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E_1936_Zeitung_Nr.015

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14 lutomoM-Revne — N°

14 lutomoM-Revne — N° 15 Flims im Schnee Zurrt, erstenmal fand, das Schweizerische Skirennen 1907 ; in'Davos statt'. Dauerlauf, Sprungkonkurrenz; Militärlauf, Stilfahren, Damenlauten und Fassdaubenrennen umfasste das Programm. Noch war das Ganze nicht ausgewogen und aus straffen Disziplinen zu einer Höchstleistungsprobe des durchgebildeten Skilaufs ausgebaut. Stil und Kleidung, Schanzen und Pisten, Körperbildung und geistige 'Einstellung, Technik und Erfahrung entsprachen den Möglichkeiten des neuen Gerätes noch nicht. Aber 1907 schon und 1922, als das Schweizerische Skirennen zum zweiten Male in Davos ausgetragen wurde, war die Begeisterung vorhanden in höchstem Mass. Mussten nicht die Anfänge des Schweizer Skilaufs, aus denen in kurzer Zeit die grosse Sportbewegung entsprang, von Energie und Zukunft völlig geladen sein? In 30 Jahren reifte, formte und bändigte sich der sportliche leistungsdrang, bis er zuletzt, dank der, methodischen Einheitsschule, ein allgemeines, beinahe selbstverständliches Können zeitigte, aus dem die Höchstleistung einzelner wie etwas Voll-- kommenes ragt. Die Zuschauer, die heute selber zur Zunft gehören, erwarten am nationalen Skifest eine Beherrschung der Technik, die nichts zu wünschen übrig lässt. Von den Verbänden werden denn auch die Senioren mit scharfer Sonde geprüft: dem Schweizerischen Skirennen, bei dem sich die Elite misst, gehen die regionalen Wettkämpfe voraus. Die Meisterschaften in Langlauf, Sprunglauf, Abfahrt und' Slalom und die Schweizerische Skimeisterschaft in der Kombination sind Prüfungen, die keiner zufällig mit Erfolg besteht. Dass um die Titel sich auch Ausländer bewerben können, erhöht nur die Verpflichtung, das Beste zu leisten zu Ehren der Schweiz. Die Damen, für die es bisher keine Verbandsmeisterschaften gab, tragen heuer zum erstenmal den Kampf um den Sieg in der Zweierkombination aus Abfahrt und Slalom und um den Einzelsieg in beiden Disziplinen aus. Mit den nationalen Rennen sind die Militärläufe der schweizerischen Armee verbunden. Sport und Wehrhaftigkeit verbinden sich im alpinen Skilauf und sichern gemeinsam die Beherrschung unseres gesamten Geländes zu jeder Jahreszeit. Die nordischen Bretter haben nicht nur eine erstaunliche, verjüngende Volksbewegung, sondern auch eine .bedeutende Verbesserung der Landesverteidigung zur Folge gehabt. Militärisch wichtig sind vor allem Patrouillenlauf und Stafettenlauf7 dies Orientierungssinn, Ausdauer und Kameradschaftsgeist erhöhen. Das 30. Schweizerische Skirennen in Davos wird zu einem nationalen Fest, an dem sich Besucher aus der ganzen Schweiz und aus' dem Auslande zahlreich einfinden werden. Denn für die Fahrt zv diesem grossen Anlass ist von Dienstag, den 25. Februar, an die einfache Fahrkarte gültig, die Sonntag und Montag, den 1. und 2. März, zur Gratisrückfahrt berechtigt. Und die Davoser Hotellerie hat Pauschalpreise für 4]/j Tage, Aufenthalt, Festkarte, Eintritt zu den Rennen «alles inbegriffen» festgesetzt, die der gegenwärtigen Lage angepasst sind. Davos und sein Reich Parsenn sind gerüstet auf die grossen Tage von Ende Februar und Anfang März. Pauschal 7 Tage ab Fr. 96.- Pauschal 7Tajt ab Fr. 94.50 mit seinen erlebnisreichen Abfahrten. Lassen Sie uns für Ihr leibliches Wohl sorgen — dann werden Sie einen maximalen Genuss aus Ihrer Wintersports-Betätigung herausholen. ist der Wintersport in Grindelwald. , Durch die Wengernalpbahn lässt man sich mühelos — und billig .'