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E_1936_Zeitung_Nr.004

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ien, entwischten die trüben Gesellen und kehrten nicht mehr zurück. Der böse Zufall wollte «s nun, dass sich diese Komödie innert kürzester Frist am selben Ort wiederholte und last die gleichen hilfsbereiten Anwohner auf «diese Weise gefoppt wurden. Sie sind begreiflicherweise seither so erbost und so Schlecht auf die Automobilisten zu sprechen, dass sie sich verschworen haben, keinen Finfcer mehr zu rühren und wenn an der bei Glatteis etwas gefährlichen Stelle (nach aussen hin abfallende Kurve) noch so viele Wain den Graben fahren würden. Durch diese Windbeutel von Fahrzeuglenkern gehen nun möglicherweise andere Fahrer, denen ein ähnliches Missgeschick begegnet, die sich aber anständigerweise für die geleisteten Dienste erkenntlich zeigen würden, der erwünschten raschen Hilfe verlustig und müssen froh sein, wenn sie irgendwo das Telephon benützen können, um eine viele Kilometer entfernte Garage'um Unterstützung anzuläuten. Dazu bleibt bei den geprellten Leuten auf lange Zeit hinaus eine Missstimmung Segen Motorfahrzeugführer zurück, die genicht von Gutem sein kann. Wir glauben nicht, dass es notwendig ist, tmsere Leser auf die selbstverständliche Dankespflicht aufmerksam zu machen. Wenn wir diese unerfreulichen Tatsachen hier festhalten, so vielmehr, um die Automobilisten, die bei solchen Hilfeleistungen des Weges kommen, zu bitten, sich etwas umzusehen und sich zu vergewissern, dass die Unterstützung auch einem zugute kommt, der weiss, was er den Helfern schuldet. Es lohnt sich im Interesse ides Strassenverkehrs, solchen Schelmen etwas auf die Finger zu sehen, denn wer sich schon wegen eines Betrages von wenigen Franken aus dem Staube zu machen imstande ist, der wird bei ernsteren Unfällen noch viel weniger Charakter aufbringen, um die Konsequenzen auf sich zu nehmen. Das sind dann idie traurigen, Subjekte, die flüchten und möglicherweise noch Verletzte auf der Strasse liegen lassen. Den Strassenanwohnern aber möchten wir empfehlen, sich die Polizeinummer von Fahrzeugen zu merken, deren Führern man Hilfe angedeihen lässt. Es gibt dann immer wieder Möglichkeiten, zu seinem Recht zu kommen. Im übrigen möchte sie eine solche unerfreuliche Erfahrung davon abhalten, ihre schlechte Meinung zu verallgemeinern und anständige Fahrer dafür entgelten zu lassen! Widexsptüche Die Oberzolldirektion will es einfach nicht wahrhaben, dass die Mehrbelastung des Benzins, die pro 100 kg netto nicht 8 Fr., sondern Fr. 9.20 ausmacht, was auf 100 kg netto total Fr. 32.20 ergibt (dabei spricht man fälschlicherweise immer von einem Zoll von 28 Fr.!), ausschlaggebend sei für den jetzigen und kommenden gewaltigen Konsumrückgang. In einer offiziellen Vernehmlassung wird erklärt, dass die Krise hiefür verantwortlich sei und exemplifiziert mit der früheren Zunahme an Fahrzeugen bei einem Detailpreis von 50 Rp. pro Liter. Dazu sei nur vermerkt, dass der Literpreis für das Benzin natürlich nicht für sich allein betrachtet werden darf, sondern im Zusammenhang mit den übrigen finanziellen Leistungen, die dem Motorfahrzeughalter zugemutet werden. Da ist vor allem daran zu erinnern, dass seit den Jahren 1926—28, die zitiert werden, die Haftpflichtprämie um rund 50 Prozent oder wenigstens 100 Fr. pro Jahr verteuert worden ist. Ferner haben seither viele Kantone ihre Motorfahrzeugbesteuerung revidiert, und zwar fast durchwegs im Sinne Lizenzvergebung für Dieselmotorenbau. Die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg hat die Lizenz für den Bau ihrer Dieselmotoren für Oesterreich und die Oststaaten an die Firma Austro-Fiat vergeben. Russlands Automobil- und Traktorenbau. In den ersten 11 Monaten des laufenden Jahres sind insgesamt von den russischen Automobil- und Traktoren-Werken 87,071 Motorfahrzeuge und 90,609 Traktoren fabriziert worden. Von der