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E_1935_Zeitung_Nr.099

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2 AUTOMOBIL-REVUE

2 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 10. DEZEMBER 1935 — N° 99 Wagen ganz stillzulegen, soweit sie es nicht bis heute bereits getan haben. Benzin sparen und nochmals sparen, wird die Parole lau T ten. Ironischerweise fühlt sich der Bundesrat selbst veranlasst, den Autobesitzern dieses Mittel angelegentlichst zu empfehlen, womit er sich selbst das Wasser abgräbt und seine eigenen Pläne durchkreuzt. Die Benzinpreiserhöhung, schreibt er in seiner Botschaft, habe die gesamten Auslagen der schweizerischen Automobilisten nur um etwa 3Vi % vermehrt, die durch benzinsparende technische Neuerungen bald wieder aufgewogen sein werden. Selbst wenn wir annehmen, dass diese auf « umfassenden Berechnungen » basierende Ziffer den Tatsachen entsprechen würde, so genügen die ZY\ bei manchem «glücklichen» Automobilbesitzer vollauf, um das Fass (der fiskalischen Belastung) zum Ueberlaufen und den Wagen zum Stillstand zu bringen. Wer dabei das Nachsehen hat, das sind neben dem Bund die Kantone. In welchem Umfang deren Erlös aus den Verkehrssteuern schrumpfen wird, davon vermittelt eine im Kanton Bern eben durchgeführte Erhebung einen Begriff, steht doch fest, dass schon jetzt 20 % der Motorfahrzeugbesitzer ihr Fahrzeug am 1. Januar 1936 zu pensionieren gezwungen sein werden. Für den kantonalen Haushalt bedeutet das einstweilen eine Einbusse von mindestens 350,000 Fr. Das endgültige Fazit wird aber ein noch erheblich trüberes Bild präsentieren, sofern mit den Zollquittungsgebühren und dem Spritbeimischungszwang ernst gemacht werden soll. Die Entwicklung, der wir zwangsläufig entgegensteuern, lässt sich, grob und nur in ihren Hauptzügen umrissen, in folgende Formel prägen : Verminderung der Einnahmen des Bundes aus Zöllen auf Benzin, Automobilen, Bestandteilen, Pneus usw., Rückgang des Erlöses der Kantone aus Verkehrssteuern und ihres Anteils am Benzinzollviertel, also Erschwerung ihrer strassenbauliehen Aufgaben. Aber der Bundesrat sieht eine Eindämmung unseres motorischen Strassenverkehrs — wozu die Verteuerung der Wagenhaltung ein man möchte fast sagen mit Vorbedacht geschmiedetes Werkzeug liefert — gar nicht einmal so ungern. Auf jeden Fall nimmt er sie leichten Herzens in Kauf,- wenn er in der Botschaft die Bemerkung einflicht, unsere Grenzstaaten haben mit ihrer geringeren Eisenbahndichte und viel stärker entwickelten Automobilindustrie ein ungleich höheres Interesse daran, möglichst viele Automobile in Verkehr zu setzen als wir. Und es ist noch nicht allzulange seither, dass Herr Bundesrat Meyer einen Ausspruch etwa in dem Sinne tat, es Hesse sich überlegen, ob nicht eine Einschränkung unseres Automobilverkehrs wünschbar wäre. Der geneigte Leser merkt etwas. Nicht nur für die Sünden der Alkoholverwaltung, sondern auch für jene der Bahnen soll das Auto bezahlen, so viel bezahlen, bis ihm und seinem Besitzer die Luft wegbleibt... Das und nichts anderes ist es, worauf man im Bundeshaus aus ist und was die Botschaft auch, wenngleich in etwas verblümter Form, zu versehen gibt. ©• Amerikas Autoproduktion. Nach Ermittlungen des amerikanischen Handelsministeriums sind von den amerikanisch-kanadischen Automobilfabriken in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres 3 208 760 Personen- und Lastwagen hergestellt worden. Im Vergleich zur vorjährigen Parallelperiode hat die Produktion eine Steir gerung um 512 030 Wagen oder um 20 Prozent zu verzeichnen und eine solche 'um 1823 