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E_1935_Zeitung_Nr.098

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BERN, Freitag, 6. Dezember 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N° 98 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aasgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit insassenversicherungV vierteljährlich Fr. 7.50 Es scheint wirklich so, als ob der Bundesrat und mit ihm möglicherweise auch das Parlament einfach taube Ohren für alle gewichtigen Argumente haben, die ernstlich und dringend gegen die Beibehaltung der seit Juli eingetretenen beträchtlichen Erhöhung des Benzinzolles sprechen. Der eidg. Finanzminister zieht frisch-fröhlich mit seinem Ueberbrückungsprogramm in die parlamentarische Arena, das als Haupteinnahmequellen je 16 Millionen Franken Mehreinnahmen vorsieht, die aus der erneuten Benzin- und Zuckerbelastung fliessen sollen. Dabei muss Herr Bundesrat Dr. Meyer ganz genau wissen, dass die am grünen Tisch errechneten 16 Millionen Franken Extraerträgnis aus der erhöht besteuerten BenzineinMir auch auf dem Papier stehen bleiben und sich nie verwirklichen werden. Das zeigt heute schon eine einfache Ueberschlagsrechnung: der Zollaufschlag von 8 Fr. pro 100 kg wirft nur dann 16 Millionen Franken ab, wenn sich die Einfuhr auf der Höhe des Jahres 1934 hält, als sie 2 185 471 q erreichte. Nun sind unserem eidg. Finanzchef sicherlich die Einfuhrzahlen sehr gut bekannt und wenn er sich die Mühe nimmt, die Einfuhrmengen der Position Benzin und Benzoll "für die letzten Monate zu studieren, dann wird er leicht feststellen können, dass in den Monaten Juli (Beginn der Zollerhöhung) bis Ende Oktober 1935 834196 q nach der Schweiz eingeführt wurden. Gegenüber den nämlichen vier Monaten des Vorjahres bedeutet dies aber bereits eine Minder einfuhr von 34 703 q. In den zwei zu Vergleichszwecken noch verbleibenden Monaten dieses Jahres wird sich das Missverhältnis mit absoluter Sicherheit noch bedeutend verstärken. Wie der Bundesrat angesichts dieser unumstösslichen Zahlen noch an seiner ursprünglichen Rechnung mit den 16 Millionen Fr. Mehreinnahmen festhalten darf, ist uns wirklich ein Rätsel! Die Erfahrung im Ausland hat gezeigt, dass eine übersetzte steuerliche Belastung der Automobilwirtschaft zu einer starken Drosselung des motorisierten Verkehrs und damit unweigerlich zu einem scharfen Rückgang der Staatseinnahmen aus den dem Motorfahrzeugverkehr zugedachten Steuern und Abgaben führt. Die Tendenz sollte deshalb vielmehr dahin gehen, durch eine fortschrittliche Steuerpolitik und gewisse fiskalische Erleichterungen den Automobilismus zu beleben, um ihn gerade durch seine Förderung zu einem leistungsfähigen Steuerzahler zu machen. F E U I L L E T O N Blumenhölle am Jacinto. Urwalderlebnis. Von Ernst F. Löhndorff. (15. Fortsetzung) Jene Männer um Bastiano, die wütend wie Skalpjäger den Strom hinabpaddelten, um den « Diablo » und das « Inferno» aus Numez' Plantage herauszuschiessen, schwören nun dieser Banditengesellschaft treue und unauslöschbare Freundschaft! Und alles nur, weil Coronel Numez es besser versteht, Menschenlaunen zu lenken und zu formen, als der schwerfällige Bastiano. Und zehn Kilo Pfefferschoten, im richtigen Augenblick bestellt, taten das übrige. Numez schmunzelt väterlich, als bei seinem Anblick die Luft von neuem durch Vivageschrei zerrissen wird. Der Reihe nach schüttelt er den Männern die Hände, trinkt ihnen zu und schlägt ihnen leutselig auf die Schultern. Mich packt flammende Wut. Bastiano Reyes taumelt auf uns und lallt: «Viva Brazil! Ah, Senhores, dieser schwarze Juan ist mein Freund. Er riecht schon den Sturm, der heute nacht kommt. Amigos, wir müssen 10.- Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage .Antler-Felerabend". Monatlich 1 mal „Gelbe Uste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 ' Deutschland hat dies in den letzten beiden Jahren überzeugend exemplifiziert, leider aber offenbar unsere Bundesväter nicht zu überzeugen vermocht. Vielleicht hält man die Erfahrungen aus einem einzigen Lande als zu wenig beweiskräftig? Dann können wir neuerdings mit einem weiteren Beispiel aufrücken: Oesterreich, dessen Motorfahrzeugwesen zufolge einer verfahrenen Steuerpolitik, die in einer unerträglichen Belastung des Automobilverkehrs gipfelte, seit Jahren ebenfalls dahinkränkelte, raffte sich dieses Frühjahr auf und schaffte mit einem Schlag die Kraftwagenabgabe ab. Vorsichtshalber aber erklärte die Regierung, dass es sich um eine auf die Dauer eines Jahres beschränkte Massnahme handle. Man traute dem scheinbaren Sirenengesang der Strassenverkehrsinteressenten nur halb und wollte sich den Weg zum Rückzug immerhin noch offenhalten. Nun gab die Budgetberatung im österreichischen Bundestag dem Finanzminister Gelegenheit, sich zu den mit der auf 1. Mai 1935 in Kraft getretenen Steuerfreiheit für Automobi'e gemachten Erfahrungen zu äussern. Er konnte berichten, dass seit dieser Zeit die Zahl der neu zum Verkehr zugelassenen Fahrzeuge um rund 7000 Einheiten zugenommen habe! Die damit verbundene Verkehrssteigerung brachte nicht nur vermehrte Arbeit für das Garagegewerbe und die einschlägige Industrie, sondern wirkte sich auch in einer sehr willkommenen Mehreinnahme aus der Benzinsteuer aus. Nach den Worten des Ministers war die Aufhebung der Wagensteuer ein voller Erfolg, der sich auf die verschiedensten Wirtschaftszweige fruchtbringend ausgewirkt habe. Eine Wiedereinführung dieser Abgabe komme daher nicht mehr in Frage. Dieser eklatante Erfolg der österreichischen Steuerrevision sollte nun auch unserer Landesbehörde endlich die Augen öffnen. Weitere Beweise für die Unrichtigkeit der bundesrätlichen Rechnung sind wohl kaum mehr notwendig. Oder soll wirklich die schweizerische Automobilwirtschaft erst den bitteren Leidensweg gehen und eine so katastrophale Krise durchmachen, wie es in Deutschland oder Oesterreich vor der Steuerbefreiung der Fall war, bevor man auch in Bern ein Einsehen hat? Diese Erfahrung käme den Fiskus teuer zu stehen und wir können sie uns füglich ersparen. Dies um so mehr, als die schweizeri- rudern; bedenkt, die Senhoritas sind allein im « Dom Pedro ». Unsere Freunde werden uns morgen besuchen ! » Er tritt auf mich zu, brüllt mich an : « Junger Gringo, du bist mein Freund nicht mehr, denn du hast neulich den Juan geschlagen. Pfui! » Lautes Gelächter von allen Seiten. Ich reisse den Revolver aus dem Halfter, schreie: «Zurück, brasilianischer Halbaffe!» Henderson tritt zwischen uns, und Numez beschwichtigt die durch das Schimpfwort in ihrem Nationalgefühl gekränkten Männer. « Die beiden Senhores sind meine Gäste, merkt euch das. Und ihr rudert wohl besser nach Hause jetzt. Adelante !» Scharf wie ein Befehl sind die Worte, die trunkene Gruppe entwirrt sich, Bastiano und seine Freunde schreiten gehorsam den Curiarias zu. Nur Benito kehrt um. schüttelt uns treuherzig die Hände. Böse betrachten ihn die andern. Da flüstere ich : «Benito, das war unklug von dir. Und ich fürchte, unter dem «Dom Pedro T> wird bald ein zweiter Jacare asu wohnen. Hüte dich ! » Der junge Brasilianer wendet sich an Henderson : « Senhor, nehmen Sie mich mit!» Henderson pafft an der Pfeife, dann nickt er : « Bueno ! » sehen Motorfahrzeughalter gar nicht daran denken, den so ketzerischen Vorschlag der vollständigen Befreiung von einer direkten Steuer zu machen, sondern nur von der weiteren Belastung des Benzins warnen, das mit einem über zweihundertprozentigen Zoll seines Warenwertes gewiss schon genügend durch den Fiskus herangezogen worden ist. Sollten Bundesrat und Parlament wirklich so unbelehrbar sein, dass sie auch aus dem österreichischen Beispiel nicht