Automobilproduktion entfallen 17,600 Einheiten auf Personenwagen, Rennfahrer auf Reisen. R. Caracciola, der sich demnächst nach Amerika einschiffen wird, um einmal die dortigen Verhältnisse im Autorennsport aus eigener Anschauung kennenzulernen, wird von seinem neuesten Teamkollegen L. Chiron begleitet werden. Wir wünschen beiden gute Reise und good luck! Wie mansche. Ich mU den zukünftigen Wagen? Man sollte zwar dem Ochsen, der da drischet — meine Wenigkeit, sehr geehrter Herr Redaktor — nicht das Maul verbinden, aber anderseits: Ist es nicht ein wenig starker Tobak, einem an den Pfoten saugenden Schreiberlein derart den Mund wässerig zu machen? Wie wünschen Sie sich den zukünftigen Wagen? fragen Sie! Genau wie wenn ich meinem Fünfjährigen erkläre: Du darfst dir zu Weihnachten wünschen, was du willst! (Wobei ich unterschlage, dass auch seine Wünsche selbstverständlich nicht in Erfüllung gehen werden.) Doch genug der blumigen Sprache — her mit Tatsachen! Schliessen wir mal die Augen und träumen den Traum vom Idealwagen: In erster Linie sollte der Wagen schnell sein. Ich kann mir die Qualen eines Automobilisten lebhaft vorstellen, der ständig von andern Wagen «gegessen » wird, wie man scheints « Vorfähren » nicht ganz unrichtig in der Automobilistensprache bezeichnet. Wenn einer isst, dann esse ich! Mit meinem Traumwagen! Dann muss er schnittig sein in Form und Farbe. Wohlgemerkt: Schnittig, aber nicht zu auffallend. Ganz grosse Qualität — schon I äusserlich, aber keinesfalls nouveau-riche! Schön wäre es auch, wenn mein Zukunftswagen Strassenhaltung hätte. Tanzende Autos oder solche, die um die Kurven höchst widerwillig putzen, sind mit Recht der Schrecken der Frauen, Kinder und Hunde. Da diese drei Gattungen mir persönlich nichts zu Leid taten, Radio für Verkehrspatrouillen. Die deutsche motorisierte Strassenpolizei, die erst vor wenigen Monaten auf breiter Basis organisiert worden ist, soll Radio erhalten. Es ist der Einbau von Kurzwellensendern und -Empfängern in deren Fahrzeuge vorgesehen. Amerikas Dezemberproduktion. In der dritten Dezemberwoche belief sich die amerikanische Automobilproduktion auf 103 600 Wagen gegen 99100 Einheiten in der Vorwoche und 34 700 Automobile in der entsprechenden Vorjahresperiode. Der dies- 39,514 auf leichte Lastwagen, 27,640 Stück aufjährige Tiefstand wurde in der dritten Septemberwoche ausgewiesen, wobei die dama- mittelschwere Lastwagen bis zu 3 Tonnen Tragfähigkeit und 2317 Stück auf schwere lige Produktionshöhe von nur 12 600 Automobilen auf die im Gang befindliche Umstel- Lastwagen. Im Vergleich zur vorjährigen Produktionsmenge während der Monate Jajährige Parallelperiode eine Zunahme der mit die Automobilproduktion nahezu den lung der Fabrikation auf die neuen Modelle nuar bis und mit November ist für die dies- zurückzuführen war. Im Dezember hat da- Lastwagenproduktion um 40,9% zu verzeichnenwoche, also zur Zeit der Hochsaison, mit diesjährigen Höchststand der letzen April- 110 000 Wagen erreicht. Unsere Rundfrage AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 14. JANUAR 1936 — N ( 4 istischer Der Siegeszug des Schienenautos. Die italienischen Staatsbahnen beabsichtigen, demnächst ihren Bestand an Schienenautomobilen auf 400 Einheiten zu erhöhen. Gegenwärtig sind in den Fiat- und Breda- Werken 180 Schienenautos, sowie 30 Dieselund Elektrotriebwagen in Bau. ist es mein Bestreben, ihnen wohlwollend gegenüber zu leben — daher also muss der Wagen die Strasse halten. Und dann die Details, die einem Automobilisten, selbst wenn er mit dem Motor per Du steht, nicht einerlei sein können: Zigarettenanzünder und Aschenbecher — lachen Sie doch nicht, Herr Redaktor, ich bin strenger Raucher! — entsetzlich lautes Hörn, um Lastwagen mit Anhänger, ohne die Batterie auszuhupen, auf die Seite treiben zu können, irgendwo eine sympathische, einfache Uhr, verstellbarer Sitz, damit es mir endlich möglich wird, hinten anlehnen zu können und