Aufrufe
vor 11 Monaten

E_1936_Zeitung_Nr.017

E_1936_Zeitung_Nr.017

12 Ätrtomobü-Revne —

12 Ätrtomobü-Revne — Mit Ski um den Piz Tambo agr. Splügen ist jetzt den ganzen Winter über mit der Autopost oder dem Privatautomobil zugänglich. Der Vorteil dieser näher und bequemer gestalteten Erreichbarkeit sollte wirklich besser ausgenützt werden als es bisher der Fall war. Splügen rückt damit nicht nur in den Bereich der Skiferien, die sich über Wochen erstrecken, nein, für den Automobilfahrer steht es nun auch für kürzere Fristen zu lohnenden Unternehmungen offen. Man sollte sich darüber freuen, ausser Flims, Lenzerheide, Savognin usw. nun auch Splügen in seinem Bereich zu haben. Es gibt zwar immer noch Autofahrer, die dem Winter und seinen Tücken mehr als misstrauisch gegenüberstehen. Die Kälte, die Ungewissheit der Strasse, all das hält sie zurück. Gewiss, es ist anders als im Sommer, Fahrten in winterliche Berge haben einen Beigeschmack von Abenteuer und Romantik, die dem Autotourismus leider sonst nur allzusehr abgehen. Und schliesslich sind ja auch Bahnen und Postautomobil nicht zu verachten. Es ist schön, wie die Berge uns langsam entgegenkommen. Am Kerenzerberg hebt man sich aus Dunst und Nebel in die warme Wintersonne. Bald grüsst der kleine Felskopf des Spitzmeilen, bald die breiten Skihänge des Piz Sol, dann sind wir schon in Chur. Am Weg nach Thusis liegt manches alte Schloss, an dem Traum und Wunsch der Jugend, Vergangenheit und Glanz der Jahrhunderte hängen. Immer wieder aber überrascht der Uebergang vom Lieblichen zum Bedrohlichen in der Viamala. Die Strasse ist ausgepfadet und steil, die Felswände wachsen über und unter uns bedrohlich an. Eiszapfen riesigen Umfanges hängen am Fels, glitzernd, glasklar und nicht ungefährlich. Manchmal zerbirst einer. Man muss ja nicht gerade unter ihm stehen, diese Chance ist nicht g»oss. In der Tiefe rauscht das grünliche Wasser des Rheins. Nachher öffnet sich ein Blick auf weisse Berge. Nicht für lange. Bald schliessen sich die Talseiten wieder zusammen. In vielen Kehren steigt die Strasse. Wald und Fluss halten uns treulich Gefolgschaft. Nach dieser schönen Wildnis erscheint uns das Dörfchen Splügen wie eine Heimat. Splügen. Man hält das Skigebiet auf den ersten Augenblick für zu steil, zu sehr mit Wald durchzogen. Man misst mit dem Mass der sanften Hänge der "Lenzerheide oder der Parsenn. Das Gelände ist sehr abwechslungsreich, in einem guten Sinne rassig, mit Wäldern durchsetzt, die nicht so dicht sind, als dass man sie nirgends in einigermassen flüssiger Fahrt durchqueren könnte. Es gibt da Touren zu den Surettaseen, zum Bemhardinpass, zum Safierberg, zum Bärenhorn. Man findet aber vor allem ein prachtvolles Gelände unter und um den Piz Tambo. Das soll nicht heissen, dass das Tambohorn selbst zur Besteigung ein idealer Berg sei, trotzdem es auch in den winterlichen Monaten zu erreichen ist, wobei die Ski bis zum Lattenhorn und je nach Schneeverhältnissen sogar noch weiter verwendet werden können. Dem Piz Tambo nördlich vorgelagert ist die Danatzhöhe. Man verlässt zu dieser Besteigung die