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E_1936_Zeitung_Nr.013

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BERN, Freitag, 14. Februar 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 13 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITU Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs! ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Fussgänger und Fussgängerstreifen IA/QC rloi* .1 urtief rlo7ii eanr Von den 12 Artikeln des Bundesgesetzes über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr (MFG.) befasst sich ein einziger Artikel (35) mit dem Fussgänger. Das gleiche ist der Fall bezüglich der Vollziehungsverordnung (76, 3). Der Fussgänger ist einzig verpflichtet, die Trottoirs oder Fussgängerstreifen zu benützen, die Strasse vorsichtig zu überschreiten, auf unübersichtlichen Strassenstrecken und wenn Motorfahrzeuge herannahen, sich an die Strassenseite zu halten, sowie die Anordnungen der Verkehrspolizei zu beachten. Die dürftige Regelung des Fussgängerverkehrs ist zweifellos eine der Hauptursachen, weshalb unter der Herrschaft des neuen Bundesgesetzes die Verkehrsunfälle nicht zurückgegangen sind. Den wenigen im Gesetze enthaltenen Vorschriften, die eher nur einer Empfehlung gleichkommen, mangelt die Durchschlagskraft, weil es für den Fall der Widerhandlung an Strafbestimmungen fehlt. Eine Verletzung der Verkehrsregeln durch den Fussgänger kommt bundesrechtlich lediglich bei der Einschätzung des Verschuldens in Betracht, d. h. bei der Entscheidung der Frage, ob den verunfallten Fussgänger grobes Selbstverschulden, Mitverschulden oder leichtes Verschulden trifft. Die mangelhafte Regelung des Fussgängerverkehrs im MFG. ist durch die verfassungsrechtliche Grundlage bedingt, indem Art. 37bis der Bundesverfassung dem Bunde nur die Befugnis einräumt, Vorschriften über Automobile und Fahrräder aufzustellen. Eine vom Automobilclub der Schweiz im Jahre 1927 veranlasste Initiative, durch welche dem Bund die Befugnis zur Regelung des gesamten Strassenverkehrs erteilt werden sollte, wurde leider, wenn auch nur mit einem kleinen Mehr, verworfen. Damit ist nun aber keineswegs etwa gesagt, dass für den Fussgängerverkehr nicht bindende Vorschriften mit Strafandrohung erlassen werden dürften. Die Kantone sind befugt, den gesamten Strassenverkehr, soweit der Bund ihn nicht als notwendige Ergänzung der Ordnung des Motorfahrzeug- und Fahrradverkehrs in dieselbe einbezogen hat, zu regeln. Dies ist z. B. u. a. durch den Kanton Thurgau erfolgt, der in seiner Vollziehungsverordnung vom 28. Dezember 1932 für alle nicht nach dem MFG. zu bestrafenden Uebertretungen der Verkehrsregeln Polizeibussen von 5 bis 200 Fr. androht. Es wäre im Interesse der Verkehrsregelung und der Verkehrssicherheit zu wünschen, dass überall dem Fussgänger gegenüber die gleiche Strenge angewendet würde, wie sie namentlich dem Motorfahrzeugführer gegenüber Platz greift. Art. 35 MFG. bestimmt unter anderem, dass der Fussgänger den Fussgängerstreifen zu benützen hat. Unter Fussgängerstreifen sind markierte Stellen zu verstehen, die dem Fussgängerverkehr — speziell für das Ueberschreiten der Fahrbahn (Sicherheitsübergänge) — angewiesen sind. Es sind gleichsam «Furten», auf denen der Fussgänger sicher durch den Verkehr geführt werden soll. Deshalb soll sich der Fussgänger da, wo solche Fussgängerstreifen vorhanden sind, an diese halten, auch wenn dies u. U. für ihn einen Umweg zur Folge hat. Vor Fussgängerstreifen haben die Motorfahrzeugführer