Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1936_Zeitung_Nr.027

E_1936_Zeitung_Nr.027

Stahl- Einiagen NELSON-

Stahl- Einiagen NELSON- Adler Armstrong-Siddeley Bernard Bianchi B. M. W. Brennabor Cottin- Desgouttes Berna Dai m ler- Gaggenau ! Delage Fiat Hanomag Horch Hotchkiss Humber Auburn Chrysler Cord De Soto NOVA SCHWEIZ: F. B.W. Martini EUROPA: Imperia Isotta-Fraschini Itala Lagonda Leon Bollee Licorne Lorraine Magirus Maybach Mercedes-Benz Minerva N. A. G. AMERIKA: Dodge Hupmobile Franklin „ Nash Graham Packard Hudson - Pierce Arrow KOLBEN Einige Referenzen unter den zahlreichen Fabriken in der Welt, die unsere Kolben serienmässig verwenden: N.S.U. Opel Saurer Praga Renault Rochet-Schneider Steyr Stoewer Skoda Tatra - Reo Studebaker Stutz Untc Voisin Vomag Vauxhall Wanderer JUNKER & FERBER NOVA-WERKE, ZÜRICH Verlag, Administration, Druck und Cüchärie: HALLWAG A.-G. Hallersche Buchdruckerei und Waenerscbe Verlagsanstalt, Bern.

