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E_1935_Zeitung_Nr.097

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 3. DEZEMBER 1935 N» 9? Rutschförderung oder Schneckenförderung erfolgen wie in der Feuerungstechnik. Die Staubeinführung ist besonders heikel. Sind beim Diesel Ö1 motor schon erhebliche Probleme zu lösen, so ist die Brennstoffeinführung beim Staubmotor noch schwieriger, da der Staub beim Dieselverfahren in einigen Hundertstelssekunden bei einem Kompressionsdruck von 20—30 kg/cm 2 in den Verbrennungsraum eintreten muss. Am aussichtsreichsten scheint vorläufig das sogenannte Schleusenverfahren. Das Einschleussen in die Schleusenkammer geschieht wahrscheinlich am zweckmässigsten durch Einschieben; es wurde auch Einsaugen oder Einrutschen mit Erfolg versucht. Das Ausschleusen aus den Schleusenkammern in den Verbrennungsraum wird nach zwei aus dem Dieselmotorbetrieb bekannten Verfahren gemacht mit Einblaseluft oder nach dem Vorkammerverfahren. Noch nicht abgeschlossen scheinen die Versuche über Drosselung, Abmessregelung, Druckgefällregelung, Regeln durch Entgegenblasen von Sperrgasen. Ueber die Staubverbrennung hat Wenzel viele Versuche angestellt und hat die Befürchtung ausgesprochen, dass der Kohlenstaubmotor Drehzahlen von höchstens 100 bis 400 U/min, erreichen werde. Zum Glück ist diese Ansicht durch Messungen am laufenden Motor widerlegt. Die obere Drehzahlgrenze liegt viel höher und ist lediglich vom Arbeiten des Staubventils abhängig. Die Verwendung des Kohlenstaubmotors als Lastwagenmotor ist in naher Zukunft zu erwarten. Der Staubverbrauch liegt heute mit Lufteinblasung bei ca. 300 g/PSih, d.h. ca. 1500 kcal/PSih, etwa gleich wie beim Oeldieselmotor. Für den effektiven Staubverbrauch auf die Nutzleistung bezogen, ergaben Versuche in Oppau bei Vollast einen mechanischen Wirkungsgrad von 61 %, effektiv thermischer Wirkungsgrad 25 %. Pawlikowski hat sogar einen thermischen Wirkungsgrad von 31,5 % gefunden. Es ist zu hoffen, dass diesen erfreulichen Resultaten bald weitere folgen werden. Hoffentlich entschliesst sich auch ein Schweizerunternehmen Versuche in dieser Richtung zu machen. Das Autofahren würde bei uns durch den Kohlenstaubmotor wirtschaftlicher. Er wird kommen, trotzdem einer gesunden Entwicklung mancherlei Hindernisse entgegenstehen. Das Automobil mit Kohlenstaubmotor, das das überflüssige Holz „unserer Wälder verbrennt, der Traktor, der das Holz aus dem eigenen Wald des Landwirtes verbraucht, zeigen deutlich, dass wir nicht für immer auf das kostbare Erdöl ferner Länder angewiesen sein werde». Q. M., dipl. Ing Graphitierte Oele erhöhen die Schmiersicherheit. Auf der diesjährigen Tagung der Deutschen Gesellschaft für Mineralölforschung wurde die Aufmerksamkeit erneut auf die Graphitierung von Schmierölen und ihre Erfolge gelenkt. Ursprünglich wurde Graphit nur zu groben Schmierzwecken verwendet, bis im Jahre 1906 erstmalig Kolloidgraphit, wie Dr. Stephan auf dieser Tagung berichtete, auf den Markt gebracht wurde. Unter diesem kolloidalem Graphit wird ein reiner Graphit verstanden, der so fein vermählen ist, da« die Grössenordnung der einzelnen Teilchen einen Höchstdurchmesser von 0,3—0,5 Zehntausendstel Millimeter aufweist. Als praktischer Gütegrad wird zurzeit eine obere Grössenbegrenzung von 5 p angegeben. 