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E_1936_Zeitung_Nr.017

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KvlomoGu-KerM W & dienst

KvlomoGu-KerM W & dienst fand in Anwesenheit aufgepflanzter Bajonette statt, "und der schwunghafte Andenkenverkauf in nächster Nähe der heiligen Stätten verscheuchte uns bis zur Halbinsel Sinai. "Wir wählten die Strecke über Bethlehem, Hebron, Birscheba, Asludsch, El Audscha und den Mitlapass, und dies war das wildeste Stück: mit vierstündigem Aufenthalt im Sandsturm. Der anmutigste Abschnitt unserer Reise war di« Fahrt durch Griechenland, die einzige Gegend, die so war, wie.ich"- mir's -vorgestellt hatte. -Nur von der Armut und dem Elend ahnte ich nichts. Das Militär ist verlumpt, in den Kleinstädten haben die Menschen Holzsohlen an den Füssen und denselben Schund am Leibe' wie wir in Kriegszeiten. Es herrscht Inflation, vier Tage in der Woche sind fleischlos, von dsn restlichen drei sei geschwiegen. Ueberfluss besteht lediglich an Korinthen, aus denen sogar Brot gebacken wird. Auf der Rückfahrt durch Serbien wären wir in Vran;e beinah eingelocht- worden, weil wir als Spione verdächtig waren. Von Belgrad ging es nach Triest, von Triest nach Trient, von Trient über den verschneiten Brenner nach Innsbruck, dann nach München und schliesslich nach Berlin. So, das wäre in Bausch und Bogen ein Vorbericht. Da sich's um einen Motorbummel handelt, soll das zum Thema «Auto» Gehörige gleich jetzt gesagt sein Ḃei 50 Grad Hitze (Syrien) und bei 10 Grad Der 1868 eröffnete Suezkanal, zu 60 Prozent englischer Besitz, war bereits nach dem elften Jahr amortisiert. Ein Dampfer wie unsere «Rheinland» zahlt für die Passage rund 20.000 Mark, weil der Umweg um Afrika herum wahrscheinlich 20 Pfennig mehr kosten würde und erschreckend viel Zeit in Anspruch nähme. Was Kairo betrifft, so ist zu sagen, dass der mit Stacheldraht umzäunte Sphinx bequem per Strassenbahn zu erreichen ist, und dass es Nilpferde nur im Zoologischen Garten gibt. Die Menschen in Kairo holen eich bei 22 Grad einen Schnupfen und klappern bei 15 Grad mit den Zähnen. Die Kopfbedeckung der Aegypter, der Tarbusch, solL demnächst im Inland erzeugt werden. Eine tschechoslowakische Firma hat der ägyptischen Regierung Kälte (am griechischen Olymp) hat der Motor einwandfrei und ohne die geringste Unregelmässigkeit dreiviertel Millionen Mark geboten, wenn sie vom Bau dieser Fabrik Abstand nimmt. Gross ist die gearbeitet. Losgegondelt sind wir ohne irgendein Sehnsucht nach Abessinien, wo man angeblich in Ersatzteil, hatten nicht einmal eine Ersatzzündkerze bei uns. Wir wussten ja, dass Ford überall wenigen Monaten ein reicher Mann wird. Von Alexandria setzten wir nach dem Piräus Reparaturwerkstätten unterhält. Aber gebraucht über und erholten uns in Athen, wo jedes humanistisch geschulte Herz jubelt. stand zurück, wie er haben wir nichts. Der Wagen kam im selben Zu- abfuhr. I Das Bücherbrett Olaf Gulbransson erzählt in seinem Buche « Es war einmal» zu diesen Bildern: < Eines Abends, als ich sie heimbegleitete, sagte sie: .Komm, gehen wir auf Akershus, auf die alte Festung'. Unter den alten Kastanien setzten wir uns auf eine Bank. Unter uns lag der Kristiania-Fjord mit dem alten Leuchtturm. Es war ein warmer Frühlingstag, und das Licht im Turm machte: Auf... ab..., auf... ab. Auf einmal setzte sie sich auf meinen Schoss und sagte: .Jetzt sind wir