600 Einheiten oder etwa 150 Prozent gegenüber dem nämlichen Zeitabschnitt des Jahres 1932. Autohypotheken in Polen. Zwecks Unterstützung der polnischen Motorisierung ist von der Handels- und Gewerbekammer in Warschau ein Gesetzesvorschlag eingebracht worden, wonach im Anschluss an das amtliche Motorfahrzeugregister ein Plandregister geschaffen werden soll, in das die hypothekarische Sicherheit beim Kauf des Automobils eingetragen wird. Im Falle der Zahlungsunfähigkeit soll dem Verkäufer das Recht zustehen, sich als erster Gläubiger am Automobil schadlos zu halten, dasselbe zu versteigern oder zurückzufordern. Treibstoffmonopol in Schweden? Die schwedische Regierung soll die Schaffung eines staatlichen Benzinmonopols beabsichtigen, nachdem für Tabak eine ähnliche Regelung eingeführt worden ist. Einerseits begegnet die projektierte Monopolisierung der Einfuhr und des Verkaufs von Benzin bei den grossen Petroleumkonzernen und anderseits beim schwedischen Benzinhandel schärfstem Widerstand. Nach einem regierungsrätlichen Untersuchungsbericht soll die Einführung des Benzinmonopols dem Staate eine Einnahme von jährlich 21 Mill. Kronen verschaffen. Ob das Monopol vor den Frühlingswahlen in Kraft gesetzt wird, ist noch ungewiss. Schweizerische Rundschau istischer Die Rennboxe im Festsaal. Als Abschluss eines Vortragsabends, bei dem der Mercedes-Rennleiter Neubauer sowie der Grand Prix-Sieger von Bern, Caracciola sprachen, wurde auf der Bühne eine typische Rennszene vorgeführt: Reifenwechsel am Ersatzteillager. Plötzlich erschien mit heulendem Kompressor ein Mercedes-Rennwagen auf der Bühne, auf der die Rennboxe aufgebaut war. Kaum hält der Wagen, da stürzen sich schon drei Monteure auf ihn los und wechseln, während gleichzeitig Benzin nachgefüllt wird, die Hinterräder. Ueber der Bühne zeigt ein riesiger Sekundenzeiger die Zeit an: wie der Motor wieder aufheult und der Wagen von der Bühne verschwindet, sind gerade 31 Sekunden vergangen. Und die Monteure ernten mindestens gerade soviel Beifall wie die beiden Vortragenden. Hervorragende Leistungen eines Schienenautomobils. Ein von der Firma Renault erbautes Schienenautomobil hat vergangenen Mittwoch auf dem Netz der französischen Ostbahn beachtenswerte Zeiten gefahren. Nachdem es ihm schon einige Tage vorher gelungen war, die Strecke Paris—Le Havre (228 km) in 1 Std. 50 Minuten zu durcheilen, wurden vor einer Woche folgende Städte ebenfalls in Rekordzeit miteinander verbunden: Paris—Nancy (353 km) in 2 Std. 30 Min.; Nancy^-Strassburg (150 km) in 1 Std. 4 Min. 30 Sek.; Strassburg- Mülhausen (109 km) in 48 Min. und Mülhausen—Paris (492 km) in 3 Std. 39 Minuten 30 Sek. Es wurden demnach 1104 km in 8 Stunden 2 Minuten zurückgelegt, was einem Stun- t dendurchschnitt von 138 km entspricht. Obwohl die auf den Staatsbahnen vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit 150 km beträgt, Hessen sich mit Leichtigkeit bis zu 164 km/Std. aus dem Wagen herausholen. Benzinzoll über alles. Im Verlaufe der ständerätlichen Benzinzolldebatte erklärte Ständerat Schöpfer, dessen kürzliche Wiederwahl sich bekanntlich unter Verhältnissen vollzog, wie sie sich der freisinnige Fraktinoschef niemals hätte träumen lassen, seit der Zollerhöhung sei der Benzinimport um 41,000 q zurückgegangen. Im Gegensatz hiezu stiegen die Zolleinnahmen in 4 Monaten, d. h. vom Juli bis Oktober gegenüber dem Vorjahre von 19,4 auf 26 Mill. Fr. an und auch die Einnahmen aus dem Oelzoll hätten eine Vermehrung um 66,000 Fr. zu verzeichnen. Der Staat hat somit im Verlaufe von 4 Monaten 6,6 Mill. Fr. mehr aus der bereits