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E_1936_Zeitung_Nr.016

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Jxh UUewiewe Campbett.

Jxh UUewiewe Campbett. Von C o r i. Es war schon immer mein Wunsch gewesen, den «schnellsten Mann der Welt> kennen zu lernen. Man stellt sich schliesslich etwas vor unter einem solchen Titel, nicht? Ich kenne Stuck, Caracciola, Nuvolari, Chiron, Vairai, Leiningen, Pietsch und den Motorradfahrer, der mich damals in Zürich mit 90 km anfuhr.. . alles ziemlich «schnelle» Männer; aber Malcolm Campbell kannte ich nicht. Also Hess ich mich bei ihm melden, als ich zufällig an Piccadilly sein Büro entdeckte. Im Vorzimmer standen Modelle von seinem «Blue bird» und von seiner Yacht. Photos hingen an den Wänden, die Sir Malcolm, den schnellsten Mann der Welt, in allen Lebenslagen zeigten. Ein bisschen komisch war mir schon zumute, als ich neben dem Kaminfeuer sase und darauf wartete, dem «Meister» zu begegnen. Denn ich bin ein vollkommener Laie auf automobilistischem Gebiet. Ich fahre wohl jedes Jahr zum Klausenrennen und zum Grand Prix nach Bern, weil das so schön aufregend ist. Aber ich besitze nicht einmal den kleinsten Ford; ich weiss nicht, warum ein Auto läuft. Ich bin auch als Beifahrerin nicht beliebt, weil ich immer gerne ab und zu mal halten oder wenigstens hupen, den Richtungszeiger oder den Scheibenwischer betätigen möchte. Und nun sollte ich also Campbell interviewen! Aber er machte es mir leicht. «Ich ^erde, wie Sie schon wissen, nicht mehr rennen» sagte er gleich als Einleitung. (Ich hatte es nicht gewusst, aber ich nickte, wie zu etwas längst Bekanntem). «Denn ich habe die Geschwindigkeit erreicht, die ich erreichen wollte. Mehr will ich nicht. Rennfahren machte mir nur Spass als Pionier. Nun habe ich auf diesem Gebiet keinen Ehrgeiz mehr». Dann sprach er von seinen Expeditionen nach Nordafrika, nach der Schatzinsel im Pazifischen Ozean. Er erzählte begeistert von einer bevorstehenden Reise in die Sahara. Hartnäckig jedoch — wie Laien nun einmal sind — brachte ich das Gespräch auf Autos zurück. «Glauben Sie, dass der Geschwindigkeit Grenzen gesetzt sind?» «Nein», sagte Campbell. «Es liegt in den technischen Möglichkeiten, dass die Wagen noch immer schneller und schneller werden. Zur Zeit ist es noch eine Reifenfrage, aber auch die wird gelöst werden. Sehen Sie hier- das sind Reifen nach Gebrauch bei einer Geschwindigkeit von 180 km.» (Er zeigte mir Photos von ganz zerfetzten Reifen.) «Und das hier» fuhr er fort, auf ein anderes Bild zeigend, «sind dieselben, verbesserten Reifen einige Zeit später bei einer Geschwindigkeit von 300 km.» (Sie waren vollkommen unversehrt.) «So wird es weitergehn, ich sehe keine Grenze.» «Was halten Sie von den kontinentalen Wagen?» «Am besten kenne ich die Wagen der Auto- Union und Mercedes. Beides fabelhafte Konstruktionen, unübertreffliche Ingenieurarbeit. Ob sich Heckmotoren immer bewähren werden, kann ich leider nicht sagen.» «Und was halten Sie von den neuen Autobahnstrassen, die wir auf -dem Kontinent jetzt-bauen?» «Ich glaube, dass sie sehr dazu beitragen werden, die Geschwindigkeit auch für Tourenwagen immer mehr zu steigern.» «Wer hat auf dem Kontinent die grösste Aussicht, der «schnellste» Fahrer zu werden?» «Da haben Sie mich überfragt... Sie haben eine ganze Menge .hervorragende Fahrer drüben. Stuck, Caracciola — beides wundervolle Burschen.» Ein Schatten von Bedauern huschte über Campbells ausdrucksvolles Gesicht. «Die haben alle die besten Aussichten, und noch ein paar andere gute Fahrer auch. — Man muss eben Platz machen, es haben viele ein Anrecht auf Leißtungskampf.» Dann hätte ich Campbell noch nach dem mntmasslichen Idealgewicht für Rennwagen und nach seiner Ansicht über die Rennformel fragen sollen. Aber ich konnte mich nicht noch weiter hinaus auf das automobilistische Glatteis wagen. Hatte Sir Malcolm bis jetzt nicht gemerkt, dass ich amotorisch und ein Autosäugling war, so wollte ich mich nicht ausgerechnet in der letzten Runde noch verraten.. • Grosser Winterpreis von Schweden. Am einer 47 km langen Rundstreoke in Rämshittan wurde am Sonntag vor 50,000 Zuschauern der Grosse Winterpreis von Schweden für Automobile ausgefahren. Die Veranstaltung war reich an Zwischenfällen. Im Rennen der Gebrauchswagen gab es eine Kollision zwischen den 6 an der Spitze liegenden Wagen, darunter die ganze deutsche Adler-Equipe. Die meisten Fahrer kamen mit dem Schrecken davon, einzig der Norweger Grönneberg erlitt leichtere Verletzungen. Im Hauptrennen wurde in der dritten Runde der Schwede Westerblom mit seinem Amilcar aus der Bahn getragen. Die Maschine kam zwar interessanterweise wieder auf die Räder zu stehen, konnte aber die Fahrt nicht mehr fortsetzen. Die Ergebnisse der Rennen waren folgende : Gebrauchswagen (282 km): 1. Olsen (Schweden) auf Ford 3:11:19 (Stundenmittel 88 km). Rennwagen (376 km) : 1. Björnstad (Schweden) auf Alfa Romeo'3:46:00 (Stundenmittel 99 km); 2. Ebb (Finnland) auf Mercedes 3:51:52; 3. Johannsson (Schweden) auf Bugatti 3:57:42. Für den Grossen Preis von Pau. der nächsten Sonntag zur Durchführung gelangt, haben sich ausser den bereits bekanntgegebenen Fahrern noch Mlle Helle Nice auf Alfa Romeo und der Engländer Charles E. C. Martin, ebenfalls auf Alfa Romeo einschreiben lassen. Ferner nimmt Marcel Lehoux, der ursprünglich für die diesjährigen Rennen als Offizieller von E.R.A. gemeldet war, auf einem Bugatti 2,3-Liter-Wagen am Rennen teil. Italiens Automobilmeister. Der Automobil-Club von Italien hat folgende Meisterfahrer für das Jahr :i 1935 proklamiert: ÄUTOMOBIE-REVUE DIENSTAG, 25. FEBRUAR 1936 — N° 16 Uebersichtsplan zur internationalen Sternfahrt zum Genfer Salon, von welcher wir eines Reglementtauszug in der letzten Nummer veröffentlich haben. Absoluter Meister: Tazio Nuvolari; Markenmeister: Alfa Romeo; Kategorienmeister. 1100 ccm: Tuffanelli; 1500 ccm: Bianco; 3000 ccm: Brivio; über 3000 ccm: Nuvolari; Amateurfahrer: Renato Danese; Markenmeisterschaft der Sportwagenklasee: Alfa Romeo. VIII. Grosser Preis von Monaco. Dem soeben erschienenen Reglement zum 8. Grossen Preis von Monaco, der vom Automobil- Club von Monaco in Verbindung mit dem International Sporting-CHub und der Zeitung « Auto» organisiert .wird, entnehmen wir, dass er am Ostermontag, den 13. April, auf der 3 km 180 langen Rundstrecke von Monaco zum Austrag kommt. Das Rennen geht über 100 Runden. Zulassung finden nur Rennwagen, die nach der gegenwärtig geltenden Rennformel gebaut wurden: Höchstgewicht (ohne Wasser, Oel und Reifen) 750 kg. Am Ostersonntag findet die Wagenabnahme statt. Vor dem Start zum Grossen Preis nehmen die