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E_1935_Zeitung_Nr.100

E_1935_Zeitung_Nr.100

BERN, Freitag,.13. Dezember 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N° 100 AUTOMO ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, iährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljahrlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicheruna^ vierteljährlich Fr. 7.50 Das Jahr 1936 wird die Motorfahrzeug, halter und insbesondere ihre Vertreter, die Verbände, vor eine Reihe von Problemen stellen, die infolge der Not der Zeit eine ungewöhnliche Bedeutung und Dringlichkeit erlangt haben. Es wird sich darum handeln, das, was nach Neujahr 1936 vom Motorfahrzeugverkehr noch übrig geblieben sein wird, fester denn je zusammenzufassen und für diesen Rest wirtschaftliche Bedingungen zu erkämpfen, die ein Weiterbestehen ermöglichen. In diesem Zusammenhang hat in Nr. 95 der «Automobil-Revue» unter dem Titel «Steuern und Haftpflichtversicherungsprämien sind revisionsbedürftig » Herr dipl. Ing. S. auch eine gewisse Neuordnung der Haftpflichtversicherung vorgeschlagen. Jene im Prinzip durchaus beachtenswerten Ueberlegungen lassen sich noch erheblich vertiefen — und dies ist der Zweck der folgenden Zeilen. Die Haftpflichtversicherung ist gesetzlich bedingt durch die Haftpflicht, und die Haftpflicht durch das Vorkommen von Unfällen. Gelänge es, die Unfälle zu vermeiden, so würde die Haftpflicht und mit ihr die Haftpflichtversicherung gegenstandslos. Die Gesamtsumme der Haftpflichtversicherungsprämien dient einerseits zur Deckung der Schadenzahlungen, anderseits zurDeckung der sogenannten Verwaltungskosten. Fassen wir vorerst nur diese Gesamtsumme ins Auge, so ist sofort zu erkennen, dass ihre Erniedrigung nur durch eine Erniedrigung der Gesamtsumme der Schadenzahlungen einerseits, oder durch eine Verminderung der Verwaltungskosten anderseits, möglich ist. Uns sollen im folgenden nur noch die Schadenzahlungen und ihre Deckung beschäftigen. Dieser Prämienanteil lässt sich im Rahmen der heutigen Verhältnisse nur dadurch verringern, dass die Zahl der Unfälle und deren Schwere vermindert wird, oder indem die Haftpflichtigen selber- noch zur Deckung des Schadens (nur des verschuldeten Schadens) herangezogen werden. Die Wiedereinführung eines obligatorischen Selbstbehaltes sowohl für Personen- wie für Sachschaden wäre durchaus erwägenswert. Der Geschädigte würde dabei nicht benachteiligt, wenn die bereits für den freiwilligen Sachschaden- Krach! Krach! zwei Revolverschüsse hallen, das Blei saust mir dicht an der Wange vorbei, als Henderson über meine Schulter zielte. Machtlos wälzt und ringelt sich die sterbende Schlange im feuchten Grase. Henderson betrachtet sie. «Eine Surucucu! Teufel, schätze, dass du von Glück sagen kannst!» Schauer überlaufen mich, wie ich das zur Familie der Grubenottern gehörige, auch Lachesis oder Buschmeister genannte Reptil betrachte. Zwei Meter lang ist der dicke, niannesschenkelstarke, rotgelbe, mit schwarzer Rautenzeichnung gefleckte Leib. Der Kopf schillert in allen Regenbogenfarben, und zollweit ragen die Giftfänge aus der aufgestülpten Schnauze hervor. Eine Reihe finsterer Könige und Herrscher gibt es im brasilianischen Sertao! Den Piranha. dann die Tocandeiroameise mit ihren jedoch zum wissenschaftlichen Studium der Luftkühlung im allgemeinen führte und daher auch die Konstruktionen des