notleidenden Automobilwirtschaft herausgepresst, während die kapitalintensiven Brauereien innerhalb eines ganzem Jahres nur 4 Mill. Fr. in die bodenlosen Bundeskassen ab- ; führen sollen! • In den letzten Tagen setzten die Brauer über die Tagespresse und mit Hilfe von «Biertellern» eine riesige Propagandaaktion in Szene. Ob sich diese Aktion nicht als psychologischer Fehlgriff entpuppt, bleibe dahingestellt: Eines aber hat sie mit aller Deutlichkeit gezeigt, nämlich, dass die schweizerische Brauereiindustrie, trotzdem die weniger kotierten Aktien wohl absichtlich unter Druck gesetzt wurden, immer noch über beträchtliche Mittel zu verfügen scheint. Eine widersinnigere Massnahme unserer Behörden als die bei uns praktizierte Alkoholbesteuerung, verglichen mit den drückenden, den Benzinkonsumenten auferlegten Lasten, ist uns nicht bekannt, speziell auch in Berücksichtigung ausländischer Verhältnisse. Die Brauer prophezeien aus der Bierpreiserhöhung eine Menge Unheil; dass auch jede andere Steuer, und, namentlich die auf Motorfahrzeuge, die Kaufkraft jener Kreise, die sich grösstenteils aus Gewerbe, Handwerk, Industrie und Landwirtschaft rekrutieren, genau so sehr oder in noch stärkerem Masse vermindern muss, scheint man im eidg. Finanzdepartement zu vergessen. Wir gestatten, auch darauf aufmerksam zu machen, dass gerade im Brauereigewerbe durch eine stärkere Bierzollbelastung die Gefahr von Arbeiterentlassungen ausserordentlich gering ist, zählt doch diese Industrie zu den kapitalintensivsten Gewerben; aller Wahrscheinlichkeit nach nimmt sie unter diesen sogar die Spitzenstellung ein, denn auf den Gesamtaufwendungen dürfte die Lohnquote mit nicht mehr als von 10 Prozent anzusetzen sein, im Gegensatz zum Autogewerbe, in welchem die Löhne den Hauptbetrag ausmachen. Nach zuverlässigen Berechnungen entfallen auf 100 000 Franken Kapitalkosten bei einer Grossbrauerei, und diese geben bekanntlich bei uns den Ton an, auf Löhne im Durchschnitt nur 7500 Franken. Möchte der Präsident der ständerätliche Zolltarifkommission, trotz seinem Verständnis für das Brauereigewerbe, zusammen mit dem Oberzolldirektor bald erkennen, dass der Rückgang aus dem Benzinkonsum nicht so sehr krisenbedirigt, sondern zollbedingt ist. Obschon die Entwicklung der Zolleinnahmen der Berechnung einer jährlichen Mehreinnahme von 16 Mill. Fr. Recht zu geben scheint, darf nicht ausser acht gelassen werden, dass dieses Resultat vorsorglicherweise in der Hauptsaison zu erzielen versucht worden ist, während welcher Motorfahrzeugstillegungen mit grössern Unkosten verbunden gewesen wären. Mögen auch das letzte 'Quartal 1935 und vor allem die drei ersten Monate des kommenden Jahres den hohen Rechenkünstlern beipflichten! Wir jedoch teilen den bundes- und ständerätlichen Optimismus keineswegs; wir sehen nicht nur eine merkbare Schrumpfung des Benzinkonsums, sondern auch einen Rückgang der Zolleinnahmen voraus. Die von den Berner Automobil-Verbänden an Hand genommene Umfrage unter den Automobilisten bezüglich der bundesrätlichen Benzinzollpolitik und der im Jahre 1936 beabsichtigten Stillegung von Motorfahrzeugen scheint eindeutig heute schon den in den verschiedenen, im Anschluss an die erneute Benzinzollerhöhung gemachten Eingaben befürchteten Rückschläge wie auch unserer mahnenden Stimme zu entsprechen. Im ureigensten Inr teresse der Automobilisten ist dringent zu wünschen, dass die oben erwähnten Aktionen in Berner Automobilistenkreisen grössten Widerhall finden, denn nur schwarz auf weiss bewiesen, werden letzten Endes die vorausgesagten Schädigungen auch unsere Parlamentarier