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E_1936_Zeitung_Nr.005

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ÄutomoML-RevuB — N*>5 Aus der Heimatbewegung im Bernbiet: tu tn b e m a l t von W a l t er Soom Ja, wenn es allen Kranken und Verschütteten so ginge wie den spinnwebbehangenen, Die gotischen Menschen bewegten sich in einer Geschlossenheit, welche uns heutigen unverständlich altersgeschwärzten Truhen, die in Walther erscheint. Daraus ist auch ihre Sooms Werkstatt und « Sanatorium » gebracht werden! Sie sind dem Laien ein Fragezeichen vom Fuss bis zum metallbeschlagenen Deckel. Doch der Künstler errät jeder äusseren Gestalt nach bald die Herkunft seiner Anvertrauten. Und dann geht es an ein liebevolles Untersuchen, ein unablässiges, mit der Lupe bewaffnetes Auffinden der malerischen Zeichen Kunst zu erklären. Man war noch nicht mit sich zerfallen, nicht irre an Gott geworden. Ganz ohne Beiwerk zeigen sich die strenggeraden Formen und sind von einem fremden Zauber überhaucht, welcher nicht die mindeste Verwandtschaft mit dem duftigen Spätling Rokoko hat. Diese in sich gekehrte Welt der Gotik wurde ja später auch veräusserlicht. und Runen. Die Truhe hält still. Sie verschweigt Hier aber, an diesem Stück, zeigt sie sich noch nicht, was erforschbar ist, sie verrät nicht,, was ein geübtes Auge erraten mag. in ihrer urtümlichen Anlage. Ja, uns will scheinen, dass selbst die Vierecksfiguren mit Gotische Und so steht man denn schliesslich sehend vor reichgeschmückten Jahrhunderten, die in unsere arme Zeit herüberleuchten. Und es müssen Berufene da sein, um den Zeitgenossen die alten Kleinodien neu zu schenken. Wir sprechen von bernischer Volkskunst und dürfen es wohl mit Recht tun, denn ein Volk wie der einzelne nimmt als auserwählten Besitz nur auf, was ihm artgemäss ist. Dinge, die uns fremd sind, haben kein langes Verweilen. Wir wissen sehr wohl, dass die alten Stile, die im Berner Bauernland herrschen, nicht aus diesem Volke selber hervorgingen. Die Schweizer, und nicht nur die Berner, haben von fremden Kriegszügen Beute heimgebracht, Stile eingeführt, die sich mit unserem Volkstum vertrugen. Weil nun die Kunststile nicht ein Erzeugnis unseres Landes sind, so konnte es auch geschehen, dass sie regellos nebeneinander herrschten, die Gotik gleichzeitig mit der Renaissance usw. Auch dürfen wir überhaupt nicht von ganz reinen Stilen sprechen. Romanisches und Gotisches, Renaissance und Barock durchdrangen einander. Interessant ist es, die Hauptstile trotzdem einmal in der zeitlichen Abfolge zu sehen. Und das tun wir jetzt in Betrachtung der Truhen und Schränke, welche unser Gewährsmann Truhe den Tonvertiefungen in der Mitte eine herbgesteigerte Männlichkeit bedeuten: Den reinen Geist. In die spätgotischen Werke dringen schon die Merkmale der Renaissance ein. Typisch Renaissancestil sind die abstrakt stilisierten Spiralen- und Volutenornamente. Wir erkennen sie auf einer Truhe neben dem Kamin des Künstlerhauses. Hier auch kommen die emmentalischen Tulpenmotive sehr schön zur Geltung. Die Renaissance vermehrte den Schmuck, aber jedes Ueberbordenwollen wurde anfänglich in strenge Form gewiesen. Auf einem Renaissanceschrank findet sich