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E_1936_Zeitung_Nr.013

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ÄntoMobil-Bevue *—

ÄntoMobil-Bevue *— N° 1$ So kann man sich's wohl sein lassen. Die Suppe hat man redlich verdient. (Aufnahmen aus Xanderttag, von Hart) Wir, die harmlosen Skifahrer Jeder noch so kleine Wintersportplatz hat heutzutage sein Skirennen und seine Sprungschanze, in jedem-Film flitzen Slalomfahrer mit kaum fassbarer Wendigkeit um die enggesteckten Fähnchen und schweben Springer über Zuschauermengen hinweg, die kaum mehr zu atmenwagen. Jedermann redetvon Schussfahrten, von Schwüngen mit abenteuerlichen Namen und nennt hintereinander ein Dutzend Wachssorten für zwölf verschiedene Schneearten. Sollervwir es da noch wagen, mit unseren Brettern in die Berge zu steigen, wir, die wir doch wissen, dass auch in Zukunft die meisten Schwungversuche mit einem Sturz enden werden? Wir gehören nämlich durchaus nicht etwa zu jenen:Leuten, welche immer die Partei der Mittelmässigkeit ergreifen. Darum wären Wir beinahe versucht, allen jenen harmlosen, oder sagen wir es deutlicher, allen schlechten Skifahrern, also auch uns-selber, abzuraten, je wieder als Schönheitsfehler auf den Hängen unserer Schweizerberge sich zu zeigen, die nur für vollkommene Fahrkunst geschaffen erscheinen. Aber wir wissen eben auch, dass niemand auf allen Gebieten tKanone> sein kann, und weil es gerade unter uns und unter unseren Freunden Leute gibt, die auf anderem Gebiet etwas leisten, stellen wir keine allzuhohen Ansprüche an die Skifahrkunst. Wir gehen nicht so weit, zu verlangen, dass nur noch Fis- und Kandaharkandidaten sich im Schnee der Berge herumtreiben sollen, obwohl unserem Auge der Sinn für die Schönheit einer beherrschten, stilvollen Fahrkunst durchaus nicht fehlt. Wir sind aber zu sehr Lebenskünstler, um in Einseitigkeiten überhaupt verfallen zu können, wir wissen zu gut, dass vom «Professional wohl die Zuschauer mehr haben, der Dilettant aber vom leben mehr hat. Wenn wir fliegen könnten ohne die Umständlichkeit eines lärmenden Motorvehikels, so würden wir wahrscheinlich unsere schönen Hickorybretter verschenken. Denn uns ist es vor allem.darum zu tun, eine Möglichkeit zu haben, das Leuchten der winterlichen Berge zu erleben, zwischen tiefverschneiten Tannen hindurchzugleiten, wenn Weg und Steg ungangbar sind, über weite Schneehalden zu schweben, die im Licht der Wintersonne glühen und die wohlige Wärme der Sonne zu kosten, wenn die Täler tief im grauen, feuchten Nebel liegen. Weil wir aber nicht fliegen können, werden wir auch dieses Jahr wieder Skifahren gehen, und wir werden dankbar sein, dass wir dabei erst noch mit einer wundervollen Müdigkeit der Glieder und einem gesunden, traumlosen Schlaf beschert werden. Wichtig ist nur, dass wir das Skifahren trotz des mangelnden Ernstes ohne schlechtes Gewissen betreiben, dass wir uns von den «Kanonen» nicht so sehr imponieren lassen, dass wir darob an unserer Existenzberechtigung inmitten der weissen Wunderwelt zu zweifeln beginnen. Wir müssen es lächelnd zu ertragen wissen, wenn unsere Autorität vor der Tücke der Bretter versagt, die widerspenstig stets dorthin fahren, wohin wir nicht wollen. Wir werden zufrieden sein, wenn wir die Abfahrt in der Zeit bewältigen, welche gerissene Fahrer ohne Felle zum Aufstieg brauchen. Eine schöngezogene Kurvenspur wird ein Ereignis sein, das uns