Automobilmotorenbaues wesentlich beeinflusste. Den luftgekühlten Kleinwagenmotoren sind reichlich dimensionierte Kühlrippen gemeinsam, die sich auf Zylinder und Zylinderkopf verteilen. An der Stirnseite dieser Motoren befindet sich meistens das Kühlgebläse. Die Anordnung der Kühlrippen ist' deshalb notwendig, weil die Luft ein schlechter Wärmeleiter ist; um die Ableitung grosser Wärmemengen bewerkstelligen zu können, muss die Oberfläche der heissen Motorteile um ein Vielfaches vergrössert werden, um für die Luft eine möglichst grosse Berührungsfläche zu schaffen. Durch entsprechende Kühlrippenausbildung und Kühlluftzuführung können die Stellen höchster Wärmebeanspruchung bevorzugt gekühlt werden (grössere Kühlrippen am Zylinderkopf). Zur Intensivierung der Kühlwirkung können die zu kühlenden Teile des Motors mit Windfängern umgeben werden, durch welche die vom Gebläse gelieferte Kühlluft gepresst wird. Diese Kühlluftzuführung ist bei den verschiedenen luftgekühlten Motortypen unterschiedlich. Manche Konstruktionen sind so angeordnet, dass zuerst die hochbeanspruchten Zylinderköpfe mit- Luft bestrichen werden und dann die Zylindermäntel, andere Motoren weisen das sogenannte Tunnelgehäuse auf, welches die Kühlluft zunächst an den Zylindermänteln entlang führt; im letzten Falle werden die Zylinderköpfe mit der vorgewärmten Luft bestrichen. Das als Mehrschaufelventilator ausgebil- IQ- Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage .Aütler-Felerabend". Monatlich* 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 • Telegramm-Adresse: Autorevue, Bem Geschäftsstelle Zürich r Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Selbstbehalt vorhandene Bestimmung, dass der Selbstbehalt dem Dritten nicht entgegengehalten werden kann, resp. dass dem Geschädigten das Forderungsrecht unmittelbar gegen die Versicherungsgesellschaft zusteht und diese nur das Rückgriffsrecht auf den Versicherungsnehmer hat, entsprechend erweitert wird. Allzuweit wird man allerdings auch mit einem obligatorischen Selbstbehalt nicht gehen dürfen. Denn einerseits ist der Motorfahrzeughalter unter Umständen selbst dann haftbar, wenn ihn an einem durch den Betrieb seines Motorfahrzeuges angerichteten Schaden überhaupt kein Verschulden trifft, und anderseits ist, auch wenn ein Verschulden vorliegt, der Schaden nicht eine eindeutige Funktion des Verschuldens. Ein leichtes Verschulden kann katastrophale Folgen haben, und ein schweres Verschulden mit leichtem Sachschaden glimpflich enden. Soweit ist und bleibt die Versicherung gerechtfertigt und notwendig. Die Hauptaufgabe besteht also darin, die Schadensumme (nach Abzug allfälliger Selbstbehalte) zu erniedrigen. Das Mittel zum Zweck ist gegeben durch die Unfallbekämpfung, denn die Schadensumme ist, auf Grund der gesetzlichen Haftpflicht und ihrer Interpretation durch die Gerichte, durch die Art und die Zahl der vorkommenden Unfälle gegeben. Auf dem Gebiet der Unfallbekämpfung ist in der letzten Zeit zwar manches geschehen, aber noch lange nicht genug. Es fehlt eine Stelle, die alle diese Bemühungen koordiniert und dafür sorgt, dass von Grund auf richtig und zweckmässig vorgegangen wird. Die Schaffung einer solchen Stelle Hesse sich ohne weiteres rechtfertigen. Denn, bedenkt man, dass 1934 die Motorfahrzeughalter zusammen rund 25 Millionen an Haftpflichtversicherungsprämien bezahlen mussten, dass die Haftpflichtversicherung