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E_1935_Zeitung_Nr.094

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BERN, Freitag, 22. November 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jährgang - N»"«4 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabt- A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. Aasland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe 0 (mit Insassenversicheruns) vierteljährlich Fr. 7.50 Dieser Tage veröffentlichte der Fussgänger-Schutzverband Zürich unter dem Titel « Der Schnellverkehr auf den Strassen » eine kritische Betrachtung, die einer sachlichen Entgegnung bezw. einiger Ergänzungen bedarf. Deshalb ist es zweckmässig, die Einsendung des Fussgängerschutzverbandes hier auszugsweise zum Abdruck zu bringen, da die Stellungnahme der Fussgänger für jeden Motorfahrzeuglenker von Interesse ist: Trotz Verkehrsunterricht in den Schulen und «Verkehrswochen» wird die Zahl der Körperverletzungen im Strassenverkehr kaum beträchtlich sinken. Die Ursachen liegen eben vielfach in Umständen, die auch bei längerer Verkehrserziehung nicht verschwinden werden. Da ist vor allem die Unzulänglichkeit der menschlichen Sinnes- und Bewegungsorgane für eine so schnelle Reaktion, wie der moderne Eilverkehr auf den Strassen sie benötigt. Eine verhältnismässig schmale, gerade Strasse wird auch für den Passanten übersichtlich und .kann gefahrlos überschritten werden, sofern ihr Automobilverkehr nicht dicht ist. Das Ueberschreiten breiter Strassen mit grossem motorisiertem Verkehr ist schwieriger. Motorfahrzeuglenker und Fussgänger haben es meist eilig. Der Fussgänger nimmt sich oft nicht die Zeit, das Ende einer Wagenkolonne abzuwarten, veil er sieht, dass aus der entgegengesetzten Richtung eine neue naht, die ihn wieder zum Warten zwingt, und weil in diesem Wechsel der passierenden Fahrzeugkolonnen kein Ende abzusehen ist. Der Fahrzeugführer hält nicht gerne an, um wartenden Personen eine Gelegenheit zum Ueberqueren der Strasse zu verschaffen. So entstehen durch « Erzwängen » der Passanten und F_ahrzeugführer häufig Zusammenstösse. Wohl sind in einzelnen Städten für die Ueberquerung der Strassen bezeichnete Uebergänge geschaffen. Der Fussgänger muss die schmälste Strassenstelle benutzen und wird durch Geländer in diese seitlich abgedrängt. Aber auch auf der « Nagelgasse », auf der die Fussgänger ruhig und auf einem gewissen «Vortrittsrecht > die Strasse sollten überschreiten können, findet öfters ein « stiller Kampf » statt, indem Fahrzeugführer diese bezeichnete Uebergangszone nicht beachten und unbekümmert um die Fussgänger zufahren. Die Polizei schenkt diesen Vorgängen wenig Aufmerksamkeit. Zudem glauben einzelne Fahrer, sogar einzelne Polizeiorgane, die Aufhebung der Höchstgeschwindigkeiten für Personenautos im eidgenössischen Verkehrsgesetz habe eine Art Freibrief zu vollständiger Willkür der Fahrer gebracht. Aber diese Freiheit in der Schnelligkeit gilt nur insoweit, als der Führer sein Fahrzeug zu beherrschen vermag. Wer den Strassenverkehr beobachtet, die Strassenverkehrsunfallstatistik studiert oder entsprechenden Strafprozessen beiwohnt, wird gestehen müssen, dass die Übergrosse Eile einzelner Fahrer eine bedeutende Rolle spielt. Die Konferenz der kant. Polizeidirektoren hat denn auch auf Grund der Erfahrungen den Wegfall der Geschwindigkeitsgrenzen im F E U I L L E T O N Blumenhölle am Jacinto. Urwalderlebnis. Von Ernst F. Löhndorff. (11. Fortsetzung) Erscheint leden Dienstap and Freitag Wöchentliche Beilage .Autler-Feierabend". Monatlich 1 mai Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 Telegramm-Adresse Autorevue, Bern