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E_1936_Zeitung_Nr.013

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LUFTFAH Flugsport —

LUFTFAH Flugsport — Volkssport? ' Wie steht es mit der Himmelslaus ? Man schreibt uns : Trotzdem die klassische Bildung mehr und mehr ausser Kurs kommt, gibt es doch unter den altgriechischen Namen einen, welcher sich jedenfalls bei unserer Jugend besonderer Popularität erfreut: Derjenige des Ikarus. Denn er verkörpert eine Sehnsucht, welche im Menschen noch genau so wacb ist, wie damals in jenem verwegenen Jüngling, der Wunsch zu fliegen, sich über die Erdenechwere zu erheben und durch den Aether zu ziehen. Später gab es zu allen Zeiten Menschen, welche das Problem gefangen nahm. Leonardo da Vinci hatte neben seiner Staffelei Pläne zu Flugmaschinen liegen. Der Schneider von Ulm hat in Max Eyth einen Sänger seiner Kühnheit gefunden. Aber es ist erst der heutigen Zeit vorbehalten gebliehen, die Verwirklichung jener alten Sehnsüchte in die Tat umzusetzen. Seit dreissig Jahren fliegt der Mensch mit Maschinen schwerer als Luft und in diesen 3 Jahrzehnten erlebten wir eine Entwicklung, wie sie noch zu Beginn dieser Periode die kühnsten Träume nicht haben ahnen lassen. * Klar, daes eine immer höher gehende Woge der • Begeisterung unsere Jugend im Anblick dieses Aufschwunges ergriffen hat. Sie war nichts weniger als ein Strohfeuer, sondern gewinnt sozusagen von Tag zu Tag an Intensität. Denn die Jüngeren unter uns wurden bereits zu Zeiten geboren, alts Fliegen Wirklichkeit und Selbstverständlichkeit und nicht mehr bloss Wunschtraum war. Nur ein Wer- mässigkeit dieser «Volksmaschine» wird denn auch mit einer Verbissenheit geführt, welche ßchlagend zeigt, wie vielen Wünschen der Gedanke entsprach. Wir wollen hier das Problem einmal mit nüchternen Augen betrachten. Es geschieht dies im Interesse der populären Entwicklung des Flugsportes, seiner Förderung, aber auch in der Abeicht, allzu Begeisterte vor Enttäuschungen zu bewahren. Es gibt ja auf diesem Gebiete bereits einige Erfahrungen. Vor Jahren herrschte fast ebenso viel Begeisterung über die bekannte «Klemm L 20». Sie besass — das darf vielleicht hier bemerkt werden — viel bessere fliegerische Eigenschaften als der «Pou du Ciel». Aber die endgültige Lösung scheiterte an der Motorenfrage. Denn es zeigte sich, das« die Motorenabnützung jedem wirtschaftlichen Betrieb entgegenstand. Trotzdem die «Klemm L 20» zweisitzig mit 20 PS ganz bedeutend mehr leistete, als der «Pou du Ciel» einsitzig mit 25 PS, konnte jene bedeutend höher stehende Konstruktion nicht als vollständig gelungener Versuch eines schwachmotorigen Flugzeuges gewertet werden. Das erhellt aus der Tatsache, dass bei der L 20 mit 20 PS eine Motorenrevision sc>on nach 35 Stunden notwendig wurde, während eine solche hei den Srort'lngzeugen höherer Motorleistung erst nach rund 400 Stunden nötig ist; die L 20 mit 40 PS erwies sich bald im Betrieb viel billiger als die m't 20 PS Sel^s» vorfiis"eset*t. rbss der «Pou du Ciel» in allen andern Teilen den Anfirderuncen entsprechen würde, ist aber dort kein Fortschritt in der Motorenfrage erzielt. 