1916 gelang es, kolloidalen Graphit auch aus vollständig gereinigtem Naturgraphit herzustellen. Bei der Motorfahrzeugschmierung hat der kolloidale Graphit in den letzten Jahren stark Eingang gefunden, weil er die Schmiersicherheit auch im Falle des Zerreissens des Oelfilms erhöht. Dem Oel im Motorfahrzeugmotor beigemischt, wird er mit dem Oelfilm an alle Gleitflächen gespült und lagert sich hier, dem blossen Auge kaum sichtbar, ab. Seine Eigenschaft, die Reibung zwischen zwei Gleitflächen ausserordentlich zu verringern, entspricht praktisch der Aufgabe jedes Schmiermittels. Gleichzeitig kann man Oele geringerer Viskosität durch Graphitierung in ihrem Schmierwert erheblich erhöhen. Als neuestes Ergebnis wurde festgestellt, dass Lagermetalle, die bisher als minderwertig galten, bei Kolloid-Graphitschmierung hohe Lagerdrücke aufnehmen konnten, ohne dass eine grössere Erwärmung als bei hochwertigen Lagermetallen eintrat Die Zylinderlaufbahnen weisen auch nach der letzten Feinstbearbeitung immer noch gewisse Unebenheiten auf. Der Kolloidgraphit, vorausgesetzt dass er seine Kolloideigenschaft während der Betriebsdauer behält, füllt diese feinen Unebenheiten der Laufbahnen und auch der Kolben aus und schafft auf diese Weise reibungsarme Flächen; deshalb sichert die Anwendung des Kolloidgraphites besonders in der Einlaufperiode eine zusätzliche Schmierung. Aber auch beim Dauerbetrieb erreicht der kolloidale Graphitzusatz eine höhere Schmiersicherheit und erfordert deswegen Beachtung, weil er zweifelsohne auf die Lebensdauer der Schmierstellen und die Ausnutzungsmöglichkeit des Schmieröls von Einfluss ist. Den « Fahrkünstlern » Ins Tagebuch. Wirklich fahren, d.h. so fahren, dass auch bei flottem Vorwärtskommen Reifen und Maschine geschont werden, ist eine Kunst, die nicht von heute auf morgen erlernt werden kann, sondern jahrelang Uebung und Kenntnis aller Zusammenhänge verlangt. Wer sich im Stadtverkehr überhaupt nicht und auf der Landstrasse nur ungern überholen lassen will, ist ein blutiger Anfänger. Wer an ein vorher bemerkbares Hindernis mit hoher Geschwindigkeit heranfährt und dann plötzlich bremst, ist ein Reifenschinder. Wer seinen Fahrgästen zeigen will, wie wunderbar sein Fahrzeug beschleunigt, plötzlich auf den Gashebel tritt und Vollgas gibt, wenn er einige hundert Meter freie Strecke vor sich sieht, ahnt nichts von den Scherkräften, die er dadurch auf Bereifungsgerüst, und von der starken Abnützung, die er auf deren Laufstreifen ausübt; wer in einem Tempo eine Kurve fährt, dass die Reifen «schreien» und das Fahrzeug rutscht, der ist ein wilder und gefährlicher Fahrer, und wer seine Reifen nicht pflegt und nicht auf den vorgeschriebenen Innendruck hält, der ist, mit Erlaubnis zu sagen, ein Faulpelz. Schliesslich wirken sich alle diese Mätzchen und Unsitten auf den Reifenverbrauch und letzten Endes auf den Geldbeutel des Fahrers aus. Feuchtes, abgefallenes Laub kann leicht zur Ursache schwerer Unfälle werden. Auf laubbesäten Strassen gehe man immer nur mit besonderer Vorsicht an Kurven heran. Man vermeide, wenn möglich, jedes schärfere Betätigen der Bremsen. Sobald das Fahrzeug einmal ins Schleudern kommt, wirkt das zermalmte Laub wie ein Schmiermittel. Durch leichtes Anschlagen der Bremstrommeln kann man beim Einstellen der Bremsen leicht erkennen, ob die Bremsbacken schleifen oder nicht. Nur im letzten Fall lässt sich die Bremstrommel durch das Anschlagen zum Klingen bringen. Tech *•» F a h evc >4&«k Frage 9649. Wert der M. T.-Obenschmlertabletten. Wer ist in der Lage, mir aus eigener Erfahrung mitzuteilen, was von den M. T.-Tabletten zu halten ist? W. v. V. in M. Frage 9657. Fabrikanten von Scheibenrädern. Welche Firmen in der Schweiz stellen Scheibenräder für Autos her? M. K. Frage 9658. Kollektorenfabrik. Kann mir jemand die Adresse einer schweizerischen Kollektorenfabrik für Auto-Dynamos und Anlasser bekanntgeben? E. M. in S. - Antwort 9648. Welche SchnetketU? Zuschriften weitergeleitet. Red. II. Antwort 9661. Reduktion der Bohrung. Zuschrift weitergeleitet Red. Frag« 9633. Titanic-Obenschmieröl. Kann der Brennstoffzusatz. «Titanic» als durchaus unschädlich empfohlen werden? F. K. in B. Frage 9634. M. T.