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E_1936_Zeitung_Nr.009

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12 Automobil-Revue —

12 Automobil-Revue — Das Ausrufzeichen Ein Ausrufzeichen steht auf einem Ständer aufgemalt rechthaberisch auf dem Asphalt. Ein Ausrufzeichen ? — Was hat ein Ausrufzeichen denn am Strassenrand zu treiben? Die ganze Strasse quasi dreht sich um das eitle Ausrufzeichen, verpflichtet, diesem auszuweichen. Erst dachte ich, dass das Gestell etwa als sittlicher Appell an alle Fahrer sei gedacht; doch ward ich deshalb ausgelacht und muss nun stille bleiben. Das Schicksal der Erfinder (Schluss). dass man auch die aufkommende Grossorganisation bekämpfte. Bei uns ist das Beispiel v~n Uster als ähnliche Kampfansage zu werten. Neben dem produktionstechnischen hatte der transporttechnische Fortschritt harte Kämpf© mit den Mächten des Beharrens auszufechten, die ihn oft für Jahrzehnte zurückwarfen. Schon aus dem Jahre 1707 wird uns berichtet, dass der Erfinder des Dampfliochtopfes und einer Zylinderdampfmaschine, der Marburger Professor Denis Papin, mit den Schiffern in Streit geriet, als er mit einem selbsterbauten, mit Kurbelung angetriebenen und mittels Schaufelrädern fortbewegten Boot die Fulda bis Münden hinabfuhr mit dem Ziel, eine Fahrt nach England zu wagen. Die Schiffergilde schlug ihm das kunstvolle Schiff in Stücke, aus Furcht, durch allgemeine Einführung der Neuerung überzählig zu werden. Gottfried Wilhelm v. Leibniz wurde von einem ihm übelwollenden Gelehrten verdächtigt, er wolle «Wagen und Kutschen bequemer ... und ein Gefährt machen, damit man in 24 Stunden von Hannover nach Amsterdam fahren» könne, für damalige Zeiten ein «gemeingefährliches» Vorhaben, da es die «wohlerworbenen Rechte » der vielen Fuhrleute, Pferdeverleiher und Gastwirte an Landstrassen usw. zu verletzen drohte. Leibniz hat sodann eine Windmühle vorgeschlagen, auch viele Mühe an diese Maschine gesetzt, um das Wasser aus dem tiefsten Graben des Harzes zu bringen, — « allein », so heisst es in dem zeitgenössischen Bericht, «die Bergleute funden ihre TJrsuch, das Werk durch allerlei kleine Künsteleien zu ver- . hindern; das glückte ihnen alles besser als ihm (dem grossen Philosophen), und sie gewannen -ihm das Spiel ab ». al Wien. Neben dem Hass des Volkes eregte das Neue den Spott der Gebildeten. Als Benjamin Franklin, der Erfinder des Blitzableiters, in einem Vortrag in London auseinandersetzte, dass eine Eisenstange die Elektrizität anzuziehen vermöge, war sein einziger Erfolg ein grosser Heiterkeitsausbruch seiner Zuhörer. Der italienische Physiker Galvani, der die Elektrizität entdeckte, wurde als « Tanzmeister der Frösche » verspottet. Als der 1931 verstorbene Thomas E. Edison 1873 in einer Versammlung zu Paris zum erstenmal seinen Phonographen vorführte, erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Man glaubte nämlich, von einem Bauchredner zum besten gehalten zu werden. Noch in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts warnte ein Hochschullehrer seine Studenten, sich mit Versuchen zur Erfindung des Automobils abzugeben, da es sich dabei um « vergebliche Liebesmühe » handle. Bezüglich des Fliegens wurde erklärt, dass es nicht Avahrscheinlich sei, dass der Mensch jemals durch einen flügelähnlichen Mechanismus sein eigenes Gewicht in die' Höhe heben und in der Luft halten' könne. Noch 1901 musste Graf