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E_1936_Zeitung_Nr.003

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6 AUTOMOBIL-REVUE

6 AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 10. JANUAR 1936 — N° 3 F E U I L L E T O N Blumenhölle am Jacinto. Fortsetzung von Seite 2. «Thunderstorni, da geht er hin. Schätze, dass ihm deine Stiefel nicht sehr schmecken werden!» Dort, wo ich meinen Kampf mit dem mich von unten umklammernden Tode bestand, wälzt sich der lange, schlammnasse Leib eines grossen Krokodils, dem meine beiden Fussbekleidungen im Rachen blieben. Ohne die merkwürdige Beute loszulassen, läuft die Bestie mit jener fabelhaften Schnelligkeit, von der nur Menschen eine Ahnung haben, die Krokodile in ihrer natürlichen Umgebung kennen, in den Sumpf, ist im Nu hinter den Morasthügeln verschwunden. Stumpfsinnig blicke ich auf meine blutenden Füsse, dann raffe ich mich empor, folge den andern. Wahrhaftig, die Kerle würden mich glatt im Stich lassen, da vorne laufen sie ja schon! Wut, wie die Tropen sie in einem einsamen Menschen gebiert, flammt in mir hoch. Ich sehe rot! Den Revolver aus dem Halfter reissend, ziele ich auf den nichts ahnenden, eben über einen niedern Busch setzenden Amerikaner. Ich drücke ab, aber keine Explosion erfolgt. Zu sehr ist das Schloss der Waffe mit Schlamm, Erde und Pflanzenfasern verstopft. Ich ertappe mich bei einer grossen Furcht vor mir selber, schiebe langsam den Colt wieder ins Futteral und zwinge mein Gesicht in freudiges Grinsen, als Henderson über die Schulter ruft: «Ho, mein Junge! Gleich haben wir die Wasserfälle und nachher kommt offener Strom. Können dann wieder 'nenPalmetto umlegen. Wird der Madeira sein, schätze ich!» Beschämt nicke ich, während ich die Zähne zusammenbeisse, um nicht plötzlich vor Schmerzen zu brüllen. Denn als das Krokodil mir die Schuhe «auszog», gingen ein guter' Teil meiner Haut und einige Zehennägel mit. Und das Gras, durch das ich nun wate, schneidet wie höllische Schwerter in das rohe Fleisch meiner armen Füsse. Da vorne schwebt ein dumpfes Brausen über dem lichten Sertao. Es wächst mächtig an, bis die ganze Luft um uns in donnernde Schwingungen versetzt wird. Auf einmal brechen wir durch eine Reihe Büsche, und vor uns, über schwarze Felsen und ange- SIELLEN-MARKT Gesucht in grösserer Ortschaft (steuerfrei) durchaus selbständiger AUTO-MECHANIKER (verheiratet), besonders f. Last- u. auch £. Luxuswagen. In Frage kommt nur tücht Reparateur auf Satirer-Benzin- u. Dieselmotoren. — Referenzen mit Bild, bisheriger Tätigkeit und Lohnanspr. unt. Chiff. *7f\ÄA 1 Q-n Air* A ••4nv*inkil_Dst«*ta Dai>n Automobil-Verkäufer Intelligenter, gewandter, gut präsent. Herr, langjähr. Verkäufer, dipl. Masch.-Tech., mit einig. Hochschulsem., viele Jahre Uebersee in grösst. Autofab. tätig, mit allen kommerz. u. techn. Fragen bewand., sucht passende Verkäuferstelle oder Betriebsleitung. Offerten unter Chiffre 70417 an die Automobil-Revue, Bern. Garage-Chef schwemmte Bäume in weissen Kaskaden schäumend, wälzt sich ein breites, raschfliessendes Wasserband. Als der Mond zögernd aus dem Sertao kriecht, sitzen wir am Rande einer ruhigen, flimmernden Wasserfläche. Halb ans Ufer gezogen liegt das eben fertig gewordene Palmettofahrzeug. Wir essen geröstete Yukkawurzeln und lauschen einem Lärm, de? sich anhört, wie wenn drüben Schnellzüge durch den Urwald rollen. Brüllaffen, die im Sertao singen! Ein schmaler Sandstreifen zieht sich