überzeugen. Im bundesrätlichen Ueberbrückungsprogramm wird sehr viel mit dem Wörtchen Vertrauen operiert. Auch im Ständerat betonte kürzlich Bundesrat Meyer, zur Herstellung des Gleichgewichts in den Staatsfinanzen dürften nur Mittel angewendet werden, die ihrerseits das Vertrauen nicht beeinträchtigen. Wie aber sollen die Automobilisten vertrauensvoll in die Zukunft blicken, wenn Alkohol offiziell bevorzugt, das Benzin hingegen immer noch als Luxusware qualifiziert wird? a höhle, aus der die krummen Nadelzähne schneeig blitzen und die gespaltene Zunge böse hin und her spielt, erblicken wir die fast schwarze, mit gelben Flecken getigerte Sucurijuschlange. Schrecken des Sertao, zehn Meter lang, massigen Leibes wie der Hüftumfang eines starken Mannes, schaukelt sie hin und her, ihre Augen glitzern in grünem Feuer, und scharf, wie entweichender Dampf, klingt ihr Zischen. Erleichtert atmeten wir auf, als sie sich nur drohend aufbäumte, aber keinerlei Anstalten machte uns anzugreifen. Denn es gibt wenige Tiere, die so furchtbar sein können wie die Sucuriju! Ungeheuer stark, im Wasser ebenso zu Hause wie zwischen den Bäumen, greift sie an mit der zerstörenden Schnelligkeit des Blitzstrahles! Wir sind vorbei, und die Curiaria tastet sich weiter, taumelt wie ein angeschossenes Wasserhuhn hin und her, vor- und rückwärts. Wahrhaft zum Verzweifeln ist dies Labyrinth von Wasser, Schlamm, Schilf und Untiefen. Und totenstill fast sind diese Caripunhassümpfe! In langen Zwischenräumen ertönt Klatschen im Wasser; ein Vogel fliegt auf, lässt sich an entfernter Stelle nieder. Oder es zwängt sich etwas behutsam durch die Rohrkolben. Und wenn wir die blauleuchtende Schattengrenze des Sartao berühren, dann hören wir das unendlich feine Summen der Moskitos, die im Dunkel der Blattpflanzen in dichten Scharen schweben und auf die Nacht warten, wo sie blutgierig über uns herfallen können. Eine Woche verging, seit wir das Ende der Plantage sahen. Während dieser Zeitspanne lebten wir von dem Fleisch der vier Brüllaffen, die Dos mit dem nie fehlenden Blasrohr von ihren Lianenschaukeln herabholte. Wasser haben wir getrunken, das trotz vorherigen Abkochens ein dicker, stinkender Brei war, in dem der Löffel stehenblieb. Und geschlafen haben wir, zusammengekrümmt sitzend im Kanu! Es ist zu klein, um sich darin auszustrecken, und festes Land, wo wir ein Lager hätten aufschlagen können, fanden wir nicht. Alles und überall Sumpf, See oder Fluss. Ja, wir versuchten, richtig zu schlafen, indem wir einfach die Hängematten zwischen aus dem Wasser ragenden Stämmen ausspannten und uns vor Triumph und Freude brüllend hineinwarfen. Aber stets wurden wir Hals über Kopf verjagt! Entweder durch Zecken, die zu Hunderten auf uns herabregneten,, oder durch Krokodile. Sowie wir erst ausgestreckt und behaglich in den Hängematten lagen, wurden diese Bestien frech, versuchten, nach uns zu schnappen. Erst lachten wir und vergnügten uns damit, ein Bein herabbaumeln zu lassen und es schnell hochzuziehen, wenn sie danach schnappten. Aber schliesslich wollten wir doch schlafen, und das ging nicht, die Krokodile liesseri es nicht zu. Es nützte nichts, dass einer von uns als Wache ausgelost wurde und probierte, durch lautes Geschrei ihre Angriffe abzuwehren. Denn wir sind nun so müde, dass uns ein Vulkanausbruch kaum stören würde ! Die Krokodile wussten nämlich ganz genau, dass dieser zappelnde, drohende Mann da über dem Wasser an seine Hängematte gebannt war und ihnen nicht viel tun konnte. Denn schiessen konnten wir nicht, die Munition, die wir haben, ist nicht für solche Streiche