Zeppelin seine Erfindung eine Narrheit lind sich selbst einen Narren nennen lassen. Wie blindlings feindselig die Menschen jeder Neuerung genüber waren, das zeigte sich bei der reichlieh späten Einführung des Gregorianischen Kalenders in England 1752. Als damals auf Anordnung der Königlichen Gesellschaft zwecks Kalenderkorrektur elf Tage übersprungen wurden, ergab es steh, dass Mitglieder dieser Gesellschaft auf offener Strasse vom Volke angegriffen und verfolgt wurden mit der seltsamen Begründung, man habe ihnen elf Tage ihres Lebens geraubt! Dr. S. Zürcher Unterhaltungsstätten Stadttheater. Abends 8 UhrSonntag nachmittags 3 Uhr. ° .. ZeiigtiaUSkeller am Paradeplatz Eine Sehenswürdigkeit. Küche und Keller Ff. abend 31.J3IK Josephine. berühmt. Familie Biedermann-Sutter, Besitzer des Hotel Engel in Baden, b. Turm. Sa. abend. 1. Febr. Hopsa. so. nach»,. 2. Febr. Hops, Privatpension ggjj-ffi»» 28 Moderne Zimmer. Reine Butterküche. Zeit- gemässe Preise. Besitzer: Rösler-Misar, Chef de cuisine. SO. abend. 2. Febr. Schweizer Erstaufführung: Katharina Ismailowa. Schauspielhaus äf^VX: Limmathaus am Unn..ipi.i> Fr. abend 31. Jan. Don Carlos. (Don Carlos-Auf füh- T 01^011 58 - 911 rungen beginnen jeweils 1V> Hotel - Restaurant - Säle. 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Von diesen beiden Orten ging auch die ganze Wintersportbewegung aus. Den Anfang brachte das Schütteln. 1877 wird in Davos das erste Rennen auf Schlitten durchgeführt. Sechs Jahre später wurde der «Davos-Toboggan-Club» gegründet. Und ein Jahr darauf wurde in der Talsenke zwischen St. Moritz und Cresta-Celerina die erste künstliche und heute berühmteste Schlittbahn der Welt, die Cresta-Run, angelegt, auf der jedes Jahr das « Grand National » als das grösste Cresta-Run-Rennen gefahren wird. 1887 fährt Cornish erstmals mit dem Kopf nach vorne auf einem Davoser Schlitten. Und in nochmals drei Jahren verwendet Child den ersten niedern amerikanischen Schlitten. *-i 1889 zeigt Vansittard den kanadischen Stahl- Rennschlitten. 1892 benützt Tophan einen richtigen Skeleton und 1901 bringt Bott den Rollsitz nach St. Moritz. 1891 sieht man in St, Moritz den ersten richtigen Bobsleigh. Auch der Eislauf bürgert sich ein, nachdem im Winter 1876/77 in Davos die erste Eisbahn eröffnet worden war. 1882 hielt Wien, das im Eislauf führend ist, die erste Eislaufkonkurrenz des Kontinents ab. Ein Jahr später wurde der « Internationale Schlittschuh-Club Davos » ins Dasein gerufen. Dieser wurde zusammen mit der «Association Romande de Patinage sur glace » für die Schweiz führend. 1898 trug Davos erstmals die Weltmeisterschaft im Schnellauf aus. Anfangs herrschten die Engländer mit ihrem Kunstlaufstil vor, bis 1889 in St. Moritz die « schwedische Schule » gezeigt wurde, die sich durchgesetzt hat und heute als internationaler Stil den Kunstschlittschuhlauf beherrscht. Winterliche Julierpassfahrt? Dann Stop im altbekannten, nun auch mit Zentralheizung und Fliessendwasser versehenen Posthotel LÖWEN in MÜHLEN, 1461 m üb. M. Tel. 701. Skitourenzentrum. T.O.S., A.C.S. - Prospekte auf allen Touristikbüros erhältlich. Göschenen BAHNHOF BÜFFET Umladestelle für die Autos nach und von Airolo. Kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit. Auskunft über Fahr- und Transportverhältnisse. Tel. 11. (Nicht zu verwechseln mit Hotel Bahnhof.) Höfliche Empfehlung Steiger-Gurtner. BLACK t WHITE SCOTCH @ WHISKY