Splügenstrasse sobald sie sich nach den ersten Kehren taleinwärts wendet. Durch lichten Wald, durch Schneisen und über offene Hänge am sogenannten Neuenstaffel vorbei erreicht man den breiten Rücken der Danatzhöhe, die zum ersten Male- den Pitz Tambo mit dem wundervollen Zusammenlaufen seiner Gratkanten von nahe zeigt. Die Tour kann mit einer kurzen Abfahrt zur Tamboolp fortgesetzt werden. Hier hockt die Einsamkeit Tambo' hinauf. Ein Punkt glücklichster Eignung ist der Alpetlistock, den man vom Berghaus aus in etwas mehr als einer Stunde erklimmt. Man findet dort einen sehr freien und harmonischen Blick nach dem Norden auf sanfte Berge und Täler, aber das ist nicht das uns fesselnde. Der grosse Anziehungspunkt ist das Tambohorn mit seinen Graten, das sich direkt vor uns im Süden aufbaut. Seine Kämme funkeln und in seinen Wänden liegt der ewige Schatten des Winters. Ausser ihm ist da nichts mehr, die Gewalt seines Daseins legt sich schwer und herrisch auf uns. Die Abfahrt besitzt die Gelöstheit eines Traumes. Vom Berghaus abwärts kann man dann der Strasse folgen oder ihre Schlaufen abkürzen. Später freilich ist man auf die Strasse angewiesen, die einen schönen Ausklang des Tages erlaubt. Ihre Neigung ist gerade so, dass die Fahrt weder zu langsam noch allzuschnell wird. Mehr Erfahrung fordert der Anstieg vom Berghaus in den Sattel zwischen Piz Tamborello und Lattenhorn. Die Hänge sind zu oberst sehr steil, aber bei sicherem Schnee ist die Abfahrt vom Lattenhorn nach Splügen, entweder über die Danatzallerorten. Und in eine völlig fremde, unbekannte Bergwelt blickt man, wenn man zwei Stunden weiter über Mulden und Höhenzüge zum Areuepass geht, auf dessen Höhe der rassige felsige Nordgrat des Tambohorns seinen Anfang nimmt. Die Abfahrt vom Areuepass bis nach Splügen mit ihren etwa elfhundert Metern Gefälle zeigt alle Arten des Geländes, das bald eine harmlose Schussfahrt, bald einen gut und sicher angelegten Slalom verlangt. Am schönsten aber ist das Gelände um das Berghaus am Splügenpass. Mitten in einer Landschaft, deren Anziehungspunkt das verschneite Surettahorn ist, ziehen sich die Hänge zum Piz höhe und den Neuenstaffel, oder über das Berghaus und die Strasse, das Schönste, was man in Splügen findet. Will man vom Lattenhorn aus den Piz Tambo ersteigen, so rechne man von dort zum Gipfel etwa drei Stunden. Die Mischung des Splügener Skigeländes mit Wald, Steilhängen und sanfteren Mulden erscheint mir glücklich. Dazu bietet es etwas, was die berühmten Kurorte kaum mehr aufweisen können, eine wohltuende Einsamkeit für deti Skiwanderer. Es ist schön, nicht immer auf Leute zu stossen, die ihre Kunst vor einem produzieren wollen Skilaufen ist Mode geworden, ich bin gar nicht gegen diese Mode. Aber hie und da mag man doch nichts von den Allzuvielen wissen, die den Skilauf nicht anders betrachten als ein Theaterstück, in dem sie gerade auch eine mehr oder weniger gelungene Rolje spielen. Der echte Skilauf ist mehr als Mode, sportliche Betätigung, Erholung oder Rekordaufstellen. Er ist tiefstes Bedürfnis des die Natur fühlenden, des Wanderers, des