-Obenschmiertabletten. Was ist von diesem Produkt zu halten? F. K. in B. Frag« 9S47. Wer hat die Vertretung dir Luftreifen Automatique Ducasble gegenwärtig inne? G. G., L. Frage 9648. Welch« Schneiktttt ist als die praktischste zu empfehlen (schnelles und handliches Auf- und Abmontieren)? Vielleicht hat ein Autler- Kollege hierin schon einige Erfahrung. F. S. in H. Fragt.9666. Spannung eints Akkumulators. Die Batterie meines Motorrades besteht aus drei Zellen. Muss nun jede Zelle eine Spannung von 6 Volt am Voltmesser ergeben, wenn der Generator auch 6 Volt liefert? Oder hat jede Zelle nur 2 Volt? , E. H. in F. Antwort: Die Spannung pro Zelle beträgt nur 2 Volt Sind die Zellen je.doch hintereinander geschaltet, so ergibt sich eine Gesamtspannunj von 6 Volt. -at- Frage 9667. Bestimmung der Otl-Qualität. Durch einen Bekannten wurde mir eine grössere Oelmenge zum Kauf angeboten, und zwar wurden mir nachstehende Angaben gemacht, mit denen ich aber nichts anfangen kann: Spezifisches Gewicht 0,97, Viskosität 11—12, Stockpunkt —5 Grad. Flammpunkt 190 Grad. Ich kenne mich mit diesen Ausdrücken nicht aus und möchte wissen, ob dieses Oel als Automotorenöl geeignet ist. Das Oel hat, gegen das Licht gehalten in einer kleinen Glasröhre, eine durchsichtige rosa Farbe; bei Lichteinfall schimmert es blaugrün. Mir macht das Oel einen ganz guten Eindruck, aber wie gesagt, ich bin Laie. und habe keine Lust, mich übervorteilen zu lassen. Deshalb erbitte ich Ihren Rat. Antwort: Das spezifische Gewicht der Oele wird durch Aerometer (Flüssigkeitswaage) gemessen, und zwar bei einer Temperatur von 15 Grad. Für Mineralöle schwankt das spezifische Gewicht zwischen 0,89 und 0,96, für Teerfettöle erreicht es 1,1, das heisst diese sind l,lmal schwerer als die inhaltsgleiche Wassermenge. Für die Schmierfähigkeit des Oeles hat das spezifische Gewicht keine Bedeutung. Der Flammpunkt eines Oeles ist diejenige Temperatur, bei welcher die über dem Oelspiegel lagernde Luft zu verpuffen beginnt; der Flammpunkt gibt eine Richtlinie für die Verdampfbarkeit des Oeles. Zur Bestimmung des Flammpunktes wird das Oel im Tiegel erhitzt Der Stockpunkt eines Oeles wird in einem Probierglas von 4 cm lichter Weite festgestellt. Das Probierglas wird mittels einer Kältemischung abgekühlt. Bei Neigen des Probierglases muss im Stockpunkt das Oel in der Mitte stecken bleiben, das heisst gerinnen. Unter «Viskosität» versteht man die Zeit, in welcher eine bestimmte Oelmenge durch ein dünnes Röhrchen hindurch läuft. Als Vergleichseinheit bezieht man sich auf die Zeit, die destilliertes Wasser von 20 Grad zum Durchmessen des Probierröhrchens braucht. Diese Zeit bezeichnet man mit 1. Ein Oel von der Viskosität 12 braucht also 12mal solange Zeit zum Ausfliessen als Wasser von 20 Grad. Mit steigender Temperatur nimmt die Viskosität ab; bei hohen Temperaturen nähert sie sich dem Wert 1 = Wasser. Die Messung wird im Engler-Viskosimeter vorgenommen. Die Kapillarität ist zur Kennzeichnung der Oele sehr geeignet. Man misst mit Hilfe einer feinen Glasröhre (Kapillare von Dalwitz-Wegener) das Anhaftungsvermögen an der Wandung der Röhre und kann dabei den Randwinkel bestimmen. Das Anhaftungsvermögen (Adhäsion) einer Oelsorte an der Wandung der Kapillare ist eine Richtlinie für den Widerstand des Oels gegen Fortsjmlen und Eindringungsvermögen in feine Fugen. Der Tropfpunkt, den man zur Bestimmung gewisser Eigenschaften von Flüssigkeiten angibt, kommt für Oele weniger in Frage. Das Ihnen angebotene Oel scheint nach den Angaben ein normales Autoöl zu sein; es ist jedoch angezeigt, dass Sie sich vor Kaufabschluss eine Garantie für Säurefreiheit und für einwandfreie