Generalvertretung für die Schweiz: FRED. NAVAZZA, GENF Mit den Eisplätzen wurde auch das Curling eingeführt, das 1881 erstmals auf dem Kontinent in St. Moritz gespielt wurde. Sieben Jahre darauf wird das Hockeyspiel in Form des « Bandy » eingeführt. Beim Bandy spielen 11 statt 6 Mann, an Stelle des «Pucks» tritt ein Ball und die Stöcke sind kürzer und rund gebogen. Eine Form, in der man es heute nicht mehr sieht. Noch aber fehlte die wichtigste Wintersportart: der Skilauf. Erst durch ihn erreichten die Wintersportplätze den gewaltigen Aufschwung. 1883 führt Dr. Otto Herwig in Arosa die ersten Skier auf dem Kontinent ein. Doch der Versuch misslingt. Ohne jede Anleitung für den Gebrauch der langen Hölzer weiss der erste Skibesitzer nichts mit ihnen anzufangen. Sie scheinen ihm für das Hochgebirge ungeeignet. Im Winter 1886/87 kommt der längliche kanadische Schneereifen nach Maloja und Sils und wird von den Kurgästen benützt. 1888 sehen wir den englischen Obersten Napier und seinen Diener auf Skiern in Davos, viel verlacht und verspottet. Fünf Jahre später hat Arosa eine kleine Skiläuferkolonne, die alle Skiberge ersteigt. Im gleichen Jahr wird auch ein kleines Skirennen abgehalten. Doch vermochten die wohlgelungenen Versuche keine weitern Kreise zum Gebrauch des Skis anzuregen. 3895 baut sich Ph. Mark in St. Moritz einen Miniaturspringhügel neben dem Cresta-Run und macht die ersten selbsterlernten Sprünge, und 1898 besteigt er mit Skiern den Corvatsch. 1901 durchqueren Dorn und Reichert die Berninagruppe von Chiesa über Marinellihütte und Sellapass. Im selben Jahr wird zum erstenmal die Abfahrt von der Diavolezza über Isla Persa gemacht. 1903 hält die Sektion Rätia des Schweizerischen Alpen-Clubs den ersten jener berühmten Skikurse auf der Lenzer' heide ab, die für den ganzen schweizerischen Skilauf so bedeutungsvoll wurden. Von jetzt an geht es mit dem Skisport rapid vorwärts: überall entstehen Ski-Clubs, Skihütten und Sprungschanzen. 1902 gelang es Gotthardsoldaten, bei einem Rennen in Glarus die Norweger zu schlagen, wobei ihnen allerdings das sehr schlechte Wetter mithalf. 1904 zeigen Norweger richtiges Skijöring und im gleichen Jahr wurde auf Anregung des Obersten Ch. Iselin der « Schweizerische Ski-Verband » gegründet. Im Jahre 1906 wurde die bekannte Julierschanze eingeweiht und 1928 in St. Moritz die Winterolympiade abgehalten. , Eine besondere Note verdienen die internationalen Pferderennen, die jeweilen anfangs Februar auf dem gefrorenen St. Moritzersee stattfinden. Sie bedeuten den Höhepunkt der Saison. Den Haupttag der Rennwoche bildet der zweite Sonntag, der das wichtigste Rennen der ganzen Veranstaltung bringt: den « Grossen Preis von St. Moritz », ein Flachrennen mit einer Preissumme von Fr. 15 000.—. Die Anlage für die Pferderennen, die auf dem St. Moritzersee erstellt wird, darf füglich als ein Muster ihrer Art bezeichnet werden. Heute gibt es keine verlassene, schreckliche Einöde, keine unermessliche Wüstenei von Alpengipfeln, Hörner, Spitzen, Zacken und Pyramiden mit entsetzlichen Abgründen mehr. Die Zivilisation ist bis an die Grenzen der Bewohnbarkeit vorgedrungen. Es ist ein Schauspiel, wie es nicht herrlicher sein könnte, in der Nacht des hohen Bergwinters Reihen von Hotelpalästen leuchten zu sehen, in denen dem Gast auch nicht der kleinste Verzicht auf die Annehmlichkeiten der Stadt zugemutet wird. Zeichnungen Jean-Louis Clere.

