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E_1936_Zeitung_Nr.015

E_1936_Zeitung_Nr.015

BERN, Freitag, 21. Februar 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N» 15 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEIT Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehcsint€ressen ABONNEMENTS-PREISE: Aosgai» A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mii Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Mixer im Bundeshaus Schon im grauen Altertum galten Leute, die ein gut Tränklein zu mischen verstanden, als eine Art Hexenmeister, teils mit Ehrfurcht, teils mit Grauen in ihrer geheimnisvollen Hexenküche bestaunt, denn man war nie sicher, ob sie nicht so beiläufig auch ein bisschen Gift hineinmischten. Die Leute, die gerne Tränklein mischen, sind noch nicht ausgestorben; unser aufgeklärtes Zeitalter hat sie eingeteilt in die illegale Gruppe der Kurpfuscher und in die legalen Gruppen der Chemiker, der Apotheker und der Barmixer. Alle diese Gruppen sollen übrigens gut rentieren! Vielleicht ist das der Grund, weshalb auch das Bundeshaus seit einiger Zeit eine Bar oder Apotheke eröffnet hat, wo sich-Madame Helvetia auf das Mixen oder Mischen verlegt. Als erstes Wunderprodukt wurde dort der Schweizerwein, diese geniale Verwirklichung einer volkswirtschaftlichen Erlösungsidee, gestartet. Sie hat westlichen und östlichen Geist liebevoll und Lesen Sie unser Feuilleton „Der Seewolf" Seite 7 Erseheint jeden Dlenstaji und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal .Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: AutoreTue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 werde zum Schaden des Fiskus und der notwendigen wirtschaftlichen Belebung weiterhin zurückgehen. Sie machten darauf aufmerksam, dass nur ein kleiner Teil der Automobilisten das Auto als Luxusfahrzeug benütze, während die erdrückende Mehrheit — Geschäftsleute, Händler und Gewerbetreibende — es im Handel und Erwerb gebrauchen muss, wobei angesichts der ohnehin hohen Unterhaltkosten die Betriebsspesen eine grosse Rolle spielen. Von besser orientierter Seite wurde dem entgegengehalten, dass die Automobilisten, die ja doch nur Hühner, Hunde und harmlose Strassenpassanten überfahren, dies fälschlicherweise behaupten; dass es ihnen am nötigen Opfersinn und Patriotismus fehle, und dass sie mit ihren Warnungen und Mahnungen in der Presse lediglich einen unzulässigen Druck ausüben wollen, während beispielsweise der Marsch der Bauern auf Bern oder die Drohungen der Winzer möglichst innig miteinander gepaart und das eine wirkliche Notlage verraten. Wer ein strichene Tatsache, das Benzin sei ein ausländischer Artikel, der importiert werden Gemisch als gesamteidgenössischen Zeitgeist Auto hat, soll überhaupt schweigen und berappen! Und sogar der Herr Bundespräsi- müsse, als wirtschaftlicher Vorteil des ein- der wirtschaftlichen Verständigung an die Bevölkerung billig abgeliefert. dent war der Meinung, man dürfe zwar die heimischen Alkohols voll zur Geltung gelange. Damit würden die nebensächlichen Biersteuer nicht erhöhen, weil dies einen Leerung des Schnapslagers — au! Kosten Konsumrückgang bringen könnte, dagegen Begleiterscheinungen der verminderten Zolleinnahmen, an die das Benzin den Löwenanteil des Automobils. solle man ruhig die Benzinzollerhöhung beschliessen, denn hier sei der Konsumrück- liefert, und der exportfördernden Wirkung Auf jeden Fall, schmolzen die Lager zusammen wie der Schnee in der Märzensonne, so gang nur auf die Krise zurückzuführen! 