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E_1936_Zeitung_Nr.009

E_1936_Zeitung_Nr.009

BERN, Freitag, 31. Januar 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgans - N» 9 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITU Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsintefessen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Pr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht pottamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfall versieh. 1 Vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mai Oelbe Liste' REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 Postcheck 111 414 - Telegramm-Adresse: AutoreTue, Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Bern IONS-PREIS: Grundzelle oder deren serate nach Snearialtarif MRinen Vom Tage: Weshalb nicht in Sollen die versteckten Polizeikontrollen •wieder eingeführt werden ? Und soll diese bedauerliche Praxis durch die Gerichte Unterstützung finden ? Unsere altern Automobilisten erinnern sich noch gut an solche Geheimkontrollen aus der Zeit der bureaukratischen Geschwindigkeitsvorschriften. Die «Automobil-Revue » hat es sich schon vor Vielen Jahren zur Pflicht gemacht, für fair play auch im Polizeidienst einzutreten. Und zwar mit bestem Erfolg. Wir haben die Leute beim persönlichen Ehrgefühl gepackt. Den deutschschweizerischen Polizeiorganen, die sich damals noch hinter Zaun und Busch am Dorfeingang versteckten, haben wir ihre welschen Kollegen gegenübergestellt, die, wie es freien Männern geziemt, offen auftraten und in ihren schönen Uniformen weithin sichtbar, durch ihr blosses Erscheinen einen reibungslosen Verkehr garantierten. Das war ein Vergleich, dem auf die Dauer kein braver Polizeifunktionär sich aussetzen wollte. Das Polizeipersonal selber setzte sich bei seinen Vorgesetzten für offene Handhabung der Kontrollen ein. Bei alledem handelte ¥s" sich* uni Kontrollen am hellichten Tage, Was aber geschieht heute in Zürich ? Man höre und staune: Fährt da kürzlich ein Automobilist um 11 Uhr nachts von Zürich Richtung Baden. Vor Altstetten bemerkt er ein rotes Licht auf der Strasse. Er bremst, ohne vollständig anzuhalten. Ein Mann in Zivil schreit ihn an : « Polizeikontrolle ! » Der Automobilist traut der Sache nicht, gibt Gas und ist im nächsten Moment weg. Ein Stück weiter steht ein zweiter Zivilist. Wiederholung des ersten Vorgangs : Bremsen, neuer Anruf, und wieder Gas. — Vorbei. Nun kommt die Fortsetzung: Feststellung der Autonummer und Polizeianzeige durch die beiden nächtlichen Gestalten am Strassenrand, die in Wirklichkeit zwei Zürcher Polizisten sind und dort in Zivil auf höheren Befehl eine amtliche Kontrolle vornehmen. Das Polizeirichteramt büsst daraufhin den Fahrer wegen Ungehorsam und Widersetzlichkeit mit Fr. 15 plus Kosten. Da der Automobilist gerichtliche Beurteilung verlangt, hat sich weiterhin der Richter in Strafsachen mit der Angelegenheit zu befassen. Der neue Entscheid bestätigt im wesentlichen das Urteil der Vorinstanz. Dazu kommen natürlich weitere Kosten. Der Seewolf. Von Jack London. Copyright 1926 by Universitas Verlage-Aktiengesellschaft, Berlin. 3. Fortsetzung. « Was für einen Beruf haben Sie denn? » Ich gestehe, dass man noch nie eine solche Frage an mich gerichtet und dass auch ich selbst noch nie darüber nachgedacht hatte. Ich war wie vor den Kopf geschlagen, und ehe ich mich besonnen hatte, stotterte ich: «Ich — ich bin Gentleman. » Seine Lippen kräuselten sich zu einem verächtlichen Lächeln. « Ich habe gearbeitet, ich arbeite wirklich », rief ich eifrig, als wäre er mein Richter, der Rechenschaft von mir forderte, während ich mir gleichzeitig ganz klar darüber war, wie dumm ich war, überhaupt auf die Frage einzugehen. « Leben Sie davon? » So herrisch und gebieterisch wirkte er, dass ich « klappernd » wie ein zitterndes Kind vor dem gestrengen Lehrer dastand. Die erst kürzlich herausgekommene Begründung dieses Entscheides muss in weitesten Automobilkreisen zum