nur die Schäden vergütet, für die eine Haftung besteht, während die sehr zahlreichen übrigen Schäden direkt von den Motorfahrzeughaltern getragen werden müssen (wobei auch die durch die Kaskoversicherung vergüteten Schäden wieder durch entsprechende Prämien aufgewogen werden), so kommt man ohne Uebertreibung auf eine Gesamtbelastung von mindestens 40, wenn nicht 50 Millionen im Jahr! (Fortsetzung Seite 2.) furchtbaren, alles vernichtenden Heereszügen. Ferner die riesenstarke Sucuriju. Und dann noch den Buschmeister oder Surucucu, vor dessen Zischen selbst der wütende Jaguar Fersengeld gibt. Im Bewusstsein seiner dämonischen Macht verzichtet der Buschmeister sogar darauf, dem Menschen auszuweichen. Im Grase liegend, wartet er ruhig, bis dieser nahe genug ist, und stürzt dann mit der Kraft und Schnelligkeit eines Ballistengeschosses auf den Feind. So rasch ist der Buschmeister, gegen dessen Gift nur in äusserst seltenen Fällen eine Serumeinspritzung hilft, dass er Rehe, junge Wasserschweine und Beutelratten förmlich zu Tode jagt, sie so lange durch den Urwald hetzt, bis sie nicht mehr weiter können und er den tödlichen Biss anbringt. Henderson packt das immer noch zitternde und peitschende Ungetüm mit beiden Händen am Schwänze und schleudert es ins Wasser. Wankend gehe ich zur Hängematte und schwinge mich hinein. Das Gefühl, eben dem Tode entronnen zu sein, macht allmählich einer wundervollen Behaglichkeit Platz. Ach, es ist doch herrlich, sich ausstrecken zu dürfen, wenn man sieben Tage und Nächte in stinkenden Sümpfen herumschaukelte und Getbe Liste Die Kühlungsfrage im Motorenbau. Die Standardkonstruktion des Automobils von heute weist^ die schon lange übliche Wasserkühlanlage' auf. Nur einige wenige Automobilfabriken versahen bis jetzt ihre Wagen mit luftgekühlten Motoren, so dass das Hauptgebiet für solche Anlagen heute noch das Motorrad ist und dort oft nur infolge der Schwierigkeit der Unterbringung einer geeigneten Wasserkühlanlage, insbesondere bei Mehrzylindermaschinen. Gewisse Vorteile der Luftkühlung gegenüber der Wasserkühlung bestehen in deren Einfachheit (Kühler, Leitungen, Pumpen und Anschlüsse für Kühlwasser fallen weg) sowie der ständigen Betriebsbereitschaft. Diese Gründe waren auch massgebend für die Bevorzugung der Luftkühlung bei militärischen Fahrzeugen. Wasserkühlanlagen haben infolge der Führungen der Wasserkanäle eine komplizierte Gussform des Zylinderblockes und sind daher teurer in der Herstellung; sie erhöhen weiter das tote Gewicht des Wagens und die Kühlerröhrchen werden leicht undicht, was zu Reparaturen Anlass gibt. So sollen nach einer englischen Statistik 38 % aller Störungen auf die Wasserkühlung zurückzuführen sein, eine Zahl, die freilich als zu hoch angesetzt erscheint. Der luftgekühlte Motor hat auch die Eigenschaft, schneller die gewünschte Betriebstemperatur zu erreichen, was durch thermostatisch gesteuerte Luftzuführung noch unterstützt werden kann. Ausserdem hat es sich gezeigt, dass hier die Zylindertemperaturen weit höher liegen können als bei der Wasserkühlung, weil dort schon die Siedetemperatur des Wassers eine natürliche Grenze bildet. Auf diesen Umstand ist auch die Tatsache zurückzuführen, dass sich gerade in den Tropen — wie auch in der Arktis — der luftgekühlte Motor besser bewährt hat als der wassergekühlte. Allgemein herrschte die Ansicht vor, dass man die genannten