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E_1936_Zeitung_Nr.011

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Automobil-Revue — Der

Automobil-Revue — Der Februar Emil Hügli. Er ist der letzte und jüngste der drei Beherrscher des Winters. Manche Eigenschaften seiner so ernsten Vorgänger sind auch die seinen; aber ausserdem hat er sehr närrische Anwandlungen, die eigentlich gar nicht zum Ernst seines sonstigen Wesens passen. Es ist, als ob er hin und wieder schon' den heranbrausenden Frühling in seinem Blute brausen spürte — den Frühling, den er kommen sieht, den er jedoch selber nicht mehr erleben wird. Das mag denn auch der Grund sein, dass er oft so wechselnde Launen hat. An Tagen, da ihn seltsame Vorfrühlingsahnungen befallen, kann es dann auch etwa vorkommen, dass er gerne ein wenig den Bauern und Gärtner spielt. Alsdann macht er sich einen Spass daraus, auf schneefreien Feldern die Maulwurfshaufen zu zerstören oder abzugraben; überdies liest er Raupen von den Bäumen, schneidet Pfropfreiser, pflanzt junge Bäume, stutzt die Reben, düngt die Aecker und sät im Garten an geschützten Lagen sogar Spinat, Rüben, Petersilie und Sellerie aus, die aber irtfolge seiner launischen Rückfälle in das Kälteregiment nicht immer gedeihen. Auf einmal wird ihm aber auch das bisschen Bauern und Gärtnern zu dumm. «Ach, es wird am Ende doch nichts Rechtes daraus,» ruft er, «was soll ich mich bemühen? Mögen die kommenden Herren dann zum Rechten sehen; ich bin nicht Vorläufer der Lenzzeit, sondern ein Nachläufer des Winters. Der Dezember hatte seine schöne Weihnachtszeit, der Januar sein fröhliches Neujahrsfest — und ich selber sollte nichts dergleichen haben? Nein, kein Monat ohne Freude, und man soll es erfahren, dass wenn's drauf ankommt, der Februar es noch am tollsten treiben kann!» Gesagt, getan. Sport soll man nicht theoretisch lernen; der Sport ist ja das gerade Gegenteil aller Theorie — Sport ist Praxis, und die Hinwendung der grossen Massen zum Sport, besonders zum Wintersport, ist geradezu als Reaktion gegen die Entwicklung zu betrachten, dass allzuviele Und so wirft er sich nun in das farbenbunte Gewand des Prinzen Karneval, bindet sich eine schwarze Maske vors Gesicht und setzt sich eine Krone von Goldpapier aufs Haupt. In den Städten und in allen grösseren Ortschaften veranstaltet er Maskeraden und Fastnachtsbälle, und wo es am wildesten zugeht, da ist er dabei und obenan. «Einmal muss sich der Mensch austoben!» Das ist seine liederlich-übermütige Devise, nach welcher er es denn auch ein paar Tage lang toll genug treibt und sich, nachdem er die Festtage als Prinz Karneval eröffnet hat, nun in tausenderlei Vermummungen in den Tanzsälen und auf Maskenbällen zeigt. So geht es eine Weile mit Juchhei und Hopsassa, dass man glauben möchte, die Menschen seien samt dem Februar aus Rand und Band geraten. Allein solche überbrausende Festfreude hat ihre Schattenseiten, und der tollen, buntbewegten Fastnacht folgt der graue, müde Aschermittwoch. Nach den Anwandlungen des Uebermufes befallen ihn solche der Schwermut, der Enttäuschung, der Reue und selbst Gedanken an Tod und Sterben kommen ihn an. So lässt er denn nun, wie irgendein schwacher Enkel eines einst mächtig gewesenen Herrschergeschlechtes, sein