doch über das Steuerrad zu sehen, ein grosser Behälter (oder Tasche), allwo Schriften, Karten, Zigaretten usw. Platz finden, ohne zerknüllt zu werden, und — sehr wichtig! — ja keine Vase und kein witziger Glücksbringer. Am herrlichsten aber wäre es, wenn ein mächtiger Benzintank bereits gratis mit « Most» gefüllt wäre, wenn ich in erwähnter Tasche die vom lieben Verkäufer bezahlten Steuern, Versicherungen und Triptyks finden würde und wenn ich dies alles zusammen für ein Jahr oder noch länger zur Probe von einem unbekannten Gönner zur Verfügung gestellt bekommen könnte. Die Augen auf! Der Traum ist ausgeträumt! Der wässerige Mund wird trocken, und missmutig werde ich mich jetzt daran machen, mein Fahrrad draussen endlich wieder einmal zu reinigen. Ich möchte nicht verfehlen, sehr geehrter Herr Redaktor, Ihnen meinen Dank für den mir- inspirierten Traum auszudrücken und bleibe dementsprechend hochachtungsvoll Ihr ergebener Peter Pee. PS.: Falls Sie gleichwohl einen Gönner entdecken, geben Sie ihm bitte meine Adresse an! Die JL.:%. im ihOeil de% £esex Herr O. Z. in K.: «Leider habe Ich das erste geographische Rätsel verpasst und beeile mich, die neue Lösung einzusenden. Als langjähriger Abonnent erwarte ich nicht den ersten Preis, sondern die baldige Nachnahme für das kommende Jahr!» einer Erhöhung der Ansätze. Diese Mehrleistungen waren nun zusammen so bedeutend, dass die fiskalische Belastung eben die obere Grenze des wirtschaftlich Tragbaren bereits erreicht hat. Was nun darüber hinausgeht — und wären es auch « nur » 90 Rp. pro 100 km an Benzinmehrausgaben für kleine Wagen —, das ist für viele tausend Fahrzeughalter zu viel. Merkwürdig aber mutet vor allem die Argumentation an, man habe die Krise zum voraus eskomptiert und daher im Budget 1935 und 1936 nur je 40 Mill. Fr. als Ertrag des Benzinzolles eingesetzt, trotzdem das tatsächliche Erbegnis 1934 47,9 Mill. Fr. gewesen sei. In der Botschaft des Bundesrates vom 25. Juni, mit welcher die Landesbehörde dem Parlament die Zollerhöhungen schmackhaft zu machen sucht, lesen wir: «Durch die beantragten Zollmassnahmen wird das Zollerträgnis im Jahre um 30—32 Millionen Franken gesteigert werden. Von diesem Mehrertrag entfällt ungefähr je die Hälfte auf den Zucker- und Benzinzoll.» Der Bundesrat errechnet also die Mehreinnahme aus dem neuen Benzinzoll auf 16 Millionen Franken. Wenn aber aus « Krisengründen » ein Importrückgang von 400 000 Zentnern angenommen wird, wie dies in der Mitteilung der Oberzolldirektion der Fall ist, dann wird der Mehrertrag nicht mehr 16 Millionen Franken, sondern höchstens 10 Millionen Franken betragen. Und dies übrigens nur rein rechnerisch, also auf dem Papier. Wie die Wirklichkeit aussehen wird, steht auf einem andern Blatt. Davon abgesehen, stimmt auf alle Fälle die Erklärung der Zolldirektion nicht mit den Darlegungen des Bundesrates in seiner Botschaft überein. Wenn es den verantwortlichen Instanzen nicht nur darum zu tun ist, der Oeffentlichkeit etwas Sand in die Augen zu streuen oder Stimmung gegen das Motorfahrzeugwesen zu machen, dann dürfen wir wohl auf eine Abklärung dieser sich zuwiderlaufenden Erklärungen rechnen? Wie sagt doch Stölzel in seiner « Schulung für die juristische Praxis »? «Dem Mann, der dieses Ungetüm beim ersten Mal verstände, Ihm drückt' ich voll Ergebenheit hochachtungsvoll die Hände!» Und so tun wir's, wenn... dieser Mann gefunden ist! F E U I L L E T O N Blumenhölle am Jacinto. Urwalderlebnis. Von Ernst F. Löhndorff. 