Beschaffenheit geben lassen; auch ist es vorteilhaft, wenn Sie die Ihnen angebotene Oelprobo zum Vergleiche mit später zu liefernden Oelmengen aufbewahren. Im übrigen empfehlen wir Ihnen, sich bei Bedarf mit Markenöl einzudecken, womit Ihnen wohl die beste Gewähr für fachmännische Bedienung geboten ist A. D. uvfistf« Sisvecfa: Anfrage 559. Gewährleistung für Mängel. Ich habe im März 1935 von einer Grossgarage einen Occasions-Wagen Modell 1934 gekauft. Der Kilometerzähler wies 2700 km auf, worauf ich mich beim Verkäufer über die Richtigkeit des Kilometerstandes erkundigte. Derselbe erklärte, der Zähler sei wegen einer Reparatur abgehängt gewesen, und der Wagen dürfte etwa 4000—5000 km gefahren sein. Schon nach 1K Monaten (ca. nach 1200 km) musste ich bereits auf alle vier Räder neue Bremsbeläge montieren lassen, was auf eine Laufzeit von mindestens 15.000 km schliessen lässt flaut Gutachten der Garage). Ferner musste auch das Differential ausgebaut werden, um das Spiel im Tellerrad zu beheben. Kann ich für diese Reparatur den Verkäufer haftbar machen? Ich habe denselben von der gemachten Reparatur in Kenntnis gesetzt, allerdings etwas später, da ich zuerst ein Guthaben auf solche Weise ausgleichen wollte, der aber auf meinen Vorschlag nicht eintreten will. H. B. in E. Antwort: Der Verkäufer haftet dem Käufer für die zugesicherten Eigenschaften. Im vorliegenden Falle hat der Verkäufer einen Gebrauch des Verkaufsobjektes zugesichert, der den Käufer anzunehmen berechtigte, dass das in Frage stehende Automobil noch wenig gebraucht worden ist. Nachdem dies nun offenbar nachgewiesenermassen nicht der Fall ist, haftet der Verkäufer dem Käufer für den Minderwert. Sollte es sich ergeben, dass der Käufer seitens des Verkäufers absichtlich getäuscht worden ist, kann der Erstere binnen Jahresfrist vom Verkäufer den Kaufpreis zurückfordern. • Anfrage 560. Mietvertragsfristen. Am 7. Juni haben wir eine Boxe zum Preise von Fr. 30.— pro Monat vermietet. Wir nahmen ohne weiteres an, dass diese wenigstens für ein Jahr gemietet werde. Nun erhalten wir ein Schreiben, worin uns mitgeteilt wird, dass ab 15. November die Boxe uns wieder zur Verfügung stehe. Ohne jegliche Kündigung will nun der Mieter von uns weggehen. Es entsteht uns dadurch ein grosser Schaden. 1. Können wir die Boxe nicht vermieten, da sich ausser der Saison keine Fremden in F. aufhalten. 2. Hätten wir, wenn die Boxe nicht vermietet worden wäre, bedeutend mehr Einnahmen erzielen können, da wir während der Saison für die Boxe Fr. 4.— pro Nacht berechnen dürfen. Wir bitten Sie, uns mitzuteilen, was für ein Recht uns zusteht. Unseres Erachtens nach sollte die Kündigung auf drei Monate erfolgen, und zwar vom 1. Januar bis 1. April. Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns bekanntgeben würden, wie wir in dieser Sache vorgehen sollen. J. W. in Ch. Antwort: Sofern für die Miete einer Garage kein schriftlicher Vertrag oder keine mündlichen Abmachungen bestehen, so gelten demzufolge die Kündigungsfristen entweder bezüglich den Bestimmungen des Obligationenrechtes oder aber der Ortsgebrauch. In Anwendung gelangt § 267, Ziff. 1, des O.-R., wonach Werkstätten, Magazine, Keller, Stallungen und ähnliche Räumlichkeiten je auf Ende einer halbjährlichen Mietsdauer mit einer vorangehenden dreimonatigen Kündigungsfrist aufgekündet werden können. Besteht ein Ortsgebrauch, so hat die Kündigung entsprechend diesem Ortsgebrauch zu erfolgen. Wir nehmen an, dass gleich wie beispielsweise in Zürich für Garagen in Chur oder in Flims kein bestimmter Ortsgebrauch besteht, so dass also hier eine besondere Kündigungsfrist kaum angenommen werden kann. Dagegen dürfte wohl in bezug auf Werkstätten, Magazine, Keller, Stallungen