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E_1936_Zeitung_Nr.003

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BERN, Freitag, 10. Januar 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 3 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEIT Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verke ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung i halb jährlich Fr. ö.—, jährlich Fr. Ausland mil Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. UnlaUversich.) vierteljahrlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung} vierteljährlich Fr. 7.50 II. Die Fahrzeugdieselmaschine fand gleich nach ihrem Erscheinen eine lebhafte Aufnahme in allen .Wirtschaftskreisen. Der erhebliche Gewinn durch Brehnstoffkostenersparnis und durch längeren Fahrweg mit der gleichen Brennstoffmenge im Tank infolge des mengenmässig geringeren Verbrauches der Dieselmaschine gegenüber der Otto-Maschine ebneten auch den ersten Dieselmotoren den Weg, so dass die Entwicklung verhältnismässig ungehemmt vorangehen konnte. Besonders vorteilhaft wirkt sich bei den Verbrauchern der Verlauf der Drehmomentenkurve des Dieselmotors aus. Zwischen etwa 750 Umdrehungsminuten bis 2000 Umdrehungsminuten behält das Drehmoment noch nahezu seine volle Höhe bei, während das des Vergasermotors im untern Drehzahlbereich ganz erheblich absinkt. Auch ist das Drehmoment des Dieselmotors schon bei verhältnismässig kalter Maschine verfügbar — im Gegensatz zum Vergasermotor. Bei Feuerwehr-Fahrzeugen mit Dieselmotoren führt diese Eigenschaft z. B. dazu, dass die Dieselwagen, die im Anspringen vielleicht etwas länger brauchen als Wagen mit Vergasermotoren, diese nach kurzer Fahrt überholen, weil die Vergasermotoren in der gleichen Zeit noch nicht das gleiche Drehmoment entwickeln können. Ein z. B. mit 100 PS auf dem Bremsstand geprüfter Dieselmotor gibt diese Leistung auch im Fahrzeug ab, während ein mit 100 PS Bremsleistung geprüfter Otto-Motor im Fahrzeug durch anderweitige Vergasereinstellung — die Fahreinstellung — höchstens 85 PS tatsächlich hergeben kann. Die erwähnten Vorzüge der Dieselmaschinen haben ihre Einführung in die Wirtschaft ausserordentlich erleichtert. Selbst die in England kürzlich erfolgte Erhöhung des Gasölpreises auf die Höhe des Benzinpreises hat der Weiterverbreitung der Dieselmotoren- Verwendung keinen Einhalt bieten können. Beispielsweise wird rüich neuerer Nachricht der gesamte Londoner Omnibuspark in kurzer Zeitfolge auf Dieselbetrieb umgestellt werden. Es kann wohl als feststehend angenommen werden, dass eine wirtschaftliche Ausnützung fester und gasförmiger Treibstoffe die An- mit ihren Einrichtungen'zur Reinigung und Kühlung des Gases weiter verbessert werden müssen und auch weiter verbessert werden können, haben Versuchsfahrten bewie- Berna-100-PS-6-Zylinder- Dieselmotor mit direkter Einspritzung (Auspuffseite). Im Chassis mon- ' tiert. Von Oberbauraf F. Schmidt. Erseheint Jeden Dlenstan and Freitag ' Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mai .Gelbe Lifte REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 Postcheck 111 414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 wendung wesentlich höherer Motorkompressionen erfordert als sie bei Benzinbetrieb angewendet werden können. Diese höheren Kompressionen ergeben aber auch höhere Triebwerksbelastungen und die Notwendigkeit der Verwendung stärkerer Anlasseinrichtungen. Es ist daher sehr naheliegend, den Versuch zu unternehmen, Fahrzeug-Dieselmaschinen so