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E_1936_Zeitung_Nr.021

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12 Automobil-Revue —

12 Automobil-Revue — N° 21 gärigem. Manchen Automobilisten fehlt noch der Respekt vor dem Fussgängerstreifen, dadurch werden Fussgänger unsicher oder ängstlich, und wer unsicher ist, tut meist das Verkehrte. Darum sieht man so viele Passanten kreuz und quer über die Plätze gehen, wie die Hühner. Sie halten sich nur dort an die Fussgängerstreifen, wo ihnen der Gefahr wegen nicht viel anderes übrigbleibt. Anfänglich hat sich auch mancher Fussgänger dem Streifen und dessen Beobachtung widersetzt, etwa mit dem Spruch, er lasse sich nicht vorschreiben, wo Das Aufstellen von mobilen Verkehrssignaltafeln bei Veranstaltungen mit grossem Fahrzeugverkehr ist ebenfalls Sache der Verkehrspolizei. Einen Skandinavier sahen wir vorigen Sommer unverwandt den Verkehrspolizisten in der Hauptgasse Thuns betrachten. Der Herr soll sich geäussert haben, « wie das klassische Italien von heute.». In unserer Uebersetzung bedeutet das eine kleine, sinnfällige Huldigung. Man musste den Verkehrsdirigenten nur ansehn, und auch das Schweizer Auge gestand: ' Jeder Zoll ein König, Beherrscher von Situationen. Ein Regierungsgeschäft durch souveränes Handerheben, knappsten, geformtesten Blickbefehl. Unausweichbar gehorchen Autler, Ross und Fuhrmann, Zivilist und Soldat, ganze Kompagnien aus der berühmten Kaserne. Selbst cm Oberstdivisionär oder Bundesrat muss sich dem unsichtbaren Befehlsstab beugen. Und was es heissen will, in der Hochsaison Thun regieren, das schaue man sich einmal an. Man gehe hin wie der Schwedenherr, wenn das Lauitor lawinengleich seine festlich gestimmte Gästeschar herein- und herauswälzt. Oder im Fr. abend 13. März Sa. nachm. U.März Sa. abend U.März So. vorm. 15. März So. nachm. 15. März So. abend 15. März Mo. abend 16. März Di. abend 17. März Mi. abend 18. März Do. abend 19. März Fr. abend 20. März Rigoletfo (B-Ab. 13). 2,K Uhr: Vorstellung f. Landschulen: Wilhelm Teil. Zum erstenmal: Faust und Margarethe, Oper von Gh. Gounod. 10% Uhr: Tanzmatinee Bice Hartmann. Der fidele Bauer, Operette von Leo Fall. Volksvorstellung. Volksvorstellung: Zarewitsch. Margarethe, Oper von Gounod. Geschlossen. Riooletto, Oper von Verdi. im Conservatoire de Danse, Obere Zäune 20 Ltg.: Mario Volkart, du Theätre nat. de l'Opera de Paris. Allgemeine Körperkultur, Rhythm. Atmungs-Heil-Gyinnastik. 2 schöne, helle Säle, Douchen, Massage. wiener Stimmungskanonen. — Jecki, der Humorist Beatengasse 11 Erstkl. Küche, gepflegte Weine. — Täglich Konzerte erster Orchester. Parkplatz vor dem Haus. Inh.: Farn. Zürcher. er gehen dürfe, er habe seine Steuern bezahlt. In einem Fall wurde in den Steuerrödeln Nachschau gehalten — mit dem Ergebnis, dass der betreffende Herr die Steuern noch schuldig war. Es gibt viele Stadtbewohner, die wie dieser Reklamierer denken und sich den Regeln des Verkehrs nicht anpassen wollen. Da lassen sich die Leute vom Land noch viel eher etwas sagen. — Die Hauptsache ist; mehr gegenseitige Rücksicht. Sie stehen doch mit den Automobilisten auf freundschaftlichem Fuss? Im allgemeinen ist das Verhältnis gut. Doch scheint es manchmal, der Verkehrspolizist sei bei den