60 dass die deichen Nachteile sich natürlich auch bei den «Poa du Ciel» geltend machen. Nun sind aber am «Pou du Ciel» noch andere Nachteile beanstandet worden. Dpr Grund, weshalb noch keine offizielle Behörde irgend eines Landes diese «VolitsmascMne» zugelassen hat, liegt darin, dass die «Himmelblaus» auch aerodynamisch nichts weniger aln vollkommen ist, ja, das-s eie nicht nur keinen Fortschritt, sondern einen Rückschritt darstellt, welcher wieder auf das Niveau zurückführt, auf welchem der Flugzeugbau vor rund 25 Jahren stand. Damit soll nicht gesagt werden, dass der «Pou du Ciel» nicht entwick- wäre. Aher für die serienmäßige Hermutstropfen hängt noch am Kelch, den wir be-lungsfähigierig leeren möchten: Die Sache ist trotz aller stellung ist er jedenfalls noch nicht reif Es ist Fortschritte noch zu teuer und beinahe siebt es deshalb, ansresiebte der Pflicht der verantwortlichen amtlichen Organe, nicht nur über die tech- aue, als sollte Flugsport nie Volkssport werden, sondern das Beservat derjenigen bleiben, welche nische Entwicklung, sondern auch die Sicherheit mit einem bessergefüllten Geldbeutel zur Welt gekommen sind. fpntlichkptt zu wachen, durchaus begreiflich, dass des Fliegpiden, und diejenige einer weiteren Oef- eine Musterprüfung bisher kein positives Resultat pieehen hat und dase aus diesem Grunde eine amtliche Bewilligung für den Flugsport mit dem «Pou du Ciel» nicht erteilt werden konnte. Eine Zulassung ist nur möglich, wenn e'ne Maschine eine genügende Festigkeit, eine zufriedenstellende fahrikatorischp Zuverlässigkeit und befriedigende Flug- AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 14. FEBRUAR 1936 — N° 13 Kein Wunder, dass ein Mann fast als Prophet gefeiert wurde, welcher zu verkünden anhob: Hier habt ihr eine Maschine, die leicht zu bauen, eicher, ohne viel Kunst zu steuern und vor allem billig ist: Der «Pou du Ciel», die Himmelslaus. Mit 5—6000 französischen Franken (also mit 1000—1200 Schweizer Franken) ist die Sache pieenschaften aufweist. Es eei hier mit Bezug auf gemacht. Daß Flugzeug für jedermann ist gefunden. Ans Werk denn!» Dieser Prophet heisst f lüge eine gefährliche Unsteuerbarkeit in gewissen die «Himmelslaus» nur angedeutet, dass Versuchs- Henri Mignet, ist weder Ingenieur noch Flieger, Fluglagen ergeben haben und dass ferner schon sondern reiner Amateur. Vielleicht hat eein Buch drei tödliche Unfälle vorgekommen sind. zuerst etwas Misstrauen ausgelöst. Aber als der erste «Pou du Ciel» durch die Lüfte brummte, Ein besonders gefährliches Moment der Mignetischen Theorie ist ohne Zweifel die Selbstbau- kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr. Denn diese Bewegung ist vor allem propagandistisch ausgezeichnet aufgemacht und entspricht brennen- behördlichen Stellungnahme vorausgreifend, zahl- Idee. Sie war leider die Veranlassung, dass einer den Wünschen. Die Diskussion über die Zweck- reiche Begeisterte sehr viel-Geld in solche Maschinen investiert haben. Nun liegt es aber auf der Hand, dass technisch unvollkommen oder gar nicht gebildete Konstrukteure, die ohne irgendwelche Aufsicht bauen, fast in allen Fällen irgendwie eigenwillig vom Muster abweichen. Teilweise beeinträchtigen diese Amateurbauten die Eigenschaften der Maschine eo, dass — nachdem das Geld einmal dafür ausgegeben ist — diese überhaupt nicht zum Fliegen gebracht werden kann. Eines besseren Beweises für diese Tatsache bedarf es nicht als des Umstandes, dass in Frankreich etwa 500 Maschinen, gebaut wurden, von welchen wenig mehr als 100 einmal in der Luft waren. Die Flugleistungen aller dieser Maschinen bewegen sich um insgesamt 500 Flugstunden, die sonst für eine normale Sportmaschine noch lange nicht der normalen Lebensdauer entsprechen (2000 Stunden Lebensdauer). Mignet hat ausserdem den Standpunkt vertreten, dass jeder Erbauer das Fliegen auch selbst lernen könne. Eine Jahre alte Erfahrung hat aber gezeigt, dass das zu untragbaren Unzulänglichkeiten führt und dass ein so ausgebildeter Pilot in jeder anderen Maschine sofort versagt. Wollen deshalb die Behörden wirklich der Entwicklung der Sache dienen, so ist ihre Stellungnahme mehr als verständlich, welche Flüge ohne Pilotenausweis untersagt. Es handelt