zwar die Jahrzahl 1756, während die geschichtliche Renaissance nur bis etwa 1680 ging. Das verwundert nicht, nachdem wir wissen, dass die fremden Stile gewöhnlich etwas verspätet in die Schweiz kamen. Dazu hielt gerade der ländliche Berner fest an der Tradition, und die wuchtige Renaissance mochte seinem schwerblütigen Wesen noch besonders entsprechen. Wir erkennen auf jenem vornehmen Prunkstück von 1756 eine wunderschöne Pinseltechnik, auf die wir später zurückkommen. Die Blumenstücke werden- kunstvoll einfach gerahmt durch abstechende Hölzer, Das geschah wohl in Anlehnung an die italienische Intarsienkunst auf Auf einer echten: geradlinigen Renaissancetruhe kommt bereits froher bewegte, gegenständliche Malerei zum Ausdruck, Die Renaissance verschmähte sonst im allgemeinen solche Darstellungen des Greifbarwirklichen. Die sinnenfällige Welt mit Frucht und Strauss und Flatterband feiert erst später ihre Triumphe. Auch die Blumen wurden in der Renaissance bis ins Wesenlose stilisiert. Nun im Barock stellt sich eine Birne als Birne, eine Traube als Traube dar, und die Blumen rufen sich ihre Namen zu. Frohe Diesseitigkeit war der Barockstil. In Laub- und Fruchtkränzen, in Bändern und bebändert tändelnden Puten setzte sich Frankreichs überfeinerter Lebensstil wieder einmal durch. Nicht dass sich der Barock nun überall ins Flüchtige und Graziöse hinaufschwang. Denken wir nur an die schweren, ja unleidlich überschmückten Möbel aus jener Zeit, an all das Krimskrams und übertriebene Ziergewoge. (Kennzeichen des Emporkömmlings.) Unter den Werken, welche Walther Soom in den letzten Jahren vollendete, finden sich viele Truhen aus der frühen und hohen Zeit des Barock. Ein Frühbarock von 1717 ist noch kaum zu unterscheiden von der besten Renaissance. Seine Blütezeit erreichte der Rokoko in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts (Goethezeit). An eindrücklichen Beispielen werden uns Erfüllung und Verarmung dieses Stiles klargemacht. Da ist eine Truhe aus dem Jahr 1747. Wir bewundern die reiche und doch gehaltene Komposition, das lebensvolle Blumenwerk, die feinen Seitenfüllungen, Im Spätrokoko dagegen fallen die dünngewordenen Verlegenheitssträusschen aus dem Zusammenhalt heraus. Sie schweben gleichsam in allzu blässlicher Luft, erleiden den Verlust des nährenden Erdreichs. Die Blumen wurden zwar von Walther Soom feinsinnig neugemalt, doch der Künstler selbst weiss am besten vom zehrenden Zerfalle jener Zeit. Je mehr das Kunsthandwerk verarmte und verödete, desto mehr half man sich mit naturverleugnenden Scheinwirkungen. So verschämte man sich zum Beispiel des Tannenholzes, und überstrich es ganz und gar. Der Empirestil und die Klassik haben sich bei uns trotz der französischen Emigranten nur schwach durchgesetzt. Vertrauter sind uns Möbel, Tapeten und Stoffe aus der Biedermeierzeit. Der friedliche Bürgergeist sprach sich auch auf Truhen und Schränken jener Tage aus. Diese Truhen können wir uns un- Biedermeier- Truhe Photos Stettler, Burgdorf. möglich in einem gotischen Dämmerdunkel vorstellen, sie gehören in anmutsvoll besonnte Räume. Doch gerade solchen Zeiten ist eine kurze Lebensdauer beschieden. Eine Truhe von 1866 entstammt schon dem Niedergang. Von