berechnet. Also stiegen wir in die Curiaria zurück und kauerten uns da igelartig zusammen. Müde sind wir nun, unbeschreiblich! Und seit drei Tagen stehen wir Tantalusqualen aus, weil wir die fernen Bodenerhöhungen bläulich in der Runde winken sehen, aber nicht nach ihnen gelangen können. Verbindet man jemand die Augen und lässt ihn laufen, so wird er wieder Kreise beschreiben. Wir sind nicht blind, unsere fieberfleckigen Augen sind scharf genug, und unsere Hände können das Kanu pfeilgerade lenken. Aber der Sumpf, die Untiefen, Baumgruppen und Schilf; übereinandergestürzte, verfaulende Palmettos; Strecken, wo die Blätter der Victoria regia so dicht aufeinandergeschoben sind, dass man, wenn man vorsichtig ist, darauf stehen kann —, alle diese Hindernisse, die sich hundertfach wiederholen, halten das winkende Festland, auf dem wir doch endlich einmal richtig schlafen könnten, höhnisch von uns fern. Meine Nerven sind zum Zerreissen gespannt, tückisch schauen wir einander an. Ich stieg vom Heck des Fahrzeugs, wo ich neben Henderson hockte, über die Ruderer hinweg in den Bug. Nun sind die drei braunen Männer mit den ausdruckslosen Gesichtern zwischen uns beiden, und die tolle Versuchung, ihm in die tückische, kupferrote Fratze zu schlagen, beherrscht mich weniger. Er hat, was ein böses Zeichen ist, es heute zum erstenmale, seit ich ihn kenne, unterlassen, sich zu rasieren. Oefters versuchen wir miteinander zu reden, aber das Gespräch endet stets in gegenseitigem Anknurren und Gefauche. Wie Stempelkolben zwischen Lokomotivenrädern, so mechanisch und unermüdlich tauchen die Arme der Indianer die Paddel ein. Zwei rudern, der dritte ruht aus. Er sitzt zusammengekrümmt da und beisst an einem Affenknochen herum. Diese Leute sind anscheinend zufrieden. Sie spüren die Hitze nicht, noch die beklemmende, faulige Luft der Sümpfe. Wegen dieser Zufriedenheit, die ich neidisch in den Seelen der Indianer fühle, könnte ich sie erschiessen ! Eine Baumgruppe, von Lianen umsponnen, bildet Grotten und grüne Schwibbogen über dem Wasser. Müde schaut der Amerikaner empor, seine Augen funkeln plötzlich verzückt, und seine Stimme klingt ganz menschlich, als er ruft: «Orchideen!» Das elektrisiert mich, denn ebenso wie Henderson bin auch ich dem Zauber der Blumenjagd rettungslos verfallen. Doch schon sinkt er schlaff zurück in die Hocke und knirscht einen furchtbaren Fluch hervor. Und ich schlage mit der Faust auf die Bordwand, dass das Kanu schwankt. Da oben in den Lianen und den Löchern der teilweise angefaulten Stämme leuchten Unmassen von Blumen, grellrot mit grellgelben Staubgefässen. Hm, sie sind ja ganz schön, aber kein seltenes Blut. Nein, verdammt und nochmals verdammt! Ich fange an, mir Luft zu machen, laut zu brüllen, ende mit kicherndem Gelächter. Erschreckte Vögel schwirren hoch. Unentwegt rudern die drei. Fortsetzung auf Seite 8.

99 — DIENSTAG, 10. DEZEMBER 1935 AUTOMOBIL-REVUE Stfi*«assc»n SP Aargauische Strassenanlelhe. Die aargauischen Stimmberechtigten werden demnächst u. a. auch ihr Urteil über eine neue Strassenbauanleihe im Betrage von 10 Mill. Fr. zu fällen haben. Aus dem regierungsrätlichen Bericht geht hervor, dass die Anleihe durch die Einnahmen aus Verkehrsgebühren fundiert ist. Die Amortisation der bisherigen Strassenbauschuld ist vorschriftsgemäss im Gang und die neue Anleihe wird in gleicher Weise planmässig getilgt werden können. Die Notwendigkeit der Auflage ergibt sich schon daraus, als bereits ca. 4 Mill. Fr. Verbindlichkeiten aus den Strassenbauten bei der Kantonalbank aufgelaufen sind, und die über 1000 Meilen = 1600 