sich hier nicht nur um den Schutz des Lebens des Fliegers, sondern auch um den Schutz der Oeffentlichkeit und darum, dasa allenfalls eintretende Unfälle der Sache stets ungeheuren Schaden zufügen. Damit im Zusammenhang steht die durchaus einleuchtende Forderung, die Maschinen auch hinsichtlich der Anlage und Handhabung der Steuerorgane so umzubauen, daes sie dem allseits Gebräuchlichen entsprechen. Es ecbeint, dass auch in der Angelegenheit «Pou du Ciel» die Begeisterung den tatsächlichen Möglichkeiten vorausgeeilt ist. Die bisherigen Erfahrungen haben jedenfalls den Beweis erbracht,' dass die Maschine sich unter gewissen Umständen vielleicht für kurze Platzflüge eignen kann, zuver- London — Kapstadt in neuer Rekordzeit Wie wir noch in der letzten Nummer der A.-R.» melden konnten, ist der bekannte englische Pilot Tommy Rose am Donnerstag vor 8 Tagen zu einem Rekordflug London — Südafrika aufgestiegen, der ihm auch geglückt ist. An Bord ßeiner Miles-Falcon-Maschine hat er die Strecke in 3 Tagen 17 Std. 36 Min. durcheilt und somit den von Amy Johnson am 14.—18. November 1932 aufgestellten Rekord von 4 Tagen 6 Std. 56 Min. um 13 Stunden 20 Minuten überboten. Südatlantikflug eines Kubaners. Der kubanische Flieger Menendez. der an Bord eines Kleinflugzeuges einen Soloflug über den Südatlantik unternahm, ist in Bathurst (port. Guinea) gelandet. Er war zu seinem Versuch von Natal aus gestartet Neue Riesenflugzeuge der Imperial Airways, vfp. Im Laufe der nächsten Monate wird die grosse englische Luftverkehrs-Gesellschaft Imperial Airways zwölf neuo Riesenflugzeuge in Betrieb nehmen. Diese Maschinen sind für den Passagierverkehr im Tages- und Nachtflusr bestimmt Der Komfort dieser Maschinen soll alles im internationalen Luftverkehr bisher Dagewesene überbieten. Interessant an dieser Nachricht ist aber vor allem, dass die Imperial Airways die Absicht zu haben scheinen, die Verwendung von Landflugzeugen wesentlich zu fördern, trotzdem ab 1937 bereits im Bau befindliche Grossflugboote den Dienst zwischen England und seinen Kolonien versehen sollen. Es sind insgesamt 29 Grossflugboote auf Kiel gelegt, welche England künftig mit Egypten, Indien, den Straits Settlernents, China und Australien verbinden sollen. Frankreichs neue Kampfflugzeuge. Die neuen hervorstechendsten Typen der französischen Kampflässige Konstruktion und Verwirklichung der ge-Einsitzer-Flugzeugeforderten Umbauten vorausgesetzt, jedenfalls aber 160» und die «Devoitine 513» erreichen eine Stun- die «Loire 250», die «Nieuport nicht für den Tourismus oder auch nur für den dengeschwindigkeit von über 480 Kilometer, sie kurzen Ue^erlandflug bei einigermassen starkem haben einziehbare Untergestelle, verstellbare Propeller und verdeckte Pilotensitze. Ein «Nieuport- Gegenwind. Bomber führt neben einem Maschinengewehr ein Das Eidg. Luftamt und der Aero-Club der Geschütz. Er ist besonders für Angriffe auf Kriegsschiffe konstruiert. Ein weiterer ungewöhnlicher Schweiz sind seit langer Zeit mit dem Problem des Leichtflugzeuges, des billigen Volksflugzeuges Typ ist ein Einsitzer-Flugboot, das eine Gruppe beschäftigt. Sie beschäftigen sich nicht nur mitvon Geschützen führt Es erreicht mit einem 650 PSallen neuen Konstruktionen auf diesem Gebiet, Motor 400 km in der Stunde. Frankreich legt in sondern sind auch auf dem Wege, selbst Lösungen wachsendem Masse Wert auf die Armierung der zu finden. Die gegenwärtige Tendenz liegt auf der Flugzeuge und misst dem Maschinengeschütz grös- Linie des Motorseglers, welcher sportlichen Anforderungen mehr dern vor allem a priori den Vorzug einer viel grösseren Wirtschaftlichkeit für eich hat. Das hält sie allerdings nicht davon