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E_1936_Zeitung_Nr.001

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IV. Blatt Automobil-Revue Nr.l BERN, 3. Januar 1936 Eisblumen Zart wie ein Hauch, in traumschöner Pracht —> Silberschimmerndes Weiss — Welcher Meister hat euch erdacht, Sternenblumen von Eis? Sternenblumen — zart wie ein Hauch — Blühten empor in der Nacht. Warum neigt ihr zitternd den Kelch Wenn die Sonne erwacht? Sonne, die der schlummernden Welt Wärme und Leben stets bot, Warum, wenn ihr Licht auf euch fällt, Bringt sie euch Sternen den Tod? Warum muss so viel Schönheit verblühn? «Nichts hat auf Erden Bestand. Doch — wer im Licht darf von dannen ziehn — Findet sein Heimatlands — Ursula Ott. Bilanz der Feste h- Da sitzen wir nun also wieder mitten im Alltag, umgeben von einem entnadelten C'nristbaum, von Kerzentropfen auf Möbeln und Fussboden, von den in Küchenschränken hindämmernden Resten festlicher Mahlzeiten und von Geschenken, die sich in unserem nüchternen Leben noch nicht eingegliedert, noch nicht zurechtgefunden-haben. Bereits drohen auch die guten Vorsätze des Silvesterabendslm gewohnten Getriebe 'wirkungslos zu verpuffen. Schädel ' f ... - ':••-• >... Immerhin, mit dem raschen Fortschaffen des Chrtstbaumes soll es diesmal ernst werden, und dFe liebe Nachbarschaft wird sich im April nicht auf unsere Kosten über den noch immer auf dem Balkon vegetierenden Festgesellen lustig machen können. Doch wie ihn auf die Richtstätte im Hof oder Keller schleppen, ohne einen Nadelschweif in Zimmer, Korridor und Treppenhaus zu hinterlassen? Mit einem Leintuch umhüllt transportieren, erspart allerlei Arbeit. i Die durchaus unerwünschte Dekoration von Kerzentropfen ärgert einen nie mehr, als wenn die Frühlingssonne sie bescheiht. Darum, weg damitI Auf Böden und Linoleum sind solche Tropfen mit Stahlspänen und -wolle fortzubringen; auf Möbeln muss ein mit grösster Behutsamkeit und vorsichtshal- Skianzug aus grauem Whipcord. (Modell: Grands Magasins Jelmoli S.A.). ber noch mit einem Tuch umwickelter Messerrücken in Aktion treten. Die gesäuberten hellen Stellen verschwinden beim Nachreiben mit einem in Leinöl getunkten Lappen. Sprit löst Kerzentropfen in Leinen und Baumwolle; aus Wolle weichen sie, wenn sie mit einem Löschblatt bedeckt, heiss gebügelt werden. Handelt es sich um Samt und Plüsch, dann hilft" feiner, heller Sand, der erhitzt auf den vertropften Stellen verrieben wird. Terpentinspiritus entfernt Wachsflecken auf Seidenstoffen. Die beschädigte "Stelle' mit einem"saubiern, weichen Tuch unterlegen und mit dem in Terpentinspiritus getauchten Lappen reiben. Das Reinigen der Kerzenhalter ist nicht gerade eine begeisternde Beschäftigung. Kann man sich aufraffen, es sofort zu besorgen, so ist man sich selbst vor dem nächsten Fest recht dankbar dafür. Die Ueberbleibsel der Festmahlzeiten sind selten mehr für Augen oder Gaumen ein Genuss. Je rascher man sich von ihnen trennt, um so besser für den Magen. Bekanntlich ist auch für ihn nichts schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen. Dem solchen Festtagen unweigerlich folgenden Instandstellen der Räume können interessantere Seiten abgewonnen werden, indem man neue Lösungen zur freundlichen, vernünftigen Möblierung sucht und findet. Wo steht es denn geschrieben, der Esstisch gehöre unweigerlich in die Zimmermitte? In eine Ecke verwiesen, gewinnt ein Raum mitunter stark an Behaglichkeit und eine wohltuende Weite. Wie wäre es, wenn der Schreibtisch anstatt mit Blick an die Wand gegen das Fenster orientiert würde, das Licht und vielleicht einen liebenswürdigen Ausguck gewährt? Allein schon das Umhängen der Bilder, das Beseitigen überflüssiger Dinge, sind imstande, ein Zimmer vorteilhaft zu wandeln. Mit den Geschenken würde jeder fertig, sollte man meinen. Und doch, wie viele mit Liebe gespendete Gaben liegen oft jahrelang unbenutzt, sozusagen auf Pikett, weil man sich vom Alten nicht trennen will und mag, bis nicht der letzte Faden durchgescheuert, bis es fast wörtlich in Staub und Asche zerfallen.ist. Dabei wird den Geschenken doch viel mehr Ehre angetan, wenn sie rasch in den Alltag eingereiht werden und Verbrauchtes, Hässliches ersetzen dürfen. Insbesondere die vpn Kinderhänden zusammengebastelten Kleinigkeiten verdienen mehr als ein langweiliges Kastendasein. Nichts betrübt die Geber mehr, als wenn die Objekte ihres Fleisses und ihrer Liebe ungenützt beiseite gelegt werden. Befrachtet mit mannigfachen lobenswerten Vorsätzen wurde der Schritt ins neue Jahr unternommen. Alles, was man sich bei dieser Gelegenheit zu tun und zu lassen vorgenommen hat, wird ja wohl nie ausgeführt. Ein Glück