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E_1936_Zeitung_Nr.012

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16 AUTOMOBIL-REVUE

16 AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 11. FEBRUAR 1936 — N° 12 Wer haftet: Solange alles gut geht, pflegt man sich in der Regel über diese Frage nicht den Kopf zu zerbrecKen. Man begnügt sich eben damit, dass gültige Führerausweise und für das Fahrzeug ein gültiger Fahrzeugausweis sowie eine Haftpflichtversicherung bestehen. Man wird sich auch dann nicht besonders aufregen, solange allfällige Schadenersatzleistungen die Versicherungssumme nicht überschreiten. Wer haftet aber dann, wenn die Versicherungssumme nicht ausreicht? Geschäftsherr oder Reisender? Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Sie hängt wesentlich davon ab, unter welchen Bedingungen dem Reisenden ein Motorfahrzeug zur Verfügung steht. Klar sind die Haftungsverhältnisse wohl dann, wenn der Reisende Eigentümer des Automobils ist und von seinem Geschäftsherrn lediglich für den Betrieb desselben eine Spesenrückvergütung erhält, sei es in Form einer Pauschale, sei es in Form von Kilometerentschädigungen. Komplizierter liegen die Verhältnisse jedoch dann, wenn der Geschäfts- Iierr Eigentümer des Automobils ist und dasselbe dem Reisenden nur für dessen Reisetätigkeit