Wagen ca. 100 Meter vor der Startlinie Aufstellung mit angeworfenen Motoren. Beim Senken der Fahne brausen die Konkurrenten los. Die Zeitmessung tritt in Funktion, sobald der erste Wagen über die Startlinie gefahren ist. (Für die Aufstellung am Start ist übrigens die gemachte Trainingszeit massgebend.) Nach der Ankunft des Siegers wird das Rennen abgebrochen. Was das Klassement anbetrifft, so erhalten die bestrangierten Fahrer folgende Preise: 1. Pokal des Prinzen von Monaco und 100,000 fr. Fr. in bar; 2. 40,000 fr. Fr. in bar; 3. 20,000 fr. Fr. in bar; 4. 10,000 fr. Fr. in bar. Ausserdem wird jenem Fahrer, der nach je 10 Runden an der Spitze des Klassements liegt, ein Speziaipreis von 1000 fr. Fr. in bar zugesprochen. Der Konkurrent, welcher die schnellste Runde dreht, erhält weitere 3000 fr. Fr. Die Trainingszeiten sind provisorisch für den 9. und 10. April, 6.45 bis 7.45 Uhr morgens, und für den 11. April. 14—15 Uhr nachmittags, festgesetzt. Anmeldungen sind bis zum 12. März, 18 Uhr, an den Automobil-Club von Monaco, 45, Rue Grimaldi, Monaco, zu richten. Trossi am Grossen Preis von Monaco. Am Grossen Preis von Monaco wird Conte Carlo Trossi auf seiner Spezialkonstruktion mit Sternmotor starten. Bekanntlich hätte dieser Wagen schon am letztjährigen Grossen Preis von Italien sein Debüt machen sollen. Da er während de« Trainings jedoch nicht befriedigte, liese eein Besitzer forfait erklären. Taruffi auf Auto-Union? Anfang letzte Woche ist Piero Taruffi in Monza eingetroffen, wo er vom Rennleiter der Auto-Union, die immer noch Probefahrten absolviert, eingeladen wurde, einige Runden zu drehen, welche zu aller Zufriedenheit ausgefallen sein sollen. Die italienische Fachpresse sieht hierin die Möglichkeit, dass Taruffi mit der Zschopauer Firma in nähere Verbindung tritt, welche die Aufnahme Taruffis in die Mannschaft von Auto-Union zur Folge haben könnten. Eine Möglichkeit, von der wir hier mit allem Vorbehalt Notiz nehmen. Fabrikneue Occasions- Wanen sehr vorteilhaft abzugeben: SINGER-Sport, 2 PL, 4 Zyl., 5 Steuer-PS. SINGER-Lieferungswagen, Kastenwagen, 4 Zyl., 5 PS. 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N° 16 — DIENSTAG, 25. FEBRUAR 1936 AUTOMOBIL-REVUE F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. Er schien nach Worten zu suchen, um seine Gedanken auszudrücken, und fuhr dann fort: « Wissen Sie, ich bin seltsam gehoben. Die ganze Zeit fühle ich einen Widerhall in mir, als wäre alle Macht der Welt mein. Ich erkenfle die Wahrheit, ich kann göttlich Gutes von Bösem, Recht von Unrecht unterscheiden. Ich sehe weit und klar. Fast könnte ich an Gott glauben. Aber — und seine Stimme veränderte sich, und das Licht erlosch auf seinem Antlitz — was ist das für ein Zustand, in dem ich mich befinde? Diese Lebensfreude? Dieser Triumph des Lebens? Diese Inspiration, wie ich es wohl nennen darf? Das ist etwas, das kommt, wenn die Verdauung nicht gestört, wenn der Magen in Ordnung, der Appetit gut ist und der ganze Organismus richtig funktioniert. Es ist eine Bestechung des Lebens, Champagner des Blutes, das Aufwallen des Ferments — manchen gibt es heilige Gedanken ein, andere lässt es Gott sehen oder, wenn sie ihn nicht sehen, ihn erschaffen. Das ist alles — der Rausch des Lebens, das Aufbrausen des Gärstoffes, das Murmeln des Lebens, das trunken ist von