'des Importbenzins als Kompensationsartikel dass die Eidg. Alkoholverwaltung, die zuGlücklicherweise hat sich der Nationalrat noch nebensächlicher. ihrem respektablen Schnapslager auch ein dieser zwingenden Logik nicht verschlossen. Jahresdefizit von 21 Millionen Fr. aufgestapelt hat, vor Neid erblasste. Warum sollte gewickelt, wenn sie in einem Leitartikel ge- Die «Appenzeller Zeitung» ist deshalb schief (Fortsetzung folgt.) eine so glänzende Mixeridee, die den Mischschrieben hat: wein zum Tischwein gemacht hat, nicht auch geeignet sein, das Schnapslager abzubauen? Dem Nationalrat leuchtete dieser Gedanke sofort ein, und er beauftragte den Bundesrat, die Frage der Beimischung von Alkohol zum Benzin zu prüfen. Derart könnte der Automobilist, der sich ohnehin während der Fahrt des Alkohols zu enthalten hat und deshalb mitschuldig ist am geringen Konsum, nicht nur an der Verminderung des Defizits, sondern auch des Schhapslagers der Alkoholverwaltung mithelfen. Also lanciere man den zweiten Schlager: dem alkoholfreien Autofahrer alkoholisiertes Benzin! Mit Spannung sieht man dem klassenversöhnenden Tränklein entgegen, das der volkswirtschaftlichen Apotheke oder der die sozialen Gegensätze überbrückenden Versöhnungsbar des Bundeshauses entspringen soll. Und wenn vor hundert Jahren die Bauern gesungen haben: «Die Herre vo Züri und Bärn, vo Solothurn, Basel, Luzärn, sie möchte de Puure ihr Land vermässe...», so üben die Automobilisten heute vorsorglicherweise und sinngemäss folgenden Text: «Die Puure vo Züri und Bärn, vo Solothurn, Aargau, Luzärn, sie möchte de Autler s'Bänzin vermässe...» Als Nichtautomobilist hat mich «der Haber gestochen»! Geblendet von der neuen Schlageridee, habe ich beschlossen, Beweismaterial aus den Zeitungen zusammenzustellen und einige Angaben von Fachleuten zu sammeln, um die Automobilisten, die diesem Versuch sehr skeptisch gegenüberstehen, zu bekehren. Und da es heisst, dass die Automobilzeitungen immer nur gegen die bundesrätlichen und nationalrätlichen Beschlüsse protestieren, statt sie zu begrüssen, will ich mich in die «Höhle des Löwen» wagen und an die «Automobil- Revue» wenden! Halt, Autler, das ist was anderes ! Als im Nationalrat die Benzinzollerhöhung behandelt wurde, gab es auch Volksvertreter, die der Meinung Ausdruck verliehen, der Bogen werde überspannt, und der Konsum «Man denkt da immer zuerst ans Automobil, das einen schönen Teil der Belastung tragen muss. Man denkt aber zu wenig an die Benzinmotoren, die in Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie verwendet werden. Ebensowenig denkt man an das gesamte Autogewerbe, wie die Montageindustrie, die Reparaturwerkstätten, das Lastwagengewerbe usw. Oder denkt man etwa zu viel an sie? Jedenfalls ist die neue Belastung geeignet, diese weit verästelte Wirtschaftsgruppe noch drückender unter das Joch der Krise zu zwingen. Und dabei hat ein Nationalrat noch gefunden, die Grenze der möglichen Belastung sei noch nicht erreicht, auch wenn der Zoll auf 28 Fr. erhöht werde. Soll etwa die Beimischung von Bundesalkohol zum Benzin, die eine weitere Verteuerung des unentbehrlichen Betriebsstoffes zur Folge haben müsste, nochmals auf dem Buckel der Benzinkonsumenten geschehen? Es kommt ja nicht von ungefähr, dass verschiedene Wirtschaftszweige, wie die Landwirtschaft, die Arbeitnehmergruppen usw. ihre Kreise von der neuen Belastung ausnehmen wollten. Wirkt es schon stossend, dass die fremden Autofahrer mit billigerem Benzin in der