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E_1936_Zeitung_Nr.019

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12 19 (Zu unserer

12 19 (Zu unserer Bilderseite) Eine Photoreportage von Eduard Penkala Zu jenen Autofahrern, die immer nur das eine Ziel haben, eine bestimmte Strecke mit einer Höchstgeschwindigkeit zurückzulegen, gehöre ich nicht. Zweifellos ist es schön, so schnell dahinzuflitzen, doch noch schöner ist es, ganz langsam vom Hauptverkehrsweg nach links oder rechts in Flur und Wiese abzubiegen oder im Schrittempo einem Waldrand entlang zu fahren, um die Natur zu sehen und zu beobachten. Das Auto ist Mittel zum Zweck und nicht mehr Selbstzweck. Ja, ich weiss, so mancher schnittige Wagen wird in seinem Inneren grollen, wenn man ihm zumutet, in Verstecke und einsame, womöglich wegelose Gegenden zu fahren. Auf meinen zahlreichen Fahrten kreuz und quer durch Europa habe ich die Tierwelt nie vernachlässigt und so manche schöne Aufnahme mit nach Hause gebracht. Es kostete oft grosse Geduld und viel Beharrlichkeit. Die Tiere sind misstrauisch, das Arbeiten des Motors beunruhigt die Vögel und die augenartigen Scheinwerfer versetzen sie in Schrecken. Mit Futter und Geduld kann man jedoch auch im Walde «Vertrauen» einflössen. Wiederholt knüpfte ich Freundschaften mit Eichhörnchen an, und ein Eichhörnchenpaar in Thüringen wurde so zutraulich, dass ich mit ihm Versteck spielen konnte. In anderen Gegenden lag ich oft stundenlang auf dem Trittbrett des Autos und lauerte vergeblich auf eine Aufnahme. Besonders misstrauisch erschienen mir immer die Elstern, die besonders in Südfrankreich immer wieder den Weg des Fahrenden kreuzen. Das eindruckvollste Erlebnis hatte ich in Siebenbürgen. Nachdem ich mehrere Stunden geschlafen hatte, drehte ich meine Scheinwerfer auf und verscheuchte einen gewaltigen Uhu, der auf der Motorhaube Rast gemacht hatte. Allmählich kommt man dahinter, dass man gewisse Tiere und Vögel zum (Auto locken kann, dass aber andere Begegnungen reine Zufälle sind, die man kaum ein zweites Mal erlebt. So überraschte ich einmal einen grossen Specht, nach einer grossen Fusstour, der mit Wucht und Interesse an der Karosserie des verschlossenen Wagens herumhämmerte. Die geringste unvorsichtige Bewegung zerstört aber so manche Freundschaft, das plötzliche Knakken des Auslösers am Photoapparat, das Wanken des Wagens, ein Blitz — für immer. Dann kann man sich nur noch an das Steuer setzen und das Revier verlassen, um in einer anderen Gegend von neuem sein Glück zu versuchen. In der «Münchner Neuesten» erzählt ein Forscher: Auf dem Balkon vor meiner Arbeitsstube herrscht den ganzen Tag über lebhaftes ITtft ai fr. M.M Tiere und Menschen Tiere besuchen mein Auto Der Falke geben Sie sichambesten Rendei-vous im günstig gelegenen Boltigen. Wir führen Ia. Küche und Keller; frische Forellen, Bauernschinken sind stets zu haben; die kleinen und grossen Lokalitäten sind heimelig, der Pensionspreis ab Fr. 7.