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E_1936_Zeitung_Nr.006

E_1936_Zeitung_Nr.006

BERN, Dienstag, 21. Januar 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° « ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 3.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfa»versieh.) Vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherungl vierteljährlich Fr. 7.50 Mot. Kan. Bttr. Geschütz-Ablad mittels Verladeschienen. Geschichtliche Entwicklung. Die Anfänge der Motorisierung unserer Armee gehen bis ins Jahr 1892 zurück, in welchem Jahre in einem Wiederholungskurs mit einem Dampfautomobil Panzerplatten von Andermatt nach der Galenhütte transportiert wurden. 1901 beschaffte die Armee fünf Personenautomobile, und im Jahre 1905 wurde für den «Automobildienst» ein Kredit von Fr. 20,000 bewilligt. Die Militärorganisation von 1907 sah vor, dass geeignete Soldaten aller Waffengattungen und auch Hifisdienstpflichtige zum « Automobildienst > abkommandiert werden konnten und im Kriegsfalle ausserdem Freiwillige (Chauffeure) unter Militärgesetz zu 'stellen wären; die notwendigen Fahrzeuge sollten für den Friedensdienst eingemietet, für den Aktivdienst requiriert werden. Die Truppenordnung von 1911 ging noch einen Schritt weiter und sah für die höheren Stäbe « Offiziere » vom freiwilligen Automobilkorps vor, die zum grossen Teil, mit ihren eigenen Autos einzurücken hätten. Die auf diese Weise in Stäben eingeteilten « freiwilligen Automobiloffiziere » erhielten den Hauptmannsrang und eine besondere Uniform, ähnlich, wie dies heute noch bei den Feldpredigern der Fall ist. Erscheint jeden Dienstao und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Maaazin". Monatlich 1 mal .Gelbe Liste" REDAKTION U.ADMINISTRATION: B reiten rainstr. 97. Bern Telephon 28.222 Postcheck' 111 414 - Telegramm-Atiresse: AutoreTue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 2)ie IHalaüsieiunQ (ut&ete* Axmee I. Major von Erlach. Instruktionsoffizier. [ Dank dieser Organisation waren im Jahre 1914 etwa 159 Personenwagen und ca. 180 Lastwagen für die Bedürfnisse der Armee sichergestellt. Bei Ausbruch des Weltkrieges wurden Motorfahrzeuge requiriert und eingeschätzt. Die freiwilligen Chauffeure reichten aber nicht aus, so dass noch eine Anzahl fahrkundiger Leute aus anderen Truppengattungen umgeteilt werden mussten; leider befanden sich unter diesen Umgeteilten nicht immer die besten Elemente. Im Laufe des Jahres 1917 schaffte der Bund dann etwa 400 Stück 3-Tonnen-Lastwagen an, von denen bei Kriegsschluss etwa 250 Stück an die Militärverwaltungen (Zeughäuser, Munitionsfabriken usw.) und an die eidg. Postverwaltung abgegeben wurden. Der Rest dieser zum Teil heute noch existierenden Fahrzeuge kam in die Motorwagen-Parkverwaltung nach Thun. Der Motorwagendienst wurde als Dienstzweig (wie heute zum Beispiel noch die Feldpost) der Generalstabsabteilung unterstellt. Für die Kaders wurden technische Kurse eingeführt, in denen die Leute technisch weitergebildet wurden; die «freiwilligen Automobiloffiziere» wurden nachträglich in Offiziersschulen aufgeboten, oder zu den rückwärtigen Formationen versetzt. Bald genügte aber auch den Mannschafts- bestand nicht mehr, und es mussten eigene Motorfahrerrekrutenschulen eingeführt werden, deren erste im Jahre 1921 stattfand. Die auf 1. Januar 1925 in Kraft getretene neue Truppenordnung, die heute noch gültig ist, bestätigte diese provisorische Ordnung, im allgemeinen und schaffte aus dem bisherigen Dienstzweig die neue Truppengattung, die «Motorwagentruppe », welche der Generalstabsabteilung (Sekt. Transporte) noch