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E_1936_Zeitung_Nr.004

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Awgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 1 O.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Im Schulhaus unseres Ortes hängt seit etlichen Jahren an gut sichtbarer Stelle eine Schrifttafel. Sie mahnt in fetten Lettern: »Kinder, achtet auf die Gefahren des Strassenverkehrs! > Dieses Mahnplakat hat aber entschieden einen Mangel: Es sollte nämlich •— und das tut es eben nicht — jedes Jahr grösser werden, um mit vermehrtem Nachdruck die Mahnung unter die Kinderschar zu streuen. Denn die Gefahren der Strasse wachsen immerfort I Unser Strassennetz ist zwar nicht wesentlich grösser und zudem in den letzten Jahren eher übersichtlicher geworden. Aber der Verkehr wurde dichter und, was noch wesentlicher ist, schneller. Damit wuchs Hand in Hand bei uns und überall die Zahl der Verkehrsunfälle und die ihrer Opfer. Ueber 600 Personen fanden letztes Jahr den Tod auf der Strasse. 600 Einwohner bilden ein kleines Dorf. Wir opfern der Strasse heute viel! Ist das nicht der packendste Mahnruf an uns alle? Unter den Verunfallten sind selbstverständlich auch Kinder! Wie manches Menschenleben wurde so um Jahrzehnte zu früh ausgelöscht? Die Zahl der durch Verkehrsunfälle verletzten Kinder der Stadt Zürich betrug im Jahre 1934 rund 220. Eine solche Zahl, in einem Jahr, in einer einzigen Stadt, ist erschreckend. Es sind ja allein in unserer grössten Schweizerstadt vier bis fünf verunfallte Schulklassen! Es ist höchste Zeit, dass wir allen Flelss Beispiel von Schul-Wandbildern, wie sie der AGS zur Verkehrserziehung verteilt. Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal .Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck 111 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51. Telephon 39.743 und volle Aufmerksamkeit gerade diesen Dingen zuwenden. Wir dürfen uns nicht lakonisch auf die Feststellung der Tatsachen beschränken und behaupten — wie es jüngst ein bekannter Schulmann in der Presse tat >— dass die Verkehrserziehung in der Hauptsache darin bestehe, den Kindern die Strassenbenützungsregeln einzupauken. Es wäre aber auch grundverfehlt, wenn wir erwarten wollten, dass die Schule allein das Wunder vollbringen müsste, die Kinder dermassen innerlich zu wappnen und zu stählen, dass sie auf der Strasse dem lauernden Tode überlegen ins Auge sähen. Vielmehr liegt es an uns Erwachsenen allen, seien wir Fahrzeuglenker, Passanten oder stille Beobachter, an dieser wichtigen Erziehungsaufgabe mitzuarbeiten. Wir müssen als Eltern, Jugendfreunde, Mitmenschen uns noch in viel vermehrterem Masse unserer Jugend in dem Sinne annehmen, dass wir ihr mit allen Mitteln die Augen öffnen. Sie soll erkennen lernen, wo, wie und wann man auf der Strasse verunfallt. Scheint Ihnen das schwer? Vielleicht wenden Sie jetzt ein, dass es uns selber nicht immer klar sei, wo ein Mensch verunfallen könnte und insbesondere nicht, wo Kinder besonders gefährdet seien. Ihnen allen möchte dieser Aufsatz Aufklärung sein und zugleich eine kleine Wegleitung, wie man, auf der Erfahrung schöpfend, dem Kinde je- nes Wissen vermittelt, dessen es heute auf der Strasse täglich bedarf. Stellen wir erst einmal fest: Das Kind ist kein kleiner Erwachsener! Dieses Wort gilt uns Grossen! Wir dürfen nicht immer und überall erwarten, dass das Kind zwangsläufig wie wir Erwachsene handelt oder, weil es erst heranwächst, bereits so zu handeln beginnt. Wenn darum der Fahrer am Steuerrad ein Kind vor seinem Wagen auftauchen sieht und berechnet, es werde sich nun mit Sicherheit genau so über die Strasse begeben wie er es tun würde, begeht er einen Denkfehler. Er wird vielleicht gleich hernach — und leider oft zu spät — das falsche Resultat seiner Rechnung inne werden. Das Kind vor uns wird sich auf die verschiedensten Arten bewegen, je nachdem es dieser oder jener Gruppe angehört, in die wir unsere Schar einzuteilen versuchen wollen. Die jungen Unbeschwerten. Unbeschattet von jeder Aufklärung und jeder Verkehrskenntnis finden wir sie wieder in der Zeitung. Fall 1: In Z. ist ein