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E_1936_Zeitung_Nr.016

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BERN, Dienstag, 25. Februar 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 16 L-RFVUE AUTOMO ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjahrlich Fr. 5.-, jährlich Fr. •'O.- Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Mixer im Bundeshaus Fachmännische Meckerer und Miesmacher haben herausgefunden, dass dem alkoholisierten Benzin folgende technische Nachteile anhaften : Alkohol und Benzin lassen sich nicht in jedem Verhältnis mischen. Wird beispielsweise das Alkoholverhältnis zu klein durch Nachfüllen reinen Benzins, so scheidet sich die Mischung. Enthält aber die Mischung eine zu grosse Menge Alkohol — über 30 % —, so springt der Wagen sehr schlecht an. Alkohol besitzt nur etwa 60 % der Wärmeeinheiten des Benzins; der Verbrauch per 100 km ist also je nach dem Prozentsatz des beigemischten Alkohols grösser als bei reinem Benzin. Eine geringe Wassermenge genügt, um eine Scheidung der Mischung herbeizuführen; es braucht nicht einmal in den Tank zu regnen, Kondenswasser genügt, und Alkohol zieht Wasser an. Die Alkoholmischung bedingt eine geänderte Vergasereinstellung — was besonders die fremden Automobilisten freuen wird ! Alkohol löst den Lack der Karosserie, auch die Membran der Benzinpumpe und der Vergaserschwimmer verschiedener Konstruktionsmarken. Da gibt es nun zwei einfache Lösungen : Man baut in der Schweiz einfach neue Automobile, die speziell auf alkoholisiertes Benzin eingestellt sind, und für die ausländischen Automobilisten, die nicht zu Fuss oder mit den S.B.B, unsern Fremdenverkehr befruchten wollen, stellen wir, sofern wir sie überhaupt noch hereinlassen, Spezialvergaser, an den Grenzstationen zur Verfügung. Die Fachleute haben auch noch den wirtschaftlichen Nachteil herausgefunden, dass Alkohol 26mal teurer ist als Benzin. Um nämlich ein richtiges Bild zu erhalten, kann man nicht den Tankstellenpreis des Benzins zum Vergleich heranziehen, denn beide Produkte, Benzin und Alkohol, müssen transportiert, eingelagert und abgefüllt, kurz vertrieben werden. Für den Preisvergleich müssen deshalb die Preise franko Schweizergrenze beim Benzin und franko Fabrik oder Entwässerungsanlage beim Sprit genommen werden. (Schluss aus No. 15) Erscheint jeden Diensten und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 • Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorerue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Lfiwenstrasse 51, Telephon 39.743 Ketzerische Vergleiche. Benzin kostet franko Schweizergrenze, unverzollt 7—7K Rp. (43 Rp. Tankstellenpreis weniger 23^ Rp. Zoll, weniger 4K Rp. Tankstellenkommission, weniger 7% Rp. Vertrieb inkl. Inlandfracht pro Liter). Alkohol wird vom Bund den inländischen Produzenten zu Fr. 1.80 per Liter abgekauft; dazu kommen für Entwässerung, bevor dae Produkt als Treibstoff verwendet werden kann, pro Liter 20 Rp., macht zusammen Fr. 2.— für den Liter. Alkohol ist also tatsächlich 26mal teurer als Benzin, eine Feststellung, die vom Bundeshaus am besten einfach bestritten wird. Dem Luzerner « Vaterland» aber empfehien wir, schleunigst seinen Titel zu ändern, denn es hat einer Einsendung Raum gegeben, in welcher folgende unpatriotische Bemerkungen standen : «Da einzelne Staaten den einheimischen Alkohol unter den Herstellungskosten abgeben und noch auf die Zollbelastung auf den beigemischten Mengen verzichten müssen, entsteht vor allem dem Fiskus ein riesiger Ausfall. Der Verlust des französischen Fiskus infolge Beimischung von Alkohol zu Benzin wird jährlich mit 1426 Millionen franz. Franken berechnet. Für Deutschland, betrugen