— nach der Höhe führen, um dann um so besser die Freuden der Abfahrt gemessen zu können. Und die Unterkunft bei uns bietet alles, was das feriehhungerige Herz sich wünschen mag. Kennen Sie die prächtigen Skifelder von Lenk, die alles umfassen, vom sanftesten Übungshang bis zur steilen, kitzligen Wald- Schussfahrt? — Führen Sie am nächsten Weekend Ihren Wagen versuchsweise Pauschal 7 Taje ah Fr. «.- Pauschal 7 Tat« ab Fr. 110.- (Photo Geiser, Waldhaus-Fluns) Zum 30. Schweizerischen Skirennen in Davos I Kommende Ereignisse 28., 29. Februar, 1. März. 22./23. Engelberg n. Schweiz. Winterprüfungsfahrt für Automobile 2S./23. Kloster» Slalom und Abfahrtsrennen Weisafluhjoch-Serneus (Ski) 22. Montana-Vermala Bobrennennen 22./23. WUdhau« XX. Schweiz. 50 km Dauerlauf und IV. Schweiz. Staffellauf (Ski) 23. Andermatl Abfahrtsrennen vom Winterhorn 23. Arosa Weisshorn - Abfahrtsrennen und Eisfest 23. Lenzerheide ' Gäste - Abfahrtsrennen um die Kurhaus- und Schweizerhof-Cups 23. Oberiberg Roggenstock-Skiderby (Silberne Medaillen) 23. Pontresiaa IV. Muraigl-Schuss, Abfahrtsrennen (Ski) 23. Zermatt Amerikanisches Schiittelrennen 23. : Neuch&tel Eiswalzerwettbewerb der«Association romande de patinage artistique» 23. Daves Eiskameval und Schaulaufen 23. Sam&den Langlauf (Ski) 23. St. Moritz Skisprungkonkurrenz a. d. Olympiaschanze 23. Montana-Vermala Skirennen 23. Ri«-i Skirennen des Ski-Clubs Riffi 23. Zuoz Kesch-Abfahrtsrennen 23/24. St. Morifcs Boblet-Derby 24. Lausanne Konzert des « Orchestre romand». Solistin: Mme Tagliaferro, Klavier 24. r Saas-Fee Slalomrennen (Reinhold-Wanderbecher) 24. St. Moritz VII. Kilometer lanee auf Ski 24./2S. Basel Monstre-Trommelkonzerte (Kßchlin-Theater) 23. Montana-Vermala Fastnacht: Umzug 28. t Saas-Fee Sprungkonkurrenz 26. St. Moritz « Das weisse Band von St. Moritz», Abfahtsrennen (Skidub Alpina) 27. Arosa Skirennen Schafrücken/Kulm 27./2S. Silvaplana Wintersportfest mit Ski- und Schiittelrennen 27. . St. Merib Slalomrennen des Skiclubs Alpina 28.—1, Man Davos 30. Skirennen du Schweiz mit Militär-Skistafetten undPatrouillen lauf. Schweiz. Skimeisterschaft 28. Adalboden Kombiniertes Abfahtsrennen für Gäste (Hahnenmoos Cup) 28. Aiosa Schiittelrennen nach Lenk; das Wintersport-Erlebnis und die Unterkunft, die wir bieten, werden es Sie nicht gereuen lassen. Pauschal- und Weekend-Arrangements. haben wir zum erstenmal Winfersportgäste empfangen; während einem Vierteljahrhundert haben diese unserm Gebiete - unserm Hause Weltruf verschafft. Ist Ihnen diese Tatsache nicht Bürgschaft, dass auch Sie sich bei uns wohl fühlen werden? Skischule Fr. IS.- per Woche. Der Winter, wie er eigentlich aussehen sollte ZÜHFTI& VERPFLEGT UHD EINQURRT1ERT- Das Hahnenznoos lockt Parkhotel Bellevue, Adelboden Eine lustige Auf- und Ab-Partie Hotel BelvSdere, Grindelwald Sporthotel Wildstrubel, Lenk i. S. ITritöt*Vialtiin

in. Blatt Automobil-Revuö Nr. IS BERN, 21. Februar 1936 Farben und Stoffe Die Bühne der Mode ist mit herrlichen Farben und Stoffen dekoriert. Es herrscht ein auffallender Zug nach Verfeinerung der Farben, ohne dass diese etwa schwächlich würden. Eigentlich verwässerte Töne gibt es nicht. Selbst das reine Weiss ist voll Kraft, einmal wärmer, dann wieder von leicht bläulicher Kühle. Farbstoffe und das Material der Gewebe selbst tragen zu dieser ausgesprochenen Kultiviertheit bei. Bald werden die lebenden Museen mit ihren köstlichen Vitrinen, unsere grossen Modehäuser, die neuen Stoffe und Farben zur Schau stellen, die so verführerisch wirken, dass es schwer ist, zu sagen, ob die Farbe oder die Kunst dieser schmiegsamen, molligen Gewebe die Frauen begehrlich machen. Zweifellos wirken so schöne, so abwechslungsreiche Woll-Seiden oder Mischstoffe anziehend, und .gleich stellt sich bei ihrem Anblick der Wunsch ein, sie als Kleid zu sehen. Wie Mantelstoffe unwillkürlich ein wenig ans Reisen mahnen und herrliche .Tüllarten oder Taffet uns zugleich die Vorstellung von Festaufführungen