Leuten nicht mehr so geschätzt wie früher — man hat sich daran gewöhnt, dass er da ist und seine Pflicht tut. Manchmal hält man uns auch den Lohn vor, besonders in Situationen, wo wir zum Mahnen oder Einschreiten gezwungen sind. Solche Vorhaltungen sind nicht schön. Ich kann Sie versichern, unser Lohn ist sauer verdient. Verkehrspolizeidienst ist anstrengend und aufregend, Nervenarbeit! Dazu kommt die grosse Verantwortung — nicht nur die Verantwortung für die Abwicklung des Verkehrs. Nach dem einzelnen Polizeimann wird das ganze Korps, wenn nicht sogar die ganze Stadt beurteilt. Was wir tun, ist unsere Pflicht, wir tun sie gerne, aber wir möchten wünschen, dass dies auch vom Publikum anerkannt wird. Das Gesicht der Verkehrspolizei September, wenn es knallt in allen Flühen ringsum und bald darauf die feindlichen Armeen ins Städtchen ziehen. Der Verkehrspolizist wird dann äusserlich ein wenig an die Mauer gedrückt von dem Menschen-, Pferdeund Kanonentross. Imperator der Strasse bleibt er gleichwohl. Nur er steht dafür, dass sich ein Fussgänger nicht mit Auto- und Veloreifen, Pferdehufen und Tramrädern zu Apfelmus vermischt. Gelenkt wird das alles mit klassischer Höflichkeit, taktvoll zum Bewundern. « Ein wahrer Caballero », soll jener Schwede ausgerufen haben; er war Bildhauer und musste es wissen. Wir konnten uns später in der Eisenbahn mit ihm unterhalten. Und da ging das Gespräch gleich auf Verkehrspolizei. Er kam .eben von Mailand. Milano, dort seien die Polizisten ganz ähnlich wie unsere, Poebene, Lombarden, mit imperatorisch lächelndem Ernst. Zürcher Unterhaltungsstätten MO. Di. ML Do. Fr. hea abend 16. März abend 17. März abend 18. März abend 19. März abend 20. März Abends 8 Uhr, Sonntag . nachmittags 3 Uhr. Kaiserin Josephine. Schauspielhaus ^ Fr. abend 13. März Sa. abend U.März So. nachm. 15. März So. abend 15. März Vk Uhr. Sonn» nachm. Sü Uhr Der heilige Held, Schauspiel von Caesar von Arx. Die unentschuldigte Stunde, Lustspiel von Stefan Bekeffi. 3 Uhr: Die erste Legion, Schauspiel von Emmet Lavery. Die unentschuldigte Stunde, Lustspiel von Stefan Bekeffi. } Zwei Gastspiele: < Pekinger Bühnenspiele». Die unentschuldigte Stunde. Premiere: Das fremde Kind. Die unentschuldigte Stunde. Gymnastik — Tanz Odeon-Bar: Hungaria - Jonny Bar StUdiO Nord-SÜd Schiffländeplatz L'Aristo (Paris-zone — Paris-la haute!) Vegetarisches Rest. Engehaus General Willestrasse 8 Erstklassige Diätküche. Parkplatz v. d. Haus. Zeughauskeller am p ara depiatz Eine Sehenswürdigkeit. Küche und Keller berühmt. Familie Biedermann-Sutter, Besitzer des Hotel Engel in Baden, b. Turm. pen Stauffacherstrasse 28 va on Telephon 32.363 Moderne Zimmer. Reine Butterküche. 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Mit andern Worten, es gebe individuelle Verkehrspolizei. Ein Basler Polizist sei kein Luzerner, ein Stockholmer unterscheide sich nach innerem und äusserem Habitus vom Würzburger wie ein Hering von Suppenwürze. Undsoweiter. Also selbst die Polizei, das staatlichste, statischste, unpersönlichste, kollektivste Gebilde ändere sein Gesicht von Ort zu Ort. Gestaltwandel der Götter. Gleich bleibt nur die Maske, wie in jeder gut erzogenen Gesellschaft. Nehmen wir nur schon Thun, die anmutigste und repräsentativste