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E_1936_Zeitung_Nr.023

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Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 23 AUTOM ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG BERN, Freitag, 20. März 1936 Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicheruna) vierteljährlich Fr. 750 Zweite Salon-Nummer Erscheint Jeden Dienstan and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal .Gelbe Uste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 Postcheck 111 414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 IN SERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratenschlnss 4 Tane vor Ersebelnen der Nnmmera Der Bundesrat appelliert an unser Vertrauen Ansprache von Herrn Bundesrat Obrecht bei der Eröffnung des Genfer Salons Zum ersten Male habe ich heute das grosse Vergnügen, der Eröffnung des Automobilsa- Jons als Vertreter des Bundesrates beizuwohnen. Ich schätze mich glücklich, Ihnen bei dieser Gelegenheit mein lebhaftes Interesse bezeugen zu können, das ich ihrer Ausstellung immer entgegengebracht habe. Ich erinnere mich an deren Anfänge, als sie noch im Salle du Conseil general untergebracht war. Mit Genugtuung habe ich Jahr für Jahr die Entwicklung Ihres Unternehmens verfolgt und mich an seinem immer grösser werdenden Erfolg erfreut. Der Automobilsalon äst eine der eindrucksvollsten Kundgebungen unseres Wirtschaftslebens. Ich halte darauf, besonders auch seine grosse moralische und psychologische Bedeutung zu betonen: In unserer schweren und unruhigen Zeit bringt der Automobilsalon den Mitbürgern, die versucht sind, sich durch die Widerwärtigkeiten entmutigen zu lassen, eine wertvolle Aufmunterung. Als SymboL privater Initiative ist er ein beredtes Zeugnis dafür, dass Energie, und Beharrlichkeit auch über die Krise zu triumphieren vermögen. Der traditionelle Erfolg dieser genferischen Ausstellung wirkt anspornend und stärkt unser Vertrauen in die Zukunft. Man spricht vom Undank der Republik. Ich möchte dieses Wort Lügen strafen, indem ich den Organisatoren des Salons für das bewunderungswürdige Werk, das sie im Laufe der Jahre zustande gebracht haben, die Anerkennung des Bundesrates ausspreche. Ich denke dabei vor allem an Ihren Ehrenpräsidenten, Herrn Robert Marchand, welcher der Schöpfer und die Seele Ihres Unternehmens war. Mit rührender Hingabe und Tatkraft hat er von Anbeginn die Geschicke des Salons geleitet. Ehre den Fähigkeiten, der Geschicklichkeit und der Uneigennützigkeit dieses Mannes. Robert Marchand hat sich um das Vaterland verdient gemacht; ich versichere ihn öffentlich der Dankbarkeit der Behörden. Möge die junge Generation sein Beispiel nachahmen ! Mein Dank gehört auch den Mitgliedern des ständigen Ausschusses und des Organisationskomitees des Salons, die für das Gelingen des Unternehmens weder Zeit n6ch Mühe gescheut haben. Es hätte keine sachkundigere und ihres Vorgängers würdigere Persönlichkeit an die Spitze des Organisationskomitees gestellt werden können als Herr Dechevrens. Als Präsident der «Chambre suisse de l'industrie de l'Automobile» unterhält Herr Dechevrens enge Beziehungen mit dem mir anvertrauten Departement, dem er ein wertvoller Berater ist. Die Geschicke des Automobilsalons sind in guten Händen. Ich danke Herrn Dechevrens für seinen liebenswürdigen Empfang und entbiete dem Salon meine herzlichsten Wünsche zum guten Erfolg. Der Salon wird dieses Jahr dem stattlichen Kranz der Ausstellungen eine neue Blume einflechten. Möge sie die schönste von allen sein! Letztes Jahr hat Herr Bundesrat Baumann als Vertreter der Landesregierung über eine Frage gesprochen, die im wesentlichen sein Departement betraf: Die Anwendung des neuen Gesetzes über den Automobilverkehr. Dieses Jahr möchte ich mit einigen Worten ein Gebiet berühren, das noch viel schwieriger zu ordnen