—. Garage, Reparatur-Werkstätte. Tel. 5S1. L. Rieder-Hirschi. Bes. TCS. ACS. ist der Wintersport in Grindelwald. Durch die Wengernalpbahn lässt man sich mühelos — und billig — nach der Höhe führen, um dann um so besser die Freuden der Abfahrt gemessen zu können. Und die Unterkunft bei uns bietet alles, was das ferienhungerige Herz sich wünschen mag. haben wir zum erstenmal Wintersportgiste empfangen; wahrend einem Vierteljahrhundert haben diese unserm Gebiete • unserm Hause Weltruf verschafft Ist Ihnen diese Tatsache nicht Bürgschaft, dass auch Sie sich bei uns wohl fühlen werden? Skischule Fr. 15.* per Woche. Kommen und Gehen. Meisen und Kleiber, Buchfinken und Grünfinken besuchen die Futterstelle fleissig und das Heer der Spatzen sitzt begehrlich rings herum und nascht die Körner, die auf den Boden fallen. Mitten in diese Idylle, die ich hinter dem Vorhang oft und oft verfolge und beobachte und die mir viel Freude bringt, fällt ein huschender Schatten, der ein jähes Auseinanderstieben der Vogelschar zur Folge hat und ein ängstliches Rufen: Wie ein Blitz aus heiterem Himmel ist ein Falke herabgestossen und hat sich unter der Vogelgesellschaft leichte Beute in Gestalt eines Sperlings geholt. Und ebenso schnell wie der Falke, den ich kaum zu sehen bekommen habe — so rasch hat sich der ganze Vorgang abgespielt — gekommen war ebenso schnell war er mit seiner Beute wieder verschwunden. Wahrscheinlich wird er sie auf einer grossen Fichte der Nachbargärten in aller Ruhe kröpfen. Der Ueberfall des fluggewandten Gesellen, der jezt in der freien Natur draussen, wenig Beute machen kann und sich deshalb, seine natürliche Scheu ablegend, bis mitten in die menschlichen Siedlungen hineinwagt, ging so rasend schnell vonstatten, dass ich nicht einmal die Artzugehörigkeit des Vogels genau feststellen konnte. Ein merkwürdiger Fall kam laut «Neue Freie Presse» im Wiener Jugendgericht zur Behandlung: eine kleine Zigeunerin, die ihre Röcke als Hühnerfalle benützte, .stand vor dem Richter» Rosita, ein 14jähriges hübsches Zigeunermädchen, mit den grossen, goldenen Ringen in den Ohren, hat auf folgende Weise Hühner gefangen: sie lockte das Federvieh schmeichlerisch heran, und als es aus ihrer Hand zu fressen begann, tat Rosita einen Sprung und sass auf dem Huhn. Unter den Röcken war die Henne rettunglos gefangen, Rosita wurde bei einem ähnlichen Manöver beobachtet. Man sah noch, wie sie schnell im Zigeunerdorf verschwand. Also, was war's mit dem Huhn? fragt der Jugendrichter streng. — Rosita: Ich wollte in einem Haus Heu kaufen, es war niemand da, ZUNFTIG 1TERPFIECT UND Im Sixnmental Hotel Simmenthai, Boltigen Eine lustige Auf- und Ab-Partie Hotel Belv6dere, Grindelwald Vor fünfundzwanzig Jahren Sporthotel Saanenmöser und wie ich dann weg war, hat man mich angehalten und man hat gesagt, dass ich das Hendl hab. Leider hab ich es nicht gehabt. — Richter: Leider? (Heiterkeit.) Das Hendl war unter deinen Röcken verborgen. Du hast dich sogar unterwegs niedersetzen müssen, weil sich die Henne gegen