Bergsteigers. Nicht vergebens hat einmal einer den Schneeschuh den Bruder der Einsamkeit genannt. Wieder fährt der Wagen zur Tiefe nach ein paar kurzen aber vollgedrängten Tagen. Irgendwo liegt der letzte Schnee. Dann wird die Erde wieder grün und atmet. Ihr Duft ist noch schwach, aber er trägt etwas vom Frühling in sich, wenn es auch noch viel zu früh dazu ist. Es ist schön, die Erde und ihr Leben zu spüren wie eine Verheissung. Zeichnungen Kurt Vogt. Eine theaterfreudige Kleinstadt Das kaum 7500 Einwohner zählende ostschweizerische Städtchen Wil ist wegen seiner Theateraufführungen weit herum berühmt. Nicht nur das Schauspiel, auch die Oper wird gepflegt. Vor einem Jahr hat der Wiler Theaterverein mit der «Verkauften Braut» von Smetana einen Schritt zur heiter musikalisch-dramatischen Kunst hin unternommen. Diesen Winter hat man nun eine der ausgesprochensten österreichischen Operetten aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, Zellers «Vogelhändler», aus der Truhe der Erinnerungen hervorgeholt und in alter Frische und mit viel neuem Charme auf die Bretter der Wiler Tonhalle gebracht. Ini Hauptort eines Ländchens, das einst menschenfreundlichen und kunstverständigen geistlichen Herren Untertan war, ist die Fest- und Theaterfreudigkeit vor den Wochen der kargen Fastenzeit eine treu gehütete Tradition. SVZ. Ueber die Schweiz liest man in ausländischen Zeitungen oft recht köstliche Sachen: der Ausländer betrachtet unser Land durch seine eigene Brille, und wenn er sich darüber äussert, werden wir uns mancher Zustände und Erscheinungen erst bewusst, die wir der Gewöhnung wegen schon gar nicht mehr als etwas Besonderes betrachten. Kürzlich schrieb Karl Baum im «Prager Tagblatt> (das mit den sechs Personen, die den Schnellzug anhalten lassen, ist natürlich nicht buchstäblich zu verstehen): In der Bar und im Dancing erscheinen an manchen Abenden die Abgesandten der — Heilsarmee. Die Musik bricht ab, der Tango wird nicht zu Ende geschleift, es erklingt ein frommes Lied. Dann sammeln sie ab, die gottergebenen Männer und Frauen, drücken den sündigen Erdbürgern, die sich mit einem Franken Absolution erkauften, ein Zeitschriftchen in die Hand und verschwinden. Und gleich ist die Stimmung wieder hergestellt. (Wenn es vorher eine gab.) Automaten sind beliebt: Die Strassenbahner haben Automaten am Bauch, mit denen sie das Kleingeld hinausknipsen. Eine Art Maschinengewehr, das Münzen schiesst. Rollfilm kann man für einen Franken in den meisten Städten und in allen wichtigen Tourenpunkten aus dem Automaten holen, auch zur Nachtzeit. Und in Lugano sah ich einen Strassenautomaten unter Glas, der für einen halben oder einen Franken kaltes Büfett abgab: Eine Büchse Sardinen oder zwei Klobassen oder «Wienerli» (unsere «Frankfurter») und dann natürlich alle Arten Käse und immer ein Brötchen dazu. Mit Brötchen und Zündern ist man in der Schweiz grosszügig. Sie kosten nichts, und man bekommt sie reichlich. Dem gegenüber wirkt es komisch, dass man bei einem interurbanen Gespräch auf einem Postamt neben der Gebühr noch 20 Rappen für die Benützung der Telephonzelle zu