24. Fortsetzung. Henderson fuhr vor zwei Tagen mit den Orchideenkisten stromab nach Manaos. Dort trifft er Mr. Knowles, den Londoner Agenten, der unsere kostbare Beute nach England mitnimmt. Henderson will in acht Tagen wieder hier sein. Ich denke nicht an ihn augenblicklich. Denn die letzten Tage unserer Kanureise waren eintönig. Schweigsam, wie dieser Amerikaner schon ist, wurde er noch verschlossener, je näher wir Remate de Males kamen, und wir verloren den Kontakt miteinander. Er hielt sich kaum hier auf, fuhr sofort in einem Bongo mit vier Ruderern weiter und wird wohl schon einen Flussdampfer getroffen haben, der ihn rasch nach Manaos bringt. Geld gab er mir reichlich. Und ich soll noch mehr bekommen, wenn die Orchideen, die wir gesammelt haben, drüben in England zum Blühen gebracht werden können —und wenn ich bis dorthin noch lebe. Ich denke jetzt nicht an Henderson und an das Geld, das ich vielleicht in einem Jahr erhalten werde. Fieber habe ich! Und so stark, dass ich das Schnapsglas oder das Mategefäss mit beiden Händen packen muss, damit ich nicht alles verschütte, ehe ich's an den Mund gebracht habe. Das Grammophongedudel — es sind ein paar neue Platten hier! — das Geplapper der Mädchen und die Erzählungen der Gummisucher, mein Zimmer mit der Hängematte und das gute Essen, das ich nicht selbst zubereiten muss, alle diese Dinge erfüllen mich mit Freude. Obwohl ich weiss, dass Remate de Males das Ende der Welt, der Höhepunkt allen Uebels und eine greuliche Karikatur der Zivilisation ist, dünkt es mich doch unbeschreiblich herrlich und schön. Denn ich war über vier Monate im Sertao, weit da hinten im Lande der Caripunhas, wo hölzerne Trommeln rasseln und giftige Pfeile schwirren. Wo widerliches Qetier einem das Dasein zur Hölle macht! Ja, Remate de Males ist schön! Warum soll ich auch zurück in die grossen Städte, wo die Menschen so kalt und verhetzt sind? Und was soll dieser Traum, die stumme Sehnsucht, die ich manchmal habe, wenn ich Rückschau halte auf mein Leben und vergeblich den Vorhang der Zukunft durchdringen möchte? Dieser Pfad, immer schmäler werdend, das kleine Haus im Garten dort am Ende und die blonde, winkende Frau?... Hahaha! Pepita, he, Pepita! Habe ich nicht Rebozos und Schuhe sowie Ohrringe damals für dich gekauft, als die Ballenha an deiner Stelle stand? Der Schlag hat jene getroffen, erzählte Dom Xaime und schmatzte, wie er meinen Whisky trank. Aber noch trägst du die Ohrringe, Pepita. Wie zwei Blutstropfen hängen sie unter deinen blauschwarzen Haaren. Ah, Pepita, weisst du, wo ich herkomme, und was ich durchgemacht habe, seither? Pepita, sind deine Fingernägel noch so spitz und poliert, wie damals, als ich sie mit Kolibrikehlen verglich? Unsinn, Perlen sind's! Längliche Perlen von köstlichem Schmelz, wie sie nur in der Südsee gefunden werden. Wo die Atolle in in Korallenringen in den blauen Lagunen schwimmen. Wo die Kokospalmen in der Brise flüstern und die Mädchen den Hula- Hula tanzen. Und weht nicht der Duft der gebratenen Ferkel durch den Raum, und donnert nicht die ferne Brandung? Unsinn! Cachassa stinkt, und jener Donner sind Kanus, die die Wellen unten gegen Pfähle werfen. Pepita! sind deine Augen nicht Spiegel, auf deren Grunde kleine Flämmchen wie lustige Kobolde hüpfen? Und dein Mund ist eine Blume. Caramba! Pepita, komm, gib mir zu trinken. Cachassa, Schnaps und Bier, denn trinken will ich, bis ich umfalle, und alle diese Bilder der Vergangenheit in brennenden Fluten Alkohols erlöschen. Eine Gitarre klirrt und dröhnt. Stimmen wogen durcheinander. Santiago stiert vor sich hin. Durch die offene Tür presst die süsse Luft des Sertao herein. Orchideen, die dort in den Wäldern wachsen, schicken mir ihre Düfte. Langsam tritt Pepita hinter dem Schanktisch hervor. Dann steht sie vor mir, giesst das Glas aus einer Flasche voll. «Trink, Muchacho!» Ihre Stimme ist goldene Musik, un# während ich das Gefäss mit den fieberzitteri* den Händen an die Lippen führe, den Kopf hintenüberneige und die Flüssigkeit sich meine Kehle hinabbrennt, schaue ich Pepita an. Und es ist, als ob ihre Augen meine Seele austrinken. Der leere Becher entfällt mir, schwer sinkt der Kopf auf den Tisch, und Schauer rütteln meinen Körper. (Forts. Seite 5.)