die Geschwindigkeit zu massigen und nötigenfalls anzuhalten, um den Fussgängern, die sich schon darauf befinden, die ungehinderte Ueberquerung der Fahrbahn zu ermöglichen (Vollziehungsverordnung, Art. 45, 3). Diese Vorschrift wird nun vom Fussgänger vielfach missverstanden oder missbraucht. Das Vortrittsrecht, das Art. 45 dem Fussgänger einräumt, besteht ausschliesslich und einzig zugunsten des Fussgängers, der Erscheint jeden Dienstao und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bens Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 30.743 den Streifen bereits betreten hat, und zwar nur unter der Voraussetzung, dass der Fussgänger die Ueberquerung der Strasse rasch durchführt. Der Fussgängerstreifen ist keine Schutzinsel, worauf sich der Fussgänger nach Belieben aufhalten dürfte. Er ist vielmehr nur ein Uebergang, der so rasch als möglich für den darüber hinweggehenden Strassenverkehr wieder freizugeben ist. Namentlich ist der Fussgänger nicht etwa berechtigt, ohne Rücksicht auf den Verkehr den Fussgängerstreifen zu betreten. Er hat daher die gleiche SorgfaltSnflicht zu beobachten wie beim 'Ueberschreiten der Strasse überhaupt. Namentlich darf er den Fussgängerstreifen nicht noch schnell betreten und zu überqueren versuchen, wenn ein Motorfahrzeug ihn bereits erreicht hat. Grundsätzlich ist es so zu halten, dass derjenige, der bereits auf der Kreuzungsstelle ist, wenn sich das Fahrzeug dieser naht, seinen Weg in jedem Falle fortsetzen darf. Auf Im Zusammenhang mit den Diskussionen über die Herabsetzung der Pensionen im zweiten Finanzprogramm sind in der Presse auch Vergleiche mit der finanziellen Stellung der Bundesbahnen und anderer privater Bahnen aufgetaucht. Es ist für uns interessant, festzustellen, dass sich langsam jene Ansicht Geltung verschafft, die wir seit Jahren vertreten haben und die dahin geht, dass man nämlich bei der Reorganisation der Bundesbahnen nicht, wie es gang und gäbe ist, das Automobil als einzigen Sündenbock hinstellen darf, sondern dass schon seit Jahren die innere Organisation der S.B.B. selbst Anlass zu deren Schwierigkeiten gegeben hat, weshalb es in erster Linie notwendig ist, von innen heraus an die Neuordnung unseres grössten Staatsbetriebes heranzutreten. Gegenüber den Angriffen auf das Automobil haben wir immer wieder darauf hingewiesen, dass es die Bundesbahnen selbst in der Hand gehabt hätten, durch eine kaufmännische Betriebsführung die Konkurrenz des Automobilverkehrs einzudämmen und sich denjenigen Verkehr zu erhalten, der naturgemäss den Bahnen zukommen sollte. Es wäre widersinnig, die Bahn als hervorragend geeignetes Mittel für den Massenverkehr auszuschalten. Anderseits wird es ihr auch mit den neuesten Mitteln des Schnellverkehrs und der Verkehrsauflösung nicht gelingen, das Automobil dort zu verdrängen, wo es am Platze ist. In den «Basler Nachrichten», Nr. 27/28 und 34 vom Januar und Februar 1936, wird in drei Artikeln mit den S.B.B, scharf abgerechnet. Die Einsendung soll aus Eisenbahnerkreisen stammen und verdient gerade deshalb unsere besondere Aufmerksamkeit. Als Hauptgrund der misslichen finanziellen Verhältnisse unserer Staatsbahnen wird deren angegeben. Der Verfasser schreibt: «Die grösste Schuld an der derzeitigen unerfreulichen Situation tragen in erster und einziger Linie die politischen Behörden, die mit den Bundesbahnen in geradezu unverantwortlicher Weise gewirtschaftet, oder besser gesagt, diese für ihre politischen Zwecke missbraucht haben. » Die