ist: die Wirtschaft. Wie gerne möchte ich Ihnen verkünden, dass die wirtschaftliche und finanzielle Lage Lesen Sie unser Feuilleton „Der Seewolf" Seite 6 Herr Charles Dechevrens, Präsident des Organisationskomitees des XIII. Genfer Salons. gedrängt hat; Sie brauchen meine Ausführungen nicht der beruflichen Voreingenommenheit eines Volkswirtschaftsministers zuzuschreiben. Die Drosselung der Einfuhr bringt nicht nur Vorteile mit sich. Es ist unbestreitbar, dass »die Einschränkungen, zu denen wir durch die Macht der Verhältnisse Zuflucht nehmen mussten, für den Handel auf die Dauer sich störend auswirken. Gerade eine Handelsstadt wie Genf empfindet zufolge ihrer geographischen Lage mehr als jede andere in der Schweiz die Nachteile des Kontingentierungssystems. Dabei sind die Genfer in ihrem Unabhängigkeitsbedürfnis gerne bereit, das zu beanstanden, was ihre persönliche Freiheit beeinträchtigt. Das Departement, dem ich vorzustehen die Ehre habe, hat diesen Gesichtspunkten im Rahmen des Möglichen Rechnung zu tragen versucht. Wir bemühen uns neuerdings, das Kontingentierungssystem anpassungsfähiger zu gestalten. Seit einiger Zeit prüfen wir die Frage, ob es nicht möglich sei, gewisse Einschränkungen, welche die Behörden dem Wirtschaftsleben notgedrungen auferlegen mussten, wieder zu lockern. Wie Sie den Zeitungsberichten entnommen haben werden, widmete der Bundesrat kürzlich mehrere Sitzungen der Prüfung der Wirtschaftslage unseres Landes. Er hat mich der Schweiz seit dem Salon des Jahres 1935 sich verbessert habe. Leider ist dem nicht so. Die Krise — wenn dieser Ausdruck überhaupt für ein Phänomen noch taugt, das schon 6 Jahre dauert und dessen Ende immer noch nicht abzusehen ist — lastet schwer auf den verschiedenen Zweigen unseres Wirtschaftslebens. Es dürfte überflüssig sein, Ihnen alle die Massnahmen in Erinnerung* rufen zu wollen, welche die Behörden seit 1931 ergriffen haben, um unsere Industrie zu retten, den Export wieder zu beleben, den Fremdenverkehr zu fördern und die Arbeitslosigkeit mit ihren verderblichen Folgen zu bekämpfen. Diese Massnahmen sind Ihnen von dieser Stelle aus von berufener Seite dargelegt worden. Ich kann mich auf die Feststellung beschränken, dass sie sich in ihrer Gesamtheit als wirksam und wohltuend erwiesen haben, dass sie unsere Industrie und unsere Landwirtschaft, die durch die Konkurrenz der entwerteten Auslandsprodukte zu Grunde gerichtet worden wäre, vor dem Untergang gerettet haben. Das ist eine Erkenntnis, die sich schon vor meinem Eintritt in den Bundesrat mir aufbeauftragt, ihm zuhanden der Bundesversammlung einen Bericht über die zu treffenden Notmassnahmen zu unterbreiten. Es versteht sich von selbst, dass sich diese Massnahmen nicht in einen starren, umwandelbaren Plan zusammenfassen lassen. In einer Zeit, da die Ereignisse sich überstürzen, wo wir von einem Tag auf den andern vor unerwartete Situationen gestellt werden, darf der Bundesrat nicht durch ein festgefügtes Programm gebunden sein. Er muss die Bewegungsfreiheit haben, die ihm gestattet, in allen Lagen rasch und zweckmässig zu handeln. So wird der Entwurf, der im Entstehen begriffen ist, nur die allgemeinen Richtlinien aufzeigen, in deren Rahmen dem Bundesrat die Möglichkeit des Handelns gewahrt bleiben soll. Es wäre verfrüht, Ihnen diese Prinzipien heute schon im einzelnen darlegen zu wollen. Aber eines kann ich Ihnen versichern, dass der Bundesrat nicht darauf ausgeht, stärker in das Wirtschaftsleben einzugreifen, als dies der Staat bis heute schon tun musste. Ich bitte die anwesenden" Vertreter aller Zweige der nationalen Wirtschaft, den Be- Herr Bundesrat Obrecht, Chef des Eidg. Volkswirtschaftsdepartements. hörden, denen die Geschicke des Landes anvertraut und die sich ihrer schweren Verantwortung bewusst sind, Vertrauen entgegenzubringen. Der Rückgang der Ausfuhr ist die empfindlichste