mit den ach so In bloss 11 Minuten fahren Sie mit der Drahtseilbahn SCHWYZ-STOOS aus dem Talgrund auf 1300 m Höhe in die Sonne, mitten in das herrlichste Wintersportgebiet der Zentralschweiz, wo Sie prächtige Abfahrten und ideale Übungsgelände vorfinden, die hohen Ansprüchen genügen. SCHWEIZER SKISCHULE mit Walter Prager, Alb. Lutz und Lüy Walty. Gutgeführte Hotels," zeitgemässe Pauschalabkommen. Bahneigene, geheizte Einstellboxen (für über 20 Wagen) und grosser Parkplatz bei der Talstation. Nach Bedarf jederzeit Extrafahrten ausserhalb des Fahrplans. Säntis-Schwebebahn Modernste und kühnste Schwebebahn. Erschliesst ein überwältigendes Alpenpanorama. Licht, Sonne und Wärme im herrlichen Bergrestaurant an jedem hellen und windstillen Tage. Gelegenheit z. Betätigung des Wintersports in Schwägalp ab Stütze 3 und ab Säntis. Winter- Sportbillets. Auto-Zufahrt (tägliche Postkurse bis Schwägalp. Tel. Urnäsch 204. E31 vielen Stürzen restlos versöhnt, und wenn wir gar mit enggeschlossenen Skiern einen Hang hinuntersausen und selbst ein paar Wellen durchstehen, dann erfüllt uns doch ein sportliches Glücksgefühl, und eine leise belächelte Hoffnung steigt auf, es am Ende doch noch zu einem ordentlichen Skifahrer zu bringen. Und am Abend im Hotel versöhnt uns diese kindliche Hoffnung damit, dass wir weniger Erfolg haben als jene mit Plaketten verzierten «Kanonen>. Die Bilder aber, die wir in uns tragen von der Pracht der fernen Berge, vom Zauber der bereiften Zweige und von den blauen Schatten in den feingezeichneten Spuren des Wildes entschädigen uns reichlich für die mangelnde Tüchtigkeit und das fehlende Tempo. E.C. S. TäüUec am SMhanq, Auf den Uebungshängen unserer Kurorte ist die Mutter, die mit ihren Kleinen eine Skifahrerfamilie bildet, keine seltene Erscheinung mehr, und es gibt sogar ältere Mütter, die ihren erwachsenen Kindern in den- Schnee hinaus folgen, freilich meist mit der Einsicht, dass die Jungen, die auf den Brettern sozusagen gross geworden sind, besser Ski fahren können als die Alten. Dann gibt es wieder Mütter, die ihre Kleinen im Rucksack mittragen; von der Gattin eines Engadiner Skilehrers, die beim Unterricht mithelfen musste, erzählt man, dass sie während der Lektionen ihr kleines Kind auf eine Wolldecke in die Sonne setzte, und, wenn die Lehrstunde beendigt war, nahm sie das spielende Kleine samt der Decke auf die Arme und fuhr damit im Schwung den Hang hinunter nach Hause. Das macht ihr nicht jede Mutter nach. Stadttheater Abends 8 Uhr, Sonntag nachmittags 3 Uhr. Fr. abend 14. Febr. Katharina Ismailowa (B-Ab. 11). Sa. abend 15. Febr. Hopsa, Revue-Operette v. Paul Burkhard. So nachm 16 Febr. Eine Nacht ln Venedig, Operette von Johann Strauss. SchaUSDlelhaUS Abends 8K Uhr Soni \ tat nachm. SH Uhr. Die erste Fr abend 14 Febr. Legion, Schauspiel von Emmet Lavery. Sa. abend 15. Febr. Liebe: nicht genügend. So. nachm. 16. Febr. 3 Uhr: Die erste Legion. SO. abend 16. Febr. 8 Uhr: Rasputin. Un ahpnrl 17 Fphr Einmaliges Gastspiel Etudiants Suisses romands: «Les vlgnes du Seigneur», de Robert Flers et Francois de Croisset. Stauffacherstrasse 41. Das Cafebaus miVden bescheidenen Preisen. Rendez-vous vor und nach dem Kino. Wiener Stimmungskanonen. — Jecki, der Humorist. Beatengasse 11 Erstkl. Küche, gepflegte Weine. —: Täglich Konzerte erster Orchester. Parkplatz vor dem Haus. Inh.: Farn. Zürcher. StlldiO Nord-SÜd Schiffländeplab « Der