zahlen hat. Notbremsen darf man ohne Grund natürlich auch in der Schweiz nicht ziehen, wenn man nicht beträchtliche Nebenauslagen haben will. Aber sechs Personen können jeden beliebigen Schnellzug in einer Station anhalten lassen, in der er fahrplanmässig nicht hält. Sie müssen das nur vorher am Schalter melden und sind auf alle Fälle verpflichtet, mindestens sechs Karten zu lösen. Das ist besonders in Orten angenehm, die Ausgangspunkte oder Ziel von Touren sind. Neue Entdeckungen im Berner Oberland. Nachdem ein deutscher Photoreporter den Tatzelwurm entdeckte und sechs Engländer — wie in Nr. 13 des Auto-Magazins Dr. Pozzy de Besta berichtete — über die im Berner Oberland vorgefundene Gastfreundlichkeit höchst entzückt waren, haben wir zumeiden, dass innerhalb dieser Entdeckungen sogar noch eine weitere Entdeckung gemacht worden ist. Die Leitung der «Swissair» lässt uns mitteilen, dass das komfortable Kabinenflugzeug, welches die Söhne Albions nach Interlaken brachte, nicht der «Imperial Airways», sondern dem Flugzeugpark der «Swissair» angehört. Stadttheater Abends 8 Uhr, Sonntag nachmittags 3 Uhr. Fr. abend 28. Febr. Gaby (B-Ab. 12). Sa.n8CtlHI.29. Felir. 2 ^ Vorstellung fBr städt. Schulen: Wilhelm TelL 6. B. 1. 7./8. Zeichnung Bu» Auch das Kapnolett kommt nicht darumherum. Genf Lngane II. Fiühiahrs-Skimeeting. Ttg»*k geführte Tonren Französischer Skitag, erp. Tan der « Föderation des Skienrs de« Vosges » (Becher des Reisebüro« Edelweiss, Strasbourg) Abfahrtsrennen des Skiklubs JOpina von der Corviglia-HüUa (nur für Mitglieder) Lala Gäste-SUrennen Chalanda März Hochalpiner Skitourenkur» Basler Fastnacht: Umzug«, Mukenballe, usw. Beginn am 2. Marx, morgens 4 Uhr (Morgenstreich) VH. März-Skirennen, offen für alla Fahrer Slalom (Ski) Extrakonzert. Leitung: Eraaat Ansermet Skimeisterschaften Ton Arom fttr Gäste Mittwochrennen fBr Gäste (Skiklub Alpina) Konzert des «Orchestre rom&nd». Leitung: Adrian Boult (B. B. C, London). Solist: Stefan Frenkel, Violine Fuchsjagd für Gäste und Klubmitglieder S. C. Berg Konzert der «Menestrandia»: Alte spanische Musik (Athenee) Offiz. Feier zur Eröffnung der Gandriastrasse Symphoniekonzert Abfahrtsrennen des Ski-Club« Corviglia (Fuorcla - Schlattai»- Varsity-Finish) Ski-Chilbi des NSKZ im Giarf Hotel 7. März-Skirennen, offen ftr aOa Fahrer Sa. abend 29. Febr. Kaiserin Josephirt«. Telephon 32.363 So.nachm. I.März Kaiserin Josephine. Moderne Zimmm. Reise Butterküche. Ze*- So. abend I.März Riooietto. temässe Preise. Besitzer: Rösfor-Mtsar, Chef de cuisine. hau elhau Abends 8K Uhr. Sonntag nachm. Sü Uhr. mma hau Fr. abend 28. Febr. Clavigo, Schauspiel von Goethe. Telephon 58.911 an Ummatplatz Hotel - Restatirant - Säle. Wannen- nnd Sa. abend 29. Febr. Unentschuldigte Stirn*. Medizinalbäder. Zimmer m. fl. Wasser 3.50. SO.nachm. I.März 3 Uhr: Die trste Legion. Zentralheizung. Geheizte Garage im Hause. Eigener Parkplatz. So. abend 1. März Unentschuldigt« Stund«. Stauffacherstrasse 41. Das Cafehaus mit den bescheidenen Preisen. Rendez-vous vor und nach dem Kino. Wiener Stimmungskanonen. ^- Jecki, der Humorist Vegetarisches