Schweiz herumreisen dürfen als die einheimischen, so werden neue Ausnahmen, wie sie die Landwirtschaft für ihre Kleinbetriebe verständlicherweiee erreicht hat, noch mehr Unwillen erzeugen... Und die Sanierung der Bundesfinanzen und der Bundesbahnen mit der teilweisen Lahmlegung eines ganzen grossen Gewerbes erkaufen, könnte man der Austreibung des Teufels mit Beelzebub vergleichen. Auf keinen Fall darf die an sich wünschenswerte Beimischung des unverkäuflichen Bundesalkohols zum Benzin nochmals zu Lasten der Benzinkonsumenten geschehen. Seither ist bekannt geworden, dass in einer ganzen Anzahl Kantone die Einlösung der Nummernschilder stark zurückgegangen ist und Bartel sehen muss, wo er den Most holt. Aber das ist natürlich nur eine organisierte Sabotage der Automobilisten und somit ein unzulässiges Unterfangen. kürzlich in einer Anzahl Zeitungen eine Korrespondenz aus dem urschweizerischen Kanton Schwyz behauptete : «Obwohl der Schwyzer Kantonsrat mit 48 gegen 6 Stimmen dem Steuergesetz, das dem Kanton endlich eine Erwerbssteuer bringen möchte, zugestimmt hat, dürften die Chancen der Vorlage in der Volksabstimmung kaum gut sein. Von den Kantoneräten waren nämlich bei der Abstimmung nur etwa 60 Prozent anwesend. Die andern wollten offenbar wegen der Volksstimmung nicht Stellung nehmen. An der Opposition gegen das neue Steuergesetz sind so ziemlich alle Volkskreise beteiligt...» Nun hat allerdings der vom Nationalrat angenommene Art. 33, Abs. 2, des Bundesbeschlusses über das Finanzprogramm einen Nachteil, wenn er bestimmt, die Beimischung von Obstspiritus zum Benzin sei anzuordnen, « wenn sie technisch und volkswirtschaftlich zweckmässig ist». Es sei deshalb versucht, die volkswirtschaftliche Apotheke des Bundeshauses auf die Möglichkeiten zur Beseitigung der technischen und wirtschaftlichen Nachteile aufmerksam zu machen, damit die auch vom Herrn Bundespräsidenten unter- Wie es nicht anders zu erwarten war, hat die Alpenstrasseninitiative im grossen ganzen ein stilles Berägbnis gefunden. Dass sich die gouvernementale Presse, wie «Bund > und «Neue Zürcher-Zeitung» nicht zum Rückzug der Initiative äussern werde, hat uns weiter nicht erstaunt. Jedoch hätte man erwarten können, dass wenigstens aus den Alpenstrassenkantonen das Echo ein stärkeres wäre. Dass dies nicht der Fall war, ist jedenfalls dem Umstände zuzuschreiben, dass gerade die Alpenstrassenkantone mit dem Rückzug zufrieden sind, weil sie mit Recht befürchteten, dass durch die Abstimmung der Entscheid nochmals weiter hinausgezogen worden wäre und dass wieder ein Sommer vergangen wäre, ohne dass an den Alpenstrassen gebaut worden wäre. Im allgemeinen können wir feststellen, dass die Presse als Hauptgrund für den Rückzug der Alpenstrasseninitiative die Verschleppungstaktik des Bundesrates recht hat man wohl gewissen Kreisen der Interessenten selbst eine laue Haltung vorgeworfen. Angesichts der Zermürbungtaktik, die von Seiten der Behörden seit zwei Jahren getrieben wurde, muss es nicht erstaunen, wenn die Begeisterung für die Initiative abgeflaut ist. Im Nachstehenden begnügen wir uns, einige der bezeichnendsten Pressekommentare anzuführen : Die «Naiional-Zeitung» schreibt; cWenn sich das Initiativ-Komitee zur Zurückziehung der Initiative entschlossen hat, so befand es sich in einer Zwangslage, in die ee durch den Bundesrat hinein- Verschone unsere Häuser, zünd lieber andere an ! Besonders in schwyzerischen Zeitungen hat manövriert worden ist. Der Bundesrat hat allen man energisch