Deserteur» des berühmten Regisseurs Cudovkin, der beste Russenfilm der letzten 3 Jahre. Wolf Llmmatquai 132, b. Central F. Winisdörfer Erstklassige Menüs 1.70. Kuchenspezialitäten. Orchester Leindecker. I Kommende Ereignisse Junta \tr der sonnigste Winterplatz in Granbündert, ist mit dem Auto jederzeit leicht erreichbar. Abwechslungsreiches Übungsgelände. Grosse Auswahl an Skitouren. Eisfeld, Schiittelbahnen, ein weites Netz gebahnter Spazierweg«. Zürcher Unterhaltungsstätten So. abend 16. Febr. Kaiserin Josephine. Apollotheater Cafä-Rest. Odeon*Bar: Hungaria - Jonny Bar 16. Febr. Davos XI. Parsenn-Derby. Abfokitma* nen Parsenn-Küblis (Sld) 16. Montana-Verroala Eishockeymatch •"• 16. Unterwasser Skitag Unterwasser 16. Villa» s. OUon Eiswalzerwettbewerb der «Ass». ciation de patinage artistiqne » 16. Fontcesina «GG-Slalom» (Alp Langoaxd* Pontresina) 17. Kleis« Scheidegg Skirennen (Hindmarsh ChiH. Cirp) 17. Zerznatt Sprangkonkurrenz (Kay-Sehanz*) 17. Davos Dorft&Uj-Abfahrtsrennen. Davoser Abfahrtsmeisterschaft (Ski) 18. Bern Kammermusikkonzeit, mitwixV««< EUy Ney, Klavier 18. Basel Konzert des Basler KaBWf i Orchesters, unter Mitw. bakuuM Solisten (W. Burkhard) 19. Gmaf Konzert des « Orchestre roauads» Solist: P.Hindemith 19. Daves Handicap-Schlittelrennen (••1T«~ dere-Wanderbecher) 19. Zarich Klavierabend Edwin Fischer 20. NencMtel Orchester- and SolistenkOBJWi (Societe de Musique) Auskunft erteilt das Verkehrsbureau Flitns Zeughauskeller am paradepiatz Eine Sehenswürdigkeit. Küche und Keller berühmt Familie Biedermann-Sutter, Besitzer des Hotel Engel in Baden, b. Turm. Stauffachersfrasse 28 on Telephon 32.363 Moderne Zimmer. Reine Butterküche. Zeitgemässe Preise. Besitzer: Rosler-Misar, Chef de cuisine. va pen LlmmathaUS am Llmmatplatz Telephon 58.911 Hotel - Restaurant - Säle. Wannen- und Medizinalbäder. Zimmer m. fl. Wasser 3.50. ' Zentralheizung. Geheizte Garage im Hause. Eigener Parkplatz. Cafe-Restaurant zur Katz Talstrasse 83 Feinschmecker sind begeistert über unsere Grill-Spezialitäten. Täglich Poulet vom Grill garniert 2.50. - Parkplatz vor dem Bause. Hotel RothUS Marktgasse 17 Allabendlich

III. Blatt Automobil-Revue Nr. 13 BERN, 14. Februar 1936 Schriftsteller und Mode in Frankreich Zwischen Schriftstellern und Mode herrscht in Frankreich eine lebhafte Beziehung. Deutlich zeigt sich in zahlreichen Büchern dieses Interesse an der Mode, das übrigens schon früher lebendig gewesen ist. Seit Jahrhunderten schafft Frankreich die Mode; die Franzosen sind allgemein stolz auf diese Tatsache und gerade die Schriftsteller, wie andere Künstler, sehen in der Mode eine schöpferische Tat, die sie schätzen und die ihnen immer wieder zur Anregung wird. Mit Schere, Nadeln und Stoffen wird'auf Puppen eine neue Form gesucht, wird die Linie, die dem ebenmässigen Körper — wenigstens heute ist es so — entspricht, herausgehoben. Unter den Modekreateuren (es sind übrigens Männer und Frauen gleichermassen schöpferisch tätig) gibt es einige, die auch ausser ihrem Modeatelier künstlerisch arbeiten. Die bekannte Modistin Jeanne Blancheot ist eine recht begabte Bildhauerin, deren Porträtköpfe [eweilen im Salon erscheinen. Jeanne Lanvin, die Lanvin schlechtweg wie auch Madeleine Vionnet sind ausgesprochen künstlerische Begabungen, die manche Toilette erfinden, die ebenso viel malerischen und plastischen Reiz besitzen wie irgendein Kunstwerk. Unbestritten ist