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E_1936_Zeitung_Nr.023

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18 Äutomofcil-Kevue

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N»2S Tltw JZUI Zschega Von Annie France-Harrar. Man muss-wissen, was ein Tschego ist. Für jene, (die diese Aequatoriale Welt niemals kennengelernt haben, sei gesagt, dass man Tschego die Menschenaffen nennt, die es in Java, in Borneo und Sumatra gibt. Soweit das einen wirklichen Orang oder Schimpansen anlangt, bedeutet dieses Wort einen Begriff, nicht ohne Furcht, aber keinesfalls ohne dass hier ein Messer und ein Holzknuppel seien, mit denen man das Eis für Getränke zerkleinern müsse, und dass dieses zerkleinerte Eis dann in einen bestimmten Glasbehälter getan werde. Oder dass dieses Salzfass nicht ausgeschüttet werden dürfe. Oder dass Tischtücher mit gleichen Rändern aufgelegt werden sollten. Und dergleichen wich- Hochachtung. Wenn dagegen ein Mensch, noch ti;!ge und schwierige Aufgaben mehr. Der Tschego dazu in unzweifelhaft unzufriedenem Ton, als Tschego bezeichnet wird, so meint man das als eine entschiedene und eindeutige Beleidigung — ganz besonders aus dem Munde eines Weissen. stand dabei, schwitzte vor Mühe, zu verstehen und machte nachher alles genau so falsch wie zuvor. Wenn er Assani die Platten beim Servieren aus der Küche hereinholen sollte — nachdem man doch bekanntlich überall in den Tropen die Küche aus mancherlei Gründen ausser dem Hause anlegt — so richtete er oft das grösste Unheil an, stellte die Kompottschüssel auf die Bratenstücke, goss Fischtunke über Ananasscheiben oder wälzte den Käse in Cayennepfeffer. Folge davon, dass ihn zuerst Assani aus dem Speisesaal jagte, und dass er wenige Minuten später von Monsieur Wei durch einen Fusstritt auch aus der Küche hinausbefördert wurde, worauf das weitere Essen sich reibungslos vollzog und der kleine Suratti, dem es niemals einfiel, ganze Eisblöcke zu servieren, an Stelle des Tschego Platten und Brotkörbchen schleppte. Wenn sich später im Eingeborenenwinkel ein lautes Geschrei erhob, so bedeutete das fast sicher, dass der Tschego sich auch dort in die Arbeit "mit seinen ungeschickten Händen eingemischt hatte. Einmal kam ich gerade dazu, wie er den gxossen Topf mit heisser Seifenbrühe umwarf, ein andermal konnte er nur im letzten Augenblick' noch daran gehindert werden, die glühenden Kohlen aus dem Bügeleisen über einen Stoss frischgeplättete Bettwäsche auszustreuen. Sicher, er hatte den besten Willen, er wollte arbeiten, er wollte helfen, er wollte sich bessern — aber es gelang eben nicht. Nie habe ich einen tölpischeren Menschen gesehen, während doch sonst Eingeborene fast immer geschickt sind greifen.- und Handfertigkeiten so leicht Das einzige Geschöpf, das nicht mit ihm zankte oder ihn fortjagte, war eigentlich nur das kleine Mädchen, Wenn man von allen Seiten sich seiner Stadttheater Abends 8 Uhr, Sonntet nachmittags. 3 Uhr. Fr. abend 20. März R 'o°ietto, Oper *» a Jnü (A-Ab. 14). Sa. nachm. 21. März 2Vl l K Vorstellung för Landschulen: Wilhelm TelL Sa. abend 21. März Margarethe. So. Torm. 22. März 10J * rjbT: Tanzmaflntt BIce Hartmann. „ SO. nachm. 22. März Kaiserin Josephina. So. abend 22. März Gaby, Operette v, Bernard Grün. Mo. abeni 23. März Volksvorstellung. Di. abenl 24. März H °P sa . m Volksvorstelhmtspreisen. Mi. abend 25. MäR Margarethe. DO. abend 26. März Kaiserin Josephine. Schauspielhaus ****** *?