -Schläuchen, sowie Nagelschutzeinlagen. Benzine und Oele. -- Fachmännische und prompte Bedienung. Tel.21-318 Muhlsmattstrane 33 Aeltestes Haut Zu verkaufen Ford 10 PS, Limousine, 4/5 PL, Modell 1929, in sehr gutem Zustand, neu bereift, Fr. 800.—. Offerten unter Chiffre 69909 an die Automobil-Revue, Bern. Zu verkaufen NASH Mod. 1931, 8 Zyl., 19 PS, 5-Plätzer, 4türig, wie neu, aus Privathand, Fr. 3600.— Anfragen unter Chiffre 15171 an die Automobil-Revue, Bern. Zu verkaufen neues CABRIOLET 4-Plätzer, 6 Zyl., 11 PS, Modell 1935, erste europäische Marke, wird mit Fabrik-Garantie weit unter Katalogpreis abgegeben.. Eventuell Tausch. Sich zu wenden an H. Fasler, Solothurnerstr. 58, Grenchen. Telephon 85.295. 69901 RMTmgcrtltMlnft der Etem-und SMIIWOT*» vannal* Gaora FUchsr. Sckaf fhauswi (Schwab» Wegen Nichtgebrauch zu verkaufen_ FORD Lastwagen 2 Tonnen, 4 Zyl., 17 PS, neu eingebauter Motor. Offerten unter Chiffre 69920 an die Automobil-Revue, Bern. Bugatti PACKARD 3 Liter kleiner 8-Zylinder, 4/5pl., 8 Zyl., 15 St.-PS, Cabriolet Grand-Sport, 4-Plätzer, Sedan, letztes Modell, so mit Koffer, neu bereift, mit neuem Verdeck vu frisch gut wie neu, 11871 gespritzt, kontrollbereit, mit Garantie, günstig abzugeben. — Tel. 23.880, Zürich, oder Zylinderschleiferei Fr. 7500.— Ad. Diggelmann, Minervastrasse 115, Zürich. Werner Risch, Seestr. 407, Zürich-Wollishofen. Wir bauen Kühler in grossert Serien für alle Motorfahrzeuge mit kürzesten Lieferfristen und zwei Jahren Garantie. L. Chytil-Straub, Rorschach Telephon 248

N° 03 — DIENSTAG, tt. NOVEMBER 1935 AUTOMOBIL-REVUE F E U I L L E T O N Blumenhölle am Jaclnto. Urwalderlebnis. Fortsetzung von Seit« 2 \ Aber noch stehen andere Pfosten, die den schwanken Pfahlbau halten! Und es ist wirklich kein grosser Schaden angerichtet worden. Noch nicht mal der Cachassakrug kippte um! Santa Maria! Bastiano, der Händler des Sertao, lächelt vergnügt, u»d seine Freunde trinken Schnaps auf Hendersons Kosten, indes wir beide in neue Khakianzüge schlüpfen. Benito fuhr nach unserm Pfahlbau hinaus, wo Uno, Dos und Tres rauchend auf der Plattform hocken und in das gelbe, vorbeischiessende Wasser starren. Da kommt er schon zurück und bringt die Kiste, in die wir sofort die köstliche Blume packen! Nun erst sind wir zufrieden. Verstohlen grinsen die Männer. Schläfrig blinzelnd^ hockt Chango, der Affe, neben der Waage. Im Hintergrunde gurgelt die durch den schiefen Fussboden einströmende Flut. Manchmal verspüren wir ein leises Zittern unter unsern Füssen, und das ganze Gebäude ächzt. Dann pendeln die Zwiebelschnüre lebhaft hin und her, und Chango schiebt die faltigen Lider hoch, schaut in die Kunde, kratzt sich den Rücken und schläft wieder weiter. «Zum Urubu!» ruft jemand, und alle Mann einschliesslich Bastiona klettern wir in die Curiäria, rudern nach dem nahen Grand Hotel Dom Pedro. Hinter der Bar glitzern bunte Flaschen, und Mädchen, die jetzt dm Tageslicht noch viel (verzweifelter und kränker aussehen, jubeln. Urubu reibt sich 4ie Hände und macht grotesk tiefe Verbeugungen. Männer sind keine da ausser unserer Gesellschaft Der schwarze Juan und seine Freunde weilen