Kilometer durch die Apennin-Halbinsel führt, zum zehntenmal ausgetragen werden. Es führt bekanntlich über die Strecke Bresoia-Bologna-Florenz- Rom-Brescia. Die Veranstaltung wird demnach im Zeichen eines Jubiläums stehen und sich im besondern dadurch von den frühern Rennen unterscheiden, dass der Gründer dieser Riesenfahrt, Franco .Mazzotti, einen Spezialpreis ausschreiben lässt für diejenigen in Angriff genommenen Arbeiten weitergeführt werden müssen. Abgesehen von der rennen im Jahre 1927 beteiligt waren. Es be- Sportleute, welche am ersten Tausendmeilen- sachlichen Notwendigkeit der Fortsetzung eines begonnenen Werkes sprechen auch die Anforderungen der Arbeitsbeschaffung dafür. Passwangstrasse. Nachdem der Ständerat die Nachsubvention an den Kanton Solothurn bereits genehmigte, ist dieser auch stillschweigend vom Nationalrat zugestimmt worden. Es handelt sich dabei um einen Betrag von 377,600 Fr., d. h. 40 % der ausgewiesenen Mehrkosten von 944,000 Fr. Ausland Sicherung der Bahnübergänge in Oesterreich. Der österreichische nandelsminister hat das in der letzten Zeit so häufig diskutierte Problem der ungenügend geschützten Bahnübergänge einer eingehenden Prüfung unterzogen. Danach wird das Ministerium für Handel und Verkehr demnächst eine Novelle veröffentlichen, durch welche die am 4. Juli 1933 erlassene Verkehrsordnung ergänzt und ausgestaltet wird. Im weitern ist die Herausgabe eines Merkbüchleins vorgesehen, das in handlicher Form die Automobilisten in leicht verständlichem Text über die Bedeutung der an den Bahnübergängen stehenden Warnungssignale unterrichtet und über das von ihnen zu beachtende Verhalten belehrt. Zwecks allgemeiner Verbesserung des Sicherheitsverhältnisses an ungenügend geschützten Kreuzungen sollen moderne Lichtsignalanlagen angebracht werden. Da beim österreichischen Bahngebiet etwa 2000 solche Uebergänge existieren und eine derartige Signalanlage die Ausgabe von ungefähr 10.000 Schilling verursacht, würde die Durchführung des erwähnten Projektes 20 Mill. Schilling beanspruchen. Dieser Betrag soll auf eine Reihe von Jahren aufgeteilt werden. a Scfcw« 5»««cfB«e>: Die fiskalische Belastung des Benzins. Der I4.C. S. stellt fest, dass man gestützt auf die Beratungen der ersten Sessionswoche den bestimmten Eindruck erhält, dass die beiden Kammern dem Bundesratsbeschluss über die Benzinzollerhöhung vom 25. Juni 1935 ohne weiteres die Genehmigung erteilen werden. Man wird sich erinnern, dass diese Erhöhung eine Verteuerung des Benzins um 6 Rp. pro Liter bewirkt hat, welche die im Finanzprogramm des Bundesrates vorgesehenen 16 Millionen Franken einbringen sollten. Schon allein diese Erhöhung bewirkte eine solche Verminderung des Verbrauchs, dass dadurch nicht nur die vom Bunde erwarteten Einnahmen, sondern auch die normale Entwicklung des Automobilverkehrs in Frage gestellt wird. In der Tat ergibt sich aus dem Stand der gegenwärtig durchgeführten Untersuchungen, dass schon jetzt mehr als 20 %> der Motorfahrzeugbesitzer auf die Verwendung ihres Wagens vom i. Januar 1936 an verzichten werden. (Auf 10.400 bernische Automobilisten, die diesbezüglich befragt •wurden und deren Antworten bis zum 15. Dezember a. c. eintreffen sollen, haben bereits 1700 schriftlich erklärt, dass Sie genötigt seien, vom 1. Januar 1936 an ihren Wagen einzustellen. Dies bedeutet für den bernischen Fiskus eine vorläufige Mindereinnahme von mehr als 350.000 Franken.") Diese heute schon so ernste Lage wird noch unhaltbarer werden, wenn das Parlament zwei neue ihm vorgelegte Massnahmen annehmen sollte. Es handelt sich in erster Linie um die