das Zusammensein mit dir gesträubt hat. (Heiterkeit.) — Rosita (heftig): Das ist nicht wahr! — Richter: Deine Kleider haben sich bewegt, obwohl es vollkommen windstill war. Es war eben etwas Lebendes darunter, — Rosita: Nein! Nein! — Richter: Die Henne wurde nicht mehr gefunden. — Rosita: Es waren mehrere Zigeuner dort! — Richter: Das glaube ich. Darum war die Henne so schnell verschwunden! (Heiterkeit.) — Rosita: Und doch habe ich keine Henne gestohlen! — Richter: Doch! Etwas Verräterisches fand man in deinen Kleidern! Hühner federn! Rosita: Ah, das waren nur Bettfedern! (Beteuernd.) Aber nur eine einzige Feder!... Wirklich! — Richter: Ich muss dich halt freisprechen, da ein sicherer Beweis gegen dich nicht vorliegt. Jetzt kannst du gehen! — «Danke!» sagt Rosita einfach und lächelt ihren Stammesgenossen, die im Auditorium sitzen, zu. Der Eiertrick Dieser Tage war die ganze Bevölkerung einer dänischen Provinzstadt in Aufregung geraten. Ein Fremder war nämlich durch die Eiergeschäfte des Städtchens gegangen und hatte an die Besitzerinnen die Frage gerichtet, ob sie denn wüssten, dass sich'in den von ihnen zum Verkauf Die kleine, schlanke Gestalt verrät mir nur, angebotenen Eiern Zweikronenstücke befänden. dass es sich um einen Falken handelt, der Und um seine Behauptung zu beweisen, schlug braune Schein, den ich zu sehen glaubte, lässt er mehrere Eier hintereinander auf. Au» jedem Ei mich vermuten, dass es sich um einen Turmfalken handelt, der wohl im Turm des nahen seltsame Fremde bezahlte die Eier und ging zum kam ein Zweikronenstück zum Vorschein. Der Schlosses oder der Kirche hausen mag. Jäh ist nächsten Geschäft, wo,,sich die gleiche «Erscheinung» wiederholte. Und erst, als das Städtchen das Vogelgetriebe an meiner, Futterstelle unterbrochen, die Vogelgäste sind erschreckt nach genügend aufgerüttelt und aufgeregt war, lüftete er allen Seiten auseinandergestoben und kehren das Geheimnis. erst allmählich wieder an die Stelle zurück. Er war ein Zauberkünstler des zu einer Vorstellung in dem Ort eingetroffenen Zirkusunternehmens. Der «Eiertrick» hatte stärkste werbende Wirkung. Denn das ganze Städtchen sass andern Tags Hühnerfang mit Weiberröcken im Zirkus und feierte den Zauberkünstler. Di«* \nekdoie Tanz hier und dort. Als der Marschall Mac Mahon Präsident der Französischen Republik war, empfing er 1878 den Schah von Persien. Im Elysee wurde ein Mahl gegeben, dem ein Ball folgte. «Eure Majestät sehen hier vor sich die Frauen und jungen Mädchen der französischen Aristokratie », sagte M«c Mahon. «Ihr müsst aber ein armes Volk sein, wenn Ihr selber tanzt. Wir zahlen uns unsere Tänzerinnen », antwortete der Schah. was ist ein Pelz? Ein Fell, das das Tier gewechselt hat. (Alphonse Allais.) Julier im Winter geöffnet. Hotel Post, Silvaplana Wenn Sie in das Engadin fahren, dann steigen Sie zu Ihrem eigenen Vorteil in unserm altbekannten, vorzüglich geführten Haus ab. Es ist sehr günstig am Fusse des Julierpasses gelegen j die Pension erhalten Sie von Fr. 11.