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E_1936_Zeitung_Nr.021

E_1936_Zeitung_Nr.021

BERN, Freitag, 13. März 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 21 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEIT Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs* ABONNEMENTS-PREISE: Aasgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversieherung) vierteljährlich Fr. 730 Limousinenkrankheit, Eindämmern und Schrecksekunde Neue Erkenntnisse über den Autounfall Immer wieder tauchen in der Presse Meldungen über Verkehrsunfälle auf, bei denen weder äusserliche Ursachen noch der Alkohol mitgewirkt haben. Man trifft nun wohl kaum stark daneben mit der Annahme, dass Unfälle dieser Art wenigstens zum Teil der •« Limousinenkrankheit» zuzuschreiben sind, und die Frage lässt sich allen Ernstes stellen, ob es nicht wünschenswert und angezeigt wäre, bei solchen Vorkommnissen das Blut des Fahrers auf Kohlenoxyd zu untersuchen. Im Kaiser-Wilhelm-Institut für Arbeitsphysiologie wurden 10 Autobuschauffeure untersucht. Man fand, dass sie vor Antritt des Dienstes schon 10,47 % Kohlenoxydhämoglobin im Blut hatten, nach Dienstschluss sogar 18 %. Von anderer ärztlicher Seite ist in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen worden, dass sich im geschlossenen Auto möglicherweise Kohlenoxydgas ansammelt und bei längerer Fahrt, sofern nicht zwischendurch die Fenster geöffnet werden, die typischen Vergiftungserscheinungen erzeugen kann. Diesem Umstand sollte man auch beim Fahren im eigenen Wagen mehr Aufmerksamkeit schenken. Psychotechnik und praktisch angewandte Psychologie befassen sich seit vielen Jahren u.a. auch mit dem Problem der Autounfälle. Die Ergebnisse dieser Forschungen sind schon vielfach in die Oeffentlichkeit gedrungen (sollten es aber noch weit mehr !), haben den Fahrern und der Verkehrspolizei im Kampf gegen den Unfall neue Wege gewiesen und beginnen sich auch auf die Rechtsprechung auszuwirken. Neben der Notwendigkeit, den Ursachen der Verkehrsunfälle mit den Mitteln der wissenschaftlichen Forschung nachzugehen, um damit den Weg zur Sicherheit der Strasse zu erschliessen, ist auch schon die Auffassung vertreten worden, dass es die Sorgfaltspflicht des Autofahrers erheische, sich über die Unfallursachen psychologischer Natur, die im Fahrzeuglenker selber liegen, zu informieren und zu unterrichten. Wer je einer Gerichtssitzung beigewohnt, oder exakte Berichte über Prozessverhandlungen Erseheint Jeden Dienstag and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: AutoreTue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 aufmerksam gelesen hat, wird dieser Auffassung seine Zustimmung kaum versagen können. In neuester Zeit haben namentlich zwei Untersuchungen, die zwar vollkommen getrennt voneinander verliefen und deren Ausgangspunkte keineswegs identisch waren, zu recht interessanten Ergebnissen geführt, die so etwas wie eine innere Verwandtschaft miteinander aufweisen. Sie sind von so hoher praktischer Bedeutung, dass wir sie den Automobilisten nicht glauben vorenthalten zu dürfen. Die erste Untersuchung setzte sich zum Ziel, an zahlreichen Experimenten den Zustand des Eindammerns zu studieren. Sie wurde im Psychotechnischen Institut der Technischen Hochschule zu Darmstadt durchgeführt und ging von der in Fachkreisen immer wieder durchbrechenden Vermutung aus, dass relativ häufig nicht ein Versagen der technischen Einrichtungen, also der Bremsen, der Lenkung, des Motors, als Ursache eines geschehenen oder knapp vermiedenen Unglücks angesprochen werden könne, sondern vielmehr eigentümliche Lükken der menschlichen Aufmerksamkeit. Jedoch, man würde den Fahrern Unrecht tun, einfach von einem «Nicht-Aufpassen > zu sprechen (wie es immer und immer "wieder geschieht). Solche Erklärungsversuche sind vollkommen unzureichend. Und an diesem Punkt griff nun die Untersuchung ein, getragen von der Absicht, festzustellen, ob psychologische Ursachen mit im Spiel seien, ob es sich also tatsächlich um eine Art von «Einschlafen», mindestens aber um ein leichtes « Eindämmern » oder « Dösen » hinter dem Lenkrad handle. Noch mehr: es galt, mit aller Bestimmtheit und einwandfrei zu ermitteln, ob sich solche Zustände auch bei sonst