hier weg war auf ein halbes Jahrhundert hinaus nichts mehr zu wollen. Europa wurde industrialisiert, materialisiert; auch die alte Bauernkunst schien dem Untergange verfallen. Es folgten noch mehrere Stile, einer mutloser als der andere, bis die Abgeschmacktheiten um 1900 ihren Höhepunkt erreichten, und die Kultur ihren Tiefstand. Zu Neuschöpfung und eigenem Ausdrucksvermögen schien man nicht mehr imstande. Man erschöpfte sich im Verpöbeln alter Stile, verlor alle Ehrfurcht vor der Materialechtheit, vor Stoff und Form und vor sich selber. Das führte zu einem Stilwirrwarr sondergleichen, und da die Neureichen die Macht an sich rissen, konnte nichts Edles mehr blühen. Die Aussenquartiere unserer Städte zeugen davon. Bedenke man, wie in der Zeit der Fabrikprosperität (welch unheilvoller Doppelsinn!) die Parvenüs aus dem Boden schössen! * Wer sich der alten Truhen, der Schränke, Tische und Buffert als Künstler annimmt, muss über eine grosse Technik verfügen. Walther Soom erzählt einiges aus seinem Gewerbe. Wir kommen zurück auf den Schrank in handgemalter Flammentechnik auf rohem, geöltem Tannenholz. Ein rasches Umwenden des Pinsels bewirkt, dass dieser braune Grund für uns etwas Gefiedertes annimmt, wir könnens nicht anders nennen. Es spielen da lauter feingebausche Federn. Und aus diesem weich und warm bereiteten Lager treten die Buntfarben schön heraus, ganz feine Grau und Blau, Zartrötliches. Noch komplizierter ist die überaus schöne Rußstrahltechnik. Ein flammendes Rot, das aus dem Holz herauflohen will, wird gleichsam zurückgerissen durch das russige Schwarz. Solch ein Maluntergrund tritt aber vollkommen zurück und lässt den Blumen wieder ihren ganzen Reiz. Es steht in dieser Art eine Kassette unter dem Bildnis des alten Mannes im Hausgange. Bei der Pinselflammentechnik wird herausgewischt, was hell auf dunkel leuchten soll. Gertrud Egger. Zürcher Unterhaltungsstätten Barock-Truhe vorzeigt und erklärt. Zum Teil sind sie im Hause geblieben, zum Teil auswärts und nur in der Photographie festgehalten. Aus dem Frühromanischen findet sich in unseren Bauernhäusern fast nichts mehr. Die Ueberlieferung setzt ein mit der Gotik, 1350 bis 1550. Noch lange bewahren sich'zwar die romanischen Rundbogen in der Gotik. Jene Truhe im Atelier ist ein tönereiches Werk reinster Gotik. Die photographische Wiedergabe: kann leider nur die Haupteindrücke vermitteln, jene geheimnisvollen Uebergänge vielgestufter Dunkel Ton in Ton. Mit dem Maler, der das ehrwürdige Werk ehrfurchtsvoll neugestaltete, fühlen wir uns ein in die mittelalterliche Inbrunst früher Menschen. Im Priesterlichen, wurde jene Kunst geweiht. Sie entstammt ihrem Geiste nach samt und sonders dem Dämmerdunkel hoher Kirchengewölbe. Truhen und Schränken der Renaissancezeit. Der Bauer fand damals eine hochwillkommene Winterbetätigung im Schnitzeln und Basteln; unsere alten schönen Schnitzwerke (Berner Oberland, Graubünden) haben ihren Ursprung dort. Es' ist dem bäurischen Renaissancestil eine strenge aber vollebendige Rhythmik eigen. Alles strebt ins Mächtige;-Weite, Grossflächige (z.B. Buffert), später freilich dann ins Schwülstigüberladene. Mit « Renaissance » verbindet sich uns die Vorstellung,von Dunkel, Schwere, Erhabenheit, mit «Barock» .und «Rokoko» von beschwingt graziöser Helle. Die Uebergänge vom einen zum andern Stil (Barock und Rokoko von 1680 bis 1780) sind auch:hier unmerklich und absolut kein schroffer Einbruch. Stadttheater Abends 8 Dbr Sonntag nachmittags 3 Uhr. Fr. abend 17. Jan. Mona Lisa. Sa. abend 18. Jan. Welturaufführung: Josephine, Operette von E. Kaiman. So. nachm. 