Kleinstadt mit ihrem ästhetischen Verkehrspolizisten. « Und Bern? » fragen wir unvermittelt den Beobachter. Bern? Neuer Beweis für seine These: « Stadt, zeige mir deine Verkehrspolizei, und ich will dir sagen, wer du bist. » In Bern sind es ordentliche Männer, sie haben nur die guten Qualitäten der Residenzler und sind keine Der egozentrische Stein Es fiel ein Stein vom Wagen, der holpernd die Strasse befuhr und kollerte noch ein Stückchen — ein Stein, wie andere nur. Dort wäre er lang gelegen, hätt' er nicht nach kurzer Zeit schon, ganz plötzlich Verwendung gefunden, bei einer Demonstration. Von kräftiger Hand geschleudert, im Bogen, sauste der Stein in eine Kaffeehausscheibe, Format: vier mal vier, hinein. Und während die Splitter flogen, traf er einen Herrn hinterm Ohr und rief dort augenblicklich eine Gehirnerschütterung hervor. Dann zerquetschte er noch einer Dame das rechte Schlüsselbein und büsste, tbeim Sturz auf den Boden, schliesslich selbst eine Kante ein. Das tat ihm nun bitter weh, sich solcherart von ihr zu trennen, dann aber sagte er: « Nein, ein Glück! Was gescheh'n jetzt hätt' können!» So meinte, dass eigenes Schicksal von allem das Wichtigste sei, der Stein — wie die meisten Menschen, nur wird er — viel älter dabei! Friedl. Schlafmützen. Ihr Gehaben ist: Ruhe, Bedachtsamkeit, unerschütterliche Nerven. Und rechtzeitiges Eingreifen. « Nume nid gsprängt, aber gäng hüh!» werfen wir ein und müssen es gleich auf Schwedisch übersetzen. Nur die weissen Berner Tschakos findet der Feriengast unbernisch, zu festlich aufgeräumt für eine Stadt von Verwaltung. Glücklicherweise haben sie nicht die tropische Form der Zürcher, was sich für die temperierte Staatskarrenstadt schon gar nicht eignen könnte. « Passt es für Zürich? » Warum nicht? Hier gehen Tempo und Temperament doch mehr ins Tropische. Zwar wisse man in der Literatur von einem Korrektiv zu dieser berühmten Vitalität. Er nimmt einen Band Keller hervor und weist auf die Stelle vom Sparsinn. Kennzeichen dafür: Die Verkehrspolizisten tragen weisse Ueberärmel, welche man sonst nur in Kleinkinderschulen sieht. Aber sie erfüllen ihren Zweck als Signalflagge vortrefflich. Was das Flaggenhissen betrifft, das heisst die Gestik, verfährt der Zürcher damit so rationell wie sein Berner Kollege oder der dunkle Beau vom Thunersee. « Nur ist der Zürcher aggressiver, » will unser Gast festgestellt haben. Ja, er traut ihm zu, dass er gelegentlich Flanke macht aus seiner Trülle heraus, wenn ihm irgend ein Fussgänger nicht gefallen will. Er zupft die Leute am Aermelchen. Während sich Schutzleute anderswo mit einem mehr oder weniger verständlichen Befehl genügen. Was in London befohlen, in Rom serviert, in Luzern geknurrt wird, das erledigt der Zürcher persönlich. Aber im Grunde sind sie sich bei aller Individualität doch über Meere weg ähnlich, und nicht nur was Grössenmass und Repräsentationsfähigkeit betrifft. Unser Schwede ist im schnoddrigen Berlin wie im gemiedlichen Minchen gewesen. Und in Ceylon und Korsika. Doch bleiben wir bei der deutschen Zunge. In Berlin gibt sich die Schnoddrigkeit von selber, wenn ein Schutzmann den Brandenburger Platz befehligt, und wenn Kindermädchen, Provinzler, Autolenker, Laufburschen und Commisvoyageurs um den Weg