auszugestalten, dass ihre Umstellung auf Fremdzündungsbetrieb in einfacher und billiger Weise möglich ist. Eine solche technische Lösung würde den Vorteil haben, dass der insbesondere bei hoher Jahres-Kilometer-Leistung besonders wirtschaftliche Betrieb mit Dieselmotoren solange möglich ist, wie flüssige Dieseltreibstoffe verfügbar sind, dass also eine Umstellung auf feste oder gasförmige Ersatztreibstoffe erst notwendig wird, wenn flüssige Diesel-Treibstoffe nicht mehr zur Verfügung stehen. Die technische Lösung dieses Problems ist bereits geschaffen. Die vom verwendeten festen oder gasförmigen Treibstoff abhängige Höhe der Kompression wird durch Veränderung des Brennraumvolums leicht bewerkstelligt. Besonders einfach ist die technische Lösung bei der VorkammerJVlaschine, bei der der von der Vorkammer eingenommene Raum zur Vergrösserung des Brennraumvolums herangezogen werden kann. Als Zündeinrichtung kommen Batterie- und Magnetzündapparate in Frage. Es wurden auf diesem Gebiet in allerjüngster Zeit Spezialapparate entwickelt, die in ihrer Wirkung .speziell auf-den Fahrzeug-Gasmotor, mit hoher Kompression abgestellt Sind. Die dauernden Schwierigkeiten beim Anlassen von Sauggasmotoren mit Batteriezündung brachten die Konstrukteure auf die Verwendung der von der Batterie und ihrem Ladezustand unabhängigen Magnetzündung zurück. Vermutlich ist der Spannungsabfall beim Einschalten des Anlassers und bei seiner längeren Benutzung so gross, dass der Zündfunke für die Entzündung des an und für sich etwas trägen Sauggases manchmal zu schwach ist. Die Meinungen gehen in dieser Hinsicht zwar noch auseinander, doch ist das erschwerte Anspringen infolge zu schwacher Zündung beim Zündspulenbetrieb nicht zu bestreiten. Die Betriebsbrauchbarkeit derartiger unter dem Zwang der Verhältnisse nachträglich für Gasbetrieb umgebauter Diesel-Fahrzeuge hängt im wesentlichen von dem verwendeten Gas ab. Es ist nicht zu vermeiden, dass Minderwerte in der Nutzleistung der Motoren bei Gasbetrieb gegenüber dem Dieselbetrieb auftreten. Sie müssen als kleines Opfer von den Verbrauchern fester und gasförmiger Treibstoffe hingenommen werden, anderseits müssen und werden die Motoren herstellenden Firmen sich anstrengen, ihre Motoren für die Verwendung dieser Treibstoffe mehr und mehr geeignet zu machen. Dass die Generator-Anlagen für die Verwendung fester Treibstoffe sen. Automobilindustrie, Geheratorherstelle Kraftstoffindustrie und Verkehrswirtschaf werden zu diesem Ziel eng zusammenarbeiten müssen, um die Betriebssicherheit und die Betriebsbereitschaft solcher Fahrzeuge zu steigern und den Wartungsbedarf herabzusetzen. Technisch am weitesten durchgebildet dürfte heute schon der Fahrzeuggenerator für die Verwendung von Holz sein. Im Entstehen begriffen und bereits weitgehend gefördert sind. Generatoren für Braunkohlenbriketts, Schwelkoks aus Braun- und Steinkohle, Anthrazit, Holzkohle, Torfkoks. Kernpunkte in der Benutzung von Generatorfahrzeugen werden zunächst die Erzeugungsund Verarbeitungsstätten der genannten Rohstoffe sein. Von diesen Kernpunkten aus wird sich die Verwendung von Generatorfahrzeugen nach der wirtschaftlichen Versorgung mit der betreffenden Rohstoffgruppe richten. Die Versorgung der Kraftverkehrswirtschaft mit Generatorholz wird mancherorts geprüft. Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass nur trockenes Holz in bestimmter Stückgrösse verwendbar ist, während nasses Holz jedenfalls heute noch zu erheblichen Störungen führt. Man muss sich als