NO 4 _ DIENSTAG, 14. JANUAR 1936 AUTOMOBIL>REVUE 3 Sportnachrichten Nuvolari wird in Amerika fahren —aber nicht am Indianapolis-Rennen. Bei uns in Europa, wie drüben in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, besteht schon lange der Wunsch, einmal Rennen auszutragen, in denen sich europäische und amerikanische Rennfahrer im Kampfe miteinander messen können. Bis heute scheiterte die Durchführung einer solchen wahrhaft internationalen Veranstaltung in erster Linie an den bedeutenden finanziellen Risiken, die derartige Uebersee-Expeditionen mit sich bringen würden. Es hatte aber schon vor Monaten den Anschein, als ob in dieser Hinsicht in absehbarer Zeit doch eine Lösung möglich wäre. Amerika beabsichtigt den Bau einer grossangelegten Strassenrundstrecke zu Rennzwecken, die ursprünglich schon in der zweiten Hälfte des abgelaufenen Jahres hätte beendigt und ihrer Bestimmung übergeben werden sollen. Die Angelegenheit hat sich jedoch verzögert, wohl nicht zuletzt der Kosten wegen, welche die Anlage dieser Strasse erheischt. Nun ist kürzlich in der englischen und französischen Presse eine Meldung des Inhalts verbreitet worden, die Scuderia Ferrari hege die Absicht, sich am diesjährigen Indianapolisrennen durch ihren bewährten Spitzenfahrer Tazio Nuvolari vertreten zu lassen. Wir haben diese Nachricht unter allem Vorbehalt wiedergegeben und gleichzeitig darauf hingewiesen, welche Schwierigkeiten sich für Nuvolari u. a. dadurch ergäben, dass der Brennstoffverbrauch beim Indianapolisrennen genau vorgeschrieben ist. Er beträgt für die 25 Meilen 2,5 Gallonen = 4,543 Liter. Sein 12-Zylinder Alfa Romeo aber verschlingt bekanntlich grössere Mengen. Auf der andern Seite wäre Nuvolari dadurch im Vorteil gewesen, dass seine Maschine mit einem Kompressor ausgestattet ist,, was das Rennreglement seit vielen Jahren zum erstenmal wieder erlaubt. Inzwischen hat sich nun herausgestellt, dass es mit Nuvolaris Teilnahme am grössten Bahnrennen Amerikas nicht stimmt. Schon deshalb nicht, weil dieser überseeische Wettbewerb auf den 30. Mai fällt, in eine Zeit also, da Europas Rennaktivität in vollem Gange ist. Die deutschen Rennwagen wären somit ihres gefürchtetsten Gegners ledig und hätten überhaupt keine Schwierigkeiten mehr, um sich in dieser Zeit der Abwesenheit Nuvolaris auf der ganzen Linie Erfolge zu sichern. Dem soll also nicht so sein. Wir werden den Mantuaner an den grössten Rennen Europas für den Ferrari-Rennstall fahren sehen. Wenn aber alle wichtigen Schlachten der ^^ison durchgekämpft sind, gegen Herbst l, wird Ferrari die nötigen Vorbereitungen für eine Expedition nach den U.S.A. treffen. Denn das amerikanische Projekt eines Strassenrennens, von dem eingans die Rede war, ist neu auferstanden. Der A.C. von Amerika hat zwei Gesellschaften ins Leben gerufen : eine zur Finanzierung des Rennstreckenbaus und eine zweite, die sich mit der sportlichen Organisation befassen wird. Bereits vor einiger Zeit wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Die Strasse wird durchgehend 30 Meter breit sein und Kurven aller Gattungen, sowie Ueberhöhungen aufweisen. Für den Lauf des Sommers ist die Fertigstellung der Anlage vorgesehen. Um jedoch eine möglichst rege europäische Teilnahme sicherzustellen, soll das Eröffnungsrennen erst Ende Oktober abgehalten werden. An alle berühmten Rennfahrer, sowie an die Automobilkonstrukteure der alten Welt wird die Einladung zur Beteiligung an dieser Veranstaltung ergehen. Die Automobilindustrien dies- und jenseits des Atlantik werden somit Gelegenheit erhalten,- ihre Wagen bei einem Anlass allerersten Ranges einander gegenüberzustellen. Welche Fahrer die Scuderia Ferrari zu diesem Zweck nach Amerika entsenden wird, soll im Herbst definitiv festgesetzt werden. Dass Nuvolari sich an der Spitze der Gruppe befindet, steht schon heute fest. reich für Sportwagen teilnehmen, Es handelt sich um Wagen mit 8-Zylinder-Motoren (2905 ccm Inhalt, Bohrung 68, Hub 100), die 140 PS zu entwickeln vermögen. Der Grosse Preis von Nizza findet nicht statt. Der für den 2. August im internationalen