ein Ortsgeb rauch in Chur oder Flims bestehen, und in diesem Falle wären die allgemein üblichen Kündigungsfristen innezuhalten. Wir glauben, dass dieser Ortsgehrauch wahrscheinlich nur unwesentlich von den gesetzlichen Fristen abweiche und dass er auf alle Fälle nicht dahingeht, dass die Boxe auf 14 Tage auf Mitte oder Ende des Monats aufgekündet werden kann. O Ein neuer Kolben. Dieser Kolben, welcher nach dem Patent seines schweizerischen Erfinders in der Schweiz fabriziert wird, hat die höchst wichtige Eigenschaft, dass er zufolge seiner speziellen Bauart, praktisch gesehen, nur gerade soviel Dehnung aufweist, wie der Zylinder selbst, auch bei Temperaturen, wie sie bei anhaltend hoher Beanspruchung des Motors entstehen. Die Nachteile einer stärkeren Dehnung sind bekanntlich mannigfaltig und von erheblich wirtschaftlichem Belang, wenn man auch nur daran denkt, dass neue oder mit neuen Kolben versehene Fahrzeuge wegen ihr während 1000—2000 km stark vermindert gebrauchsfähig sind, bis die sogenannte Einfahrperiode überstanden ist. Ganz besonders für Leute, die auf die gute Ausnützung des Fahrzeuges angewiesen sind, wie z. B. Geschäftsreisende oder bei Lastwagen, bildet dies eine einschneidende Behinderung. Beim neuen Kolben dagegen ist ein Einfahren nur soweit nötig, als es durch die vollendete Anpassung der Kolbenringe oder durch das Einlaufen neuer Lagerteile bedingt wird, also während etwa 50—100 km. Alle andern Uebel jener Kolben, die mit mehr als dem gerade erforderlichen Paßspiel, also mit mehr als 0,02 bis 0,03 mm eingebaut werden, sind schon zu oft in der Fachpresse besprochen worden, als dass es notwendig wäre, hier ausführlich darauf einzutreten. Hat der Kolben im Zylinder Spiel, so kann er sich, wie rechts übertrieben dargestellt, im Zylinder verkanten. Dann schaben die Kolbenringe < an der Zylinderwand, was ein vorzeitiges Wiederausschleifen der Zylinder nötig macht Unter Hinweis auf die vorstehende Skizze sei nur kurz darauf verwiesen, dass natürlich ein Kolben, der bei weggenommenen Kolbenringen nur wenig, aber doch etwas Bewegungsspiel im Züinder hat, sehr viel früher ersetzt werden muss als ein anderer, der so eingebaut wird, dass er gerade noch in die Bohrung hineinpasst und den nötigen Oelfilm zulässt. Weil bis jetzt den luftgekühlten Motoren bedeutend mehr Spiel gegeben werden musste, müssen ja normalerweise durchwegs die.. Zylinder von luftgekühlten Motoren öfter ausge- ' schliffen und die Kolben öfter ersetzt werden als bei wassergekühlten Motoren. Auch in dieser Beziehung bedeutet der neue Schweizer Kolben einen erfreulichen Fortschritt, denn für ihn genügt, selbst in luftgekühlten Motoren, eine Einbautoleranz von 0,03 mm, ohne dass er klemmen oder anfressen würde. Dem Fachmann ist es klar, dass ein so mathematisch senkrecht geführter Kolben, der nicht die geringste Kippbewegung im Zylinder ausführen kann und dessen Ringe sich nicht verkanten können, dermassen gut abdichtet, dass die Explosionskraft denkbar bestens ausgenützt wird. Die volle Ausnützung der Explosionskraft wirkt sich selbstverständlich auf den ganzen Antriebsmechanismus aus, mit andern Worten auch auf die Zugkraft des Motors, so dass ein mit solchen Kolben versehenes Fahrzeug viele Steigungen im direkten Gang leicht überwindet, für welche man zurückzuschalten gewohnt war. Das Fahrzeug, das weniger in den kleinen Gängen gefahren werden muss, verbraucht jedoch weniger Brennstoff, und zwar summiert sich diese Einsparung im Verhältnis zum Kubikinhalt der Zylinder und zum Volumen der zu leistenden Arbeit. Aber auch in der Anpassung an den Verkehr zeigen sich Vorteile: Bei einem mit solchen Kolben versehenen Fahrzeug kann die Geschwindigkeit ruhig auf Schritt-Tempo reduziert