! 9 — AutonioMl-Bevue 13 Alte Sage Im fernen Asien lebte vor vielen tausend Jahren ein Zauberer, der es verstand, die Künste -seiner dunkeln Seele vor allem Volk zu verbergen. Wohl schwebten über seiner ärmlichen Hütte, die in der Nähe des königlichen Palastes lag, die Wolken böser Gerüchte und viele fürchteten sich vor seiner gebeugten graubärtigen Erscheinung, aber man wusste wenig über sein Tun und Treiben. Man erzählte, dass sonderbar befiederte, bunte Vögel zuweilen in seinen Fenstern ein- und ausflogen, wie Boten geheimnisvoller Nachrichten, und dass wunderbar blühende Blumen in Totenschädeln in seinem Garten wuchsen, deren geöffneten Kelchen zur Nacht elfenartige Wesen entstiegen, die traurig im Mond tanzten. Einige wollten wissen, dass vor Jahren ein Mädchen, ein schönes und liebliches Kind, sein Haus betreten hätte, und dass bald darauf ein grosser bunter Falter aus dem geöffneten Fenster geflattert wäre, das Mägdlein ward niemals mehr gefunden. Andere wieder wollten beobachtet haben, dass in Neumondnächten stille blaue Flammen auf dem Dachfirst brannten, grell und ohne Wärme, aber geisterhaft leuchtend und von nie gesehener Farbe. Eines Tages geschah es, dass die Tochter des Königs den Park des Palastes verliess und in den Garten des Zauberers geriet, sorglos und ohne Bedenken, denn sie war noch fast ein Kind an Jahren, aber schön wie ein blühender Frühlingstag in der Sonne, und vom Volk geliebt wie ein freundlicher Gedanke oder ein trostreicher Glaube. Sie war so schön, dass selbst böse Menschen andächtig wurden, wenn sie sie erblickten und so reinen Herzens, wie der Schnee auf den Gipfeln der Berge. Der alte Zauberer sah sie, als sie sich in seinem Garten über die sonderbaren Blumen beugte, und ihr Lächeln kam ihm wunderbarer vor, als alle seine Künste. Er trat zu ihr hinaus und lud sie ein, ihn in sein Haus zu begleiten, aber sie erschrak über den begehrlichen Blick seiner stechenden Augen, und sein einladendes Lächeln erschien ihr hässlicher als der Tod. Dem Persischen nacherzählt Ton .. • « Niemals I » rief sie erschrocken und wandte sich ab. Aber der Zauberer stand wieder vor ihr und jetzt funkelten seine Augen vor Gier. «Ich will dich zum Eigentum,» rief er, « komm mit mir in mein Haus! » Die Königstochter stammelte mit blassen Lippen, aber entschlossen und mutig, ein zitterndes Kind: « Niemals! Nimmermehr!» Da schrie der Alte ganz entstellt vor Wut: « Hat dein Herz keine Wärme für mich, so soll deine Schönheit fortan so kalt und starr sein wie Stein. Verschmähst du meine Liebe, so sollst du tot und ein Stein sein, bis dich eine Tat erlöst, die niemand in der Welt erraten wird! » Er hob seinen Zauberstab und die Prinzessin verwandelte sich in einen Diamanten von solcher Schönheit und so hohem Glanz, von solchem Feuer, dass keines Menschen Augen ihn anschauen konnten, ohne dass sein Glanz ihr Herz mit Entzücken, Habsucht und Gier erfüllte. Der Zauberer rief einen seiner Wunderdvögel herbei, der den Edelstein, der die verzauberte Prinzessin barg, in das Gemach des Königs trug. Er lachte, seiner tückischen Rache froh, so hässlich auf, dass die Blumen im Garten verwelkten, und kroch in seine Hütte zurück, denn er wusste zuversichtlich, dass nie ein Mensch erraten würde, was mit diesem Edelstein geschehen musste, damit die Prinzessin aus ihrer Verbannung ins Leben zurückkehren konnte. Die Trauer im Lande über die verlorene Königstochter war gross, und niemand ahnte, dass ihr Verschwinden mit dem kostbaren Edelstein zusammenhing, der im Gemach des Königs gefunden wurde, niemand ahnte, dass nach dem Fluch des Zauberers nur eine ganz bestimmte Tat das Königskind erlösen konnte, eine Handlung, die mit diesem Stein von eines Menschen Hand vorgenommen werden musste. Der Stein wanderte in die Schatzkammer des Königs, nach vielen Jahren trug ihn ein Prinz am Knauf seines Schwertes. Man erzählt, dass er viel später Räubern in die Hände fiel und lange als verloren galt. Später