kleines Kind ganz unvermutet einem rasch daherkommenden Lastwagen in die Fahrbahn gelaufen und schwer verunglückt. Den Fahrer trifft keine Schuld.... und wir fragen uns vielleicht nebenaus: ja, wen denn? War nicht vielleicht die Meldung doch unvollständig? Gewiss! Es hätte doch wohl von der Schuld derer ein Wort geschrieben werden können, die dieses Kind der Strasse anvertrauten, obschon es dieser — oder vielmehr deren Verkehr ohne freunde Hilfe nicht gewachsen war. Haben Sie auch schon kleine Kinder zu allerlei Besorgungen auf die Strasse geschickt? Wenn es dieses Kind gewesen wäre? Sie kennen den Weg, den Ihr kleiner Bote gehen soll, sehr genau. Wollen Sie ihm nicht künftig jene Stellen wenigstens nennen, vor denen er sich besonders in Acht nehmen soll. Er wird dann die böse Strassenkreuzung immerhin aufmerksamer ins Auge fassen und versuchen, Ihren Weisungen zu folgen. — Oder wollen Sie einer jener modernen Schutzengel sein, die das «unbeschwerte» Kind sachte aus der Fahrbahn heraus an den Strassenrand geleiten. Dann Hut ab vor Ihrer Liebe zum kleinen Mitmenschen! Falsche Rechnungen gibt es nicht nur in den Schulheften ums Einmaleins herum. Die Strasse liefert täglich neue Beispiele: Fall 2: Auf dem Hauptplatz zu X. wurde gestern ein Schulknabe mit seinem Fahrrad auf den Kühler eines Lastwagens geworfen. Der Junge vermutete, das ihm entgegenkommende Fahrzeug wolle links abschwenken, — er sah aber zu spät seinen Irrtum ein, wurde erfasst . Ein kleiner Richtungsweiser am Lastwagen hätte möglicherweise rechtzeitig die falsche Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 4 AUTOM ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen BERN, Dienstag, 14. Januar 1936 ABONNEMENTS.PREISE: lücvuun Können wir Erwachsene sie davor schützen? Ech. Pfenninaer, Lehrer. JCUid&i? INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschluss 4 Tane vor Ertrheincn der Nummern Rechnung korrigieren können, wenn der abzufahren. Eine quer verlaufende wassemnne Junge ihm gleich die nötige Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Lieber, erwachsener Dabei fährt eine der längsgerichteten Sitzlatten bringt unvermutet den Schlitten jäh zum Stehen. Der liegende Fahrer wird nach vorn geschleudert. Fussgänger! Beachtest du jedesmal unfehlbar dem Jungen in einen Oberschenkel, durchbohrt das jene Riohtungssignale, wenn du einem Fahrzeug begegnest? Sitzt ein Jugendfreund aber grosses Stück weg, das noch an der Latte steckt, als Muskelfleisch und reisst dem Verunfallten ein hand- am Lenkrad eines Wagens, möge er doch der Unglückliche bereits vor dem Schlitten im Schnee liest. wenigstens vor einer nahen Kindergruppe Sportbilder aus Winterkurorten haben uns sein Tempo derart massigen, dass er gegebenenfalls allfällige Fehlrechnungen nicht aber andere Schlitten und überdies besondere eine ähnliche Sportart gezeigt. Dort werden gleich mit dem «Spital» ahnden muss. Sturzhelme verwendet. Wenn unsere Kinder Vor jedem Schulhaus steht heute eine mit untauglichen Mitteln solche Winterbelustigungen nachahmen, laufen sie durch die Warntafel. Sie möchte etwa sagen: Achtet auf die Schulkinder! Eine solche Tafel eben doch nur scheinbare Nachahmung direkt schwebt unsichtbar vor jedem kleinen Strassenbenützer für uns Grosse. Wenn wir sie Es wäre verfehlt, wenn wir uns hier mit Gefahr. — nicht ebenfalls übersehen! dem schönen Imperativ: «Das ist verboten! » Beinahe in jedes Schweizer Haus fliegt zu helfen suchten. Wir haben wirksamere allwöchentlich ein Teil des reichlichen Bildersegens unserer vielen Illustrierten. Unsere scheinlich unsere eigene Erfahrung. Ein er- Erziehungsmittel. Das wirksamste ist wahr- bilderhungrigen Kinder haben schon längst zähltes Beispiel, eine sachliche, Erklärung an daraus entnommen, wie wichtig der Sport Ort und Stelle wirken weit kräftiger als das jeder Gattung vielen Grossen sein muss. massivste Verbot. Kinder sind ohne weiteres bereit, auch hier Lassen Sie Ihren Jungen einmal selber herausfinden, warum dies und jenes unzweck- gläubige Nachahmer zu werden. Den Beweis bringt das Tagblatt mit mässig, ja höchst gefährlich sei. Schon die Fall 3: Am «freien