-an, Zimmer von Fr. 4.- an. Garage und Bozen sind vorhanden. TeL 40.63. ACS., TCS. Wenn das Toggenburg Sie lockt, dann steigen Sie vorteilhaft bei uns ab. Seit langer Zeit ist unser Haus - direkt an der Durchgangsstrasse über den Ricken gelegen - für fachmännisch geführte Küche und freundliche Räume bekannt Zimmer von Fr. 2.- an. Garage. TeL Nr. 71.134. A. Lacher, Küchenchef. Bad und Gasthof zur Linde, Wattwil Die Administration der Automobil-Revue hält Prospekte aller dieser Hotels zu Ihrer Verfügung DANN ERST WIRD RICHTIG Ü0111 5PÖRT PROFITIERT! Wir garagieren preiswert und halten einen flotten Service zur Verfügung I Das Kapriolett V fllttlB Vl^r der sonnigst« Winterplatz in Gran* bünden, ist mit dem Auto jederzeit leicht erreichbar. Abwechslnngsrei» chesübungsgeltnde. Grosse Auswahl an Skitouren. Eisfeld, Schiittelbahnen, ein weite« Netz gebahnter Spazierwege. für Korridor Wohnzimmer Esszimmer Ein Hindernis 6 GUMMI Fr. 2.50 Bist! Quilität. Sicherster Schutz. Diskreter Versand. Zeichnung BOM Kommende Ereignisse März l.Märi—1. Aprfl DATO* ZI. Davoier Fruhjahn-Skimaaaag 7. Lenierheide Staffettenlauf vom Cnp U Palt zum Stizerhorn ' 7. n. 12. Oanf Kunstphotographische Sehe* (Raformaäons-Saal) t. JU4*nM« n. Grosser Gotthard-Stafetteolaar (Stella-Wanderpreis) I. Grladelwall einbrennen des Skiclub« GrindeV wald 8. Gates* Sennen det Sldelubs Gstaad 8. Klester* Grflmpelreniwn des SHcIiba Klosters 8. Lenierheide Eishockey-Turnier 8. . Montana-Vermala Eishockey-Match 8. Protteln Schweiz. QuerfeldeinmeisleneB. t. ' Oberikerg Clubtour nach Grossbiet-Hsem 8. , 03. C. Oberiberg) 8.' Gastrisch (Bern) 9. Gantrisch-Stafettenlauf; Spnatf konkurrenz auf der Soliulschanze 8. Hffl-Xaltbaa Dossenabfahrt des Ski-Clubs Xigi 8. Waldkatts-Fllms Gletseherabfahrtsrennen (tkO 8. Pentrestaa DiaTolezza-Abfahrtsrennen «•* Isla-Persa-Rennen 10. Basel Srmphoniekonzert. Leitung: Fraan Ton Hoesslin. Solist: Walter Frey, Klarier. 12. Jbaaa SUrennen für Gaste HonilHWw 13. Oe*f Konzert der Gesellschaft (tr geistliche Musik und c Orcheetre romand ». Leitung: Otto Barblast: Messe Ton J.-S. Bach (St. Peter- Kathedrale) 8. Oriaaelwml* Grindelwald SHstaBel-Derky 18. MentaacVerrula Skirennen am Mt. Lachens 18. Unterwasser Kaserruck-Abtahrtsrennea'dK 18. KeiaUtel Konzert der «Soriete Cherale»! Messe von Mozart 16. Davon Ski-Abfahrtsrennen(ParsenaCsm«) 18. trasjata Fussballwettspiel Schweiz/Lmxeau burg 18. Flums Clubmeistersch. S. C. Spitzmeilen 15. Eagelberg Jochpass-Abfahrtslauf 18. Gstaad Skichilbi 15. Lenzerfeeide Skichilbi S. C. L. 18. Schul«-Tara»p m.«SS» hochalpines Abfahrts" rennen 3100 auf 1800 m Sesvenna" Scarl 18. Urnisch Xr&zerli-Abfahrtsrennen «na Slalom 18. Wangen Klubrennen des S. C. Wengan Ankunft erteilt du Verkehrsbureau Fun« Prunk - Kommoden A. Berberich, ££."£ Zürich 8 beim Stadttheater Postfach 13, Ricfiterswil. Privat- Detektiv büro «ARGUS» gegr. 1890, Zürich, Goethesfrasse 12, Teleph. 44.195, besorgt überall Auskünfte, Beobachtungen, Nachforschungen etc.