werden, ohne dass der 'Motor rupft. Auch hierin liegt wieder eine Möglichkeit zum Benzin sparen. Dass unter den erwähnten Umständen auch der Oelverbrauch auf das Minimum reduziert wird, bedarf keiner besonderen Erörterung. Als kurzes technisches Detail sei noch erwähnt, dass die parallel zum Bolzen angeordneten Platten aus dem gleichen Metall bestehen wie der übrige Kolben und dass diese Platten mit dem übrigen Kolbenkörper ein in einem Male gegossenes Ganzes bilden. Die so verlaufenden Platten, Hauptgegenstände des Patentes, verhindern das Ausdehnen des Kolbens in der Laufrichtung des Kolbens, während in der Richtung der Bolzenaugen, wo ein Kippen des letztern ohnehin unmöglich ist, nach einer bestimmten Kurve der Kolbenmantel leicht zurückgeschliffen ist, wie bei den meisten führenden amerikanischen Kolbenfabrikaten. Der < MS »-Kolben wird ganz fein geschlitzt, aber er ist trotzdem nicht weniger fest als ein ungeschlitzter Kolben, weil die Platten den Schlitz überbrükken und jegliche Deformation an der geschlitzten Seite vollständig verhindern. Zahlreiche praktische Resultate bestätigen die vorstehenden Erläuterungen,

BERN, DIENSTAG, 3. DEZEMBER 1935 III. BLATT DER „AUTOMOBIL-REVUE" No97 ßex ßezefn&ei WUnschUniOind Von E. HQgll Wenn die Monate der anderen Jahreszeiten zuerst in den Tälern ihr Regiment beginnen taid dann allmählich ins Gebirge emporsteigen, so macht es der Dezember als echter Wintermonat umgekehrt. Von den Bergen steigt er herab ins Tal. Dort oben hat er schon oft das Regiment der Herbstmonate schmählich abgekürzt, indem er — noch ehe seine Zeit gekommen war — sein eisgepanzertes weisses Gewimmel aussandte, um seine baldige Ankunft zu verkünden. Wohl kann es vorkommen, dass der warme Föhn, der Verbündete sämtlicher Frühlingsmonate, auch der Herbstzeit noch zu Hilfe eilt und die unheimlichen Boten des winterlichen Dezembers noch einmal, zwei- oder dreimal zunichte macht. Aber schliesslich trägt doch der letztere den Sieg davon — und wenn auch noch nicht dn den Tälern, so doch gewiss schon auf den Bergesgipfeln, wo er zuerst Zweigstellen seines riesigen Speditionsgeschäftes eröffnet. Ein wahrhaft unheimliches Gewimmel von weissen, wolligen, aber eiskalten Flocken ist es, über das er gleichsam als Herrscher verfügt. Da zieht er denn eines Tages, der schier nicht erwachen will, sondern trüb und müde und schläfrig einherkommt, am Himmel mit seinen schweren grauen Wolkenwagen einher, die einander so dicht «auf den Fersen folgen», dass das Licht der Sonne dadurch gänzlich verfinstert wird. Immer dunkler wird es dann selbst oft schon an den Vormittagen auf der Erde, immer tiefer senken sich die schwerbeladenen Wolkenwagen und bald einmal schütten sie ihre Fracht über das gtnze Land aus.. Ein unabsehbares, nicht enden wollendes Gewimmel weisser Flocken und Flöckchen er« giesst sich über die Welt, so dass am Ende Feld und Garten, Wald und Haus und Dach von den so unschuldig lautlos herniederfallenden Dingern gänzlich zugedeckt werden..« Was ist so eine Flocke für sich? Schier so so viel wie nichts! Eines Kindes Hauch kann sie zum Schmelzen bringen. Wenn sie jedoch in Millionen, ja in Milliarden und aber Milliarden herangeflogen kommen, dann bilden sie eine ungeheure Masse, die schon oft in wenifcen Stunden ganze weite Landschaften mit riesigen Decken verhüllt hat, dass die Welt dazuliegen schien wie im Tode erstarrt und iür immer begraben. Und dieselben feinen weissen Flocken sind es ja auch, die im Gebirge die gefürchteten, im Frühjahr donnernd niederwärts sausenden Lawinen bilden. Wenn der Dezember so die Erde in den weissen Totenmantel einhüllen kann, dann ist ihm wahrhaft königlich zumute; denn er fühlt sich dann wirklich als der Herr der