noch auf der Plantage des ;Coronel Numez. «Caratnba! was starren Sie mich so unverschämt an!» entfährt es mir, und Urubu zuckt zurück. Henderson presst meinen Arm, dass mir der Schmerz ein lautes Grunzen entreisst. «Was ist los? Schon wieder Fieber?» fragt er und schiebt mich mit Gewalt zur Hängematte, in der die Gitarre liegt. Carmella gesellt sich zu mir, greift in die Saiten und summt eine Seguidilla. Die andern lassen sich am tunden Tisch nieder; Milreissoheine rascheln, spärliche Silberstücke klirren, braune Fäuste hämmern schmutzige Karten auf die Planken. Benito flüstert mit Juanita, ein Paar tanzt Henderson stiert wie abwesend vor sich hin. Nun setzt das Grammophon mit schrillem Geräusch der Nadel ein. «Die Mädchen von Santarem! Und die von Rioooo!» Ich kenne Hendersons Gedanken! Und ohne mich um Carmella zu kümmern, die ihre Gitarre weglegte und mich mit den Blicken einer müden Kokotte anschmachtet, rufe ich laut auf englisch durch den Lärm : «Ho, Henderson, 's ist langweilig und schmutzig hier. Gott verdamme das Sertao, aber lieber ist's mir doch. Wollen machen, dass wir fortkommen! » Er blickt empor, sein viereckiges Kinn schiebt sich vor. Knirschend endet das Grammophon: « Si, si, ai, ai! Ja, das sind die von Rioooo! » Urubu kommt mit einem Armvoll Flaschen herbei. Innerlich lachend fühle ich, wie Carmellas Finger verstohlen in meine Taschen fahren. Eine nach der andern tasten sie ab, und ich versuche, meine Wachsamkeit, hinter einem Gähnen zu verbergen. Armes Geschöpf, gedenkst du Reichtümer bei mir zu finden? Ho, eben habe ich doch den Anzug erst gekauft, und seine Taschen sind leer. Leer wie dein ganzes Leben war und ist, und das nun dicht vor dem Abschluss steht. Denn — wie sagte Urubu? «Manche halten's sechs Monate aus, Senhor, ehe das Fieber sie tötet! » Carmella, in deinen schwarzen Augen, mit deren müdem Feuer du mich'vergeblich zu entzünden versuchst, wohnt schon der Tod! Ich will dir die Freude nicht rauben, die du jetzt wahrscheinlich fühlst. Der dumme, blöde Gringo merkt nicht, wie ich ihn durchsuche, denkst du! Ave Maria und alle vierzehn Nothelfer! Steh mir bei, heilige Gottesmutter, denn es ist keine Sünde, einen Gringo, einen Ketzer zu plündern. Wo er nur sein Geld hat? San Pedro, hilf und eine bunt bemalte Kerze will ich dir kaufen. Wo hat er nur sein Geld, der Gringo? Ach Virgen, ich muss ja, Urubu hat's befohlen! Dank sei dir, Virgen, ich hab's. Ein wasserdichtes Täschchen trägt er auf der Brust darin hat er sicher das Geld. Milreisscheine! Denn alle Gringos sind doch reich. Horch, nun ^pielt das Grammophon, die Männer lärmen. Der Gringo ist müde, er gähnt Sind das CarmeHas Gedanken, als ihre Hand leise, leise, nach meinem Brustbeutel greift, während ihre freie Rechte mein Haar streichelt und müde Feuer aus ihren Augen mich anflackern? Ein erschreckter Seufzer entflieht ihr, wie ich die Finger wegschiebe, die den Diebstahl planen. Ich nestle die Tasche vom Halse, öffne sie und zeige dem Mädchen, dessen Gesicht nun zur traurigen, angstvollen Maske wurde, den Inhalt. Milreisscheine, Carmella? Da, sieh her! Nur ein Bild, eine kleine, verwischte, halb