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E_1936_Zeitung_Nr.023

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ÄUTOMOBIL-KEVUE

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BERN, Freitag, 20. März 1936 Automobil-Revue, III. Blatt - Nr. fi* Ein Hund Hans Roelli. Wenn er von seiner schonen Pfeilkrem wüsste, von seiner Schmäle in den Zitterlenden: er trüge sich in seinen grossen Augen, er würde sich beginnen und vollenden. So aber ist es Demut, wenn er bellt, Ergebenheit vor seinem hohen Herrn, Der vor dem Tag steht und dem Abendstern und ihn als Hund in seinen Schatten stellt. Ja, wenn er Sonntags durch die Wiesen jagt nach einem Wild, erfasst ihn Ueberglück: er löst im Spiel sich, wittert seinen Sinn — da pfeift ihn iah der Herr zurück. Der Hund als Autokamerad Eugen Pfister ' nur damit er sich nicht umsonst gefreut hab^ Das ist nämlich auch schon vorgekommen! Aus der Art, wie man den Hund mitfahl; lässt, kann oft auf die Tierliebe des rers geschlossen werden. Hunde, die ai am Wagen fahren müssen, den vordem^ flügel umarmend, oder gar auf dem Trit stehend und in den Kurven balancierend, solche Hunde haben sich ihr Recht mühsam erstreiten müssen. Wie 'mochte deren Besitzer solch gefährliche Beförderungsmethoden zum erstenmal ausprobiert haben, hatten sie denn kein Herz? Konnten sie denn wissen, dass das Tier sich halten konnte? Die meisten Autobesitzer stellen die Unversehrtheit des Tieres über die des Wagens, Denn was machen uns diese paar Kratzer im Lack aus, die haardurchsetzten Polster, die begeiferten Scheiben! Die Polster schützt eine Decke, der Lack ist leicht geflickt, die Scheibe bald gereinigt. Meistens muss der Vierbeiner auf dem hinteren Polster liegen. Aber da wird auch der gehorsamste Hund bald unruhig. Er muss doch alles, alles sehen, und so nah als möglich! Also öffnet man ihm "die Fenster, da kann er den Kopf hinausstrecken, den Uniformen, Katzen . und Hühnern nachbellen. Aber meistens ist er nicht ganz glücklich. Denn er weiss nicht, was an Herrlichem alles auf der andern Wagen- > sehe vorüberfliegt. Also dreht er sich blitz- • schnell um, damit er dort nichts verpasse. Aber 5 **^. nun mangelt ihm wieder die erste Hälfte der - Aussieht. Der Schmerz, etwas Wichtiges zu übersehen, peinigt den Armen dermassen, dass er nun immer von der einen Seite zur andern mit Ungestüm hin und her pendeln muss. Was verstehen die hinten sitzenden Menschen davon, -die darüber ungehalten werden, weil er beim ständigen Wenden über Knie und Füsse stolpert! Wer einem solchen Wagen nachsieht, hat einen seltenen Anblick, die wichtigsten Aeusserungsorgane der Hundeseele ragen aus den gegenüberliegenden Fenstern: aus dem einen die bellende Schnauze, aus dem andern der wedelnde Schweif. Wer mit seinem Hunde fühlt, wird ihm dieses Aussichtsdilemma ersparen und ihn nach Möglichkeit neben den Führer setzen. Besonders liebevoll ist es, wenn man das eine Vorderpolster ganz herausnimmt und an die Stelle ein tuchüberspanntes Brett legt. Auf diese Weise genoss z. B. Mucki in bequemster Stellung die Aussicht über die ganze Strassenbreite. Hat der Wagen einen sogenannten Ciel ouvert, ein Schiebedach, so kann es vorkommen, dass ein raffinierter Hund noch etwas zu verbessern weiss, Mucki liebte es jedenfalls, mit den Hinterpfoten auf dem Vorderpolster bleibend, aufzustehen und, mit den Vorderpfoten am obern Dachrand aufgestützt, oben hinauszusehen und den Fahrwind, der ihm so herrliche Düfte in die Nüstern trug, zu geniessen. In dieser Pose des Tieres glich unser Gefährt allerdings eher einem rollenden Denkmal oder einem Sechseläutewagen. Hunde haben technisches Feingefühl. Sie haben zu den einzelnen Wagen eine sehr persönliche, differenzierte Einstellung. Unser erster Wagen z. B„ ein rassiger aber rauher Vierzylinder mit offener Tourenkarösserie, genoss Muckis besondere Liebe. Wenn bei 80 Stundenkilometern das Holzwerk dröhnte, heulte er vor Vergnügen. Wahrscheinlich kitzelten ihm die Motorvibrationen lustvoll die Fußsohlen. Unser zweiter Wagen, ein feinerer Sechszylinder, Hess ihn kühler. Kurz nach dessen Anschaffung