der etwas exentrische aber phantasiegeladene Paul Poiret ein Künstler. Im Erfinden von Geweben, von Druckmustern sind künstlerische Kräfte in reicher Zahl am Werk. Wir können aus der Malerei des letzten Jahrhunderts, seit Rigaud, uns' ein- Bild französischer Mode machen. Meistens erscheinen jedoch die Toiletten auf den Gemälden noch verfeinerter: manche Uebertreibungen sind ihnen ganz fern und nur in Modekupfern erhalten. Es ist dies ein Zeichen, wie die Malerei mitgewirkt hat am Zeitkostüm, wie sie es bis in die neueste Zeit noch tut. Schon bevor Paul Poiret die korsettlose Tracht etwa um 191Ö modefähig gemacht hat, haben manche Künstler die Frauen in ganz einfachen, schmucklösen Kleidern dargestellt, auch da der Zeit vorauseilend und wieder auf das zeitgemässe Gewand einen Einfluss ausübend. Von neueren Schriftstellern hat sich wohl keiner so sehr um alle Einzelheiten der Mode gekümmert, wie dies Marcel Proust getan hat. Ihn interessierte alles: wie ein Schuh gebunden, wie ein Fächer bewegt wird, oder wie ein Hut garniert ist. Er schildert fortwährend Toiletten; eingehend spricht er allgemein über sie. Er geht selbst den modischen Erscheinungen nach und fragt ihm befreundete Damen, nach Einzelheiten. Er braucht diese Dinge zur Schilderung seiner Gestalten zu ihrer Präzision. Sie sind ihm deshalb wichtig, so wesentlich, dass er zum Beispiel einmal in später Stunde noch in das Haus einer Dame eilte. Er wollte mitten in der Nacht einen Hut sehen, den sie vor Jahren getrage hatte, und konnte sich über sein Verschwundensein nicht beruhigen. Die grossen Schil- Handgestricktes Nachmittagskleid schwarz-gelb. (Modell Marianne Basel-Zürich.) Hellblaues Wolltrikot. derer der französischen Gesellschaft, wie Balzac und Flaubert, haben sich die so aufschlussreichen modischen Details nicht entgehen lassen. «Madame Bovary>, das berühmteste. Werk von Flaubert; zeigt die oft verhängnisvolle Attraktion, die die Mode mit all ihren Gaben auf manche Frauen auszuüben versteht. Wir können uns keine Schilderung des zweiten Kaiserreiches ohne die Beschreibung des damaligen Tpilettenluxus denken, der von Winterhalter in manchem Portrait festgehalten worden ist. Immer wieder kehrt die Mode im- Werk französischer Schriftsteller wieder. Auch in Essays und Memoiren taucht sie auf. Und so begegnen wir ihr nicht bloss bei Paul Reboux, dem Sohn der grössten Pariser Modistin, die einfach die Reboux heisst; wir treffen die Mode in zwei kürzlich erschienenen Büchern von Jean Cocteau und der Princesse Bibesco, aus denen hier einiges mitgeteilt werden soll. Es gibt wohl wenige Bücher, die so fesselnd die verschiedensten Jugenderinnerungen zu einem farbenfrohen Strauss zusammenbinden, wie dies die «Portraits-souvenirs» von Jean Cocteau tun. Sie umfassen die Jahre 1900—1914 und schildern jene Epoche mit ihrer Sorglosigkeit, ihren kleinen, so wichtig genommenen.Sorgen ganz ausgezeichnet. Der Künstler illustriert überdies mit knappen Strichen diesen aufschlussreichen Band; Wort und Silhouetten ergänzen sich, und beide, gesondert betrachtet, sind gleichermasserj zutreffend für die ganze Atmosphäre jener Welt. Die damals noch herrschende Unnatur, eine gewisse Hilflosigkeit der Frauen, in ihrer Haltung wie in ihrer Kleidung, sie sind unzertrennlich von jöner Zeit. Bis Paul Poiret die etwas klobige, deutsche Reformtracht aufnahm und sie ins Mondäne, wirklich Kleidsame, an klassische