19. Jan. Hopsa. So. abend 19. Jan. Josephine. Schauspielhaus Abends 8 k* ^ ... r tag nachm. 3?» Uhr. Fr. abend 17. Jan. Die erste Legion. Sa. abend 18. Jan. Der Hexer, Kriminalromon von Edgar Wallace. So. nachm. 19. Jan. Sommernachtstraum, von W. Shakespeare. So. abend 19. Jan. Der Hexer. Apollotheater Cafe-Rest. Stauffacherstrasse 41. Das CafShaus mit den bescheidenen Preisen. Rendez-vous vor und nach dem. Kino. StlldlO Nord-SÜd.Schiffländeplatz Premiere: « Divine » de Colette. Ce ba Stampfenbachplatz 5 Bars. Allabendliches Auf treten' erstklassiger, internationaler Künstlerinnen. Waldhaus Sihlbrugg (Station) Täglich gediegene Kabarett-Einlagen! Musik,. Gesang, Tanz, komische' Einlagen,- Sketches! Wolf L-immatquai 132, b. Central F. Winisdörfer ' * Erstklassige Menüs 1.70. Kuchenspezialitäten. Orchester Leindecker.. Zeughauskeller am paradeplatz Eine Sehenswürdigkeit. Küche und Keller berühmt. Familie Biedermann-Sutter, Besitzer des Hotel Engel in Baden, b. Turm. Privatpension 23 Moderne Zimmer. Reine Butterküche. Zeitgemässe Preise. Besitzer: Rösler-Misar, Chef de cuisine. Roter Ochsen weinpiab Parkplatz — Butterköche. Propr. H. 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in. Blatt Automobil-Revue BERN, 17. Januar 1936 Hellsehen von Heute Der Mann von Heute Dass wir uns mit der Kameradschaftlichkeit und mit der Gleichberechtigung etwas Schönes eingebrockt haben, wissen wir schon lange. Jetzt möchten wir nur gern wissen, wie wir dieses Danaergeschenk wieder loswerden. E r fasst die Sache so auf, dass er im Autobus nicht mehr aufzustehen braucht, wenn eine Frau noch so erschöpft neben ihm steht, und dass er ganz leger und «kameradschaftlich» — zwar ohne das mindeste Blümchen — aber dafür mit der Pfeife im Mundwinkel, Hände amerikanisch in den Hosentaschen, hereinschlendert: «Sag mal, Elli, du kannst mir doch bis zum Ersten zwanzig Silberlinge pumpen, was—?» Ach, das mögen wir nun gar nicht so furchtbar gern an ihm. Ich sage es ganz aufrichtig: nicht unsrer — sondern seinetwegen. Es kleidet ihn nicht. Ich kann mir ja selbst Blumen kaufen, er Iässt mich ja ungestört' und kameradschaftlich Geld verdienen. (Aber — lassen Sie es sich ins Ohr flüstern: sie freuen uns nicht so sehr, diese selbstgekauften Blumen.) Ich bin auch gesund und kräftig und kann ganz gern in der Tramway stehen. Aber er, dieser wohlgelungene blonde Mensch mit den kieselblauen Augen und dem scharfen Profil — er hat auf einmal sehr an Reiz verloren. Dass sich da gar nichts in ihm rührt, wenn so ein — immerhin: schwächeres — Wesen neben ihm steht! Und er sitzt breit und ausgeruht da und liest seine Zeitung. Um seinetwillen würde ich wünschen, dass er für ein Kind, für eine alte Frau, schliesslich auch — "warum nicht? — für eine junge Frau aufsteht. Es würde ihn so gut kleiden! Es würde ihm