am Ufer entlang. Aus dem Strom tauchen ununterbrochen kleine Schildkröten, Dutzende und Hunderte. Der Sand knistert, als sie mit den Hinterfüssen Vertiefungen scharren und das Geschäft des Eierlegens beginnen. Das Feuer flackert. Uno und Dos rauchen. Ach, bald werden wir keinen Tabak mehr haben. Und was ist ein Mann, was ist ein Abenteurer ohne Tabak? Henderson und ich sitzen über eine geöffnete Orchideenkiste gebeugt. Unsere Augen glühen, und unsere Finger, die über die trockenen Pflanzenteile streicheln, zittern. «Weisst du noch, wo die hing?» murmelt er, und glückstrahlend erwidere ich: «Ich glaube, das ist die, die ich aus den Lianen über den Piranhas herunterholte!» Er nickte: «Schätze, dass du recht hast. Und diese hier, schau, Boy, das ist jene, die wie 'ne Schlangenfamilie aussah, damals, als uns die Ameisen jagten!» Murmelnd beugen wir uns dichter über die vertrockneten Reste jener Blumen, die soviel kosteten. Der Strom flüstert. Morgen werden wir ihn befahren. Nach Renate de Males hinab. Wir wissen zwar nicht, ob es der Madeira ist, aber seine Richtung ist günstig. Und alle Ströme in dieser Gegend fHessen in den grossen Amazonas. An dem irgendwo Remate de Males, Höhepunkt allen Uebels — nein! das Paradies! liegt und auf uns wartet. Morgen, o morgen beginnt der Heimkehrpfad! Remate de Males. Es war wirklich der Madeira, vielmehr einer seiner Arme, den wir vor genau siebzehn "Kanureisen — eine Kanureise zählt zwölf Stunden — bei jenen Wasserfällen erreichten. Er trug uns rasch und ergebnislos bis an die Insel, wo der Jacinto mündet, und auf der der Weiler Serto liegt. Hier verabschiedeten wir uns von Uno und Dos, ohne deren Ortssinn wir vor Wochen in den Sümpfen erstickt wären. Nach brasilianischer Sitte, die man allerdings Indianern gegenüber kaum anwendet, umarmten wir die braunen Burschen und klopften ihnen den Rücken. Bei dieser Gelegenheit sah ich diese beiden Sertaosphinxe zum ersten Male freundlich lächeln! Grosse Mühe kostete es uns, Hemden und plumpe, aus kaum gegerbter Haut zubereitete Schuhe für mich in Serto aufzutreiben. Nachher fuhren wir beide weiter. Dreifach so schnell ging es nun, da uns der Strom trug, wie vor Monaten, als Willis noch dabei war und wir mühsam im stillen Gefälle an den Ufern aufwärts paddelten. Breiter wurde der Madeira, und eines Abends liefen wir in den seenartigen Vater aller Gewässer des Sertao ein, in den grossen Amazonas, der uns an spärlichen Siedlungen und Plantagen vorbeitrug, bis wir wieder seinen Hauptlauf verliessen, um durch ein Netz von Wasseradern und Bayous nach der Bucht des Vierundzwanzigstündentodes zu rudern. Zwischen Madeiramündung und dieser töd- ich Katholik oder überhaupt religiös gebun- so würde ich hinüber zu Joaquim, dem lichen englischen Parklandschaft, die soden, weihevoll und friedlich im Sertao ruht, hätten wir verschiedene Orte berühren können, Dörfer, die manchmal sogar grösser sind als Remate de Males. Aber eine seltsame Unruhe trieb uns an den Grammophon- und Spielhöllenparadiesen vorbei. Und ein gewaltiger Schrei brach über unsere Lippen, als wir in heisser Mittagsglut eine Reihe Pfahlbauten über die gelbe Flut ragen und wir gleich darauf die schlüpfrige Treppe zu Santiagos Plattform erklommen. Wir waren wieder in Remate de Males! Pepita vom Amazonenstrom. Die Hütten sind noch dieselben wie damals. Nur die Behausung von Blatternarbenjesus, die schon ganz schief stand, scheint endgültig ins Wasser gerutscht zu