aufgeweichte Amateurphotographie. Eine Frau mit verhärmten Zügen, unsäglich traurigen Augen. Aber das kannst du nicht mehr erkennen, Carmella, zu verwischt ist das Bild. Nur ich sehe es noch. Meine Mutter ist's! « 0 yes, I have some bananas, bananas, bananas for you! » Verdammtes Grammophongedusel! Verdammte Gefühlsduselei! Mach nicht solch ein Gesicht, wie die Heroine aus dem letzten Kitschfilm, Mädel! Schau, ich tu' das Bild wieder weg, hänge die Tasche wieder um den Hals, und nun sei nett Komm, wir wollen Cachassa trinken. Oder Bier, Schnaps, Cocktails, was du willst. Urubu hat alles! Das Grammophon schweigt. Hendersons Kinn ist noch vorgereckt, und ich höre ihn 'reden: «Wollen morgen gehen, Boy! Schätze, dass das Sertao 'ne Hölle ist. Pure glorreiche Hölle, yes! Schätze aber diese doch besser als das Grand Hotel hier. Grand Hotel, hihi!» Urubu steht vor mir, und ich fühle, wie Carmella zusammenzuckt, sich eng an mich drückt. Das ist keine Koketterie mehr, sondern Furcht, hündische Angst vor der Peitsche des Herrn. Urubu wendet mir plötzlich das Gesicht zu. Die kalten, grauen Augen sind ausdruckslos, verraten nichts. Nur der rosige Kropf, der dicht unter den Wangen beginnt, zuckt nervös. Sein schmaler Mund lächelt; die Klauenhand hält mir ein Tablett hin, auf dem zwei grosse, schäumend volle Becher balancieren. « Cocktail del Sertao, eigene Erfindung! » tönt die Lakaienstimme, und drohend betrachten die grauen Augen die zitternde Carmella. Bedächtig ergreife ich eines der Gefässe, giesse dem nichtsahnenden Manne den Inhalt ins Gesicht. Er taumelt, stösst einen Schrei aus und schlägt die Hände vor die Augen, wie ich das zweite volle Glas nachschleudere. \ Still ist es im Raum geworden. Aber was ist das ? Urubu wankt noch immer, anscheinend muss sein Cocktail del Sertao verteufelt in den Augen brennen- Plötzlich aber fährt seine Rechte in die Hüfttasche, und ich springe erwartungsvoll auf. Hoffentlich kann ich ihn nun über den Haufen knallen ! Seine Hand zuckt wieder hoch und hält — ein grosses, seidenes Taschentuch, mit dem er sich energisch das Gesicht wischt. « Hahaha ! > lacht jemand dröhnend und endlos. Ich sinke zurück in meinen Sitz. Henderson grinst verächtlich, schiebt die Pfeife zwischen die grossen, starken Zähne. Die Mädchen kämpfen mit dem Lachen, das aus ihnen herausplatzen möchte. Urubu hat sein Gesicht gesäubert. Noch blinzelt er, wie er sich verbeugt und sagt: « Senhor sind ein Spassvogel! Zwei Drinks und ein zerbrochenes Glas auf Ihre Kosten, Senhor. Darf ich etwas anderes bringen ? Cachassa, Wein ? » Und die Verblüffung entreisst mir die Worte : « Portwein, Amigo ! » Er geht an die Bar zurück, holt das Getränk. «Hahaha! > lacht immer noch Bastiano, bricht plötzlich ab, denn die Schwingtür flog auf und zwei wie Vogelscheuchen gekleidete Männer, mit braunen Gesichtern, springen herein, dass der Boden wankt. Einer saust wie ein Kreisel zu Carmella, dann zu Sara und von ihr zu den andern Mädchen, küsst und umarmt sie umschichtig. Sein Begleiter hüpft auf und ab, patscht sich mit der Linken auf die Schenkel, und seine Rechte umklammert einen grossen