No 19 - Hans Reimann: Durch die syrische Wüste in Berlin Bescheid wusste, und mit ihr Kaffee getrunken. Gegen 3 Uhr nachts war unsere Munter- Hans Reimann beschreibt in seinem-Buch «Motorbummel durch den Orient», auf das •/ keit auf dem Höhepunkt angelangt. Eine armselige wir in No. 17 schon hinjtewieseä; haben. % tStunde Schlaf hätte sich kaum gelohnt. auch eine Fahrt von Bagdad durch die ,sy-'; Die Abfährt verzögerte sich selbstverständlich. Tische Wüste nach Damaskus. Ueber 800 km' Meine Uhr zeigte zehn Minuten nach 6 Uhr. Wir ist diese Fahrt lang; nur eine' «Piste» 'steht empfingen die letzte Ermahnung: immer dicht hinter dem Wagen Nathaniels zu bleiben. Dann ging zur Verfügung. Einzelfahrten sind verboten. Die Behörden gestatten die Abfahrt von Damaskus oder Bagdad nur dann, wenn sich es los. Im stärksten Tempo. Der Araber vor uns der Automobilist einem Convoi anschliesst. Hiefür ist ein gewisser Betrag an den Besitzer des Lastwagens oder Omnibusses zu entrichten, der seinerseits die Verpflichtung in der Sahara gibt es eigene die allein zur Mitnahme anderer Wagen befugt sind. Uebrigens kann man auch besonders geschulte Chauffeure für die Wüstenfahrt aufnehmen. — Schuld an dem ganzen Mallöhr -war ein Empfehlungsschreiben, das ich in der Tasche hatte: an Sir Humphries, den High Commissionner des Irak. Sir Humphries war auf Urlaub in London; ich musste mich an den Major Fisher wenden, der die Kontrolle über alle von Bagdad durch" die Wüste rollenden Autos liat. Er ist Chef der Feuerwehr und lässt sich's nicht nehmen, hei jedem Brand anwesend zu sein. Ein entzückender Mann, ein Freund der Deutschen. • Er sass in seinem Büro, machte Konversation mit mir und überlegte, was zu tun sei. Fest stand, dass ich mich einem Konvoi anzuschliessen habe und nicht auf eigene Faust die 870 km bis Damaskus fahren dürfe. Major Fisher überlegte hin und her, erledigte mehrere Telephonate, bewirtete mich mit dem würzigsten Kaffee, den ich je im Orient kredenzt erhielt, und bestellte schliesslich Herrn Chaim Nathaniel, den Inhaber eines Autountemehmens. Chaim Nathaniel erschien, und das Ergebnis einer durch Höflichkeiten übertünchten Debatte von äusserstei- Gereiztheit war, dass ich Herrn Nathaniel anderthalb englische Pfund für den Anschluss an einen seiner morgen startenden Wagen zu zahlen hatte. Schuld an dem ganzen Malheur war ein Empfehlungsschreiben an Sir Humphries. Denn nicht und dadurch von vornherein Herrn Nathaniel erbitterte, prüfte- er meinen nicht für die Wüste gebauten Ford in..fehr grosszügiger Weise und liess ihn als in jeder Beziehung tauglich passieren. ! Die Fahrt von Bagdad nach, Damaskus (per Autobus) ist nicht billig. 1Q17 wurden 35' Pfiind dafür verlangt, 1928 20 und jetzt 8 oder auch nur 7, je nach der Jahreszeit. Beispielsweise im Oktober ist es am billigsten, weil niemand nach Europa reist; aber umgekehrt, von Beirut aus, ist es teuer. :, Wer auf der Hinterachse -eines der grossen Omnibusse sitzt, braucht weniger zu zahlen als einer, dessen Eingeweide geschont werden. Als Minimum werden 28 Stunden angenommen. Das Flugzeug schafft es in fünf. Im Flugzeug zu schweben, ist der Traum der Beduinen. Montag früh starten die Autos in Bagdad und. sind, bei einstündiger Pause, Dienstag mittag am Ziel. Freitag früh fahren dieselben Autos in Damaskus los und sind, bei einstündiger Pause, Sonnabend mittag am Ziel. Es ist eine Strecke wie von München nach Königsberg, nur ohne Strasse. Wir verbrachten den Rest der Nacht in der Garage. Ein Pumpwerk arbeitete ununterbrochen und beunruhigte unsern Herzschlag. Ueber die Betten krochen Eidechsen; die waren braun vom Staub. Einen Wocker hatten wir nicht. Punkt 5 Uhr sollten wir am Zoll halten. Folglich war es empfehlenswert, um 4 Uhr aufzustehen. Wir