verlobt'. Ich wurde so traurig, sagte nichts, schaute das Auf*... ab..., auf... ab des Leuchtturmes an und,dachte: So ist es also, wenn man verlobt ist! Bei ihrer Haustür sagte ich bloss Gutenacht und ging ganz traurig heim. » Hören wir, was ein paar Menschen über • Gulbranssons « Es war einmal » sagten! Knut Hamsun begrüsst es mit den Worten: «Ein herzhaft amüsantes Buch in diesen dunklen .Wintertagen! Lasst es uns hinnehmen als das grosse Kunstwerk, das es ist. » Gerhart Hauptmann- sagt: « Eine Quelle der Heiterkeit, eine unvergängliche Therme sozusagen heilsamster Art für die Seele! Darüber hinaus aber für den tiefer Geniessenden: was für ein grosser geistiger und künstlerischer Genuss!» Hermann lehrt perfekt Französisch, Italienisch, Englisch, Hanshalt usw. Sport, Musik. Jahreskursbeginn: Ende April; Vorzügliche Ski-Gelegenheiten. Beste Referenzen. Prospekte. Gebirgslage, 700 m Höhe. Herr u. Frau Pfarrer Vonmard. Hesse schrieb: « Der Zeichner Gulbransson hat in diesem schlechthin klassischen Buch sich selber übertroffen. Man begnüge sich aber nicht damit, den Band als Bilderbuch zu durchblättern! Man muss ihn auch lesen und wird sehen, dass der grosse Zeichner auch ein vorzüglicher Erzähler ist. Und nicht alles ist harmlos und zum Lachen, was in diesem wunderbaren Buche steht; unter den norwegischen Geschichten sind auch solche von einer gewaltigen Wildheit und Dämonie. » (Verlag R. Piper & Co., München.) Chakalüekbildiuuj Cou plnrii CICII J Pensionat und Haushaltungsschule In Droehutoro" „Le Presbytere" Rudolf Olden, «Hitler». Querido-Verlag, Amsterdam. Hitler findet schon zu Lebzeiten seine Biographen. Auf Konrad Heiden folgt Rudolf Olden, und das wird wohl nicht der Letzte sein. Es ist sehr gut vorstellbar, dass man es sich zu seinem Steckenpferd machen könnte, Hitler-Biographien zu sammeln. — Da sich schliesslich doch nachgerade jedermann zwischen Oslo und Tokio früher oder später auf irgendeine direkte oder indirekte Art mit diesem Herrn auseinanderzusetzen hat, darf man darauf gespannt sein, zu hören, was und wer dieser Mann in Wirklichkeit ist. Und wie das eigentlich mit seinem Aufstieg war. Denn das, was die deutsche Presse darüber erzählt, sind Legenden. Hitler weiss es. Herr Göbbels weiss es auch. Und Olden beweist es. Tatsächlich hat ja Hitler schon sehr früh damit begonnen, sein wirkliches Leben und Handeln in ein mystisches Dunkel zu hüllen. Rudolf Olden zündet mit der « Tatsachen-Lampe » in diese künstlich geschaffene Dämmerung. Er hat nur em Ziel: die Wahrheit sprechen zu lassen. Hier wird nicht über-, nicht unter-, hier wird geschätzt. Tatsachen, Bücher und Reden des «Führers» und seiner Freunde ergeben ein umfassendes Bild. Olden hat mit viel Mühe Material über Hitler zusammengetragen, hat es mit ungewohnter Sachlichkeit verarbeitet, und das Resultat ist ein Werk, das uns das wahre Wesen dieses vom Arbeitslosen zum Herrscher eines 70-Millionen-Volkes Aufgestiegenen enthüllt: seine Labilität, Unbeständigkeit, sein unerschütterlicher Glaube an sich selbst und an das, was er sagt. Wenn eine amerikanische Journalistin einmal schrieb « Er ist der Prototyp des kleinen Mannes », deckt sich das mit der Feststellung von Olden, dass Hitler im Barbarischen der Kinderstube steckengeblieben sei. Erstaunliche Parallelen ergeben sich zu der ebenfalls in letzter Zeit erschienenen, in Nr. 11 des Auto-Magazins besprochenen Biographie