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E_1935_Zeitung_Nr.102

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BERN, Freitag, 20. Dezember 1935 Nummer 20 Rp. 31. Jahrgang - N° 102 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNE MENTS-PREISE: Angabe ^ (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, ährlich Fr. Aasland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert »o— Ausgabe B (mit gew. Untallversich.) Vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C(mii Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 lüechsefawükwig. von Ttlotox, und J&etoie&sstoffl Von Wa. Ostwald. ) I. Wir befinden uns in der Beherrschung der motorischen Verbrennung, zumal in ihrer Anwendung auf den motorisierten Verkehr, ganz zweifellos in einem grossen Umbruch. Die Wechselwirkung zwischen Motor und Kraftstoff hat zu neuen Möglichkeiten geführt, welche zwar erst zum kleinen Teil praktisch wirksam geworden sind, über der,en praktischen Wert aber schon heute wohl kein Zweifel mehr sein kann. Heute macht es •— um ein bekanntes Beispiel zu wählen — Italien die allererstesten Unbequemlichkeiten, dass England an eine Absperrung der Oelzufuhr denkt. In einigen Jahren — daran zweifelt wohl niemand von uns — wird die Weltmacht des Erdöls «konstitutionell•> geworden sein — wird, in anderen Worten, jedes Volk sich der Motorkraft frei bedienen können, welches nur überhaupt irgendwelche grosse Energiequellen oder -Vorräte hat — welches nur überhaupt über ausreichende Mengen von « Kalorien » verfügt. Die Form der Kalorien hat ihre ausschlaggebende Bedeutung verloren. Die Wechselwirkung von Kraftstoff und Motor hat zu einem erheblichen Zuwachs an Freiheit geführt. Der Begriff der «Qualitätskalorie» hat an Bedeutung heute schon weitgehend eingebüsst. Das zeigt die Entwicklung der Preisunterschiede in allen Ländern deutlich. Die Wärmepreise für Benzin und Gasöl werden auf dem Weltmarkt einander immer ähnlicher. Der Begriff der « Qualitätskalorie » kennzeichnete jene Kraftstoffe, welche bei dem einstmaligen Stand der Technik imVerkehrsmotor befriedigend zu verbrennen waren. Man war sich auch damals darüber klar, dass grundsätzlich jede chemische Energie motorisch verwendbar sei — dass insbesondere principiell alle verbrennlichen Stoffe auch motorisch verbrannt werden könnten. Aber praktisch und wirtschaftlich bestand damals eben nur die Möglichkeit, ganz bestimmte Kraftstoffe zu verwenden. Nur bei Verwendung von Kraftstoffen mit «Qualitätskalorien» blieb der technische und geldliche Aufwand vernünftig. *) Als Vortrag an der Tagung der Brennkraft- i technischen Gesellschaft gehalten. I Erscheint jeden Dlenstan und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal .fielbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 Postcheck III 414 Telegramm.Adresse: AutoreTue, Bern Grsebittsslrllf Zürich: Lfiwenstxasse 51, Telephon 39.743 Im einzelnen umfasste der Begriff der «Qualitätskalorie» für motorische Verbrennung drei Bestandteile: Erstens musste die Qualitätskalorie mit den damaligen technischen Mitteln überhaupt bequem durch motorische Verbrennung in mechanische Energie umwandelbar sein. Dies galt: a) bis Benz und Daimler fast nur für die Kalorien von Brenngasen; b) bis Diesel nur für die Wärmeeinheiten leichtflüchtiger Kohlenwasserstoffe; c) bis Pawlikowski nur etwa bis zum mittelsiedenden Qasöl. Heute sind wir grundsätzlich in der Lage, fast jede Kalorie, möge sie sich um diejenige des Steinkohlenteeröls oder diejenige des Holzes oder auch der festen Kohle handeln, motorisch nutzbar zu machen. Es fragt sich nur, wie umständlich das im Motor oder in der chemischen Fabrik ist und — was es kostet. Tatsächlich wird es aber für die meisten Möglichkeiten immer einfacher und immer billiger. Zweitens: Man denke daran, was man früher von Qualitätskraftstoffen alles verlangte. Der Begriff etwa der «Leichtflüssigkeit» hat sich selbst für die Ottoverbrennurig grundsätzlich gewandelt. Die leichtflüchtigen, nicht über 100° C. siedenden Benzine, mit denen die