fragen. Da heisst es haushalten mit dem grossmächtigen Wort, und so anständig sind diese Berliner und so geschickt, dass einer mit dem rechten Auge den ganzen Brandenburger in Schach hält, und auf links den Stadtplan für einen Fragesteller Das Kapriolett VI Der Verwarnung. studiert. Und in München über sie wie allerorten Zucht, lassen das Anbiedern und sind doch für die ganze Welt da. Diese ganze Welt meint bei uns wie anderwärts nur allzu gern, ein Verkehrspolizist sei nichts als Landplage. Pardon, vielleicht lägen Sie, verehrter Leset, längst tot und begraben ohne die quantite ndgligeable in Uniform, die Verkehrspolizei. Gertrud Egger* Im Urteil des Auslandes Wir bemerkten kürzlich im «Prager Tagblatt » ein Urteil über die Zürcher Verkehrspolizei, das unr so interessanter ist, als der Verfasser damit die Schilderung einer Erziehungsmethode verbindet, die gelegentlich in dieser oder jener Form angewendet werden und ihren Zweck nicht verfehlen dürfte. Der Gewährsmann der Prager Zeitung erzählt aus Zürich: « Bobby als Erzieher » Zeichnung Buss. « Kürzlich war ich in Zürich. Ich musste an einer belebten Strassenecke warten und langweilte mich, denn ich wartete bereits eine ganze Zeit. Auf der Kreuzung steht ein Schutzmann. Er trägt den in der Schweiz neu eingeführten amerikanischen Bobby-Helm und regelt den Verkehr. Es erscheint ein Wagen aus dem Kanton Schwyz. Dessen Fahrer weiss anscheinend noch nicht sehr viel vom Großstadtverkehr. Er lenkt sein Fahrzeug unbesorgt scharf an der linken Strassenecke vorbei. Was geschieht? Bobby hält den Wagen an. Der Schwyzer Herr schimpft: « Ich bin genau richtig gefahren ...» Bobby (liebenswürdig): « Bitte, warten Sie einen kleinen Moment hier. Ich komme gleich zurück. » Ruhig begibt er sich wieder auf seinen Platz und regelt weiterhin den Verkehr. Der Herr im Wagen tobt, lässt aber trotzdem unseren Bobby und seinen Verkehr nicht aus dem Auge. Nach jedem Zeichen hofft er auf die Rückkehr des Schutzmannes. Erst-nach einer geschlagenen Viertelstunde kehrt Bobby zurück. Verbindlich lächelnd: « Mein Herr, ich glaube, Sie haben jetzt genügend Gelegenheit gehabt, zu beobachten, wie man richtig an einer Strassenkreuzung fährt. Ich empfehle mich Ihnen. Adieu! » Ist dies nicht eine sehr nachahmenswerte Form der Verkehrserziehung? » Dr. H. B. Kuriositäten Ein Geistesgestörter als Verkehrspolizist. Im Hauptknotenpunkt der Stadt Olmütz erschien kürzlich ein etwa 60jähriger elegant gekleideter Mann, der sich an der Strassenkreuzung aufstellte und plötzlich den Verkehr zu regeln begann. Die verdutzten Automobilisten, die nicht wussten, mit wem 'sie es zu tun hatten, mussten nach seiner Weisung rechts und links fahren. Es entstand eine Verwirrung, der erst das Erscheinen eines Wachmannes ein Ende machte. Dem Wachmann stellte sich der Unbekannte als gewesener Rittmeister Baron Seh. vor. Gegenwärtig sei er Polizeioffizier und habe in Olmütz die Beobachtung gemacht, dass der Verkehr nicht funktioniere. Man erkannte bald, dass es sich um einen Geistesgestörten handle; der herbeigerufene Arzt veranlasste die Ueberführung in die Sternberger Irrenanstalt. Es handelt sich tatsächlich um einen gewesenen Baron, der gänzlich verarmt ist und von den Unterstützungen seiner Verwandten lebt.