Peters des Grossen (von Kersten). Beiden Despoten ist eigen die Unentschlossenheit, die Angst vor Entschlüssen, aber auch das gleiche, durch nichts aufzuhaltende Durchgreifen und blinde Wüten, wenn die Konstellation so ist, dass sich das Handeln nicht mehr umgehen lässt. Jeder, der die Wahrheit über diese zweifellos umstrittenste Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts und über seine Getreuen wissen will,' greife zu diesem Buche. Es lohnt sich, den Mann näher kennen zu lernen, von dem der Schauspieler Max Pallenberg sagt: « Er macht den Eindruck eines Heiratsschwindlers». Rudolf Olden ergänzt in einem anderen Zusammenhang logisch: « Es ist alles von ihm zu erwarten!» Rü. Keller-Tarnuzzer, Karl: «Die Inselleute vom. Bodensee ». Eine Erzählung aus der späten Bronzezeit. Mit Bildern von Werner Chomton. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. Selten hat man bis jetzt die Möglichkeit gehabt, einen Blick in das Leben des urgeschichtlichen Menschen zu tun, es sei denn in wissenschaftlichen Schilderungen, deren Lektüre nicht jedermanns Sache ist. Um so verdienstvoller ist es, dass der Sekretär der Schweizerischen Gesellschaft für Urgeschichte, ein Vollblut-Prähistoriker, Karl Keller- Tarnuzzer in Frauenfeld, den Versuch gewagt hat, das Leben der Bronzezeit in gestalteten Bildern darzustellen. In seinem Buch versenken wir uns in eine Zeitepoche zurück, die uns freilich nichts Schriftliches hinterlassen hat; aber der phantasiebegabte Wissenschafter versteht die Sprache der Funde, die die Erde in ihrem Schoss für die späten Nachfahren aufgehoben hat, und deutet sie. Wo heute die Burg Hohenklingen auf die Stadt Stein am Rhein hinabblickt, schauten vor 3000 Jahren vier Jäger auf ihr stattliches Dorf, das mitten im Rhein, auf der heutigen Insel Werd lag. Mit diesen Jägersleuten ziehen wir von der Hirschjagd heim in das Inseldorf und nehmen teil an dem Leben der Bronzezeitmenschen. Aus einer gefällten Eiche wird im Frühjahr ein Einbaum gebrannt und gemeisselt. Das zwölf Männerschritte lange Boot geht bei einer Wettfahrt mit den benachbarten Pfahlbauern als erstes durchs Ziel am Eingang zum Bodensee. « Stummelnase », der Giesser des Dorfes, vergräbt einen Lederbeutel mit geheimnisvollem Inhalt unter der Schwelle der Hütte des Häuptlings, damit dieser durch den Zauber umkomme. Aber dessen Sohn, «der Kleine Pfeil», vereitelt den Anschlag zum Glück für die Inselleute. Dank der überlegenen STILLE! STILLE! Jemand schläft, aber es stört nicht, denn die neue Erika schreibt leise, fast geräuschlos. 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Unter seiner Leitung wurden droben am Berg auf dem rechten Rheinufer im Wald an einem grossen überhängenden Felsen Nothütten errichtet. In diesem Felsenheim richteten sich die Inselleute notdürftig ein, denn da« Wasser stieg jeden Tag. Eine ganze Schlammflut fuhr auf das Inseldorf zu, Erde, Sträucher und unheimliche Baumriesen, denen die Palisade nicht standhalten konnte. Die Inselleute sahen dieses Zerstörungswerk mit an, behielten aber die Kraft, beim Einbruch des Winters, als die Insel wieder völlig frei war, ihr Dorf wieder aufzubauen und in frohem Fest freuten sie sich der wiedergewonnenen Heimat. Die Zeichnungen wurden von Werner Chomton in Zusammenarbeit mit dem Forscher und an Hand der Fundstücke gestaltet. Diese künstlerischen und sachkundigen Bilder unterstützen die Wirkung der spannenden Erzählung. Ein aufschlussreiches Bild der Kultur der späten Bronzezeit. Harnsäurearme Diät, abwechslungsreich und schmackhaft. Das Kochbuch bei Gicht, rheumatischen Leiden und nervösen Störungen. 