Oberflächenvergaser von Otto, Benz, Daimler usw. arbeiteten, sind himmeltweit verschieden von unseren heutigen Autobenzinen, deren Siedeschwänze bis 200° C hinaufreichen. Dabei sieht es so aus, wie wenn die Entwicklung der Autobenzine in Richtung Verringerung ihrer Flüchtigkeit noch längst nicht abgeschlossen wäre, sondern im Gegenteil z. B. durch das Einspritzverfahren mit Fremdzündung Autobenzine künftig üblich sein würden, welche man mit dem Streichholz nicht mehr anzünden kann. Oder: Was. verlangte man früher und verlangt man noch heute an Reinheit der Autobetriebsstoffe? Der Harzgehalt muss winzig sein. Durch besondere Zusatzstoffe muss man sein Ansteigen auch bei langer Lagerzeit verhindern. Mit dem Einspritzverfahren werden für die Zündmotoren mit Otto-Verbrennung die Anforderungen nach chemischer Reinheit und Lagerbeständigkeit weitgehend verschwinden, wie sie für Dieselöle ja ohnehin nicht bestehen. Denn diese Anforderungen beruhen darauf, dass es keine Ansaugventil verpechung geben darf. Wenn, wie beim Einspritzverfahren, der Kraftstoff die Ansaugventile überhaupt nicht mehr berührt, entfallen erhebliche Anforderungen in bezug auf Harzgehalt. Das ganze Gebiet der Autobetriebsstoffe ist heute noch beherrscht von der dritten Anforderung, dass Leichtkraftstoffe günstige Klopfziffern haben müssen. Es laufen bereits Einspritzmotoren mit Fremdzündung, bei denen die Klopfziffer des Kraftstoffes praktisch überhaupt keine Rolle mehr spielt. Wir sehen also, dass selbst die grundlegenden Anforderungen der Flüchtigkeit, Reinheit und Klopffestigkeit für eine im Otto- Motor verwendbare Qualitätskalorie heute auf sehr wackeligem Boden stehen, dass, in anderen Worten, die Wechselwirkung zwischen Kraftstoff und Motor das Gebiet der motorisch vorteilhaft verwerteten Kraftstoffe ungemein zu erweitern im Begriff ist. Fortsetzung Seite 12. .* Zum Sieg in den grossen internationalen Rennen gehören drei Dinge : ein schneller Wagen, ejn hervorragender Fahrer und — etwas Glück! Das sind, auf die kürzeste Formel gebracht, die Voraussetzungen für einen Erfolg. Zerpflückt man die drei genannten Punkte genauer, sa entsteht für den Kundigen eine derartige Fülle von Einzelheiten, die massgeblich den Ausgang eines INSERTIONS-PRE1S: Die achtgespaltene a mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grfissere Inserate nach Spezialtarif Inseratenschlnss 4 Tane vor Erscheinen der Nnmmern Wir berichten heute Staatliche Hilfe für den französ. Rennwagenbau. Schweiz. Dauerflugrekord für Segelflieger. Könnte die Psychotechnik helfen? Unser Motorfahrzeug-Aussenhandel. Planetengetriebe. Drehkolbenmotor. Verzeichnis der Unterrichtskurse. | Höchstgeschwindigkeiten. Das Autorennen van der tBaxemzite aus Etwas Qbsr die „Kleinigkeiten", die Sieg odar Niadarlags entscheiden. Ober: Rennens, und zwar jede einzeln für sich, bestimmen, dass man versucht ist, am besten alles auf Punkt 3 der Voraussetzungen — das Glück zu schieben. In der Praxis des Rennbetriebes lässt sich jedoch durch äusserst peinliche, ja geradezu übervorsichtige Üeberwachung aller Einzelheiten sehr viel, aber — längst nicht alles erreichen. Uebrig bleibt tatsächlich, trotz Blumenhölle am Jacinto. Urwalderlebnis. Von Ernst F. Löhndorff. (19. Fortsetzung) Oh, wir laufen seit Stunden ums Leben, und Tres, der die Kiste mit den letzten Hundezähnen und ein Reservegewehr trug, ist nicht mehr bei uns. Bunte Pfeile, die aus dem Schatten breitblätteriger Pflanzen schwirrten, senkten sich auf uns nieder, als wir sorglos durch den Urwald der Sonne entgegenschritten. Sie trafen die Brust des Indianers. Zwischen Riesenfarne taumelte er und schlug aufs Gesicht. Wir laufen, begleitet von dem harten Klappern verborgener Trommeln, die rechts und links fast gleichen Schritt mit uns halten. Die einzige Hoffnung, die es gibt, den Caripunhas und ihren Blasrohren zu entkommen, ist — wir müssen eine grössere Waldblösse oder die lichten Sümpfe gewinnen. Dort können wir erst haltmachen und mit den Feuerwaffen, die weiter tragen als die Giftpfeile, 3.