die Kosten aus dem Spritbeimischungszwang in den letzten 5 Jahren 640 Millionen Schweizerfranken, während die entsprechende Menge Benzin nur einen Devisenaufwand von 56 Millionen erfordert hätte. Die Mehrkosten (beim Beimischuniszwang) würden sich entweder in einer Verteuerung des Brennstoffes um mindestens 17 Rp. je Liter zu Lasten der Konsumenten auswirken oder einem Zollausfall zu Lasten des Fiskus gleichkommen-. Auch da wird das Bundeshaus am besten tun, die Erfahrungen des Aaslandes als ausserschweizerische Angelegenheit zu ignorieren und die vorstehenden Auslassungen als geistige Krisenauswirkungen zu behandeln. Desgleichen die Meinung von Herrn alt Bundesrat Musy, der in seiner Rede in der letzten Session des Nationalrates auch über das Alkoholproblem in der Schweiz gesprochen und erklärt hat, nachdem nun das erste Ziel des Alkoholgesetzes, der Rückgang des Alköholgenusses, erreicht sei, müsse das zweite Ziel darin bestehen, die Produktion zu vermindern, insbesondere die Eindämmung der unvernünftigen Destillation gewisser Produkte. Herr alt Bundesrat Musy scheint vergessen zu haben, dass der Schnaps ein Hebevoll zu hegendes und pflegendes, von der Alkoholverwaltung möglichst hoch zu bezahlendes inländisches Produkt darstellt, das uns «teuer» ist und «teuer» bleiben soll. Deshalb ist nachstehender « Eidgenössische Seufzer », der anfangs Februar im «Entlebucher Anzeiger« erschien, als abwegig und irreführend zu bezeichnen: «Es braucht viel, bis die Ursache der Defizitwirtechaft bei der Alkoholverwaltung von den Bundesvätern verstanden wird. Sogar der Herr Bundespräsident Meyer hat gejammert, es waren halt seit vier Jahren gewaltige Obsternten gewesen. Vorletztes Jahr freilich, aber letztes Jahr ist es doch vorgekommen, dass in Gemeinden bei 800 Meter fast nichts zu kaufen war und wenn etwa einer einen Haufen Mostäpfel gekauft, die Leute von allen Seiten gesprungen sind, um ihm selbe als «Lageräpfel» wegzukaufen ... Hingegen hat man bis Neujahr vielerorts in der Schweiz schöne Aepfel gemostet, um den Schnaps aus Trester und Most auf das Schuldenkonto der Alkoholverwaltung zu liefern ... Es ist eine Schande, wie zu Stadt und Land kein Dörrobst vorhanden ist und ein grosser Teil des Volkes bei «gewaltigen» Ernten keinen Apfel sieht!» Wollte man derartigen Stimmen Gehör schenken — wovor das Bundeshaus dringend gewarnt sei! — so müsste man folgende Lösung ins Auge fassen: Die Alkoholproduktion muss mit dem Bedarf in Einklang gebracht werden. Es muss weniger Alkohol produziert werden, wobei es selbstverständlich ist, dass die Einfuhr von ausländischem Alkohol auf das unentbehrliche Minimum herabgesetzt werden soll. Folgende Massnahmen sollten ergriffen werden: 1. Der Preis von Fr. 1.80 pro Liter Alkohol muss herabgesetzt werden. 2. Dem Produzenten soll als Kompensation für diesen Ausfall eine tatkräftige Förderung der Produktion von Tafelobst und Süssmost geboten werden. Gleichzeitig ist eine Aktion einzuleiten, um den Konsum von inländischem Obst zu fördern und eine etwaige Ueberproduktion zu exportieren. 3. Die Zahl der Brennereien ist zu reduzieren und zu begrenzen, da 30.000 Anlagen in der kleinen Schweiz sicherlich zu viel sind. 4. Die ganze Alkoholproduktion der Brennereien muss ausnahmslos der Alkoholverwaltung abgeliefert werden. Heute dürfen die Inhaber von rund 10.000 Brennereien ihre Produktion zu Trinkzwecken direkt destillieren, wodurch der Alkoholverwaltung die interessanteste Einnahmequelle verloren geht. 5. Unter Umständen sollten als Ersatz für die vielen kleinen Brennereien nur eine oder einige Groesbrennereien von der Alkoholverwaltung eingerichtet und betrieben werden. Die Alkoholverwalhätte