N" 21 — Automobil-Revue 13 Ich wohne im Parterre einer grossen Mietskaserne, in einem Viertel, das seiner Schäbigkeit wegen weit herum berüchtigt ist. Vis-ä-vis meiner Wohnung stehen seit Jahren Gerüststangen, und ein Bretterzaun umfasst ein zukünftiges Bauterrain. Dieser Platz ist Schuttabladeort des ganzen Quartiers. Wenn es nachtet, bringen die Eingeborenen von weit her ihre alten, zerschlissenen Matratzen, deren Sprungfedern geborsten sind und in bigarruren Spiralen gen Himmel emporstreben. Alte Büchsen von Sardinen in Oel bis zur kostbarsten Emailpfanne geben der Jugend des häuserreichen Blocks Material zu Ritterrüstungen und anderm Spielzeug. Tolle Wettkämpfe finden auf dem Terrain statt, das von einem Besitzer via Betreibungsamt zum nächsten wechselte Das geht so fort, wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit. Gebaut wird da kaum je werden. Nachts fliegen Steine hinter den alten Matratzen, hinter Ginstersträuchern und Haselnussstauden hervor. Ganze Schlachten werden von den Buben des Quartiers ausgetragen, und bis in die späten Abendstunden ist vor dem Hause Lärm und Krakeel. Wenn die Gassenlümmel endlich verstummen, Jann kommen die besoffenen Familienväter heim, und dann hebt das Gekreisch und Gezeter der Frauen an. Das ist mein Milieu. Von der Strasse draussen sieht man mich nicht, wenn ich abends bei Lampenschein und offenem Fenster an meiner Schreibmaschine sitze und klimpere. Ich arbeite gerne des nachts, weil ich dann konzentrierter bin. Wortfetzen von Gesprächen der Passanten klettern an der Fassade hoch und kommen in mein Zimmer. A Warnung: vor dem Bücherverleili Her Detektiv der Könige Der Mann, der viele Jahre hindurch dem englischen Königshaus als Detektiv wertvolle Dienste leistete, hiess Mr. Fitch und ist schon vor einiger Zeit gestorben. Seine interessanten Erlebnisse hat er in seinen Memoiren festgehalten, ihre Veröffentlichung aber erst für die gegenwärtige Zeit gestattet. Infolge des Ablebens König Georgs haben sie noch an Aktualität gewonnen. Fitch beschützte am Anfang seiner Dienstjeit Eduard VII., dann dessen Witwe, die Königin Alexandra, aber auch später König Georg und dessen Gemahlin. Von einer englischen Königstochter, deren Namen Fitch nicht bekannt gibt, erzählt er: Die Prinzessin machte täglich einen Spaziergang durch den Privatpark des Buckinghampalastes, den eine hohe Mauer vom St. James-Park trennt, der dem Publikum öffentlich zugänglich ist. Eines Tages fand sie auf dem Weg einen Brief, der an sie adressiert war und die glühendsten Liebesbeteuerungen enthielt. Die Zeilen waren nicht unterzeichnet. Die Prinzessin nahm den Vorfall nicht weiter ernst und hätte ihn vermutlich sehr bald vergessen, wenn sie nicht nach einigen Tagen an einer anderen Stelle des Parkes einen prachtvollen Blumenstrauss gefunden hätte, an dem eine Karte mit ihrem Namen befestigt war. Von da ab folgten nun täglich, und zwar bei jedem Wetter Briefe, Buketts und allerhand Geschenke, unter ihnen sogar ein sehr kostbarer Ring. Die Briefe wurden immer zudringlicher, so dass «Guck einmal die vielen Bücher, das ist auch so ein Stubengelehrter.» «Schau die Beige Schmöcker, der hat auch den ganzen lieben langen-Tag Zeit, Bücher zu lesen.» «Wenn der alles gelesen hat, was da alles