363 Tage ohne Fleisch. Von Maria Hädecke. Mit Einführung in die Diät von Dr. med. B. Micklinghoff-Malten. Süddeutsches Verlagshaus G. m. b. H., Stuttgart Der grosse Vorzug dieses einzigartigen Buches besteht darin, dass es für jeden Tag des Jahres — also für 363 Tage — den Speisezettel für Mittagund Abendessen enthalt und dazu die bewährten Rezepte für eine Kost gibt, bei der Fleisch und Fisch völlig ausgeschaltet, Hühnerei, Molkereiprodukte, Mehl und Salz nur in kleinsten Mengen Verwendung finden. Damit ist allen Frauen, die für Kranke eine harnsäurearme Diät zubereiten müssen, eine grosse Sorge abgenommen. Sie müssen sich nicht mehr den Kopf zerbrechen, was sie kochen sollen, sie brauchen nur dieses Kochbuch aufzuschlagen. Dem Kranken aber wird so das Essen zum Genuss und zur Freude, denn nun bekommt er immer eine abwechslungsreiche und schmackhafte Kost. Die hier vorgezeichnete Diät ist aus den praktischen Erfahrungen eines Krankheitsfalles hervorgegangen, bei welchem ihre folgerichtige, langdauernde Durchführung den vollen Heilerfolg brachte. Kindergymnastik in Spiel und Reim. Von Lisa Mar und Frit Bahro. Mit 17 Bildern auf Kunstdrucktafeln. Süddeutsches Verlagshaus G. m.b. &, Stuttgart Es ist ein grosser Irrtum, mit der planm&ssigen Körpererziehung des heranwachsenden Kindes zu warten, bis es schulpflichtig ist. Jede Mutter sollte frühzeitig den Körper ihres Lieblings zu kräftigen suchen, um ihn widerstandsfähig zu machen gegen Krankheiten aller Art. Welcher Weg einzuschlagen, welche Mittel anzuwenden sind, zeigt dieses vorzügliche Büchlein. Die Gymnastikübungen sind der kindlichen Phantasie angepasst. Die eine heisst Schnecke, die andere Seehund, das Ziegenböckchen, der Storch usw. Dazu "ist jeweils der passende, lustige Reim und die genaue Erklärung der Uebungen gegeben. So wird körperstählende Gymnastik, die den Körper des Kindes kräftigt und e3 widerstandsfähig macht, zum Spiel und zur Freude der Kleinen. Gar bald wird das Kind die Reime auswendig lernen und die Uebungen von selbst Tag um Tag wiederholen, weil es darin immer wieder Vergnügen und Zeitvertreib findet Göschenen BAHNHOF BÜFFET Umladestelle für die Autos nach und von Airolo. Kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit. Auskunft über Fahr- und Transportverhältnisse. Tel. 2.11. (Nicht zu verwechseln mit Hotel Bahnhof.) Höfliche Empfehlung Steiger-Gurtner. F.Spitzbarth-Grieb, Zürich 8 Feldeggstrasse 58 — Telephon 27.464 SILBERSCHMIED SPORTPREISE BESTECKE

HI. Blatt Automobil-Revue Nr. 17 BERN, 28. Februar 1936 Diese kleinen Abwehrmittel gegen Unglück, diese Magnete für das Glück sind in der mannigfachsten Gestalt anzutreffen. Der sachliche Sportsmann hat seinen Fetisch im Auto hängen. Der Ozeanflieger trägt einen kleinen Hühnerknochen bei sich. Der Schriftsteller, der Artikel im Interesse der Volksaufklärung schreibt, hat an seiner Schreibmaschine ein Miniaturhufeisen angebracht. Manches Amulett hat dem Volksglauben nach seine Wunderkraft von Natur aus in sich, andere werden erst durch Weihen und Beschwörungen wunderkräftig gemacht. Uralt ist die Sitte, Amulette zu tragen. In den Grabstätten der alten Aegypter findet man winzige Schweinchen aus