Welt. (Deshalb ist er auch kein Freund der Sonne, deren Wärme sein Schnee nur schlecht verträgt So verkürzt er auch die Tage und verlängert die Näohte, um umso ungefährdeter mit Frost und Kälte aufwarten zu können und Bäche und Seen gefrieren zu machen.) Trotz seinem gestrengen Regiment zeigt er sich indessen bereit, die Menschheit mitten in der Zeit der Lichtarmut mit frohen, schönen Festtagen zu überraschen. Zu diesem Zwecke stehen drei alte bewährte Knechte in seinem Dienst: der Samichlaus, der namentlich in der Vorstellung der Kinder eine grosse Rolle spielt, der Weihnachtsmann, der am Christtag mit einem grossen Sack umhergeht rand tausenderlei Gaben verteilt, und Silvester der am letzten Tage des Dezemberregimentes die Menschen noch in eine besonders fröhliche Altjahrsstimmung versetzt. Nicht zu vergessen aber ist, dass der Dezember eben gerade auch mit seinem Schnee und Eis den Menschen viel Freude bereitet, da sie sich dann gerne mit ihren Schlitten, mit Schlittschuhen und gleitenden Brettern in der frischen Winterluft tummeln. Eine besondere Aufgabe fällt übrigens immer dem alten treuen Knecht Silvester zu; er ist es, der dem Dezember noch den letzten Liebesdienst erweist; denn noch immer hat er seinem Herrn, am letzten Tage seines Regimentes die erloschenen Augen sorglich zugedrückt Luzern Schiller Hotel Garni Winter Alle Zimmer mit (Hess. Wasser o. Bad u.Tel. Zimmer v, Fr. 4.50 an. Pens. Fr. 12.-. Autoboxen. Ed. Lalmgriiber, Bes. Kein Windhauch rührt die Luft im öden Winterwald; nur fern ein Häher ruft; Icalf ist es — kalt! Die Sonne hinter Dunst ist kraftlos, matt und fern; des Rauhreifs weisse Kunst setzt Stern auf Stern. T>Uilanna im Engadin. Wititemaid Die Giuseppina Rimoldi, des Schuhmachers Witwe zu Losone, war wie alle Tessiner Mütter sind: ergeben in ihr Schicksal, der Von Heinrich LämmRn, Tessiner Novellette von Hermann Aellen göttlichen Bestimmung lebend und ohne gross sich um das bängliche Wie der Zukunft zu sorgen. Sie konnte stundenlang zusammengekauert vor dem glosenden Herdfeuer sitzen und ihre Gedanken mit dem Strumpfgarn auf dem alten Schosse verspinnen, immer dieselben Gedanken : Wie bin ich eigentlich müde geworden des Lebens, nun ich über die fünfzig bin und mein Peppino, der Einzige, in die Fremde ging. Was ist für mich zu tun noch und zu sorgen ? Der Mann wartet meiner stumm drüben auf dem Kirchhof, der Bub ist versorgt in der Stadt, hat sein geliebtes Weib, die Ninette, und ich bin ihnen höchstens der ferne Schatten überm Lebensweg, der nicht weichen will. Nur dass ich jeden Morgen und Abend zur Messe gehen und dem Herrgott eine treue Dienerin sein darf mit hundert Millionen andern, das ist eine allerletzte Gnade, die mich erwärmt auf die alten Witwentage. Ich habe es wie alle meine Nachbarinnen im gleichen Alter, warum sollte es mit mir anders sein ? Ich bin nicht reich und nicht arm, ich lebe einfach mein Leben alle Tage mit derselben göttlichen Bestimmung wie alle Mütter, die ich kenne: das Leben weiterzugeben vom Manne zum Kinde, dann Bis jeder Halm und Ast ' die alte Form verliert, ihm der Kristalle Last ins Leben friert; Die Luft selbst scheint erstarrt im öden Winterwald; und nur der Häher schnarrt: Kalt ist es — kalt! sich mühen um das Junge, bis es sich selber weiterhelfen kann, um dafür mehr des Himmels Dank zu ernten denn der Menschen Wohlgefallen und selig in Christo sterben zu dürfen; Was will ich denn mehr ? Es geht auf den Winter und ist schon kalt in der Küche. Giuseppina fröstelt und legt noch ein Häuflein dürres Geäst aufs Feuer, dass es hoch aufflackert und fröhlich knistert und knackt wie ein Gekicher von Stimmen : « Hi-hi, he-he, wir bringen dir Wärme, armes frierendes Mütterchen... hi-hi, he-he, wir