BERN, Freitag, 27. März 1936 Automobil-Revue, III. Blatt - Nr. 27 Römischer Brunnen Aufsteigt der Strahl und fallend giesst Er voll der Marmorschale Rund, Die, sich verschleiernd, überfliesst In einer zweiten Schale Grund: Die zweite gibt, sie wird zu reich, Der dritten wallend ihre Flut, Und jede nimmt und gibt zugleich Und strömt und ruht. Conrad Ferdinand Meyer. Das kleinste Flugzeug der Welt Von Edl Gmür, Zivllpilot. Dieser 18. April wird mir,ewig in .Erinne rung bleiben. Vermuten Sie nicht falsch ! ist-keine Sensation irgendwelcher, Art-posiert. Auch ist die Geschichte Jenes ersten Fluges bald erzählt. Aber etwas ist mir/geblieben. Etwas ganz Grosses an diesem/kurzen Fluge, das schwerlich zu beschreibemw ist haften geblieben. In jenen kurzen fünf Minuten, während denen die geladenen Gäste mit kritischen Augen meinen Flug verfolgten, während den wenigen Augenblicken, in denen dieser Ingenieur wohl um seinen Erfolg gezittert haben mag, lerne ich oben die Grossartigkeit, jene unfassbare Kraft der Energie und des Wollens eines Menschen kennen, der ein Ziel vor Augen hat, und dieses Ziel erreichen will. Während diesen fünf Minuten sehe ich im Geiste einen jungen Ingenieur, durch Krieg und innere Wirren, aus einer vielleicht glänzenden Berufskarriere herausgeworfen, und — wie Millionen andere junge heimkehrende Kriegsteilnehmer — vor dem Nichts stehend ! Sehe ich ihn, wie er sich elendiglich durchhungert, wie er in einer kleinen Barake an einem Flugzeug bastelt, und die notwendigen Teile zusammenbettelt; aber mit glühendem Glauben auf seine Kraft, auf sein Können arbeitet, Tag und Nacht, vielleicht zwei, drei Mal wieder von neuem beginnt und zu seiner Arbeit, sorglos wie ein Junge; ein Marschlied von x^der Front pfeift. Der Wunsch, mein Möglichstes beizutragen, um diesem Menschen zum Erfolg zu verhelfen, greift in mir Besitz, während den mit dieser nur 20pferdigen Maschine meine Schleifen ziehe. Und dann ist mein Entschluss gereift. Was in meiner Macht steht, soll geschehen. Ich schraube mich auf 800 Meter hinauf. Noch ein letztes vorsichtiges Abtasten meiner Fallschirmgurte, dann stelle ich die « Kleine Mücke > auf den Kopf. In den höchsten Tönen, wie Kindergeschrei heult der schwache Motor. Der Geschwindigkeitsmesser klettert mit rapider Schnelligkeit auf 200, und dann wage ich den Looping. Für den Bruchteil einer Sekunde kracht es in. den Flächen als wollten sie sich selbständig machen. Langsam ziehe ich den Steuerknüppel zum Magen, mit dem letzten Seufzer des Motors kommt die Maschine herum —und dann ist der Spuk vorbei! Ein wenig gezittert hab ich, aber vielleicht ist damit ein gutes Werk getan. . Dass mein Ingenieur über das ganze Gesicht strahlt, als er mir nach der Landung stumm die Hand drückt, ist wohl überflüssig zu sagen. Eine Stunde später bin ich abgereist. Ich habe ihn nie mehr gesehen, jenen Ingenieur. Zu schnellebig ist unsere Zeit. Und wie so viele meiner Bekannten, ist auch er aus meinem Blickfeld verschwunden. Ob er Erfolg hatte, und vielleicht heute in einer grossen Flügzeugwerft einen' verantwortungsvollen Posten als Konstrukteur inne hat, ich weiss es nicht. Aber eines weiss ich bestimmt. Hatte er .damals keinen [Erfolg,, konnte er damals sein grosses Ziel noch nicht erreichen — er wird heute wieder in einer Barake stehen und basteln, :wird wieder in einer ärmlichen Dachkammer über Reissbrett und Zeichnungsblatt gebeugt, seine Berechnungen aufstellen — und einmal wird seine Mühe belohnt werden ! Ich bin einem Ruf in eine kleine süddeutsche Stadt gefolgt, um, wie man mir schrieb, dem neuesten Wunder der Flugtechnik auf die Beine zu verhelfen. Solche Angelegenheiten üben nämlich immer einen unwiderstehlichen Reiz auf mich aus, und so setzte ich mich denn* frisch-fröhlich in die Verkehrsmaschine und flog, als Passagier, mit freudigen Gefühlen dem neuen Wunder entgegen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Das Wunder bestand aus einem zierlichen kleinen Flugzeug. So klein war dieses Flugzeug, dass ich trotz des mir brieflich angekündigten Wunders, trotz meiner reichlich ausgebildeten Phantasie, mit allem guten Willen es mir nicht zu erklären wusste, wie so ein Ding überhaupt fliegen konnte. - « Aber es wird fliegen ! », so versicherte mir wenigstens der Erbauer. Selbst der Tragik entbehrte diese kleine Geschichte nicht. Hatte da nun ein junger Flugzeugingenieur den letzten Rest seines kleinen Vermögens dafür geopfert, unter achtungsgebietenden Mühen diese «Kleine Mücke» (so hatte er nämlich sein Flugzeug getauft) zu bauen. Seine letzten zweihundert Mark opferte er als Honorar für mich, und legte es somit in meine Hände, dafür zu sorgen, dass aus diesem Drama keine Komödie würde. Meine Aufgabe bestand darin, diesen zierlichen Vogel einzufliegen, und vor einem versammelten Kollegium, das aus VeVtretern der Behörde und der Presse nebst {und dies versicherte mir der Konstrukteur, mit erhöhter Stimmbetonung) einigen Finanzleuten bestehen werde, Schauflüge zu veranstalten. Ich machte mich an die Arbeit, und da zeigte es sich, dass der Erbauer in punkto Aerodynamik und Flächenprofilierung ein. wahres Genie war. Denn er erklärte mir zuerst mal mindestens eine Stunde lang den rechnerischen Aufbau der Maschine, wobei algebraische Berechnungen von X mal Y dividiert durch Z plus Quadratwurzelresultat in beängstigender Reihenfolge an mein Ohr schlugen, mich aber weiter nicht ernstlich interessierten, höchstens dass sie mich.an die hirnverbrannten Allotria erinnerten, die wir früher in den Algebrastunden mit unserem Professor trieben. Erst als diese « Vorlesung» zu Ende war und wir uns über den rein fliegerischen Aufbau unterhielten, wurde mein ganzes Interesse wach. Dabei musste ich allerdings die wenig Vertrauen erweckende Feststellung machen, dass der Konstrukteur von der praktischen Seite des Fliegens verdammt wenig verstand. Erst nach langem Zureden konnte ich ihm klar machen, dass ich eine Maschine unmöglich, einfliegen könne, ohne dass mir die primitivsten Instrumente, wie Tourenzähler, Geschwindigkeitsmesser usw. zur Verfügung standen. Alles dies förderte mein Vertrauen zu der Maschine begreiflicherweise nicht. Immerhin aber entschloss ich mich doch, diesen Auftrag getreu zu Ende zu führen, denn erstens stand das Zweihundert-Mark- Honorar auf dem Spiel, was für meinen ewig leeren Geldbeutel eine nicht zu unterschätzende Erholung bedeutete, und überdies reizte mich die Aussicht ungemein, als Erster das kleinste Flugzeug der Welt zu fliegen. Allerdings von einer Bedingung Hess ich mich, trotz allen Beteuerungen meines Auftraggebers, nicht abbringen. Denn so gottverlassen leichtsinnig war ich doch nicht, diesen Flug ohne Fallschirm zu wagen. Nach schier unendlichem Umherirren auf einem alten klapprigen Motorrad, wobei wir bei allen Persönlichkeiten-der Stadt, die irf gend etwas mit der Fliegerei zu tun hatten, anklopften, hatten wir endlich einen Fallschirm nebst den notwendigen Instrumenten aufgetrieben, und abends -um 8 Uhr stand der kleine Vogel startbereit (wenn man es so nennen durfte I) im Hangar. Infolge der bereits hereingebrochenen Nacht musste natürlich der.Start verschoben werden, und ich entschloss mich, gleich morgen, ohne vorherigen Probeflug, die Maschine den Geladenen vorzufläegen. Kindlifresserbrunnen In Bern Photo K tinstcewerbemoseum Zürich