Gold oder Stein. Bis in unsere Zeit hat sich das Glücksschweinchen erhalten. Eine grosse Industrie sorgt dafür, dass die Menschheit nicht darauf vergisst, Amulette zu tragen. Der Glückspilz, der kleine Rauchfangkehrer, das Hufeisen, der Stern, die Glücksmedaille: fast denkt man dabei an die heidnischen Völker, die ihren Holzfetisch verehren ... Wie die Amulette aus den verschiedensten Materialien angefertigt werden, so zeigen sie auch verschiedenste Form; sie tragen Zeichen und Figuren, denen man geheimnisvolle Kraft innewohnend wähnt. Der Kreis, das Dreieck, das Fünfeck, die Zahl sieben spielen seit altersher ihre grosse Rojle bei den Amuletten. Besonders in der Liebe wird den Amuletten sympathische Wirkung zugeschrieben. Das einfache vierblättrige Kleeblatt, das mystische Venusamulett sollen den Verliebten beiderlei Geschlechtes die andauernde Liebe des andern sichern. Der Kampf gegen den Aberglauben wendet sich auch gegen die Sitte, Amulette zu tragen. Dieser Kampf scheint aussichtslos zu sein. Denn oft trägt man Amulette, ohne sich dessen bewusst zu sein. Viele, ja die meisten Schmuckgegenstände sind von vornherein als Amulette angefertigt. Die Edelsteine selbst haben die Wirkung von Amuletten; als Monatssteine in Ringen angebracht, werden sie auch von Leuten getragen, die sonst alles eher als abergläubisch sind. Im Grunde ist die Sitte des Tragens von Amuletten harmlos. Sie ist vor allem dadurch erklärlich, dass man diesen kleinen Gegenstand liebt und gerne trägt. Man trennt sich nicht von ihm; dem Menschen fehlt etwas, wenn er das Amulett ablegen sollte. Und so macht ihn eigentlich nicht das Amulett stark, sondern er selbst ist stark, weil er den Willen dazu hat. Sie ruhen von grossen Taten aus Die Mode und ... ... das Amulett Wenn das Amulett das bewirkt, so soll nicht weiter gegen diesen kleinen Gegenstand angekämpft werden. Denn vielfach sind Amulette nur Symbole, die den Menschen immer wieder an irgend einen Vorsatz erinnern. Wenn das Mädchen ihr kleines goldenes Herz betrachtet, so denkt sie freudig der Liebe und nimmt sich vor, doppelt so freundlich zu dem Geliebten zu sein wie sonst: und wenn nun der Geliebte dadurch noch mehr gefesselt wird, so ist nicht das Amulett schuld. Der Verlust des kleinen Goldherzchens könnte anderseits das Mädchen so traurig machen, dass es beim nächsten Stelldichein missmutig ist. Ist dann wirklich das verlorene Amulett schuld gewesen? Oder nicht vielmehr der Mensch selbst, der den Willen zum Freundlichsein verloren hat? Nicht die Amulette sind es, die dem Menschen Kraft verleihen und ihn mit dem Glück verbinden. Der Mensch selbst stattet vielmehr diese winzigen Dingerchen mit geheimnisvoller Kraft aus; indem er ihnen die Verantwortung für sein Handeln überträgt. J. R. H. ... die Politik (Photo Gattiker) Strömungen, in denen sich das Nationalbewusstsein in der Kleidung ausprägt, kann man immer wieder da beobachten, wo ein Land durch politische Neuorientierung sich auf seine Eigenart besinnt. Hand in Hand mit derartigen Tendenzen geht gewöhnlich ein Besinnen auf das Folkloristische und der Wunsch, die innere Einstellung nach aussen zu betonen. Als typisches Beispiel dürfte wohl das heutige Russland gelten, wo bis vor kurzer Zeit der westlichen Mode überhaupt die Riegel geschoben waren und nur die Russenblouse in allen Variationen Bestand hatte und als Bekenntnis zur nationalen Gesinnung galt. Vor