tauchte er in Indien auf und ging unter Händlern von Hand zu Hand, er ward begehrt und bewundert wie kein anderer Stein, es war, als trauerte heimlich in seinem Glanz das Leid und die Sehnsucht der gefesselten jungen Seele. Was immer mit ihm geschah oder vorgenommen wurde, nie geschah das Rechte, das Einzige, das nach dem Zauberwort des bösen Alten, der längst gestorben war, den Bannspruch löste. Es schien den Willen, den sonderbaren Entschluss auf der Erde der Menschen nicht zu geben, der Freiheit mit sich brachte. Und doch geschah eines Tages das Wunder, dass ein Mensch mit dem herrlichen Stein das Eine, das Unfassbare vornahm, das die Erlösung mit sich brachte. Es trug sich so zu, dass ein reicher Kaufmann, der in den Besitz des Steins gelangt war, auf der Strasse von Räubern überfallen wurde, er barg den kostbaren Schatz rasch am Wegrand ins Gras, als die Gefahr herannahte, in der Hoffnung, er könnte sein Leben retten und später sein Eigentum wiedergewinnen, jedoch er wurde erschlagen und beraubt und der kostbare Stein blieb unbeobachtet am Wege liegen. Bald darauf zog an einem Frühlingsmorgen singend ein junger Wanderbursche die Strasse entlang, das Licht der Sonne in den klaren In San Francisco wird ein Antiflirtklub eröffnet! Und von wem? Nicht von einer missgünstigen, langzähnigen, wetterharten alten Jungfer, wie sie zu Dutzenden in den Frauenklubs und den feministischen Vereinen herumlaufen, sondern von einer anerkannten beauty der Gesellschaft, von einem Mädchen, das schon viele, sehr viele Herzen gebrochen und noch mehr Köpfe verdreht hat. Miss Philippa Hubert aber ist nicht ein «flirt» im hergebrachten Sinn dieses Wortes, sondern sie ist es nur gezwun-« gen, nur höchst ungern. Wie winkt sie jedem ab, der sich ihr als Tänzer oder als Sportkamerad nähert! Ich weiss es am besten, erklärt die schöne Philippa, wie es einer solchen, von Drohnen umschwärmten Königin zumute ist, und ich habe den Kampf gegen die Unsitte des Flirtens aufgenommen. Mögen sich die um mich scharen, die ebenso gequält, gelangweilt und zur Raserei gebracht werden durch das ewige Angehimmeltwerden wie ich. Ich habe grosse Uebung darin, meine Verehrer abblitzen zu lassen, und ich werde meine Kenntnisse meinen Leidensgenossinnen nicht vorenthalten. Dem Rufe Philippas ist bereits eine grosse Anzahl junger Mädchen aus San Francisco und Umgebung gefolgt. Die Satzungen des Klubs sind sehr weitherzig, eine besonders strenge Verfolgung wird jener zeitgemässen Art der Schürzenjäger angedroht, die heute «am gefährlichsten» sind — den flirtenden Automobilisten. Die schöne Philippa hat über diesen Punkt eine Rede gehalten, die man im doppelten Sinn als Philippika bezeichnen könnte. «Unternehmt niemals Fahrten mit Automobilisten, die ihr nicht genau kennt!» Miss Hubert nannte diesen Satz «das elfte Gebot». Und nun beginnen auf einmal merkwürdige Gerüchte herumzugehen, fast unwahrscheinlich zunächst, doch dann immer genauer und konkreter: Die männerfeindliche Philippa hat sich verlobt. Und nicht nur das — nein, sie hat ein Verbrechen begangen, gegen das elfte Gebot verstossen, das sie Augen und das Herz von nichts erfüllt als von Lebensglauben und aller Hoffnung auf sein innerlichstes Glück. Seine sorglose Jugend füllte ihn wie ein Strom von Licht und Freude, Daseinsliebe und Lebensseligkeit. Es gab nichts in Gottes freier Welt, das nicht ihm gehörte, nichts, das er sich wünschte, als immerdar so leicht und froh, so unbeschwert und glücklich Gottes hellen Lebensgarten durchwandern zu dürfen. Da sah er am Wegrand einen farbigen Blitz aufleuchten und fand den Edelstein. Er staunte und erschrak und sein Herz erstarrte, als nahte ihm mit diesem Gefunkel Satans Reich des vergänglichen Besitzes, der bösen Gier, der Sorge und der irdischen Bedrängnisse. Ihm war als sänke ihm unter diesem zornigen Glanz alles Licht aus der Seele und rasch entschlossen ergriff er den Stein und warf ihn fort! Da hörte er einen leise