unterstellt blieb. Seit 1. Januar 1935 ist die Motorwagentruppe nun der Abteilung für Kavallerie unterstellt, und ab l. Januar 1936 traten auch die Radfahrer, die bisher zur Infanterie gehörten, auch zur Kavallerie über, so dass alle « leichten Truppen» vereinigt sind. Gegenwärtige Organisation. a) Personal. Heute umfasst die Motorwagentruppe einen Bestand von über 10,000 Mann. Die Bezeichnung « Motorwagentruppe » stimmt eigentlich nicht mehr, da seit 1932 nicht nur die Motor wagen fahrer, sondern auch die Motorradfahrer dazu gehören; in nächster Zeit werden ausserdem auch die Panzerwagenfahrer dazu gehören, so dass bei der geplanten Neuorganisation der Armee die Bezeichnung richtigerweise in «Motortruppe » abgeändert werden sollte. Der jährliche Rekrutenbestand von ca. 350 Motorfahrern und etwa 60 Motorradfahrern reicht natürlich nicht aus, um alle Abgänge auszufüllen, so dass jährlich ebenso viele Mannschaften aus andern Truppengattungen zur Motorfahrertruppe umgeteilt werden müssen; diese Umteilungen erfolgen jeweils beim Uebertritt vom Auszug in die Landwehr, nachdem der betreffende Mann durch Motorfahreroffiziere an einer Fahrprüfung geprüft wurde und dabei seine Eignung als Motorfahrer bewiesen hat. Aber auch die Rekruten werden bei der Rekrutenaushebung nicht ohne weiteres der Motorfahrertruppe zugeteilt, sondern erst nach eingehender IN SERTIONS -PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nacb Spezialtaril Inseratensehluss 4 Tane vor Erseheinen der Nnmmern Wir berichten heute über: Rückläufiger Autotourismus. Vor der 15. internat. Sternfahrt nach Monte Carlo. Technische Einzelheiten eines Modell-Flugmotors. Kampf um den Benzinzoll. Schwingachsen. Das Auto von Heute. Aus dem Parlament. Unser neuer Roman. Eignungsprüfung. Jeder, der zur Motorfahrertruppe will, muss vor allen Dingen dem Aushebungsoffizier seine kantonale Fahrbewilligung vorweisen können; der Aushebungsoffizier kann dann den Mann provisorisch für die Motorwagentruppe vormerken; seine definitive Zuteilung erfolgt aber erst, nachdem von Motorfahreroffizieren seine Fahrkenntnisse und sein Bildungsgang, sowie seine zivile Tätigkeit festgestellt ist! Grundsätzlich sollen nur Leute, die auch im Zivil beruflich mit dem Automobil zu tun haben, zur Motorwagentruppe eingeteilt werden; für den Motorradfahrer ist die Haltung eines eigenen Motorrades Bedingung. Diese Bedingungen sind absolut notwendig, um die Gewissheit zu haben, dass die Leute auch ausserdienstlich noch Fahrgelegenheit haben, da sonst in den jährlichen Wiederholungskursen infolge Ungewohntheit leicht Unfälle entstehen könnten. Die bisher 77 Tage dauernde Rekrutenschule wird ab 1936 auf 76 Tage verkürzt; in dieser Zeit werden die zivilen Automobil- fahrer in militärischer Motorfahrer ausgebildet. Dabei wird ganz besonderen Wert auf F E U I L L E T O N Unser neuer Roman. Führten wir durch unser letztes Feuilleton unsere Leser in die Urwälder Südamerikas, erlebten sie dort das glühende Wunder und alle Schrecken des Orchideenwaldes, so wird sie unser neuer Roman Der Seewoli, von Jack London. Abenteuern ganz anderer Natur entgegenführen. Nicht mehr der Wald, sondern das Meer wird ihnen sein Lied singen. Jack London, dieser Vagabund von Gottes Gnaden, versteht es, wie kaum ein anderer Dichter unserer Zeit, uns mit seiner Schönheit und seinen Gefahren vertraut zu machen. Jack London? — Er hat nichts von den alten Schriftstellertraditionen übernommen. Lyrische Stimmungen und alle Inspirationen verlachend, , ickt er das Leben an wie und wo es sich bietet. Phrasenhafte Aesthetik ist ihm fremd. So werden seine