und Bällen bescheren. Jedes Material sucht gleichsam seine Erfüllung, seine schneidermässige Form,- es lässt sich nicht jedes Modell aus Jedem beliebigen Gewebe machen. Das Modell aber, das ihm angemessen ist, steckt geradezu darin, muss daraus herausgebildet werden, wie die Figur aus dem Stein. Alle heute herrschenden Stoffarten dienen der schönen Linie und dem Schmuck zugleich. Es kann sich die Erfindung im Reich der Weberei an der kunstvollen Drehung der Fäden, an ihrer Verflechtung, ihrer wechselnden Glätte, an ihrer ungleichen Dicke, ja an ihrer Verknotung gar nicht genug tun. Glänzende und matte Wollen treten zusammen, und der Effekt matt-glänzend erfüllt vielfach die im Gewebe gemusterten ein- oder mehrfarbigen Seidenstoffe. Kunstseide, die vielfach das Leuchten besorgt, wird nicht bloss mit Wolle oder reiner Seide vermischt, sie tritt selbst zu Leinen, das sich mit Ramie (einem Schilfgras) und Wolle vereint. Es melden sich Einflüsse aus China, nicht bloss in den zugespitzten Hüten, auch in den Farben, die überdies einzelne Töne aus altflandrischen Bildern verwerten. Die Handhabung der Farbe wird zu wirklicher Kunst, wetteifert mit raffinierten, gemalten Stilleben. Der in seinen Modellen sich so eigenartig ausdrückende Schweizer Andre Piquet, dessen Kollektion gerade dieses Frühjahr ob ihrem persönlichen Charakter sehr beachtet wird, greift zu kräftigen Farben. Frisches Rasengrün, Lackrot, das Lackrot chinesischer Arbeiten, und ein Blau, das dem Stahlblau ähnelt und von Marine- und Königsblau zusammengesetzt ist, treten dabei hervor. Es ist das Eigenartige dieser Haute-Couture- Farben, dass sie nie starr eine bestimmte Nuance festhalten, sondern Zwischentöne, voll Schmelz, in immer wieder überraschenden Klängen bringen. Wer ein wenig beobachtet, wird eines bemerken: die Modellstoffe grosser Haltung, wie die Zusammenstellung von mehreren oder auch nur zwei Farben am selben Modell machen oft das Cachet, Arm, aber glücklich das Unnachahmliche des Ganzen aus. Kopiert ist wohl die Linie vielleicht erhalten, nicht aber dieser bestrickende Reiz, diese Vornehmheit der Farbtöne. Typisch für diesen Sommer ist die Buntheit der Stoffe englischen. Charakters, wie auch mancher Jerseygewirke. Wird es ohne Braun gehen? so fragen wir uns zuerst. Wie viele Frauen können ohne Braun und seine Aufhellung gar nicht auskommen! Denn es kleidet sie, und sie besitzen die Accessoires in Brauntönen. Die Mode verliebt sich auch immer wieder in diese Farbe. Darum sehen wir neuerdings Tabak- und Goldbraun, sehen bei der Chanel wieder Beige, wie sie auch Grau heranzieht und Schwarz-Weiss aufgreift: Zweifellos wird gerade das Nachmittagskleid,, durch die Trauer in England beeinflusst, noch mehr als die Kollektionen es bereits ankünden, in Schwarz und Schwarz-Weiss erscheinen. Marine hat seinen früheren festen Platz wieder zurückerobert. Dankbar fürs Frühjahr ist Fraise, das aufgehellt zu einem heiteren, eigenartigen Rosa wird. Es mischt sich mit Hellblau an Garnituren. Es zeigt sich zu Schwarz als breiter Ledergürtel. Helles und dunkles Grünblau, zarte Mauve von Tulpen und abends wieder Lila — übrigens eine Halblianenfarbe — verlocken uns nach längerer Pause. Viel Farbe lebt auf in den Druckstoffen, wo Schwarz-Weiss mit einem satten Farbton verbunden, unter andern heraussticht. Ueber Druckstoffe liesse sich gesondert berichten. Aktuell werden sie mit der eigentlichen Sommerszeit. Vorerst gehört das Fefd den aufgeworfenen Wollstoffen, die noppig, oft haarig und sehr oft als die bekannten Cloques gewoben sind; die Freude an reliefierten, zusammengeschobenen Stoffen führt selbst zu erneuten Plissegeweben, Andere dagegen stellen sich mit Durchbrüchen vor, die beliebte Porosität weiterspinnend. Lustig sehen grobe, handgewobene Mantel- und