Aufsehen mahnen : Das Gericht nimmt zunächst zugunsten des betreffenden Fahrers an, dass von seiner Seite immerhin keine dolose (d. h. keine böswällige Absicht) bestanden habe. Es nimmt selber an, dass der Automobilist nicht weggefahren wäre, wenn er die beiden Polizisten als solche erkannt hätte. Es geht sogar so weit, zuzugeben, dass die beiden Gestalten in Windjacke und Pelerine «nicht eben Vertrauen erweckend aussahen » (wörtlich!). Trotzdem gelangt das Gericht sonderbarerweise nicht zu einem Freispruch. Nach seiner Ansicht hätte der Automobilist den beiden verkappten Funktionären vielmehr «Gelegenheit geben sollen, sich zu legitimieren» (!). Er hätte sich nach den Umständen denken sollen, dass es sich um eine Automobilkontrolle handeln könne. Automobilüberfälle seien in der Schweiz nicht gerade häufig, auch hätten die beiden Zivilisten keinerlei Anstalten zu Gewaltanwendung gemacht, sondern seien ganz 'ruhig dagestanden. Es wäre also — immer nach Ansicht des Gerichts! —L jedem Automobilisten zuzumuten gewesen, die auf den ersten Blick vielleicht unklare Situation richtig einzuschätzen. Die Busse wegen Ungehorsams sei daher gerechtfertigt, nicht wegen böswilligen aber wegen fahrlässigen Verschuldens. — Tableau ! Man muss schon sagen, dass dieser Entscheid an die Verpflichtung eines freien Bürgers (und sei es « nur » ein Automobilist!) eine unklare Situation aufzuklären, die nicht von ihm, sondern zugegebenermassen von der Polizei herbeigeführt wurde, eine ungewöhnlich hohe Anforderung stellt. Der Fall braucht übrigens gar nicht so zu liegen, dass der bebetreffende Automobilist sich durch die beiden vermummten Gestalten einschüchtern liess und aus Furcht das Weite suchte. Wir neigen vielmehr zur Ansicht, dass der betreffende Fahrer, ohne sich im geringsten einschüchtern zu lassen, das Recht hatte, sich auf den Standpunkt zu stellen : Wenn diese Leute wirklich Polizisten sind und mich in amtlicher Mission anhalten wollen, dann sollen sie gefälligst ihre Dienstuniform anziehen. Ich bin nicht verpflichtet und lehne es jedenfalls ab, mit diesen Zivilisten zu unterhandeln ! « Wer unterhält Sie? » lautete seine nächste Frage. « Ich bin vermögend », antwortete ich keck und hätte mir im nächsten Augenblick die Zunge abbeissen mögen. « Aber das hat doch alles nichts mit der Angelegenheit zu tun, über die ich mit Ihnen zu sprechen habe. » Er beachtete meinen Protest nicht. « Wer hat das Vermögen verdient? Nun? Dacht' ich's doch. Ihr Vater. Sie stehen auf den Füssen eines toten Mannes. Sie selbst haben nie was gehabt. Sie wären nicht imstande, ihrem hungrigen Magen von einem Sonnenaufgang zum andern drei Mahlzeiten zu verschaffen. Zeigen Sie mal Ihre Hände! » Seine entsetzliche schlummernde Kraft muss sich in diesem Augenblick geregt, oder ich muss geschlafen haben, denn ehe ich es wusste, war er zwei Schritt vorgetreten, hatte meine rechte Hand gepackt und untersuchte sie. Ich wollte sie zurückziehen,, aber seine Finger umschlossen sie ohne sichtbare Anstrengung so fest, dass ich glaubte, er zermalme sie. Unter solchen Umständen ist es schwer, Würde zu bewahren. Ich konnte doch nicht wie ein Schuljunge mich winden und zappeln. Und ich konnte auch ein Geschöpf nicht angreifen, das meinen Arm "mit einem einzigen Druck zu zerbrechen imstande war. Zieht der Entscheid auf der einen Seit der persönlichen Handlungsfreiheit des Automobilisten ungebührlich enge Schranken, so kommt die Begründung, dass die Polizeiorgane « selbstverständlich berechtigt seien, auch in Zivilkleidung Automobile anzuhalten » zwar der Polizei sehr freundlich entgegen, setzt sich aber über jede Untersuchung über die materielle Voraussetzung und Notwendigkeit einer solchen Maskerade glatt hinweg. Artikel 6 der Zürcher Polizeiverordnung schreibt ausdrücklich vor: «Ungehorsam gegen gesetzlich berechtigte Anordnungen der Polizeiörgane wird, sofern nicht das Strafgesetz zur Anwendung kommt, als Polizeiübertretung bestraft.» Es besteht jedoch für die Polizei vernünftigerweise nicht die Mein Kollege in Zürich, Herr Dipl.