sein, denn sie ist nicht mehr da. Und verchiedene neue Gesichter befinden sich unter dem bunten Menschenmischmasch, der sich in Santiagos «Palacio» um die likörbesudelten Tische drängt. Neue Senhoritas sind unter den mir noch bekannten, deren Gesichter als Reklame für Wechselfieber dienen könnten. Dann die üblichen Gummisucher, Urwaldhändler und Spieler, die von mir nur so lange Notiz nehmen, um durch allerlei Kreuz- und Querfragen zu erfahren, ob ich Geld besitze. Aasgeiersantiago ist auch hier. — Hm, jener Urubu, den die Piranhas dort hinten im endlosen Sertao der Caripunhas bekamen, sah dem Vogel doch noch viel 2)e* Seewofy von Jack London, unser nächster Roman, berichtet über Erlebnisse unter Robbenfängern in den nördlichen Meeren. Sie werden das spannende Werk mit Genuss lesen! ähnlicher! Santiago hockt, als ob es gestern gewesen wäre und nicht vier Monate inzwischen vergingen, unter dem durchlöcherten Jaguarfell und säuft Cachassa. Seine Gestalt ist ganz gekrümmt, und die Augen, die den Schnapsbecher anstieren, besitzen kaum noch menschlichen Ausdruck. Und Ballenha? Ave Maria und gelobt seid ihr unzähligen Heiligen des brasilianischen Himmels! Wäre Konkurrenten des Bastiano von der Halbmondbucht, paddeln und eine kiloschwere, bunt bemalte Kerze aus elfenbeingelbem, echtem Wachs kaufen. Gelobt seien die Heiligen! Und nochmals! Denn *— La Ballenha, die Frau mit dem Kameenkopf auf dem unförmlichen Körper, die Walfischfrau, die mich drei Nächte behext hat, damals als ich auf Henderson und Willis wartete — sie ist nicht mehr. Der Schlag hat sie getroffen, erzählte mir gestern Dom Xaime redselig, als er von mir bezahlten Whisky schlürfte. Hinter dem Schanktisch steht eine schlanke Gestalt. Grosse, mandelförmige Augen, in deren schwarzen Spiegeln geheimnisvolle Laster locken, schauen mich' an, und ein roter Mund, der so rot ist wie die eben aufgeblühte Hibiskusblüte, lächelt mir zu. Pepita! Pepita, der ich Pariser Stöckelschuhe für viele •Milreissoheine damals kaufte. Pepita, deren schlanke Finger in die Saiten der Gitarre greifen können, dass es sich anhört, als ob Mio-San im Hause, das die «Ampel des Mondes» hiess, im fernen Lande Yeddo dem Matrosen die Ballade von den drei weissen Federn und dem Sohne des Samurai vorsingt! Pepita ist die Herrin Santiagos, seiner Spielhölle, kurz und gut, von Remate de Males und dessen abenteuerlichen Bewohnern! (Fortsetzung folgt) mit 16jähriger Praxis, sucht Stellung in Werkstatt als MECHANIKER, würde sich auch an Garage beteiligen. — Angebote unter Chiffre 70415 an die Automobil-Revue, Bern, Chauffeur-Mechaniker 35 J. alt, verh., mit prima langjähr. Zebgnissen, Mil. Eint. M. W. D., mit allen vork. 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JJO 3 _^ FREITAG, 10. JANUAR 1936 AUTOMOBIL-REVUE Tcscian« Rundschau Sicheriieits-Schlusslicht. Vorrichtungen, die dem Fahrer anzeigen, ob das Schlusslicht funktioniert, sind zwar nicht neu. Gewöhnlich bestehen sie aus einem speziellen Lämpchen am Armaturenbrett, das mit dem Schlusslicht in Serie geschaltet ist. Wenn säjiieses' Lämpchen brennt, weiss der Automobilist, dass auch sein Schlusslicht in Ordnung ist. Nun hat ein Engländer eine Schaltung der Schlusslampe patentieren lassen, in der beim Versagen des Schlusslichtes automatisch eine zweite Schlusslampe eingeschaltet wird, jährend auf dem Armaturenbrett gleichzeitig ein grünes und ein orangegefärbtes Lämpchen (A u. B. Schaltbild links) aufleuchten. - 4