Automobilkonkurrenz und die durch die Krise bewirkte allgemeine Verke*hrsschrumpfung hätten die Eisenbahnkrise nur beschleunigt, nicht aber hervorgerufen. In ihrer Hauptursache gehe die heutige Lage der S.B.B, zurück auf das Bundesgesetz betreffend die Organisation und Verwaltung der schweizerischen Bundesbahnen vom 1. Februar 1923.' diese Stelle begeben darf sich aber nur nocl wer damit rechnen kann, dass er sie wieder 1 freigegeben haben wird, ehe das Fahrzeug herangefahren sein wird, wenn es die Fahrgeschwindigkeit pflichtgemäss verlangsamt. Der Fussgängerstreifen verlangt somit sowohl vom Motorfahrzeugführer als auch vom Fussgänger gegenseitige Rücksichtnahme und vernunftgemässes Verhalten. Dass das Stationieren von Fahrzeugen auf den Fussgängerstreifen untersagt ist, dürfte selbstverständlich sein. Der Kanal, durch den der Fussgängerverkehr an bestimmter Stelle geführt werden soll, darf nicht verstopft werden. Sodann ist darauf zu achten, dass die Fussgängerstreifen nicht zu breit angelegt werden. Je breiter sie sind, desto länger die Zeit, die ein Motorfahrzeug zu deren Ueberquerung benötigt, desto grösser damit auch die Gefahr für den Fussgänger. Ist der Fussgängerstreifen dagegen schmal, benötigt das Motorfahrzeug wenig Zeit, ihn zu passieren. Die Kanalisation des Fussgängerverkehrs liegt im Interesse der Verkehrssicherheit. Ein wertvolles Hilfsmittel zur Regelung, speziell zur Kanalisierung des Fussgängerverkehrs, sind die nun vielerorts aufgestellten Schutzgitter, die sicherlich ganz wesentlich zur Hebung der Sicherheit auf der Strasse beitragen. Dr. R. D. Stürler. Streit um die Bundesbahnen Verpoutisierung Dort wurde in Art. 6 die Bestimmung aufgestellt, dass der Bundesrat den Bundesbahnen die im Interesse des Landes gutscheinenden Weisungen erteilen könne. Damit habe man die S.B.B, als wehr- und willenloses Werkzeug der Politik vollständig ausgeliefert. Unter dem Sammelbegriff «Landesinteresse» konnte man den Bahnen alle Lasten überbinden, die der Politik in den Kram passten. Als hervorragende Taten der Politik, welche das Konto der Bundesbahnen belasteten, werden aufgeführt der von Anfang an übersetzte Rückkaufspreis für die Bahnen, sodann die durch politisch-regionale Interessen hervorgerufene Baupolitik, welche zur Anlage von luxuriösen Bahnhofbauten führte. Weitere Belastungen resultierten aus der Verstaatlichung. Erinnern wir nur an die Senkung der Tarife, den Rückkauf von unrentablen Nebenbahnen, die Mehrentschädigungen an die Kantone Tessin und Uri für die Wasserkräfte der Reuss und des Tessins, die Entschädigung für den unterlassenen Bau der Surbtalbahn. Auch die Neuerstellung der Zufahrtslinie vom Wyler zum Hauptbahnhof Bern mit einer Kostenfolge von 10 Millionen Franken wird zu denjenigen Ausgaben gerechnet, welche den Bundesbahnen durch die politischen Behörden aufoktroyiert werden. Der Verfasser kommt im ersten Teil seiner Ausführungen zum Schluss, dass, wenn die Privatgesellschaften eine derartige Wirtschaft betrieben hätten, deren verantwortliche Leiter schon längst vor dem Richter stünden. Im zweiten Teil wird die unheilvolle Personalpolitik für die unhaltbaren Zustände in der Verwaltung der Bundesbahnen verantwortlich gemacht. Die Stellung des Generalsekretärs des Eisenbahnerverbandes sei gegenüber der Direktion so, dass ein höchster Magistrat ihn kurzerhand als: «Le directeur general des CF.F.» bezeichnet habe. Es gebe heute sogar Dienststellen, welche Wahlen nur in enger Fühlungnahme mit dem