so etwas Frisches, Ritterliches, Nobles geben, was sein blondes Profil wirksam heben müsste. Aber meist verzichtet er darauf. Einmal war ich in einer etwas albernen Weise in ein solches Wesen vernarrt. Er trug eine Baskenmütze und Handschuhe mit Stulpen, um die ihn jeder Kreuzritter hätte beneiden können — fabelhaft. Die Baskenmütze sass richtig, so gewiss überzogen, wissen Sie, ganz knapp — und zu der Bas- Diner-Kleid aus Crdpe-Jacquard mit neuartigem Capuchon. Modell: Grands Magasins Jelmoli S. A. kenmütze hatte er — wie wurde mir — einen Chrysler. Na, und eines Tages sausten wir in diesem niedlichen Chrysler über Land — und da sausten wir an einem ebenso niedlichen kleinen Wagen vorbei, und neben dem Wagen, der halb im Chausseegraben stak, stand eine Frau, die winkte und rief etwas — und winkte und rief umsonst. Wir sausten vorbei, ich sagte es schon. Und mir wurde auf einmal so komisch zumute, mein hochgemutes Herz sank wie ein Lift aus dem vierten Stockwerk geradewegs bis ins Parterre, Hielt in keiner Etage. Plötzlich stand ich selbst so arm und hilflos auf der unabsehbaren Landstrasse unter einem grauen Himmel mit einer Lebens-Panne, und das schnittige Profil des Wagens, des Lenkers, sauste an mir vorbei Wer das fertig bringt, an einem Hilfebedürftigen vorbeizusausen, der bringt das auch bei dir fertig, Liebchen — auch wenn du seiner im Augenblick noch so sicher bist, sagte ich mir. Es ist Tag — jahraus, jahrein. Meine einzige Entschädi- schliesslich nur eine Frage der Zeit und der Umstände.— Wissen Sie, wie wir ihn gern möchten? Einen flotten, liebenswürdigen, chevaleresken Kameraden, dem wir unsere kleinen (und unter Umständen grösseren) Opfer aufzwingen müssen, verstehen Sie — der sie nicht verlangt oder halb gleichgültig voraussetzt, der mit uns umgeht, wie ein bezau- : bernder gfosser Bruder mit dem geliebten kleineren. Aber schliesslich: warum gerade Bruder? Könnte es nicht auch eine Schwester sein? Und warum gerade «Schwester»? Wenn ich es mir recht überlege, kapriziere ich mich auch nicht auf die «Schwester» . L. v. 1. Was ich von meiner Frau erwarte Ohne Umschweife und mit echt amerikanischer Sachlichkeit äussert sich zu dieser Frage ein «Ehemann, wie er im Buche steht> in einer amerikanischen Zeitschrift. «Ich erwarte,> sagt er, «eine ganze Menge von meiner Frau. Und muss es auch bekommen. Andernfalls müsste ich sie verlassen. Denn ich habe kein Verständnis für Frauen, die den Namen eines Mannes annehmen (und sein Geld und seinen Schutz dazu) — und nicht zu einer Gegenleistung gewillt sind. Zum Beispiel erwarte ich, dass meine Frau frisch und gesund ist. Die meisten Leute sind es — mit Ausnahme von Ehegattinnen. Sanatorien scheinen für Ehegattinnen erfunden. Männer müssen einfach gesund und frisch sein. Sind sie es nicht, so verlieren sie ihre Stellung. Auch berufstätige Frauen hätscheln ihre Leiden nicht. Haben sie wirklich welche, so verstecken sie sie so gut es geht. Sie wissen sehr gut, dass es ihren Wert herabsetzt, wenn sie nicht — ein bisschen roh ausgedrückt — vollkommen intakt sind. Nur die glücklich in den sicheren Hafen der Ehe eingelaufene Frau hat das Privileg — oder glaubt es zu haben — auf andauernd erholungsbedürftige