der politischen Umwälzung auf der iberischen Halbinsel haben sich plötzlich auch die Spanierinnen wieder ihrer nationalen «piece de resistance», des Shawls, erinnert und ihm wieder einen Platz in ihrer Garderobe eingeräumt, wie er ihn seit langem nicht mehr besessen hatte. Es mag in diesem Zusammenhang auch an die Vorschriften erinnert sein, die in Deutschland der Nationalsozialismus den Frauen diktierte, bei denen es sich zwar weniger um die Kleidung selbst handelte, als um gewisse modische Gepflogenheiten, die «eine deutsche Frau nicht tun sollte», weil dem deutschen Nationalcharakter wesensfremd, wie rauchen, das Benützen des Lippenstifts usw. Aus denselben Erwägungen heraus dürften auch die Bestrebungen, eine eigene deutsche Mode zu kreieren, entstanden sein. Der Grund ist gewiss nicht Hein darin zu suchen, auf dem Gebiete der Mode wirtschaftlich von Paris loszukommen, sondern vor allem in dem Bemühen, deutsche Eigenart und deutsches Wesen in der Kleidung zum Ausdruck zu bringen. Durchgedrungen ist allerdings bis heute diese Bewegung nicht, denn wohl ist die Mode auf kurze Zeit gewissen Tendenzen zugänglich — sie lässt sich sogar mithin allgemein von ihnen beeinflussen — wir haben etliche Jahre russische Stiefel und eine Art türkischen Fez getragen —, doch lehnt sie auf die Dauer jegliche Diktatur ab und geht ihre eigenen, unberechenbaren Wege, die oft genug zu Rationalisierung oder autarkischen Bestrebungen nicht nur keine Beziehung haben, sondern oft das gerade Gegenteil bezwecken. Sissy. ... die Standesunterschiede Die Eleganz der weiblichen Angestellten Englands war kürzlich Gegenstand amtlicher Erörterungen. In Edinburg fand eine Konferenz statt, auf der man sich mit der Frage der «workmen's tickets», der ermässigten Fahrkarten für die Angestellten und Arbeiter, beschäftigte, die im Autobus zu ihrer Arbeitsstätte fahren. «Während früher», so führte ein Referent aus, «der Autobusschaffner bei einem weiblichen Passagier meistens auf den ersten Blick erkennen konnte, ob sie eine Arbeiterin, eine Angestellte eines Geschäftes oder eine verwöhnte Dame aus wohlhabenden Bevölkerungsschichten sei, ist eine derartige Unterscheidung heutzutage schwer geworden. Denn die Fabrikarbeiterin, die Verkäuferin, die Stenotypistin kleidet sich häufig mit der gleichen unaufdringlichen Eleganz wie die jungen Ladies aus der Luxussphäre. Wenn auch das Material der Kleider billiger ist, wenn auch Pelzwerk, Federn usw. nur Imitationen sind — man muss schon ein sehr gründlicher Sachverständiger sein, um auf den ersten Blick diagnostizieren zu können, ob die reizende Trägerin des Kleides und des Mantels ihre Tage im Gedränge der Maschinen einer Fabrik, an einer Schreibmaschine oder bei Spazierritten und Fünfuhrtees verbringt. Die Mädchen, die morgens zu ihrer Arbeitsstätte fahren oder abends ihre Arbeitsstätte verlassen, sehen fast alle wie Aristokratinnen aus, eine eleganter als die andere. Dabei ist der sichere Geschmack, zu bewundern, mit dem die Mädchen zwischen echter und Talmieleganz zu unterscheiden wissen. Wenn sie auch billige Imitationen tragen, so vermeiden sie doch alles Grelle, Aufdringliche.» Ein neuer Frauenberuf In New York ist ein merkwürdiger und nicht wohl für jedes Mädchen passender Frauenberuf aufgekommen, der in diesem Ausmass in anderen Ländern wohl nicht bekannt ist: das Photomodell. In allen Zeitungen, von allen Plakatwänden herab strahlen die schönen Züge unbekannter Frauen, die ein Glas heben, um für einen Likör, eine Zigarette zwischen den verführerischen Lippen halten, um für eine Tabakmarke, ihre Beine zeigen, um fUr eine Strumpffabrik Reklame zu machen. Es gibt im Grunde nur zwei Typen, aber beide sind durchaus amerikanisch. Der eine ist der ernste, seriöse — ein klares, grossflächiges, klassisch harmonisches Gesicht mit ruhigen, milde leuchtenden Augen oder mit härteren, knapperen Zügen, einem schärferen, sportlicheren Profil, mit einem Schatten des Indianertums darüber. Der zweite sind die fröhlichen, immer nur lächelnden oder lachenden Gesichter, aber auch sie niemals puppenhaft, sondern mit regelmässigen, grossen Zähnen, einer nicht zu kurzen, wohlgeformten Nase und nicht zu breitem Kinn. Diese « Lovelies Nr. 1 », wie sie der Volksmund gutmütig-spöttisch nennt, verdienen ziemlich viel, wenn sie in Mode sind. Die vier Stars unter ihnen können mit 200 Dollar Wocheneinkommen rechnen, die kleineren müssen schon mit 25 zufrieden sein. Von diesem Geld müssen sie aber ihre Toiletten selbst bezahlen und auch die Taxis, die sie notgedrungen nehmen, um eben die Kleider zu schonen. Das Photomodell braucht eine Garderobe von zwölf bis vierzehn Abendkleidern, neun Trotteurkleidern, sieben Hüten, fünf Mänteln, darunter zwei aus Pelz, einem Reitanzug, fünf Badekostümen, drei handgemachten Wollkleidern. Die längste Zeit, die diese Mädchen verwendbar sind, dauert vier Jahre. Ein Gesicht, das man so lange sehen kann, ohne seiner überdrüssig zu werden, muss schon sehr schön und interessant sein. Die Mädchen wissen das und sind deshalb sehr sparsam und vor allem bemüht, die kurze Frist ihrer Popularität auszunützen und, wenn möglich, Engagements an Nachtlokale, Kabaretts, Radio, Theater oder gar Film zu bekommen. Manchen von ihnen gelingt es wirklich, von der Kamera aus Karriere zu machen; für den Film bringen sie vor allem gleich den Beweis mit, gut photographierbar zu sein, und es darf nicht übersehen werden, dass so bekannte Schauspielerinnen, wie Kai Francis, Norma Shearer, Nancy Carroll, Madge Evans, Billie Dove und Viola Dana, auch als Photomodelle angefangen haben. Eine Liga der Bescheidenheit Eine Bescheidenheitsliga ist in Chicago von Frauen gegründet worden, die ihre Mitschwestern vor den Lockungen der Modetorheiten behüten wollen. Die Satzungen sind: Die Kleider der Mitglieder müssen Aermel haben, die über die Ellbogen reichen, die Röcke müssen die Beine bis zur Wade bedecken. Die Strümpfe dürfen nicht fleischfarben sein und müssen über die Knie gehen. Und wehe derjenigen, die in einem ausgeschnittenen Kleid erscheint. Maupertuis und die Kaiserin Unter den französischen Gelehrten, die Friedrich der Grosse an die Berliner Akademie berief, befand sich auch der Mathematiker Maupertuis. Dieser durfte sogar im Gefolge des Königs den ersten schlesischen Krieg unmittelbar miterleben. Als er jedoch bei Mollwitz über das von Friedrioh dem Grossen-bereits siegreich behauptete Schlachtfeld spazierte, geschah es ihm, dass er sich neugierig und unbedacht zu weit vorwagte und plötzlich von einer Bande plündernder Bauern umringt saK Diese nahmen ihm buchstäblich alles ab, was er auf dem Leibe trug und jagten ihn dann unter rohen Spässen mit Prügeln davon. In seiner Angst geriet der hilflose Gelehrte nun auch noch in die Reihen der abziehenden Oesterreicher. Von diesen