dem Bewusstsein, zu leben. Und — pah! Morgen muss ich dafür zahlen, wie der Säufer zahlen muss. Morgen weiss ich, dass ich sterben muss, höchstwahrscheinlich auf dem Meere, dass ich nicht mehr selbsttätig kriechen, dass ich mich nur noch in Fäulnis bewegen werde mit den Bewegungen der See, dass ich gefressen werde, um alle Kraft und Beweglichkeit meiner Muskeln zu verwandeln in die Kraft und Beweglichkeit von Flossen, Schuppen und Eingeweiden der Fische. Pah! Schon ist der Champagner schäl geworden. Das Funkeln und Prickeln ist vorbei, und es ist ein fades Gesöff.» Er verHess mich ebenso plötzlich, wie er gekommen, lautlos, mit der Wucht und'Leichtigkeit eines Tigers. Die .Ghost' pflügte sich ihren Weg. Das Gurgeln am Bug tönte wie Schnarchen, und als ich darauf lauschte, da verliess mich allmählich der Eindruck, den Wolf Larsens rascher Wechsel von hoher Begeisterung zu tiefer Verzweiflung auf mich gemacht hatte. Dann erklang mittschiffs der kräftige Tenor eines Matrosen, der das ,Lied des Passats' sang: Ich bin der Wind, den der Seemann liebt — Ich bin die Stärke und Treue, Er folgt meiner Spur in den Wolken hoch, Ueber die unergründliche Bläue. Durch Licht und Dunkelheit folg' ich der Spur Des Schiffes wie ein Hund, Morgens und mittags und mitternachts Blas' ich die Segel ihm rund. Manchmal glaube ich, dass Wolf Larsen verrückt oder doch wenigstens nicht ganz richtig ist wegen seiner seltsamen Launen und Grillen. Dann wieder halte ich ihn für einen grossen Menschen, für ein Genie, das sein Ziel verfehlt hat. Und schliesslich bin ich überzeugt, dass er der Urtyp des primitiven Menschen ist, Jahrtausende zu spät geboren, ein Anachronismus in diesem Kulminationszeitalter der Zivilisation. Sicherlich ist er ein ausgesprochener Individualist. Und dazu ist er sehr einsam. Seine gewaltige Männlichkeit und Geisteskraft verleihen ihm eine Sonderstellung. Es besteht keine geistige Gemeinschaft zwischen ihm und den anderen Männern an Bord. Sie erscheinen ihm wie Kinder, selbst die Jäger, und wie Kinder behandelt er sie, lässt sich zu ihnen herab und spielt mit ihnen wie mit jungen Hunden. Sonst aber behandelt er sie mit der Grausamkeit eines Vivisektors, er wühlt in ihren geistigen Prozessen und prüft ihre Seelen, als wollte er sehen, aus welchem Stoff sie gemacht seien. Dutzende von Malen habe ich gesehen, wie er bei Tisch diesen oder jenen Jäger mit kühlen, wachen Augen und vor allem mit einer gewissen Neugier beleidigte und dann seine Entgegnungen und seine kleinlichen Wutausbrüche mit einem Interesse beobachtete, das mir, dem verstehenden Zuschauer, beinahe lächerlich erschien. Ich bin überzeugt, dass seine eigenen Wutausbrüche nicht echt sind. Zuweilen mögen es Experimente sein, hauptsächlich aber eine Pose, die er einmal den Menschen gegenüber eingenommen und sich dann angewöhnt hat Ich weiss, dass ich ihn — vielleicht mit Ausnahme des Zwischenfalls mit dem toten Steuermann — nie wirklich zornig gesehen habe. Ich hege aber auch nicht den Wunsch, ihn in wahrer Wut zu sehen, wenn alle seine Kräfte zur Entfaltung gelangen müssen. Um einen seiner Einfälle zu zeigen, will ich erzählen, was Thomas Mugridge in der Kajüte zustiess. Ich vervollständige damit gleichzeitig den Bericht über die Angelegenheit, die ich schon zweimal berührt habe. Eines Tages, gleich nach dem