einwandfreien, seriösen, gewissenhaften und verantwortungsbewussten Autofahrern einstellen und welche Bedingungen der Fahrtätigkeit das Zustandekommen bedingen, erleichtern, begünstigen oder verhindern. Allgemein haben die Forschungsergebnisse überrascht : 26 ausführlich befragte, geübte und erfahrene Fahrzeuglenker aller Alter: gruppen vom 19. bis zum 55. Jahre und de verschiedensten Stände : Aerzte, Kaufleute, Ingenieure, Berufsfahrer u. a., die häufig lange Strecken in unterschiedlichem Gelände fahren, bestätigen alle, mit einer einzigen Ausnahme, dass ihnen der Zustand des Eindämmerns oder Dösens hinter dem Volant aus eigener Erfahrung bekannt sei. Auch in den Aussagen über die Umstände, unter denen dieses Eindämmern den Fahrer überwältigt, herrschte fast die gleiche Übereinstimmung. Als « persönliche », in der Person des Fahrzeuglenkers selbst begründete Ursachen : allgemeine Müdigkeit und Verdauungsträgheit (besonders nach reicher Mahlzeit mit Alkohol); diese Umstände begünstigen das Eindämmern. Nur bewusste Willensanstrengung und angespannte Vorsicht vermögen die starke Neigung zum Eindösen zu überwäeden. Wahrscheinlich ist, dass einzelne Fahrer in besonders hohem Masse anlagemässig zum Dösen neigen. Wie ihm entgegenwirken ? Durch aktives und waches Interesse des Fahrers an seiner Lenkertätigkeit, durch eifrige Betrachtung der Landschaft "u. a. m. Nicht weniger schwer fallen aber ins Gewicht die von der Person des Lenkers unabhängigen, in der Fahrsituation begründeten Faktoren, die das Eindämmern hervorrufen oder begünstigen. An erster Stelle verdient dabei die « Reizlosigkeit » der Fahrt Erwähnung, ein Moment, das in allen Aussagen unserer Gewährsmänner im • Vordergrund steht. Reizlosigkeit der Fahrt, das ist: monotone Landschaft, verkehrsarme, «glatte», leicht fahrbare, bekannte und vertraute Strassen, gleichbleibende Geschwindigkeit mit dito konstantem Motorgeräusch und Luftzug, auch Farblosigkeit der Landschaft in der Dämmerung, äus- Schafft Zahlen her! Der Bundesrat ordnet auf der Strasse an Das Problem der Verkehrsteilung zwischen Schiene und Strasse hängt in starkem Masse davon ab, welche Warenmengen durch Bahn und Auto befördert werden. Bisher war man in dieser Beziehung auf. Vermutungen angewiesen. Zwar existieren genaue Angaben über die Transporte auf dem Schienenweg, nicht aber über das Volumen des Güterverkehrs auf der Strasse. Darüber bestanden lediglich Schätzungen, die natürlich ganz verschieden lauteten, je nachdem ob sie von eisenbahn- IONS.PREIS: ohe Grundzeile oder deren erate nach $pezialtarif ane eute irganisation der Bundesbahnen. Die Genfer Sporttage rücken näher. Flugnotizen. Stufenloses Wechselgetriebe. Automobil-Handelsbilanz. serst ruhiger Lauf und einfache Bedienung des Wagens, die damit verbundene beaueme Körperstellung des Lenkers, Abschluss von frischem Luftzug und den Aussengeräuschen beim Fahren in festgeschlossenem Wagen, sehr lange Fahrtdauer usw. Dazu gesellen sich noch die unmittelbar einschläfernd wirkenden Faktoren : der Rhythmus, der den Alten schon als Einschläferungsmittel bekannt war (Murmeln der Quelle, Klappern der Mühle usw.), aber auch der Rhythmus vorüberziehender Bäume in Alleen oder längs der Strassen, blendende, stechende Helligkeit der Strasse im Sonnen- oder Scheinwerferlicht, Schneelandschaft usw. Nicht immer erzeugen diese Umstände' den gleichen Effekt. Bestimmte Jahres- und Tageszeiten sind besonders gefährlich : der heisse Sommermittag, die Abendstunde, da der Lenker gewöhnlich schlafen geht, und die Morgendämmerung vor Einsetzen des Frühverkehrs. Fortsetzung folgt. eine Statistik über den Güterverkehr freundlichen Kreisen oder von den Automobilinteressenten stammten. Soeben erscheint nun eine Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung, welche die Grundsätze für eine Erhebung über die Güterbeförderung mit Motorfahrzeugen auf der Strasse enthält. Nach einem einleitenden Abschnitt, der die Notwendigkeit betont, dem Kampf zwischen Bahn und Auto durch eine gesetzliche Regelung ein Ende zu bereiten, geht die Botschaft F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. 