Kleiderstoffe aus. Sehr ähnlich dem, was unsere Schweizer Handweberinnen schon seit einiger Zeit etwa phantasieren. Nur dass sie vielleicht noch nicht zu der Faser von — Kokosnüssen gegriffen haben, wie dies der Franzose Lesur tut. Währenddem Rodier hin und wieder In seine weichen, handgesponnenen Wollen glänzendes Zellophan einstreut, das der Mohairwolle im Effekt so ähnlich ist. Bei den Seidengeweben taucht als grösste Neuheit Taffet auf, der «en biais», also schräg gewoben ist und der sich herrlich zum Drapieren, zum Einwickeln und geradezu zum Abformen der Gestalt eignet. Bleibt ja doch das Modellieren der Figur immer noch Grundprinzip der Mode, trotz all der abwechslungsreichen Einfälle, Aermel auf die verschiedenste Art imponieren zu lassen, stoffreich ein- und aufzusetzen, ihnen vorne Weite zu geben oder sie eins werden zu lassen mit dem Kleid als Kimono, was freilich kein leichtes und vor allem kein bequemes Tragen ist. Doch damit trifft uns schon der Reflex der chinesischen Ausstellung in ihrem Zauber kräftiger und doch schmelzender Porzellantöne. -ss. (Photopress) m Fahren wir aus? Modisches Eine ehrgeizige Photographin «..Als König Carol von Rumänien kürzlich in Paris vypitte, hatte er in seinem Hotel ein merkwürdiges Erlebnis. Die neunzehnjährige Pariser Photographin tsöbell Petit hatte es sich in* den Kopf gesetzt, Pressephotographin zu werden. Aber das Glück war ihr-nicht hold, in allen Schriftleitungen schüttelte man den Kopf und sagte, man habe augenblicklich keinen Bedarf. Bis ihr der Leiter des Bilderteils einer Pariser Sonntags-Zeitung sagte: «Ja, wenn Sie eine besondere Aufnahme bringen könnten, die kein anderer bekommt, dann liesse sich über eine Mitarbeit reden!» ... Das liess der ehrgeizigen Isabel! keine Ruhe mehr. Sie beschloss, der Redaktion eine Spezialaufnahme des Königs Carol von Rumänien zu bringen. Aber der Sekretär Seiner Majestät lehnte ab. Der König habe keine Zeit. Isabell verlor den Mut nicht. Sie mietete sich das Hotelzimmer oberhalb des Arbeitsraumes von König Carol. Dann liess sie sich mit einem Seil vom Balkon dieses Raumes zum Fenster des königlichen Gemaches herab. Stieg in das Arbeitszimmer des Königs und wartete, unter dem Schreibtisch kauernd, auf Seine Majestät. Als der König eintrat, zückte sie ihre Kamera und — schon hatte sich der Adjutant auf sie gestürzt. — Denn er vermutete ein Attentat und hatte die kleine Kamera für einen Revolver gehalten. Trotz ihres Weinens wäre die tollkühne Isabell unweigerlich verhaftet worden, wenn der König nicht selbst eingegriffen hätte und lachend bemerkte, man müsse für die Sorgen einer ehrgeizi- §en jungen Dame schon ein wenig Verständnis haen, auch wenn der Berufseifer einmal zu weit gehe. König Carol liess also eine ganze Reihe von Aufnahmen von sich machen und dann wurde Isabel! in Gnaden entlassen, nicht ohne von der Polizei eine strenge Verwarnung bekommen zu haben. « Grossmütterchen » Victoria .Photo (Zingg) — Allzumodisches Seitdem die Coutuners ihre Anregungen in alten Chroniken und Kostümbüdern ferner Zeitepochen suchen, seitdem sie Geschichtswerke studieren und Bilderausstellungen besuchen, hat die Mode einen durchaus künstlerisch-stilgerechten Aufschwung genommen. Mit Geschmack und Geschick verstehen sie es, die Gedanken in den zopfbekränzten Köpfen der Renaissancedamen den Lockenköpfen unserer Frauen anzupassen, die hohen Medici-Krägen, die bauschigen Puffärmel auch zeitgemäss-unromantischen Geschöpfen vorteilhaft zu gestalten. In Vorahnung der kaum eröffneten chinesischen Ausstellung in London sieht man schon seit Wochen an schönen Tagen im Bois, an feuchten, nebligen Nachmittagen bei den Tees die strengen, feierlichen Kopfbedeckungen der Ming-Dynastie, ebenso wie die flachen Kappen der Rikschakulis; die