die sich zwingend daraus ergebenden Schlüsse zu ziehen vermöchten? Wiederinbetriebnahme älterer Fahrzeuge — zur Krisenbekämpfung. Die Anregung, die Inbetriebnahme älterer, aber verkekrstüchtiger Fahrzeuge durch fiskalische Vergünstigungen zu fördern, ist. an dieser Stelle schon wiederholt vertreten worden. Angesichts der sich rasch und gefährlich zuspitzenden Krise im Autogewerbe hat sich nun auch der schweizerische Grossistenverband im Motorfahrzeuggewerbe (S.M.G.) dieser Angelegenheit mit aller Energie angenommen. Er äussert sich in einem Aufruf über die bestehenden Verhältnisse und die dringende Notwendigkeit einer Abhilfe wie folgt: Wo immer man hinhört oder hinsieht — die wirtschaftliche Lage, im Autogewerbe, und damit in allen-, übrigen Erwerbszweigen der Automobilbranche, ist.nicht nur schlecht, sie treibt vielmehr in täglich rascherem Tempo der Katastrophe zu. Ueberall herrschen rapider Rückgang der Umsätze und in dessen Gefolge Betriebseinschränkungen, Personal- und Löhnabbau; aber selbst die drastischsten Massnahmen vermögen nicht, die Lage des einzelnen Unternehmens wesentlich zu verbessern. Eine Erholung ist nicht abzusehen, denn es handelt sich bei der skizzierten Entwicklung keineswegs um saisonmässige Erscheinungen. Wenn dem Sachverhalt nicht die vollste Aufmerksamkeit geschenkt wird, so ist der drohende Zusammenbruch unvermeidlich. Forscht man nach den Gründen dieser Entwicklung, so stösst man in allererster Linie auf eine stark rückläufige Tendenz des Automobilverkehrs. Die Zahl der Motorfahrzeuge, die allerorten auf die kalte Jahreszeit hin aus dem Verkehr gezogen werden, ist dieses Jahr erschreckend gross, und es darf mit Sicherheit vorausgesehen werden, dass ein grosser Teil dieser Fahrzeuge dem Verkehr nie mehr zurückgegeben wird. Die Ursache hiefür ist in der allgemeinen wirtschaftlichen Krise zu suchen, die es dem einzelnen in vielen Fällen schlechtweg verunmöglich t, bei der"" heutigen enormen fiskalischen Belastung des Automobils und des Automobilverkehrs ein Motorfahrzeug zu halten. Wo das Automobil einfach unentbehrlich ist, -wicht man die mit der Haltung verbundenen Kosten nach Möglichkeit zu reduzie- ren. Der hochpferdige Wagen mit verhältnismässig hohem Benzinkonsum wird durch den neuen Klein- "wagen verdrängt, und zudem wird die Zahl der Fahrtkilometer nach Möglichkeit gering gehalten. (Fortsetzung Seite 2.) Aufmerksam schaute Numez zu und lacht jetzt: «Ein neuer Orchideenjäger?» Die. Männer steigen in ihre Boote, rudern singend davon und sind bald hinter -Krümmungen verschwunden. Aus den dunkeln Türhöhlen der Caballos schwebt plötzlich leiser, mehrstimmiger Gesang. Traurig, eintönig wie plätschernde Regentropfen. Das Lied, das wir auf dem Flusse hörten! Der schwarze Juan löst die Peitsche vom Gürtel und eilt in die Hütten. Ein einzelner Schmerzensschrei, und nun ist's wieder ruhig. « Kommt, Senhores ! » fordert der Alte auf, und ein Blick von ihm scheucht Benito an unser Boot, wo er sich hinsetzt. Auf dem Grasknollen liegt eine fliegenumschwärmte Gestalt. Coronel Numez zeigt uns seine Plantage. Das Ende einer Plantage. Curiarias kommen aus dem Insel gewirr uferwärts geschossen. Lange, sehr grosse Fahrzeuge, jedes mit einer siebenköpfigen Bemannung. «Sie haben drüben gearbeitet!» erklärt Numez, als die Insassen aussteigen. Sechs Indianer, kleine, verhungert anmutende Männer mit schmalem Lendenschurz, klettern aus dem ersten Boot. Je drei sind mit einer lan- (Fortsefzung Seite 2.) INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif Inseratenschluss 4 Tnne vor Erscheinen der Nummern Wir berichten heute über: Querschnitt. Das Budget der S. B. B. Mercedes-Benz rüstet schon wieder. Unser Motorfahrzeug- Aussenhandel. Schienenautomobile. Technische Probleme des modernen Verkehrsflugwesens. Bilder: Seite 6. Unsere neue Beilage: Auta=7tlaqa