Regiment verlottern. «Es geht doch bald zu Ende mit unserer Winferdynastie,» das ist schliesslich seine resignierende Ueberzeugung, bei der er es dann auch versäumt, den Vorboten der kommenden Jahrszeiten ernsthaft entgegenzutreten. Und da die tolle Fastnacht seiner Gesundheit offensichtlich zugesetzt hat, kann es — wie in diesem Jahre — vorkommen, dass sich der Februar schon bald nach dem Aschermittwoch zum Sterben hinlegen muss. Kleine Skifahrer-Lektion Lebensgebiete theoretisch geworden sind. Und, doch — war die Theorie bei der Erschaffung der schweizerischen Einheitsmethode im Ski-v fahren durchaus nicht überflüssig. Aerztc und Sportler, Kenner des menschlichen Körpers und seiner Mechanik und Ken- - ner der Bretter, haben die Technik der Schweizer Skischule geschaffen. Man müsste die In Engelberg, dem winterlichen Auto-Zentrum, findet am 22.—23» Februar die zweite achweizerUohe Winterprüfungsfahrt statt. Autopark an der unteren Station der Drahtseilbahn, Gerschnialp. (Photo Heuser.) Das Gehen. Gewicht vorfallen lassen. (Photos: Schweiz. Verkehrezentrale, Zürich.) technischen Griffe vor allem auch im Bilde festhalten. Im Auftrag der Schweizerischen Verkehrszentrale in Zürich sind die Bilder entstanden, die wir beifügen, um Anfängern die Gelegenheit zu geben, sich auf die Anforderungen des Geländes schon zu Hause vorbereiten zu können, und um die Einheits- Technik auch den erprobten Skifahrern demonstrieren zu können — was übrigens in allen Schweizerischen Kurorten in der Skischule ebenfalls in der Praxis geschieht. Unsere Bilder zeigen Christian Rubi und Heinz von Allmen, beide in Wengen, bei der Ausführung von Skischulbeispielen auf dem Jungfrauj och. Wie viele Skifahrer gibt es in der Schweiz? Redaktor Erb, einer der besten Kenner des schweizerischen Sportwesens, schätzt die Zahl der Skifahrer in der Schweiz auf etwa eine Million. Demnach würde jeder vierte Schweizer und jede vierte Schweizerin diesem herrlichen Sporte huldigen. Wenn die Bewegung lawinenartig anwächst wie in den letzten Jahren, werden die Nichtfahrer bald als eigentümliche Seltenheit auffallen. svz. Grätenschritt. Halbtreppenschritt. \nekdofen Auf dem Bahnsteig wird Mark Twain von einem Freunde angesprochen: « Kannst du mir Geld für ein Billett nach X. pumpen? Bin blank.» Mark Twain: «Habe kaum für mich. Aber komm, du kriechst unter die Bank, ich werde dich verstecken. » Gesagt, getan. Mark Twain geht zum Schalter und dann in den Wagen, der Freund unter die Bank. Als der Schaffner kommt, reicht ihm Twain — zwei Fahrkarten. « Wo ist der zweite Passagier? » « Hier unter der Bank. Ein komischer Kauz — nicht wahr? » Gerissener Kristiania. Schwung und Aufrichten, Hüfte hinaus, Knie hinein. Vorarbeiter: «Schau einmal, Karl, der Bursche da drüben, nimmt zwei Bretter zu gleicher Zeit, während du nur eines nimmst!» Arbeiter: «Ja, weil er zu faul ist, zweimal zu gehen. » Courtelary Pensionat und Haushaltungsschule „Le Presbytere" (Jura) lehrt perfekt Französisch, Italienisch, Englisch, Haushalt usw. Sport, Musik. Jahreskuxsbeginn: Ende April. Vorzügliche Ski-Gelegenheiten. Beste Referenzen. Prospekte. Gebirgslage 700 m Höhe. Herru. Frau Pfarrer Voumard. Mittlere Abfahrtsstellung, Knie vor. Traversenfahren, äusseren Ski gegen den Hang ': kanten.

in. Blatt Automobil-Revue Nr. 11 BERN, 7. Februar 1936 Jdeitte Staat- JleaoiiUUm... Ach, so schwer wird dieser Entschluss. Aber — was soll man schon tun? Entweder hat man einen solchen Bubikopf der Oberlippe und ist modern — oder man weigert sich hartnäckig und wird von jedem jungen Manne als zurückgeblieben betrachtet. Diese Frage ist nicht nur eine Frage des be- ruhigten und reinen Seelenlebens, sondern sie kann sich vielleicht sogar zur Existenzfrage auswachsen.... Aber für was sich auch quälen, das beste wird wohl sein, einfach noch etwas zuzuwarten, wie die Dinge sich entwickeln. Man kann ja nicht wissen, ob dieser Stein, besser gesagt: dieses kleine Schnäuzchen, das nun mal im Wachsen begriffen ist, sich nicht zu einer richtiggehenden Schnauzlawine entwickelt und verheerende Formen annimmt... Darum ist es das beste: man geduldet sich, bis das Kind einen Namen hat und auch wirklich am Leben bleibt... J. Scherer. ....angezettelt von den Antoines, Henris und Emils, die in Paris mit gewandten Händen und ästhetisch geschultem Blick die Haarmode lenken und unterstützt von den auf Veränderung erpichten Frauen. Es soll wirklich aus und vorbei sein mit den wunderhübschen, sorgsam gestuften Lockengalerien, wird aus der Modemetropole gefunkt. In der Tat, sie haben uns lange tyrranisiert und natürlich auch entsprechend verschönt und übrigens rennen wir ja von einer Pein in die andere, indem die Locke, in veränderter Anordnung nur, weiterregiert. Trotz der wenig rosigen Zeiten oder vielleicht gerade um ihretwillen soll die Haartracht so anziehend wie möglich sein. «Sauver les apparences», dafür wird nicht nur in Frankreich, sondern überall viel gewagt und ohne Augenzwinkern das Haar der Schere des Friseurs ausgeliefert. Mit aller Liebenswürdigkeit waltet er seines verantwortungsvollen Amtes. Nicht nur ins Blaue hinaus spricht er von schöner Veränderung und veränderter Schönheit, er setzt sich vielmehr auch mit seinem ganzen Berufsstolz für die Einlösung dieses Versprechens ein. Wie man weiss, ist dieser Stolz ein geradezu hervorstechendes Merkmal aller guten Coiffeure. Die Scheitelfrisuren gehören mit ins Haartrachten-Repertoir. Sie sind bekanntlich oft die einzige Möglichkeit, einen Kopf hübsch herzurichten. Auch darin hat sich ein neuer Gedanke, eine neue Linie eingeschlichen. Die kurzgeschnittenen Stirnhaare werden links und rechts vom Scheitel in Kringeln gelegt. Kleidsam und nicht so sehr in Gefahr bei jeder Gelegenehit durcheinander zu geraten, ist eine Frisur, die all Nackenhaare in einer Rollenlocke bändigt. Sie kann von Ohr zu Ohr oder noch weiter reichen. Lieber dem Ohr selbst sitzt ein senkrecht stehendes oder schön geschwunger ;s Lockenpaar, und das übrige Haar schmiegt sich schlicht dem Kopfe an. Haarschmuck — eine seltsame Scheu hat unsere Damen bislang daran gehindert, sich seiner zu bedienen. Nach und nach aber lernen wir nun doch, uns diese Reize weise dosiert zunutze zu machen. In Form kleiner, leuchtender Sterne, silberner Blätter, aus Halbedelsteinen bunt zusammengesetzter Schmetterlinge, reizender Blüten gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Frisur für den Abend festlicher zu gestalten. Das A und das O aller Coiffuren ist und bleibt vorläufig, die kleine Linie des Kopfes zu wahren und den Nacken leicht zu bedecken. Nicht alle Von vorn, von der Seite und auch im Nacken bieten die neuen Haartrachten einen gleichmässig interessanten Anblick. Die Kringlen sitzen nicht mehr wie eine Herde verängstigter Schafe zusammengedrängt am Hinterkopf. Zuweilen verteilen sie Frauen ordnen sich dieser modischen Direktion unter. Die eigenwillige Frisur der Filmstars, einer Büh- sich als Aureole über den Scheitel, von Ohr zu Ohr gehend und rund um die Nackenlinie. Ein nenkünstlerin wirkt oft suggestiv auf junge Damen, anderer Friseur lenkt die Stirnhaare ein kurzes und während die Mode eine schmale Kopfsilhouette befiehlt, schwärmen sie für Wuschelhaar Stück weit streng nach hinten und lässt sie in ein paar flachen oder aufgestellten Kringeln enden. oder Hängelocken. Aber das ist es ja gerade, was Eine oder mehrere Lockenrollen umkreisen den unsere Mode so reizvoll, so lebendig gestaltet, Hinterkopf. Wenn man sich schüchtern beim Friseur erkundigt, ob denn dieses Arrangement auch wie ihm beliebt und nie zu gefährlicher oder dass jeder tun kann, sich kleiden und frisieren darf, dem Gewicht eines der halben oder dreiviertel törichter Gleichschaltung gezwungen wird. hn. Hütchen gewachsen, sei, tröstet er einen mit dem «coup de peignei, dem wunderwirkenden Kammstrich, der jedes Löckchen wieder an seinen Platz dirigiere. Modelle Gebr. Bachmann. Zu rieh Sas Schnäuzchen. Sag mir doch niemand, nur die .Frauen seien eitel und allen Modeeinflüssen unterworfen — die Männer sind es nicht weniger! Sobald irgendwo und irgendwann eine neue Mode auftaucht, sei es in bezug auf die Kleidung oder die Haare, stets wird der Mann unterliegen und sie nachahmen. So ist zum Beispiel gegenwärtig der Filmschauspieler Menjou Trumpf. Wenn Sie einmal in einem Cafehaus sitzen und plötzlich einen'jungen Mann entdecken, der mitten im Gesicht, oder besser gesagt, gerade unter der Nase einen dunklen Fleck hat— dieser Fleck kann so gross sein wie eine Hummel, er kann aber auch klein und zierlich sein wie eine Fliege, die sich eben, rastsuchend von ihrer nervenaufreibenden Tätigkeit als Menschenärgerin, zufrieden, niedergelassen hat... Gehen Sie nun näher, um sich dieses Wunder genauer zu betrachten — welcher normale Mensch wird auch stundenlange zusehen können, wie sich auf seiner Oberlippe eine Fliege gütlich tut? — so werden Sie entdecken, dass diese vermeintliche Fliege gar keine Fliege, sondern ein zierliches; Schnäuzchen ist — ein ganz banales, kleines Schnäuzchen! Es brauchen nur ganz wenige Haare zu sein, drei rechts — vier links, oder auch umgekehrt, die Hauptsache ist schliesslich, dass so ein kümmerliches Ding, von seinem grössenwahnsinnigen Besitzer stolz «Schnauz» genannt und sorgfältig gepflegt, als Zeuge wirklicher Schnauzvorhandenheit auf der Lippe liegt. Gewiss, es sieht manchmal etwas deplaciert aus, denn so wenig eine Schwalbe den Sommer macht, macht ein Schnäuzchen einen Menjou ... Da war' man nun jahrelang stolz auf sein bartloses Sportlergesicht und nun soll es plötzlich nicht mehr modern sein. Auf einmal muss man, um auf den Titel «Zeitgenosse» Anspruch-erheben zu können, seinen Rasierapparat zur Pensionierung einreichen, vom Coiffeur schmerzerfüllten Abschied nehmen und sich ein kleines Büschelchen Haare, auch «Zahnbürstchen» genannt, genau unter der Nase aufzüchten @ec Caißeuc und das. O&äuedeitt. Vor längerer Zeit rasierte in Basel ein Barbier einen Bauern, der nicht gerade besonders intelligent aussah. Der Bauer erzählte dabei mit naiver Redseligkeit, dass es auf seinem Hofe nur so von Mäusen wimmele. « Haben Sie wirklich zuviel von diesen Tierchen?» fragte der Barbier, der sich über den einfältigen Landmann lustig machen wollte. «Nur zuviel, eine ungeheure Menge!» «Nun, ich brauche gerade welche, wenn Sie mir welche herbringen wollten, ich würde Ihnenfür das Stück gern einen Franken zahlen.» Der Bauer nahm anscheinend diesen Scherz ernst und kam einige Tage später bei dem Verschönerungskünsüer mit einem grossen Käfig an. «Ich habe zweihundertdreiundfünfzig Mäuse mitgebracht», sagte er stolz, «das macht also zweihundertdreiundfünfzig Franken, ein nettes Sümmchen! » Der Barbier unterbrach ihn mit der Frage: « Es sind doch lauter Männchen? » Jetzt ward der Bauer, der schon die Hand vorstreckte, sehr verdutzt. Er schnitt eine fürchterliche Grimasse und fragte enttäuscht: «Männchen? Sollte es deswegen auf einmal einen Haken haben? Darauf habe ich tatsächlich nicht geachtet! » «So? Dann nehmen Sie die possierlichen Tierchen nur gleich wieder mit fort; ich kann keine Weibchen brauchen! » Jetzt merkte der Bauer endlich, dass man sich über ihn nur lustig machen und ihn zum Narren haben wolle. Er sann betroffen einen Augenblick nach, wie er am besten aus dieser unerwarteten Verlegenheit komme und meinte dann mit Treuherzigkeit: «Ach, da lasse ich sie Ihnen lieber gleich umsonst da ...» sprach's, öffnete im Handumdrehen den Käfig mit verschmitztem Schmunzeln, schüttete denselben schnell t ;ns aus und liess die zweihundertdreiundfünfzig Mäuse in das Haus laufen. Ueber das Bäuerlein lachte man viel, über den Barbier aber noch viel mehr. jbiauett JComodie xlec Cifecsucht Eine ergötzliche Ehekomödie, die in mancher Beziehung an Cervantes' köstliche Erzählung vom 1 eifersüchtigen Estremadurer erinnert, hat sich in Neapel zugetragen. Da lebt ein Industrieller, ein ganz moderner Kaufmann, Herr über grosse Fabriken und in seinem äusseren Dasein alles andere als rückständig. Dieser Eitorc Z. hat nur eine einzige unangenehme Eigenschaft: Er ist krankhaft eifersüchtig. Die Gräfin Cavaletti, die er vor vier Jahren zum Traualtar führte, hatte, wie sie nun bei Gericht angibt, nicht die geringste Ahnung von dem krankhaften Misstrauen, mit dem Ettore behaftet war. Sie heiratete den Mann, weil sie ihn liebte, weil er sich als ein verlässlicher, vornehmer Charakter erwiesen hatte. Bald nach der Eheschliessung merkte sie allerdings, dass der Gatte sie mit seinem Misstrauen und mit seiner Eifersucht in unerträglicher Weise verfolgte. Sie durfte keine Besuche empfangen, nie allein ausgehen und nie allein mit einem Mann sprechen. Die Begleiterin, die Ettore^für sie engagiert hatte, musste ihm jeden Abend Bericht erstatten. Als er einmal merkte, dass sie ihm einen Kinobesuch, den sie mit ihrer Herrin am Nachmittag durchgeführt hatte, verschwieg, entliess er sie sofort und gelangte nach einem halben Jahr so weit, dass er die Gesellschafterin seiner Frau allmonatlich wechselte, um zu, verhindern, dass die beiden zu Vertrauten wurden und ihn etwa gemeinsam irreführten. Nach anderthalb Ehejahren durfte Elisa überhaupt nicht mehr ausgehen. Der Gatte sperrte sie in einem allerdings luxuriös ausgestatteten und überaus gemütlichen Heim ein. Er liess ihr ein eigenes Kino einbauen, mietete erstklassige Filme für private Vorführung in seiner Wohnung und tat Handgestricktes Abendkleid aus Simbowolle, weiss (Modell Marianne, Basel-Zürich) exzähieM sich.. < alles, damit seiner Frau der Aufenthalt zu Hause nicht langweilig werde. Eines Tages erkannte er, dass die gesamte Dienerschaft ihn betrog, dass seine Frau — den strengsten Absperrungsmassnahmen zum Trotz — fast alltäglich ausging. Er Hess sich vorderhand nichts anmerken, denn er wollte seine Gattin « entlarven ». Er bestellte einen Privatdetektiv, der jeden Schritt Elisas überwachen sollte. Und nun begannen die tragikomischen Verwicklungen. Der Detektiv lieferte Abend für Abend die beruhigendsten Berichte. Frau Elisa hat um zehn Uhr die Wohnung verlassen, ist allein in die Kirche gegangen, hat eine Stunde tiefster Andacht dort verbracht, begab sich sodann zur Schneiderin in die Via Cavour, verbrachte dort eine weitere Stunde und ging nun nach Hause. So hiess es in den Berichten. Der Gatte beruhigte sich erst, dann wunderte er sich, schliesslich brach das angeborne Misstrauen durch. Er ermahnte den Detektiv zu grösster Aufmerksamkeit. Es musste ein Mann dahinter stecken. Nach dreiwöchiger Beobachtung wurde dem Gatten die Sache zu bunt. Er gab einem zweiten Detektiv den Auftrag zur Ueberwachung seiner Frau. Was sich nun ergab, hatte zur Folge, dass Ettore die Scheidungsklage einreichte. Elisa hatte ihn nämlich mit dem ersten Detektiv betrogen. TMdchvnmatltt In Albanien gab es eine Einrichtung, die auf ferne Zeiten zurückging: Mädchenmarkt, auch Hochzeitsmarkt genannt. Ueber den Balkan kam diese Sitte auch nach Ungarn, wo sie bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts an verschiedenen Orten anzutreffen war. An einem festgesetzten Tage trafen die heiratsfähigen Mädchen, welche bereits gerne unter dje Haube kommen wollten, aus der ganzen Umgebung zusammen. Auf Wagen führten sie in Kisten, Kasten und Schränken die Aussteuer mit, auch Vieh wurde mitgeführt. Auf dem Platze stellte man alles aus, wobei man bestrebt war, den Schätzen durch geschicktes Gruppieren Geltung zu verschaffen. ' Die ledigen Burschen der Umgebung ' kamen gleichfalls auf diesen Mädchenmarkt; sie gingen herum, betrachteten die Mädchen und die Schätze,