Nerven und tausend zärtlich gehegte Wehwehchen; keinen Moment fühlt sie sich der frischen und gesunden Frau gegenüber minderwertig. Im Gegenteil — die wohlbestallte Ehegattin möchte für ihre Mängel noch lauter Extrawürste gebraten haben. Meine nicht. Ich erwarte nicht nur, dass meine Frau gesund ist, ich erwarte sogar von ihr, dass sie frisch und aufnahmefähig sei. Es gibt keine Entschuldigung für eine Frau, die immer müde ist (ich spreche von Normalehen, in denen der Mann die gebührende Rücksicht auf die Frau nimmt). Nicht jede Frau kann Dienstboten haben. Aber wenn eine Frau kein Mädchen hat, so ist ihr Haushalt gewöhnlich auch nicht gross. Die Haushaltungen sind jetzt kleiner als früher, die Hausarbeit ist durch technische Erfindungen sehr erleichtert. Eine Frau, der ihr Mann keine Hilfskraft halten kann, hat sicherlich auch keine so schwer zu bewältigende Wohnung. Sie hat den Morgen für die Hausarbeit, sie kann am Nachmittag ruhen. Es ist also kein Grund vorhanden, weshalb sie nicht munter und frisch sein soll, wenn der Filetdeckeli Gatte am Abend heimkommt. Mir scheint, ich habe ,ein Recht auf eine heitere Frau. Diese Forderung klingt vielleicht schroff. Aber bedenken Sie, meine Damen, ich arbeite den ganzen gung ist das Behagen und die Verwöhnung, die ein angenehmes und heiteres Heim gewährt. 'Nur der Abend gehört mir. Wie soll mir das Leben lebenswert erscheinen, wenn der Abend nach dem Arbeitstag trüb und verdrossen verläuft? Meine Arbeitsfreude, meine Lebenslust zu steigern, das gehört zur Aufgabe meiner Frau, genau wie die Sorge dafür, dass meine Mahlzeit gekocht und mein Bett gemacht wird. Sie zieht den Nutzen aus meinem Tagewerk. Wenn ich dabei meine Kräfte zuweilen über Gebühr anspannen muss, so ist es ihre Sache, mich mit frischem Mut uiid mit Spännkraft für de*n nächsten Tag zu erfüllen. Das ist einer der Hauptgründe, um derentwillen ich geheiratet habe. Und meine Frau rechtfertigt sie über alles Lob. Aber das kann sie nur, weil sie ihre Kräfte für mich zusammenhält und sie nicht an läppische Dinge vergeudet. Ein Phänomen geht vorüber. Ein reizendes kleines Phänomen mit blauen Augen und einem blonden,- widerspenstigen Wuschelkopf 'mnter dem schief aufgesetzten Baskenmutzchen 'und trägt ein ganz unmodern kurzes Röckchen, das die schlanksten Beine und angenehm gerundete Knie nicht, bloss erraten Iässt, und kichert und sieht,gar nicht so aus, als ob es sich höchst gewissenhaft in der sozialen Fürsorge betätigte, was es nämlich tut. Was fange ich mit dem Phänomen an! Leider nicht viel. Jedenfalls das einzig Gescheidte " nicht, das man mit solchen Phänomenen anfangen sollt: ich laufe ihm nicht nach. Statt meiner laufen ihm meine Gedanken nach und holen es ein und suchen es einzufahgen. Leider nur in dem Spinnwebnetze eines Feuilletons. Wenn es das wüsste! Ich glaube, es hätte mich nicht so unvorsichtig angekichert. Phänomene wünschen, ernsthaft traktiert zu werden. Wir von damals werden es nie lernen, auf unsere alten Tage ernst zu werden. Lasst uns unseren Unernst! Es gibt schon genug Ernst auf der Welt. Die Phänomene sind schon ernst genug. Und die ernstesten brauchen dadurch nicht ihren Ernst zu verlieren, dass man sie einmal mit