Sportkalender vorgesehene Grosse Preis von Nizza wird nicht ausgetragen. Der Alfa Romeo-Zwölfzyllnder wird erprobt. Das Modell, auf Welches nicht nur die Konstrukteure und die Scuderia Ferrari, sondern die genehmer können auf ihren Fahrzeugen, die serienfalls automatisches Ausscheiden zur Folge. Die Teilsamte italienische Autosportwelt so grosse Hoffnungen setzt, wird jetzt schon ganz sorgfältigen Hilfsmitteln mitführen, die im Reglement genau mässig hergestellt sein müssen, eine Anzahl von Probefahrten unterzogen. Die Maschine soll der vorgeschrieben sind. grosse Trumpf der italienischen Industrie sein, der gegen die beiden deutschen Marken ausgespielt und die deutsche Führung unterminieren soll. Die Paris-St. Raphael für Damm. Der Automobil- Fahrten werden auf den hiefür besonders geeigneten Autostraden vorgenommen. Bekanntlich wird Damen-Rennen, das zum achtenmal ausgetragen Club von Var hat die einzelnen Daten für dieses für diesen Wagen das nämliche Chassis verwendet, das bereits letztes Jahr für den neuen Achtzylinder konstruiert worden war. Es ist hinten mit der Stabfederung nach Dr. Porsche versehen. Vorne wird Einzelradabfederung verwendet. Der Rahmen konnte, trotz Gewichtseinsparungen, weiter verstärkt werden. Beim Motor handelt es sich um einen-V-Motor mit 66 mm Hub und 98 mm Bohrung, was einen Zylinderinhalt von knapp 4 Liter ergibt. Der Zwölfzylinder soll über 8000 Touren/Min, machen und auf dem Prüfstand 400 PS abgegeben haben. Es wäre für die kommende Sportsaison äusserst befruchtend und wertvoll, wenn die Italiener mit ebenbürtigen Waffen den deutschen Fabrikmannschaften gegenübertreten könnten. Auch Gilera an der Mille Miglla. Im Anechluss an die fünf bereits gemeldeten Wagen mit Gas- Generator hat sich nun auch Gilera auf Fiat 1100 ccm zum Tausendmeilen-Rennen einschreiben lassen. Er hat schon verschiedene frühere Auflagen dieser Veranstaltung persönlich miterlebt. Wihterprüfungsfahrt vom Harz in den Schwarzwald. Vom 3. bis 6. Februar nächsthin findet die erste motorsportliche Veranstaltung dieses Jahres in Deutschland statt, der Winterfahrbarkeits-Wettbewerb Harzburg-Titisee. Er wird also nicht, wie üblich, im eigentlichen Voralpengebiet durcheeführt, da die oft plötzlich einsetzenden Schneefälle die Fahrer manchmal vor ausserordentliche Hindernisse gestellt haben. Der Wettbewerb wird eine Langstreckenfahrt äusserst schwierigen Charakters sein. Bei dieser Prüfung können sich die Teilnehmer durch Anfahren verschiedener, schwer zu erreichender Punkte Gutpunkte sammeln, und zwar deren 20 pro Kontrollstelle. Man hat die Kontrollstellen für die einzelnen Motorrad- und Wagen-Kategorien verschieden gelegt, indem sich die Fahrer erst am Tagesziel treffen und einander so während dter eigentlichen Prüfung nicht hindern. Die Tagesetappen sind wie folgt festgelegt: 3. Februar: Harzburg- Die Bayreuth; 4. Februar: Bayreuth-Heidelberir; 5. Februar: Heidelberg-Titisee, wobei vorgesehen ist. dass die Motorräder und Auto-Lastwagen pro Tas 300 bis 350 Kilometer und die Personenautomobile 350 bis 400 Kilometer zurückzulegen haben. Am 6. Februar finden auf dem Titisee technische Prüfungen statt, welche jedoch nicht obligatorisch sind. Jeden Tag werden eine Stunde vor dem Start die Tagesfahrzeit, welche inngehalten werden muss. sowie die Kontrollstellen bekanntgegeben. Teilnehmer, welche anlässlich der täglichen Startprüfung innerhalb fünf Minuten nicht gestartet sind und mindestens 20 Meter hinter sich gebracht haben, werden mit Strafpunkten bedacht, und zwar mit 10 pro Minute.Wer nach 30 Minuten den Startplatz nicht verlassen hat, scheidet von der Prüfung aus. Auch wer am Ziel zu spät eintrifft, kommt in den «Genuss» von 1 Strafpunkt pro Minute, während zu frühes Eintreffen nicht in Anrechnung gebracht wird. Mehr als einstündige Verspätung am Tagesziel hat eben- wird, wie folgt festgesetzt: 3. März, 14 Uhr: Start in Paris-Orly zur Etappe Paris-Nevers (221 km). 