Gewerkschaftssekre- IONS.PREIS: ohe Grundzeile oder deren te nach SDezialtarit tariat vornehmen. Die Disziplinarordnung habe eine Entrechtung der Verwaltung zur Folge gehabt, und es sei so weit gekommen, dass die Hetzer und Schreier das grosse Wort führen und bei diesem Treiben noch die wohlwollende Unterstützung hoher und höchster Kreise gemessen. Wenn die 30 000 Bundesbahner — so folgert der Verfasser — nicht endgültig den politischen Geschäftlimachern, vorab denjenigen des Gewerkjede Hoff- Tiebsführung vernoch nicht erledigte Entpolitisierung der S.B.B. fielt. Zum Schlüsse der sehr eingehen- %i Ausführungen wird verlangt, dass allgemein eine andere Einstellung zu dem grössten Transportunternehmen des Landes Platz greifen müsse. Die S.B.B, dürfen nicht mehr als blosses Ausbeutungsobjekt für Politiker, Gewerkschaftssekretäre und Industrielle oder als Versorgungsanstalt für Wahlmacher betrachtet werden. Die andere Seite, d. h. die Verwaltung der Bundesbahnen und die Gewerkschaft der Eisenbahner, hat. sich bisher in zwei Artikeln in den «Basler Nachrichten» und im «Eisenbahner» zu dieser Kritik geäussert. Aus Verwaltungskreisen wird geltend gemacht, dass es sich bei den kritischen Aeusserungen des Gewährsmannes der «Basler Nachrichten» um Uebertreibungen handle. In erster Linie sei die Lage der Bundesbahnen durch die veränderte Struktur des Verkehrs und der Wirtschaft hervorgerufen worden. Am besten illustriere diese Tatsache die auch im Auslande missliche Situation der Bahnen. Man dürfe es heute der Politik nicht zum Vorwurf machen, dass sie die Bahnen als Instrument der Volkswirtschaft benützt und nach ihrer Verstaatlichung für gemeinwirtschaftliche Zwecke in Anspruch genommen hätte. Im Vertrauen auf das Monopol der Schiene habe man eben in der Vergangenheit den Bahnen Lasten aufgebürdet, die über die Grenzen ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit gegangen seien. Halten wir fest, dass auch Bahnkreise zu der Ansicht gekommen sind, ein Verkehrsunternehmen müsse in erster Linie nach wirtschaftlichen Grundsätzen betrieben werden. Es hat sich noch immer bestätigt, dass mit der Verstaatlichung eines Verkehrsun|ernehmens dessen Wirtschaftlichkeit zurückgegangen ist und dass sich die Gewohnheiten der Bureaukratie mit den Ansprüchen an ein modernes Verkehrsmittel nur schlecht vereinbaren lassen. Aus den Kreisen der Gewerkschaft wird natürlich bestritten, dass die PersohalrJolitik bei der schlechten Lage der Bundesbahnen mitspiele. Die Kritik daran habe politische Gründe und sei nur^das Vorgeplänkel für in nächster Zeit zu erwartende Angriffe. Auf die sachlichen Einwände der Kritik wird gar nicht eingetreten, sondern einfach festgestellt, dass man den Versuchen, die gewerkschaftliche Organisation des Personals als Sündenbock für die heutigen Verhältnisse darzustellen, mit allen Mitteln entgegentreten werde. Mit dieser Stellungnahme ist eine sachliche Entgegnung verunmöglicht. Wir begnügen uns damit, nochmals festzustellen, dass selbst in Eisenbahnerkreisen heute die Gründe für die missliche Lage der Bahnen nicht bei der Automobilkonkurrenz, sondern auch einmal dort gesucht werden, wo man sie schon lange vermutete : bei der den heutigen Verhältnissen nicht mehr entsprechenden Organisation unseres grössten Staatsunternehmens. Wir berichten heute über: Technische Vorschau der Berliner Automobil-Ausstellung. Nationale Sternfahrt zum Genfer Salon. Flugsport — Volkssport: Das « Klingeln » des Vergasers, motors. Das Auto von Heute.