-Ing. Silberer, hat die Frage, ob auf Grund psychologischer. Untersuchung die Unfallwahrscheinlichkeit begutachtet .^werden kann, bejaht. Nun möchten wir darstellen, was die Psychotechnik auf diesem Gebiet schon gemacht hat. Ohne allzulange auf ausländische Beispiele hinzuweisen, ist es doch interessant zu sehen, dass schon 1928 dans deutsche Reichsgericht feststellt, dass für den Fahrer der Großstadt weder die ärztliche Untersuchung noch der Besitz des Führerscheins ausreicht. « Das Verkehrsunternehmen hat, wie das Urteil verlangt, auch den fahrwichtigen geistigen Eigenschaften des Fahrers seine Aufmerksamkeit zuzuwenden und hat sich durch Feststellungen besonderer Art davon zu überzeugen, ob auch Umsicht und Besonnenheit in ausreichendem Masse vorhanden sind » 1 ). Auch spätere Entscheide des Reichsgerichtes (22. II. 1932) bestätigen diese Ansicht und die Bedeutung der Eignungsprüfung für Fahrberufe wird ganz besonders hervorgehoben. Die deutsche Rechtsprechung scheint sogar soweit zu gehen, dass wenn *) Siehe auch die Beiträge in No. 100 und 102 (1935), 2 und 6 (1936). *) Aus: Pcsychotechnik im Rahmen der Personalwirtschaft (Industrielle Psychotechnik, 11. Jahrgang, Heft 6) in der gleichen Zeitschrift 11. Jahrg., Heft 1 : Unfäller und Nichtunfäller im Lichte eignungstechnischer Untersuchung von Prof. Dr. Moede. So blieb mir nichts übrig als stillzuhalten und die Schmach hinzunehmen. Wolf Larsen schleuderte meine Hand verächtlich von sich: «Die Hände eines Toten haben die Ihren weich erhalten. Zu nichts nütze als zum Aufwaschen und Küchenjungendienst. » « Ich wünsche an Land gesetzt zu werden », sagte ich fest, denn ich hatte mich wieder in der Gewalt. «Ich werde Ihnen zahlen, was Sie für Ihre Verspätung und Ihre Mühe verlangen;» Er sah mich mit einem seltsamen Blick an. Seine Augen leuchteten spöttisch. «Ich habe Ihnen einen Gegenvorschlag zu machen. Mein Steuermann ist tot, und es ist daher eine ganze Reihe von Beförderungen vorzunehmen. Ein Matrose wird den Platz des Steuermanns einnehmen, der Kajütsjunge wird Matrose, und sie rücken an seine Stelle, unterschreiben einen Kontrakt für die Fahrt und bekommen zwanzig Dollar monatlich und freie Kost. Was meinen Sie dazu? Denken Sie daran, dass es zu Ihrem eigenen Besten ist. Es wird etwas aus Ihnen. Sie lernen vielleicht, auf eigenen Füssen zu stehen und sogar ein bisschen auf ihnen zu laufen. » Aber ich achtete nicht auf seine Worte. Die Segel des Fahrzeuges, das ich in Südwest derartige le~ in Zivil-Veraber sprechen alle dafür, eine solche Mumnächtlicber Zeit auf der Strasse zu unterlassen und die Polizeileute nicht unnötigen Komplikationen und bedenklichen Missverständnissen auszusetzen. Man denke nur an den Fall, dass sich der Fahrer von Strolchen angegriffen glaubt und seinerseits zur Waffe greift: Aus dem Weg — oder ich schiesse! Aber auch ohne diesen extremen Fall wäre es sehr bedauerlich, wenn durch die Sanktionierung der Gerichte eine unerfreuliche polizeiliche Praxis, die wir längst als überholt und abgetan betrachten durften, neuerdings wieder aufleben sollte. -n- Jiöiuüe dU JUifchotechaik helfen? Die Psychotechnik im Dienste der Unfallverhütung*) Von Privatdozent Dr.. H. Spreng, Bern. ein Verkehrsunternehmen psychotechnische Prüfungen der Bewerber nicht machen lässt, es de"n Entlastungsbeweis nicht durchführen kann. 2 ) , .... Bei uns sind auf dem Gebiet Psychotechnik und Rechtsprechung noch keine festetf Beziehungen, ja wir Psychotechniker müssen uns vorwerfen, dass unsere mehr als zwölfjährigen Bemühungen nicht nur bei den Juristen, sondern ebensowenig bei den Automobilisten genügend bekannt geworden sind. Dabei ist es rein verstandesgemäss ein- 2 ) Siehe auch: Prof. Moede: Arbeitstechnik ((Ferdinand Enke, Stuttgart 1935, Seite 55 und ff). Wir berichten heute über: Wie wünsche ich mir meinen Wagen? Abschluss der Monte-Carlo- Sternfahrt. Neue Rekordfahrten von Furmanik.