ab, auch dem Leichtflugzeug nach wie vor alle Aufmerksamkeit zu schenken. Die Ungeduld der Flugbegeisterten ist gewiss hegreiflich. Andererseits aber sollten gerade eie die begründete Warnung verstehen, Geld in eine Idee zu stecken, welche nicht geeignet ist, an das Ziel ihrer Wünsche zu führen. B. ^lu;£n«»4azen nicht nur densere Bedeutung bei, das die Eröffnung wirksamen entspricht, son- Feuers aus grösserer Entfernung gestattet. Fallschirmabsprung aus 50 Meier! Der slovakische Erfinder Haar hat einen neuen Fallschirm zum Patent angemeldet, der die Sicherung des Absprunges auch aus geringster Höhe gewährleisten eoll. Die Oeffnung des Fallschirms erfolgt mittels Druckluft aus einer Stahlflasche, die unter einem am Fallschirm befindlichen Sitz angebracht ist Der Erfinder will mit seinem neuen Instrument Sprünge aus der geringen Höhe von 50 Meter durchgeführt haben. Neuanfertigung u. Reparaturen stets vom Fachmann Jaggi + Wüthrich O '« "" 4 v

N° 13 — FREITAG, 14. FEBRUAR 1936 AUTOMOBIL-REVUE F E U I L L E T O N Der Seewolf. von Jack London. 6. Fortsetzung. Wolf Larsen folgte mir nicht. Er klopfte sich die Asche von der Kleidung und nahm seine Unterhaltung mit Henderson wieder auf. Johansen, der den ganzen Auftritt mit angesehen hatte, schickte ein paar Matrosen nach achtern, um das Deck zu säubern. Später am Morgen erlebte ich eine Ueberraschung ganz anderer Art. Nach Anweisung des Kochs war ich in Wolf Larsens Kajüte gegangen, um aufzuräumen. An der Wand, dicht neben dem Kopfende der Koje, befand sich ein volles Büchergestell. Ich warf einen Blick darauf und sah zu meinem Erstaunen Namen wie Shakespeare, Tennyson, Poe und De Quincey. Auch wissenschaftliche Werke gab es, darunter Bücher von Tyndall, Proctor und Darwin. Astronomie und Naturwissenschaften waren vertreten, und ich bemerkte Bulfinchs « Zeitalter der Fabel », Shaws « Geschichte der englischen und amerikanischen Literatur » und Johnsons Naturgeschichte in zwei dicken Bänden. Ferner eine Anzahl Grammatiken, wie die von Metcalf, Reed, Kellog usw. Und ich musste lächeln, als ich ein Exemplar von Deans «Die englische Sprache » sah. Ich konnte diese Bücher nicht mit dem Manne, wie ich ihn bisher kennengelernt hatte, in Einklang bringen. Ob er sie wirklich las? Als ich aber das Bett machte, fand ich zwischen den Decken die vollkommene Cambridgeausgabe von Browning, die ihm offenbar beim Einschlafen aus der Hand geglitten war. In dem Buche war « Auf einem Balkon » aufgeschlagen, und ich sah, dass er mehrere Stellen mit einem Bleistift angestrichen hatte. Als ich bei einer heftigen Bewegung des Schiffes den Band fallen Hess, fiel ein Blatt Papier heraus. Es war über und über mit geometrischen Figuren und Berechnungen bekritzelt. Es war klar, dass dieser furchtbare Mensch kein unwissender Dummkopf sein konnte, für den man ihn nach seinen Ausbrüchen von Brutalität unweigerlich halten musste. Er wurde mir plötzlich ein Rätsel. Ich hatte schon bemerkt, dass seine Sprache ausgezeichnet war, nur gelegentlich konnte sich ein kleiner Fehler einschleichen. In der Unterhaltung mit Seeleuten und Jägern strotzte sie natürlich von Slang-Ausdrücken, aber die wenigen Worte, die er bisher mit mir gewechselt hatte, waren klar und korrekt gewesen. Der Schimmer, den ich von der andern Seite seines Wesens erblickt hatte, muss mich ermutigt haben, denn ich entschloss mich, über den Verlust meines Geldes mit ihm zu sprechen. «Ich bin bestohlen worden •», sagte ich zu ihm, als ich ihn bald darauf traf, wie er allein auf dem Hinterdeck auf und ab schritt. « Käptn », verbesserte er mich, nicht rauh, aber ernst. « Ich bin bestohlen worden, Käptn », machte ich meinen Fehler wieder