* ^^s* r Uf nachm. SH Dhr. Fr. abend 20. März " ir heilige Held, Schauspiel von s ' " Caesar von Arx. Sa. abend 21. März Das fremde Kind. SO. nachm. 22. März 3* £ 8K Uhr: Die urientschuldigfe Stunde, Lustspiel SO. abend 22. März von Stefan Bekeffi. Mo. abend 23. März Gastspiel Dramatischer Verein Zürich: Uraufführung: Expertise, Schwank in 4 Akten von T. J. Felix. Ltg.: Mario Volkart, du Tbiätre nat. de l'Opfira de Paris. Allgemeine Körperkultur, Rhythm. Atmungs-Heil-Gymnastik. 2 schone, helle Säle, Douchen, Massage. wiener Stimmungskanonen. —, Jecki, der Humorist' Erstkl. Küche, gepflegte Weine. ->- Täglich Konzerte erster Orchester. Parkplatz vor dem Haus. Inh.: Farn. ZDrcher. «entledigt» hatte, so nahm er meist das Kind auf den Arm oder er Hess es auf seiner Hüfte reiten. Die Kleine Hess sich das stillschweigend gefallen. Sie behandelte ihn so, wie Kinder manchmal eine Bank oder ein Holzpferd behandeln. So benützte sie auch den Tschego, und wahrscheinlich war der Tschego auf seine unbeholfene Art sehr glücklich darüber. Denn schliesslich gab es doch überhaupt jemanden, der seine Dienste annahm und ihn nicht wegschickte. Wenn es auch nur dieses winzige Geschöpf war, um das sich selbst die Frauen untertags nur wenig kümmerten, weil sie keine Zeit dafür hatten. Es war also eine tragische Ungerechtigkeit des Schicksals, dass gerade dieses kleine Mädchen die Ursache wurde, die zuletzt dem armen, ungeschickten Tschego das Leben kostete. Habe ich schon gesagt, dass knapp vor dem Eingangstor des Vorderhauses, in dessen Garten unser Bungalow samt Nebengebäuden lag, die Strasse vorbeiführte, und dass auf dieser Strasse in den Morgenstunden die japanischen Gärtner und Schneider, wenn sie die Nacht über Würfel gespielt und viel gewonnen hatten, wahre Rennfahrten ausführten? Diese Strasse war gefährlich, um so mehr, als sie gerade hinter dem Hause ins Knie ging und sich dann um die Zäune herum gegen den Rio Säle zu verlor. Es geschah ganz einfach, und wäre der Tschego eben nicht der Tschego gewesen, so wäre überhaupt nichts vorgefallen. So suchte er das Mädchen, das er auf der Strasse vermutete, als er die Staubwolken der Autos heranfahren hörte, und blieb dabei mitten < in der Fahrbahn 'stehen, täppisch wie immer, ahnungslos über das, was Aun zu tun sei. Hörte nicht, sah nicht, begriff nicht. Wurde einfach überfahren, nicht anders als ein Stein am Wege. Wer es war? Eine davonrasende Staubwolke, ohne Nummer, ohne Merkzeichen. Man hat es nie erfahren können. Der Tschego war —- man muss fast sagen, glücklicherweise — sofort tot. Das Auto hatte ihn zerquetscht wie einen Regenwurm. Seine Familie jammerte schrecklich und wollte es gar nicht glauben. Als letzte kam das kleine, schwarzlockige Mädchen hergelaufen — es war gar nicht auf der Strasse gewesen — und während die Erwachsenen laut zu weinen anfingen, stand es ganz still, sah aus nachdenklichen, schwarzglänzenden Augen auf den Toten und schlich sich dann leise fort. Und das war das Ende des Tschego. Man könnte, wenn man wollte, eine lange sentimentale Nachrede daranknüpfen, aber das 8 hat nie jemand getan. Denn die Sonne des Aequators das hat nie ist hart und schattenlos, Aequators ist und hart und schattenlos werden auch h die die Schick-: S «Je unter ihr, sogar, wenn es sich nur um einen. fTschegoi handele Zürcher Unterhaltungsstätten Gymnastik — Tanz im Conservatoire de Danse, Obere Zäune 20 Odeon-Bar: Hungaria - Jonny Bar Beatengasse 11 StudlO Nord-SÜd Schlffliridtplate Premiere: Träntet dam Cralnqaebme,