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E_1936_Zeitung_Nr.025

E_1936_Zeitung_Nr.025

BERN, Montag, 23. März 1936 Vierte Salon-Nummer Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N° 25 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) Vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 750 Mehr Vorsicht beim lieber holen Täglich fast bietet sich dem aufmerksamen Beobachter Gelegenheit zu sehen, wie Motorfahrzeugführer beim Ueberholen gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstossen. Häufig genug auch weiss die Presse von schweren Unfällen zu berichten, die sich beim Ueberholen ereignet haben. In der Stadt Bern z. B. sind rund 13% der Verkehrsunfälle auf Fehler beim Ueberholen zurückzuführen. Angesichts der Strenge von Gesetz und Gerichtspraxis mag es daher gerechtfertigt erscheinen, dieses Kapitel näher zu beleuchten. Schon als rein tatsächlicher Vorgang ist das Ueberholen mit gewissen Risiken verbunden, stellt es doch stark erhöhte Anforderungen an den Lenker. Wieso? Weil wir beim Ueberholen für mehr oder weniger lange Zeit in die linke Strassenhälfte und damit in die Fahrbahn eines uns eventuell entgegenkommenden Fahrzeuges hineingeraten. Je geringer der Geschwindigkeitsunterschied, desto länger hält der Ueberholende die linke Strassenseite besetzt. Der Vorgang erfordert somit eine genügend lange und übersichtliche Strecke, um jeden «Konflikt» mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zu vermeiden. Gerade :das Ueberholen rasch fahrender Fahrzeuge ist insofern gefährlich, weil in hohem Tempo der Ueberholungsvorgang mehr Strassenstrecke beansprucht und Selbsttäuschungen eher möglich sind. Schon selbstverständlicher ist es, dass die Strasse zum Ueberholen überhaupt breit gegenug sei. Aber auch darauf kommt es nicht allein an. Die Strasse muss sich in einem solchen Zustande befinden, dass das Ueberholen bei einem Tempo, wie es für den konkreten Fall erforderlich wäre, gefahrlos bleibt Wo Schleuder- oder Rutschgefahr droht, darf nicht überholt werden. Ganz besondere Aufmerksamkeit erfordert vor allem auch das zu überholende Fahrzeug. Wir haben auf einen genügenden Abstand von ihm zu achten und dürfen erst wieder nach rechts einbiegen, wenn wir dadurch keine Gefahr herbeiführen. Diese tatsächlichen Schwierigkeiten haben auch in rechtlicher Hinsicht ihren Niederschlag gefunden. Um allen den genannten Umständen Rechnung zu tragen und eine möglichst grosse Verkehrssicherheit zu erzielen, sieht das Gesetz eine strenge Regelung des Ueberholens vor. Das Ueberholen gilt im Sinne unserer Strassenverkehrsordnung als Ausnahme vom Erscheint jeden Diensten und Freilag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich- 1 mal .Gelbe Uste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 Postcheck Hl 414 • Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Grundsatz, der Führer habe ausschliesslich die rechte Seite der Fahrbahn zu benützen. Immerhin muss aber das Ueberholen unter gewissen Bedingungen erlaubt sein. Das ergibt sich aus der Verschiedenheit und der unterschiedlichen Geschwindigkeit- der Fahrzeuge und aus der Einsicht, dass der Strässenverkehr —einer vernünftigen Ausnützung der technischen Vorteile des Automobils entsprechend — auch möglichst den wirtschaftlichen Anforderungen angepasst werden sollte. Auf dieser Erkenntnis basierend, stellt das Gesetz in erster Linie einige strikte Verbote des Ueberholens auf. Schlechtweg untersagt ist es an Strassenkreuzungen, Bahnübergängen und Strasseneinmündungen. Auch an unübersichtlichen Stellen, insbesondere an unübersichtlichen Strassenbiegungen darf niemals überholt werden. Da das Ueberholen eine Ausnahme von der Regel der Einhaltung der rechten Strassenseite darstellt, nimmt der Fahrer auch sonst in zweifelhaften Fällen besser davon abstand. Wer sich keinen rechtlichen Risiken aussetzen will, überlegenes