ist es schon/wenn Bruchteile erfüllt werden. Der eine will jeden Sonntag seiner Gesundheit zuliebe einen tüchtigen Marsch ^unternehmen oder anstatt täglich viermal die Strassenbahn-zu benützen, nur noch einmal fahren. Vielleicht bringt er es wenigstens fertig, jeden zweiten Sonntag zu marschieren und täglich den Weg einmal unter die Füsse zu nehmen. Ein anderer schwört aufs Sparen. Gewiss, aus der Entfernung nimmt es sich schön und leicht aus. Das Guthaben im Kassabüchlein wächst lawinenartig. Schwerer ist es, wirklich ernst zu machen und im Laufe des Jahres die Hälfte dessen in sichern Gewahrsam zu bringen, wovon man träumte. Häusliche Kalamitäten mit grösserer Ruhe hinzunehmen, gehört zuweilen auch aufs Programm der guten Vorsätze. Jeder kennt sie, diese garstigen Schrecknisse, erzeugt durch verlegte Dinge, angebranntes Essen, zu den Mahlzeiten zu spät erscheinende Tischgäste und durch die unzähligen Tücken der Dinge des täglichen Lebens. Wenn es uns ab und zu einmal gelingt, nicht aus Dass der Bubikopf samt seinen Variationen monoton zu werden beginnt, beweist die Tatsache, dass wir uns unwillkürlich interessiert umdrehen, wenn etwa ein mit Zöpfen geschmückter Rücken in Sicht ist, wir schenken jenen dieselbe Aufmerksamkeit wie seinerzeit den Vorläufern des Bubikopfes. Man freut sich deshalb an den langen, enggeflochtenen Zöpfen, die bei der griechischen Bäuerin wie zwei schwarze Schlangen malerisch unter dem Kopftuch über den jugendlichen, sowohl als über den gebückten alten Rücken fallen. Wir konstatieren dies mit doppelter Befriedigung, erstens, weil wie gesagt, der Bubikopf bereits etwas langweilig zu werden beginnt, und zweitens weil es für gewisse Menschen immer eine Genugtuung bedeutet, festzustellen, dass es ausserhalb einer Heimatschutzbewegung und einer künstlich forcierten Neubelebung des Alten noch Gegenden gibt, wo an Kleidung und Gebräuchen festgehalten wird und diese nicht ein Schein- und Sonntagsdasein führen, wie dies nur allzu oft der Fall ist. Mag sein, dass für andere dieses Festhalten am Alten, diese « Zöpfe », in erster Linie als Zeichen sozialen Rückstandes gewertet wird, —oft nicht einmal zu Unrecht — uns aber freuen diese Trachten, diese Gebräuche, selbst wenn sie einen Verzicht auf den «letzten Komfort» in sich schliessen. Dass auch die moderne Griechin, vorweg die Athenerin, sich nicht restlos dem Bubikopf verschrieben hat, fällt um so mehr auf, als sie bezüglich ihrer Toilette durchaus modern eingestellt ist und sich mit auserlesenem Geschmack kleidet. Prinzessin Marina, die jetzige Herzogin von Kent, deren guter Geschmack in allen Tonarten gepriesen wurde, Zum Empfang der Gäste bereit. der Fassung zu geraten, ist schon viel gewonnen. Halb und teilweise erfüllte Vorsätze sind immerhin noch viel besser als das träge Weiterschwimmen im Fahrwasser alter Gewohnheiten, tragen doch solche kleinen Anstrengungen dazu bei, die Daseinsfreude aufs neue anzufachen und dem Leben einen frischen Impuls zu verleihen. G. H. Zöpfe und Bubiköpfe bei den Griechinnen bedeutet also keineswegs eine Ausnahme, sie ist vermöge ihres sozialen hohen Ranges zur eigentlichen Repräsentantin des Geschmackes der griechischen Frau geworden, ohne dass auf diese Tatsache hingewiesen wurde, um das Verdienst ihres persönlichen «bon goüt» nicht zu schmälern. Wenn sich die Griechin elegant kleidet, so will das um so mehr heissen, als man hier in Athen für von Paris importierte Toiletten unerschwingliche. Preise in Drachmen umgerechnet bezahlen muss. Ich komme auf die Frisur der modernen Griechin zurück und stelle fest, dass auch sie vielfach noch Zöpfe trägt, die sie aber nicht über den Rücken baumeln lässt wie ihre Schwester vom Lande. Sie sind bei ihr auf Gretchenart um den Kopf gelegt, wobei die Haare aber so kurz geschnitten sind, dass die Zöpfe nur einen einfachen Kranz bilden und nie doppelt um den Kopf gewunden werden* wodurch das Tragen des modernen Hutes nicht beeinträchtigt wird. Am originellsten mutet jedoch jene Frisur an, die die Athenerin den griechischen Göttinnen abgeguckt hat: Die Haare sind in der Mitte gescheitelt, von der Stirne fliehend beidseitig zurückgekämmt und rings um den Kopf eingerollt, häufig in ein Band, neuerdings auch in die wieder modern gewordenen Diademe aus Metall oder Hörn. Wenn sich das betreffende Köpfchen rühmen kann, ein echt griechisches Profil zu besitzen, was selbst in Hellas durchaus nicht als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt werden darf, so ist die Wirkung um so frappanter, und man braucht sich dazu bloss noch das griechische Gewand und die Sandale zu denken, um eine Demeter oder Nike vor sich zu sehen. Sissy.