4. März, vormittags: Kilometer-Rennen inPougues. Nachmittags: Etappe Nevers-Vichy (109 km). 5. März: Etappe Vichy-Lyon mit Unterbrüch in Clermont-Ferrand (232 km). 6. März: Etappe Lyon-Marseille mit Unterbruch in Orange (328 km). 7. März, morgens: 500 Meter-Lance 1 auf dem Boulevard Michelet in Marseille. Halbtags-Etappe bis Bandol. Abends nach Toulon (71 km). 8. März, vormittags: Toulon-St Raphael via Draguignan (Kontrollstation), 127 km; nachmittags: Fahrbarkeits-Konkurrenz auf dem Boulevard Felix-Martin in St. Raphael. Am 9. März findet zum Abschluss ein Schönheitswettbewerb in Cannes statt Das Rennen ist mit Preisen in der Höhe von ca. 17,000 franz. Fr. dotiert. Das Wagenmaterial der Scuderia Ferrari. Die Scuderia Ferrari gibt bekannt, dass cie für die kommende Saison ausser zwei Alfa Romeo-Monoposto aus dem Jahre 1935 vier 8-Zylinder-Rennwagen zur Verfügung haben wird, welches Modell im vergangenen Jahre in Monza, San Sebastian und Brunn ausprobiert wurde. Auf Grund der damals gemachten Erfahrungen hat man an diesen- Modellen noch einige Abänderungen vorgenommen. Auch werden die neuen 12-Zylinderwagen ebenfalls bereit sein. An Sportwagen besitzt Ferrari deren vier, nämlich zwei mit und zwei ohne Kompressoren. Wie wir schon vor einiger Zeit mitgeteilt haben, wird die Scuderia mit den letztern zwei am Grossen Preis von Fraok- Rund um die 500 Meilen von Indianapolis. Für das nächstjährige 500-Meilen-Rennen von Indianapolis hat die Borg-Warner-Corporation einen neuen Preis gestiftet, die «Men of Motors Trophy». Diese ersetzt diö frühere Wheeler-Schebler-Trophy, die im Jahre 1933 endgültig von Harry Hartz gewonnen wurde, nachdem er das klassische Rennen dreimal als Sieger beendigt hatte. Die «Men of Motors Trophy» stellt ein mit zwei Flügeln versehenes, silbernes Wurfgeschoss dar, welches von einem Athleten überragt wird, der mit einer Fahne auf die Ziellinie hinweist. Rund um das Geschoss herum sind die Porträts aller Sieger in den bisherigen 500-Meilen-Rennen von Indianapolis eingemeisselt, von Ray Harroun bis zu Kelly Petillo, von dem eben die Meldung eingeht, dass er sich vom Rennsport zurückzieht und von nun an einer kaufmännischen Tätigkeit widmen wird. Die zukünftigen Sieger von Indianapolis sollen seiner- I zeit ebenfalls auf dieser neuen Trophäe verewigt .werden. A. KREDIT-BANK o vorm. AUTO-CREDIT-BANK ZÜRICH ist wieder einmal voran! 24 MONATE KREDIT-DAUER offeriert unser neuer GENERAL- TARIF als längste normale Rückzahlungsdauer I! Ein Kredit von Fr.3600— auf einem Wagen von Fr. 4500.- Kaufpreis kann also, beispielsw., mit ca. Fr.173.- pro Monat amortisiert werden. ZÜRICH Börsenstr. 21 Telef. 70030 Filiale in Genf 10, RuePetitot, Telef. 44267 Bekanntlich ist kaum eines der bisherigen Indianapolis-Rennen ohne schweren Unfall abgelaufen. Es ist u. a. vorgekommen, dass Rennwagen bei hoher Geschwindigkeit aus \ der Bahn getragen wurden und in die Zuschauermenge hineingerieten. Dem soll nun gründlich abgeholfen werden. Man versieht die Rundstrecke mit einer äusserst starken Umzäunung, welche derartige Zwischenfälle verhindern wird. Auch die Annahme der Anmeldungen wird strenger gehandhabt werden als früher. Alle Rennfahrer haben sich in einer Prüfung vor einigen altern, erfahrenen Kameraden darüber auszuweisen, dass sie. die Herrschaft über ihren Wagen auch bei grösstem Tempo nicht verlieren. £•»«»»# fn de* Schweiz Um das Grand-Saconnex-Rennen. Das Kilometerrennen von Grand-Saconnex für Automobile wurde bekanntlich immer in Verbindung mit demjenigen für Motorräder ausgetragen. Nun hat der Motor-Sporting-Club von Genf das Rennen für Motorräder abgeblasen und begründet diesen Entschluss damit, dass er sich die beträchtlichen Organisationskosten nicht allein aufladen wolle, nachdem die Genfer Sektion des A.C.S. ihrerseits auf die Durchführung des Automobilrennens verzichtet habe. Von offizieller, organisatorischer Seite ist jedoch zu dieser Meldung noch, keine Stellung bezogen worden, so dass es demnach ungewiss ist, ob das Automobilrennen tatsächlich gefahren wird oder nicht. Keine St. Moritzer Automobilwoche. Obwohl die internationale Sternfahrt nach St. Moritz (internationale Automobilwoche) bereits in allernächster Zeit hätte durchgeführt werden sollen — sie ist im internationalen Sportkalender für den 9.