gut. « Wie ist das zugegangen? » fragte er. Da erzählte ich ihm die ganze Geschichte, wie ich mein Zeug zum Trocknen in der Kombüse gelassen hatte und später, als ich dem Koch gegenüber etwas davon erwähnte, beinahe von ihm geschlagen worden war. Er lächelte bei meinem Bericht. « Nebeneinnahmen », schloss er. « Köchleins Nebeneinnahmen. Finden Sie nicht, dass Ihr Leben den Preis wert war? — Nebenbei: Betrachten Sie es als eine Lehre. Lernen Sie, selbst auf Ihr Geld zu achten. Ich denke mir, dass das bis jetzt ein Rechtsanwalt oder Geschäftsmann für Sie besorgt hat.» Ich konnte einen heimlichen Spott aus seinen Worten heraushören, fragte jedoch: « Was kann ich tun, um es wiederzubekommen? » « Das ist Ihre Sache. Jetzt haben Sie keinen Rechtsanawlt oder geschäftlichen Berater, und da müssen Sie schon selbst für sich sorgen. Wenn Sie einen Dollar bekommen, so halten Sie ihn fest. Wer Geld herumliegen lässt, wie Sie es getan, der verdient es nicht besser, als dass er es verliert. Ueberdies haben Sie gesündigt. Sie haben lein Recht, Ihre Mitmenschen solchen Versuchungen auszusetzen. Sie haben Köchlein in Versuchung geführt, und er fiel. Sie haben seine unsterbliche Seele in Gefahr gebracht. Nebenbei: Glauben Sie an die Unsterblichkeit der Seele? » « Ich lese Unsterblichkeit in Ihren Augen », antwortete ich, indem ich das « Käptn » unterliess — ein Wagnis, das ich mit Hinblick auf die vertrauliche Unterhaltung versuchte. Er achtete nicht darauf. «Sie sehen also etwas, das lebt, aber es ist nicht gegeben, dass es ewig leben wird.» «Ich sehe mehr als das », sagte ich kühn. «Dann sehen Sie Bewusstsein. Bewusstsein des Lebens, das jetzt ist — aber immer noch kein künftiges Leben, keine Endlosigkeit des Seins. » Wie klar er dachte, und wie gut er seine Gedanken auszusprechen vermochte! Nach einem forschenden Blick auf mich wandte er den Kopf und schaute über das bleifarbene Meer in Luv. Kälte trat in seine Augen, und der Zug um seinen Mund wurde streng und herb. Offenbar war seine Stimmung pessimistisch geworden. « Und zu welchem Zweck? » fragte er plötzlich und wandte sich mir wieder zu. « Wenn ich eine unsterbliche Seele hätte — wozu? » Ich zögerte. Wie sollte ich diesem Manne meinen Idealismus verständlich machen? Wie sollte ich ein reines Gefühl ausdrücken, etwas wie im Schlafe gehörte Musik, etwas, das überzeugend und doch unaussprechlich war? « Was glauben Sie dann? » lautete meine Gegenfrage. «Ich glaube, dass das Leben ein wirres Durcheinander ist», erwiderte er. « Es ist wie Hefe, wie ein Ferment, etwas, das sich bewegt und sich vielleicht eine Minute, eine Stunde, ein Jahr oder hundert Jahre bewegen mag, das aber schliesslich doch aufhören wird, sich zu bewegen. Die Grossen fressen die Kleinen, um sich die Kraft zur Bewegung zu bewahren. Wer Glück hat, frisst am meisten und bewegt sich am längsten, das ist alles. Was halten Sie davon? » Er machte eine ungeduldige Armbewegung in der Richtung der Matrosen, die mittschiffs an irgendwelchem Tauwerk arbeiteten. « Die bewegen sich, aber das tut die Qualle auch. Sie bewegen sich, um essen und sich weiter bewegen zu können. Da haben Sie's. Sie leben um ihres Bauches willen, und ihr Bauch um ihretwillen. Es ist ein Kreislauf. Es gibt kein Ziel, weder für sie noch für die andern. Am Ende steht alles still. Alle Bewegung hört auf. Sie sind tot. » « Sie haben Träume », unterbrach ich ihn, « strahlende, lichte Träume » « Vom Essen », erklärte er kurz und bündig. « Und von...» « Mehr Essen. Von gutem Appetit und dem Glück, ihn zu befriedigen.» Seine Stimme klang rauh und schwer. «Denn, sehen Sie, die Leute träumen von glücklichen Reisen, die ihnen mehr Geld einbringen