Vorbilder mahnende umstilisierte. Wir sehen in Zeichnungen und mit Worten charakterisiert die Frauen in ihre Panzer eingeengt, die sie den mykenischen Skulpturen so ähnlich erscheinen lassen; sehen sie, wie sie sich in ganz unzweckmässiger Ausrüstung linkisch, gequält und doch dazu kokett in allerlei Sportarten versuchen. So spielen sie Tennis, beugen sich über ein Billard oder wir sehen sie im Palais de glace, der ersten Kunsteisbahn von Paris, wie sie an zierlichen Absätzen stählerne Schlittschuhe tragen und das Wunder vollbringen, damit wirklichen Eissport zu 'treiben. Wir sehen Cocteaus Mutter im Abendkleid, bereit, in die Oper zu "gehen. Es ist aufschlussreich, wie der Anblick dieser Toilette, wie all die Vorbereitungen zum abendlichen Ausgang in dem damals noch im Kindesalter stehenden Schriftsteller die Vorstellung des Theaters geweckt haben. Neben einer Menge fesselnder Schilderungen aus der Künstlerwelt dieser Vorkriegsepochen — in diesen Skizzen tauchen die damals berühmten Schauspieler, Virtuosen, Stars der Music-Halls, darunter die Mistinguett, ferner bekannte ältere und junge Schriftsteller auf — erhalten wir auch Eindrücke von Pferderennen, vom zeitgenössischen Kunstgewerbe und von der Mode. Etwas vom Beachtenswertesten aus diesem Gebiet ist jener Absatz des VII. Kapitels, worin sich Cocteau dagegen wendet, dass über verblasste Moden gelacht werde. Sie seinen Zeitausdruck wie die grossen Kunstwerke, die im selben Moment entstehen. Sie gaben der ernsten Schönheit Anregung; diese wieder schenkt ihr Ideen. Ueberdies trifft man in der Mode Wunder an, die Wunder bleiben, obschon sie jenen oft bloss ein Lachen abnötigen, die ihre tragische Rolle nicht verstehen, nämlich die Tragik, junjg zu sterben. Das zweite Buch, in dem die Mode vernehmlich mitklingt, das ihr einige Essays schenkt, wurde von der Princesse Bibesco geschrieben. Es nennt sich «Le rire de la naTade> und enthält ausser fünf Kurzgeschichten von eigenem Reiz einige Essays über Mode, die mit einer sonst kaum geübten sprachlichen Kunst über dieses Thema handeln und Szenerien vorführen, Einblicke eröffnen, die allgemein kulturhistorisch interessant und aufschlussreich sind. Die Prinzessin sieht die Kleider, die Entstehung der Modelle mit den Augen der schöpferischen Frau. Und sie ahnt das Geheimnis, das hinter diesem Geschehen steht. Das ganze ist von Poesie durchwoben. Sie betont ihre Liebe zu dieser unaufhörlichen Entwicklung, die sich unter der Form der Mode vollzieht. Die Vorführung einer • Kollektion wird ihr zur grossartigen Pantomime, was sie auch für jeden künstlerisch Empfindenden ist. Es ist nicht bloss das Zeigen von Kleidern für idiese oder jene Frau, es wird etwas ganz'anderes dabei lebendig, es ist das Demonstrieren von Jdeen, das die Mannequins in Paris so gut verstehen. Sie verstehen die Toiletten wirklich mit Leben zu erfüllen: es ist ein Schauspiel, das sich hier entfaltet und das die Princesse Bibesco nachdichtet, deutet, indem sie immer wieder auf die schöpferische Arbeit hinweist, die die Quelle all dieser fesselnden Effekte bleibt. Immer ist die Mode irgendwie symbolisch, dichterisch untermalt, es werden Zitate eingeflochten, die gleichsam ihr Leitmotiv sind, es werden Parallelen gebracht mit Natureindrücken, durch das Temperament der Künstlerin gesehen. Immer strebt sie nach dem grossen geistigen Zusammenhang. Ihre Liebe gilt unter anderm der wahren