persischen und japanischen Helme und Mützen, wie die hohen Seidentoques der Tibetaner. Von den kranzförmigen Hüten, die, wie die Kämme der Geishas, das Profil begleiten, führt für phantasievolle Modistinnen nur ein kurzer Weg zur flämischen Haube der Spenderinnen auf den Altarblättem von van Eyck; zu den Heiligenscheinen der rührenden Madonnen von Meinung, die augenblicklich im kleinen Tuilerienmuseum, der Orangerie, die Blütezeit der flämischen Kunst des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts veranschaulichen. Vom Schicksal begünstigte Kundinnen öder solche, die es einstmals waren, erhalten von pietätvollen Modechefs hin und wieder eine Einladung, einen Blick auf die noch nicht gezeigten Kollektionen zu werfen. Da sah man in den letzten Tagen unter vielem anderen immer wiederkehrende Modelle von Jäckchen und Häubchen mit Plissees, Rüschen und Schleifen; von bauschigen Röcken mit Volants und Falten; auf dem Verzeichnis: «P'tite grand'mere» betitelt. Jawohl, die Grossmamas früherer Zeiten trugen solch helle, gefaltete Häubchen auf ihrem weissen Scheitel; sie sassen mit berüschten, weiten Jäckchen in ihren hohen Lehnstühlen am Fenster ihres stillen Wohnzimmers. Aber wo sind sie hingeraten, die gemütlichen, wirklich alten Grossmamas, die strickten und häkelten und strickten; immer bereit zuzuhören, nie mit sich beschäftigt, nur von dem Wunsche beseelt, zu raten und zu helfen? Man hält Umschau und findet keine solche Grossmama! Die eine traf man am Golfplatz, eifrig mit ihrem «score» zur Meisterschaft beschäftigt; die andere im Reisebüro, gerade im Begriff, eine Mittelmeerreise zusammenzustellen und die dritte mit einem Pack Bücher belastet auf dem Weg in die Universität zur Vorlesung eines berühmten Philosophen. Wird man jetzt früher Grossmama als einst? Und ist dieser Stand so unbeliebt, so gefürchtet, dass man sich nur ungern sichtbar und deutlich dazu bekennt; viel lieber über die Tatsache hinweg zur Tagesordnung übergeht? Und ist so eine neue Mode: «P'tite grand'mere» genannt, vielleicht ein zeitgemässer Appell an das bessere «Ich», diesen unbequemen Logisgast der weiblichen Seele? (N. F. P.) Modisches — Allzumodisches In Nairobi, der Hauptstadt der britischen Kolonie Kenya, erscheint die erste Modezeitschrift für Negerinnen. Chefredakteurin ist ein junge Negerin mit westeuropäischer Bildung. Diese hat in einem Leitartikel ihre grundsätzliche Meinung über die Mode für Negerinnen und Neger kundgegeben. Sie geht davon aus, dass die weisse Frau durch buntfarbige Stoffe nur gewinnen könne. Aber die schwarze, temperamentvolle Negerin werde durch schreiende Farben nur lächerlich. Sie müsse im Gegenteil gedeckte, unauffällige Pastellfarben tragen, die ihre- Erscheinung veredelten. Ausserordentlich scharf wendet sich der Artikel gegen die männliche Modesucht. Die Redakteurin ist der Meinung, dass ein Neger, der einen Zylinder und einen Schirm trage, zur Karikatur werde. Auch für ihn gelte der Grundsatz grösster Unauffälligkeit. Die Prager Lehrerschaft verlangt ein energisches Einschreiten gegen das Schminken, Haarfärben, Ondulieren und Nägellackieren von Schulkindern weiblichen Geschlechts. Dieser Unfug finde selbst bei ganz jungen Schülerinnen rasche Verbreitung, es genügt, dass einige Schülerinnen damit in die Schule kommen, damit bald ganze Klassen von dieser « Epidemie» erfasst werden. Sogar zehnjährige Mädchen erscheinen mit geschminkten Lippen, Dauerwellen, rotlackierten Fingernägeln, « Cypre- Parfüm ». Die Pariserinnen haben begonnen, -statt der üblichen Handtaschen Puppen zu nehmen. Diese erreichen annähernd natürliche Babygrösse, sind aber innen hohl; durch einen Reissverschluss können sie geöffnet werden und alle die Dinge in ihrem Innern aufnehmen, die bisher in den Handtaschen Platz fanden.