sollen, träumen davon, Steuermann zu werden und Reichtümer zu sammeln — kurz: besser imstande zu sein, ihre Mitgeschöpfe auszunutzen, gute Nachtruhe zu haben, gutes Essen zu bekommen und die andern die schmutzige Arbeit für sich tun zu lassen. Sie und ich, wir sind genau so. Der einzige Unterschied ist, dass wir mehr und besser gegessen haben. Jetzt bin ich es, der die andern verzehrt und Sie dazu. Aber bis jetzt haben Sie mehr gegessen als ich. Säe haben in weichen Betten geschlafen, feine Kleider getragen und gute Mahlzeiten gegessen.» « Aber das hat doch nichts mit der Sache zu tun », rief ich. « Aber sehr! » Er sprach jetzt sehr schnell, und seine Augen blitzten. « Das ist Gemeinheit, und das ist Leben. Welchen Nutzen hätte die Unsterblichkeit wohl von der Gemeinheit, und welchen Sinn hätte das? Wie endet es? Wozu ist das alles? Sie haben keine Nahrung erzeugt. Und doch hätte die Nahrung, die Sie verzehrt und vergeudet haben, zahlreiche Elende retten können, die sie erzeugen, aber nicht essen konnten. Welchem unsterblichen Ziel haben Sie gedient? Oder die andern? Sehen Sie uns beide. Was nützt Ihnen Ihre gepriesene Unsterblichkeit, wenn Ihr Leben mit dem meinen zusammenstösst? Sie möchten gern an Land zurück, um Ihren Gemeinheiten zu frönen. Ich habe den scherzhaften Einfall, Sie hier an Bord meines Schiffes zu behalten, wo meine Gemeinheit blüht. Und ich will Sie behalten. Ich will etwas aus Ihnen machen oder Sie zum Teufel gehen lassen. Sie können heute noch sterben, diese Woche, nächsten Monat. Ich könnte Sie auf der Stelle mit einem Faustschlag töten, denn Sie sind ein elender Schwächling. Sind wir aber unsterblich, wozu dann das alles? Gemein zu sein, wie Sie und ich unser ganzes Leben, scheint mir nicht recht zur Unsterblichkeit zu passen. Also sagen Sie: Wozu das alles? Warum habe ich Sie hierbehalten? » «Weil Sie stärker sind», vermochte ich einzuschieben. « Aber warum stärker? » fragte er weiter. «Weil ich ein grösseres Stück Ferment bin als Sie. Sagen Sie? Verstehen Sie das nicht?» « Aber das wäre hoffnungslos », protestierte ich. « Da stimme ich Ihnen zu », erwiderte er. « Warum sich überhaupt bewegen, wenn Bewegung Leben ist? Bewegte man sich nicht, wäre man nicht ein Teil der Hefe, so gäbe es keine Hoffnungslosigkeit. Aber wir wollen eben leben und uns bewegen, weil Leben und Sichbewegen zufällig das Wesen des Lebens ausmachen. Wäre dem nicht so, würde Leben Tod sein. Und dieses Leben in Ihnen gibt Ihnen den Traum von der Unsterblichkeit ein. Das Leben in Ihnen ist lebendig und wünscht in alle Ewigkeit weiterzuleben. Pah! Die verewigte Gemeinheit! » (Fortsetzung folgt.) Der Automobilist hat ständig eine wie ganze Anzahl Feinde zu bekämpfen, Kalte, Schnee, frühzeitigen Verschleiss des Motors, fortwährende Preiserhöhung des Benzins etc. Gegen all diese Feinde, die den Automobilisten fortwährend peinigen, gibt es eine einzige wirksame Waffe, den Reporte* ist dank seinem ^%U Ö l " 2-Fenster-Cabrio vor seinen Kollegen LIMOUSINE . 1 f . CABRIOLET, 2 Fenster CABRIOLET, 4 Fenster let immer am Tatort Fr. 9.900 Fr. 12.300 Fr. 12.900 6 Zylinder, 11 St.-PS, VolIschwingachser I AUTQTUNION; Ein Produkt der Auto-Union AUTROPA A.G. Jenatschstr. 3/5 ZÜRICH HENRY HURTER BASEL GRAND GARAGE BURGERNZIEL BERN FRITZ WEBER SOLOTHURN Vergaser, der diese Gefahren äusserst erfolgreich bekämpft, und zwar Kälte und Schnee durch seinen Starter (automatisch oder nichtautomatisch), den frühzeitigen Verschleiss des Motors durch seinen Regulator und die Benzinpreiserhöhungen durch sein Düsensystem 20, das den Brennstoffverbrauch auch bei gleichbleibender Leistung reduziert. 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