im Finanzprogramm des Bundesrates vorgesehenen, Einnahmen von 8 Millionen Franken. Dieser Betrag soll durch die Erträgnisse einer, auf den Zollquittungen zu erhebenden Gebühr von 4 o /o ad valorem erreicht werden. Diese neue Gebühr hätte eine Erhöhung des Verkaufspreises eines Liters Benzin um 1 Rp. zur Folge (genau 0,94 Rp.). Anderseits schlägt Herr Ständerat Müller im Hinblick auf eine Verminderung der riesigen von der Eidgen. Regie aufgespeicherten Alkoholvorräte eine Beimischung zum Benzin von 3%> Alkohol vor. Da der Literpreis des Alkohols auf Fr. 2. — festgesetzt und der Benzinzoll um Fr. 3. — pro 100 kg herabgesetzt werden soll, ergibt sich daraus eine Erhöhung des Benzinpreises um 2 Rp. pro Liter. Der genau errechnete Detailverkaufspreis eines Liters Benzin beträgt gegenwärtig 43,39 Rp. Sollten diese neuen Massnahmen genehmigt werden, so würde dieser Preis vom 1. Januar 1936 hinweg eine Erhöhung auf 46,39 Rp. und sogar auf 47 Rp. erfahren. Der Automobil-Club der Schweiz glaubt, einmal mehr die verantwortlichen und interessierten Kreise auf die verheerenden Folgen aufmerksam machen zu müssen, welche die schon getroffenen und vom Parlament neu behandelten Massnabmen auf die gesamte Volkswirtschaft unseres Landes haben werden. (Mitz.) Die X. Mille Miglia. Im April des nächsten Jahres wird dieses zweifellos interessanteste und-».schwierigste Langstreckenrennen unseres Kontinents, das trifft dies im ganzen 144 Fahrer, von denen ein einziger, nämlich Archimeda Rosa, alle nachfolgenden Neuauflagen persönlich miterlebte und der sich auch im kommenden Frühjahr wieder in Breseia einfinden wird. Gemäss unserer früheren Mitteilung wird das 10. Tausendmeilenrennen durch Italien insofern eine Abänderung erfahren, als der Abstecher nach Venedig am Schluss des Rennens dahinfällt, wodurch die Streckenlänge ziemlich genau um 30 km auf 1600 km reduziert wird. Als dieser Wettbewerb vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde, stand der Rennsport, zufolge der damals geltenden Rennformel, mitten in einer schweren Krise. Da war es denn diesem neuen Rennen beschieden, die bestehenden Schwierigkeiten mit einem Male zu überbrücken und vermöge seines einfachen Reglementes und der glücklich gewählten Streckenführung dem Rennsport einen neuen Impuls zu verleihen. Die Tausend Meilen Italiens wurden zu einer ausserordentlich populären Angelegenheit, an der sich wiederholt auch bekannte, nichtitalienische Sportwagenfahrer erfolgreich im oft heissen Kampfe miteinander massen. Im kommenden Grossen Preis von Frankreich für Sportwagen wird fast die gleiche Formel zur Anwendung gelangen, mit dem Unterschied allerdings, dass jenes Rennen auf einer gewöhnlichen Rundstrecke gefahren wird. Beim Tausend-Meileti-Rennen wurde von Anfang an unterschieden zwischen Expertenund Amateurfahrern, eine Auseinanderhaltung, wie sie später auch von der Sportkommission des R. A. C. I. übernommen wurde. Man prüft zur Zeit noch die Frage, ob nicht Chiron auf Mercedes- Benz. Wir wir mitteilten, hat Chiron letzte Woche auf der Monza-Bahn Gelegenheit gehabt, auf dem ihm von Mercedes-Benz anvertrauten Gefährt die ersten Probefahrten zu absolvieren. Chiron, der überaus feinfühlige und wohlberechnende Fahrer, der schon für die verschiedensten Rennställe gestartet ist, wird in der kommenden Saison sicher auch seinen neuen Rennwagen zum Erfolg führen. infolge der gegenwärtigen internationalen Lage die Teilnehmer an der~X. Mille Miglia verpflichtet werden könnten, mit italienischem Brennstoff zu starten. Diese Ansicht hat, wie wir schon berichten konnten, die weitgehende