Gesehiftsslelle Zürich: Löwenstrasse 51. Telephon 39.743 eidgenössischen Verkehrsgesetz für die Vermehrung der Verkehrsunfälle in den letzten Jahren mitverantwortlich erklärt. Im Interesse der Verkehrssicherheit für Fahrer und Fussgänger wäre zum mindesten zu wünschen, dass die Polizei jene Automobilisten und Motorradfahrer, die durch zu schnelles Fahren offensichtlich die Verkehrssicherheit gefährden, in die Schranken wiese. » Für eine befriedigende Regelung des Verkehrs zwischen Fussgänger und Fahrzeuglenker gelten u. a. folgende Bestimmungen des M.F.G. und der Vollziehungsverordnung: Für den Fussgänger: Art. 35, Absatz 1: Der Fussgänger hat die Trottoirs oder Fussgängerstreifen zu benutzen und die Strasse vorsichtig zu überschreiten. Auf unübersichtlichen Strassenstrecken und wenn Motorfahrzeuge herannahen, hat er sich an die Strassenseite zu halten. Absatz 2: Er hat auch die Anordnungen der Verkehrspolizei zu beachten. Art. 76, Absatz 3, der Vollziehungsverordnung: Die Fussgänger haben die ihnen für die Benützung der* Fahrbahn gegebenen Zeichen ebenfalls zu befolgen. Für den Automobilisten und Motorradfahrer: AH. 42 der Vollziehungsverordnung: Der Führer muss sein Fahrzeug ständig beherrschen und die- Geschwindigkeit den gegebenen Strassen- und Ver^kehrsverhältnissen anpassen. Er hat namentlich in Ortschaften, bei Bahnübergängen und auch, sonst überall da, wo das Fahrzeug Anlass zu Verkehrsstörung, Belästigung des Publikums, Erschrecken des Viehs oder Unfällen führen iönnte, den Lauf zu massigen oder nötigenfalls anzuhalten. Art. 45, Absatz 3: Vor Fussgängerstreifen haben die Motorfahreeugführer die Geschwindigkeit zu massigen und nötigenfalls anzuhalten, um den sich schon darauf befindenden Fussgängern die ungehinderte Ueberquerung der Fahrbahn zu ermöglichen. Soweit die Bestimmungen. Zu der Feststellung der Fussgänger, dass trotz Verkehrsunterricht in den Schulen und «Verkehrswochen » die Zahl der Körperverletzungen im Strassenverkehr kaum beträchtlich sinken werde, ist immerhin zu bemerken, dass allein schon das Hupverbot nachgewiesenermassen dazu beigetragen hat, die Unfallziffern zu senken und dass bei verantwortungsbewusster Befolgung der eingangs aufgeführten Bestimmungen und der daraus für den Fahrzeugführer und für den Fussgänger resultierenden Rechte und Pflichten mehr und mehr die Kollisionen zwischen den beiden Strassenbenützer-Kategorien sich auf ein Mindestmass reduzieren Messen und lassen. J O.- und Eine Entgegnnung. (Fortsetzung Seite 2.) » Schadenersatzanspruch aus einer Strassenkorrektlon. [Aus dem Bundesgericht.) Der Kanton Luzern Hess 1932/33 auf der Strasse Bern-Luzern die Strecke Wiggen- Escholzmatt korrigieren, wobei eine Kurve näher an ein an der Strasse gelegenes Haus verlegt und daselbst das Strassenniveau um 30—40 cm gehoben wurde. Die beidseitige Wölbung der Strasse wurde ersetzt durch ein einseitiges Quergefälle gegen das Haus zu. Die Hauseigentümer machten den Kanton verantwortlich für die ihnen aus der Korrektion erwachsenen Nachteile: infolge der Höherlegung der Strasse würden Staub, Steine und Schmutz von den vorbeifahrenden Motorfahrzeugen gegen das Haus geschleudert und das Wasser werde von der Strasse gegen das Haus gelenkt, wo es durch keine Kanalisation oder Verschalung aufgenommen werde und in das Haus eindringe. Sie belangten den Kanton im direkten Prozess vor Bundesgericht auf 20,000 Fr. Entschädigung und beantragten eventuell eine Zurückversetzung des:. Hauses auf Kosten des Kantons, -i Diese Klage ist am ,13. November vom Bundesgericht teilweise* gutgeheissen worden in Anwendung von Art. 679 des Zivilgesetzes: «Wird jemand dadurch, dass