Nachteile der Wasserkühlung in Kauf nehmen müsse, da man die Luftkühlung bei grösseren Zylinderabmessungen und höherer Zylinderzahl als unzureichend erachtete. Man behauptete ferner, dass man sich bei stärkeren Motoren eines praktisch zu gross dimensionierten Gebläses bedienen musste, das ausserdem stets viel mehr Antriebsleistung verlange als die Wasserpumpe. So rüstete man fast nur Kleinwagen und andere Kleinmotoren mit einer Luftkühlanlage aus. Hier sind noch nicht die im starken Luftzug arbeitenden Flugzeugmotoren berücksichtigt, deren Entwicklung mit an das Kinn gezogenen Knien dahocken musste. «Henderson, hast du Hunger?» Er liegt bereits in seiner schwebenden Lagerstatt und raucht seine Pfeife. «Schätze nicht. Will nur langliegen!» brummt er. Die Indianer hocken vor dem Feuer und kauen. Süss duftet der Qualm meiner Pfeife, und über mir, im Geflecht der Zweige, beschreiben grüne Feuerkäfer torkelnde Kreise. Trommeln im Sertao. «Huff! Huff!» keuchen unsere Indianer bei jedem Hieb des Machete, mit dem sie den schmalen Pfad durch üppige Wildnis bahnen. Häufig gibt es aber lange Strecken, wo wir im Gänsemarsch ganz gut fortkommen. Es herrscht Dämmerlicht im Sertao, obwohl über dem grünen Blätterdach die Sonne, wie immer, am Himmel bleckt und Feuersgluten herabschleudert. Wenige seltene Strahlen sinken bis zu uns. Eine unheimliche Stille herrscht. Prüfend eilen unsere Augen hin und her, stets auf der Suche nach Orchideen. Und wenn wir solche entdeckten, wie sie familienweise über unsern Köpfen im satten Grün schmarotzen, so spähen wir um so angestrengter nach neuem, seltenen Blut. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschluss 4 Tane vor Erscheinen der Nummern Aus unserem Leserkreis Aus der Mappe des Technikers Wir berichten heute über: JCimnte die Jkgdktiedinik fielen? F E U I L L E T O N Blumenhölle am Jacinto. Urwalderlebnis. Von Ernst F. Löhndorff. (17. Fortsetzung) Querschnitt. Vorschlag für eine neue Rennformel. Ständerat, Bundesbahnbudget und Automobil. Die selbsttätige Steuerung von Flugzeugen. Zylinderbearbeitung mittels Feinbohren. dete Gebläse arbeitet verhältnismässig ruhig; einige Fabriken wollen durch unsymmetrische Ich bin nun schon lange genug bei dem seltsamen Amerikaner, dessen jedes zweite Wort «schätze» oder «kalkuliere» ist, und der nur selten den gebildeten Mann hervorkehrt. Und meine Kenntnisse über Orchideen sind gut, nun! Alle diese goldgelben, türkisblauen, violetten, feuerroten und krankhaft buntgesprenkelten Kelche, die Zwitter zwischen Stern, Schlangenbündel und Blüte sind, und die das Entzücken vieler Menschen in den Städten bilden würden, sind mir gut bekannt. Mit geringschätzigem Achselzucken schreite ich daran vorbei. Häufig fluche ich gleich Henderson über die magere Ausbeute, die in unsern Kisten steckt. Seltene, teils unbekannte Exemplare fanden wir! Ja, aber nur eins, höchstens zwei von jedem. Und können wir ahnen, ob die Experten diese trocknen Zwiebeln auch zum Blühen bringen werden? Die Gewissheit wäre grösser, wenn wir von je. der Zwiebel mindestens ein Dutzend hätten! Durch dunkelgrünen Urwald, in den einzelne Sonnenstrahlen wie goldene. Speere sinken, wandern wir weiter. Saftige Schösslinge brechen und platzen unter dem brutalen Tritt unserer Nagelschuhe. Lianen versuchen uns festzuhalten; Dornen kratzen heftig. Manche Pflanzen bedecken uns, wenn wir (Fortsetzung Seife 7.)