sind die kleinen, kecken Kobolde, die freundlichen Geister des Lebens in alten Kaminen und lieben die Müden und Geduldigen, die Kranken und Armen. * Aber das Mütterchen achtet nicht darauf. Wie sie sich aufsetzt hört sie, wie der Brief in der Schürze knistert, der Brief von Peppino, den sie beinahe vergessen. Jetzt entfaltet sie das Papier nochmals, setzt sich die Brille vor die müden, schwachen. Augen und liest die gute Botschaft des Sohnes andächtig Zeile für Zeile mit dem Zeigefinger nachtastend. Er schreibt, dass er wohlauf sei in der Stadt und sie sich nicht sorgen mehr müsse seinetwegen. Das sei ihm eine rechte Freude. Und nun möge sie es einmal auch besser haben auf die alten Tage. Dafür werde er sorgen fortan. Und zn Weihnachten hoffe er Wieder sfreichts Da, Wind, über mich. Mit zarten Händen greifst Da in meiner Seele Saiten und lässt mein Lied im Blau verwehen. So mächt' ich ewig stehen. Ich fühle mich als luftgeboren in deinem Hauch. Hat Pan mich auserkoren? Und wieder fährst da, Wind, mich an. Mit derber Faust zerreissest da mein schönes Lied und schleuderst es in dunkle Weiten. Mich lassest du entgleiten. Vor deinem Zorne steh' ich still und fürchte mich. Ob Gott mich wohl vernichten will ? auf ein paar Feiertage sie zu besuchen. Bis dahin werde sie einen neuen Ehrentitel haben und Nonna heissen, nicht Mutter nur, Doppelmutter werde sie sein, ihm und dem neuen Leben. Er freue sich mächtig auf ihr Grossmütterglück, das erst recht seinem Vaterstolz die helle Weihe gebe, und auf die nächste Minestra daheim, die keine so saftig zubereiten könne als halt die Mutter. Bei dieser Stelle muss die Mutter lächeln und denken: er ist halt doch immer noch mein Bub ! Ich habe ihn nicht ganz an die Schwiegertochter verloren! Aber das mit der Sorge, die er mir abnimmt, ist kein Glück, dummer Peppino! Das heisst, dass ich nutzlos geworden bin auf der Welt und nur noch sterben soll, unbemerkt, wie ein dürres Blatt vom Baume fallen darf, um niemandem weh zu tun deswegen. O Peppino 1 Du kennst deine alte Mutter nicht mehr, seitdem du nicht mehr mein Schosskind bist Wie lange ist es her! Aber vielleicht... sie erschrickt bei dem neuen Gedanken... vielleicht wird sein Kind, mein Grosskind, mich nötig haben einmal und Mutter zu mir sagen; wäre das eine Seligkeit! Sie liest den Brief nochmals, um sich jedes Wort des guten Buben einzuprägen und widerstrebt jetzt, da sie auf die Stelle trifft wo er ihr von seiner Hilfe spricht und vom Schönhaben in den alten Tagen. Nein doch! Das soll er mir nicht antun. Geld senden darf er mir nicht, ich habe das noch nicht nötig. Das Häuschen hat mir mein Mann, der liebe Carlo — Gott habe ihn selig — schuldenlos hinterlassen, und der Garten'wächst jedes Jahr üppig für die Minestra. Nur die Kaffeebohnen und den Zucker müsste ich mir kaufen können etwa. Vielleicht könnte ich mir auch auf den Tag, da ich Nonna werde, ein Viertelpfund Kaffee leisten. Ich will doch sehen, ob ich nicht einige Kilo Tomaten am nächsten Markt in Locarno verkaufen kann, um dafür in der Maria Laden eine Düte Kaffee zu kaufen... Ueber diesem stillen Wunsch und Trost ist die Giuseppina am langsam verlöschenden Feuer selig eingeschlafen. Ihr träumt, sie sei — o glückhaftes Ende! — von der wundertätigen Madonna ihrer Kirche auf einer flaumig weissen Wolke sitzend geradewegs in den Himmel geführt worden. Die Weihnachtsglocken bimmeln aufgeregt und freudig von allen drei Kirchtürmen zu Losone in den ruhevollen Abend. Dazwischen ist immer ein harter Schlag des Goppels, wie um zu sagen : halt, bis hierher die Rapid - Heizkissen in 2 Minuten warm, viel viel rascher als ein gewöhnliches Heizkissen. Schweizerfabrikat A^ktan Cin MAlton mif *]•& M«*lji>''Cnt fO~aakf>