sich zweimal! Abgesehen von diesen Verboten steht das Recht, allgemein ausgedrückt, auf dem Boden, die Ueberholung dürfe nur unter Wahrung der vollen Verkehrssicherheit und unter Rücksichtnahme auf andere Strasseribenützer vorgenommen werden. Auch beim Ueberholen gilt es stets, sein Fahrzeug zu beherrschen, die Geschwindigkeit den Verhältnissen anzuzupassen und Verkehrsstörungen sowie Belästigungen des Publikums zu vermeiden. Die speziellen Verhaltungsmassregeln des Bundesgesetzes über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr sind nach Art. 25 und 26 kurz folgende: Der schneller fahrende Führer tut gut, dem vorderen Fahrer in allen Fällen seine Absicht des Ueberholens durch Signal anzukündigen. Es ist links zu überholen und auf andere Strassenbenützer Rücksicht zu nehmen. Beim Ueberholen muss ein angemessener Abstand eingehalten werden. Die « Angemessenheit» des Abstandes richtet sich nicht nur nach der Strassen- und Fahrzeugbreite, sondern auch nach der Raumbeanspruchung durch andere Strassenbenützer, ferner insbesondere nach der Geschwindigkeit und dem Strassenzustand. "Wo infolge schlechter und holpriger Strasse oder grosser Geschwindigkeit ein Schwanken oder Schleudern möglich Massenankunft bei der nationalen Sternfahrt nach Genf. Die 18 ex aequo als Erste Klassierten passierten in dichtem Rudel die Ziellinie auf der Place des Alpes in Genf. (Photo Wassermann.) ist, muss diesen Umständen Rechnung getragen werden. Liegen die Verhältnisse unklar oder unsicher, so soll das Vorfahren unterbleiben. Diese Gesetzesbestimmungen finden nun ihre Ergänzung in einer ganzen Reihe von Vorschriften der Vollziehungsverordnung, deren Art. 46 statuiert: Die zum Ueberholen erforderliche Strassenstrecke muss frei und übersichtlich sein. An irgendwie versperrten oder unübersichtlichen Orten soll also nicht vorgefahren werden. Auf der zum Ueberholen erforderlichen Strecke darf kein anderes Fahrzeug entgegenkommen. Das «Durchzwängen» ist, wie schon oben gesagt, wegen des damit verbundenen Ueberraschungsmomentes besonders gefährlich. Man vergegenwärtige sich auch immer, dass man dem entgegenkommenden Fahrer keine akrobatischen Kunststücke zumuten darf, damit es einem doch noch zum Ueberholen lange! ' Erst dann darf wieder nach rechts eingebogen werden, wenn dadurch jede Gefährdung ausgeschlossen ist. Auch dies bedingt eine ausreichende Länge der zum Ueberholen erforderlichen Strecke. Ein besonderes Kapitel bildet das Ueberholen der Strassenbahn. Die Regelung ist verschieden, je nachdem ein fahrendes oder ein anhaltendes Tram überholt werden soll. Wenn die Strassenbahn Jährt, so ist rechts zu überholen, sofern genügend Raum zwischen dem rechten Rande der Fahrbahn und der Strassenbahn bleibt. Nach welchen Gesichtspunkten bestimmt sich nun die Frage, ob genügend Raum vorhanden sei oder nicht? In der Praxis scheint hierüber ein ziemlicher Wirrwarr von Meinungen zu bestehen. Vorab können wir uns an den Wortlaut des Artikels selbst halten, der uns auf den Zwischenraum zwischen dem rechten Rande der Fahrbahn und der Strassenbahn verweist. Auf die zwischen diesen Grenzen vorhandene Fahrbahnbreite kommt es also an. Fraglich ist es nun, wie überholt werden müsse, wenn diese notwendige und verfügbare Fahrbahnbreite zufällig gerade durch ein anderes Hindernis versperrt wird. Nach dem Sinn des Gesetzes und nach Ansicht eines jüngsten Gerichtsentscheides ist es irrelevant, ob sich auf dieser an sich genügenden Fahrbahnbreite im Augenblick des Ueberholens zufällig noch ein Hindernis (Velofahrer, stationierende Fahrzeuge etc.) findet. Sobald die Geleiseanlage der Strassenbahn ein ungefährdetes Durchfahren zwischen rechtem Fahrbahnrand und Strassenbahn er- INSERTIONS- PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeüc oder deren Raum 45 Rp. GrSssere Inserate nach SpeziaJtarif Inseratmsehluss 4 Tane vor