Unterstützung aller massgeben-- den Kreise gefunden und dürfte auch in die Tat umgesetzt werden. Die Veranstalter hoffen, dass die X. Wiederholung der Mille Miglia einen durchschlagenden Erfolg aufweisen und somit einem Jubiläumsrennen alle Ehre machen werde. PALLAS - CORD Gleitsicheres Schnee profil, hervorragender Schleuderschutz Fagioli fährt wiederum für Mercedes-Benz! Nachdem Fagioli bereits zu den Trainingsfahrten der Mercedes-Benz-Mannschaft in j Mönza erschienen war, wird nun bekannt, dass ein Vertrag zwischen der Stuttgarter Firma Winterreifen für . Personen- und Lastwagen AKTIENGESELLSCHAFTR.&E. HUBER, PFÄFFIKON-ZÜRICH SCHWEIZ. KABEL*. DRAHT* UNO GUMMIWERKE TELEPHON 976.301 und ihm endgültig unterzeichnet worden ist. Die nächstjährige Mercedes-Equipe besteht somit aus Caracciola, von Brauchitsch, Fagioli. und Chiron. Dazu wird bekannt, dass Caracciola abwechselnd in den verschiedenen Ländern fährt, während die Teilnahme von Chiron hauptsächlich an den französischen, diejenige von Fagioli an den italienischen, und diejenige von Manfred von Brauchitsch an den deutschen Rennen erwogen wird, um eventuellen Devisenschwierigkeiten aus dem Wege zu gehen. Wie lautet die Rennformel ab 1938? Bekanntlich hat die A. I. A. C. R. in ihrer Generalversammlung vom 25. September letzthin beschlossen, die Gültigkeit der jetzigen Rennformel bis und mit dem Jahr 1937 zu verlängern. Nun äst aber das ständige internationale Bureau der Automobil-Konstrukteure der Ansicht, dass ein (Entscheid für die ab 1938 in Anwendung kommende Rennformel mindestens zwei Jahre früher getroffen werden sollte, um so den Konstrukteuren die Gelegenheit zu geben, sich nach der neuen Formel zu richten. Dem Vernehmen nach soll am vergangenen Samstag, den 7. Dezember, in Zürich eine Konferenz stattgefunden haben, zu der vorab die Fabriken von Rennwagen und die Vertreter einiger privater Rennorganisationen eingeladen wurden. Ueber den Verlauf dieser Sitzung ist indessen noch nichts Näheres bekannt geworden. Fliegende Rennfahrer. Nachdem kürzlich Taruffi auf dem Flugplatz Littorio in Rom seinen ersten Alleinflug ausführte, ist die Zahl der sich dem Flugsport zuwendenden Automobil-Rennfahrer ständig im Ansteigen begriffen. Es scheint ihnen offenbar auf den üblichen Rennpisten immer noch zu langsam TAXund herzugehen. Eben wird berichtet, dass auch Varzi, der Auto-Union-Fährer, über Mailand seinen ersten Schulflug absolviert, hat, und zwar unter Leitung des von der Mille Miglia her bestbekannten Franco Mazzotti. An Bord befand sich weiterhin der Alfa Romeo-Fahrer Brivio, der in den vergangenen Tagen den Probeläufen der Mercedes-Equipe auf der Monzabahn beiwohnte. Varzi soll sich im Anschluss an dieses Luftdebüt begeistert geäussert haben und ist fest entschlossen, sich einen Apparat anzuschaffen, um jeweils mit demselben zu den Rennen zu fliegen. Brivio und Graf Trossi ihrerseits haben vor einigen Tagen das Segelflieger-Brevet erhalten und werden nicht eher ruhen, als bis auch sie im Besitz der Motorflieger-Lizenz sind. Rund um die Rekorde. Der Münchner Motorrad- Rennfahrer Moritz teilt uns mit, dass sein in Nr. 96 der «A.-R.* als homologiert gemeldeter Rekord für den Kilometer mit stehendem Start von 105,125 km/St, nicht auf einem Dreiradwagen, sondern auf einem Vierradwagen 500 ccm erzielt wurde, und zwar auf einer Möritz-Spezialkonstruktion mit D.K.W.-Motor. Sternfahrt nach Monte Carlo. Zu dieser Veranstaltung, die bekanntlich vom 25.—30. Japuar 1936 durchgeführt wird, sind weitere 7 Anmeldungen eingegangen, so dass die Zahl der Nennungen bis heute auf 14 steht.