wurde er aber wider Erwarten besser behandelt, als er erwarten durfte. Ein mitleidiger Husar schenkte ihm ein Hemd und ein wenig später ein hoher Offizier, dem er sich zu erkennen gab, 50 Louisdor. Der Offizier sorgte auch dafür, dass Maupertuis neu eingekleidet und mit einer Bedeckung nach Wien gebracht wurde. Dort sah er sich mit allen Ehren empfangen. Kaiser Franz schenkte ihm sogleich eine mit Diamanten besetzte Uhr und Maria Theresia erkundigte sich mit echt weiblicher Neugier, ob Ulrike, die Schwester Friedrichs des Grossen, wirklich die schönste Prinzessin Europas sei. Darauf fand Maupertuis die Antwort, mit der er sich das Herz der Kaiserin endgültig gewann. Er sah diese nämlich prüfend an und sprach: «Auch ich glaubte das, Majestät — bis heute!» Die verhängnisvolle Bettjacke Mein Freund Joos hatte eine liebe Frau. Mein Freund Joos nimmt an jeder Freude seiner jungen Frau Anteil, Neulich bat sie ihn, ihr auf die Dauer eines Retourbillets Urlaub zu gewähren. Sie möchte allzugerne ihre Mama wieder einmal sehen. Joos ist einverstanden. Das macht das Fraueli stutzig. Warum hält er sie denn nicht zurück? Wer seine Frau aufrichtig liebt, lässt sich dreimal bitten. Ottilie kann darum die Ferien nicht ganz froh gemessen. Wie ein Albdruck lastet das rasche Einverständnis ihres Mannes auf ihrem liebedurstigen Herzen. Sollte er ob ihres Wegganges gar sich freuen? Aber das kann nicht sein. Ein treueres Männerherz als das ihres Josua gibt es nicht. Aber in ihren Träumen begegnen ihr junge, hübsche Mädchen, die ihren Mann umschwärmen. Auch der Mutter will das Wesen und die Unruhe ihrer Tochter nicht gefallen. « Habt ihr euch denn vielleicht schon nichts mehr zu sagen? » «Wo denkst du hin, mein liebes Mütterlein? » Doch die Mutter kennt die Männer besser. « Jetzt, grad jetzt empfehle ich dir zu reisen. » Da reiste die betrübte Ottilie vor der Zeit zurück. Ihr Mann war noch im Bureau, als sie angekommen. In der Wohnung sah es aus wie in Sodom und Gomorra. Beide Betten durchwühlt und seit zwei Tagen oder länger nicht gemacht. Sämtliches Geschirr in der Küche gebraucht und flüchtig in der Badewanne rufgeschichtet, wohl um gesamthaft mit dem Wasserschlauch gespült zu werden. Hemden und Kragen, Taschentücher und sogar ihre, Ottiliens Wäsche lag ausgebreitet da. Alle Schubladen der Waschkommode lagen offen und herausgezogen da. Ottilie droht in einen Weinkrampl zu verfallen. « Das ist ja... » Eine Bettjacke, mangelhaft gefaltet, liegt zuoberst. Auf der Herzseite trägt das Wäschestück ein Vergissmeinnicht. Als die Bureaustunden aus sind, denkt Ottilie an ihres Mannes Heimkehr. Es kommt kein Joos. Es kommt überhaupt niemand. So wartet die Arme Stunde um Stunde. Sie lässt alles liegen, wie sie es angetroffen. Gegen Mitternacht, nachdem Tränenbäche über das Sofakissen geronnen, hat sie plötzlich Stimmen und Gelächter auf der Treppe gehört. «Aha, jetzt kommt das Vergissmeinnicht. Der werde ich den Meister zeigen. » Schon bewaffnet sie sich mit einem Besen. « Mitten ins Gesicht schlag ich sie! > Ein Schlüssel drehte sich rasch im Schloss. Joos tritt ein. Ihm. auf dem Fusse sein alter Schulfreund und Geschäftskollege. Da auch der Freund Strohwitwer war, hatte er sich bei Josua einquartiert. Just an diesem Abend assen sie aus-.värts. Am Sonntag war ein kleines Fest gewesen mit Tombola. Von den 25 Losen hatte eines gezogen — eine Bettjacke. J. P. Lötscher.