für die Belastung der Automobilisten Stimmung gemacht, in der Mei-schleppt, um sie abzuwürgen. Leider schriftlichen und mündlichen Protesten zum Trotz die AI penstrassen- Initiative vernung, dass in der heutigen Zeit ohne Murren ist das Verständnis für die wirtschaftliche Notwendigkeit eines umfassenden Strassenausbaues Opfer zu bringen sind. Es ist deshalb eine Verleumdung, wenn behauptet wird, im auch einzelnen Initianten abhanden gekommen. Wenn sich die H o t e 11 e r i e auf einmal als nicht Kanton Schwyz sei die Opferbereitschaft so besonders stark am Alpenstrassen-Bau interessiert gering, dass man dort schon fünf- oder erklärte (aus der Befürchtung heraus, die direkten sechsmal ein Erwerbssteuergesetz verworfen habe und als einziger Kanton noch keine Bundesleistungen für Hotel-Sanierungen könnten verkürzt werden), so hat dieser Rückenschuss um so mehr Verärgerung ausgelöst, als die Initiative Einkommensteuer besitze. Und es muss als in erster Linie in Hinsicht auf unser Fremdengewerbe lanciert worden ist. Wenn ferner Greuelmärchen angesehen werden, wenn die IONS-PREIS: ohe Grundzeile oder deren rate nach aae Soeben ist das Plakat des Genfer Salons erschienen, das vom bekannten Genfer Künstler Henri Fehr stammt. Der Grund der Affiche ist blau gehalten. Auf der linken Seite unterscheiden wir einen Teil der Weltkugel, von welcher sich in Halbkreis-Forjn das Wort Genf, sowie das Datum der Ausstellung abhebt. Von rechte kommend, stoppt ein "eleganter, moderner Wagen, der hinter sich, gleich einem Kometen, einen doppelten Schweif zurücklässt. Pressestimmen zum Rückzug der Alpenstrassen-Initfative gouvernemental eingestellten Vertreter des Verbandes Schweizerischer Strassenbaufachmänner der Initiative unbegreiflicherweise plötzlich die Unterstützung versagten, so bildete das eine weitere Enttäuschung für die Urheber der Initiative. Mit dem Rückzug der Alpenstrassen-Initiative haben die finanziellen über die wirtschaftlichen Erwägungen den Sieg davon getragen. Es ist ein Wahn, zu glauben, dass mit den auf zwölf Jahr» befristeten 7 Jahresmillionen unser Alperistrassennetz nach den wirklichen Erfordernissen modernisiert werden könne Für die Kantone des Flachlandes vollends bleibt nichts übrig für den Ausbau der Fernverkehre- und Zufahrtsstrassen, der ihren Arbeitslosen das ganze Jahr hindurch Beschäftigungsmöglichkeiten geboten hätte. Die Quittung für die Verkennung der Lage werden wir in den folgenden Jahren aus der abfallenden Frequenz des schweizerischen Automobil-Fremdenverkehrs herauslesen können. > Die «Basler Nachrichten» schreiben: «Der R-ückzugßbeschluss zeigt, dass auch die hinter der Initiative stehenden Verkehrsverbände sich der ernsten finanziellen Situation — in die das in Bern vertrölte Volksbegehren «glücklich> hineingeraten erkannt hat. Zu Un- ist — nicht verschliessen. Gewiss sprechen heute finanzielle Erwägungen gegen die in der Initiative verlangte Fixierung erbeWicher Mittel aus dem Benzinzoll zum Zwecke eines Alpenstrassen-Ausbaues von Bundes wegen. Die wirtschaftlichen Momente, aus denen das Begehren entstanden ist — Belebung des Verkehrs, der Hötellerie und des Autogewerbes und produktive Arbeitsbeschaffung im Groseen — sind freilich durch die jüngsten Entwicklungen keineswegs überholt Wir berichten heute über: Was sagt man zum Rückzug der Alpenstrasseninitiative? Rund um die Berliner Automobilausstellung Das Auto auf Schnee und Eis in Engelberg Technische Vorschau zum Genfer Salon LZ 129 startbereit Bilder: Seite 10