14. Fortsetzung. Von Johnsons Unzufriedenheit mit dem Oelzeug wusste ich jedoch nichts, und was ich'erlebte, kam daher wie ein Blitz aus heiterem Himmel für mich. Ich war gerade mit dem Aufräumen der Kajüte fertig, als Johansen, von Johnson gefolgt, die Kajütstreppe herunterkam. Johnson nahm nach Seemansart die Mütze ab, stand ehrerbietig, schwer im Rollen des Schoners schwankend, mitten in der Kajüte und blickte dem Kapitän offen in die Augen. «Schliessen Sie die Tür und riegeln Sie ab », sagte Wolf Larsen zu mir. Als ich gehorchte, bemerkte ich einen ängstlichen Ausdruck in Johnsons Augen, aber die Ursache Hess ich mir nicht träumen. Ich ahnte nicht, was kommen sollte, bis es geschah, er aber wusste vom ersten Augenblick an, was seiner wartete, und sah seinem Schicksal tapfer in die Augen. Und seina Handlungsweise war für mich die völlige Widerlegung von Wolf Larsens ganzem Materialismus. Der Matrose Johnson war im Recht, und er wusste das und war furchtlos. Er würde im Notfall für dieses Recht gestorben sein. Ich bemerkte zwar den ängstlichen Ausdruck in Johnsons Augen, hielt ihn jedoch irrtümlich für die angeborene Schüchternheit und Verlegenheit des Mannes. Johansen, der Steuermann, stand einige Fuss entfernt neben ihm, und gut drei Yards ihm gegenüber sass Wolf Larsen auf einem Kajütendrehstuhl. Als ich die Tür geschlossen und abgeriegelt hatte, trat eine merkbare Pause ein, eine Pause, die eine ganze Minute dauern mochte. Sie wurde von Wolf Larsen beendet. « Yonson », begann er. «Ich heisse Johnson, Käptn », verbesserte ihn der Matrose kühn. « Schön, also Johnson, in Teufels Namen ! Kannst du erraten, warum ich dich rufen liess ? » « Ja und nein, Käptn », antwortete er langsam. «Meine Arbeit tue ich gut. Das weiss der Steuermann, und das wissen Sie, Käptn. Es kann also keinen Grund zur Klage über mich geben.» «Und das ist alles ? » fragte Wolf Larsen; seine Stimme war sanft und leise, er schnurrte fast wie eine Katze. «Ich weiss, dass Sie es auf mich abgesehen haben», fuhr Johnson mit unerschütterlicher, schwerfälliger Langsamkeit fort. « Sie können mich nicht leiden. Sie — Sie —» «Weiter», trieb ihn Wolf Larsen an. « Hab' nur keine Angst vor meinen Gefühlen. » « Ich habe keine Angst», entgegnete der Matrose rasch, und eine leichte Zornesröte wurde unter seiner sonnenverbrannten Haut sichtbar. «Wenn ich langsam spreche, so kommt es daher, dass ich meine Heimat noch nicht so lange verlassen habe wie Sie. Sie können mich nicht leiden, weil ich zu sehr Mann bin, das ist der Grund, Käptn.» «Du bist zu sehr Mann, um dich der Schiffsdisziplin zu fügen, wenn du das meinst, und wenn du verstehst, was ich meine », erwiderte Wolf Larsen. «Ich verstehe Englisch, und ich weiss, was Sie meinen, Käptn », antwortete Johnson und errötete noch mehr bei der Anspielung auf seine Sprachkenntnisse. « Johnson », sagte Wolf Larsen mit einem Ausdruck, der erkennen liess, dass er alles Bisherige nur als Einleitung angesehen hatte und jetzt auf die Hauptsache kommen wollte, «ich höre, dass du nicht zufrieden mit dem Oelzeug bist?» « Nein, ich bin nicht zufrieden. Es taugt nichts, Käptn.» « Und du hast grosse Töne darüber geredet.» « Ich sage, was ich denke, Käptn», antwortete der Matrose mutig, ohne die an Bord eines Schiffes herrschende Etikette zu vergessen. In diesem Augenblick fielen meine Augen zufällig auf Johansen. Seine grossen Fäuste ballten und öffneten sich wieder, und sein Gesicht hatte einen geradezu teuflischen Ausdruck, so furchtbar blickte er Johnson an. Ich sah, dass Johansen noch ein blaues Auge hatte, ein Denkzettel von den ihm von Johnson vor einigen Nächten erteilten Prügeln. Jetzt erst begann ich zu ahnen, dass sich etwas Schreckliches abspielen sollte, wenn ich mir auch nicht denken konnte, was. « Weisst du, was dem geschieht, der sagt, was du über mich und meine Waren gesagt hast ? » fragte Wolf Larsen. « Ich weiss es, Käptn. » « Was denn ? » fragte Wolf Larsen scharf und gebieterisch. « Was Sie und der Steuermann im Begriff sind, mit mir zu tun, Käptn.» «Sehen Sie ihn sich an, Hump», sagte Wolf Larsen zu mir. « Sehen Sie sich das bisschen beseelten Staub • an, dies Häufchen Materie, das sich bewegt und atmet und mir Trotz zu bieten wagt, und das fest davon überzeugt ist, aus etwas Gutem zu bestehen, das von gewissen menschlichen Phantastereien von Gerechtigkeit und Ehrlichkeit