es auf diese Weise in der Hand, nur so viel Alkohol zu produzieren, als für den Verbrauch notwendig ist. Diese Vorschläge wären an sich zweifellos geeignet, die Defizitwirtschaft der Alkoholverwaltung wieder zu beseitigen, aber das Bundeshaus wird gut tun, sie nicht zu befolgen, denn schon der erste Punkt lässt die eidgenössische Devise des gerechten Lastenausgleiches, der erfordert, dass die Automobilisten neben einem 300prozentigen Benzinzoll auch noch die Kosten der Sanierung der Alkoholverwaltung tragen, völlig ausser acht. Zwar hat eine thurgauische Zeitung folgendes festgestellt: «Seit Inkrafttreten des neuen Alkoholgesetzes wurden bis Ende 1935 von der Alkoholverwaltung 3000 Wagen Kernobstschnaps übernommen, IN SERTION S.PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Baum 45 Rp. GrSssere Inserate nach Spezialtarit Inserat»nschlnss i Tane vor Erscheinen der Nummern Wir berichten heute Ober: Schweiz. Winterprüfung für Automobile in Engelberg. Campbell hängt das Rekordfahren an den Nagel. Motoren, die mit Leuchtgas laufen. Motorfahrzeug-Aussenhandel. Bilder: Seite 6. die eine Ausgabe von 30.999.240 Fr. erforderten. Von diesem Geld wanderten in den Kanton Thurgau allein 8.298.229 Fr. Man staunt nachgerade über diese Zahlen, von denen im Bauernorgan allerdings nichts zu lesen ist .. Aber wer verfolgen kann, wie in den Tagen der Ablieferung des Bundesschnapses die Wägelein der Bauern an den Bahnhöfen auffahren, dem ist es begreiflich, dass die Schnapsbrennerei auch für den kleinen Bauer noch rentabel ist. Ueber acht Millionen Einnahmen aus Schnaps im Zeitlauf von drei Jahren ist allerhand und man begreift, dass die Bauernführer alles Interesse daran haben, den Uebernahmepreis für Schnaps zu halten.» Obwohl diese Zeilen bisher nicht dementiert wurden, sind sie als tendenziös ,zu betrachten, denn sie standen in der sozialdemokratischen «Thurgauer Arbeiterzeitung». Jeder Automobilist, der noch patriotisch und freundeidgenössisch veranlagt ist, wird deshalb wünschen, dass es den Mixern im Bundeshaus gelinge, unter Beseitigung der: technischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten und unter Missachtung der von geistig verwirrten Leuten als moralisch gepriesenen Lösung das alkoholisierte Benzin zustande zu bringen. Und den ausländischen Automobilisten wird man neben dem Spezialvergaser den nachfolgenden Vers, passend auf die Melodie der • Vaterlandshymne, in die Hand drücken: Kommst du ins Land der Schweiz Nimm froh als neuen Reiz Folgendes hin: Mixer im Bundeshaus Mixen — es ist ein Graus! Dir nun als Autoschmaus Sprit mit Benzin! Wenn dir auch etwas graut Ob dem, was hier man braut, Denk an das Ziel! Man hat nun seine Ruh, Ochs und Kuh brummen Muh, Selbst Laur sagt ja dazu — Und das ist viel! Es grüsst den Schweizerwein (Mischwein als Tischwein) und das alkoholisierte Benzin (für alkoholfreie Automobilisten) als dritten Eidgenossen im würdigen Bunde Asti vom Fass. F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. 9. Fortsetzung. Er schritt nach der Kajütstreppe, drehte aber nochmals den Kopf, um ein letztes Wort zu sagen. « Wissen Sie, welches der einzige Wert des Lebens ist? Den es sich selbst zulegt. Und das ist natürlich eine Ueberschätzung, eine Bewertung in eigener Sache. Nehmen Sie den Mann, den ich nach oben gehen Hess. Er klammerte sich an, als wäre er etwas überaus Wertvolles, ein Schatz, wertvoller als Diamanten und Rubinen. Für Sie? Nein. Für mich? Keineswegs. Für ihn selbst? Ja. Aber ich mache seine Schätzung nicht mit. Er überschätzt sich masslos. Es gibt unendlich viel Leben, das geboren werden möchte. Wäre er heruntergestürzt, und wäre sein Hirn wie Honig aus seiner Wabe