ein Grundeigentümer sein .Eigentumsrecht überschreitet, geschädigt oder mit Schaden bedroht, so kann er auf Beseitigung der Schädigung oder auf Schutz gegen drohenden Schaden und INSERTIONS-PREIS: Die aebtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Gröisere Inserate nach Spezialtarif Inseratenschluss 4 Tane vor Erscheinen der Nummern auf Schadenersatz klagen.» Da die Strasse vom Gemeinwesen (Kanton oder Gemeinde) zur Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe verwendet wird, ist sie eine öffentliche Sache; dies steht jedoch der Anwendung nachbarrechtlicher Vorschriften des Zivilgesetzes nicht entgegen, sofern das Gemeinwesen als Grundeigentümer gehandelt hat und nicht kraft seines Hoheitsrechtes (wie bei der Regelung des Gemeingebrauches an der Strasse). Für Schädigungen, die sich aus dem willigung zu geben haben. erhöhten Motorverkehr, also aus dem Gemeingebrauch, ergeben haben, wird daher der Kanton bei seinem Angebot, auf seine Kosten Das Bundesgericht behaftete daher den Kanton von den Eigentümern der an diedas Strassenwasser in der Umgegend und Strasse anstossenden Liegenschaften nicht verantwortlich gemacht werden können. Dagegen sind dem Eigentümer, für die Ausübung seiner Rechte gesetzliche Schranken gesetzt und der Kanton wird als Eigentümer der Strasse gegenüber den geschädigten Nach- beginnt Jose die Abenteuer des Sertao zu den Hauptstrom schiessen. Sofort ist unsere erzählen. Wir beide gehen hinaus, denn es Aufmerksamkeit aufs höchste angespannt. will Nacht werden. Nebel, tückische Wirbel, phosphoreszierende Dunkelheit und treibende Baumriesen Das Sertao. machen diese Fahrt gefährlich. Der Strom rauscht und tost. Unter der Fast brausen wir an dem aus dem Wasser Plattform,- wo die Curiarias hin und herragenden Pfahlbau vorbei. Der Strom ist schaukeln, brechen sich sprühende Wellen. Drüben liegt Bastianos Store, und der hin- wieder gestiegen, wie wir an den Tragpfeilern sehen, und sein Gefälle wurde stärker! Es ist ein tolles Wagestück, anzulegen. Henderson rudert aus Kräften back, ich ergreife die Treppe, halte mich eisern fest, und doch werde ich fast aus der Curiaria gerissen, als das Wasser sie weiterreissen will- Endlich stehen wir auf der winzigen Plattform, unten hüpft das sorgfältig vertäute Fahrzeug. Ob es morgen noch da ist ? Ob I Wir berichten heute Traktandenliste der Bundesversammlung. Rekordfahrten auf der Avus. Benzin und Benzol im eidgen. Finanzprogramm. Von der Motorleistung. Welche Strecke benötigt man zum Ueberholen? Verbilligung des Luftverkehrs. Von der Londoner Olympia- Schau der Nutzfahrzeuge. Bilder: Seite 6. bargrundstücken haftbar, wenn er diese Schranken missachtet. i Bei der Strassenkorrektion war die Schädigung des Hauses der Kläger durch das Ablaufwasser nicht durch die öffentlichen Interessen geboten und sie hätte sich leicht vermeiden lassen; der Kanton hat also seine Eigentümerrechte überchritten, als er bei der Umgestaltung nicht für einen entsprechenden Wasserahlauf sorgte. Die Kläger haben gemäss Art. 679 Z. G. B. Anspruch auf Beseitigung dieser Schädigung und Schutz gegen drohenden Schaden, aber auch auf Schadenersatz für den bisher erlittenen Nachteil, wobei freilich dem Umstände Rechnung zu tragen ist,'dass die Strassenkorrektion, namentlich durch den verbesserten Belag, dem Hause der Kläger auch Vorteile gebracht hat. Da der über die Strasse ragende Dachvorsprung des Hauses mitunter von vorbeifahrenden Lastwagen beschädigt wurde, muss auch hier Abhilfe geschaffen werden, wobei freilich die Hauseigentümer zu einem Zurückschneiden dieses Vorsprunges ihre Ein- beim Hause der Kläger durch eine geschlossene Kanalisation