leichten Fingern von ihren leichten Seiten anpackt. Das hübsche kleine Phänomen, das vorüberging, ahnt nicht, welcher ehrliche Respekt vor seinem guten Willen, welche Bewunderung für seine tapfere Energie, für seine unbarmherzige und hemmungslose Wahrheitsliebe, welche Ehrfurcht vor seiner geheimen Not, die wir ahnen, sich, vor grossen Worten schamhaft, im leichten Gewände meines Feuilletons versteckt. Wir ahnen grade noch, was in der Jugend vorgeht: die Jugend ahnt nicht, was in uns vorgeht. Braucht's ja auch nicht zu ahnen. Phot.Finsler, (Heimatwerk) Und was meinen Sie dazu? Es gibt Frauen, die gar nicht wissen, wie wichtig es ist, um die Abendzeit auf der Höhe zu sein. Wenn der Mann nach Hause kommt, wirtschaften sie in der Küche herum, das Essen ist noch nicht fertig, Reste vom Mittagessen werden aufgetragen, ohne dass sie durch eine neue Sauce oder eine pikante Zutat wieder appetitanreizend gemacht worden sind. Der Gatte überlegt, dass es eigentlich im Klub oder am Stammtisch besser schmeckt. «Die Kinder — ich war bis jetzt im Kinderzimmern Wenn die mütterlichen Instinkte die weiblichen und die häuslichen ganz überwuchern, wird die Frau weder vom Mann noch von.den Kindern viel Dank ernten. Aber ich kenne die eine oder andere liebende Gattin, die gerade diese kritische Stunde wählt, um dem Mann all ihre häuslichen Nöte, Dienstbotenverdruss und Familienärger zu unterbreiten. Sie ahnt nicht, was sie damit ihrem hungrigen Mann für bittere Sauce über seinen Braten giesst, was sie ihm, ihrer Ehe — sich selbst schadet. Lucy. IV • ' ~ ~ :;.:;,•;: •••f.;f :•••,;••• ,.;:;•;:•,.,•....-,.,..,;.;,,;;•',?::««.: ••,..•.,1 •Junges Mädchen von Heute Von A. K. Das Phänomen der jungen Mädchen von heute. Wieviel Lärm und Geschrei umtost es! Mit falscher Wissenschaftlichkeit,, mit schnuppernder Neugier, mit Indiskretion, Sensation und Skandal. Ich wüsste keines, das behutsamer, vorsichtiger, zärtlicher angefasst zu werden verdiente. Eine junge Generation erwacht aus dem behüteten Traum von Jahrhunderten. Schlägt erschreckt die Augen auf und sieht sich vor der Sphynx des Lebens. Wird, unvorbereitet, in dasselbe Chaos des grausamsten Wirtschaftskampfes hinausgestossen wie die besser gerüsteten Erwachsenen. «Hilf dir selbst! » Erkennt, hellsichtig geworden, die ganze Lüge ihrer bisherigen Situation, spürt, selbständig geworden, den unerträglichen Druck der Enge, und fühlt doch die alte Mädchensehnsucht nach Freiheit, nach Leben und Erleben, nach Heiterkeit und Glück, strebt hinaus und weiss nicht wohin, möchte die Arme recken, und weiss nicht, wonach. Und welches Wunder! Sie hält durch. Biegt nicht feige um und zurück, steigt mutig ins Leben hinein, wird klar und besonnen, erkämpft sich ihr Wissen, erkämpft sich ihr bescheidenes Plätzchen in der Welt, rührt sich, regt sich. Und verliert den hellen Blick ihrer jungen Augen nicht und ihren schlanken Gang, ihr Lachen nicht, ihr Lächeln nicht, und behält, in der Anmut und Heiterkeit Göschenen SV* 1 «! Umladestelle für die Autos nach und von Airolo. Kalte und wanne Speisen zu jeder Tageszeit. Auskunft über Fahr- und Transportverhältnisse. Tel. 11. (Nicht zu verwechseln mit Hotel Bahnhof.) Höfliche Empfehlung Steiger-Gurtner.