aufs Deck getropft, die Welt würde keinen Verlust erlitten haben. Der Welt galt er nichts. Das Angebot ist zu gross. Lediglich für sich selbst besass er einen Wert. Er verliert nichts, denn mit dem Verlust seiner selbst verliert er das Bewusstsein seines Verlustes. Nicht wahr? Nun, was sagen Sie dazu? » « Dass Sie jedenfalls folgerichtig handeln », war alles, was ich sagen konnte, und dann machte ich mich wieder ans Aufwaschen. Nach drei Tagen wechselnden Windes waren wir endlich in den Nordostpassat gekommen. Trotz meines Knies hatte ich gut geschlafen, und als ich jetzt das Deck betrat, fand ich die ,Ghost' mit vollen Segeln ausser den Klüvern vor einem frischen Winde vorwärtsjagend. O dieser wunderbare, mächtige Passat! Den ganzen Tag segelten wir, die ganze Nacht, den nächsten Tag und die nächste Nacht und wieder Tag um Tag, immer vor demselben stetigen, starken Winde. Der Schoner segelte ganz von selbst. Es gab kein Heissen und Hahlen von Leinen und Schooten, kein Umlegen der Toppsegel, keine andere Arbeit für die Matrosen, als zu steuern. Nachts, wenn die Sonne untergegangen war, wurden die Segel gelockert, wenn morgens darin der Tau verdampfte, wurden sie wieder angezogen — das war alles. Johnson verbringt fast die ganze Zeit dort oder hoch oben auf den Dwarssalingen und beobachtet die ,Ghost\ wie sie das Wasser unter dem Druck ihrer Segel durchschneidet. Leidenschaft und Bewunderung leuchten aus seinen Augen, und in einer Art Verzückung | starrt er auf die schwellenden Segel, das schäumende Kielwasser und das Heben und Senken über die nassen Berge, die majestätisch unserer Bahn folgen. Eine Nacht werde ich nie vergessen. Ich hätte schlafen sollen, lag jedoch auf der Back und blickte hinab auf das geisterhafte Schaumgekräusel, das der Bug der ,Ghost' beiseiteschob. Es klang wie das Rieseln eines Bächleins über bemooste Steine in einem stillen Tal, und das leise Murmeln verzauberte mich und Hess mich vergessen, dass ich ,Hump', der Kajütsjunge, dass ich van Weyden war, der Mann, der fünfunddreissig Jahre zwischen Büchern verträumt hatte. Aber eine Stimme hinter mir rief mich in die Wirklichkeit zurück. Es war die wohlbekannte Stimme Wolf Larsens, stark wie die unüberwindliche Sicherheit des Mannes, und doch weich wie die Worte, die er sprach: 0 die Tropennacht! Sie glüht, Und das Meer von Funken sprüh Und den Himmel kühlt. Stetig zieht der Bug voran Seine sternbesäte Bahn, Wo der Wal, der heil'ge, spielt. Dein Rumpf ist zernarbt von der Sonne, mein Schiff, Deine Falle sind straff vor Tau, Denn wir brausen hinab unsern alten Weg, abseits von den andern Den langen Weg nach Süden wir wandern, Den Weg, der stets neu, ins leuchtende Blau! «Na, Hump? Wie gefällt Ihnen das?» fragte er nach einer angemessenen, durch Worte und Situation bedingten Pause. Ich sah ihm ins Gesicht. Es glühte von Licht wie das Meer selbst, und seine Augen schimmerten im Sternenschein. «Ich bin, offen gestanden, ganz erstaunt über Ihre Begeisterung », erwiderte ich kalt. « Ja, Mann, das ist das Leben! Das Leben selbst! » rief er. « Das eine billige Ware ohne Wert ist», gab ich ihm mit seinen eigenen Worten zurück. Er lachte, und es war das erstemal, dass ich eine ehrliche Lustigkeit in seiner Stimme hörte. « Sie wollen also nicht verstehen, was Leben heisst; ich kann es Ihnen nicht in den Schädel hämmern! Natürlich ist das Leben wertlos, ausser für einen selber. Und ich kann Ihnen sagen, dass mein Leben jetzt gerade recht wertvoll ist — für mich. Es ist um keinen Preis zu kaufen, was Sie sicher für masslose Ueberschätzung halten werden. Aber ich kann nichts dafür, denn es ist eben das Leben in mir, das den Wert bestimmt.» (Fortsetzung Seite 5.)