Trommelrevolver. Blitzschnell taucht Urubu unter die Bar, als der erste kanonenähnliche Schuss kracht. In rascher Folge noch fünf andere ! Plötzliche Stille. Beizender Pulverdampf. Immer noch rennt der Bursche von einem Mädchen zum andern, und der Revolverschütze hüpft hin und her. hat den Mund weit offen- Endlich brüllt dieser Mund heiser heraus : « Fünf Monate waren wir im Sertao. Schlangen und Blasrohrindianer! Heilige Mutter Gottes ! Pablo am Fieber krepiert! Drei Kanuladungen Gummi mitgebracht ! Coronel Numez kaufte alles ! Heilige Himmelsbewohner, welcher Reichtum! > Der Mund bleibt weiter offen, aber die Stimmbänder versagen den Dienst. Jedoch strengt er sich gewaltig an, und seltsam flüsternd zischelt es durch die Stille : « Fünfhundert ! fünfhundert Milreis gab uns Numez. 0 ihr Heiligen ! » (Fortsetzung folgt.) Drohende Gefahr - doch ein Signal warnt rechtzeitig! Drohende Gefahr für den Motor durch unzureichendes Oel - doch kein Signal warnt davor. Warten Sie nicht, bis Sie durch Schaden klug werden. Gefahren, die teuren Motorteilen drohen, verhütet einzig und allein die Respektierung der 3 Grundgesetze für ausreichenden Schutz: 1. Nur Marken-Oel von Weltruf benutzen! 2. Regelmäßig (lt. Fabrikvorschrift) das Oel wechseln! 3. Für jede Jahreszeit die richtige Sorte verwenden! Welches Oel? Nun, Hunderttausende in aller Welt vertrauen ESSOLUBE, weil dieses Oel absoluten Schutz gewährt. Auch Ihr Motor hat Anspruch auf . diesen absoluten Schutz, Schnelles Starten «• leicht gemacht! Das moderne Au* tomobil ist kein „Sommerfahrzeug" mehr. Bei jedem Wetter, in jeder Jahreszeil unverändert betriebssicher, erweist es gerade jetzt seine vielen Vorzüge. Auch das Starten bietet keine Schwierigkeiten mehr, selbst wenn der Wa« gen lange auf der Straß» gestanden hat. Denn Esse» lube, hervorragend kältebeständig, ermöglicht bei jeder Betriebstemperatur störungsfreies Funktionierender empfindlichen Motoranlage und gewährt ihr absoluten Schutz. SAURER 4 AD 5 Tonnen, mit Kipper, Modell 1929, in garantiert tadellosem Zustand, mit Kippbrücke, 1 langen Brücke für Ueberlandtransporte und einer 30plätzlgen Karosserie, wird sehr vorteilhaft verkauft. — Auskunft betreffend Besichtigung durch Telephon 72.563, Karosserie Wernli, Zürich-Albisrieden, Anemonenstrasse 40. 12304 Ach, wie sehne ich mich nach der ERIKA... nach dieser hervorragenden, modernen Schreibmaschine, auf der es sich so leicht schreibt. Man kann sie gegen kleine Monattraten erstehen. Nicht passende Schreibmaschinen nehme ich in Zahlung. Gratisprospekt durch: W. Häu$ler-Zepf, Ölten 4-Sitzer Cabriolet Auburn-Cord Vorderantrieb, 4türig, Luxus-Ausführung, mit allen Schikanen, 2 Schönheitspreise, neuwertig, umständehalber zu Fr. 6000.— abzugeben. 69929 Telephon 914.291, Kilchberg-Zürich. Zu verkaufen MERCEDES Type 200, 6 Zyl., 10 PS, 1933, Limousine, Lederpolster, 6fach bereift, mit Schwingachsen und Schonganggetriebe, in tadellosem Zustand, aus Privathand. Standort Basel. — Anfragen sind zu richten unter Chiffre C 7434 Q an Publicitas, Basel. 69916 etwas i/n, (Zufofacfi üU&z&sscznt, o SomcuÄts 6el den JCäufauz die 'L/oeotoe *&eßasuit.