Essen, als ich eben mit dem Aufwaschen fertig war, kamen Wolf Larsen und Thomas Mugridge die Treppe hinunter. Sonst wagte sich der Koch nicht in die Kajüte. War er dazu gezwungen, um zu seiner Koje zu .gelangen, so flitzte er wie ein furchtsames Gespenst hindurch. «So, du kannst «Nap» spielen!» sagte Wolf Larsen vergnügt. «Ich hätte mir denken können, dass ein Engländer das Spiel kennt. Ich hab' es selbst auf englischen Schiffen gelernt» Thomas Mugridge war ausser sich vor Freude, dass er sich an einen Tisch mit dem Kapitän setzen durfte. Sein Dünkel und seine peinlichen Anstrengungen, sich die ungezwungene Haltung eines Mannes zu geben, der von Geburt für einen würdigen Platz im Leben ausersehen ist, würden ekelerregend gewesen sein, hätten sie nicht so lächerlich gewirkt. Meine Gegenwart ignorierte er völlig, wobei ich ihm jedoch zugute halten will, dass er einfach nicht imstande war, mich zu sehen. Seine blassen, wässerigen Augen schwammen in Verzückung, wenn mir auch unerfindlich war, was für selige Visionen er haben mochte. «Hol' die Karten, Hump», befahl Wolf Lar- { sen, als sie am Tische Platz nahmen. «Und bring' Zigarren und Whisky aus meiner Koje.» Sie spielten um Geld. Sie erhöhten die Einsätze. Sie tranken Whisky, leerten die Gläser, und ich holte mehr. Ich weiss nicht, ob Wolf Larsen betrog oder nicht — er wäre sicher fähig dazu gewesen —, aber jedenfalls gewann er andauernd. Der Koch machte wiederholt einen Abstecher nach seiner Koje, um Geld zu holen. Jedesmal schwankte er mehr, brachte aber immer nur einige wenige Dollar auf einmal. Er wurde sentimental, vertraulich, konnte kaum noch die Karten sehen und aufrecht sitzen. Als er den nächsten Ausflug nach seiner Koje antrat, hakte er Wolf Larsen seinen fettigen Zeigefinger ins Knopfloch und wiederholte mehrmals ausdrucklos: «Ich kriege Geld, ich kriege Geld, sag' ich Ihnen. Ich bin der Sohn eines feinen Herrn.» Schliesslich setzte der Koch unter der Beteuerung, er könne verlieren wie ein Gentleman, sein letztes Geld und verlor. Worauf er den Kopf auf die Hände sinken Hess und weinte. Wolf Larsen betrachtete ihn neugierig, als dächte er daran, ihn zu vivisezieren, änderte jedoch seine Absicht, nachdem er zu der Erkenntnis gekommen, dass eine Untersuchung hier ergebnislos bleiben müsse. «Hump», sagte er mit vollendeter Höflichkeit zu mir, «wollen Sie die Freundlichkeit haben, Herrn Mugridges Arm zu nehmen und ihm an Deck zu helfen. Er fühlt sich nicht ganz wohl. — Und sagen Sie Johansen, dass er ihn mit ein paar Pützen Seewasser duschen soll», fügte er leise hinzu, so dass nur ich es hören konnte. Ich überliess Herrn Mugridge an Deck den Händen einiger grinsender Matrosen, die Johansen zu diesem Zwecke gerufen hatte. Herr Mugridge faselte immer noch davon, dass er der Sohn eines vornehmen Herrn sei. Als ich jedoch die Kajütentreppe hinabstieg, um den Tisch abzuräumen, hörte ich ihn kreischen; der erste Guss hatte ihn getroffen. Wolf Larsen zählte seinen Gewinn. «Genau hundertfünfundachtzig Dollar!» sagte er laut. «Gerade wie ich mir dachte. Der Lump kam ohne einen Cent an Bord.» «Und Ihr Gewinn gehört mir, Kapitän>, sagte ich beherzt. Er beehrte mich mit einem spöttischen Lächeln. «Ich habe mich seinerzeit ein wenig mit Grammatik beschäftigt, Hump, und ich glaube, Sie bringen die Zeiten durcheinander. ,Hat