N° 12 — DIENSTAG, 11. FEBRUAR 1936 AUTOMOBIL-REVUE 17 und der vorerwähnten Blutsverwandten des Lenkers des Fahrzeuges gegen diesen selbst, sofern der Lenker eine vom Halter verschiedene Person ist. Ansprüche aus Beschädigung. Zerstörung oder Verlust des Fahrzeuges, sowie der in oder auf demselben befindlichen Sachen, soweit es eich um Beförderung nach Transportrecht handelt. Die Aufzählung in Ziffer 2 und 3 ist erschöpfend. Die Ansprüche anderer als der dort genannten Personen sind daher ohne weiteres durch die Versicherung gedeckt. Es sind also nicht ausgeschlossen: die Ansprüche des Lenkers gegen den Halter, sofern der Halter für den Schaden des Lenkers haftet, was bestritten und bis heute noch nicht gerichtlich entschieden worden Ist. Ferner: die Ansprüche des Ehegatten und der Verwandten des Lenkers gegen den Halter und endlich die Ansprüche der Organe und Angestellten einer juristischen Person gegen diese letztere, wenn sie Halterin des Fahrzeuges ist. Die von der Versicherung ausgeschlossenen Personen haben zwar einen Ersatzanspruch gegen den Halter persönlich, nicht aber gegen dessen Versicherung. Praktisch werden sie aber von ihrem Anspruch gegen den ihnen nahestehenden Halter keinen Gebrauch machen können. Sie können also mit einer Haftpflichtentschädigung tatsächlich nur dann rechnen, wenn ein Dritter am Unfall mitbeteiligt ist und dieser Dritte, sei es aus Verschulden, sei es aus Kausalhaftung, ersatzpflichtig ist. Die von der Versicherung ausgeschlossenen Personen werden daher gut tun, eine Unfallversicherung abzuschliessen, denn nur dann sind sie sicher, ihren Schaden ersetzt zu erhalten. Da die Ansprüche aus Beschädigung Und Zerstörung des versicherten Fahrzeuges von der Versicherung ausgeschlossen sind, kann dessen Eigentümer mit der Haftpflichtentschädigung nur dann rechnen, wenn er entweder den Lenker seines Wagens persönlich haftbar machen, oder einen Dritten, z. B. den Halter eines am Unfall mitbeteiligten Motorfahrzeuges in Anspruch nehmen kann. Im zuletzt genannten Falle kann er aber nur dann Ersatz verlangen, wenn und soweit den Lenker des andern Fahrzeuges ein Verschulden trifft. Ist er am Zusammenstoss der beiden Motorfahrzeuge allein schuld, so muss er seinen Schaden selber tragen, es sei denn, er habe eine Kaskoversicherung abgeschlossen. Geschäftsreisen im eigenen ( Huto oder mit gemietetem Selbstfahrroagen? Nachfolgend soll untersucht und dargelegt werden, in welchen Fällen der reisende Kaufmann vorteilhaft einen eigenen Wagen anschafft und unter welchen Bedingungen es günstiger ist, im Bedarfsfalle bei Automietstellen einen Selbstfahrwagen zu mieten. Im ersten Moment scheint es, als ob dieses Problem einen riesigen Fragenkomplex heraufbeschwöre, aber nach einiger Ueberlegung und Herbeiziehen sorgfältig gesammelter Erfahrungswerte ist eine ziemlich scharfe Trennung möglich. Die allgemeinen Vorteile der Geschäftsreisen im Auto sind in diesen Spalten bereits genügend dargelegt worden. Es gibt heute viele Geschäftszweige, für die das Auto einfach unersetzlich ist. Das Tempo der heutigen Zeit, das einen geschäftigen Kaufmann vormittags in die eine und nachmittags in eine andere Grossstadt bringt, verlangt einen schnellen, bequemen Reisewagen. Die Vielzahl von Detailgeschäften in ausgedehnten Geschäftsgebieten mit vielen entlegenen Orten bedingt eher einen leistungsfähigen, wendigen kleinen Wagen und zwischen diesen Extremfällen bestehen unendlich viele Tätigkeitsgebiete und glücklicherweise ebenso viele Möglichkeiten, sie per Auto erfolgreich zu befahren. Das Auto ist heute schon längst kein Luxusartikel mehr, jedenfalls nicht im Auge des rechnenden Geschäftsmannes; vielleicht noch bei den Behörden. Aber auch dort werden bald gesunde Ansichten folgen müssen, denn man kommt langsam zur Einsicht, dass die zunehmende Belastung des Automobil-Betriebes mit Steuern, Zöllen und Vorschriften diese beliebte Einnahmequelle nicht zunehmen lässt, sondern mehr und mehr zum Rückgange zwingt. Die modernen Wagen sind auch relativ billig, dieses mit Bezug auf die Preise, die vor 10 und mehr Jahren galten. Sie sind jedoch immer noch hoch, wenn man überlegt, wie sehr der freie Automobilhandel und dadurch die Preisgestaltung durch Einfuhrbeschränkungen behindert werden. Die Qualität der verwendeten Materialien und die raffinierten Fabrikationsverfahren ergeben heute so zuverlässige Automobile, dass sie bei einigermassen sachgemässer Pflege ihre Besitzer praktisch nie im Stich lassen. Sie sind anderseits so konstruiert, dass die Bedienung und dadurch längere Fahrten ziemlich mühelos durchgeführt werden können. Ferner ist das schweizerische Strassennetz, abgesehen von den ausgesprochenen Bergstrassen, ein sehr gutes. Durch diese Bedingungen sind dem reisenden Kaufmann alle Mittel gegeben, schnell und mühelos seinen Geschäften nachzugehen, auch wenn sie täglich grosse Entfernungen zu überbrücken haben. Für Kaufleute, die bis anhin ihre Reisen mit der Bahn ausführten und sich entschlossen haben, künftig das Auto zu benutzen, ergibt sich die Frage, ob ein eigener Wagen anzuschaffen ist, oder ob Selbstfahrwagen wirtschaftlicher sind. Dieselbe Ueberlegung muss natürlich auch eine Firma machen, die ihre Reisenden mit Autos fahren lassen will. Wurde schon mit ejgenem Wagen gefahren und scheinen die Kosten zu hoch, ist das Mieten von Wagen zu prüfen. Wird anderseits mit Selbstfahrwagen ohne Befriedigung gefahren, ist zu überlegen, ob sich die Anschaffung eines eigenen Wagens lohnt. Zuletzt kann in allen vorhergehenden Fällen auf die neue Kombination der Schweizerischen Bundesbahnen übergegangen werden, indem den Besitzern eines Generalabonnements, dank dem Abkommen mit den führenden Grossbetrieben für Selbstfahrwagen, nach stark verbilligtem Tarif Autos zum Selbstfahren vermietet werden.* Nachfolgend werden die einzelnen Fälle genauer betrachtet: Es steht der Entschluss fest, die Geschäftsreisen per Auto auszuführen. Frage: mit eigenem Wagen oder mit Selbstfahrwagen? Es spielen da folgende Hauptfaktoren mit, und zwar: Miet- und Kauf-Möglichkeit; Ausnutzung — Wirtschaftlichkeit; Bequemlichkeit. Erste Voraussetzung zur Verwendung von Selbstfahrwagen ist natürlich, dass möglichst im Orte selbst solche Wagen zu mieten sind, und zwar nahe der Wohnung des Reisenden. Einer der Hauptvorteile des Autos ist ja bekanntlich die grosse Zeitersparnis, die man damit erzielt. Diese hängt jedoch speziell bei kurzen Fahrten sehr vom Wagen-Standplatz ab. Zum Betriebe des eigenen Autos dagegen ist vor allem genügend Anschaffungskapital nötig. Es ist nicht jedermanns Sache, Geld zu borgen oder in Raten zu zahlen. Besteht anderseits die Möglichkeit der Miete, kann das vorhandene Kapital im Geschäft verwendet werden, an Stelle der Anlage an eine Maschine .mit mehr oder weniger guter «Verzinsung». Diese hängt ihrerseits wieder davon ab, wie sehr der Wagen ausgenützt werden kann und wie wirtschaftlich der ganze Betrieb wird. Dadurch kommen wir zum Kern der ganzen Sache. * Unter diesem Stern fahren Sie am besten! MERCEDES-BENZ das ideale Automobil für den Geschäftsreisenden Grösste Betriebssicherheit Maximale Leistung Grösste Lebensdauer Reell kalkulierte Preise Kleinste Betriebskosten Minime Beanspruchung des Fahrers Geringe Wertverminderung Anerkannt guter Kundendienst Der MERCEDES-BENZ in der Hand des Geschäftsreisenden ist die beste Visitenkarte für seine Firma. Verlangen Sie kostenlos Preislisten, Prospekte und Probefahrt. 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