Rest Engehaus General Willestrasse 8 Erstklassige Diätküche. Parkplatz v. d. Hatts. Wolf Limmalquai 132, b. Central F. Winisdörfer Erstklassige Menüs 1.70. Kuchenspezialitäten. Orchester Leindecker. I Das Kapnolett TV Kommende Ereignisse 4.,11.,18.,23. St.Moriti Ganf St. Moritz Min: Zürcher Unterhaltungsstätten Apollotheater Cafe-Rest Odeon-Bar: Hungaria - Jonny Bar Beatengasse 11 Erstkl. Küche, gepflegte Weine. — Täglich Konzerte erster Orchester. Parkplatz vor dem Haus. Inh.: Farn. Zürcher. Studio Nord-Süd schiffiändepiatz «Fanny», Drama simple et poignant I. Kürz bis Ostern Dnva 1. K»**U«T« 1. lt. Motte 1. Montana-Vi 1. Pontxesina 1.—7. Saas-Fea 2. o. 4. Basel 3. Wesgvs 3. MOzran 3. Bera 4./S. Xx*w Zeughauskeller ** paradeplatz Eine Sehenswürdigkeit Küche und Kethr berühmt Familie Biedermann-Sutter, Besitzer des Hotel Engel in Baden, b. Tnrm. Prfvatpensfon S*?" 1^116^« 96 » r Cafe-Restaurant zur Katz Talstrasse 83 Feinschmecker shrd begeistert über unsere Grill-Spezialitäten. Täglich Poulet vom Grill rarniert 2.50. - Parkplatz vor dem Hause. Hotel RothUS Marktgasse 17 Allabendlich «Bunte Bühne>. Zimmer mit Zentralheiz, und fliessend Kalt- u. Warmwasser. Fr. 3.50. Frühstück Fr. —.80, Bedienung 50 Cts. Jos. Füchslin-Hensler. Grosae AUSWAHL Irrt Autoparkplatz - off. bis 24 Uhr - Nüschelerstr. 30 Hotel Sternen - Zurich-Oerlikon N*I7 Franklinstrasse 1 Schöne Zimmer mit fliess. Wasser. GotgaC Küche. Bescheid. Preise. Garage. TeL 68.065. Bes. P. Wöoer.

17 — Automobil-Revue. 13 Hans Reim ann: Motorbummel durch den Orient Hermann Hesse: Ankunft in Ceylon In dem gleichnamigen Buch Hans Hamanns, das an dieser Stelle bereits besprochen wrrden ist, wird die Fahrt von Berl n bis Bagdad und zurück über Aegypten und Griechenland geschildert. Wir gehen im Folgenden die einleitende Schilderung mit Erlaubnis des Verlages Müller »:..v ' ,-••• r ~ j Kamele aber sind rechter Hand. Dennoch ein Fluss, ein über die Ufer getretener Fluss. Schau, schau: eine Ueberschwemmung — mit flachen Inseln, mit umspülten Oasen. Wo ist der Fluss und wo. die Ueberschwemmung? Man hat geträumt. Scheu wie ein orientalisches Frauenzimmer ist der Fluss entflohen. Er ist Land geworden. Drei Kilometer weiter ein anderer über seine Ufer getretener Fluss, eine Ueberschwemmung mit flachen Inseln und umspülten Oasen. Das wiederholt sich. Die Ueberschwemmung ist Halluzination. « Sarahb » nennen es die Araber. Man gewöhnt sich daran. In der militärischen Station Haman betet ein Soldat. Kameraden schauen ihm belustigt zu. Er lässt sich nicht beirren. Dennoch muss er sich aus seiner Andacht losreissen. Zwei Beduinen werden eingeliefert. Sie haben einen dritten kaltgemacht und kommen morgen früh nach Aleppo vors Tribunal wegen Ueberschreitung des Waffenverbots. Gekreuzten Beines sitzen sie in der Zelle, plappern, rauchen. Man behandelt sie glimpflich und milde. In der Nacht werden die Soldaten alarmiert Das geht einszweidrei halbnackt aufs Ross, im Caracho werden die Uniformen übergestreift. Wie der Blitz auf und davon. Ich schaue ihnen nach. Die Nacht ist taghell. In Der el Sor wissen die