Nachmittag» pedalte ein Fragestellung: «Es nimmt mich wirklich schulpflichtiger Junge durch eine verkehrsreiche wunder, ob Du das nicht selber herausfindest », reizt das Kind, seine eigene Verstan- Ausfallstrasse unserer Stadt. Trotz seines forschen Tempos muss er der Fahrbahn vor ihm nicht die deskraft dem Erwachsenen gegenüber zu zeigen. Auf dieser glücklichen Mischung von geringste Aufmerksamkeit geschenkt haben, denn plötzlich prallte er auf einen rechts am Wege vorschriftsmässig stationierten Personenwagen auf. Erziehung und Anspornung beruht die Wirkung guter Belehrungsbücher. Es gibt auch Mit schweren Kopfverletzungen und einer Hirnerschütterung .. solche speziell für Verkehrsunterricht. *•) Das war acht Tage nach der «Tour de Wenn zum Studium eines solchen der freundliche Erwachsene nicht nur der Schenkende, Suisse ». Das Echo im Blätterwald der Illustrierten war eben verrauscht. Geau nach Sondern auch der Mitberatende sein will, wird einer gelesenen Bildanschrift hat sich der der Eifer des jungen Beschenkten kaum zu junge Fahrer in die Rückwand des Autos zügeln sein. «hineingekatzenbuckelt». Es entgeht eben der Fassen wir also auch hier den rechten Vorsatz, dann wird der Jugend mehr geholfen bescheidenen Aufmerksamkeit "vieler Bilderbeschauer, dass solche Rennen auf abgesperrten, geräumten Pisten ausgetragen werden. licherweise als Unverstand der Grossen aus- sein als mit hundert Verboten, die sie mög- Dem gleichen Gedankenfehler liegt folgender bedenklicher Winterunfall zugrunde: zulegen bereit wäre. (Fortsetzung folgt.) Fall 4: Ein Knabe vergnügte sich, bäuchlings auf *) Rechts — links — rechts! Ein Bilderbuch einem Schlitten liegend, einen steilen Waldweg hin- über den Verkehr: Verlag Sauerländer & Co., Aarau. Kein Missbrauch der Hilfsbereitschaft! Im vergangenen Monat wurde das Glatteis, welches Ueberlandstrassen oftmals kilometerweise überdeckte, manchem Automobilisten zur Falle und zum Verhängnis. Selbst bei vorsichtigem Fahren genügte irgendeine unbedeutende Veranlassung, um den Wagen aus der ursprünglichen Fahrbahn zu bringen und ihn in einen Seitengraben oder über ein Bördchen hinausgleiten zu lassen. Der Schaden war in den meisten Fällen recht gering. Das einzige Problem und die momentane Schwierigkeit bestand darin, das Fahrzeug möglichst rasch wieder flottzumachen, um nicht allzuviel Zeit zu verlieren. In verschiedenen Fällen, die uns bekannt wurden, war Hilfe zur Stelle, bevor sich der Automobilist noch recht überlegt hatte, wie die Aufgabe am besten angepackt werden könne. Bevor er sich nach einer Garage oder dem Telephon umsah, um einen Schleppwagen zu bestellen, anerbot sich ein Landwirt, mit seinem Pferdegespann das Auto auf die Strasse zu bringen. Mochte auch die Erwartung auf einen kleinen Verdienst die Triebfeder bei dem Landmann gewesen sein, so erwies sich das Anerbieten doch gewöhnlich als die einfachste und auch billigste Lösung. Gewöhnlich waren dann noch rasch ein paar Nachbarn, jüngere Burschen oder sonst welche Neugierige bei der Hand, denen es Spass machte, auch noch mitzuhelfen, um das Fahrzeug wieder in Gang zu bringen. Mit einem halben Liter oder ein paar Franken war dann die Angelegenheit erledigt und die Panne behoben. Vom 5XIQZ Nun scheint es aber leider auch unter den Fahrzeuglenkern Schmutzfinke zu geben, die auf die Hilfsbereitschaft anderer reflektieren und sich dann ohne jeglichen Dank schnöde aus dem Staube machen. Es ist uns ein verbürgter Fall gemeldet worden, da innert kürzester Zeit zwei Automobilisten die Hilfe von Strassenanwohnern in Anspruch nahmen, um ihr entgleistes Fahrzeug wieder auf die Fahrbahn zu bringen und sich dann, als es glücklich so weit war, ans Steuer setzten, mit der Begründung, sie möchten rasch kontrollieren, ob der Motor und alles Beiwerk auch noch einwandfrei funktioniere. Die Maschine wurde angedreht, und anstatt nach dem Probelauf von wenigen zehn Metern wieder anzuhal- Wir berichten heute über: Widerspruche. Wie wünsche ich mir den zukünftigen Wagen? Nuvolari wird in Amerika fahren. 10 Jahre deutsche Lufthansa. Der Sarolea-Kleinflugmotor. Der Wagen der Zukunft? Das Auto von heute.