Stelle^ im wirtschaftlichen Schrumpfungsprozess, unter dem wir alle leiden. Dieser Rückgang ist die Folge der schützenden Schranken, mit denen sich die verschiedenen Länder umgeben. Er wurde verstärkt durch das Währungsdumping. Aber es ist noch eine andere Ursache mit im Spiele, deren Behebung in einem gewissen Masse von uns selbst abhängt: das hohe Preisniveau unserer Produkte. Ich erachte es als unumgänglich, unsere Preise schrittweise den Bedingungen des Weltmarktes wieder näher zu bringen. Selbstverständlich handelt es sich nicht um eine allseitige und gleichförmige Anpassung. In vielen Fällen wird es gar nicht möglich seih, die Herstellungskosten erheblich zu senken, da die Elemente der Gestehung und des Lebensaufwandes nicht mehr weiter herabgesetzt werden können. Ich nenne die Mietzinse, die einen grossen Teil der Unkosten ausmachen; eine zu weitgehende oder zu rasche Senkung der Mieten müsste eine Verminderung der Bodenwerte und eine schwere Einbusse im Volksvermögen zur Folge haben. Das Problem der Kostenangleichung ist also stark verstrickt und schwer zu lösen. Aber ich glaube nicht, dass es unlösbar sei, wenn der einzelne guten Willen, Verständnis und Gemeinsinn bekundet. Wir leben in einer Periode der magern Jahre. Ertragen wir sie mit Gelassenheit und helfen wir mit, dass sie nicht länger als sieben Jahre dauert. Unsere Lage ist, wie Sie wissen, trotz allem noch besser als jene des Auslandes. Davon zeugen die schönen Automobile, die in so grosser Zahl in der Schweiz herumfahren. Wenn deshalb die Behörden im Interesse des Ganzen von Ihnen verlangen, dass Sie zeitweilig auf einen Teil Ihres Wohlstandes verzichten, bringen Sie dieses Opfer gerne, auch wenn es schmerzt, und warten Sie nicht, bis der Nächste vorangeht. Sie erwarten wohl von mir, dass ich nun eine brennende, Sie alle interessierende Frage berühre : die kürzlich erfolgte Erhöhung der Zölle auf Benzin. Das neue Finanzprogramm, dem die eidg. Räte am 31. Januar 1936 ihre Genehmigung erteilt haben, siehtim Art. 44 die Erhöhung der Benzin- und Benzolabgabe von 20 Fr. auf 28 Fr. per 100 kg vor. Die Beratung dieses Artikels hat im Parlament zu einer ebenso leidenschaftlichen wie interessanten Verhandlung Anlass gegeben. Zahlreiche Abgeordnete, darunter auch zwei von Genf — und nicht die mindern — sind für die Sache der Benzinsteuerpflichtigen eingetreten. Automobilindustrie und Autogewerbe, erklärten sie, verschaffen 50,000 Menschen Arbeit; sie sind von jenen Zweigen unserer Volkswirtschaft, die heute noch gedeihen; man sollte sie fiskalisch nicht derart belasten, dass sie nicht mehr lebensfähig. sind. Ich selbst bin auch Automobilist. Wie Sie zahle ich für den Liter Benzin meine 43 Rp. Als ich kürzlich vor einer Tankstelle anhielt, erinnerte ich mich an das kleine Schildchen, das in den Jahren 1927 und 1928 aufgehängt war und das einen Preis zwischen 46 und 55 Rp. verkündete, Glauben Sie. dass in jener Zeit die Zahl der Automobilisten zurückgegangen sei, wie man es uns heute in Aussicht stellen will ? Im Gegenteil. Trotz dem teureren Benzinpreis hat sich die Zahl der Automobile in den Jahren 1927 und 1928 um rund 15,000 Wagen vermehrt. Ich gebe zu, dass heute die Zeiten andere sind. Aber man darf sich wohl fragen, ob der Preis von 43 Rappen die katastrophalen Auswirkungen haben wird, die man uns drohend versprochen hat. Ich kann es nicht glauben. Gerne gebe ich zu, dass das Opfer, das dem Automobilisten auferlegt wurde, gross ist und ich begreife bis zu einem gewissen Grade die durch die Zollerhöhung hervorgerufene Unzufriedenheit. Aber ich weiss auch, dass die Automobilisten, obschon sie zu Gegenmassnahmen rasch bereit sind, denen nicht lange Wir berichten heute Ober: Die Sternfahrten zum Genfer Salon. Amerikanische Stratosphärenforschung. Die Linie 1936. Erster Rundgang durch die Stände des Salons. Bilder: Seite 8.