Einwohner nicht, was sie wollen. Sie schwanken zwischen Wildnis und Kultur. Hocherhobenen Hauptes schreitet eine Araberin dahin. Ich überhole sie. Sie ist unverschleiert, aber um Mund und Kinn blau tatauiert. (Sven Hedin schreibt, die Frauen seien blau bemalt. Es ist nicht bemalt, es ist tatauiert). Um es zu verbergen, hat sie den Puder fingerdick auf die Tatauierungen geschmiert. Sie begrüsst ihr Kind aufs zärtlichste. Das Kind starrt von Mist und hat goldene Münzen ins Haar geflochten. Die Preise, die mir für Lebensmittel abverlangt werden, muss ich durch fünf teilen und bin auch dann noch reichlich übervorteilt Die syrische Bank hat Mittagspause, in einer Stunde soll ich wiederkommen, drei Stunden später ist der Chef anwesend, aber er wechselt kein englisches Geld. Von einem staatlichen Gebäude weht neben der Trikolore eine grünweißschwarze Flagge, drei Sterne im Weiss. Ein Neger steht auf Posten und jagt jeden Vorüberkommenden vom Gehsteig hinunter. In Mejadine hat man eine vielköpfige Familie ins Loch gesperrt — wegen gemeingefährlichen Familienhaders. Nun muss sich die Bande vertragen. Ein kaum den Windeln entronnenes Mädchen zwängt die schmierigen Fingerchen durchs Gitter und bettelt um Backschisch. Ein Hüne von Araber, ein Bedu, wünscht Unterhaltung mit mir. Er kann deutsch —- und zwar: «Obmann, Schnurrbart, Sporn, Schuh, Stuhl». Was jedoch (so fragt er) heisst « viele Stuhl »? Das heisst c Stühle ». Der Bedu ringt mit Gott und der Welt, um die Stühle herauszubekommen, aber es bleibt bei < beaueoup Stuhle». Die Araber reden hart und laut, sie müssen die Sätze herauspressen. Wenn sie sich Zärtlichkeiten sagen, klingt 1 es, als werde im nächsten Moment das Messer gezogen. In Abu Kamal, neben der Passkontrolle, prangt ein alkoholischer Laden als Mittelpunkt des Dorfes. Da gibt es Old Whisky, Cognac Dubonnet, Cognac Barthel freres, Pilsener Bier aus Malta, Peppermint, Kina Lillet, Anisette. Auf den Dächern lun- gern Soldaten mit Feldstechern und Scherenfernröhr. Düyffcke handelt für unser letztes syrisches Geld Zigaretten ein, zwanzig Stück für zehn Pfennig. Dia Preise sind angeschrieben, und die Zahlen sind arabisch, aber lesen kann ich sie nicht, denn was wir unter arabischen Zahlen verstehen, das sind keine arabischen Zahlen. Hinter Abu Kamal ist Syrien zu Ende. Der Euphrat nimmt kaum Notiz davon. Irak beginnt. Ein Lastwagen voller Infanteristen mit Maschinengewehren rattert an uns vorüber. Sie tragen schottische Käppis und statt der Kokarde einen Stern. Bald sind wir über der Grenze. Die Formalitäten, wie immer, kurz und schmerzlos. Der Beamte kann nicht lesen und schreiben. Wir müssen die Papiere selber ausfüllen. Zur Belohnung schenkt er uns die Gebühren. «Darf man hier übernachten?» «Bitte, mit Vergnügen!» Unter der Obhut irakischer Soldaten schlagen wir unser Lager auf. Die Leute bringen Trinkwasser, Brotfladen, zerschnittene Eier, frische Datteln. Weil wir Deutsche sind. Das Tollste vom ganzen Irak ist die Pipe line, die Rohrleitung von den Oelquellen in der Umgebung Mossuls 1500 km durch die Wüste bis Haifa. In Bagdad existieren