war Mucki öfters unauffindbar. Schliesslich entdeckten wir ihn in einer benachbarten Werkstätte, ruhig neben dem ge^ Kürzlich wollte ich auf meinem Balkon die Frühlingssonne geniessen. Ich legte mich auf den Liegestuhl und wickelte eine alte aber wärme Wolldecke um meine Füsse, Da stach mir unversehens ein beizendes, nicht unangenehmes Gerüchlein in die Nase, das ich nicht sofort erkennen konnte. Ohne mir einzubilden, dass ich eine besonders feine Nase habe, so bin ich doch gewohnt, nicht nur zu" sehen und zu hören, sondern auch aufmerksam zu schnuppern. Auf einmal erkannte ich nun das Düftlein: es war das, was unser Dialekt so schön als « hündele » bezeichnet. Wie war das nun möglich? Mein Lehrmeister im Schnuppern, unser Hund, war doch schon drei Jahre tot, und aus lauter Pietät war diese Lücke nicht mehr ausgefüllt worden. Und diese Decke hatte eine fleissige Seele inzwischen sicher schon manchesmal gewaschen. Aber es musste schon so sein, denn dieser Stoff hatte jahrelang das hintere Polster unseres Autos gegen die ungestümen Krallen unseres vierbeinigen Freundes geschützt. Das Düftlein, hatte also jahrelanges Lüften und Waschen überstanden. Von so viel Anhänglichkeit, bis über den Tod hinaus, war ich einfach erschüttert. Ich kam ins Träumen. Der gestreifte Stoff zu meinen Füssen liegt wieder im Auto, darauf sehe ich unsern Mucki, den schwarzen Schäferhund, mit freudigem Gebell, Gewinsel und Gezappel. Warum verbinden sich für so viele Leute die Begriffe Hund und Auto? Warum lässt man seinen Hund Auto fahren? Es gibt wohl viele Gründe dafür," ich kann nicht alle gleich gut nachfühlen. Am wenigsten leuchtet mir ein, dass der Vierbeiner wegen des dekorativen Eindrucks Auto fahren soll. Die schönen Photos in den eleganten. Modezeitschriften wollen mir nicht recht gefallen, wenn es darunter etwa heisst: « Mme X mit ihrer Sieger-Dogge am Volant ihres schnittigen Cabriolets». Ein so guter Freund wie unser Hund sollte mehr sein als nur eine Autopuppe. Andere mögen anders empfinden. Nicht viel edler dünkt mich die kalte Nützlichkeitserwägung, dass der Hund den Wagen bewachen müsse. Gewiss "tut unser Freund hier seine Pflicht mit wirkungsvoller Energie. Unser Mucki war dabei schlau. Er legte sich, seiner schwarzen Schutzfarbe wohl bewusst, auf den dunkeln Bodenteppich des verlassenen Wagens und Hess den Neugierigen ruhig ein Weilchen das Fahrzeug umkreisen. Es war ein ziemlich ausgefallenes Fabrikat, das viele « Markensammler » anlockte. Und plötzlich kläffte er wütend los, wobei manch einer seine Wundernase im Schrecken übel anstossen • konnte. Man kann einen Hund aus Menschenverachtung spazieren führen. Jeder Hundebesitzer hat wohl seinen Tag, an dem er die Freundesqualitäten seines Tieres über alle Menschenfreundschaften stellt, wie Schopenhauer es tat. Eine bekannte Dame fand es provokant, Hunde spazieren zu fahren und Menschen zu Fuss gehen zu lassen (sie ist Auto-Nichtbesitzerin). Da sie glaubte, mich jungen Springinsfeld hochnäsig ansehen zu müssen, war es mir ein süsser Spass, recht oft an ihrem Hause vorbeizufahren und Mucki neben mich auf den Ehrensitz zu setzen. Die meisten Menschen werden ihre Hunde deswegen mitnehmen, weil sie den Tieren eine : riesige Freude bereiten und sie es uns als gute Gesellschafter reichlich lohnen. Alle Hunde fahren gerne Auto, Ausnahmen kommen mir r als nicht ganz normal, vor. Es mag ein Hund noch so sehr an der Limousinenkrankheit leiden, sie tut seiner Reiselust keinen Abbruch. Wie wohltuend ist für uns blasierte Menschen die kindliche Urwüchsigkeit, der, Empfindung : beim Hunde! Wie ehrlich ist seine Freude, seine Dankbarkeit, wie fröhlich seine bettelnde Schlauheit! Mucki kannte zwei, Reizworte, « fort » und « Auto ». Es mochte in irgend einem Gesprächszusammenhang eines dieser i Worte fallen, so heute er todsicher freudig auf. Er überlegte wohl soi^man kann nie wissen, ob « Fortgehen » oder « Autofahren » grad , aktuell ist, und dann habe ich dafür gesorgt, dass man mich nicht einfach yergisst. Vielleicht spekulierte er auf eine weiche Regung, dass man auch mal extra wegen ihm ausfahre«