drin steht, so muss der' einen Grind haben wie ein Ballon.» • ''#>' «Da sollte man einmal ein Autodafe machen. An der Hälfte wär's genug.» «Muss das ein gelehrtes Vieh sein.»" ., ., , All diese Gespräche sind keineswegs gefährlich. Gefährlicher sind meine Verwandten und Bekannten, und Hermann Hesses Verslein gilt voll und ganz für mich: Alle Bücher dieser Welt , '" bringen dir kein Glück, doch sie führen dich geheim zu dir selbst zurück. Da ist beispielsweise die Mina, des Hauseigentümers Töchterlein, in der zweiten Etage. Als das Mädel nach Italien fuhr, um sich dort als Erzieherin zu etablieren, da bat es mich um einige Bände Reiselektüre. Nun, einem hübschen jungen Dämchen gegenüber muss unsereiner schon galant sein. So packte ich also dem Fräulein einige Bände Gottfried Keller, Jegerlehner und Zahn ein. Minachen versprach mir baldige Rücksendung der entliehenen Werke. Aber es gingen zwei, drei und mehr Jahre ins Land. Mina hat sich inzwischen mit einem Astifabrikanten verheiratet, aber von den Büchern hörte ich nie wieder etwas. Ich habe sie verlorengegeben. Dann ist vorzustellen : Redaktor B. vom Hinterdörfer Sonntagsblatt mit Unfallversicherung. Dieser Herr ist einer meiner besten Kunden. Auch er besitzt eine Sammlung meiner Bücher. Redaktor B. hat die seltsame Gewohnheit, die Bücher aus den Kassetten zu nehmen und die Hüllen hübsch stehen zu lassen; so sieht es dann bei mir aus, als ob die Bücher noch alle da wären. Unmittelbar unter dem Dachboden wohnt die Grete, ein altes, verhutzeltes Weiblein, das auf der einen Korperseite gelähmt- ist. Als ich einmal auf dem Estrich alte Manuskripte einsargte, kam die «Jumpfer Gret» herangeschlurpt und bat mich, ihr doch eines meiner vielen Bücher zur Lektüre zu leihen. Ohne Bedenken gab ich ihr eines, später kam noch eines, dann ein zweites und drittes dazu. Keines dieser Bücher hat den Weg zurückgefunden. Ueber den ersten Band hat die Grete den Kaffee ausgeleert und mir versprochen, den Schaden zu ersetzen. Den zweiten Band, es war Klabunds Borgia, hat das alte Fräulein ihrem Gottenkinde weitergeliehen. Es war natürlich durchaus ein Kinderbuch. Auch den Klabund habe ich nie wiedergesehen. Selbst meine wissenschaftliche Bibliothek findet Anklang. Ein junger Freund, Fitch schliesslich den Auftrag erhielt, der Sache auf den Grund zu gehen und den geheimnisvollen Liebhaber zu eruieren. Er umstellte die Mauer mit Geheimpolizisten, die sehr bald einen elegant, gekleideten jungen Mann dabei ertappten, wie er einen neuen Liebesbrief über die Mauer warf. Fitch verrät nicht mehr, als dass er dem stürmischen Liebhaber dringend empfahl, England binnen vierundzwanzig Stunden zu verlassen. Ein gutes Beispiel für die Umgänglichkeit des soeben verstorbenen Monarchen ist eine Episode, die König Georg in einem Variete erlebte. Nach Schluss der Vorstellung, in die Fitch seinen Herrn begleitet hatte und in der der bekannte schottische Komiker Sir Harry Lauder auftrat, verabschiedete sich der Künstler von seinem Manager George Ashton mit den Worten: «Good night, George, und viel Glück!» In diesem Moment trat der König, der den soeben hinter einer Säule verschwindenden Impresario nicht gesehen haben konnte, aus der Tür der Hofloge. Sir Harry war überzeugt, dass König Georg die Abschiedsworte für Ashton auf sich bezogen haben und als schlechten Witz empfunden haben müsse. Mit erschrockenem Gesicht pflanzte er sich aber vor dem Herrscher auf und erwartete eine Rüge. Dieser hatte aber die Lage sofort erfasst und sagte schmunzelnd im breitesten Schottisch: «Good night, Harry, und ebensoviel Glück!