Erscheinen der Nummern Int. Sternfahrt nach Genf in vollem Gang. Massenhafte ex-aequos In der Nat. Sternfahrt Die Motoren 1936. Rund um die Stände. Bilder: Seite 6. möglicht — vernünftiges Tempo vorausgesetzt natürlich — darf nur rechts überholt werden, "\ierunmoglicht zufällig ein Hindernis das Ueberholen auf der rechten Seite, so heisst es einfach warten, niemals aber links überholen! Diese Auslegung trägt allerdings nicht dazu bei, den Verkehrsabfluss zu beschleunigen; sie lässt sich aber rechtfertigen im Hinblick auf die besonderen Gefahren des Ueberholens einer Strassenbahn, deren Geleiseanlage ungefähr die Mitte der Strasse in Anspruch nimmt. Ein unter solchen Umständen links vorfahrendes Fahrzeug ist gezwungen, äusserst stark nach links auszubiegen. Dadurch verringert es über Gebühr die Fahrbahnbreite, eventuell entgegenkommender Fahrzeuge. Zudem ist bei solchem Linksüberholen die Sicht nach rechts durch die Strassenbahn für längere Zeit gänzlich verdeckt. Nur wenn infolge ständig gleichbleibender örtlich-räumlicher Verhältnisse nicht genug Raum zwischen Strassenbahn und rechtem Fahrbahnrand vorhanden ist, darf die fahrende Strassenbahn links überholt werden. Einem haltenden Tram muss ebenfalls rechts vorgefahren werden, wenn Schutzinseln vorhanden sind. (Achtung auf die besondern Gefahren bei der haltenden Strassenbahn!) Fehlen sie, so kann nur links an der haltenden Strassenbahn vorgefahren werden. Ein besonderer rechtlicher Schutz ist hier noch für die aussteigenden Fahrgäste der Strassenbahn vorgesehen, indem der überholende Fahrer verpflichtet ist, links nur im Schrittempo zu überholen. Dr. jur. Hans Leuenberger, Bern. Der Einfluss des Rennwagenbaus auf den Bau von Gebrauchswagen In der langen Kette der Sitzungen und Konferenzen, welche Jahr für Jahr den Genfer Salon umrahmen, nimmt die Zusammenkunft, wozu die Firma Mercedes-Benz jeweilen die Vertreter der Schweizer Presse einlädt, ihren eigenen Platz ein. Sie hat sich zu einer Tradition herausgebildet, deren besondere Note darin liegt, dass dabei die Leute von der Feder regelmassig ein Referat über irgend ein aktuelles Thema aus der Domäne des Automobilwesens erwartet. « Der Einfluss des Rennwagens auf den Bau von Gebrauchswagen» hiess diesmal der Gegenstand der Orientierung, eine Frage also, die nicht nur den Fachmann, sondern auch den Laien heute aufs höchste interessiert. Und das ganze besonders dann, wenn sich eine Persönlichkeit vom Namen und von der Kompetenz eines Oberingenieurs Neubauer dazu äussert. Der Beitrag, den der Leiter der Rennabteilung von Mercedes, der mitten in der Praxis drin steht und die Dinge aus nächster Nähe verfolgen kann, zur Abklärung dieses bedeutsamen Fragenkomplexes leistete, zeugte von umfassender Erfahrung, von souveräner Beherrschung der Materie. Fesselnd vom ersten bis zum Wir berichten heute Cher: letzten Wort hörten sich die Darlegungen Neubauers an, und keiner von den rund 50 Journalisten bereute es, sich zu diesem ungewöhnlich aufschlussreichen Vortrag eingefunden zu haben. Herr Oberingenieur Neubauer, der geradewegs von den letzten Versuchen mit den Mercedes- Rennwagen in Monza in Genf eingetroffen war, eröffnete seine Darlegungen mit einem artigen Kompliment an die Adresse der «Automobil-Revue», mit deren Sportteil kein anderes Fachblatt, auch in Deutschland, sich messen könne und der eine ebenso vollständige wie zuverlässige Informationsquelle darstelle Der Zusammenhang zwischen Renn- und Normalwagen rollt Fragen auf, welche den Wert des Automobils als solches berühren. Unbestreitbar kommt den Rennen ein grosser Reklamewert für die Fabrik bei. Als sportliche Wettkämpfe haben sie auch ihren Wert für das Publikum und ebenso- Fahren Sie nach Genf zum Autosalon? Dann vergessen Sie nicht, vorher die Katalog-Nummer der < Auto-Illustrierten» durchzugehen. Sie ist an jedem Kiosk für 1 Fr. erhältlich.