Kunst der Madeleine Vionnet, die gerade jetzt wieder Ge- Schnecken Zucht und Zu&eceitung, •• Sie sollten gar nicht so den Mund verziehen, denn Schnecken schmecken mindestens so gut wie andere Leckerbissen, zum Beispiel Krebse und Seemuscheln. Die meisten Menschen sehen eben in der Schnecke nur das klebrige, unansehnliche Kriechtierchen und scheinen nicht zu bedenken, dass sich dieses Tier nur von Pflanzen nährt, also bestimmt keine ungesunde Kost sein kann. Uebrigens hat die Schneckenzucht in den letzten Jahren doch ganz erheblich zugenommen und bietet sogar manchen Arbeitslosen einen recht guten Nebenverdienst. Als Zuchtmaterial kommen nur die Weinbergschnecken in Frage, die während des Sommers gesammelt und den Grosszüchtern zugesandt werden. Die Sammler behalten die Schnecken wohl während einigen Tagen in Kisten an schattiger Stelle im Freien. Die Tiere müsserr auch in dieser Zeit genügend mit Gemüse und Obst gefüttert werden, sie sollen nämlich einen unheimlichen Appetit an den Tage legen. Der eigentliche Parkbesitzer hat nicht selten Tausende von Schnecken zu betreuen, die in dicken Lagen von weichem Waldmoos liegen und nur zur Fütterungszeit und bei Regenwetter hervorkriechen. Der Schneckenfarmbesitzer hat auch darauf zu achten, dass die Tiere nicht der Sonne oder der Kälte ausgesetzt sind. Gegen den Herbst verkriechen sie sich im Moos, fabrizieren sich ihr Häuschen und beginnen ihren «Winterschlaf». In diesem Elogantes Gesellschaftskleid aus grünem Satin mit Marderbesatz. wänder entfaltet, die sich eng an klassische griechische Plastiken und Vasenbilder anlehnen; die in reinem Weiss erscheinen, mit Gold oder Silberband gegürtet, mit Falten, die an die Kannelüren der Parthenonsäulen mahnen. Sie deckt endlich ein Geheimnis auf, das für die Entwicklung der französischen Mode wichtig ist. Paris besitzt die Frauen, die ihre Kleider auch wirklich zu tragen verstehen. Wie die Pariserin unerbittlich sein kann, bis jener hohe Grad von Vollkommenheit in der ganzen Ausführung wie im Schnitt erreicht ist, die das Cachet der wirklichen Haute-Couture ausmacht. E. Seh. Zustand werden sie nun zu Tausenden in Kisten verpackt und den Grosslieferanten zur Ueberwinterung und Vorbereitung an die Traiteurs, Hotels und Restaurants versandt. Die Schnecken werden sogar gemessen und müssen eine bestimmte Grosse haben, sonst bleiben sie für ein anderes Jahr aufgehoben.-Ein bedeutendes Verbrauchsland für Schnecken ist Frankreich, aber auch Schweizer, Deutsche und andere Europäer fangen an. Gefallen an ihnen zu finden. Gefüllte Schnecken. Die gewaschenen Schnecken werden in kochendes Salzwasser gelegt und 45 Minuten gekocht, dann rasch mit einer Spicknadel aus dem Häuschen genommen, das schwarze Häutchen ; und das Steinchen entfernt, vorn die Spitze abgeschnitten und mit Salz bestreut, wodurch sich, der Schleim löst. Nach einer Stunde werden sie in warmem Wasser gewaschen, gut ausgedrückt, damit kein Wasser dabei ist und kocht sie in Fleischbrühe vollends weich. Die Häuschen werden ebenfalls in heissem Salzwasser sauber gewaschen und zum Ablaufen auf ein Brett gegeben, mit der Oeffnung nach unten, damit sie austropfen. Nun werden einige Sardellen mit etwas Petersilie und kleiner Zwiebel fein gewiegt, ein, reichlicher Esslöffel Butter zu Sahne gerührt, zwei-Löffel fein geriebene Brotbrösel, zwei Löffel kalte Fleischbrühe und alles gut gemischt. In jedes Häuschen