—16. Februar vorgesehen —, so war es doch verdächtig, dass über diesen Anlass bisher grösstes Stillschweigen herrschte und daher wenigstens mit verschiedenen Programmänderungen zu rechnen war. Tatsächlich wird nun bekannt, dass die Veranstaltung gar nicht stattfindet, und zwar hauptsächlich im Hinblick auf die Unsicherheit im internationalen Reiseverkehr, und auch wegen der bisher ungünstigen Witterungsverhältnisse und den nicht gerade glänzenden Wetteraussichten. LUFTFAHR 10 Jahre Deutsche Lufthansa. «Fliegen heisst siegen über Zeiten und Weiten.» Dieser Ausspruch birgt ungeheure Entwicklungsmöglichkeiten in sich, Möglichkeiten, die von der Deutschen Lufthansa, welche anfangs Januar den 10. Jahrestag ihres Bestehens feierte, vollauf erfasst und in die Tat umgesetzt wurden. Wenn wir einen Rückblick werfen auf das von ihr eben abgeschlossene Dezennium, so können wir einmal mehr feststellen, dass die Luftfahrt im allgemeinen in dieser verhältnismässig kurzen Zeit einen riesigen Aufschwung genommen hat. Vor 17 Jahren, am 5. Februar 1919, flog das erste deutsche Verkehrsflugzeug vom Berliner Flugplatz Jbhanniätal nach Weimar. Die Maschine war ein Ganjzmetall-Tief decker Junkers F 13, ein Apparat, der sich in kurzer Zeit die Welt eroberte. Flugzeuge dieses Typs sind noch heute in Südamerika, Südafrika und Kanada im Betriebe. Sie können als die ersten Verkehrsflugzeuge der Welt bezeichnet werden, die in ihrer verspannungsfreien Bauweise den Luftwiderstand ganz bedeutend verminderten. Heute führen die Linien der Deutschen Lufthansa in einem dichten Strahlenbündel über ganz Europa. Darüber hinaus betreibt sie seit Anfang 1934 den regelmässigen Luftverkehr von Berlin via Stuttgart-Barcelona nach Südamerika bis Buenos Aires. Am 25. August 1935 führte die Lufthansa den 100. Postflug über den Südatlantik durch. Anderseits hat sie sich vor einigen Jahren tatkräftig über die Ausgestaltung einer Luftlinie nach dem Fernen Osten eingesetzt; das Ergebnis dieser Bemühungen war die deutsch-chinesische Luftverkehrsgesellschaft «Eurasia», die auf ihrem 8000 Kilometer umfassenden Netz im abgelaufenen Jahre über 2 Millionen Flugkilometer zurückgelegt hat. Dieser Entwicklung schienen namentlich in den Anfängen, von 1919 bis 1923, fast unüberwindliche Schranken gesetzt. In jener Zeit bildeten sich in Deutschland zahlreiche Fluggesellschaften, rund dreissig Unternehmungen, die sich gegenseitig in jeder Hinsicht zu konkurrenzieren suchten, was hauptsächlich auf die einheitliche Netzbildung erschwerend einwirkte. So kam es vor, dass von etlichen Unternehmungen die gleichen Linien beflogen wurden. 1923 fand diese unheilvolle Zersplitterung ein Ende durch den Zusammenschluss der verschiedenen Gesellschaften in zwei mächtige Gebilde, nämlich in den «Junkers-Luftverkehr» und die «Deutsche Aero Lloyd Ä.-G.». Der Kampf um die Vorherrschaft war auch zwischen diesen beiden Gesellschaften gross. Er hatte indessen das Gute an sich, dass die deutsche Verkehrs-Aviatik bis 1926 einen äusserst rapiden Aufschwung nahm, was allerdings auf der andern Seite den finanziellen Zusammenbruch der beiden Unternehmen zur Folge hatte. Am 6. Januar 1926 fand endlich die Gründung der Deutschen Lufthansa statt, die von nun ab als einzige Luftverkehrsgesellschaft in Deutschland die verkehrstechnischen Interessen mit Erfolg verteidigte. Die deutsche Lufthansa verfügt heute über ein erstklassiges Flugmaterial. Ihr Maschinenpark besteht zu 85% aus den prachtvollen, leistungsfähigen Ju-52 Flugzeugen, die mit ihren drei Motoren bei einer Geschwindigkeit bis zu 250 km/St. 17 Pas-