keine berufstätigen Frauen ausser in den paar rein englisch geführten Läden. Buchhandlung Mackenzie ist so ausgezeichnet, dass sie im Zentrum Londons liegen könnte. B'ücher, Zeitschriften, Zigaretten, Stoffe, Autos und Fahrräder, alles made in England. Spielzeug, zumal mechanisches, ist in grosser Auswahl vertreten, ebenso gut wie teuer. Aus den importierten Gummitieren Hesse sich ein zoologischer Garten einrichten. Spezialgeschäfte führen Absätze für Damenschuhe, wie sie allenfalls beim Kostümfest möglich, wären: mit Pailletten und glimmernden Zutaten aus Gablonz. Propeller werden in Tische und Stühle zerzimmert. In den Konditoreien erhält man Törtchen von lästerlicher Süsse; die Wände sind mit Gebirgslandschaften dekoriert Manche Hotels sind «open for officers». Wir sassen in einer Wirtschaft und löffelten Eis. Binnen zehn Minuten tauchen zwanzig Hausierer auf, die ihre Ware häuptlings in einem Korbe balancieren und das Genick steifhalten, damit das Gleichgewicht nicht verloren gehe, und wenn man mit ihnen spricht, ohne dass sie sich in Blickrichtung befinden, müssen sie die Augen verdrehen, und wenn man sie länger anschaut und dazu schweigt, müssen sie lachen vor Verlegenheit. Sie hausieren mit Obstkernen, die sie in sechserlei Sorten führen, mit Krawatten, Gurken, mit Gebäck, mit Sockenhaltern und Aermelringen. Oder mit langen Papierhülsen für Zigaretten. Diese Hülsen sind auch im Laden zu haben, wo sie in radförmisen Packungen gestapelt liegen. Ueberall surrt der Ventilator, teils elektrisch, teils mit Handbetrieb. In einem Schneideratelier schlief der Papa sein Kopfkissen herunter, der Herr Sohn bediente die Windmaschine. Vor den Ständen der Obstverkäufer baumelt ein Messingring. So oft der Mann heraus will, klammert er sich an den Ring wie ein Aeffcben und schwingt sich über seine Fruchtkörbe hinweg. An den Strassenecken stehen Täburetts mit Fleisch und Gemüse in offenen Schüsseln. Wer Appetit hat, kauert sich dazu und speist mit den Fingern. Auf den Kuppeln der Moscheen haben sich Tausende von Tauben niedergelassen und regen sich nicht Haarschneiden geht anders vor sich als bei uns: der Patient wird von vorn bearbeitet Der Basar. gleicht einem von Schlingpflanzen durchseuchten Urwaldgestrüpp, das von einem talentierten Theatermaler entworfen wurde. Wozu in Deutschland ein Eintonnenwagen oder ein Kran benötigt wird, das erledigen in Bagdad zwei Lastträger. Sie schleppen Zementblöcke, Eisenschien«n, Geldschränke. Von den zweihunderttausend Einwohnern der Stadt haben etwa neunzig eine Radioanlage. Der englische Sender wird nur bei festlichen Gelegenheiten benutzt Am klarsten ist Moskau zu hören und infolgedessen weniff Musik. In den Kinos laufen amerikanische Filme mit französischer Textierung. Bei Programm- Wechsel werden bunte Wimpel über die Strasse gespannt. .„ Die hundert und aberhundert Kaffeehäuser sind bereits früh acht Uhr überfüllt, weil es die Einwohner Bagdads kaum erwarten können, nichts m tun. Von Damaskus bummelten wir nach Palästina. In Jerusalem standen englische Soldaten mit. geladenem Revolver neben der Klagemauer. Gottes-