aufjauchzenden Ton von trauriger Süssigkeit und glaubte zu träumen, als vor ihm am Wiesenrand, in den Blumen, im Schein der Morgensonne ein Mägdlein stand. Hier endet die alte Sage von der Freiheit der Seele und von jenem Sinn des Herzens, der sie den Menschen erschafft. Der Taschenspiegel Kleine Geschichten von der grossen Welt. Ein Klub gegen den Flirt. selbst aufgerichtet hat. Hämische Tratschmäuler verbreiten die Nachricht, und die eifrigen Jüngerinnen Philippas verhüllen schmerzvoll ihr Haupt. Es ist kaum zu glauben — auf dem Heimweg von einer Klubsitzung wurde Philippa von einem Unbekannten im Zentralpark angesprochen, und zwar — gerade ein Schulfall — in der hinterlistigen Absicht, sie in einem Auto auf einer Spazierfahrt zu entführen, sie womöglich — Schrecken aller Schrecken — zu küssen!.... Und die Ehrvergessene, was tat sie? Statt, wie es dieser Schulfall von männlicher Unverschämtheit verlangt hätte, wortlos weiterzugehen oder eine irgendwie besonders spitze Antwort zu geben, hat sich Philippa — einfach ins Auto gesetzt. Und noch mehr, sie hat sich mit dem verruchten Lenker dieses Autos — verlobt. Angesichts solchen Zusammenbruches aller Moral blieb dem Klub nichts übrig, als sich in seine Bestandteile aufzulösen und dann — sich zu beeilen, das Beispiel Philippas nachzuahmen. Eine hysterische Schauspielerin. Eine Schauspielerin von Beruf litt an allen möglichen interessanten Krankheiten oder glaubte wenigstens, von Kopf bis Fuss krank zu sein. Sie rief einen bekannten Arzt, der die Situation sogleich erfasste. Er ging scheinbar vertrauensseelig auf alles ein. «Sie sind sehr leidend, gnädiges Fräulein, und wir müssen hier streng Ihrer Persönlichkeit angepasst bei der Heilung vorgehen. Es kommt auf jede Kleinigkeit an. Ich bitte Sie deshalb, genau alles zu befolgen, was ich Ihnen jetzt vorschreiben werde. Es klingt vielleicht etwas einfach, aber in der Genauigkeit liegt eben die Anpassung an ihr besonderes und überaus* interessantes Krankheitsbild. Werden Sie alles genau befolgen?» «Aber natürlich, lieber Doktor, ich weiss doch, wie empfindlich mein Organismus gegen die kleinsten Einflüsse ist.» U.S.A. LERNT UM! Sinn und Bedeutung der Boosevelt-Revolution Von JOHANNES STOYE Reich illustriert und mit vielen Karten Kartoniert Fr. 7.50, Leinen Fr. 9.75 Der Verfasser erklärt in dieser geopolitischen — also vom Denken aus Volk und Raum ausgehenden — Untersuchung den unerhörten Gestaltwandel, den die Vereinigten Staaten von Nordamerika durchmachen. Der amerikanische Landwirtschaftsminister H. A. W a I - I a c e hat gesagt, die ungehinderte Selbstsucht der Pionier» zeit sei verderblich gewesen, und U. S. A. stehe heute vor derselben Situation wie Europa vor 300 Jahren; Amerika habe seine Kinder zu Unrecht in dem Glauben erzogen, es sei noch immer ein Pionierland, In dem der „rauhe Individualismus" zum Erfolg führt, vielmehr müssten neue Grenzen gezogen werden — geistige Grenzen, man müsse umdenken. Hieran knüpft der Verfasser in einer das Thema klar ent* wickelnden Weise an und zeigt un3 die räumlichen, völkischen und seelischen Grundlagen dieser Riesennation mit nahezu 130 Millionen Menschen, die völlig umlernen müssen, wenn sie nicht im Chaos versinken wollen. Unter Präsident Roosevelts kraftvoller Führung erfüllt U. S. A. sein Schicksal. Wer nach Roosevelt kommt, ist heute nicht mehr wichtig. Die Entscheidung ist gefallen. Zu Hoover und dessen „rugged individualism" führt kein Weg mehr zurück. Der „New Deal" mit seinen früher undenkbaren Staatseingriffen ist in seiner Grundform nicht mehr rückgängig zu machen. Die N i ra ist verfassungswidrig, aber sie lebt — die Verfassung muss sich dem Leben beugen. U. S. A. lernt um, lernt gründlich uml Ein grandioses Schauspiel entrollt sich vor unserm geistigen Auge. In allen grössern Buchhandlungen erhältlich, wo nicht, beim Wilhelm Goldmann-Verlig, Bern, Viktoriarain 16 Amtl. bew. Ausnahme-Verkauf VQa)15.Jon.bis13.Febr. Zürich