mir gehört', hätten Sie sagen sollen.» «Hier ist nicht die Rede von Grammatik, sondern von Ethik», erwiderte ich. Er Hess eine Weile verstreichen, ehe er sprach. «Wissen Sie Hump», sagte er bedächtig und mit einem rätselhaften Klang von Traurigkeit in der Stimme, «wissen Sie, dass dies das erstemal ist, dass ich auf diesem Schiff das Wort Ethik aus dem Munde eines Mannes höre. Und Sie und ich sind die einzigen an Bord, die die Bedeutung dieses Wortes kennen. — Es gab eine Zeit in meinem Leben», fuhr er nach einer Pause fort, «da ich davon träumte, mit Männern sprechen zu dürfen, die eine solche Sprache redeten, mich aus der Lebensstellung, in der ich geboren, emporzuheben und Umgang zu pflegen mit Menschen, die über Dinge wie Ethik sprachen. Es ist das erstemal, dass ich dies Wort aussprechen höre. — Aber das nur nebenbei! Sie haben unrecht. Dies hat weder etwas mit Grammatik noch mit Ethik zu tun, es handelt sich einfach um eine Tatsache.» «Ich verstehe», sagte ich. «Um die Tatsache, dass sie jetzt das Geld haben.» Seine Züge erhellten sich. Meine schnelle Auffassung schien ihm zu gefallen. «Aber wir umgehen die eigentliche Frage,» fuhr ich fort, «die des Rechtes.» Ausserordentliche GELEGENHEIT! 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Leinen Fr. 9.75 Der Verfasser erklärt In dieser geopolitischen — also vom Denken aus Volk und Raum ausgehenden — Untersuchung den unerhörten Qestaltwandel, den die Vereinigten Staaten von Nordamerika durchmachen. Der amerikanische Landwirtschaftsminister H. A. Wal- I a c e hat gesagt, die ungehinderte Selbstsucht der Pionierzeit sei verderblich gewesen, und U. S. A. stehe heute vor derselben Situation Wie Europa vor 300 Jahren; Amerika habe seine Kinder zu Unrecht In dem Glauben erzogen es sei.noch immer ein Plonterland, in dem der „rauhe Individualismus" zum Erfolg führt, vielmehr mussten- neu«* • Grenzen gezogen -werden — geistige Grenzen man müsse umdenken. Hieran knüpft der Verfasser In einer da« Thema'klar entwickelnden Weise an und zeigt uns die räumlichen, völkischen und seelischen Grundlagen dieser Riesennation mit nahezu 130 Millionen Menschen, die Völlig .umlernen müssen, wenn sie nicht irh Chaos versinken wollen. Unter Präsident Roosev«! ti kraftvoller FQhrunc er- füllt u. S. A. sein Schicksal. Wer nach Roosevelt kommt, Ist heute nicht mehr wichtig. Die Entscheidung Ist gefallen. Zu Hoover und dessen „rugged indlviduallsm" führt kein Weg mehr zurück. Der „New Deal' mit seinen früher undenkbaren Staatseingriffen ist in seiner Grundform nicht mehr rückgängig zu machen. Die Nira Ist verfassungswidrig, aber sie lebt — die Verfassung muss sich dem Leben beugen. U. S. A. lernt um, lernt gründlich uml Ein grandioses Schauspiel entrollt sich vor unserm geistigen Auge. In allen grossern Buchhandlungen erhaltlich, wo nicht, beim Wilhelm Goldmann-Verlag, Bern f Viktoriarain 16 Wegen Abreise zu verkaufen Chrysler 8-Zyl.-Cabriolet 2/4-Plätzer, in prima Zustand, aus Privathaud, Jahrgang 1933/34, ist sehr günstig abzugeben. Eilofferten unter Chiffre 70889 an die Automobil-Revue, Bern. Zu verkaufen Berna-Lastwagen-Kipper tadellos erhalten und fahrbereit, 6 T. Nutzlast, 4 Zyl., Benzinmotor, Pneus 40X8, ist mit dauerndem Arbeitsvertrag sofort günstig abzugeben. 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