Werke, die bildhaft, glühend, intensiv und abenteuerlich zugleich sind, dem Leser stets von neuem zum Erlebnis. Walter Steinbach nannte sie einmal mit Recht «ein Heilmittel gegen die Dekadenzerscheinungen, an denen Europa krankt». Der Seewolf, Erlebnisse unter den Robbenlängern der Beringsee, ist wohl eines der besten Werke dieses Dichters. Das Epos vom Menschen unserer Tage, dem der Kampf zur Freude wird, kühn, phrasenlos und klarstirnig. Ein Mensch, vor dessen Ausbrüchen, vor dessen Brutalität man erschrickt, dessen Untergang man aber am Ende doch bedauert. So haben wir die feste Ueberzeugung, dass auch dieser Roman den ungeteilten Beifall unserer Leser finden wird. Die Redaktion. Der Seewolf. Von Jack London. Copyright 1926 by Universitas. Erster Teil. Ich weiss kaum, wo beginnen, wenn ich zuweilen auch im Scherz Charley Furuseth alle Schuld gebe. Er besass ein Sommerhaus auf dem Lande, in Mill Valley, im Schatten des Tamalpais, bezog es aber nur, wenn er sich die Wintermonate vertreiben und, um auszuspannen, Nietsche und Schopenhauer lesen wollte. Kam der Sommer, so gab er einem heissen, staubigen Dasein in der Stadt mit unablässiger Arbeit den Vorzug. Wäre es nicht meine Qewonnheit gewesen, ihn allwöchentlich von Sonnabend nachmittag bis Montag morgen zu besuchen, so hätte mich eben dieser Januar-Montagmorgen nicht auf der Bucht von San Francisco gesehen. Das Schiff, auf dem ich mich befand, bot alle Sicherheit. Die «Martinez» war eine neue Dampffähre, die ihre vierte oder fünfte Fahrt auf der Route Sausalito-San Francisco zurücklegte. Aber der dichte Nebel, der die Bucht wie mit einer Decke überzog, und von dem ich als Landratte keine rechte Vorstellung hatte, war gefahrdrohend. In der Tat erinnere ich mich noch der sanften Erregung, mit der ich meinen Platz vorn auf dem Oberdeck gerade unterhalb des Lotsenhauses eingenommen hatte, während die Geheimnisse des Nebels meine Phantasie umspannen. Es wehte eine frische Brise, und eine Zeitlang befand ich mich allein, in feuchte Finsternis gehüllt — allein und doch nicht allein, denn ich hatte das unbestimmte Gefühl, dass sich der Lotse und noch ein Wesen, das ich für' den Kapitän hielt, oben im Glashause über meinem Kopfe befanden. Ich dachte daran, wie bequem die Arbeitsteilung war, die mich der Mühe enthob, Nebel, Winde, Gezeiten und Schiffahrtskunde zu studieren, und mir doch erlaubte, meinen Freuna jenseits der Bucht zu besuchen. Ich stellte Betrachtungen über den Vorteil der Spezialisierung des Menschen an. Das Sonderwissen eines Lotsen und eines Kapitäns genügte für viele Tausende, die ebensowenig von See und Schiffahrt verstanden wie ich. Und ich wiederum hatte es nicht nötig, meine Kräfte auf das Studium unzähliger Dinge zu verschwenden, sondern konnte mich auf einige wenige konzentrieren, wie augenblicklich auf eine Untersuchung der Stellung Poes zu der übrigen amerikanischen Literatur — worüber ich, nebenbei bemerkt, gerade einen Aufsatz in der Zeitschrift « Atlantic » geschrieben hatte. Als ich an Bord gekommen war, hatte ich beim Durchschreiten der Kajüte einen starken Herrn mit den Augen verschlungen, der in der « Atlantic » und offenbar gerade in meinen Aufsatz vertieft war. Und auch hier wieder das System der Arbeitsteilung: Das Sonderwissen von Lotsen und Kapitän brachten den starken Herrn sicher von Sausalito nach San Francisco und erlaubten ihm dabei, sich an den Früchten meines Sonderwissens über Poe zu laben. Ein Mann mit rotem Gesicht unterbrach meine Betrachtungen. Er warf geräuschvoll die Kaiütentür hinter sich zu und stapfte schwerfällig aufs Deck hinaus. Er warf einen