mit Einfallschächten abzuleiten, dem Hause entlang ein Betontrottoir zu erstellen und den Dachvorsprung in technisch, einwandfreier Art zurückzuschneiden. Für den bisher erlittenen Nachteil sprach es den Klägern 1200 Fr. Schadenersatz zu. Wp. Schwer atmend sinkt der Mann in den terste Zipfel des Gebäudes schwankt im Stuhl, den Urubu hinschob. Aus den Lumpen, die seine braune Brust umflattern, holt Henderson lacht: « Ein ehrlicher Kerl ist Wasser auf und nieder. die Hand ein Bündel Papiergeld, schleudert dieser Urwaldtrader wohl, aber faul wie nur es hoch in die Luft. Der andere gibt Chica ein Brasilianer. Schätze, wenn noch ein Gewitter kommt, so schwimmt er mitsamt sei- noch einen schallenden Kuss, schwenkt dann mit prächtiger Grandezza den formlosen ner Bude den Krokodilen in den Rachen. Sombrero, zeigt die blitzenden Zähne und Aber er kalkuliert eben, dass kein Sturm sagt: « Ja, es ist wahr. Senhores. Fünf Monate waren's und fünfhundert Milreis sind's. Boote ! Schätze, dass es der Nigger mit sei- mehr ausbricht. Schau, da vorne kommen Dort der. ist der Pedro, ich bin der Jose\ ner Bande ist. Wollen ihnen aus dem Wege Pablo starb am Fieber. Wir wollen auf sein gehen l» Gedächtnis trinken, Senhores ! Alle, und sovie] ihr wollt. Ich bin der Jose, der dort ist Strömung an. Schrilles Lachen übertönt das Drei dunkle Fahrzeuge kämpfen gegen die der Pedro, und der andere » — hier macht Wasser. Wir klettern die schlüpfrige Holztreppe hinab, steigen in die Curiaria, die uns der Sprecher eine Verbeugung und fährt fort: « der andere war der Pablo ! » Benito gab. Feiner Regen rieselt nieder. Brausender Lärm folgt seinen Worten. Dünste gleiten über die Fluten, ballen sich Henderson und ich sind plötzlich allein am zu immer dichteren Massen. Die Boote mit Tisch. Alle andern drängen sich an der Bar den Leuten der Plantage lenken in die Halbmondbucht, als wir gerade in den um die beiden Männer. Mit lauter Stimme schäumenist, und wie merkwürdig-es nach Verwesung riecht! Ich zünde in der Hütte die Lampe an, frage Henderson, der etwas unter dem Arm trägt: «Was ist das ?» Er schmunzelt, setzt einen Tonkrug nieder: «Cachassa, wie ich schätze. Fand es, in der Curiaria und nehme an, dass es* ein Geschenk Bastianos oder Benitos ist. Kalkuliere, dass wir vor dem Frühstück einen kleinen Drink genehmigen. Gute Nacht nun, Hitzkopf! > Er schwingt sich in seine schwebende Lagerstätte. Ich sitze noch lange auf einer Kiste und grüble. Bilder beginnen sich vor meinem geistigen Auge zu formen. Sentimentale- Träume von Dingen, nach denen meine Seele hungert, während die Vernunft darüber lacht, der Pfahlbau morgen noch steht und wirpeinigen mich. Draussen singt der angeschwollene Strom sein wildes Lied. noch leben ? Das weiss man nicht und fragt auch nicht danach. Denn dies alles, was uns Ich fahre empor, lösche die Lampe aus und hier umgibt, uns trägt, uns umbraust; was trete in die Türöffnung. Waren das nicht wir einatmen, was wir sehen, hören und Stimmen und Ruderschläge? Ich entdecke fühlen, ist die Seele des Sertao. Und der Urwald ist unberechenbar! Regentropfen und warme, brodelnde Mias- nichts! Nebel und schillernde Wasserstreifen. Drüben quirlen Dünste um die flutenumspülte, schwankende Hütte, in der drei In- Wieder in der Hütte taste ich nach dem menluft. Und Henderson schnarcht. dianer schlafen. Und noch weiter dahinten, Cachassakrug, setze ihn an die Lippen. Uff! gleich einem tiefschwarzen, flatternden wie mein Schädel hämmert und das Blut in Schattenriss, ragt aus den unruhigen Nebeln den Adern rast. Und dabei noch Schnaps trinken ? (Fortsetzung Seite eine Baumgruppe. Wie klebrig doch die Luft 5.) über: