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E_1936_Zeitung_Nr.014

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LUFTFAH „LZ. 129"

LUFTFAH „LZ. 129" startbereit In den grossen Werkhallen von Friedrichshafen sind die Arbeiten am neuen Zeppelin SQ weit gediehen, das voraussichtlich in Bälde mit den Werkstättefahrten begonnen werden kann. Zurzeit soll man mit der Gasfüllung des neuen Luftriesen beschäftigt sein, wogegen ein bestimmter Starttermin noch nicht bekannt ist. Ueber den neuen, für den transatlantischen Luftverkehr Frankfurt - Sevilla- Lakehurst bestimmten Zeppelin sind aus begreiflichen Gründen nur wenige technische Einzelheiten in Erfahrung zu bringen. Gegensätzlich zum amerikanischen wird in der Geschichte des kontinentalen Luftschiffbaues «L. Z. 129» erstmals nicht mit dem feuergefährlichen Wasserstoff, sondern mit Helium gefüllt. Der um 10 % kleinere Auftrieb infolge Heliumfüllung wird durch absolute Feuerungefährlichkeit dieses Gases und durch dessen geringe Neigung, sich durch die Zellenwandungen zu verflüchtigen, mehr als aufgewogen. Im Gegensatz zu der von den amerikanischen Konstrukteuren gewählten Lösung, die durch den Betriebsstoffverbrauch bedingte Gewichtserleichterung durch Gewinnung von Ballastwasser während der Fahrt auszugleichen, versucht der deutsche Luftschiffbau dieses Problem durch einbau von Wasserstoffzellen innerhalb der Heliumzellen zu lösen. Die Wasserstoffzelle besitzt ein Manövrierventil, das zum Zwecke des Gewichtsausgleiches ein Ablassen des billigen Wasserstoffes ermöglicht. Bei einer Füllung mit 190 000 m 3 Helium erreicht das Luftschiff einen Gesamtauftrieb von 211 t. Ein weiterer technischer Fortschritt bei der Konstruktion des neuen Luftriesen stellt die Verwendung von Rohölmotoren statt der bisher mit Benzin betriebenen Antriebsaggregate dar. «L. Z. 129» ist mit 4 Motoren ausgerüstet, die zusammen über eine Leistung von 4400 PS verfügen und dem Schiff eine Maximalgeschwindigkeit von 135 km/St, verleihen. Im Hinblick auf die zahlreich erfolgten Luftschiffkatastrophen ist die Unentzündbarkeit der Dieseltriebstoffe, d. h. der Ausschluss jeglicher Explosionsgefahr viel bedeutsamer als die erzielte Brennstoffersparnis. Diese Tatsache, zusammen mit der Verwendung von Helium als Füllgas beseitigt endgültig die bis heute jedem Luftschiff drohende Hauptgefahrenquelle, der auch der englische Luftriese «R 101» seinerzeit auf französischem Boden zum Opfer gefallen ist. In diesem Zusammenhang sind die Ausführungen von Arthur Förster auf der Konstanzer DVI-Versammlung über die Bauformen des Starrluftschiffbaues sehr aufschlussreich, stellt doch der Bau eines Luftschiffes eine Aufgabe so besonderer Art dar, dass es schwierig ist, im Bereich der gesamten übrigen Technik etwas so eng Verwandtes zu finden, dass es zu schlüssigen Vergleichen herangezogen werden könnte. Soweit es sich um das Gerippe des Luftschiffes handelt, besteht die Besonderheit der Bauaufgabe darin, grosse, zur Aufnahme des Traggases bestimmte Hohlräume mit einem Tragwerk zu umspannen, das bei möglichst geringem Gewicht hinreichende Festigkeit und Steifigkeit aufweist, um die äussere Form des Schiffskörpers zu wahren und allen äussern Krafteinwirkungen standzuhalten. Die Räumigkeit des Bauobjektes bedingt die für das starre Luftschiff äusserst stark aufgelöste Bauweise. Dies erklärt auch, dass die Entwicklung der Bauformen im Luftschiffbau teilweise ganz andere Wege gegangen ist als auf den übrigen Gebieten des Leichtbaues, insbesondere dem des Flugzeugbaues. Das Gerippe eines Zeppelins stellt ein räumliches Fachwerk von hochgradiger statischer Unbestimmtheit dar, dessen wesentliche Elemente die Ringe, die Längsgurte und die Feldverspannungen sind. Erstere werden eingeteilt in Hauptringe, die in ihrer Ebene eine aus Drähten oder sonstigen Zugorganen gebildete Verspannung enthalten, und unverspannte AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG. 18. FEBRUAR 1936 — N° I4 muss, tun sie knicksicher na gestalten, unterteilt man sie durch die Hilfsringe, so dass ihre Knicklänge im Falle des «L. Z. 129» z. B. auf rund 5 m herabgesetzt wird. Gleichzeitig erzielt man dadurch auch eine günstige Steigungsrichtung der Diagonalen in den Mantelfachwerken. (Fortsetzung: folgt.) Flu^nolizen Der Passagierverkehr auf den schweizerischen Flugplätzen 1935. Die Schweiz besitzt sechs Zollflugplätze erster und zweiter Klasse, auf denen sich die internationalen und internen Fluglinien kreuzen. Die Flugplätze Zürich-Dübendorf, Genf-Cointrin und neuerdings auch Basel-Birsfelden verfügen bereits •über einen ganzjährigen Linienbetrieb, während bei den Plätzen von Bern-Belptnoos, Lausanne-Blecherette und St. Gallen-Altenrhein noch der Saisonlinienbetrieb (April-Oktober) besteht Was den sogenannten Eigenverkehr der Fluglinien (d. h. ohne Transitverkehr) betrifft, so zählte man im Jahre 1935 in Zürich 14139 zahlende Passagiere. Es folgen Basel mit 7914. Genf 4963, Bern 2119, Lausanne mit 1142 und St. Gallen mit 864 Fluggästen. Alle diese Flugplätze weisen in dieser Kategorie zum Teil ganz beträchtliche Frequenzsteigerungen gegenüber dem Vorjahre auf. In der Kategorie des Transitverkehrs steht, "wie dies bekanntlich auch beim Eisenbahnverkehr der Fall ist, Basel mit 5123 Passagieren an der Spitze. Basel ist auch für den «dritten Weg» das grosse Sanwneilbecken für den schweizerischen Verkehr nach und von Westen, d. h. Paris und London. Es folgt sodann Genf, dessen 4644 Transitpassagiere hauptsächlich auf den gewaltigen Verkehr zwischen Deutschland und Spanien zurückzuführen sind. Zürich notierte hier 1467 Passagiere, die vor allem von Lausanne. Bern. Genf, St Gallen etc. nach Stuttgart-Berlin und München- Wien reisen; Bern brachte es auf 1329. Lausanne auf 428 und St Gallen auf 12 Transitpassagiere. Der Effektiv verkehr eines jeden Flugplatzes ist die Summe aus dem Eigen- und Transitverkehr. Die Reihenfolge entspricht hier genau derjenigen des Eigenverkehrs: Zürich 15.606, Basel 13.037, Genf 9607, Bern 3448, Lausanne 1570, St. Gallen 876 zahlende Passagiere. Dabei muss ausdrücklich bemerkt werden, dass die bei Sonderflügen, Rund- und Alpenflügen etc. beförderten Passagiere, die auf einzelnen Flugplätzen sehr hohe Ziffern erreichen, hier nicht inbegriffen sind. 852, Lyon mit 697, Frankfurt mit 521 und Marseille mit 508 Fluggästen. Es folgen endlich noch Milano mit 373, Amsterdam mit 371, Halle/Leipzig mit 359, Köln mit 191, Prag mit 187, Hamburg mit 140 Passagieren, sowie 69 andere Auslandszentren, von denen pro 1935 Personen nach der Schweiz flogen resp. von der Schweiz aus als Reiseziel wählten. Im innerschweizerischen Verkehr steht die Strecke Zürich-Basel und vice-versa mit 2341 Passagieren überlegen an der Spitze. Es folgt St. Gallen-Zürich mit 514, Bern-Basel mit 504, Bern- Zürich mit 499, Genf-Zürich mit 433, Lausanne- Bern mit 291, Bern-Genf mit 189, Lausanne-Genf mit 151, Lausanne-Zürich mit 111 und St. Gallen- Bern mit 110 zahlenden Passagieren pro 1935. Auf den übrigen innerschweizerischen Relationen war die beförderte Personenmenge jeweils unter 100 Passagieren. ' W. D. Das Jahreseroebnfs der Swissair. Die Schweizerische Luftverkehr A.-G. Swissair darf wiederum auf ein recht erfolgreiches Betriebsjahr zurückblicken. Die Flugzeuge dieser Unternehmung führten 1935 total 4376 Flüge (1934: 4170) durch und legten dabei eine Distanz von 1,045 Millionen Kilometern (0,836 Millionen km) zurück. Dabei wurden 24,642 Passagiere (17,764), 90,9 Tonnen Post (60,2), 134,6 Tonnen Expressgüter (94,3) und 295,5 Tonnen Gepäck (194,1) befördert. Die geleisteten Passagierkilometer stiegen von 3,5 auf 6,4 Millionen, woraus hervorgeht, dass das Flugzeug immer mehr als Schnellverkehrsmittel für Grossdistanz gewählt wird. Ferner wurden 138 Spezialflüge (143) mit 254 Passagieren (193) und 563 Rund- und Alpenflüge (656) mit 3498 Passagieren (3333) im Berichtsjahre mit den Flugzeugen der Swissair durchgeführt ws. Postraketen am Kanal. Die frans. Regierung hat zwei Holländern namens Thoolen und Robert die Erlaubnis für Versuche mit Raketen erteilt Die beiden wollen versuchen, von Sangatte bei Galais eine von ihnen erfundene Postrakete nach England hinüberzuschiessen. Der erste Versuch soll mit einem Modell von 130 kg Gewicht geschehen, während die von den Erfindern vorgesehene Normalgrösse sich auf 1,75 m Länge nnd 0,50 m Umfane berechnet. B- H- Zwei-Ktassen-System Im Flugzeug. Die IJr France setzt demnächst au! der Strecke Paris- London neue Flugzeuge in den Dienst, die dadurch bemerkenswert sind, dass sie zwei Klassen führen werden. Vorn befindet sich eine erste Klasse mit 8 Plätzen. Hierauf folgt ein Speiseraum, an den sieb, die »weite Klasse mit 22 Plätzen anschliesst, B. BL - Hilfsringe. Beim «L. Z. 129» sind die Was nun das Reiseziel resp. die Herkunft dieser Passagiere anbelangt, so steht heute Hauptringe in Abständen von rund 16,5 m angeordnet, zwischen welchen die Gaszellen in die einzelnen Schotten zu liegen Pro 1935 sind nämlich nicht weniger als 6566 Paszösischer Erfinder hat sich ein Verfahren schüt- das Weltzentrum London, weitaus an der Spitze. Schutoüberzug auf Brennstoffbehälter. Ein fransagiere von der Schweiz nach London and viceversa geflogen. Diese Menge zeigt deutlich, dass das Brennstoffbehälter, besonders von Flugzeugen, mit zen lassen, das im wesentlichen darin besteht, die kommen. Bei diesem Schiff weist eine einzige Zelle in Schiffsmitte beinahe den Flugzeug sich anschickt, eine sehr bedeutende Rolle einer Schicht aus einer Mischung von Kautschuk, doppelten Inhalt auf wie das erste Zeppelinluftschiff im ganzen besass, indem eine spielen. An zweiter Stelle steht Paris mit 2946 Pas- eine Schicht aus vulkanisiertem Kautschuk, kaut- im internationalen Reiseverkehr der Schweiz zu Oel und Harzöl zu umgeben. Darauf kommt noch Zelle allein rund 20 000 m 3 sagieren; es folgt Berlin mit 1777, Stuttgart mit 1352 Gas fassi Da- i schukieitem Gewebe oder flammensicher gemachtes, undurchlässiges Seidenpapier. Die Masse soll und München mit 1210 zahlenden Fluggästen. In mit man die Längsgurten bei diesen grossen Abteillängen nicht zu stark spreizen J Passagieren figurieren Barcelona mit 971, Wien mit abzudichten. B- der Kategorie der Mengen zwischen 50O und 1000 imstande sein, Geschosslöcher in den Behältern H. REPARATUREN von Kilometerzählern nzin-Uhren usm prompt «.zuverlässig durch: A. HOLENWEG • ZÜRICH Tel. 74.902 • Spezlalwerksfätt© • Hardplatz 17 NEUE AUTOMOBILE an Selbstfahrer ab Fr. 8^0 per Stunde, Fr. 11.- per halben Tag und Fr. 18.- per ganzen Tag. Verlangen Sie unsern starh reduzierten Wintertarif. WELTI-FURRER A.G. ZÜRICH, Bäreoga««29.Tel.36.666 **. Ks. AMRISWIL Ritzi & Wagner Central-Garage 500 BERN - Kirchenfeld Tel. 21.897 Helvetlastr. 17 „Securit" und andere splitterfreie Qläser stets rasch lieferbar. BERN BERN C. Ceresole & Cie. Monbijoustr. 30 28.805 PaulLindt, Garage Elite, Murtenstr.17 26.222 STÖCKLI • BERN Verkauf und Reparaturen von sämtlichen Autopneus u. -schlauchen, sowie Nagelschutzeinlagen. 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N°l# DIENSTAG, 18. FEBRUAR 1938 AUTOMOBIL-REVUE .1 F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. Fortsetzung von Seite 1. und wurden die armen kleinen Damen nicht eine Woche später auf der andern Seite der Insel an Land gesetzt und .mussten in ihren Strohsandalen, die keine Meile halten konnten, über die Berge wandern? Als ob ich das nicht wüsste! So ein Tier ist dieser Wolf Larsen — die grosse Bestie in der Offenbarung Johannis! Es wird ein Ende mit Schrecken nehmen! Aber ich habe nichts gesagt, denk' daran. Nicht einen Ton hab' ich geflüstert, denn der alte dicke L,ouis möchte gern die Reise überleben, und wenn der letzte von euch zu den Fischen geht. — Wolf Larsen », sprudelte er einen Augenblick später heraus. «Beachte das Wort, hörst du: — Wolf — ein Wolf ist er. Er hat nicht ein schwarzes Herz wie manche Menschen. Er hat überhaupt kein Herz. Ein richtiger Wolf ist er. Er trägt seinen Namen mit Recht! » • « Aber wenn er so berüchtigt und bekannt ist >, fragte ich, « wie ist es dann möglich, dass er immer noch Leute bekommt? » c Wie ist es möglich, dass man überhaupt Leute bekommt, um irgend etwas auf Gottes Welt zu tun? » fragte Louis mit keltischem Feuer. «Würde ich an Bord sein, wenn ich nicht viehisch besoffen gewesen wäre, als ich unterschrieb? Manche, wie die Jäger, können keinen bessern Schiffer finden, und manche, wie die armen Teufel vorn, wussten es nicht besser. Aber sie werden schon darauf kommen und werden den Tag verfluchen, an dem sie geboren sind. Ich könnte weinen über die armen Menschen, hätte ich nicht genug an den armen alten Louis und die Unannehmlichkeiten zu denken, die seiner noch warten. Aber ich habe keinen Ton gesagt, denk' daran, keinen Ton! — Die Jäger sind schlechte Kerle », brach er wieder los, denn wenn er einmal im Reden war, konnte er so bald nicht aufhören. « Aber wart's nur ab! Wenn sie betrunken sind und aus reinem Vergnügen zu streiten anfangen — er wird mit ihnen fertig. Er wird sie schon Gottesfurcht lehren! Sieh mal meinen Jäger, Horner. Jock' Horner nennen sie ihn, und er sieht so ruhig und umgänglich aus und spricht so sanft wie ein Mädchen, dass man glaubt, die Butter könne ihm nicht im Munde schmelzen. Und hat er nicht letztes Jahr seinen Bootssteuermann getötet? Unglücksfall, sagte man, aber ich traf den Bootspuller in Jokohama, und der hat mir die Wahrheit erzählt Und ,Smoke\ der schwarze kleine Kerl — steckten ihn die Russen nicht drei Jahre in die sibirischen Salzminen, weil er auf Copper Island Fische gestochen hatte — ein Privileg der Russen? Mit Händen und Füssen war er an seinen Kameraden gefesselt Und kamen sie nicht doch ins Raufen? Und kam der andere nicht stückweise im Eimer oder zur Mine heraus: heute ein Bein, morgen^ ein Arm, am nächsten Tage der Kopf und so weiter?» « Aber das ist doch nicht möglich! » schrie ich, von Entsetzen überwältigt « Nicht möglich? » fuhr er blitzschnell fort. «Ich habe nichts gesagt Ich bin taub und stumm, und wenn du deine Mutter lieb hast, bist du's auch. Nie hab' ich den Mund aufgemacht, um etwas anderes als Gutes und Schönes über ihn und die andern zu sagen. Gott verdamm' seine Seele. Möge er 10000 Jahre im Fegefeuer schmoren und dann in die allertiefste Hölle kommen. > Johnson, der Mann, der mir die Haut abgerieben hatte, als ich an Bord kam, schien mir von allen Leuten, vorn und achtern, der am wenigsten zweifelhafte. Es war tatsächlich gar nichts Zweifelhaftes an ihm. Seine Offenheit und Männlichkeit waren auf den ersten Blick überzeugend, und dazu kam seine Bescheidenheit, die man leicht für Schüchternheit halten konnte. Aber schüchtern war er nicht Er hatte vielmehr den Mut der Ueberzeugung, die Sicherheit seiner Männlichkeit Das war es, was ihn gleich zu Beginn unserer Bekanntschaft gegen die falsche Aussprache seines Namens hatte protestieren lassen. Louis sprach über ihn und prophezeite. «Das ist ein «Prachtskerl, dieser Johnson», sagte er. «Unser bester Seemann und mein Puller. Aber er und Wolf Larsen werden aneinandergeraten, so sicher wie zwei mal zwei vier ist. Das weiss ich. Ich kann den Sturm schon aufziehen sehen. Ich habe mit ihm geredet wie mit meinem eigenen Bruder, aber er will kein falsches Signal zeigen. Er murrt, wenn nicht alles nach seinem Kopfe geht, und es gibt immer ein Klatschmaul, das es Wolf Larsen hinterbringt Der Wolf ist stark, und es ist eine Art des Wolfes, Stärke bei andern zu hassen. Und Stärke findet er bei Johnson — kein Kriechen, kein Jawohl, Käptn, ergebensten Dank, Käptn' für ein Schimpfwort oder einen Faustschlag. — Ja, es kommt es kommt! Und Gott weiss, wo ich einen andern Puller hernehmen soll! Was tut der Narr, als der ,Alte' ihn Yonson nennt? ,Ich heisse Johnson, Käptn', und buchstabiert ihm den Namen vor. Du hättest das Gesicht des .Alten' sehen sollen! Ich dachte schon, er würde auf der. Stelle über ihn herfallen. Er tat es nicht, aber er wird es tun, und er wird diesem Hartschädel das Licht ausblasen, oder ich kenne meine Leute nicht» Thomas Mugridge wird unerträglich. Bei jeder Anrede muss ich « Herr » zu ihm sagen. Es dürfte mitsprechen, dass Wolf Larsen eine Vorliebe für ihn gefasst hat. Es ist wohl unerhört, dass ein Kapitän auf vertrautem Fusse mit seinem Koch steht, aber Wolf Larsen tut es. Zwei- oder dreimal hat er schon den Kopf zur Kombüse hereingesteckt und Mugridge gutmütig geneckt, und heute nachmittag standen sie eine volle Viertelstunde auf dem Achterdeck und unterhielten sich. Als der Koch wieder in die Kombüse trat, glänzte sein Gesicht, als wäre es mit Fett eingeschmiert, und er sang zu seiner Arbeit so falsch, dass es herzzerreissend war. Ruhe! Nie zuvor hatte ich den Sinn dieses Wortes verstanden. Ohne es zu wissen, hatte ich mein ganzes Leben geruht. Aber jetzt! Hätte ich nur eine halbe Stunde stillsitzen können, ohne etwas zu tun, ja, ohne zu denken — es wäre das Schönste von der Welt für mich gewesen. Aber es war doch eine Offenbarung für mich. Jetzt war ich besser imstande, das Leben eines Arbeiters zu würdigen. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass Arbeit etwas so Furchtbares wäre. Von halb fünf morgens bis zehn Uhr nachts bin ich der Sklave aller und habe nicht eine Minute für mich, ausser dem winzigen Augenblick, den ich mir gegen Ende der zweiten Hundewache stehlen kann. Halte ich eine Sekunde inne, um über die See zu blicken, die in der Sonne funkelt, oder zuzuschauen, wenn ein Matrose nach oben ins Gaffeltoppsegel geht oder aufs Bugspriet hinausläuft — gleich höre ich die verhasste Stimme: «Hallo, Hump, nicht faulenzen! Ich passe auf.» Es gibt Anzeichen von zunehmender Missstimmung im « Zwischendeck », und es heisst, dass schon eine Prügelei zwischen « Smoke », und Henderson stattgefunden habe. Henderson scheint der beste von den Jägern zu sein, ein besonnener Bursche, der schwer aus seiner Ruhe kommt. Diesmal muss er aber sehr erbost gewesen sein, denn als « Smoke » zum Abendbrot in die Kajüte kam, hatte er ein blaues Auge und sah bös aus. 'Gerade vor dem Abendbrot hatte sich auf Deck etwas ereignet das für die Gefühllosigkeit und Roheit dieser Männer bezeichnend ist Unter der Mannschaft befindet sich ein junger Mensch namens Harrison, ein plump aussehender Bauernbursche, der, vermutlich von Abenteuerlust getrieben, seine erste Seereise macht. In dem leichten, veränderlichen Wind laviert der Schoner ziemlich viel, und dann muss jedesmal ein Mann nach oben gehen, um das vordere Gaffeltoppsegel umzulegen. Irgendwie hatte sich nun, als Harrison oben war, die Schoot im Block am Ende der Gaffel festgeklemmt. Soviel ich verstand, gab es zwei Möglichkeiten, sie loszubekommen — erstens, das Segel herunterzufieren, was verhältnismässig leicht und gefahrlos war, zweitens, auf der Piek bis zum Ende der Gaffel hinauszuklettern, ein gewagtes Unternehmen. Johansen rief Harrison zu, er solle hinausklettern. Alle sahen, dass der Junge Angst hatte, und dazu hatte er alle Ursache: achtzig Fuss über dem Deck und nichts, um sich festzuhalten, als dies dünne, ruckweise hin und her geschleuderte Tau! Hätte ein stetiger Wind geweht, so würde es nicht so schlimm gewesen sein, aber die « Ghost» rollte ohne Ladung in der Dünung, und bei jedem Ueberholen gerieten die Segel in schwingende Bewegung und schlugen, und die Falle wurden schlaff und dann mit einem Ruck wieder straff. Sie vermochten einen Mann hinunterzufegen wie ein Peitschenschmitz eine Fliege. Harrison hörte den Befehl und verstand, was man von ihm verlangte, zögerte jedoch. Vermutlich war er das erstemal in seinem Leben in der Takelung. Johansen, von Wolf Larsens Herrschsucht angesteckt, brach in einen Strom von Flüchen aus. «Genug, Johansen», sagte der Kapitän schroff, « das Fluchen auf dem Schiff besorge ich selbst, dass Sie und alle es wissen. Wenn ich Ihre Hilfe brauche, werde ich Sie rufen.». « Jawohl, Käptn », antwortete der Steuer-* mann unterwürfig. Unterdessen war Harrison auf das Fall hinausgeklettert. Ich blickte durch die Kom-r büsentür hinauf und konnte sehen, wie er zitterte, als wären ihm alle Glieder vom Schüttelfrost gepackt. Er kroch ganz langsam und vorsichtig, Zoll für Zoll. Von dem klaren Blau des Himmels hob er sich ab wie eine Riesenspinne, die an ihrem Netzwerk entlang kriecht '^Fortsetzung toletf CARROSSERtE GEBRÜDER TÜSCHER * CO. ZÜRICH, HÄRDTURMSTR 201, TEL 3R64» Billige Auto-Garagen in Eisenbeton, zerlegb., ab Fabrik mit Türen, von Fr. 775.— an. Auf Wunsch bequeme TEILZAHLUNG innert 5 Jahren. Prospekte und Preise fertig montiert. Garage-Bau G. HUNZIKER & Co., INS (Bern) Sehr preiswert zu verkaufen Chevrolet-Lhnousme Modell 1930, 6 Zyl., 17 HP, 4türig, 4/5plätzig, nur 58000 km gefahren, sehr tut gepflegt Offerten unter Chiffre 15264 an die Automobll-Revut. Bern. •btrenae «itnals Georg Fischen Schaffhausen (Sdnrabd Grösste Auswahl in Klein-Occasionswagen zu günstigen Konditionen. Badenerstr. 527, ZÜRICH Telephon 70.777 100 Vertreter in der Schweiz.