> Dr. phil. von Beruf, hat sich alle meine Literaturgeschichten ausgeborgt. Wenn ich selbst etwaä nachschlagen will, dann trolle ich mich zu dem Dr. phil. heim; der ist natürlich im entgegengesetzten Stadtteil angesiedelt. Ich muss die Strassenbahn benützen, das kostet fünfundzwanzig Rappen. Der junge Freund ist nicht zu Hause. Die Rückfahrt kostet abermals fünfundzwanzig Rappen. Tags darauf spreche ich nochmals vor, wiederum buche ich zu meinen ungunsten fünfundzwanzig Rappen Fahrgeld. Nichts ändert sich. Der Doktor ist wieder nicht da. Spesen ein Franken. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als auf die Bibliothek zu gehen. Dort ist das Buch ja gewöhnlich ausgeliehen. Wenn es nach Ablauf der Ausleihfrist zurückkommt und man mich avisiert, dann kostet das erstens zwanzig Rappen Gebühr und zweitens brauche ich das Werk längst nicht mehr. Jeder meiner Gäste leiht sich ein Buch von mir. Selten kommt einer mit einem Buch zurück. Einige haben sich schon einen hübschen Grundstock zu einer eigenen Bibliothek angelegt. Einem Kollegen, der im Elsass Pfarrvikar ist, schreibe ich hin und wieder wegen der Rückgabe,meinerBücher.Wir korrespondieren eifrig miteinander. Er beantwortet alle Fragen meiner Briefe mit einer grossartigen Präzision, nur von den Büchern erwähnt er nie etwas. Draussen aber, wenn die Dunkelheit fällt, die eingeborenen Anwohner durch die Strasse promenieren, um in die Parks zu gehen und auf die Nacht zu warten, wenn die Leute an meinem Fenster vor- F.Spitzba ti-G Zuxn Wintersport, Jim Anfang aller eb Zu ch8 Feldeggstrasse 58 — Telephon 27.484 SILBERSCHMIED SPORTPREISE BESTECKE das lass Dir raten grossen Taten Damit - von Anfang denk daran Die Batterie viel leisten kann, Muss sie stets aufgeladen sein. Ein Acula besorgt dies fein. Das Steigen hat Dich hergenommen, Hast - wie man sagt«'nen Ast» bekommen, Ein Favraud***-Schluck tut sicher gut, Schafft neue Kraft und frischen Mut So bleibt der Sport ein Hochgenus» Vom Anfang bis zum guten Schluss. iRrssa beischreiten, miteinander plaudernd, und Wortfetzen über das Gesims klettern, wenn etwa einer sagt: «Evchen, müssen einem soviel Bücher glücklich machen», dann denk' ich immer an Hermann Hesses Gedichtchen: Alle Bücher dieser Welt bringen dir kein Glück. Paul M. Frima.' Göschenen BAHNHOF BÜFFET Umladestelle für die Autos nach und von Airolo. Kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit. Auskunft über Fahr- und Transportverhältnisse. Tel. 2.11. (Nicht zu verwechseln mit Hotel Bahnhof.) Höfliche Empfehlung Steiger-Gurtner. Hotel de l'ECU ruhige Lage am See, im Zentrum der StadU Aller moderner Komfort. Zimmer ab Fr. 5.-, mit Badzimmer Fr. 8.-, Pension ab Fr. 13.-. P. Haake. Besitzer. Steht, wie seit jeher schon, die Wahl Vom richtigen Material. ter, im Wagen ein-' gebaut, zum Aufladen,' der Batterie •w-;v;s? : - N. P. Ü. Wärmend. Drum sorgsam sei, triff st Du die Wahl Im Wintersport-Material.