lumpten die ganze Nacht durch und schlössen kein Auge. Wir — das ist mein Reisegefährte Düyffcke und ich. Hansl hingegen, der Chauffeur, vertrieb sich die Zeit mit dem Fang von Giftspirmen. Punkt 5 Uhr hielten wir am Zoll, jenseits der Maudbrücke. Es war noch dunkel, mit Mühe konnte man die Worte «Gustoms station> entziffern. Bettlerinnen huschten herum mit ihren Kindern. Ein paar mürrisch vor sich hinschweigende Lastwagen, •schreckliche Ungetüme, bildeten ein kleines Gebirge. Sie hatten Tanks mit 300 Liter Fassungsvermögen. Weiber sammelten Pferdedung. Sie gingen in jagten wir ihn, bald jagte er uns — auf, steinhartem Boden. Mitunter ist er staubig,: mitunter •weisslich wie wie erlitten eine Panne nach der andern. Die Beifen warfen Blasen, sie hatten wildes Fleisch, es war rieht mehr Kautschuk, sie wucherten wie Kakteen. Ursache war die enorme Hitze von oben und von untea. • Es wurde Neun, es wurde Zehn. Wir hatten ein Dutzend Pannen. Jedesmal die Plackerei mit dem Wagenheber, mit der verhältnismässig schwach durchziehenden Luftpumpe. Die Schläuche bestanden nur noch aus Flickstellen. Unserem Hansl bluteten die Finger, Düyffcke war wundgeschunden. Der Chauffeur kehrte zurück, so oft er uns vermisste. Seine Passagiere schliefen. Bis jetzt hatte er uns geleuchtet, sein Zorn gewann die Ueberhand: er stellte die Scheinwerfer ab. Und rückte mit einem Ultimatum heraus: den Ford seinem Schicksal überlassen und gegen ein Trinkgeld einen von uns mitnehmen. Wir wichen dem Ultimatum aus, unternahmen verzweifelte Versuche, flickten wieder und wieder. Und stets platzten die Reifen. Hans schlief am Steuer ein. Düyffcke war geistesabwesend. Ich wirkte als Schrittmacher. Er hatte 120 PS, wirstierte in den Staubnebel, ohne etwas wahrzunehmen. leider nur 40. Nach kurzer Zeit trat unser Scheibenwischer in Tätigkeit: wir wurden vom Regen des Dann fuhren wir wieder auf dem erhöhten Bahndamm, beiderseits war Allee, es ragte eine Mauer mit Palästen dahinter. Einbildung. Bei der sechzehnten Panne machten wir endgültig schlapp. Die Reifen waren zerfetzt und nicht mehr zu reparieren. eigenen Kühlwassers übersprüht Bei 50 Grad Hitze preschten wir über den steinigen Boden, der einzige deutsche Ford in dieser Gegend. Von Bagdad bis Ramadi sind es 110 km. In Ramadi vereinigen sich die Wege nach Damaskus und Der el Sor. Vorher hatten wir kurzen Aufenthalt nebst Passkontrolle in Feludscha. Hier geht es über den Euphrat, man muss Brückengeld bezahlen. In Ramadi haben wir Oel gekauft und Reservekanister mit Wasser und Shell. Ausserdem haben wir gefrühstückt. Eine Kanne Tee. ein Häufchen Marmelade und drei Eier kosteten 5. §0 Mark. Hab- • gierigere Menschen- habe ich nie gesehen. • • Für jede nicht gewünschte, im Keim erstickte HanHreichung wurde Trinkgeld gefordert und als zu niedrig verweigert, und nur die englischen Beamten waren gütig und sympathisch. Einer erkannte mich wieder. «Na, wie geht's?» fragte er auf Deutsch. Es ging gut, wir brausten los mit 120 Liter Benzin. Auch unser Vordermann hatte Tonkrüge und Wasserbeutel nachgefüllt. Der Mundvorrat seiner Passagiere war glücklich aufgebraucht. Es war uns eingeschärft worden, dass bis zum Abend keine Pause eintreten werde. Wir sollten dicht hinter ihm bleiben — koste es, was es wolle. Etwa nach einer Stunde gab er Zeichen: wir möchten vorfahren. Also fuhren.wir vor. Aber er wusste die bessere Strasse. Wenn man überhaupt von Strasse reden darf. Er schnitt ab und fuhr quer durch die Geographie. Wir jedoch, die vor ihm Fahrenden, ver- Auf den Felgen zockelten wir weiter. Längst war der Braune verschwunden. Wir hatten keine Ahnung, wohin. Schweigende Nacht. Im Schneckentempo bewegten wir uns von der Stelle, ein klapperndes Wrack. Aufs Geratewohl. Die Sterne rück